Zum Inhalt springen

Moloch (Religion)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 2. Januar 2006 um 13:56 Uhr durch Wst (Diskussion | Beiträge). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

Moloch ("König"), war eine Gottheit der Kanaaniter, ursprünglich die sengende Glut der Sonne im Hochsommer, überhaupt die verzehrende, aber auch reinigende Kraft des Feuers, dann der finstere Gott des harten, vernichtenden Kriegs; auch ist er der Gott des Planeten Saturn.

Er wurde in Stiergestalt oder mit dem Stierkopf (Minotauros) dargestellt. Ihm wurden zum Dank für den von ihm verliehenen Sieg nicht nur gefangene Feinde in Menge geopfert, sondern auch, um seine Gunst zu gewinnen oder seinen Zorn zu beschwichtigen, Menschenopfer, besonders Kinder und Jünglinge (in Zeiten besonderer Gefahr der älteste Sohn des Königs), dargebracht.

Die Opfer wurden der ehernen hohlen Bildsäule in die Hände gelegt und rollten in das vom Feuer erfüllte Innere, wo sie verbrannten. Besonders in Karthago war dieser Molochdienst verbreitet (der Stier des Phalaris ist das Bild des Moloch); aber auch bei den Israeliten fand derselbe durch Salomo Eingang. Die Griechen nannten Moloch Kronos.

In der hebräischen Überlieferung (als molek oder molak) der Bibel wird auf ein phönizisches Ritual Bezug genommen, nach dem man „Kinder durchs Feuer schickte“ (Lev 18,21; 20,25; Dtn 12,31; 18,10), ebenso bei den Propheten Jeremia (7,31; 19,5) und Ezechiel (Ez 16,20f.). Aus diesem „Molek“ wurde die griechische Version 'Moloch'.

Dieses als Molk (punisch: mlk) bezeichnete Ritual der Verbrennung von Neugeborenen, insbesondere in schwierigen Zeiten, existierte gemäß römischen Berichten im phönizischen Karthago bis zur Zeit Hannibals, wie durch archäologische Ausgrabungen nachgewiesen wurde.

Antiken Berichten zufolge wurde Moloch in Karthago durch eine große Bronzestatue mit Stierkopf dargestellt, die innen hohl war. Im Inneren brannte ein Feuer, wodurch die Statue glühend rot war. Neugeborene wurden zum Opfern auf den Händen des Moloch platziert, mittels einer komplexen Mechanik wurden die Hände zum Mund geführt (als ob Moloch essen würde). Das Kind fiel dann ins Innere und verbrannte. Die Menschen versammelten sich um die Statue und übertönten das Schreien des Kindes mit Gesang, Flöten und Tambourinen. Eine literarische Beschreibung dieses Rituals findet sich im Roman Salambo von Gustave Flaubert (Kapitel „Moloch“ beim Projekt Gutenberg-DE).

Welche Gottheit mit Moloch (hebr. molak „König“) gemeint war, ist nicht eindeutig zu ermitteln. (Hadad-Melk?). Aus dem Hadad wurde der syrische Baal bzw. Dea Syria. Es ist auch möglich, dass es sich um eine Missdeutung des hebräischen la-molek handelt und Moloch nicht einen Gott bezeichnet, sondern eine bestimmte Art des Opfers. Hinweise für diese Missdeutung finden sich bereits in der Septuaginta.

Vorlage:Meyers ist obsolet; heißt jetzt Vorlage:Hinweis Meyers 1888–1890