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Gera

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 17. August 2003 um 13:36 Uhr durch Steffen Löwe Gera (Diskussion | Beiträge). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.
Karte Gera in Deutschland


Gera ist eine kreisfreie Stadt im Bundesland Thüringen. Sie ist nach der Landeshauptstadt Erfurt die zweitgrößte Stadt des Landes.

Daten und Fakten

  • Lage: 12°05' östlicher Länge, 50°52' nördlicher Breite
  • Fläche: ca. 151 km²
  • Einwohner: ca. 112.000 (Frauen: 58.000, Männer: 54.000)
  • Bevölkerungsdichte: 735 Einwohner/km²
  • Höhe: 205 m ü.d.M. (höchster Punkt: 354 m)
  • Kfz-Zeichen: G


Name

Der Name Gera stammt von dem frühgermanischen "ger-aha", was wahrscheinlich "gurgelndes Gewässer" oder "gurgelnder Fluss" bedeutet. Früher versuchte man die Silbe "ger" als "Keil" oder "Speer" zu deuten. Demzufolge hätte der Name "Keilförmiger Landstrich an einem Fluss" bedeutet.
Ursprünglich bezeichnete der Name "Gera" nur einen Landstrich, erst im 12. Jahrhundert entstand in dessen Zentrum eine Siedlung gleichen Namens.


Geschichte

Frühgeschichte

Mittelalter

  • am 31. März 995 schenkt Otto III. dem Bischof von Naumburg das Gebiet Crossen (nördlich von Gera), in der Grenzbeschreibung wird Gera erstmalig erwähnt
  • 26. April 999: Otto III. schenkt das Gebiet Gera seiner Schwester Adelheid, der Äbtissin von Quedlinburg
  • 1209 erhalten die Vögte von Weida das Gebiet Gera, aus ihnen gehen die Grafen und Fürsten von Reuß hervor
  • vor 1237 Stadtrecht
  • 1450 Zerstörung im Sächsischen Bruderkrieg
  • aus dem Jahr 1487 stammt die erste erhaltene Aufzeichnung des Stadtrechts

Frühe Neuzeit

  • ab 1546 ist Gera offiziell Lehen der böhmischen Krone (bis 1806), der böhmische König hat jedoch keinen Einfluss auf Gera
  • ab 1572 Residenz der Grafen von Reuß-Gera
  • Während der Renaissance ein Zentrum von Tuchherstellung und -handel (Nicolaus de Smit), auch das Brauwesen blüht
  • 1686 und 1780 schwere Stadtbrände
  • 1802 stirbt die Grafenlinie Reuß-Gera aus, durch Vereinigung mit dem Fürstentum Reuß-Schleiz und später mit Reuß-Ebersdorf entsteht das Fürstentum Reuß jüngere Linie

Spätere Neuzeit

Zeitgeschichte

  • seit 1935 Busverkehr
  • 1937 Autobahnanschluss
  • 1939-1977 O-Bus-Verkehr
  • am 6. April 1945 schwer zerstört
  • nach dem Zweiten Weltkrieg am 14. April 1945 von den Amerikanern befreit, dann ab 2. Juli sowjetisch besetzt
  • 1952-1990 Bezirksstadt (Bezirk Gera)
  • seit 1959 Großstadt
  • ab 1972 entstand im Stadtteil Lusan das größte Neubaugebiet des Bezirkes, Ende der 80er Jahre lebten dort 45 000 Einwohner
  • ab Ende der 70er Jahre findet in Gera aller zwei Jahre das Kinderfilm- und -fernsehfestival "Goldener Spatz" statt
  • 1984 finden im Bezirk Gera die Arbeiterfestspiele der DDR statt
  • am 22. Oktober 1989 schließen sich in Gera einige Hundert Jugendliche zu einer spontanen Demonstration zusammen, ab 26. Oktober gibt es jeden Donnerstag eine Demonstration (bis 1990)
  • am 6. Mai 1990 finden in Gera Kommunalwahlen statt, es siegt die CDU mit Michael Galley
  • 1994 zahlreiche Eingemeindungen von Orten vor allem nördlich und östlich der Stadt, der Landkreis Gera wird aufgelöst; außerdem wird der Oberbürgermeister erstmals in Geras Geschichte direkt gewählt

Politik

Oberbürgermeister des 20. Jahrhunderts

  • 1898-1918 Ludwig Ernst Huhn (parteilos)
  • 1918-1925 Kurt Herrfurth (parteilos)
  • 1925-1933 Walter Arnold (parteilos)
  • 1933-1936 Walter Kießling (NSDAP)
  • 1936-1945 Otto Zinn (NSDAP)
  • 1945 Rudolf Paul (parteilos)
  • 1945-1948 Friedrich Bloch (parteilos)
  • 1948-1956 Curt Böhme (SED)
  • 1956-1958 Otto Assmann (SED)
  • 1958-1962 Wilhelm Weber (SED)
  • 1962-1988 Horst Pohl (SED)
  • 1988-1990 Horst Jäger (SED)
  • 1990-1993 Michael Galley (CDU)
  • 1993-1994 Andreas Mitzenheim (CDU)
  • 1994-? Ralf Rauch (parteilos)

Sitzverteilung im Stadtrat

  • CDU: 16
  • PDS: 15
  • SPD: 10
  • Arbeit für Gera: 5

Ergebnisse der Bundestagswahl 2002 im Wahlkreis Gera/ Saale-Holzland

Erststimme

  • SPD: 36,6%
  • CDU: 27,1%
  • PDS: 25,0%
  • FDP: 6,3%
  • Grüne: 3,0%
  • NPD: 2,1%

Zweitstimme

  • SPD: 39,5%
  • CDU: 26,4%
  • PDS: 20,1%
  • FDP: 6,1%
  • Grüne: 3,7%
  • NPD: 1,6%
  • Schill: 1,3%
  • REP: 0,6%

Bundestagsmandat: Karsten Schönfeld (SPD)

Geographie

Gera liegt im östlichsten Zipfel des Freistaates nahe der Grenze zu Sachsen im Tal des Flusses Weiße Elster ca. 200 Meter ü.d.M. Die hauptsächlich vertretenen Gesteinsarten sind Kalkstein und Rotliegendes. Im Norden des Stadtgebietes gibt es geringe Vorkommen von Braunkohle, die im 19. Jahrhundert abgebaut wurde.
Bei Gera (Weida) liegt die Stelle des südlichsten Vordringens der eiszeitlichen Gletscher in Deutschland.


Persönlichkeiten

  • Otto Dix, Maler und Grafiker, geboren 1891 in Gera-Untermhaus, gestorben 1969 in Singen
  • Heike Drechsler, Leichtathletin, geboren 1964 in Gera, Olympiasiegerin 1992 und 2000
  • Johann Heinrich Gottfried Koch, Schauspieler und Theaterleiter, geboren 1705 in Gera, gestorben 1775 in Berlin
  • Olaf Ludwig, Radrennfahrer, geboren 1960 in Gera-Thieschitz, Olympiasieger 1988
  • Hans Otto, Schauspieler, geboren 1900 in Berlin, gestorben 1933 in Berlin, spielte 1924-26 am Stadttheater Gera
  • Rudolf Paul, Politiker, geboren 1893 in Gera, gestorben 1978, 1945-1947 Landespräsident von Thüringen
  • Horst Salomon, Schriftsteller, geboren 1929 in Pillkallen, gestorben 1972 in Gera


Sehenswürdigkeiten

  • Schloss Osterstein (größtenteils zerstört 1945)
  • Mohrenplatz
  • Theater Gera/Altenburg (erbaut 1902, Jugendstil)
  • Kunstsammlung/Orangerie
  • Marktplatz mit Simson-Brunnen
  • Rathaus (erbaut 1576, Renaissance)
  • Stadtapotheke (mit außergewöhnlichem, reich verziertem Erker)
  • Kirche St. Johannis (Neogotik)
  • Kirche St. Salvator (Barock)
  • Kirche St. Trinitatis
  • Sorge/Zschochernstraße
  • Höhler der Stadt (frühere Bierkeller)
  • Otto-Dix-Haus
  • Ferbersches Haus (Museum für Angewandte Kunst)
  • Schreibersches Haus (Naturkundemuseum, ältestes Gebäude der Altstadt)
  • An der Wasserkunst
  • Ferberturm
  • Fuchsturm
  • Gladitschturm
  • Tierpark (seit 1973)
  • Lasur


Kultur und Bildung

  • ca. 40 Schulen
  • Stadt- und Regionalbibliothek mit Hauptstelle und 5 Zweigstellen im Stadtgebiet
  • Volkshochschule
  • Theater mit 3 Gebäuden (Großes Haus, Kammerspiele, Kleines Theater
  • Kino (UCI)
  • Kabarett "Fettnäppchen"
  • Kultur- und Kongresszentrum
  • verschiedene Kunst- und Kulturfestivals (siehe Veranstaltungen)


Wirtschaft

vor 1990:

  • Werkzeugmaschinenbau
  • Textilindustrie
  • Elektronik/Gerätebau
  • Außenstellen von Carl Zeiss Jena (Lusan, Keplerstraße)
  • Brauerei

heute:

  • Gewürzherstellung
  • Kosmetikartikel
  • Margarineherstellung
  • Einkaufszentren (u. a. Gera-Arcaden, Amthor-Passage, Elster-Forum)
  • Arbeitslosenquote: 19,2% (10.400)


Verkehr

  • Länge des Straßennetzes: 507 km
  • zugelassenem Kfz: 56.024
  • Autobahn A 4 (Anschlussstellen Gera-West und Gera-Leumnitz, in Planung Anschlussstelle Gera-Bieblach)
  • Bundesstraßen B 2, B 7, B 92
  • 2 Straßenbahnlinien, eine dritte in Bau (gegenwärtige Netzlänge: 14,5 km)
  • 13 Buslinien
  • täglich im Nahverkehr beförderte Personen: 60.500
  • 7 Bahnhöfe (Verbindungen u. a. nach München, Rostock, Göttingen)
  • Flugplatz

Stadtteile

  • Bieblach
  • Bieblach-Ost
  • Debschwitz
  • Frankenthal
  • Langenberg
  • Leumnitz
  • Liebschwitz
  • Lusan
  • Pforten
  • Tinz
  • Untermhaus
  • Zwötzen


Veranstaltungen

  • Goldener Spatz (seit 2003 gemeinsam mit Erfurt)
  • Geraer Ballett-Tage (seit 1979)
  • Maifest
  • Tierparkfest
  • "Sommernachtstraum" (Stadtparkfest)
  • "Alles Theater" (Theatertage)
  • Höhlerfest
  • Dahlienfest
  • Geraer Märchenmarkt (Weihnachtsmarkt)
  • 2007 wird Gera mit Ronneburg Austragungsort der Bundesgartenschau sein.


Sport

Erfolgreich ist Gera vor allem im Speedskating. Im Fußball ist der bedeutendste Verein der 1. FC Gera 03 (früher TSV 1880 Gera-Zwötzen), der in der Thüringenliga spielt. Der bis vor kurzem größte Verein, der 1. SV Gera, musste nach der Saison 2002/2003 Insolvenz anmelden.
Außerdem ist Gera ein Zentrum des Reitsports (Reitsportanlage Gera-Milbitz). Früher spielte Gera auch im Boxen und im Radsport eine Rolle. Zwischen 1967 und 2001 war es 14-mal Etappenort der Internationalen Friedensfahrt.
Es ist bis 2007 eine neue Vierfeld-Sporthalle geplant, es existiert bereits ein modernes Hallenbad. Außerdem gibt es 4 Freibäder.

Partnerstädte