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Einheit (Schiff, 1873)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Einheit p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches Reich Deutsches Reich
Deutsches Reich Deutsches Reich
Deutschland Demokratische Republik 1949 Deutsche Demokratische Republik
andere Schiffsnamen * Germania bis 1928
  • Lössnitz bis 1950
Schiffstyp Raddampfer
Heimathafen Dresden
Eigner VEB Fahrgastschiffahrt Dresden
Bauwerft Werft Blasewitz
Stapellauf 1873
Indienststellung 1873
Verbleib Abbruch
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 60,29 m (Lüa)
Breite 5,54 m
über Radkästen: 10,90 m
Tiefgang (max.) 1,14 (leer) 0,58 m
Maschinenanlage
Maschine 2-Flammrohr-Zylinderkessel
2-Zyl.-Verbundmaschine Braunkohle­verbrauch ca. 375 kg/h
Maschinen­leistung 240 PS
Höchst­geschwindigkeit stromaufwärts: ca. 10,5 km/h
stromabwärts: ca. 14,0 km/h
Propeller 2 Patent-Seitenräder ∅ 4,00 m
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 945 (1950)

Der Raddampfer Einheit wurde 1873 in der Schiffswerft Blasewitz gebaut. Das Schiff wurde unter dem Namen Germania mit der Baunummer 13 auf Kiel gelegt und am 25. Mai 1873 in Dienst gestellt. Es war das dritte Schiff mit diesem Namen. 1928 wurde es in Lössnitz umbenannt. Im Jahr 1950 erhielt es den Namen Einheit.

Die Zeit nach der Indienststellung bis 1945

Raddampfer Germania vor der Riesaer Eisenbahnbrücke

Nach der Indienststellung als Glattdeckdampfer im Jahr 1873 fuhr das Schiff bis 1923 für die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrts-Gesellschaft (SBDG). Nach der Einstellung des Geschäftsbetriebes fuhr das Schiff für die 1923 neu gegründete Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrt, Aktiengesellschaft (SBDA). Der neue weiße Anstrich der Schiffe brachte ihr den Namen Weiße Flotte ein. Bis zum Bau der König Albert im Jahr 1885 war es mit 114 Tonnen Verdrängung das größte Schiff der Gesellschaft. 1893/94 erhielt das Schiff einen neuen 2-Flammrohrkessel der Kette Elbschiffahrtsgesellschaft. 1926/27 wurde eine Dampfsteuermaschine der Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Uebigau AG mit der Baunummer 1829 eingebaut. Das Schiff erhielt dazu ein neues Steuerhaus. Weiterhin wurde eine elektrische Beleuchtung installiert. Zwischen den Radkästen wurde ein kleiner Vorderdecksalon eingebaut. Ab 1928 ging das Schiff unter dem neuen Namen Lössnitz in Fahrt. Am 29. Juli 1933 wurde das Schiff in Pirna-Posta bei einem Unwetter durch einen Tornado auf den Hafendamm geschleudert und schwer beschädigt.[1] Im April 1944 wurde es zum Küchen- und Verpflegungsschiff der Wehrmacht umgebaut und mit einem Tarnanstrich versehen.

Die Zeit nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte ein Rückbau der Kücheneinrichtung und das Schiff ging noch mit Tarnanstrich wieder in Fahrt.

Die SBDA wurde am 1. Februar 1947 in Volkseigentum überführt und erhielt den Namen VEB Elbeschiffahrt Sachsen. Von 1950 bis 1956 gehörte sie zur Gesellschaft Deutsche Schiffahrts- und Umschlagsbetriebszentrale (DSU). Nach deren Auflösung entstand 1956 der VEB Fahrgastschiffahrt Weiße Flotte Dresden.

1950 erfolgt die Generalüberholung von Schiff und Maschine. Zusätzlich wurde ein Oberdeck aufgebaut. Danach ging das Schiff unter dem neuen Namen Einheit in Fahrt. 1955/56 wurde das Schiff um 3 m verlängert. Es erfolgten der Aufbau eines hinteren Decksalons und die Verlängerung des Oberdecks. 1957/58 erhielt das Schiff ein neues Kesselhaus. Gleichzeitig wurde die Elektroanlage erneuert. 1968 wurde ein neues Steuerhaus aufgebaut.

Im Jahr 1973 beging das Schiff als zweites Schiff der Gesellschaft nach der Freundschaft sein 100-jähriges Dienstjubiläum. In dieser Zeit legte es eine Strecke von ca. 1,5 Millionen Kilometern zurück. Das bedeutet, sie äquivalent zu ihrer Fahrleistung hat 37 Mal den Äquator umrundet. Die Pläne, das Schiff auf einen diesel-elektrischer Antrieb umzustellen, wurden nicht umgesetzt. Am 12. Juli 1974 kam es zu einem Kesselschaden und das Schiff wurde außer Dienst gestellt. Das Schiff wurde von der HO gekauft und ab dem 16. Juli 1974 als schwimmende Gaststätte in Pillnitz eingesetzt. 1975 wurde es in Zum Gondelhafen umbenannt und lag zeitweise am Terrassenufer in Dresden. Zum Jahresende wurde der Gaststättenbetrieb eingestellt und das Schiff ab 1976 im Hafen Dresden-Neustadt abgestellt. Offensichtlich gab es Bemühungen, das Schiff zu verkaufen. Ab 1977 war die Deutsche Binnenreederei Berlin neuer Eigentümer. Im Hintergrund stand hier die ASIMEX (Asbeck Import Export) Berlin, eine Tochterfirma der KoKo. Allerdings war dem Bemühen kein Erfolg beschieden. Am 26. Januar 1983 wurde das Schiff nach Aken verlegt und ab dem 11. März 1983 verschrottet. Offiziell blieben keine Teile erhalten.

Die Dampfmaschine

Die Dampfmaschine war eine oszillierende Hochdruck-Zweizylinder-Verbunddampfmaschine mit Einspritzkondensation. Gebaut wurde sie von der Schweizer Maschinenbauanstalt Escher Wyss & Co. in Zürich. Die Leistung betrug 240 PS. Eingebaut war ein 2-Flammrohr-Kofferkessel mit 5 atm Dampfdruck. 1894 wurden der Kessel durch einen 2-Flammrohr-Kofferkessel mit 5 atm Dampfdruck der Kette, Deutsche Elbschiffahrts-Gesellschaft ersetzt.

Literatur

  • Historikerkreis Elbeschiffahrt Dresden Dampfkalender 2015 Personendampfer Einheit.
  • Frank Müller, Wolfgang Quinger: Mit Dampf und Schaufelrad auf der Oberelbe. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin, 1988, ISBN 3-344-00286-4.

Einzelnachweise

  1. Tornadoliste Deutschland: 29.07.1933 / Stärke (F3)