Kinderheim im Borntal
Das Kinderheim im Borntal, auch Bremer Kinderheim genannt, war ein 1937 erbautes Kinderferienheim in Bad Sachsa im Harz. 1938 übernahm es die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV). Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler kamen 46 Kinder aus den Familien der Beteiligten dort in Sippenhaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kinderheim zu einem Kinderkrankenhaus, dessen Betrieb 1992 eingestellt wurde.
Entstehung
Das Kinderferienheim wurde von der Bremer Daniel-Schnakenberg-Stiftung nach den Plänen von zwei Architekten aus Bremen erbaut. Die Stiftung hatte die Stadt Bremen 1935 nach dem Tod des aus Bremen stammenden und in New York verstorbenen Kaufmanns Daniel Schnakenberg (1852-1935) gegründet. Das Heim bestand aus acht Holzhäusern im Schwarzwaldstil mit 200 Plätzen.[1] Sie waren für Kinder aus Bremen bestimmt, die an Tuberkulose litten.[2] Nach der Übernahme des Heims durch die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt wurde es für Kuraufenthalte von Kindern aus dem Gau Weser-Ems genutzt.
Internierungsort
Kurz nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler ordnete die Gestapo die Verlegung der Kurkinder aufgrund einer „Sonderbelegung“ des Heims an. Dabei handelte es sich um die Kinder der Beteiligten des Attentats. Die verbliebenen Kindergärtnerinnen und -pflegerinnen mussten sich zu Stillschweigen darüber verpflichten.
Nachkriegszeit
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kinderheim an die Bremer Stiftung rückübertragen, aber nach einiger Zeit wieder verkauft. Später wurde in den Gebäuden ein überregional bekanntes Kinderkrankenhaus mit Kreißsaal, Intensivstation und einer für damalige Verhältnisse modernen Röntgenstation eingerichtet. Außerdem entstand auf dem Gelände ein dreistöckiges Schwesternwohnheim. Nach der Schließung des Krankenhauses 1992 entstand auf dem Gelände 2001 ein Campingplatz, wofür zwei Holzhäuser abgerissen wurden.
Auf dem weitläufigen Gelände des Kinderheims wird ein Ferienpark mit 83 Ferienhäusern erbaut. Der Spatenstich erfolgte 2021. Drei der unter Denkmalschutz stehenden Holzhäuser sollen erhalten bleiben.[3] In einem Holzhaus wird am historischen Ort ein Dokumentationszentrum der „Kinder des 20. Juli 1944“ eingerichtet.
Literatur
- Friedrich-Wilhelm von Hase: Hitlers Rache. Das Stauffenberg-Attentat und seine Folgen für die Familien der Verschwörer, Holzgerlingen 2014, SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5537-3.
Weblinks
- Kinder des 20. Juli 1944 bei bad-sachsa-geschichte.de
- Lisa Erdmann: Blutrache an den Kindern der Verschwörer in Der Spiegel vom 13. Juli 2004
- Kinder der Hitler-Attentäter: Verschleppt ins Heim bei ndr.de vom 22. November 2016
- Vernichtete Identitäten bei Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers vom 8. Dezember 2016
- Das verlassene Kinderheim im Harz | Video bei anderswohin.de vom 26. September 2019
- „Sippenhaft“: Wie Hitler sich an Kindern rächte bei ndr.de vom 11. Januar 2022
Einzelnachweise
- ↑ Heidi Niemann: Hitlers jüngste Häftlinge in Weser-Kurier vom 4. Dezember 2016
- ↑ Väter wurden ermordet die Mütter eingesperrt in Harzkurier vom 19. Juli 2019
- ↑ Horst Möller: Bad Sachsa. Geschichte einer Kurstadt – Kinder des 20. Juli 1944
Koordinaten: 51° 36′ 23,3″ N, 10° 33′ 54″ O