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Ritual

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Ein Ritual ist eine kulturell gebundene menschliche Handlung, die durch geplante strukturierte Mittel die Wandlung eines Lebensbereiches in über den Alltag hinaus reichende Zusammenhänge bewirkt.

Rituale sind ein menschheitliches Phänomen. Sie ermöglichen durch den Umgang mit Grundfragen der Existenz das menschliche Miteinander. Dazu zählen Sicherheit, Ordnung ebenso wie die Sterblichkeit. Sie vermögen die Welt einfacher und handhabbarer zu machen und erleichtern Entscheidungen.

Es gibt

Rituale sind im Bereich der Religion verankert. (siehe Ritus)

Rituale spielen im Bereich von Gesellschaft und Kultur eine ebenso konstitutive Rolle.

Das Ritual weist nach Wallace die Aspekte der Technologie, Therapie und Antitherapie, der Ideologie bzw. sozialen Kontrolle, der Salvation und der Revitalisierung auf.

  1. Das Ritual als Technologie
    bezieht sich auf den Umgang mit der Umwelt. So werden durch Weissagungen Hinweise von höchster Instanz erwartet, die zur Entscheidungsfindung beitragen. Das Intensivierungsritual erstreckt sich auf Jagd-, Vieh-, Acker-, und Wetterzauber. Das Schutzritual soll Unglück und Katastrophen abwenden.
  2. Das Ritual als Therapie bzw. Antitherapie
    bezieht sich auf die Kontrolle des menschlichen Gesundheitsbereichs. Dabei meint Antitherapie Hexerei: übernatürliche Krankheitsursachen werden gefunden, Personen wird die Fähigkeit zugesprochen, andere negativ beeinflussen zu können. Der Hexenglaube fördert in einer Gesellschaft die soziale Kontrolle: Man vermeidet Anstößigkeit, um nicht verhext zu werden. Man sucht auf der anderen Seite die Unauffälligkeit, um nicht als Hexe verdächtigt zu werden. Antitherapeutischen Rituale der Hexen erhöhen Stress und Krankheitsrisiko, therapeutische Rituale verringern dieselben.
  3. Das Ritual als Ideologie
    bezieht sich auf Verhalten, Gefühle, Werte und Moralvorstellungen der Gesellschaft. Dies kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden: Übergangsriten beziehen sich auf die Rollenveränderung einer Person oder Gruppe im sozialen oder territorialen Bereich.
  4. Das Ritual der sozialen Intensivierung
    betont die Identität einer Gruppe. Es ist wiederholbar wie die Kommunion oder der Gruß. Ebenso stabilisiert das Tabu das Miteinander. Rebellionsrituale bieten durch ritualisierte soziale Umkehrung eine Ventilfunktion und stabilisieren somit die bestehende Gesellschaft (Karneval).
  5. Das Ritual als Salvation ("Heilung")
    bietet die Chance, Abweichungen wie Psychosen etc. zu integrieren und zu akzeptieren, da auf diesem Wege neue Schamanen geschaffen werden, welche durch den Kontakt zum Übernatürlichen hohe Bedeutung erlangen.
  6. Das Ritual als Revitalisierung
    Bestimmte Gruppen, die gesellschaftliche oder ethnische Unterdrückung und damit das Schwinden ihrer Normen erfahren (religiöse) Erweckungsbewegungen, die mittels Lösungsritualen ein besseres Leben bieten.

Rituale sind einem ständigen Wandel unterworfen. Sie erneuern sich und treten in veränderter Gestalt in die gewandelte gesellschaftliche Wirklichkeit. So lassen sich etwa bestimmte religiöse Rituale im Sport, im Starkult oder in der Werbung wiederentdecken.

In der Jugendkultur oder dem Bereich Esoterik ist ein bemerkenswertes Aufleben von Ritualen zu verzeichnen.

Siehe auch Ritus (Religion), Passageritus, Brauch, Brauchtum, Zeremonie

Literatur: Anthony F. Wallace Religion: An Anthropological View. 1966.