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Mercedes-Benz-Bus

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Mercedes-Benz-Busse wurden in der Vergangenheit von Daimler-Benz und seit 1995 von der DaimlerChrysler-Tochter EvoBus hergestellt. DaimlerChrysler ist der weltgrößte Hersteller von Bussen.

Vor 1945

Bereits die Vorgängerfirmen Daimler-Motoren-Gesellschaft und Benz & Cie hatten Busse hergestellt. Daimler produzierte seit 1896 erste Omnibusse, Benz seit 1895. Nach der Fusion von Daimler und Benz zu Daimler-Benz im Jahr 1926 wurde der Bau von Bussen weiter vorangetrieben.

An der Fertigung beteiligt waren die Werke Sindelfingen, Gaggenau und Mannheim, in den 1930er-Jahren auch Stuttgart-Untertürkheim. Die Motoren befanden sich vorne, die Fahrzeuge waren als Haubenfahrzeuge mit deutlich ausgeprägter "Schnauze" konstruiert. Sie wurden mit Motoren aus eigener Fertigung ausgestattet, der Antrieb erfolgte auf die Hinterachse. Seit 1928 wurden auch Dieselmotoren eingebaut, Busse mit Ottomotoren waren jedoch weiterhin im Programm. Zusätzlich zu den zweiachsigen Fahrzeugen wurden auch dreiachsige Busse, Doppeldecker und Oberleitungsbusse gefertigt. Seit Mitte der 1930er-Jahre baut Daimler-Benz auch Frontlenkerbusse.

1945 bis 1967

Ein alter Mercedes-Benz O 3500

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die zeitweise unterbrochene Produktion wieder aufgenommen. Ab 1948 wurden wieder Hauben-Busse produziert, nachdem in den Jahren zuvor nur einige Frontlenker-Fahrgestelle hergestellt worden waren. 1949 erschien mit dem O 3500 die erste Neukonstruktion nach dem Krieg. Die Produktionszahlen stiegen stark an; zunehmend wurden die Busse auch exportiert.

Zusätzlich zu komplett ausgestatteten Fahrzeugen lieferte Daimler-Benz auch bloße Fahrgestelle mit Motoren, die von Karosseriebaufirmen mit selbstentwickelten Aufbauten versehen wurden. Das äußere Erscheinungsbild von Bussen, die den Mercedes-Stern tragen, kann daher erheblich vom Design der von Mercedes-Benz selbst karossierten Busse abweichen. Ab 1951 wurde mit dem OM 315 der Bau von Frontlenkerbussen wieder aufgenommen, der Motor dieser Fahrzeuge befand sich im Heck.

Bislang waren die Busse in klassischer Bauart hergestellt worden: Ein kräftig dimensioniertes Fahrgestell wurde mit einem Aufbau aus Stahlblech versehen. Diese Bauart war zwar sehr robust, aber auch sehr schwer. Als Alternative boten sich selbsttragende Karosserien an, wie sie sich in der Nachkriegszeit auch im Pkw-Bau durchzusetzen begannen. Diese Bauart hätte jedoch den Nachteil mit sich gebracht, dass man keine Fahrgestelle mehr an fremde Karosseriebaufirmen hätte verkaufen können, weil es ein separates Fahrgestell im eigentlichen Sinn gar nicht mehr gegeben hätte. Daimler-Benz entschloss sich daher zum Bau von Bussen mit halbselbsttragenden Karosserien, so dass weiterhin Bodengruppen an Fremdfirmen verkauft werden konnten. Der erste Vertreter dieser Art war 1954 der O 321 H.

Ab 1956 bot Daimler-Benz auch kleinere Fahrzeuge an, bei denen es sich zu Bussen umgestaltete Mercedes-Benz-Transporter handelte. Anfangs wurde hierfür der Mercedes-Benz L 319 verwendet (und O 319 genannt).

1967 bis 1995

1967 wurde mit dem O 305 der erste VÖV-Bus von Daimler-Benz vorgestellt. Hierbei handelte es sich um standardisierte Linienbusse für den Stadt- und Überlandverkehr. Die Serienfertigung begann 1969. Daimler-Benz wurde vor MAN zum größten Hersteller von VÖV-Bussen, die sich schnell in ganz Deutschland und teilweise auch im Ausland verbreiteten. Neben den zweiachsigen Solowagen wurden für den Stadtverkehr auch Gelenkbusse hergestellt. Auf Basis der Standardbusse erfolgte auch die Entwicklung des Spurbus-Systems, das erstmals 1979 auf der Internationalen Verkehrsaustellung (IVA) in Hamburg gezeigt wurde.

Für die kleineren (auf Transportern basierenden) Fahrzeuge wurden und werden die folgenden Typen verwendet:

Diese Fahrzeuge waren und sind teilweise auch mit Allradantrieb verfügbar.

1974 erschien der neue Reisebus O 303, dessen Design wesentlich sachlicher wirkte als das des Vorgängers O 302. Immer wieder überarbeitet wurde dieses überaus erfolgreiche Modell bis 1991 gebaut. Die Produktionsanlagen wurden anschließend nach Russland verkauft.

Nach den neuen Vorgaben des VÖV wurden ab 1984 VÖV-Busse der zweiten Generation unter der Bezeichnung O 405 (Stadt) und O 407 (Überland) gebaut. Auch sie waren in verschiedenen Varianten für Stadt- und Überlandverkehr erhältlich und konnten an die Erfolge der ersten Generation anknüpfen.

Ab 1989 entstanden erste Niederflurbusse auf Basis des O 405, die dann O 405 N genannt wurden. Später wurde dieses Modell etwas überarbeitet und der Boden nochmal etwas tiefer gelegt. Der als O 405 N2 bezeichnete Bus ist an den im vorderen Bereich tiefer liegenden Fenstern vom Vorgängermodell zu unterscheiden.

Mercedes-Benz stellte jeder Nationalmannschaft einen Omnibus in entsprechender Lackierung der Landesfarben zur Verfügung. Als Skandal wurde das Verhalten von der DDR gewertet, da diese Ihren Bus nicht angenommen haben, da Hammer und Zirkel als Nationalsymbole gefehlt haben. Ein Nachbau des westdeutschen Exemplares wurde auf der IAA 2005 in Frankfurt am Main vorgestellt. Seit Mai 2006 steht er im neuen Mercedes-Benz Museum in Stuttgart.

1995 bis heute

Im Jahr 1995 übernahm Daimler-Benz die Omnibussparte der Firma Kässbohrer, die unter dem Namen Setra vermarktet werden. Der Neuerwerb wurde mit der Bussparte der Daimler-Benz zur neu gegründeten EvoBus zusammengefasst, die seitdem Busse unter beiden Markennamen (Mercedes-Benz und Setra) vertreibt.

In der ersten Hälfte der 1990er-Jahre wurde das Angebot von Bussen in Niederflurbauweise ausgeweitet, die sich zunehmend zum Standard im Stadtverkehr entwickelte. 1996 erschien der erste Linienbus mit einem eigenen Namen, der Citaro. Die Überlandbusse erhielten die Bezeichnung Integro. (Beim Integro handelt es sich zum größten Teil um ein Setra-Fahrzeug.) Kleinere Stadtbusse heißen Cito, die Reisebusse Travego und Tourismo. Fahrzeuge auf Basis des Vario erhielten den Namen Medio. Inzwischen kamen noch die Modelle Conecto und Tourino dazu. Der Travego wurde 2005 neu aufgelegt. Genauso bekam der Integro ein Facelift. Zur Weltmeisterschaft 2006 bekommen alle Nationalmannschaften einen Travego zur Verfügung gestellt.

Ebenfalls in den 1990er-Jahren kamen Erdgasfahrzeuge für den Stadtverkehr auf, die mit Erdgas (CNG) statt mit Diesel angetrieben werden. Die Gastanks werden bei diesen Fahrzeugen auf dem Dach angebracht und sind in Form einer Ausbuchtung gut sichtbar (zum Beispiel bei dem oben gezeigten Irvine-Citaro).

Siehe auch

Literatur

  • Wolfgang H. Gebhardt: Deutsche Omnibusse seit 1898. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-02140-4
Commons: Mercedes-Benz Busse – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien