Zum Inhalt springen

Feuilleton

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 3. September 2006 um 16:51 Uhr durch Dave81 (Diskussion | Beiträge). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

Der Begriff Feuilleton (franz. Blättchen) bezeichnet in der Regel entweder ein publizistisches Genre oder eine bestimmte literarische Gattung. Dabei wird das Feuilleton meist über Inhalt, Form oder Haltung definiert (W. Haacke). Neuere Ansätze definieren es über seine Undefinierbarkeit (K. Kauffmann).

Für den Kulturteil der Zeitung hat sich der Begriff des Feuilletons insofern durchgesetzt, als es einen bestimmten Ort bezeichnet, in dem Berichte, Essays, Kommentare, Kritiken zu finden sind. Thema des Feuilletons ist hauptsächlich die Kultur, die Philosophie und die Kunst. Immer häufiger nimmt sich das Feuilleton Themen wie Pop, Politik, Wirtschaft, Technik und Naturwissenschaften an.

Der Begriff des Feuilletons stammt aus den Zeiten der Französischen Revolution. Man begann dem Journal des Débats ein Blättchen mit Theaternachrichten und -kritiken beizulegen. Diese erfreuten sich solcher Beliebtheit, dass sie ins Hauptblatt aufgenommen wurden, und zwar im unteren Viertel oder Drittel der Seite durch einen dicken Strich abgetrennt. Daher stammt auch die Redensart "Unterm Strich"; eine Rubrik die heute die taz immer noch - allerdings für ironische Beiträge - führt. Im 19. Jahrhundert wurde diese Verlagerung ins Hauptblatt auch von Zeitungen im deutschen Sprachraum übernommen.

Dabei ist Feuilleton bzw. Feuilletonismus oft ein deutlich negativ besetzter Begriff, der dem Gegenstand einen überheblichen, flanierenden, nebensächlichen oder verzerrenden Gestus unterstellt. Gerade im bürgerlichen Feuilleton um 1900 wurden dabei stark antisemitische Tendenzen deutlich. Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurde das Feuilleton für die sogenannte "Kulturpolitik" benutzt und sollte vor allem dazu dienen, Identität zu formen und normativ auf Geschmack einwirken.

Als Begründer des modernen Feuilletonismus gilt neben Heinrich Heine, der im Feuilleton der Allgemeinen Zeitung schrieb, auch Ludwig Börne. Als Vorbild für das moderne Feuilleton des 20. Jahrhunderts muss das der Frankfurter Zeitung gelten, das in den 20er Jahren alle großen Namen an Autoren (z.B. Joseph Roth, Walter Benjamin und Siegfried Kracauer) versammelte.

Die Feuilletons der großen deutschsprachigen Qualitätszeitungen werden täglich im Online-Kulturmagazin Perlentaucher zusammengefasst.

Siehe auch: Journalist, Journalismus, Journalistische Stilformen

Literatur

  • Kai Kauffmann, Erhard Schütz (Hgg.): Die lange Geschichte der Kleinen Form. Beiträge zur Feuilletonforschung. Berlin 2000. ISBN 3896931407
  • Almut Todorow: Das Feuilleton der 'Frankfurter Zeitung' in der Weimarer Republik. Zur Grundlegung einer rhetorischen Medienforschung. Tübingen 1994. ISBN 3484680083
Wiktionary: Feuilleton – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen