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Limerick (Gedicht)

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Ein Limerick ist ein kurzes, in aller Regel scherzhaftes Gedicht in fünf Zeilen mit dem Reimschema aabba und einem (relativ) festen Silbenschema, das eine Geschichte erzählt, die oft katastrophenhaft oder grotesk endet.

Form und Inhalt

In den drei a-Zeilen folgen je drei Amphibracheis auf einander (dadida = leicht – schwer – leicht), in den beiden b-Zeilen je zwei Anapäste (dadadi = leicht – leicht – schwer). Entscheidend beim Limerick ist die durch das Versmaß bedingte charakteristische Rhythmik. Die Regel „Reim dich oder ich fress dich!“ gehört für einige (vor allem deutsche) Dichter zum Spaß und sie verwenden auch Abweichungen vom Versmaß. Die meisten guten Limericks halten sowohl Reim als auch Versmaß ein, wobei das Versmaß Variationen in den jeweils ersten unbetonten Silben jeder Zeile zulässt. Dem ersten Fuß der letzten Zeile wird oft eine leichte Silbe vorangestellt, so dass der Vers scheinbar wie ein Anapäst beginnt. Der Schluss kann "männlich" oder "weiblich" sein.

Rhythmus- und (Reim)-Schema:

(da)dadida dadida dadida(da) (a)
(da)dadida dadida dadida(da) (a)
(da)dadida dadida(da) (b)
(da)dadida dadida(da) (b)
(da)dadida dadida dadida(da) (a)

oder

(da)dadida dadida dadida(da) (a)
(da)dadida dadida dadida(da) (a)
(da)dadi dadadi (b)
(da)dadi dadadi (b)
(da)dadida dadida dadida(da) (a)

Die Silben in Klammern am Anfang sind optional und die am Ende in Klammern fallen meistens weg.

Die erste Zeile nennt gewöhnlich die handelnde Person und endet meist mit einem Orts- oder Landschafts-Namen, der damit den Reim für die zweite und fünfte Zeile vorgibt (handwerklich wird jedoch eher die Ortsnennung nach der Reimvorgabe gewählt; ein erkennbarer Bezug zu regionalen Besonderheiten oder Stereotypen ist ein recht seltenes Qualitätsmerkmal). Auf die knappe Darstellung einer Eigenschaft oder Handlungsweise der Person folgt in der letzten Zeile eine überraschend komische Pointe.

Beispiel:

There was a young lady from Riga,

who smiled as she rode on a tiger.
They returned from the ride
with the lady inside
and the smile on the face of the tiger.

Es gibt auch eine Fassung mit „Niger“ anstelle von „Riga“. (Das Gedicht wird Cosmo Monkhouse zugeschrieben, 1840–1901, britischer Dichter)

Es gibt „saubere“ und „schmutzige“ (anzügliche, derbe) Limericks. Egal ob schmutzig oder sauber, ein guter Limerick muss intelligent und witzig sein.

Die meisten Limericks haben keinen Titel. Limericks können auch einen eigenständige Titel haben. Ob diese zulässig seien oder nicht, darüber stritten zum Beispiel Isaac Asimov und John Ciardi in ihrem gemeinsamen Buch: Limericks: Too Gross/or Two Dozen Dirty Dozen Stanzas. Außerdem gibt es zu einigen Limericks auch Illustrationen.

Im alphabetischen Inhaltsverzeichnis werden Limericks oft nach dem letzten Wort des ersten Verses sortiert, das heißt, nach dem wesentlichen Ort bzw. Namen.

Geschichte

Die ersten Limericks tauchten um 1820 in England auf. Bereits früher gab es die Reimform. Den Namen gab (wahrscheinlich) die irische Stadt Limerick oder er ist abgeleitet von dem irischen Soldatenlied „Will you come up to Limerick“ (18. Jh.). Eine Erklärung verweist auf die Sammlung von Kinderreimen Mother Goose's Melody von 1765.

Hickory, dickory, dock!

The mouse ran up the clock.
The clock struck one –
The mouse ran down.
Hickory, dickory, dock!


Man muss auf jeden Fall unterscheiden zwischen dem ersten Auftreten der Form (von dem sich Beispiele u.a. bei Shakespeares Trinklied in Othello oder Ophelias Song in Hamlet finden und dem ersten Auftreten des Namens <Limerick>. Als erster berühmter Vertreter und als einer der größten Klassiker gilt Edward Lear. Er nannte seine Gedichte Learics. Ein Beispiel:

There was an old man with a beard,

Who said, "It is just as I feared.
Two owls and a hen,
Four larks and a wren,
Have all built their nests in my beard!"

und

There was a young man of South Bay,

Making fireworks one summer day.
He dropped his cigar
In the gunpowder jar ...
There was a young man of South Bay.

Edward Lear verwendete wie man sieht meist eine Form, bei der das Reimwort der ersten oder zweiten Zeile in der letzten Zeile wiederholt wurde, vor allem im „Book of Nonsense“ (deutsch: „Edward Lears kompletter Nonsens Limericks, Lieder, Balladen und Geschichten. Ins Deutsche geschmuggelt.“ von Hans Magnus Enzensberger). Später wurde diese Form nur noch selten genutzt. Viele seiner Limericks sind schön illustriert.

In Deutschland kamen die Limericks in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Volkssänger Schobert und Black (die größtenteils die Limericks des Dichterduos Georg Bungter und Günter Frorath aus ihrem Werk „Limerick Teutsch“ vertonten und vortrugen) erneut in Mode, waren aber schon viel früher bekannt. Auch Ulrich Roski hat ein Mehrstrophiges Lied in Limerickform auf seiner LP „Der Nächste bitte“ („Ein Lied für die Beknackten“, 1977).

Bekannte Autoren von Limericks sind u. a. Ogden Nash und Isaac Asimov.

Die Möglichkeit, Limericks zu schreiben, ist in verschiedenen Sprachen auf Grund der unterschiedlichen Sprachstrukturen unterschiedlich gut.

weitere Beispiele

  • Ein Limerick aus Ole Haldrups Buch der Limericks (Nereus Verlag, Marburg): (korrekter!)
Jener Pkw-Fahrer aus Nizza,

Der im Tank seines Wagens nach Sprit sah,
Flog kurz drauf mit 'nem Krach
Durchs Garagenvordach
Einem staunenden Gast in die Pizza.

  • Isaac Asimovs Beispiel:
"On the beach", said John sadly, "there's such

A thing as revealing too much."
so he closed both his eyes
At the ranks of bare thighs,
And felt his way through them by touch.

  • Übertragung des o.g. Lear'schen Limericks von Hans Magnus Enzensberger:
Sobald dieser Jüngling gewahrt,

was sich bei ihm zusammenschart
an Hühnern, Pirolen,
Eulen und Dohlen,
verflucht er gewiß seinen Bart.

  • Die Schwierigkeit, die gerade in der deutschen Sprache für Limericks entstehen – angesichts problematischer Reime für Städtenamen – demonstriert dieses durchaus interessante Gedicht von Curt Peiser:
Ein Knab – ich glaub': Tehuantepec –

Der lief auf der Bahn seiner Tante weg;
Sie lief hinterher,
Denn sie liebte ihn sehr,
Und außerdem trug er ihr Handgepäck.

  • Ein Limerick aus dem Buch "Das Universum in der Nußschale" von Steven W. Hawking zum Thema Relativität:
There was a young lady of Wright

who traveled much faster than light
she departured one day
in a relative way
and returned in the previous night.

  • Limericks dichten - ein ideales Hobby für den deutschen Autofahrer. Einfach einen "Autobahnvers" für jede Autobahn-Abfahrt (z.B. BAB A1) - das übt die geschliffene Sprache (P. Seyfferth):
Auf Schloß Burg meinte ein Ritter

der "Minnesang" wär schrecklich bitter;
denn trotz Vitamin C
tat der Hals ihm sehr weh!
Er spielt nun, glaub ich, lieber die Zither.

  • Ein selbstironischer, politischer Limerick von Robert Matthees (nach eigenen Angaben über die Deutsch-Französische Freundschaft):
Den alten Herrn Bismarck - der Gute -,

den lobt' ich und ehrte sein Blute,
(...nur leider in Frankreich,
wo Bismarck war siegreich,...)
da spürte ich aber die Rute!

Was Limericks nicht sind

Limericks sind unter keinen Umständen mit den verwandten, ähnlich klingenden „Klapphornversen“ zu verwechseln. Diese sind abermals kurze, amüsante Gedicht, die aber im Gegensatz zu den Limericks 4 Zeilen haben müssen.

Limericks sind auch keine Knittelverse, Zoten oder Unsinnsgedichte.

Literatur