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Katastrophe

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Eine Katastrophe (griechisch καταστροφή aus altgriechisch katá - einer Vorsilbe, die eine Umkehr oder Abwärtsrichtung ansagt und strephein - wenden) ist ein entscheidendes, folgenschweres Unglücksereignis.

In versicherungsrechtlicher Sicht ist sie nach bundesdeutschem Verständnis ein Schadensereignis, welches deutlich über die Ausmaße von Schadensereignissen des täglichen Lebens hinaus geht und dabei Leben und Gesundheit zahlreicher Menschen, erhebliche Sachwerte und/oder die lebensnotwendigen Versorgungsmaßnahmen für die Bevölkerung erheblich gefährdet oder einschränkt.

Hingegen ist in der Theorie des Dramas die "Katastrophe" die entscheidende Schlusswendung, in der der in der Katastasis geschürzte Knoten der Handlungsstränge und Motive gelöst wird, gewöhnlich mit verhängnisvollem Ausgang.

In der Mathematik beschreibt die "Katastrophentheorie" geometrische Eigentümlichkeiten von Flächen in dreidimensionaler Darstellung und gehört zur Systemtheorie.

Als Gegenbegriff wird (selten) Anastrophe verwandt.

Katastrophe als Ereignis

Der soziale Zustand "Katastrophe" wird subjektiv empfunden und kommunikativ verbreitet. Er kann von einem persönlichen Notfall, örtlichen Schadenfällen (Desaster, disaster) bis zu einer großflächigen Zerstörung von Leben, Infrastruktur und Hilfsmöglichkeiten eines ganzen Lebensraumes, sogar bis zum Untergang ganzer Gesellschaften reichen. Im Bereich der Exekutive ist die Katastrophenabwehr eine Aufgabe des Katastrophenschutzes. Dort wird im Bereich der Hilfskräfte wird von einer "Katastrophe" gesprochen, wenn bei einem Großschadensereignis mehr Verletzte als Helfer vor Ort sind.

Katastrophe und Katastrophenschutz

Deutschland

Juristisch wird hier "Katastrophe" von Großschadensereignis bzw. dessen Synonymen Großschadenslage und Großunfall insofern abgegrenzt, als die "Katastrophe" (nach jewiligem Landesrecht) generell ein Hinzuziehen von Strukturen des Katastrophenschutzes (Führungseinheiten, Personal und Material) zu ihrer Bewältigung erforderlich macht.

Weiter ist Voraussetzung zur Verwendung des Begriffs "Katastrophe" im operativen Sinn, dass adäquate Gegenmaßnahmen nur gezielt getroffen werden können, wenn eine einheitliche/zentrale Koordination der Abwehrmaßnahmen durch Katastrophenschutzbehörden erfolgt und Mittel des Katastrophenschutzes für die Beseitigung der Katastrophe bzw. die Abmilderung ihrer Folgen herangezogen werden müssen (siehe zum Beispiel Bayerisches Katastrophenschutzgesetz Art. 1).

Ein "Großschadensereignis" stellt hingegen eine Schadenslage dar, welche sich durch die Notwendigkeit der Integration von ortsfremden Hilfseinheiten im Rahmen der überörtlichen Amtshilfe auszeichnet. Auf Katastrophenschutzmittel muss dabei nicht notwendigerweise zurückgegriffen werden. Auch ein Unglück, bei dem es zu einem Massenanfall von Verletzten kommt, wird als Großschadenslage bezeichnet. Wenn eine Großschadenslage vorliegt bzw. ausgerufen wird, ist es möglich besondere Hilfe von Landesbehörden zu bekommen, so zum Beispiel überörtliche Hilfe von anderen Feuerwehren oder Geldmittel.

In Deutschland existieren (auf Grund der Länderzuständigkeit gemäß der föderalen Staatsordnung) 16 verschiedene Legaldefinitionen in der den Katastrophenschutz betreffenden Gesetzgebung. Wenn eine Großschadenslage vorliegt bzw. ausgerufen wird, ist es möglich besondere Hilfe von Landesbehörden zu bekommen, so zum Beispiel überörtliche Hilfe von anderen Feuerwehren oder Geldmittel.

Österreich

In Österreich kann bei den oben beschriebenen Veränderungen ein bestimmtes Gebiet zum Katastrophengebiet werden. Je nach Ausdehnung kann ein Bürgermeister, Bezirkshauptmann oder Landeshauptmann die Katastrophe ausrufen. Die Katastrophenschutzgesetzgebung obliegt den einzelnen Bundesländern. Damit treten bestimmte Notstandsgesetze in Kraft um die Auswirkungen leichter und unbürokratischer in den Griff zu bekommen. Wenn Personen durch eine Katastrophe im Ausland betroffen sind, so zählt die Hilfe zu den Aufgaben des Außenministeriums.

In erster Linie ist die Bekämpfung von Katastrophen Aufgabe der Feuerwehr mit den organisierten Katastrophenhilfsdiensten und den Rettungsorganisationen. Aber auch das Bundesheer kann zu Assistenzhilfsleistungen herangezogen werden.

In den USA ist zentral die FEMA (Federal Emergency Management Agency) zuständig. Vgl.

Andere Länder

Fast alle Staaten haben gegen Katastrophen für den Katastrophenschutz zuständige Organisationen, zumindest rudimentär. Arme Länder oder Länder mit instabilen politischen Verhältnissen sind beim Eintritt einer Katastrophe oft auf Hilfe durch andere Staaten sowie internationale nichtstaatliche Institutionen und Organisationen wie beispielsweise die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung angewiesen.

Typologie

Eingetretene oder drohende Katastrophen, pragmatisch aufgezählt, wären:

Häufig werden Naturkatastrophen von "technischen Katastrophen" unterschieden, d.h. Naturereignisse, denen Menschen ausgesetzt sind und die zum Ersticken, Ertrinken, Verdursten, Verhungern, Erfrieren, Verbrennen und Vergleichbarem führen (wie Meteoreinschläge, Vulkanausbrüche, Lawinen, Erd- und Seebeben, Hochwasser, Waldbrände u.a.m.). Aber auch Naturkatastrophen sind in ihren Auswirkungen stets sozial bzw. kulturell beeinflusst (sogar Man Made Disasters) - wenn Menschen die Vulkanabhänge nicht besiedelt hätten, wäre ein Ausbruch oft keine "Katastrophe". Diejenigen sog. "technischen Katastrophen", die eine verheerende ökologische Beeinträchtung bedeuten, bezeichnet man auch als Umweltkatastrophen.

Literatur

Siehe auch

Vorlage:Wiktionary1

Katastrophe in der Tragödie

In älterer literaturwissenschaftlicher Terminologie ist für die "Katastrophe" der V. Akt bestimmt.