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Stratiot

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Félix Philippoteaux: Stradiot um 1850
Französische Darstellung der Schlacht bei Fornovo 1495

Stratiot oder Stradiot (griechisch Στρατιώτες/stratiotes, albanisch Stratiotët, italienisch stradioto, stradiotto, (Plural: stradioti, stradiotti)) ist die griechische Bezeichnung für Soldat. Stratioten waren Söldnereinheiten aus dem Balkan, die hauptsächlich vom 15. bis Mitte des 17. Jahrhunderts von den Staaten Mittel- und Südeuropas rekrutiert wurden.[1]

Name

Der griechische Begriff stratiotis/-ai (στρατιώτης/-αι ) wurde seit der Antike (800 v. Chr. bis ca. 600 n. Chr.) mit dem Sinn des „Bürgers, der kriegspflichtig ist und Kriegsdienste thut, der Krieger“ und später auch „der um Sold Kriegsdienste thut“ verwendet.[2] Das gleiche Wort wurde dann im Römischen (8. Jahrhundert v. Chr. bis 7. Jahrhundert n. Chr. ) und Byzantinischen Reich (395-1453) verwendet. Die italienische Bezeichnung stradioti (Plural) ist eine Anlehnung des griechischen Wortes στρατιῶται (stratiótai), d.h. Soldaten.[3] Die albanischen und dalmatinischen Stradioti (Chevaulegers), die im Dienst der Republik Venedig standen, wurden wegen ihrem charakteristischen Hut (ital.: cappello) mit langen Büscheln aus Silberfedern auch Cappelletti (sing. Cappelletto) genannt.[4]

Geschichte

Zum ersten Mal taucht die Bezeichnung im Zusammenhang mit der tiefgreifenden Reform des byzantinischen Militärwesens im 7. Jahrhundert auf. Als die Verteidigung der östlichen und afrikanischen Provinzen (Ägypten, Syrien und Africa) unter dem Ansturm der Araber innerhalb kurzer Zeit zusammenbrach, zeigte sich, dass die spätrömische Heeresorganisation, die sich vor allem auf Söldner stützte, den Anforderungen nicht gewachsen war.

Als die Kreuzfahrer während des Vierten Kreuzzuges (1204) in die Gebiete des Byzantinischen Reiches vordrangen und Konstantinopel durch französisch-flämische Kreuzfahrer und Venezianer geplündert und erobert wurde, wurde der Begriff Stratiot auch bei den westlichen Völkern bekannt. Seine Bedeutung hatte sich jedoch im 12. und 13. Jahrhundert entscheidend verändert. Stratioten hießen nun einheimische Söldner, die zu verschiedensten in der Romania beheimateten Völker gehörten. So gab es in den Balkanländern griechische, albanische, walachische und slawische Stratioten. Auch muslimische Soldaten osmanischer Herkunft, die sich in Kleinasien angesiedelt hatten, wurden als Stratioten bezeichnet. Diese Söldner unterschiedlichster Herkunft dienten zumeist als leichte Reiter in den Fürstentümern und Herrschaften des ägäischen Raumes.

Stratioten im Byzantinischen Reich

In Kleinasien wurden nun neue Verwaltungsbezirke, die Themen geschaffen, deren Befehlshaber (Strategen) sämtliche militärische und zivile Machtbefugnisse für das jeweilige Gebiet übertragen bekamen. Innerhalb der Themen wurden Wehrbauern angesiedelt, die in Friedenszeiten ihr eigenes Land bestellten und im Verteidigungsfall Heeresfolge zu leisten hatten. Diese neue Klasse von Soldaten wurden Stratioten genannt. Sie dienten zum größten Teil als Fußsoldaten, einige aber auch bei der leichten Reiterei.

Das auf die Stratioten gestützte Heerwesen von Byzanz war vom 8. bis zum 10. Jahrhundert sehr erfolgreich. Zahlreiche weitere osmanische Angriffe auf das verbliebene Kerngebiet des Reiches (Kleinasien) konnten abgewiesen werden, und im 10. Jahrhundert ging Byzanz in die Offensive, bei der sowohl auf dem Balkan als auch im Osten große Gebiete zurückerobert werden konnten.

Die Schaffung des neuen griechischen Heeres aus einheimischen Wehrbauern hatte zwei entscheidende Vorteile: Zum einen waren die Stratioten billiger als Söldner, weil ihre Entlohnung zum großen Teil aus den ihnen übertragen Bauerngütern bestand, für die sie in Friedenszeiten auch noch Steuern zahlten. Zum anderen waren sie hoch motiviert und neigten kaum zum Desertieren, weil sie ihre eigene Heimat verteidigten. Hinzu kam, dass sie anders als kurzfristig angeworbene Söldner im Frieden regelmäßig zu Übungen einberufen werden konnten.

Die Themenverfassung und mit ihr der Stand der Stratioten verfielen im 11. und 12. Jahrhundert, als der byzantinische Adel wieder mehr Einfluss auf die Reichsverwaltung bekam und sich dabei viele Stratiotengüter aneignen konnte.

Stratioten in Europäischen Ländern

Kilidsch

Zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert mit dem Vormarsch der Osmanen in Richtung Westen bildete sich im Mittelmeer eine Allianz zwischen den albanischen Fürstentümern, der Republik Venedig, den italienischen Herren und den Königen von Neapel und Sizilien, denen sich bei verschiedenen Anlässen Spanien, Frankreich, das römische Papsttum, die osteuropäischen Länder und der afrikanische Mittelmeerraum anschlossen. Diese Allianz setzte sich dann später in den italienischen Kriegen des 16. Jahrhunderts fort. In diesem politisch-sozialen Zustand wurden besonders geschickte Söldnerarmeen benötigt und die Stratioten mit ihren albanischen Kapitänen aus „guten Familien“ bildeten eine leistungsfähige, hoch ausgebildete Kavallerie.[5]

Während der vier Jahrhunderte der osmanischen Herrschaft auf dem Balkan fanden viele christliche Krieger bei den umliegenden christlichen Mächten Schutz und dienten in deren Streitkräften. Griechische und christliche albanische Truppen dienten der Republik Venedig und den spanischen Herrschern auf dem Balkan und in Italien. Während den Osmanisch-Venezianischen Kriegen des 15. Jahrhunderts fanden eine große Anzahl von Stratioten, die den letzten christlichen Staaten auf dem Balkan gedient hatten, Beschäftigung in den venezianischen Besitztümern in Griechenland und Dalmatien. Als leichte Kavallerie trugen sie als Kampfgewand eine Mischung aus orientalischer und byzantinischer Tracht. Ihre Waffen waren Speere, lange osmanische Säbel (Kilidsch), und Keulen.[6]

Im Laufe des 16. Jahrhunderts dienten die Stratioten in den Armeen von Venedig, Genua, Frankreich, England und dem Heiligen Römischen Reich. Ihnen wird die Wiedereinführung von leichten Kavallerie-Taktiken zugeschrieben. Als ihre „Kunden“ anfingen, einheimische leichte Kavallerie-Einheiten, wie die späteren Husaren und Dragoner zu bilden, beschränkten sich die Beschäftigungsmöglichkeiten der Stratioten auf Italien und die venezianischen Besitzungen in Dalmatien (Herceg Novi, Šibenik, Trogir und Zadar) und auf dem Peloponnes (Koroni, Methoni, Nafplio und Monemvasia).[6]

Noch in den osmanisch-venezianischen Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts waren die Stratioten ein wesentlicher Teil der Landstreitkräfte, die die Republik Venedig ins Feld führte. Es handelte sich um christliche Albaner, Walachen und Griechen. Sie trugen osmanische Tracht ohne Turban, ein Panzerhemd und einen kleinen Helm. Ihre Waffen waren eine bis zu 4 m lange, an beiden Enden mit Eisen beschlagene Wurflanze, ein breiter Säbel und auch Gewehre oder Pistolen.

Siehe auch

Literatur

  • Franz Babinger: Albanischen Stradioten im Dienst Venedigs im ausgehenden Mittelalter. In: Studia Albanica. Band 1. Academy of Sciences of Albania, Tirana 1964, S. 162–182.
  • John F. Haldon: State, army and society in Byzantium. Approaches to military, social and administrative history, 6th - 12th centuries. Aldershot 1995, ISBN 0-86078-497-5.
  • M. E. Mallett, J. R. Hale: The military organization of a Renaissance state. Venice c. 1400 to 1617. Cambridge 1984, ISBN 0-521-24842-6.
  • Raphael und Benjamin Herder: Stradioten. In: Herders Conversations-Lexikon. Band 5. Freiburg im Breisgau 1857, S. 349 (zeno.org [abgerufen am 5. November 2017]).
  • Nicholas C. Pappas: Balkan foreign legions in eighteenth-century Italy: The Reggimento Real Macedone and its successors. Columbia University Press, New York 1981 (englisch, kroraina.com [PDF; abgerufen am 4. November 2017]).
  • Heinrich August Pierer: Stradioten. In: Pierer's Universal-Lexikon. Band 16. Altenburg 1863, S. 886 (zeno.org [abgerufen am 5. November 2017]).
  • Nikos G. Svoronos: Les novelles des empereurs macédoniens concernant la terre et les stratiotes. Athen 1994 (Quellensammlung zum Landrecht und den Stratioten zur Zeit der makedonischen Dynastie).
  • Warren T. Treadgold: Byzantium and its army. 284-1081. Stanford (CA) 1995, ISBN 0-8047-2420-2.

Einzelnachweise

  1. Louis Tardivel: Répertoire des emprunts du français aux langues étrangères. Septentrion, Québec 1991, ISBN 2-921114-51-8, S. 134 (französisch, Online-Version (Vorschau) in der Google-Buchsuche).
  2. Wilhelm Pape: στρατιώτης. In: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Band 2. Braunschweig 1914, S. 952 (zeno.org [abgerufen am 3. November 2017]).
  3. Stradioti. Abgerufen am 5. Oktober 2017 (italienisch).
  4. Cappelletti. Abgerufen am 5. Oktober 2017 (italienisch).
  5. Maria Gabriella Belgiorno de Stefano: Le comunità albanesi in Italia: libertà di lingua e di religione. Perugia 2015, S. 3 (italienisch, unimi.it [abgerufen am 3. November 2017]).
  6. a b Nicholas C. Pappas, S. 35