Jahwe

Jahwe (auch , Jahweh'; oftmals nur Herr, Gott, Elohim genannt) ist einziger Gott im Judentum und Christentum. Er wird in diesen beiden Religionen als Schöpfer und alleiniger Herrscher über das Universum angesehen.
Der Name Jahwes
Jahwe war den Stammvätern der Israeliten anfangs nicht namentlich bekannt, sondern wurde nach dem benannt, dem er zuerst begegnete ("Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakob (Patriarch)s"). Erst Mose, der laut dem Alten Testament die Juden aus Ägypten führte, erhielt auf seine Nachfrage den Eigennamen Gottes. Dabei erklärt Gott selbst seinen Namen mit אהיה אשר אהיה.
Die Bedeutung dieses zentralen Verses wird viel diskutiert. Man nimmt an, dass er auf die eng verwandten Wurzeln הוה (hawah - sein, werden) und היה (hajah - geschehen, veranlassen, da sein) zurückgeht und bewusst mit deren Vieldeutigkeit spielt. Denn das hebräische Verbalsystem kennt keine Zeitstufen. Im Hif'il (hebräischer Kausativstamm) kann Jahwe demnach bedeuten: "Er veranlasst zu werden". Übersetzt man den Vers im Präsens, dann würde er lauten: "Ich bin, der ich bin". Im Futur kann er auch heißen: "Ich werde mich erweisen, als der ich mich erweisen werde" oder "Ich werde (für euch) (da) sein". Diese Bedeutung zeigt sich auch aus dem Kontext, darin heisst es: "Ich werde mit Dir sein" und das zukünftige Handeln Gottes am Volk Israel genannt wird.
Auf Hebräisch wird Jahwe als Tetragramm (Vierfachzeichen) geschrieben: יהוה (Transliteration: JHWH). Verschiedene in der hebräischen Quadratschrift geschriebene Papyri und Codices geben das Tetragramm im Unterschied zu anderem Text stets in althebräischer Schrift wieder, was als Zeichen der besonderen Ehrfurcht vor dem Namen Gottes gedeutet wird.
Siehe auch
Herkunft und Einführung Jahwes
Die Herkunft der mythologischen Figur Jahwe ist umstritten. Manche Wissenschaftler sehen die Einführung dieses Gottes während der Sklavenzeit der Juden in Ägypten und ist eng mit ihrer Befreiung Hebräer aus dem Frondienst Ägypten verbunden. Ein solcher Sklavendienst beim Bau von Vorratsstädten ist für etwa 1200 v. Chr. unter Ramses II. belegt. Der Wortstamm hpr oder der Name "Chabiru", der in der Forschung als Synonym von "Hebräer" gesehen wird, ist auch in ägyptischen und akkadischen Dokumenten dieser Zeit nachgewiesen. Er bezeichnete keine ethnische, sondern eine soziale Bevölkerungsgruppe von landlosen Tagelöhnern, Sklavenarbeitern, Söldnern oder Räubern.
Auch die These, dass der monotheistische ägyptische Gott Aton Vorbild für Jahwe gewesen sei, wird oft zitiert, so zum Beispiel vom Heidelberger Ägyptologen Jan Assmann.
Demnach war Jahwe kein Stammes- oder Nationalgott, sondern einer, mit dem diese soziale Gruppe, die immer wieder aufgrund ihrer Besitzlosigkeit in Abhängigkeit von Großreichen geriet, unerwartete Befreiungserlebnisse verband. Dies könnte auch erklären, dass andere Nomadenstämme, die aus anderer Richtung in Kanaan sesshaft wurden, diesen Namen bei ihrer Begegnung im Kulturland mit ihren eigenen Göttern und deren unabhängig überlieferten Erzählungen identifizieren konnten. Diese These vertreten namhafte Alttestamentler wie Anton Gunneweg oder Rainer Albertz.
Andere Thesen sehen Jahwe als eine langsame Entwicklung nach einer Übernahme des dualistischen Systems der Perser und somit als anfängliches Sinnbild für Ahura Mazda.
Jahwe wurde nach Auffassung der Bibelforschung erst in einem komplexen Traditionsprozess allmählich zum gemeinsamen Gott aller Israeliten. Seine Übernahme durch andere Stämme, die nicht in Ägypten oder am Sinai waren, erfolgte erst im Zuge der Ansiedelung im Kulturland Kanaan. Ein Dokument dieser Übernahme liegt wohl in Josua 24 vor: der Schilderung des sogenannten "Landtags von Sichem" im späteren Nordreich Israel. Dort heißt es nach einem längeren Rückblick auf die Vorgeschichte der Israeliten:So fürchtet nun Jahwe und dient ihm treu und rechtschaffen und lasst fahren alle Götter, denen eure Väter gedient haben jenseits des Euphrats und in Ägypten, und dient Jahwe. Dies weist darauf hin, dass dieser Name erst später mit den älteren Sippengöttern der einsickernden Halbnomaden verknüpft wurde. Innerhalb der sesshaft gewordenen Israelischen Stämme, muss sich Jahwe zuerst aber gegen Baal durchsetzen, der im Nordreich Israel als Gott angesehen wird, während erst das [[Juda (Reich)|Südreich Juda] Jahwe anbetet. In der Bibel wird ein Prophet namens Elija im 9. Jh. v. Chr. als massgeblich für die Anerkennung Jahwes als Gott aller Stämme bezeichnet.
Auch nach dieser Übernahme wurden die bisherigen Götter nicht abgelegt, sondern parallel verehrt und zum Teil mit Jahwe, dem Gott Gesamtisraels, identifiziert. Dies galt besonders für El, den in Israels Umwelt bekannten "höchsten Gott", den Erschaffer von "Himmel und Erde" (Gen 14,18-20). Wahrscheinlich erst im Verlauf der staatlichen Vereinheitlichung des Stämmebundes oder sogar erst seit der Kultreform unter König Josia 621 v. Chr. schloss die Jahwe-Verehrung den Synkretismus rigoros aus, wobei die Exodus- und Sinaitradition - Jahwe als Befreier, Führer, Gesetzgeber seines Volkes - maßgebend blieb.
Charakter und Funktion Jahwes
Der Charakter und die Funktion Jahwes lässt sich nicht eindeutig bestimmen, da dies von den Schreibern des Alten und des Neuen Testaments den jeweiligen Situationen angepasst wurde. Es lässt sich somit nur im Kontext erkennen und verstehen.
Jahwe im Alten Testament
Jahwe tritt im Alten Testament als Schöpfer des Universums mit besonderem Augenmerk auf die Erde auf. Er erscheint darin in vielen alten orientalischen Sagen, in denen er sowohl lenkende als auch prüfende Kraft darstellt. In viele Sagen - so zum Beispiel die der Sintflut - wurde Jahwe erst nachträglich eingefügt.
Jahwe ist im Alten Testament noch alleiniger Gott der Juden. Er stellt Gebote fürs zwischenmenschliche Leben auf, Hygienevorschriften werden als seine Veranlassung angesehen und damit begründet, aber auch Handels-, Strafgesetze und Landwirtschaftsbestimmungen werden ihm zugeschrieben. Somit diente Jahwe den Schreibern des Alten Testamentes in hohem Masse auch zur Bekräftigung der Justiz und um wissenschaftliche Kenntnisse der damaligen Zeit einem tiefreligiösen Volk zu unterbreiten.
Während Jahwe die Juden untereinander zu Nachsicht und Gerechtigkeit aufruft, stellen ihn die Schreiber des Alten Testaments als unbarmherzigen Rächer und Vernichter dar, sobald ein fremdes Volk es wagt, sich gegen die Israeliten zu stellen, oder gebietet den Israeliten die Vernichtung eines anderen Volkes. Er dient somit als Beschützer und Lenker der Juden in den damals zahlreichen Auseinandersetzungen unter den verschiedenen Nomadenvölker. Auch gegen Abweichler und Ungläubige in den eigenen Reihen ordnet er drastische Strafen an. Jahwe ist aber nicht nur handelnde Kraft, sondern stellt sein Volk oft auch vor Prüfungen, um zu sehen, ob es sich beweist. Dies diente dazu, die Juden nach Niederlagen und in Zeiten der Not ihren Gottesglauben nicht verlieren zu lassen und es als Prüfung oder gerechte Strafe anzusehen.
Jahwe im Neuen Testament
Im neuen Testament tritt Jahwe nicht mehr namentlich auf. Es wird vor allem auf die Bezeichnung Gott, Herr oder auch Er ausgewichen.
Da das neue Testament nicht speziell an Juden gerichtet ist, sondern vor allem zur Missionierung von Heiden geschrieben wurde, verliert Jahwe im neuen Testament seine Rolle als Stammesgott der Israeliten. Er rückt innerhalb der Handlung in den Hintergrund und dient nurmehr zur Bekräftigung der Lehren Jesus'.