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Liberal-Demokratische Partei Deutschlands

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Die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) war eine der Blockparteien in der DDR.

Gründung

Schon mit dem Befehl Nr. 2 des Obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration der von der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg besetzten Zone Deutschlands vom 10. Juni 1945 wurde angeordnet: "Auf dem Territorium der Sowjetischen Okkupationszone in Deutschland ist die Bildung und Tätigkeit aller antifaschistischen Parteien zu erlauben, die sich die endgültige Ausrottung der Ueberreste das Faschismus und die Festlegung der Grundlage der Demokratie und der bürgerlichen Freiheiten in Deutschland und die Entwicklung der Initiative und Selbstbetätigung der breiten Masse der Bevölkerung in dieser Richtung zum Ziel setzten." Die Entscheidung zur Zulassung politischer Parteien in ihrer Besatzungszone war von der sowjetischen Führung Mitte Mai 1945 getroffen worden, um bestehende Reorganisationstendenzen kanalisieren zu können, vor allem aber, um den Alliierten Verhandlungsbereitschaft über eine ungeteiltes Deutschland zu signalisieren, in der Hoffnung, dass dieses sowjetfreundlich sein würde.

Nachdem nur 24 Stunden nach Erlassung des Befehls Nr. 2 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ihren Gründungsaufruf veröffentlich hatte, gründeten sich am 15. Juni die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) und am 26. Juni die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU).

Zur gleichen Zeit wie die Gründer der CDU traf sich auf Initiative von Waldemar Koch auch eine siebenköpfige Gruppe früherer Liberaldemokraten, um eine neue "Deutsche Demokratische Partei" zu gründen. Programm und Zusammensetzung der Parteiführung standen schnell fest, zunächst wurde jedoch sondiert, ob die CDU bereit sei, eine gemeinsame liberale Partei zu bilden. Nachdem dieser Vorstoß an unterschiedlichen Auffassungen zur Trennung von Politik und Religion gescheitert war, trat die neue Partei unter dem Namen Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDP) am 5. Juli mit ihrem Gründungsaufruf an die Öffentlichkeit. Sie wandte sich vor allem an ehemalige Mitglieder von Deutsche Demokratische Partei (DDP), Deutsche Volkspartei (DVP) und Deutschnationale Volkspartei (DNVP) der Weimarer Republik. Anders als die CDU sprach sie sich entschieden für den Erhalt des Privateigentums und gegen Verstaatlichung von Bodenschätzen und staatliche Kontrolle des Bergbaus und der wichtigsten Unternehmen aus. Wenn sie auch keinen Zweifel an ihrer antifaschistisch-demokratischen Grundeinstellung ließ, so war sie doch die am weitesten politisch rechts stehende der neuen Parteien.

Im November 1945 wurde nach innerparteilichem Streit auf Betreiben der sowjetischen Militäradministration der erste Vorsitzende Waldemar Koch durch Wilhelm Külz abgelöst.

Bei den letzten freien Wahlen 1946 konnte die LDP noch vor der CDU zweitstärkste Partei hinter der SED werden. Ende 1948, auf dem Höhepunkt ihres Widerstandes gegen die Machtergreifung der SED, umfasst die LDP mehr als 200.000 Mitglieder, von denen 23% jünger als 25 Jahre waren.

Ein gesamtdeutsches Intermezzo

Die LDPD gründete im Juli 1946 mit den liberalen Parteien der Westzonen einen gesamtdeutschen Koordinierungsausschuß. Dieser traf sich im November 1946 in Coburg, um die Gründung einer zonenübergreifenden gesamtdeutschen liberalen Partei vorzubereiten.

Die Gründung der Demmokratischen Partei Deutschlands fand am 17. März 1947 auf einer Konferenz in Rothenburg ob der Tauber, an der liberale Politiker aus allen vier Besatzungszonen teilnahmen, statt. Wilhelm Külz wurde gemeinsam mit Theodor Heuss (Demokratische Volkspartei) Vorsitzender, Arthur Lieutnant einer von zwei Geschäftsführern. Aber bereits nach einem dreiviertel Jahr scheiterte dieser Versuch einer zonenübergreifenden Partei an der Teilnahme von Külz am SED-dominierten "1. Deutschen Volkskongreß für Einheit und gerechten Frieden". Zwar hatte auch der LDPD-Vorstand Külz' Teilnahme kritisiert, er weigerte sich aber weitere Konsequenzen zu ziehen, wie sie von den westdeutschen Liberalen gefordert wurden.

Die LDPD als Blockpartei

Ab den 1950er Jahren wurde die Bezeichnung LDPD für Liberal-Demokratische Partei Deutschlands üblich. Später war sie als Blockpartei wie alle zugelassenen Parteien durch die einheitliche Wahlliste Nationale Front (DDR) im Wesentlichen mit der SED gleichgeschaltet.

Neben der LDPD existierte mit der NDPD eine weitere Blockpartei, die ähnliche Bevölkerungskreise ansprach, wie die LDPD. Langjähriger Vorsitzender der LDPD seit 1967 war Manfred Gerlach.

Lösung von der SED und Fusion mit der FDP

Als im Herbst 1989 durch Fluchtbewegungen und Massendemonstrationen das Ende der SED-Alleinherrschaft absehbar wurde und zahlreiche neue unabhängige Gruppen und Parteien entstanden, löste sich auch die bis dahin zahme Blockpartei LDPD allmählich von der SED. Die Liberaldemokraten waren die erste Partei, die die Politik der SED in bis dahin für die Blockparteien ungewöhnlich offener Form kritisierte. Am 17. September 1989 distanzierte sich der Vorsitzende Manfred Gerlach öffentlich von der Politik der SED. Am 4. Dezember 1989 verließ die LDPD mit der ebenfalls gewendeten Blockpartei CDU die Nationale Front (DDR). Am 6.Dezember 1989 wurde Manfred Gerlach als Nachfolger von Egon Krenz Vorsitzender des Staatsrats der DDR und damit Staatsoberhaupt.

Nach der friedlichen Revolution im Herbst 1989 verstand sich die LDPD als neue liberale Kraft im Land. Allerdings waren selbstkritische Töne zur eigenen Verantwortung am DDR-Unrechtssystem kaum zu hören. Ein Grund auch, warum die Partei auf dem Parteitag am 10. Februar 1990 in Dresden beschloss, dass zweite D aus dem Namen zu streichen und wie in der Anfangszeit unter den Namen LDP weiterzumachen. In Dresden wurde mit Rainer Ortleb auch ein neuer Vorsitzender gewählt. Es kam nun auch offiziell zu Kontakten mit der westdeutschen F.D.P..

Im Vorfeld der ersten freien Volkskammerwahl 1990, gründete die LDP mit den neuen liberalen Parteien (Deutsche Forumpartei, F.D.P. der DDR) den Bund Freier Demokraten (BFD). Der BFD erzielte am Wahltag (15. März 1990) trotz bundesdeutscher Hilfe jedoch nur 5,28 %. Am 11. August 1990 schloss sich die LDP mit den anderen Parteien des BFD mit der bundesdeutschen F.D.P. zur gesamtdeutschen F.D.P. zusammen.

Das Zentralorgan der LDPD war die Tageszeitung "Der Morgen". Sie wurde 1991 eingestellt, nachdem die Nachfrage nach dem Fall der Mauer stark zurück gegangen war.

Literatur

  • Ekkehard Krippendorf: Die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands in der sowjetischen Besatzungszone 1945-48: Entstehung, Struktur, Politik . Droste, Düsseldorf 1961
  • Karl-Heinz Grundmann (Hrsg.): Zwischen Verständigungsbereitschaft, Anpassung und Widerstand: Die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands in Berlin und der Sowjetischen Besatzungszone 1945-1949. FDP-Bundestagsfraktion, Bonn 1978
  • Ulf Sommer: Die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands. Eine Blockpartei unter Führung der SED. Münster 1996



Siehe auch: Parteiwesen in der SBZ, Bekannte Mitglieder der LDPD