Die Toten Hosen
Die Toten Hosen | |
---|---|
Gründung: | 1982 |
Genre: | Punkrock |
Website: | http://www.dietotenhosen.de |
Aktuelle Besetzung | |
Gesang/Liedtexte: | Campino (Andreas Frege) |
Bass: | Andi (Andreas Meurer) |
Gitarre: | Breiti (Michael Breitkopf) |
Gitarre: | Kuddel (Andreas von Holst) |
Schlagzeug: | Vom (Stephen George Ritchie, seit 1999) |
Ehemalige Mitglieder | |
Gitarre: | Walter November (bis 1983) |
Schlagzeug: | Trini Trimpop (Klaus-Dieter Trimpop, bis 1985) |
Schlagzeug: | Jakob Keusen (1985-1986) |
Schlagzeug: | Wölli (Wolfgang Rohde, 1986-1999) |
Die Toten Hosen sind eine deutsche Punkband, deren Musikstil sich im Laufe der Jahre immer mehr in Richtung Hard Rock entwickelte. Mittlerweile sind sie zusammen mit den Ärzten die kommerziell erfolgreichste deutsche Punkband. So verkauften sie bis heute mehr als zehn Millionen Platten.
Bandgeschichte

1982–1987: Erste Jahre
Die Band wurde 1982 unter dem Namen Club der Toten Hosen gegründet, nachdem sie sich aus der damaligen Band ZK formiert hatte. Wenig später wurde die Band in Die Toten Hosen umbenannt. Ihr erstes Konzert spielten die Bandmitglieder im Bremer Schlachthof, allerdings aufgrund eines Druckfehlers auf den Plakaten als Die toten Hasen. Ein weiterer Auftritt der Anfangszeit fand anlässlich des Abschiedskonzerts der Band Soilent Grün im Berliner SO36 statt, die als Vorgängerband der Ärzte gilt. Im selben Jahr erschien die Debütsingle Wir sind bereit mit einer Auflage von 5.000 Stück. Gitarrist Walter November verließ 1983 die Band, um den Zeugen Jehovas beizutreten. Fortan nur noch zu fünft, erzielten die Toten Hosen mit Eisgekühlter Bommerlunder einen Achtungserfolg. Nach dieser dritten Single erschien das erste Album Opel-Gang.
Gemeinsam mit dem Punk Norbert Hähnel, einem Kneipenwirt aus Berlin-Kreuzberg, der sich Der wahre Heino nannte, wurde der Schlagersänger Heino parodiert, bis dieser das gerichtlich untersagen ließ. Dies führte schließlich zu Zerwürfnissen der Band mit der Plattenfirma EMI, welche das bestehende Vertragsverhältnis mit den Toten Hosen aufkündigte, auch vor dem Hintergrund, dass der Schlagersänger Heino ebenfalls bei der EMI unter Vertrag stand. Die Band wechselte daher kurz darauf zu Virgin, wo auch die nächste LP der Band veröffentlicht wurde. Ende 1985 verließ Schlagzeuger Trini die Gruppe, da er nur noch selten nach Düsseldorf kommen konnte. Neuer Schlagzeuger wurde vorübergehend Jakob Keusen. Obwohl er sich mit der Band gut verstand, war er wegen unterschiedlicher musikalischer Vorstellungen nur kurzfristig Mitglied der Toten Hosen. Im Januar 1986 wurde er von einem Nachbarn nach einem Streit erstochen. Nach Keusens Tod wurde Wölli neuer Schlagzeuger.
1987 erschien das vierte Album Never Mind the Hosen – Here’s Die roten Rosen sowie ihr erstes Live-Album Bis zum bitteren Ende, das sich bereits deutlich besser verkaufte als die Vorgängeralben.[1].
1988–1994: Durchbruch
1988 folgte die LP Ein kleines bisschen Horrorschau. Das gesamte Album bildet eine Nachvertonung des Stanley Kubrick Films Clockwork Orange, der auch in der Punkszene Kultstatus hat. Als 1988 das gleichnamige Theaterstück in Bonn aufgeführt wurde, wirkten die Hosen als Statisten (Gefangene) und Musiker mit. Mit musikalisch einfachen Songs und politisch engagierten Texten eroberten die Toten Hosen ab Anfang der 1990er Jahre ein breites Publikum. Sie spielten ab 1990 unter anderem im Vorprogramm von Bands wie AC/DC, U2, The Rolling Stones, Green Day und Therapy?. Auch gaben sie weiterhin diverse Privatkonzerte.

Die CD Learning English – Lesson One enthielt ausschließlich Cover-Versionen. Die CD ist komplett im Stile einer Sprachlernkassette gehalten, wird also von Janet und John vorgestellt, zwischendurch immer wieder kommentiert und auch mit dem Satz And now: play this record until you’re sick of it beendet.
1993 erschien das Album Kauf MICH!, das Platz eins der deutschen Album-Charts erreichte. Es behandelte hauptsächlich die Themen Konsum, Werbung und Rechtsextremismus. Im selben Jahr erschien mit Reich & Sexy die erste Best-of-CD der Band. Das Cover, auf dem die Band unbekleidet mit acht nackten Frauen, Geldscheinen und Auszeichnungen posiert, war vom Cover des Doppelalbums Electric Ladyland von Jimi Hendrix inspiriert.
1994 erschien die Best-of-CD unter dem Titel Love, Peace & Money mit ins Englische übersetzten Songtexten. Auf dem Cover waren statt der europäischen Frauen solche mit asiatischen Gesichtszügen zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Toten Hosen mit insgesamt drei Alben in den deutschen Charts vertreten.
1996–2000: Höhepunkt des kommerziellen Erfolges und das tausendste Konzert
Der größte kommerzielle Erfolg der Band war das Trinklied Zehn kleine Jägermeister aus dem 1996 erschienenen Album Opium fürs Volk, das bisher als einzige Single der Toten Hosen Platz eins der deutschen Single-Charts erreichte. Aus dem selben Album stammen auch die sehr erfolgreichen Single-Auskopplungen Bonnie und Clyde, Nichts bleibt für die Ewigkeit und Paradies. Zusammen mit Iggy Pop traten sie beim letzten Konzert der Ramones in Buenos Aires auf. Ebenfalls 1996 erschien das zweite Livealbum der Band unter dem Titel Im Auftrag des Herrn.
Allein in den Jahren von 1982 bis 1997 gaben die Toten Hosen 1000 Konzerte. Beim Jubiläumskonzert am 28. Juni 1997 im Düsseldorfer Rheinstadion kam es zu einem tragischen Unfall. Die sechzehnjährige Niederländerin Rieke Lax wurde an der Absperrung zur Bühne von den nachdrückenden Massen erdrückt, eine vor Ort angesetzte Reanimation blieb erfolglos. Die Toten Hosen unterbrachen das Konzert sofort, spielten es dann aber auf Anraten des Einsatzleiters der Berufsfeuerwehr Düsseldorf zu Ende, um eine Panik zu verhindern. Alle weiteren Konzerte des Jahres sagten sie allerdings ab. Im Folgejahr erschien die Single Pushed Again, die Platz vier in den deutschen Charts erreichte. Ebenfalls in diesem Jahr spielten die Toten Hosen in Australien auf der Warped Tour.
1998 wurden Die Roten Rosen für das Album Wir warten aufs Christkind reaktiviert. Es handelte sich dabei um ein Album, das ausschließlich Lieder zum Thema Weihnachten enthielt.
Erneut zurück meldeten sie sich 1999 mit dem Album Unsterblich. Kurz zuvor hatte Wölli aufgrund von Wirbelsäulenproblemen (Bandscheibenvorfall) und einem Autounfall seinen Platz am Schlagzeug an Vom, der bis dahin der Schlagzeugroadie der Band gewesen war, abgegeben. Er gilt heute jedoch als Ehrenmitglied der Band und spielt gelegentlich bei Konzerten bei einzelnen Liedern noch Schlagzeug. Im übrigen ist er weiterhin gleichberechtigter Partner der anderen vier bei JKP GmbH & Co KG, der Firma der Toten Hosen. Vom ist sein Angestellter und wird von ihm bezahlt. Im selben Jahr erschien auf dem Label der Band auch der Soundtrack zum Film You’re Dead, zu dem sie auch einen gleichnamigen Titelsong beigesteuert hatte.
2000 bis heute

2002 brachten sie das Album Auswärtsspiel heraus, das Best-Of-Album Reich & Sexy II – Die fetten Jahre sowie eine gleichnamige DVD. Für das Cover des Albums posierten sie, wie bei Reich & Sexy I auch schon, nackt mit nun insgesamt 80 nackten Frauen.
2004 kam die Live-DVD Rock am Ring 2004, die Toten Hosen bekamen ihre eigene Show auf MTV, in der sie von ihrem alltäglichen Leben berichteten und eine Maxi-CD mit dem Namen Friss oder stirb wurde veröffentlicht. 2004 kam dann das Platinalbum Zurück zum Glück heraus und schoss sofort auf Platz 1 der Charts. Am 20. Juni 2005 brachten sie eine 3er-DVD-Box, 7 Stunden Spielzeit mit den Höhepunkten von ihrer Fernsehserie Friss oder stirb raus.
Am 2. Juli 2005 traten sie auch auf dem Live 8-Festival auf, nachdem sie kurz zuvor bei Rock am Ring als Überraschungsheadliner aufgetreten waren und eine Auszeichnung als Ehrengäste sowie eine lebenslange Auftrittsgarantie bei Rock am Ring bekamen. Am 1. und 2. September spielten die Toten Hosen ein MTV Unplugged im Wiener Burgtheater. Die CD und DVD Nur zu Besuch: Unplugged Im Wiener Burgtheater sind seit Dezember 2005 im Handel erhältlich.
Am 10. September 2005 gaben die Hosen das Abschlusskonzert der Friss-oder-Stirb-Tour in der ausverkauften LTU-Arena in ihrer Heimatstadt Düsseldorf. Es wurde unter dem Titel Heimspiel als DVD veröffentlicht. Nach dem Heimspiel in Düsseldorf setzten die Toten Hosen sich vorerst für eine unbestimmte Zeit zur Ruhe. Gerüchte über ein mögliches Ende der Band wurden jedoch ausdrücklich dementiert.
Sonstiges zur Band
Magical-Mystery-Tour
In Anlehnung an das bekannte gleichnamige Album der Beatles führten die Toten Hosen mehrere Magical-Mystery-Tourneen durch. Die Band bot sich an ein unentgeltliches privates Konzert zu geben. Als Gegenleistungen war lediglich der Fahrtkostenersatz und Kost und Logis von den Konzertveranstaltern zu tragen.
So spielte die Band ein Konzert im Haus des CDU-Politikers Ernst Albrecht für dessen Sohn, besuchte aber auch mehrfach verschiedene Haftanstalten im Berliner und Hamburger Raum, gab ein Konzert in einer psychiatrischen Klinik wie auch Konzerte auf Hochzeiten und auf der Alm. Ein weiteres geplantes Konzert auf Helgoland, das aufgrund einer polizeilichen Verfügung abgesagt werden musste, wurde von den Toten Hosen kurzerhand in ein Fußballspiel gegen Fans umgewandelt und später in Nordenham bei Bremerhaven gespielt.
Beziehung zu den Ärzten
Parallelen zwischen den Toten Hosen und den Ärzten sind leicht zu finden: Beide Bands rekrutieren ihre Fans teilweise aus den selben Lagern. Als weitere Übereinstimmung engagieren sie sich mehr oder weniger stark politisch links. Gemeinsame Konzerte und Zusammenarbeit fanden ebenfalls statt.
Die bewusste Abgrenzung der Bands zueinander führte schließlich ungewollt dazu, dass sich beide Bands musikalisch ergänzten. Sprachen die Toten Hosen besonders linkspolitische Jugendliche an, die in den Texten eine gewisse musikalische Ernsthaftigkeit verlangten, so erreichten Die Ärzte eher ein Publikum, welches Nonsens-Texte mochte, sich aber dennoch politisch links orientierte. Die Plattenfirmen und die Medien stilisierten die Bands zu Konkurrenten, was beide Bands sich gefallen ließen. Gleichzeitig grenzten sich Die Ärzte textlich und musikalisch von der Punk-Szene ab, was bei den Toten Hosen missverstanden wurde, wie beispielsweise auch die Zusammenarbeit mit der BRAVO.
Campino fasst die Beziehungen beider Bands in der Ärzte-Biografie von Markus Karg wie folgt zusammen: „Wir waren die Opel-Gang, die Ärzte wollten 2000 Mädchen.“ Bereits in der Anfangszeit mochten und respektierten beide Bands sich gegenseitig. Bis heute wird jede neue Veröffentlichung der jeweils anderen Band aufmerksam betrachtet. Mehrere Missverständnisse führten dann laut Campino zu einem „Klima, das hochgradig vergiftet“ war und „bis zum Tage ihrer Auflösung 1988 auch so bleiben“ sollte.[2]
Erst mit der Neugründung der Ärzte war das Eis endgültig gebrochen; die Hosen wurden mit als erste über die Neugründung der Band informiert. Die Ärzte persiflierten, zitierten und ironisierten in der Folge die Düsseldorfer Band immer wieder mehr oder weniger deutlich. Mit Sauf-Schlachtgesängen wie „Bis zum bitteren Ende“ oder „Bommerlunder“ nahmen Die Ärzte die Toten Hosen und auch sich selbst auf die Schippe. Mit dem Titel „Las Vegas“ ironisierten Die Ärzte einen der erfolgreichsten Hosen-Titel: „Das Altbierlied“. So heißt es im Ärzte-Song in leichter Abwandlung des Textes „(...) bin ich denn im Wald hier, wo bleibt denn mein Altbier, wir haben hier in Las Vegas den längsten Tresen der Welt (...)“.
Musikvideos
Die beiden ersten Musikvideos zu den Singles Reisefieber und Eisgekühlter Bommerlunder wurden noch recht billig produziert; ersteres wurde in Norddeutschland eigens für eine Fernsehsendung gedreht und das Video zu Eisgekühlter Bommerlunder in einer bayrischen Kirche, die daraufhin neu geweiht werden musste. In letzterem spielte die zu dem damaligen Zeitpunkt noch unbekannte Schauspielerin Marianne Sägebrecht mit. Auch Hier kommt Alex und 1000 gute Gründe erhielten noch sehr schlichte Videos: Im Video zu Hier kommt Alex spielt die Band auf einem Schrottplatz, zwischendurch werden immer wieder Szenen aus dem Theaterstück zu A Clockwork Orange eingefügt. Tausend gute Gründe zeigt eine Live-Performance der Band.
Mit dem wachsenden kommerziellen Erfolg wurden die Musikvideos auch zunehmend anspruchsvoller. Für das Video zu Nichts bleibt für die Ewigkeit, in dem die Bandmitglieder als Schlammmonster zu sehen sind, wurden 90.000 DM ausgegeben. Zum Teil wurden für sie professionelle Regisseure wie Wim Wenders (Warum werde ich nicht satt?), Peter Lindbergh (Unsterblich) oder Philipp Stölzl (Ich bin die Sehnsucht in dir) und Schauspieler wie Ben Becker (Schön sein) und Karina Krawczyk (Kein Alkohol (ist auch keine Lösung)) arrangiert. Dagegen wurde das Video zu Bayern bewusst im Stil einer Hobby-Kamera aufgenommen, um einen möglichst großen Kontrast zum Fußballverein Bayern München, gegen den das Lied gerichtet ist, herzustellen.
Zu ihrem Song Pushed Again wurde ein Video gedreht, bei dem sich Aufnahmen der Hosen beim Spielen mit Bildern von Menschenrechtsverletzungen, hauptsächlich vom Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens, abwechseln.
Auszeichnungen erhielten die Clips zu Zehn kleine Jägermeister von Regisseur Andreas Hykade, welches ein Zeichentrickvideo wurde, und Kein Alkohol (ist auch keine Lösung). Ironischerweise spielen sie in beiden nicht einmal mit, weshalb sie sich bei letzterem dazu entschlossen, dem Regisseur Peter Thorwarth den Preis zu geben.
Soziales und politisches Engagement
Die Toten Hosen unterstützen die Menschenrechtsgruppe Pro Asyl, zu der sich auf der offiziellen Website der Band eine Kurzbeschreibung und ein Link befinden.[3] Des Weiteren arbeitete die Band mehrfach mit der Tierschutzorganisation PETA und posierte für diese nackt.[4] Auch mit Anti-Atom-Initiativen kooperierten sie bereits und protestierten 1998 mit einem Konzert auf den Gleisen gegen einen Castortransporr.[5] Zudem unterstützen die Hosen die Kein-Bock-Auf-Nazis-Kampagne der Band ZSK.
2005 traten sie bei Live 8 auf.[6]
Allerdings haben die Bandmitglieder wiederholt erklärt, sich nicht parteipolitisch einspannen zu lassen. So lehnten sie beispielsweise eine Anfrage der SPD ab, ein Lied für deren Europawahlkampagne von 1994 zu schreiben.[7]
Die Band ist aber auch für ihr Engagement für Fortuna Düsseldorf bekannt. So sponserte sie den Verein von 2001 bis 2003, als dieser in größere finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Bis heute sponsern aber noch dessen Jugend, die immer noch den Totenkopf auf ihrem Trikot trägt. Bereits Ende der achtziger Jahre hatten sie den Kauf des Spielers Anthony Baffoe finanziell unterstützt.
Musikstil
Siehe auch: Diskografie der Toten Hosen
Charakteristika
Die Band wurde häufig für ihre Trinklieder wie Eisgekühlter Bommerlunder, Bis zum bitteren Ende, Zehn kleine Jägermeister, Altbierlied oder Kein Alkohol (ist auch keine Lösung) als reine Party- bzw. Trinkband kritisiert. Jedoch wird bei so einer Sichtweise ignoriert, dass viele ihrer Lieder sozialkritisch sind. So setzen diese sich z.B. mit dem Thema Ausländerfeindlichkeit (Fünf vor zwölf, Willkommen in Deutschland, Sascha ... ein aufrechter Deutscher, Madelaine (aus Lüdenscheid)) oder anderen gesellschaftlichen Reizthemen (Nationalstolz in 1000 gute Gründe , Vergänglichkeit in All die ganzen Jahre, Insassen einer Psychiatrie in Irre, Sex- und Gewaltvideos in Hot-Clip-Video-Club, Drogensucht in Mehr davon und XTC, kritische Betrachtung von Politik in Friss oder stirb) auseinander.
Charakteristisch für den Stil der Toten Hosen sind neben Campinos Stimme und den Chören die oft hymnen- und/oder volksliedartigen Songtexte. Die Texte zeichnen sich außerdem oft durch den Wechsel von der Ich- zur Wir-Perspektive (Wort zum Sonntag, Friss oder stirb, Bayern, Frauen dieser Welt) und die Personifizierung von Dingen (Wofür man lebt, Der Mond, der Kühlschrank und ich, Der Schandfleck, Schlampe (nachher), Walkampf, Zurück zum Glück, Die Behauptung, Kauf MICH, Die Unendlichkeit) aus. Außerdem wird in vielen ihrer Texte bewusst Ironie verwendet (Ülüsü, Sascha ... ein aufrechter Deutscher, Kauf MICH, Entschuldigung, es tut uns leid, Grauer Panther, Ehrenmann, XTC, Gute Reise, Umtausch ausgeschlossen, You’re dead).
Ebenso brachten Die Toten Hosen Konzeptalben heraus wie Ein kleines bisschen Horrorschau, das eine Nachvertonung des Stanley Kubrick-Films Clockwork Orange ist, Kauf MICH, das sich überwiegend mit dem Themenfeld Kaufen und Konsum auseinandersetzt und Opium fürs Volk, das die Themen Glaube und Psychologie näher beleuchtet. Als Konzeptalben einzuordnen sind auch die beiden unter dem Namen "Die Roten Rosen" veröffentlichten Alben (siehe unten).
Musikalische Entwicklung
Bisher wurden alle Alben von Jon Caffery produziert. Sowohl die Musik als auch Texte haben sich im Laufe der Bandgeschichte allerdings verändert. So bestanden die ersten Alben überwiegend aus Liedern, welche ein lockeres und feierfreudiges Leben propagierten, und demnach einfach strukturierte Melodien und Texte enthielten. Beispiele hierfür sind die ersten Singles Wir sind bereit und Reisefieber. Seit dem Album Ein kleines bisschen Horrorschau gewannen die Texte mehr an Inhalt. Die Band stärkte ihr politisches Profil und setzte sich gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit ein. Auch wurde die Band musikalisch vielfältiger. War die Musik anfangs noch reiner Punk, so liegt sie heute zwischen Punk und Hardrock. Es gibt seit einigen Jahren auch vereinzelt Lieder, die stilistisch an die Scorpions erinnern (Wofür man lebt, Helden und Diebe, Was zählt).
Während sich in den ersten Jahren alle Bandmitglieder an den Texten beteiligten, ist heute ausschließlich Campino für die Texte verantwortlich. Gelegentlich schreibt Campino auch die Musik, überwiegend sind jedoch Kuddel, Andi oder Breiti für die musikalischen Arrangements verantwortlich. Bei einigen Liedern der jüngeren Zeit war auch der mit der Band befreundete Musiker Funny van Dannen an den Kompositionen beteiligt (Frauen dieser Welt, Bayern, Kein Alkohol (ist auch keine Lösung), Walkampf, Der Bofrostmann).
Für die wenigen englischsprachigen Lieder (Pushed Again, How Do You Feel, You’re Dead) arbeitet Campino beim Komponieren oft mit britischen Rockmusikern wie TV Smith zusammen. Die Alben Love, Peace & Money und Crash Landing enthalten ins Englische übersetzte Lieder der Band und erschienen hauptsächlich für die Fans außerhalb des deutschsprachigen Raumes.
Die Roten Rosen
Unter dem Pseudonym Die Roten Rosen hat die Band bisher zwei Konzeptalben veröffentlicht: Never Mind the Hosen – Here’s Die Roten Rosen (1987) und Wir warten aufs Christkind (1998). Für dieses Projekt legten sich die Bandmitglieder jeweils Pseudonyme zu (Campino = Judas Inocenti, Kuddel = Johannes der Säufer, Breiti = King Scratch Salomon I., Andi = Cardinal Mendoza, Wölli = Herr Rohdes). Interessant ist der Aspekt, dass die Mitglieder der Toten Hosen oft versuchen, den Eindruck zu erwecken, dass es sich bei den Roten Rosen um eine ganz andere Band und ganz andere Personen handele.
Die Roten Rosen werden laut bandeigener Aussage vor allem für Alben aktiviert, in denen es hauptsächlich um Spaß geht, während Die Toten Hosen mehr für die ernsthaften Sachen zuständig seien.
So enthielt Never Mind the Hosen – Here’s Die Roten Rosen, dessen Titel eine Anlehnung an das Sex-Pistols-Album Never mind the Bollocks – Here’s the Sex Pistols darstellt, ausschließlich Coverversionen bekannter Schlager der sechziger und siebziger Jahre.
Wir warten aufs Christkind enthält sowohl traditionelle Weihnachtslieder mit zum Teil verballhornten Texten (Ihr Kinderlein kommet) als auch Coverversionen bekannter Weihnachtslieder wie White Christmas und drei selbgeschriebene Lieder (Weihnachtsmann vom Dach, Weihnachten bei den Brandts und Frohes Fest). Letzteres wurde bereits Anfang der neunziger Jahre als B-Seite veröffentlicht.
Auszeichnungen
- ECHO 1994, 1997 und 2003 für Gruppe national/international
- ECHO 1997 für Videoclip national (10 kleine Jägermeister)
- ECHO 1994 in der Kategorie Marketing
- Eins Live Krone 2000 in der Kategorie Beste Band
- Stand 1996: viermal Platin, neunmal Gold
Literatur
Bandbiografien
- Die Toten Hosen: Ein kleines bisschen Horrorschau, 1988
- Die Toten Hosen: 125 Jahre Die Toten Hosen - Auf dem Kreuzzug ins Glück, 1990
- Andreas Müller: Die Toten Hosen - Punkrock made in Germany. Econ Verlag GmbH, 1996 ISBN 3-612-12006-9
- Bertram Job: Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte dtv, Oktober 1997 ISBN 342320057X
- Die Toten Hosen: Ewig währt am längsten. Die Toten Hosen. In Farbe und Schwarz-Weiss. JKP Jochens Kleine Plattenfirma GmbH & Co. KG, November 2002 ISBN 3980850110
- Kai Jessen: Die toten Hosen - Für immer Punk!. Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, 1997 ISBN 3-453-12889-3
- Die Toten Hosen: Reich & Sexy, 2004, ISBN 3-9370-4145-1
- Die Toten Hosen: Zurück zum Glück, 2005, ISBN 3-8654-3145-3
Weiterführende Literatur
- Rote Gourmet Fraktion: Kochen für Rockstars. Kiepenheuer & Witsch, März 2004 ISBN 3462033972
- Markus Karg: Die Ärzte – Ein überdimensionales Meerschwein frisst die Erde auf Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, Januar 2001, ISBN 3-89602-369-1
- Die Toten Hosen: Die Toten Hosen. Unsterblich. Arrangiert für Gitarre, Klavier und Gesang, Oktober 2001 ISBN 3802404122
- Jürgen Teipel: "Verschwende deine Jugend" Suhrkamp Verlag, 2001, ISBN 3-518-39771-0
Einzelnachweise
- ↑ http://www.dietotenhosen.de/aktionen_fragenandth_teil32.php
- ↑ Markus Karg. Ein überdimensionales Meerschwein frisst die Erde auf – Die nackte Wahrheit / So siehst der Prediger, S. 216f.
- ↑ http://www.dietotenhosen.de/proasyl.php
- ↑ http://www.dietotenhosen.de/neuigkeiten_rundbrief_021211.php
- ↑ http://www.dietotenhosen.de/alldieganzenjahre_biographie_1998.php
- ↑ http://www.dietotenhosen.de/alldieganzenjahre_biographie_2005.php
- ↑ Bertram Job, Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte, S. 182.