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Schminke

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Schminke oder Make-Up bezeichnet spezielle Farbe, womit Haut und Haare, meist das Gesicht, vorübergehend getönt oder gefärbt werden können. Die natürliche Hautfarbe wird hervorgehoben oder abgeschwächt, Wangen, Lippen und Augen werden farblich gestaltet.

Verschiedene Arten und Zweckmässigkeiten

Dekorative Schminke

Junge Frau beim Schminken

Dekoratives Schminken gilt dem Körperschmuck und soll im allgemeinen die Besonderheit und Individualität einer Person unterstreichen und ihr Abheben von der gewöhnlichen Masse signalisieren und unterstreichen. Es dient hier der Betonung der persönlichen Attraktivität und der Kaschierung evtl. vorkommender Makel, wie Falten oder Hautrötungen. Diese Art der Schminke, wird vorwiegend von Frauen genutzt und beschert der Kosmetik- und Pharmaindustrie jährlich stabile Milliardengewinne. Dekoratives Schminken ist meist an die jeweiligen Modetrends gebunden.

Dramatische Schminke

Bühne

Geschminkter Clown

Im Theater wurde und wird Schminke als Steigerung der künstlerischen Ausdrucksform genommen, sei es die totale Verneinung der persönlichen Gesichtszüge des Schauspielers, wie in der Pantomime oder in der Übersteigerung, wie z. B. in der Clownerie, oder Travestie. Im japanischen Kabuki-Theater z. B. sind Kostüm wie Schminke in strikten Regeln festgelegt und auch im europäischen Theater gab und gibt es Archetypen der Darstellung wie die Naive oder die Alte die auch entsprechend geschminkt werden müssen. Theaterschminke und Karnevalsschminke müssen besondere Anforderungen abdecken. Thaterschminke dunkelt das Gesicht zum Ausgleich grellen Scheinwerferlichts ab und ist im Regelfall wasserunlöslich. Es wird nach der Vorstellung meist mit fetthaltigen Reinigungsmitteln entfernt.

Film

Charlie Chaplin mit typischer Stummfilmschminke (1921)

In den Anfängen des Films während der Stummfilmzeit stand die Schminke noch ganz in der Tradition der Theaterschminke und wurde sehr stilisiert eingesetzt. Später glich man die Filmschminke den jeweiligen Modetrends an und schaffte es sogar über das Medium Film selbst welche zu initieren (Barbarella, Pulp Fiction), berühmte Models ("Faces") wie Marilyn Monroe, oder Greta Garbo wurden zu Filmikonen und umgekehrt. Filme wie Apokalypse Now schafften es sogar verschiedene "Schminkgenres" zu verbinden, so gibt Francis Ford Coppola den wahnsinnig gewordenen General Kurtz (Marlon Brando) mit dessen in tarngrün-schwarzen Kriegsschminke, nicht nur etwas militärisches, sondern gibt ihm auch etwas teuflisches, da das Make-Up, an das der Stummfilmzeit angelehnt ist.

Kampfschminke

Krieg

Moderne Tarnanzüge mit entsprechender Schminke

In Europa trugen die Kelten bzw. die Wikinger auffällige Haut- und Körperfarbe bevorzugt bei Kriegsschlachten, sowohl um die Gegner durch gemalte Fratzen einzuschüchtern, als auch im Glauben daran, durch die vorher durch den Dorfschamanen gesegnete Hautfarbe, unverletzbar gemacht worden zu sein- ein Phänomen, durch etliche Hollywoodfilme bekannt, bei den Indianern in Nordamerika, wie den Sioux und den Irokesen, oder in Mittel- und Südamerika, bei den Azteken oder den Mayas, wie auch bei den asiatischen Kriegsvölkern wie den Skythen oder den Hunnen beschrieben worden ist.

Kriegsschminke wird heutzutag vorwiegend zu Tarnzwecken hergenommen und ist je nach Einsatzort dementsprechend eingefärbt, so ist sie für Wüstengebieten gelbbraun-sandfarben, in Wäldern und Wiesen grünbraun und in Eis- und Schneegebieten weißgrau.

Sport

Datei:American Football.jpg
American Football-Spieler mit Gesichtsschminke

Spieler von American Football-Teams malen sich schwarze Balken unter die Augen um gefährlicher auszusehen und Wrestling-Kämpfer bemalen nicht selten ihre kompletten Körper mit Farbe.

Kulturelle Schminke

Geishas mit traditioneller Schminke
Datei:Goths.jpg
Gothics mit kennzeichnender Schminke

Die Färbung und/oder farbliche Kennzeichnung der Haut ist zu allen Zeiten auch Zeichen gewesen, die Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen aber auch musikalischen, kulturellen oder, in der heutigen Zeit, subkulturellen Gruppe kennzuzeichnen. So kennzeichnen sich Personen welche sich zur Gothic- bzw. New Wave-Szene oder auch zu Punk zurechnen durch extrem exaltierte Schminke aus. In Japan z. B. setzten sich die Geishas von den "normalen" Frauen mit Kleidung und Schminke gezielt ab.

Geschichte der Schminke

Schminke und Hautschmuck in vorgeschichtlicher Zeit

"Weiße Dame von Ahahouret" - Afrikanische Felszeichnung mit deutlich erkennbarem Körpermuster

Vermutlich ist das Zieren des eigenen Körpers so alt wie die Menschheit und wurde zunächst zu schamanischen und rituellen Zwecken im Rahmen der damaligen Fruchtbarkeitskulte zelebriert. Weltweit wurden in Höhlenmalereien gemalte Figuren mit deutlichen Hautverzierungen von den damaligen anonymen Künstlern angebracht, welche darauf schließen lassen, daß die realen Menschen, welche hinter diesen Abbildungen steckten, ebenfalls Kopf- und Körperschminke trugen. Auch auf gefundenen Figurinen wie der Venus von Willendorf konnten Farbreste aus Ocker, Kalkweiß und Asche ausgemacht werden, welche eindeutig der Verzierung der Figur zugeordnet werden konnten. Noch heute sind an ursprünglich gebliebenen Völkern, wie der Massai und der Nuba in Afrika (sehr eindrucksvoll fotografisch dokumentiert von Leni Riefenstahl in den 70er Jahren) aber auch an australischen und mikronesischen Völkern in der Südsee. Nicht selten wurden gemalte Hautverzierungen, mit dekorativen Schnitten oder Stichen (Skarifizierung wie gerade jetzt wieder als Piercing und Branding in westlichen Ländern in Mode gekommen) und daraus resultierenden Schmucknarben (Nuba), wie Tätowierungen (Maori in Neuseeland) oder Piercings (Massais, Tellerlippenfrauen) kombiniert.

Auffällig ist, daß die Art der Hautverzierungen, je weiter die Völker in den Norden der Welt vorstießen, farb- und musterlastiger wurden und Schmucknarben zurückgingen. So sind bei den Wikingern Schmucknarben kaum bekannt gewesen, während Farbtätowierungen bei afrikanischen Völkern wiederum nicht oder wenig bekannt waren und diese dafür Narbentätowierungen vorzogen. Grund dafür ist vermutlich schlicht und einfach die Anpassung an die veränderten Hautfarbveränderungen. Eindrucksvolle Tätowierungen konnten durch die auffindung mumifizierter Leichen, insbesondere Moorleichen dokumentiert werden. Auch die in den Ötztaler Alpen gefundene jungsteinzeitliche Mann, auch bekannt unter dem Namen "Ötzi", wies Tätowierungen in Form von wenigen Zentimeter langen, parallelen Linien an den Hand- und Fußgelenken, wie ein Kreuz im Lendenbereich auf. Allerdings sind sich die Forscher nicht einig, ob diese zum Schmucke, oder aus medizinischen Gründen angebracht wurden.

Antike

Die Büste der Nofretete mit typischer ägyptischer Schminke

Etwa ab 2500 v. Ch. finden sich Nachweise, dass Ägypter ihre Haut zum Schutz vor der intensiven Sonnenbestrahlung mit Salben und Ölen einrieben. Auch Rouge für die Wangen und Lippenfarbe wurden von den Ägyterinnen benutzt. Zur Aufbewahrung der cremigen Farben dienten Pflanzenstängel. Bei Ausgrabungen wurden grüne Schminkfarben aus Malachit (Kupferspat), blaue Farben aus Lapislazuli, schwarze Farben aus verschiedenen Substanzen, rote Farben aus Zinnober und Bleiglanzpuder (Galenit) gefunden. Die Betonung der Augen hatte in Ägyten eine besondere Bedeutung, da die Augen ein Sinnbild für den Sonnengott Ra darstellten. Die hierzu genutzten schwarzen und grünen Farben wurden häufig von Priestern hergestellt und wie Kajal benutzt. Im Tempel von Edfu wurden entsprechende Rezepte gefunden.

Die Römerinnen benutzten erst nach der Eroberung Griechenlands ausgiebig dekorative Schminke. Zum Entfernen wurde Olivenöl oder Esels- bzw, Ziegenmilch benutzt. Die zu dieser Zeit genutzte Wimperntusche wurde aus gebranntem Kork hergestellt.

Mittelalter und beginnende Neuzeit

Königin Eisabeth I. mit damals typisch bleiweiß-hellem Gesicht

Im Mittelalter galt nur der blasse Teint als schön. Um eine möglichst makellose Blässe zu erreichen, verwendete man das hoch toxische Bleiweiß, das häufig schwer heilende Abszesse der Gesichtshaut hervorrief. In der Renaissance wurde das Färben von Wangen und Lippen durch Elisabeth der I. in England und Katharina von Medici in Frankreich wieder populär. Die rote Lippenfarbe entstand aus Koschenille, einem roten Farbstoff, der aus der Koschenilleschildlaus gewonnen wurde. Im 17. Jahrhundert wurden die Schönheitspflästerchen, kleine zugeschnittene Flecken aus Leder, Seide oder Samt, sehr beliebt. Sie wurden vor allem benutzt, um die Narben auf der Haut zu verdecken, die durch die geringe Hygiene entstanden. Schminke wurde immer in neuen Schichten aufgetragen, das Reinigen des Gesichts war unüblich, es wurde lediglich mit etwas Wasser benetzt.

Gegenwart

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts werden Kosmetika unter Berücksichtigung der möglichen Gesundheitsfolgen hergestellt. Die Verwendung von Bleiweiß lässt nach und wird durch Reismehl, Talkum und Schlämmkreide abgelöst. Rote Farben werden aus Safflor oder Karmin hergestellt. Beliebt ist auch Schnouda, eine farblose Mischung von Alloxan (aus Harnsäure bereitet) mit Fettcreme, die die Haut rot färbt.

Moderner Lippenstift
Auge mit Lidschatten und Wimperntusche

Mit der Erfindung des Lippenstifts 1915 erhält die Kosmetikindustrie einen neuen Schub. Die Ausgaben für Kosmetik steigen stark. Besonders beliebt sind Lippenstift, Lidschatten und Wimperntusche.

Anwendung moderner Schminke

Zunächst wird eine flüssige Grundierung (Foundation oder das eigentliche Make Up) aufgetragen, die die Hautfarbe ausgleicht und Unebenheiten abdeckt. Stärkere Rötungen kann man mit einem hautfarbenen (Pickel-)Stift extra kaschieren. Danach wird gewöhnlich loser oder fester Puder aufgetragen, um die Gesichthaut zu mattieren. Die Augen können mit Lidschatten, Kajal, Lidstrich und Mascara (Wimperntusche) geschminkt werden. Die Wangen werden mit Rouge getönt, der Lippenstift färbt die Lippen. Um eine schöne Lippenlinie zu bekommen, kann man sie mit Lipliner umranden. Häufig wird auch Lipgloss benutzt, will man sie einfach nur schön natürlich glänzen lassen.