House
House ist eine Stilrichtung der Musik, die in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts im Club Warehouse in Chicago entstand. Typisch sind der 4/4-Takt, die Bassdrum auf jeder Viertelnote ("Four to the Floor") und die Snareschläge bzw. Handclaps auf jeder zweiten Viertelnote im Tempo von ca. 120 BPM.
Geschichte
Die musikalischen Ursprünge des House liegen in der Disco-Musik der späten 70er, deren Einfluss vor allem in Harmonik und Melodieführung bis heute spürbar ist. Frankie Knuckles legte im Warehouse in Chicago auf. Schon damals war es üblich, dass die Disco-Maxis Club-Mixes enthielten - das bedeutete im Normalfall, dass ausgedehnte, auf den Rhythmus konzentrierte Instrumentalpassagen vorhanden waren. Knuckles stellte fest, dass gerade diese Rhythmusteile die Gäste in Extase versetzten, und begann damit, nur noch sie ineinander zu vermischen und den Rest der Platte wegzulassen. Später griffen die Detroiter Produzenten Juan Atkins, Derrick May und Kevin Saunderson diese neue Liebe zur Monotonie auf und entwickelten daraus den Detroit Techno.
Zeitgleich entstand in New Yorker Clubs wie z. B. der legendären Paradise Garage und auch dem The Loft, geprägt durch Deejays wie Larry Levan, François Kevorkian & Eric Kupper, ebenfalls eine bis heute extrem bedeutsame und wegweisende Underground-Housemusic-Szene.
Zu Beginn der 90er Jahre verbreitete sich der Begriff House vielerorts auch als Oberbegriff für verschiedene Arten elektronischer, rhythmischer Musikstile, dem selbst anfangs die neuentwickelte Technomusik noch als Techno House untergeordnet wurde. Das führt allerdings zu einigen Verwirrungen, da es inzwischen auch einen Stil namens Tech House gibt, eine technoisierte Form moderner minimalerer Housemusik.
Charakter und Produktion
House zeichnet sich durch seinen mächtigen, basslastigen Klang aus, der bei Disco in dieser Form noch nicht existierte. Der typische Sound entsteht vor allem durch die Benutzung einer entsprechend druckvollen Bassdrum, die im sogenannten "4er-Fuß", also durchgehenden vier Schlägen pro Takt gespielt wird (auch als four to the floor bezeichnet). Besonders beliebt sind dabei die heute nicht mehr produzierten Roland TR-808 und TR-909 Drumsequenzer. Im Unterschied zum Techno mit seinem meist geraden, maschinenartigen Grundmetrum ist House üblicherweise durch punktierte Sechzehntel (Shuffle) geprägt (pro Viertel wird der zweite und vierte Sechzehntel nach hinten verschoben).
Typischer Aufbau des rhythmischen Grundgerüstes eines Taktes bei House:
| Sechzehntelnoten | 01 | 02 | 03 | 04 | 05 | 06 | 07 | 08 | 09 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 |
| Bassdrum | x | x | x | x | ||||||||||||
| closed Hi Hat | x | x | x | x | x | x | x | x | ||||||||
| open Hi Hat | x | x | x | x | ||||||||||||
| Hand Claps | x | x |
Essentieller Bestandteil für die Entwicklung des House als eigenständiger Musikstil ist auch die extreme Formalisierung der musikalischen Struktur durch fast ausschließliche Verwendung von Sequenzen, deren Längen Potenzen zur Basis 2 sind. Alle acht Takte verändert sich durch das Hinzufügen oder Wegnehmen einzelner solcher Sequenzen das Klangbild; Brüche werden auf diese Weise vermieden.
Um dies besser zu verstehen, kann man einfach mal in einem klassischen House-Lied 32 Bassdrums (vier Schläge je Takt mal acht Takte) von Anfang einer Sequenz zählen. Dann fangen theoretisch neue Instrumente an, es fallen welche weg, oder Vocals kommen zum Beispiel hinzu. In einem klassischen Houselied würden Vocals niemals inmitten einer solchen Sequenz beginnen, sondern immer am Anfang.
Ein wirklich guter House-Produzent ist in der Lage, aus solchen Sequenzen auf nur drei oder vier Spuren eine große Housescheibe zu schaffen. Hierdurch reduziert sich der Gehalt der Musik, und es entsteht eine gewisse Monotonie, die dem veränderten Zeitgefühl des Clubbesuchers Rechnung trägt.
Eine typische "Housescheibe" übertrifft einen Drei-Minuten-Radiohit deutlich an Länge, fünf Minuten und mehr sind die Regel. Dies und die oben angesprochene Formalisierung der musikalischen Struktur macht es einem DJ leicht, mehrere House-Platten in der Geschwindigkeit aneinander anzupassen (Beatmatching) und ihre Anfänge und Enden so ineinander überzublenden, dass für den ungeübten Zuhörer der Eindruck eines einzigen, mehrere Stunden langen Stückes entsteht. Zusammen mit einer hohen Lautstärke kann House den Hörer geradezu physisch 'packen'.
Genres und Stilrichtungen
- Garage House (Byron Stingily, Frankie Feliciano, Todd Terry)
- Vocal House (Kim English, Jocelyn Brown, Club 69, George Morel)
- Chicago House (Marshall Jefferson, Boo Williams, Cajmere)
- Deep House (Mateo & Matos, DJ Deep, Francois Kevorkian, DJ Dixon)
- Acid House (Phuture, The Poker, Sleazy D, Hardfloor)
- Progressive House (Eric Morillo, Danny Tenaglia)
- Ibiza House (Roger Sanchez, Armand Van Helden)
- Tech House (DJ Q, Swag, Terry Francis)
- Balearic House (Tullio de piscopo, Paul Oakenfold, A Man called Adam)
siehe Liste der elektronischen Musik
Bedeutende Vertreter
- DJ Antoine
- DJ Deep
- DJ Dixon
- Armand van Helden
- Bob Sinclar
- Daft Punk
- David Morales
- DJ Guetta
- Erick Morillo
- Felix the Housecat
- Francois Kevorkian
- Frankie Bones
- Frankie Knuckles
- Ian Pooley
- Inner City
- Mousse T.
- Martin Solveig
- Nigel Hayes
- Danny Krivit
- Dimitri from Paris
- DJ Gregory
- Julien Jabre
- Jori Hulkkonen
- Marshall Jefferson
- Matthew Herbert
- Roger Sanchez
- S'Express
- Todd Terry
- Tyree Cooper
- Larry Heard aka Mr. Fingers
- George Morel
- Thomas Bangalter
Weblinks
- House Beats| Internetforum zum Thema House Music
- House Musik | Eine große House Musik Community
- World-of-House.de | Erklärung zu den House-Stilrichtungen
- Discogs | Datenbank zu DJs, Veröffentlichungen und Labels
- DJNETZ.com | Informationen zu House-Stilrichtungen
- FunkyFreshTunes | Webradio im bereich House - Deep House - Vocal House
- DJNETZ.com | Informationen zur Geschichte der House-Musik