Vril-Gesellschaft
Als Vril-Gesellschaft wird in einer Reihe von verschwörungstheoretischen und pseudohistorischen Texten eine fiktive Geheimgesellschaft bezeichnet, die Anfang bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland existiert haben soll. Von ihr wird unter anderem behauptet, sie sei am Aufstieg des Nationalsozialismus beteiligt gewesen, habe übernatürliche Energien dazu benutzt, während der Zeit des Dritten Reiches innovative Fluggeräte zu entwickeln (so genannte „NS-“ oder „Reichsflugscheiben“) oder die geheimnisvolle „Freie Energie“ erforscht. Für die Existenz einer Geheimgesellschaft dieses Namens und der ihr zugeschriebenen Leistungen finden sich keine historischen Belege. Ebenso fehlen jegliche Indizien für die historische Bedeutsamkeit, die von Vertertern dieser Legende der „Vril-Gesellschaft“ und einigen tatsächlich existierenden okkulten Gruppierungen zugeschrieben wurde.
Entwicklung und Inhalte der Legende
Der früheste Bezug auf eine Geheimgesellschaft mit dem Namen „Vril-Gesellschaft“ lässt sich in einer Publikation aus dem Jahre 1960 nachweisen. Seither wurde das Thema bis in die jüngste Zeit in mehreren Varianten in der verschwörungstheoretischen und esoterischen Literatur immer wieder aufgegriffen.
1960: Louis Pauwels und Jacques Bergier
Zum ersten Mal[1] wurde die Existenz einer „Vril-Gesellschaft“ von den französischen Autoren Louis Pauwels und Jacques Bergier behauptet. Sie vertreten in ihrem 1960 erschienenen Buch Le matin des magiciens (dt.: Aufbruch ins dritte Jahrtausend[2]) die These, die NS-Führungsriege habe versucht, Allianzen mit übernatürlichen Mächten einzugehen. In diesen Bestrebungen habe eine okkulte Geheimgesellschaft eine zentrale Rolle gespielt. Unter Berufung auf die Aussagen eines deutschen Raketenpioniers namens Willy Ley sowie aufgrund angeblich selbst durchgeführter, aber nicht weiter spezifizierter Recherchen behaupten sie, dieser Bundhabe sich „Vril-Gesellschaft“ oder auch „Die Loge der Brüder vom Licht“ (engl. „Luminous Lodge“) genannt. Die „Vril-Gesellschaft“ habe enge Kontakte zur Theosophischen Gesellschaft, den Rosenkreuzern und insbesondere zur Thule-Gesellschaft unterhalten und sei eine wichtige NS-Organisation gewesen.
Hintergründe
Das Kunstwort „Vril“ stammt aus dem im Jahre 1871 erschienenen Roman The Coming Race (dt. Die aufstrebende Rasse) des englischen Schriftstellers Edward Bulwer-Lytton. Dieser frühe Science-Fiction-Roman handelt von einer unter der Erde lebenden Überrasse, den Vril-Ya, die durch Anwendung einer fiktiven Superkraft namens Vril sogar die Materie selbst beherrschen können. In Isis unveiled (dt.: Die entschleierte Isis), dem von Helena Blavatsky 1877 veröffentlichten ersten Werk über die von ihr begründete Theosophie wurde diese Fiktion Bulwer-Lyttons übernommen und als historische Tatsache behandelt[3]. Da die Theosophie in der Zeit des Auflebens okkulter Strömungen gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreitet war, war das Vril-Konzept auch in Deutschland all jenen geläufig, die sich damals für Okkultismus interessierten[4].
Bulwer-Lyttons Buch erschien 1922 auf Deutsch[5], so dass der Begriff "Vril" von diesem Zeitpunkt an auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde. In den zwanziger Jahren wurde das Weltbild der Physik durch die Relativitätstheorie und die Quantenphysik nachhaltig verändert. Die Ablösung eines physikalischen Weltbildes, das mit der alltäglichen Anschauung vereinbar gewesen war, durch die schwer nachvollziehbaren, neuen Theorien irritierte weite Teile der Öffentlichkeit. In der Folge florierten pseudowissenschaftliche Konzepte, die behaupteten, angebliche Lücken der Wissenschaften füllen zu können [6]. In diesem Klima konnte ein Konzept wie die „Vril-Kraft“ selbst technisch gebildeten Personen plausibel erscheinen [7].
Die einzige Belegquelle zur „Vril-Gesellschaft“, die von Pauwels/Bergier zitiert wird, ist ein Artikel von Willy Ley, den er 1947 in dem amerikanischen Sciene-Fiction-Magazin Astounding Science Fiction veröffentlichte[8]. Darin versucht er seinen Lesern zu erklären, wieso der Nationalsozialismus in Deutschland auf fruchtbaren Boden fallen konnte und führt dies auf die große Popularität irrationaler Überzeugungen im Vorkriegsdeutschland zurück. Er beschreibt verschiedene Beispiele pseudowissenschaftlicher und esoterischer Strömungen und erwähnt in diesem Zusammenhang auch eine besonders sonderbare Gruppierung:
- Die nächste Gruppe wurde buchstäblich auf einem Roman gegründet. Diese Gruppe, die sich, wie ich glaube, Wahrheitsgesellschaft nannte und mehr oder weniger in Berlin ansässig war, widmete ihre Freizeit der Suche nach Vril. Ja, ihre Überzeugungen fussten auf Bulwer-Lyttons „The Coming Race“. Sie wussten, dass das Buch eine Erfindung war, Bulwer-Lytton habe diesen Kunstgriff benutzt, um die Wahrkeit über diese „Kraft“ erzählen zu können. Die unterirdische Menschheit war Unsinn, Vril nicht. Möglicherweise hatte es die Briten, die es als Staatsgeheimnis hüteten, in die Lage versetzt, ihre koloniales Imperium aufzubauen. Sicherlich besaßen es die Römer, eingeschlossen in kleine Metallkugeln, die ihre Heime beschützten und als lares bezeichnet wurden. Aus Gründen, die ich nicht durchschauen konnte, konnte das Geheimnis des Vril entdeckt werden, indem man sich in die Betrachtung der Struktur eines in zwei Hälften geschnittenen Apfels versenkte. Nein, ich mache keine Witze, das war es, was mir mit großer Feierlichkeit und unter Geheimhaltung erzählt wurde. Eine solche Gruppe existierte tatsächlich; sie brachte sogar die erste Ausgabe eines Magazins heraus, in dem sie ihr Credo proklamierte. (Ich wünschte mir, ich hätte einige dieser Sachen behalten, aber so, wie die Dinge lagen, hatte ich schon genug Bücher hinauszuschmuggeln)[9]
Kritik
Die Sekte, an die sich Ley erinnert, hat nur oberflächliche Ähnlichkeit mit der „Vril-Gesellschaft“ des Buches Aufbruch ins dritte Jahrtausend. Die Autoren legten nie weitere Belege für ihre weit reichenden Spekulationen vor, auch nicht für die angeblichen Namen dieser Gruppierung. Zudem kam die historische Forschung zu dem Schluss, dass die damals existierenden okkulten Gruppierungen (z.B. die Thule-Gesellschaft) keinen bedeutsamen Einfluss auf Hitler und die NSDAP ausübten. Zusammenhänge zwischen okkulten Ideen und dem Weltbild einzelner Nationalsozialisten sind zwar nachweisbar, stützen aber nicht die These, diese hätten einen umfassenden, systematischen Einfluss auf Hitler und die nationalsozialistische Führungsriege gehabt [10]. Auch aufgrund Pauwels und Bergiers eigener Charakterisierung ihres Umgangs mit Quellen und deren Interpretation müssen die in ihrem Buch aufgestellten Behauptungen bezweifelt werden. So schreiben sie in ihrem Einleitungskapitel: „Es [dieses Buch] ist der stellenweise legendenhaft ausgeschmückte und stellenweise nüchtern exakte Bericht über eine erste Reise in bisher kaum erforschte Bereiche des Wissens. Wie in den Schiffstagebüchern der Renaissance mischen sich auch in ihm Märchen und Wahrheit, kühne Spekulation und exakte Beobachtung.“[11].
Pauwels und Bergiers Buch inspirierte weitere Autoren zu eigenen Spekulationen um die angebliche Rolle der „Vril-Gesellschaft“, so etwa J. H. Brennan[12] oder Trevor Ravenscroft[13]. Auch sie behaupten, es habe enge Beziehungen zwischen der Thule-Gesellschaft, der Vril-Gesellschaft und der NS-Führungsriege gegeben, die aber nur auf Mutmaßungen und Pseudofakten beruhen [14].
1992: Norbert Jürgen-Ratthofer, Jan Udo Holey und andere Autoren
In den neunziger Jahren kam es zu einer Weiterentwicklung der Legende von der „Vril-Gesellschaft“. Jürgen-Ratthofer und Ralf Ettl verknüpften sie 1992 in ihrer Schrift Das Vril-Projekt [15] mit dem älteren Mythos der „NS-Flugscheiben“. Ihnen zufolge habe sich die „Vril-Gesellschaft“ aus der Thule-Gesellschaft entwickelt und esoterische Studien betrieben[16]. Anfang der dreißiger Jahre habe eine Zivilisation vom Aldebaran Kontakt zu ihr und zur SS aufgenommen. Daraufhin seien Fluggeräte entwickelt worden, mit deren Hilfe sich Angehörige der Vril-Gesellschaft und der SS 1945 ins antarktische Neuschwabenland abgesetzt hätten.[17].
Größere Aufmerksamkeit fanden die Texte von Jan Udo Holey. Er veröffentlichte 1993 unter dem Pseudonym Jan van Helsing das Buch Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert, das allein bis 1996 100000 mal verkauft worden sein soll[18].
Darin [19] behauptet er, die „Vril-Gesellschaft“ sei 1919 von Karl Haushofer als Vereinigung zweier Vorgängerorganisationen gegründet worden. Noch im gleichen Jahr habe ein Kreis aus Vertretern der „Vril-Gesellschaft“ und Vertretern anderer Gruppen damit begonnen, telepathische Kontakte zu außerirdischen Wesen vom Aldebaran aufzunehmen, über die sie Pläne zum Bau einer Flugmaschine erhielten. 1922 soll die „Vril-Gesellschaft“ auf der Basis dieser Informationen ein untertassenförmiges Flugschiff gebaut haben, die so genannte „Jenseitsflugmaschine“. Über diverse Zwischenschritte führte dies dann angeblich zum Bau einer fliegenden Untertasse, mit der Mitglieder der „Vril-Gesellschaft“ 1945 zum Aldebaran gereist sein sollen. In seinem 1997 erschienenen Buch Unternehmen Aldebaran wiederholte Holey dieses Szenario und erweiterte es durch umfangreichere Bezüge auf NS-Ufos und auf geheime Basen in der Antarktis [20].
Variationen dieser Legende finden sich auch in neueren Publikationen anderer Autoren, z.B. bei Heiner Gehring und Karl-Heinz Zunneck[21], in den Berzin Archives [22] oder im Arcanorum Causam Nostrum [23]). Ein weiteres Beispiel liefert Armin Risi, dessen 1999 erstmal erschienenes Buch Buch Machtwechsel auf der Erde 2006 neu aufgelegt wurde. In dem Kapitel „Ufos - Made in Germany?“ bezieht sich Risi auf die von Holey und anderen stammende Legende und erweitert sie um neue Behauptungen[24]. Ihm zufolge habe sich die Vril-Gesellschaft mit germanischen und östlichen Mythen befasst und in den dreißiger Jahren unter medialer Anleitung quantenphysikalische Experimente durchgeführt. Diese „Hintermänner“ des Dritten Reiches hätten sich u.a. auch mit der Modifikation von U-Booten befasst. Schliesslich folgert Risi, dass noch heute eine geheime U-Boot-Macht, die sich aus dem Dritten Reich herleite, mit ihrer unbekannten Technologie in den Weltmeeren agiere.
Hintergründe
Holey zitiert bei seinen Angaben über die "Vril-Gesellschaft" keine Quellen, die aber deutliche Parallelen zu den Darstellungen Jürgen-Ratthofers und Ralf Ettls zeigen[25]. In einer späteren Publikation gab Holey an, er habe zur Abfassung des Kapitels über die Vril-Gesellschaft u.a. Jürgen-Ratthofers Schrift Das Vril-Projekt herangezogen[26] und in einigen Textstellen in Unternehmen Aldebaran bezog sich Holey ausdrücklich auf diese Autoren[27].
Der Mythos von den Nazi-Ufos wurde im wesentlichen durch die Schriften von Miguel Serrano[28], Ernst Zündel)[29] und Wilhelm Landig [30] [31] [32] geprägt[33].
Kritik
Überprüfbare Belege für diese Szenarien fehlen völlig, die Bücher enthalten nur einige Abbildungen fragwürdigen Ursprungs. Die Autoren berufen sich auf medial übermittelte Botschaften und anonyme Informanten, die sich jeder Nachprüfung entziehen [34]. Positive Resonanz scheint der Themenkreis vor allem in Kreisen der rechten Esoterik zu finden[35]. Für diesen seit einigen Jahren zu beobachtenden Trend ist charakteristisch, dass das Dritte Reich aus der Perspektive esoterischer Weltbilder neu gedeutet und positiv aufgewertet wird[36] [37] [38].
1997: Peter Bahn und Heiner Gehring
Mit Peter Bahns und Heiner Gehrings 1997 erschienenen Buch Der Vril-Mythos erhielt die Vril-Gesellschafts-Legende eine neue Wendung. Im ersten Teil des Buches werden zunächst ältere Varianten der Legende kritisiert, die vorangegangene Autoren auf der Grundlage des Ley-Textes erdacht hatten. Dann entwickelt Bahn allerdings eine Reihe neuer Spekulationen. Er vertritt die These, eine „Reichsarbeitsgemeinschaft ‚Das kommende Deutschland'“ (RAG) sei in Wahrheit jener Zirkel gewesen, den Ley als „Wahrheitsgesellschaft“ kennengelernt habe. Zum anderen schreibt er dieser Gruppe eine hohe Bedeutsamkeit zu und deutet Verbindungen zu anderen okkulten oder pseudowissenschaftlichen Gruppierungen, sowie zu Wirtschaft und Politik, an. Bahn verwendet den Begriff Vril-Gesellschaft als allgemeine Bezeichnung für alle Gruppen, die sich mit der Nutzung der Vril-Kraft beschäftigt hätten, die er mit der Freien Engergie gleichsetzt.
Bahns und Gehrings Buch sowie die von ihnen aufgefundenen Texte der RAG fanden Eingang in den Mythos der NS-UFOs. So behauptet Henry Stevens[39] unter Verweis auf sie, die RAG sei eine Regierungsorganisation gewesen, die einen Apparat zur Nutzung der Freien Energie gebaut und sich mit der Entwicklung von Raumfahrzeugen befasst habe.
Heiner Gehring wiederum veröffentlichte 2005 gemeinsam mit Karl-Heinz Zunneck das Buch Flugscheiben über Neuschwabenland. Hier[40] behaupten sie, die „Vril-Gesellschaft“ sei in den zwanziger Jahren in erster Linie eine Vereinigung junger Damen gewesen, die sich der Kontaktaufnahme mit dem Jenseits widmeten. Gleichzeitig habe sie aber über Deutschland verteilte, geheime Testgelände unterhalten, sog. „Antriebstechnische Werkstätten“ und sei an der Entwicklung von Flugscheiben beteiligt gewesen. Nach 1945 würden sich ihre Spuren verlieren, doch gebe es Gerüchte, wonach die „Vril-Gesellschaft“ von Wien aus fortgeführt werde.
Hintergründe
Bei den von Bahn ins Feld geführten Dokumenten handelt es sich um zwei kleinere Pamphlete, betitelt Weltdynamismus[41] und „Vril“. Die kosmische Urkraft[42], die 1930 von einem okkulten Zirkel veröffentlicht wurden, der sich als „Reichsarbeitsgemeinschaft ‚Das kommende Deutschland'“ (RAG) bezeichnete.
Die RAG behauptete darin, sie verfüge über eine ausgearbeitete Technik, die geeignet sei, die „Vril“-Kraft zu nutzen. Der Darstellung dieser Technik ist eine umfangreiche Begründung vorangestellt, die aus unterschiedlichen okkultistischen und pseudowissenschaftlichen Konzepten zusammengesetzt ist. Außerdem stellten sie ein politisches Konzept vor, um die aus der Nutzung der angeblich kostenlosen und unerschöpflichen „Vril“-Kraft resultierenden sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen in Bahnen zu lenken, die dem Allgemeinwohl dienlich seien. Ein wesentliches Bauelement dieses Apparats, der auch für die Raumfahrt nutzbar sei, müsse jedoch geheim gehalten werden. Die Texte schlossen mit dem Aufruf an alle interessierten Deutschen, sich mit der RAG zusammen zu tun, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.
Aufbau und Funktionsprinzip der beschriebenen Maschine sowie das skizzierte politische Programm sind in Aufbau und Inhalt fast identisch mit Textstellen aus einer bereits 1928 von zwei österreichischen Autoren erschienenen Broschüre, die ein Perpetuum mobile propagiert, das der Österreicher Karl Schappeller erfunden haben soll[43]. Die RAG-Pläne unterscheiden sich davon nur in wenigen Details. Insgesamt wird der Eindruck erweckt, es handele sich um eine verbesserte Version von Schappellers Maschine. Aus einer erst später und unabhängig von Bahn bekannt gewordenen[44], dritten Publikation der RAG, der Zeitschrift für Weltdynamismus [45], wird deutlich, dass die RAG 1930 in Berlin von einem gewissen Johannes Täufer gegründet wurde [46]. Täufer zeichnet auch für die Broschüre „Vril“. Die kosmische Urkraft verantwortlich, doch über seine Person ist nichts weiter bekannt. Selbst Bahn hält es für denkbar, dass es sich um ein Pseudonym handelt [47] und an anderer Stelle wurde die Vermutung geäußert, dass es das Pseudonym von Otto Wilhelm Barth gewesen sein könnte [48].
Kritik
An Bahns Sichtweise wurde kritisert, dass er die Bedeutung der RAG überschätzt habe, sowohl was ihre Stellung innerhalb der okkulten Szene, als auch was ihre Leistungen betreffe [49]. So ist weder die RAG in amtlichen Registern nachweisbar, noch existieren in den Archiven des Otto-Wilhem-Barth-Verlages Unterlagen über ihre damaligen Publikationen[50]. Sowohl von der Zeitschrift für Weltdynamismus als auch von dem mit ihr gemeinsam erschienenen Archiv für Alchemistische Forschung erschien keine weitere Ausgabe [51]. Für die Zeit nach 1930 existieren keine Dokumente, die ein weiteres Bestehen der RAG oder einen Einfluss auf andere Kreise belegen. Ebensowenig kann die Behauptung der RAG, sie verfüge über eine „Vril“-Technologie, als Beweis dafür angesehen werden, dass ihr diese Nutzung tatsächlich gelungen sei.
Zwar entbehrt Bahns Ausgangsthese, die RAG sei mit der von Ley erinnerten Wahrheitsgesellschaft identisch gewesen, beziehungsweise eine der Gruppen habe sich aus der jeweils anderen entwickelt, aufgrund des Textvergleichs nicht einer gewissen Plausibilität. Doch für seine weiterführenden Schlussfolgerungen fehlt – wie er selbst zugesteht[52] – jeglicher dokumentarische Beweis. Einem seiner Kritiker, Peter Töpfer, zufolge speist sich seine Argumentation aus dem Andeuten von Parallelen und Ähnlichkeiten, die aber in dieser Form nicht notwendigerweise etwas mit der Realität zu tun haben müssen [53].
Letztlich dient Bahns Darstellung der RAG der weiteren Untermauerung des Grundthemas des Buches: Der Rechtfertigung des pseudowissenschaftlichen Konzepts der „Freien Energie“ [54]. Er argumentiert, dass dieses Konzept ernst genommen werden könne, weil es sich unter verschiedenen Bezeichnungen (z.B. Vril, Od, Raumkraft) wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehe.
Bahns Behandlung des Themas fand daher in jenen Kreisen Beachtung, die an die Realität einer „Freien Energie“ glauben[55] Es wurde jedoch auch von Vertretern der „braunen Esoterik“ zu einer positiven Umdeutung des Dritten Reiches verwendet. So finden sich Bezüge auf seine Interpretation der RAG bspw. in den Publikationen des Sonnenwacht-Vereins [56] [57], der nach Ansicht von Kritikern "neuheidnische Esoterik als Deckmantel von Rechtsextremismus nutzt" [58].
Gehring und Zunneck berufen sich für ihre Variante der „Vril-Gesellschafts-Legende“ auf eine „intern verbreitete Informationsschrift“[59], sowie auf die mündlichen Auskünfte von angeblichen Zeitzeugen, die aber ungenannt bleiben wollen[60]. Keine dieser Quellen ist für kritische Nachprüfungen zugänglich, so dass auch nicht beurteilt werden kann, ob sie überhaupt existieren.
Literatur
Quellen, in denen Varianten der Legende von der Vril-Gesellschaft vertreten werden
- Bahn, Peter & Gehring, Heiner (1997). Der Vril-Mythos. Düsseldorf: Omega Verlag. ISBN 3930243032
- Gehring, Heiner & Zunneck, Karl-Heinz (2005). Flugscheiben über Neuschwabenland. Die Wahrheit über "Vril", "Haunebu" und die Templer-Erbengemeinschaft. Rottenburg: Jochen Koop Verlag. ISBN 3938516003
- Jürgen-Ratthofer, Norbert & Ettl, Ralf (1992). Das Vril-Projekt. Der Endkampf um die Erde. STM-Tempelhof, Wien (Die Schrift wurde nie von einem Verlag publiziert. Ein Typoskript kursiert im Internet und im Versandhandel)
- Pauwels, Louis & Bergier, Jacques (1960). Le matin des magiciens: introduction au realisme fantastique. Paris: Gallimard
- Pauwels, Louis & Bergier, Jacques (1976). Aufbruch ins dritte Jahrtausend. Von der Zukunft der phantastischen Vernunft. München: Wilhelm Heyne Verlag (Unveränderte Taschenbuchausgabe der ersten deutschsprachigen Ausgabe von 1962). ISBN 3453006380
- Ravenscroft, Trevor (1988). Der Speer des Schicksals. Die Geschichte der heiligen Lanze. München: Universitas. ISBN 3800411660
- Risi, Armin (2006). Machtwechsel auf der Erde: Die Pläne der Mächtigen, globale Entscheidungen und die Wendezeit. 5. Aufl., Zürich: Govinda. ISBN 3906347818
- Stevens, Henry (2003). Hitler's flying saucers. A guide to German Flying Discs of the Second World War. Kempton (Illinois): Adventures Unlimited Press. ISBN 1931882134
- Van Helsing, Jan (1993). Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert oder wie man die Welt nicht regiert: Ein Wegweiser durch die Verstrickungen von Logentum mit Hochfinanz und Politik ; Trilaterale Kommission, Bilderberger, CFR, UNO. Rhede (Ems) : Ewert. ISBN 389478069X
- Van Helsing, Jan (1997). Unternehmen Aldebaran. Kontakte mit Menschen aus einem anderen Sonnensystem. Lathen (Ems): Ewertverlag. ISBN 389478220X
Quellen zu Hintergründen und Kritik der Legende
- Christiansen, Ingolf; Fromm, Rainer & Zinser, Hartmut (2006). Brennpunkt Esoterik : Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus. 3. Aufl. Hamburg: Behörde für Inneres, Landesjugendbehörde [[6]]
- Goodrick-Clarke, Nicolas (2004). Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Wiesbaden: Marix-Verlag. ISBN 3937715487 (Neuauflage d. ersten deutschsprachigen Ausgabe von 1997)
- Goodrick-Clarke, Nicolas (2002). Black Sun: Aryan Cults, Esoteric Nazism and the Politics of Identity. New York: New York University Press. ISBN 0814731244
- Hakl, H. T. (2004). Nationalsozialismus und Okkultismus. In: Goodrick-Clarke, N. (2004) Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, S. 194-217. Wiesbaden: Marix-Verlag. ISBN 3937715487
- Meining, Stefan (2002). Rechte Esoterik in Deutschland. Ideenkonstrukte, Schnittstellen und Gefahrenpotentiale. Vortrag, gehalten am 3.9.2002 auf dem Symposium "Politischer Extremismus als Bedrohung der Freiheit - Rechtsextremismus und Islamismus in Deutschland und Thüringen". [7]
- Pöhlmann, Matthias (2002). Neues Denken auf alten Wegen? Braune Esoterik zwischen Weltverschwörungstheorien und Neuheidentum. Vortrag, gehalten am 7.5.2002 auf der Tagung "Neuheidentum. Zurück zu einem neuen Anfang" der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin [8]
- Thiel, Christian (1987). Zur Dynamik von Wissenschaft, Grenzwissenschaften und Pseudowissenschaften in der Moderne. In: Holländer, H. & Thomsen, C. W. (Hrsg.), Besichtigung der Moderne: Bildende Kunst, Architektur, Musik, Literatur, Religion, S. 215-232. Köln: DuMont. ISBN 3770121619
- Töpfer, Peter (1998). Exzeß der Ideengeschichte. In: Sleipnir. Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik, Heft 1998/6. [Zeitschriftendatenbank der Deutschen Nationalbibliothek, ID: 1224630-x] [9]
- Van Heertum, Cis (2006). Exploring alchemy in the early 20th century. [10]
Historische Quellen, die zur Konstruktion der Legende verwendet wurden
- Barth, Otto (Hrsg.) 1930. Zeitschrift für Weltdynamismus. In: Barth, O. W. (Hrsg.): Archiv für Alchemistische Forschung (Alchemistische Blätter, Band 2), Band II, Heft 2 [Zeitschriftendatenbank der Deutschen Nationalbibliothek, ID: 526573-3]
- Bulwer-Lytton, Edward (1871). The Coming Race. Edinburgh.
- Bulwer-Lytton, Edward (1999). Das kommende Geschlecht. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag. ISBN 3423127201
- Ley, Willy (1947): Pseudoscience in Naziland. In: Astounding Science Fiction, 39/3 (Mai 1947), S. 90-98 [Zeitschriftendatenbank der Deutschen Nationalbibliothek, ID: 84450-0]
- Reichsarbeitsgemeinschaft "Das kommende Deutschland" (Hrsg.) 1930). Weltdynamismus. Streifzüge durch technisches Neuland anhand biologischer Symbole. Otto Wilhem Barth Verlag, Berlin W 57 [Deutsche Nationalbibliothek Leipzig, Sig.: 1930 A 3927]
- Täufer, Johannes (1930). "Vril". Die kosmische Urkraft. Wiedergeburt von Atlantis. (hrsg. im Auftrag der Reicharbeitsgemeinschaft 'Das kommende Deutschland'). Astrologischer Verlag Wilhelm Becker, Berlin-Steglitz, Schloßstraße 69. [Deutsche Nationalbibliothek Leipzig, Sig.: 1930 A 5652]
Weblinks
Quellen
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- ↑ Pauwels & Bergier, 1976, S. 302-393
- ↑ Goodrick-Clarke, 2004, S. 24
- ↑ van Heertum, 2006
- ↑ Bulwer-Lytton, Edward (1922), Vril oder einer Menschheit Zukunft. Stuttgart: Der kommende Tag
- ↑ Thiel, 1987, S. 222
- ↑ Thiel, 1987, S. 229
- ↑ Ley, Willy (1947): Pseudoscience in Naziland. In: Astounding Science Fiction, 39/3 (Mai 1947), S. 90-98
- ↑ Ley, 1947, S. 92-93
- ↑ Goodrick-Clarke, 2004; Hakl, 2004
- ↑ Pauwels/Bergier, 1976, S. 33
- ↑ Brennan, J. H. (1976). Occult Reich. London: Futura Publications Ltd.
- ↑ Ravenscroft, 1988
- ↑ Goodrick-Clarke, 2004, S.189-193
- ↑ Jürgen-Ratthofer, Norbert & Ettl, Ralf (1992)
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- ↑ Van Helsing, 1993, Kap. 29
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- ↑ Van Helsing, 1997, S. 151ff
- ↑ Miguel Serrano (1978). Das goldene Band: Esoterischer Hitlerismus. ISBN 3-926179-20-1
- ↑ Christof Friedrich (so Zündels Pseudonym) (1974). UFO's – Nazi Secret Weapon?. Samisdat Publishers (nur über das Internet oder den Versandhandel zugänglich)
- ↑ Landig, Wilhelm (1971). Götzen gegen Thule - ein Roman voller Wirklichkeit. Hannover: Pfeiffer. ISBN 3876322081
- ↑ Landig, Wilhelm (1980). Wolfszeit für Thule. Wien: Volkstum-Verlag Landig. ISBN 3853420338
- ↑ Landig, Wilhelm (1991). Rebellen für Thule - das Erbe von Atlantis. Wien: Volkstum-Verlag
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- ↑ Reichsarbeitsgemeinschaft "Das kommende Deutschland" (Hrsg. 1930). Weltdynamismus. Streifzüge durch technisches Neuland anhand biologischer Symbole. Otto Wilhem Barth Verlag, Berlin W 57
- ↑ Täufer, Johannes (1930). "Vril". Die kosmische Urkraft. Wiedergeburt von Atlantis. (hrsg. im Auftrag der Reicharbeitsgemeinschaft 'Das kommende Deutschland'). Astrologischer Verlag Wilhelm Becker, Berlin-Steglitz, Schloßstraße 69
- ↑ Wetzel, F. & Gföllner, L. (1928). Raumkraft. Ihre Erschließung und Auswertung durch Karl Schappeller. München: Herold Verlag
- ↑ van Heertum, 2006
- ↑ Barth, Otto Wilhelm (Hrsg.) (1930). Zeitschrift für Weltdynamismus. In: Barth, O. W. (Hrsg.): Archiv für Alchemistische Forschung (Alchemistische Blätter, Band 2), Band II, Heft 2
- ↑ Ztschft f. Weltdynamismus, 1930, S. 15
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- ↑ van Heertum, 2006
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- ↑ Töpfer, 1998
- ↑ Geise, Gernot L. (1998). Der Vril-Mythos (Buchrezension des EFODON-Vereins) [2]
- ↑ z.B. Bongart, Gisela (1999). Freie Energie Revolution für ein Neues Zeitalter [3]
- ↑ SOL INVICTUS, Folge 17 (2001) [4]
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- ↑ Gehring & Zunneck (2005), S. 67
- ↑ Gehring & Zunneck (2005), S. 60-63