Träume auf Rädern – Orient-Express
| Film | |
| Titel | Träume auf Rädern - Orient Express |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahre | 2000 |
| Länge | 75 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Hannelore Conradsen Dieter Köster |
| Drehbuch | Hannelore Conradsen Dieter Köster |
| Produktion | Hannelore Conradsen |
| Kamera | Hans Evert Vennegeerts, Dieter Jlster |
| Schnitt | Matthias Remski, Dieter Köster |
| Besetzung | |
| Reisende und Beschäftigte im "Venice - Simplon - Orient Express" | |
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Der Film Träume auf Rädern, zeigt den legendären Orient - Express (der als restaurierter "Venice - Simplon - Orient Express" bestimmte Strecken in Europa und in die Türkei befährt), während seiner Fahrt von Boulogne nach Venedig, von Venedig nach Prag und zurück nach Paris, sowohl aus der Perspektive der in und um ihn herum Beschäftigen, wie aus der Sicht einer Reisenden, die lange auf die “Erfüllung des Traumes” gespart hat.
Handlung
Auf die Frage, ob er wisse, welchen Zug er mit seiner Elektrolokomotive gerade zöge, weiß der Lokomotivführer keine rechte Antwort. Für ihn ist es ein Sonderzug wie viele andere. Bevor der restaurierte “Venice - Simplon - Orient Express” erneut auf die Reise durch Europa geht, wird er in Boulogne (an der französischen Ärmelkanal - Küste) hergerichtet. Ein Schwarm von Reinigungskräften macht sich mit Putzzeug und Druckstrahlgebläse über ihn her. Es geht darum, den Schein eines “Sonderzuges” auf Hochglanz zu bringen. Es geht auch um das Geschäft, betont der Leiter der Deutschlandvertretung im plüschigen Salonwagen, die den legendären “König der Züge” oder “Zug der Könige” vermarktet, während um ihn herum das Putzgeschwader arbeitet.
In einer Monatage - Fahrt bewegt sich der Orient Express im Film über Paris, Innsbruck und nach Venedig, ins zentrale Ausbesserungswerk. Exotische Früchte, Fische und Delikatessen werden zugeladen. Die berühmten Wagen, von zahlreichen Schriftstellern beschrieben, hier auf nagelneue Fahrgestelle gehoben. Und so erscheint auch die italienische Leiterin der Reinigungsabteilung, die darüber wacht, dass auch alles so erscheint, wie sich der Fahrgast es erträumt, wie für einen traumhaften Film gecastet. Sie zeigt charmant das Ersatzteillager und erklärt, wie gestohlene Teile ausgewechselt werden. Durch die Frage nach ihrer Herkunft, wird deutlich, dass dies für sie nur ein “Job” wie viele andere ist, wie auch für den italienische Steward Bruno, der seinen Wagen noch mit Papier, Holz und Kohle beheizt. Gleich auf dem Bahnsteig in Venedig wird sichtbar, dass es sich hier um keine Individualreise handelt. Bunt gekleidete Touristen warten hinter der stilvollen Kordel, die sie hier vor dem bereitgestellten Zug zurück hält. Der Maitre des Zuges, stimmt mit den Steward Listen ab. Dann wird der Zug für die Gäste freigegeben und eine Hatz beginnt, als gäbe es keine reservierten Abteile. Im prächtigen Einzel- Compartment (Preis für 22 Stunden Fahrt, von Venedig nach Prag: 6200 Mark), kommt die deutsche Reisende aus ihrem Staunen nicht heraus. Nach diesem Prolog, setzt sich der Zug nun pfeifend in Bewegung und die Servicemaschine mit ihr in Gang.
Das Thema des Film ist die Realisierung eines Traumes und wie sich dieser dann im Alltag einer Luxusreise auf die Beschäftigten auswirkt, wie auf die von ihnen betreute Reisende Dannenberg, die für 22 Stunden, auf der Fahrt von Venedig nach Prag, ihr Dasein als Beschäftigte im deutschen Öffentlichen Dienst "vergessen möchte". Jede Minute ist ihr wichtig, “da teuer erkauft“. Sie genießt die Intarsien von Prou, vor allem das Gefühl, hier nicht mehr ganz sie selbst sein zu müssen, inmitten von Leuten aus der IT-Branche, einem Eisenbahnfan, dem Paar, das eine Pension in Österreich betreibt, wie jener Dame, die regelmäßig den Zug mit ihrer Mutter bereist oder der veräußerlichten Weltreisenden, die ihr amerikanisiertes Posing nicht mal am Souvenier - Shop ablegt. Zahlreiche Köche arbeiten im Hintergrund für sie auf engstem Raum und der Sternekoch gibt Auskunft, über die Hintergründe seiner Kunst (das im Zug nicht mit Fett gearbeitet werden darf, aus Sicherheitsgründen).
Der blaue “Venice - Simplon - Orient Express” fährt durch die Nacht. Es passiert nicht viel während dieser Reise. Das sieben Gänge - Diner, erinnern die Dame aus dem Öffentlichen Dienst an ihr Lieblingskaufhaus in Berlin. Im Bar - Wagen spielt ein Piano - Player und die Reisende erfährt von Geschäftsleuten, dass diese beruflich immer unter Stress ständen und vom Arbeitgeber, die Reise als Belohnung bekamen. In Kärnten muss der Zug zwei Stunden warten, verrät der Steward, damit er am nächsten Tag pünktlich sein Ziel erreicht. Auf der einen Seite macht sich gepflegte Langeweile breit, auf der anderen wird dagegen an gearbeitet, Getränke und Gebäck auch in der Nacht serviert, um dieses Gefühl nicht in wirkliche Langweile umschlagen zu lassen.
In Prag verabschiedet der Steward die Reisende formvollendet, als gäbe es nur sie im Zug. Dann geht er mit dem Maitre schnell die Liste durch, um informiert zu sein, welche Gäste ub Prag nach Paris zusteigen. Eine böhmische Kapelle spielt zum Abschied und Willkommen. Die begleitete Reisende aus dem Öffentlichen Dienst, verläuft sich in den Katakomben des Gründerzeitbahnhof. Die Wirklichkeit hat sie wieder. Ihr Schlussbild zeigt die Heimfahrt nach Deutschland, im kontrastreichen Wagen der 2. Klasse. Das letzte Bild des Film, teigt einen leeren Zug, der durch Europa fährt.
Kritik
Manfred Riepe schreibt u.a. in der Frankfurter Rundschau über den Film:
"...Der Clou des Films besteht darin, diese opulente Inszenierung von Luxus immer wieder zu brechen. Unübersehbar ist dabei jedoch die spät-68-Protesthaltung. Als wollen Conradsen und Köster sich und dem Zuschauer das aristokratische Vergnügen dieser erlesenen Reise nicht so recht gönnen. Sie mäkeln an der festlichen Garderobe der Gäste herum, und beim festlichen Diner erscheint die in Großaufnahme gezeigte Flasche Chateau Neuf du Pape wie der Inbegriff der Dekadenz. Obwohl die Dreharbeiten in den engen Zugabteilen ein technisches Bravourstück sind, entsteht immer wieder der Eindruck, als fühlte sich ihr Kamerablick nicht recht wohl inmitten fein ziselierter Jugendstillampen und kunstvoll arrangiertem Holzornat. Aber diese Zwiespältigkeit bekommt dem Film ..."
Weblinks
Dreh oder Video-Recherchebericht Orient Express :