Menorca



Menorca ist die östliche und nördlichste Insel der spanischen autonomen Region Balearen. Auf Menorca leben ca. 80.000 Einwohner auf 694,39 Quadratkilometern. Der Hauptort heißt katalanisch (Inselsprache) Maó (spanisch: Mahón).
Geografische Daten
Menorca hat eine Ausdehnung von ca. 700 km2 von Kap La Mola bis zur Landzunge Bajoli. Die Insel ist etwa 50 km lang und in Nordsüdrichtung 16 km breit.
Die Insel prägen zwei Regionen: Tramontana, die Berge im Norden, und Migjorn, das Hügelland im Süden. Als Folge von geologischen Faltungen ist die Tramontana schroff; an seiner zerklüfteten Küste befinden sich Naturhäfen.
Im Gegensatz dazu hat der Süden ein sanftes Relief mit einigen tiefen Schluchten. Die Küste ist geradliniger mit Felsen und langen Sandstränden. In der Mitte der Insel ragt der 358 m hohe Monte Toro empor, von dem aus man einen herrlichen Rundblick hat.
Die 117,3 km lange Küstenlinie bietet zahlreiche Abwechslungen: Steilküsten, abgeschiedene Buchten und lange Strände sowie einige Naturhäfen.
Vorgeschichte

Die Spuren menschlicher Besiedlung kann man bis in die Altsteinzeit, d. h. bis 6000 Jahre v. Chr., zurück verfolgen. Wahrscheinlich gelangten die ersten neolithischen Siedler mit Booten von der französischen Mittelmeerküste auf die Balearen. Der älteste Hinweis auf die Existenz von Ackerbauern datiert aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Der älteste Kultbau ist die Naturhöhle, ihr folgt das Hypostylon. Ein etwa 1,5 m in den Boden eingetiefter Raum mit Seitenmauerwerk und Pilastern, in der Mitte kleine Säulen, deren Kapitelle die Deckenplatten tragen. Die jüngste eigenständige Kultbaueinheit der Insel ist die Taula, die eventuell ein überdimensionales Hypostylon darstellt.
1995 und 1997 wurden auf Menorca in den Höhlen von Es Càrritx und Es Mussol im Westen der Insel außergewöhnliche archäologische Entdeckungen gemacht. In Es Càrritx trafen die Speleologen auf eine intakte Kollektivbestattung aus der Spätbronzezeit. Die etwa 35.000 Menschenreste, 4.000 Keramikfragmente, 170 Metallobjekte, mehrere hundert Knochenknöpfe und Fayenceperlen befanden sich noch so, wie sie nach der letzten Bestattung um 820 vor Chr. liegen geblieben waren. Etwa 90 Meter vom Eingang entfernt entdeckte man ein Versteck, in dem Holz-, Metall- und Keramikgegenstände lagen, unter denen eine Reihe von bisher unbekannten Holz- und Hornzylindern mit menschlichem, rot gefärbtem Haar Aufsehen erregte.
Nicht weniger beeindruckend sind die Funde aus Es Mussol: unter anderem entdeckte man in einer kleinen Kammer im Höhleninneren verschiedene Holzschnitzereien, insbesondere zwei Köpfe mit deutlich menschlichen Zügen. Die Erforschung dieser außerordentlich reichen ideologischen und rituellen Hinterlassenschaften stellt eine besondere Herausforderung für die bisher entwickelte archäologische Theorienstruktur dar. In der Monographie "Ideologie und Gesellschaft auf dem prähistorischem Menorca" werden die vollständigen Resultate der Untersuchung beider Höhlen vorgelegt.
Die Fülle megalithischer Monumente fasziniert den Besucher - die Taulas, riesige Steintische, die Talayots der Talayot-Kultur, die Hypostyloi und die Navetas genannten Bauten aber auch die prähistorischen Höhlen machen die Insel zu einem Freilichtmuseum.
Geschichte
Menorca wurde von vielen Völkern beeinflusst: Phönizier, Griechen, Karthager, Römer, Mauren, Spanier, Briten und Franzosen. Der zum ersten Mal genannte Name der Insel war Nura - Feuer auf phönizisch. Zur Zeit der Römer hieß die Insel Minor - die kleinere, woraus dann Menorca wurde.
Die beiden größten Städte der Insel:

- Maó - an einem der größten Naturhäfen des Mittelmeeres gelegen. Der Aufschwung der Stadt begann unter der Herrschaft der Briten im 18. Jahrhundert. Aus strategisch-politischen Gründen wurde Maó 1722 zur Hauptstadt erklärt. Heute als pulsierendes, bürgerliches Zentrum vereint in sich englischen Stil mit mediterraner Atmosphäre.
- Ciutadella - Die ehemalige Inselhauptstadt hat sich bis heute ihren mittelalterlichen Charme bewahren können. Mit ihrem pittoresken Hafen, den Kirchen, Adelspalästen und engen, romantischen Altstadtgassen stellt sich Ciutadella als Hüterin der Traditionen und gleichzeitig lebhafte Metropole im Westen der Insel dar.
Gemeinden
Menorca ist in acht Gemeinden aufgeteilt:
- Alaior (spanisch: Alayor)
- Es Castell (spanisch: Villacarlos)
- Ciutadella de Menorca (spanisch: Ciudadela de Menorca)
- Ferreries (spanisch: Ferrerias)
- Maó (spanisch: Mahón)
- Es Mercadal
- Es Migjorn Gran (spanisch: Sant Cristóbal)
- Sant Lluís (spanisch: San Luis)
Landschaft
Außerhalb dieser beiden Städte wird das Bild der Insel vor allem von geruhsamer Beschaulichkeit geprägt: viele von Steinmauern gesäumte Felder, weißgetünchte Bauernhöfe mit alter Käsetradition, idyllische Dörfer und malerische Fischerorte.

Die Insel umschließt ein fast vollständiger Wanderpfad entlang der Küste. Die südliche Inselseite ist geprägt durch felsige Hügel, in die Bäche tiefe Täler (Barranc) gegraben haben. In diesen Schluchten, bedingt durch das geschützte, relativ feuchte Klima, findet sich im Kontrast der sonst etwas kargen Landschaft eine üppige Pflanzenwelt. Einige dieser reizvollen Schluchten sind über Wege erreichbar. Im "Barranc de Trebalúger" wird das besondere, geschützte Klima zu Anbau von Südfrüchten genutzt. An der Nordspitze Menorcas dem "Cap de Cavalleria" ist eine fast 100 Meter tiefe Steilküste.

Wegen der späten Erschließung durch den Tourismus konnte Menorca sich vor der Zerstörung durch Siedlungen weitgehend bewahren. Im Jahre 1993 wurde die Insel zu einem Biosphärenreservat erklärt. Heute steht fast die Hälfte der Insel unter Landschafts- und Naturschutz. Viele unbebaute Strände und ursprüngliche Landschaften sind somit erhalten geblieben.
Strände
Ähnlich wie Mallorca besitzt Menorca eine Vielzahl von Stränden und Badebuchten. Die schönste Badebucht sollte die Cala Santa Galdana sein. Hinsichtlich der Beschaffenheit der Strände unterscheiden sich die der Nordküste (mehr dunkel und grobkörnig) und der Südküste (hell und feinsandig) recht deutlich. Da auf Menorca recht oft ein starker Nordwind weht, sollte man als Badeurlauber eher die Südküste besuchen, während die Surfer an der Nordküste, insbesondere bei Fornells, besser aufgehoben sind.
Siehe auch
Literatur
- P. Castro, V. Lull, R. Micó.: Cronología de la prehistoria reciente de la península Ibérica y Baleares (c. 2800-900).
- Walkowitz J.E.: Das Megalithsyndrom. Band 36 in Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, 2003. ISBN 3-930036-70-3
- Lindemann, Christoth Friedrich Heinrich: Descripció geogràfica i estadística de l'illa de Menorca, (1786), 2002. ISBN 84-95718-04-9