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Human Design

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Human Design ist die Bezeichnung für ein esoterisches Konzept, das ein nicht-psychologisches persönlichkeitsdiagnostisches System sein möchte, welches die individuellen Dispositionen eines Menschen über den Zeitpunkt der Geburt definiert. Mit dem Zeitpunkt der Geburt ist dabei jener Moment gemeint, in dem das Kind zum ersten Mal räumlich von der Mutter getrennt ist.[1]

Human Design verarbeitet Elemente der esoterischen Systeme Astrologie, I Ging, Chakrenlehre und Kabbala.[2] Zudem behauptet Human Design, wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen Genetik, Astronomie, Quantenphysik und Biochemie zu berücksichtigen. In der Wissenschaft findet Human Design allerdings keine Anerkennung.

Alan Robert Krakower (1948–2011) veröffentlichte 1992 das Buch The Human Design System unter dem Pseudonym Ra Uru Hu. 1987, als das Licht der Supernova SN 1987A nach rund 157.000 Jahren die Erde erreichte, hatte er nach eigenen Angaben im Zuge einer mystischen Erfahrung die Eingebung einer außersinnlichen Intelligenz erfahren, die er „die Stimme“ nannte. Human Design soll demnach als Methode zur Selbst- und Fremdwahrnehmung ohne religiöse Zugehörigkeit dienen.[1]

Laut Krakower wird das Human Design dadurch festgelegt, dass Neutrinos unsere Gene zum Zeitpunkt unserer Geburt und am 88. Tag – dem Tag, an dem nach seinen Vorstellungen die Seele in den Körper gelangt – prägen. Der 88. Tag bezieht sich auf die Umlaufzeit des Merkurs um die Sonne. Diese „Prägung“ schaffe laut dieser Theorie den „energetischen Hintergrund“ für das individuelle Human-Design-Diagramm, aus dem alles interpretiert wird.[3]

Analyse und Aufbau

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Die Erkenntnisse zu jeder Person werden in die Rave Körpergrafik und in das Rave Mandala integriert. Der innere Kreis des Rave Mandalas basiert auf dem astrologischen Rad der zwölf Sternzeichen, mittels welchem der Stand von 13 Planeten zum individuellen Geburtszeitpunkt abgebildet wird. Jeder Zeitpunkt ist eindeutig durch ein einmaliges Muster der Planetenstellung definiert. Zur Erstellung einer Körpergrafik werden die Positionen von folgenden Himmelskörpern und Himmelspunkten mit einbezogen: Sonne, Erde, Mond, nördlicher und südlicher Mondknoten, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto[1]. (Außer dieser „Planetendeutung“ hat das Human Design nichts mit Astrologie zu tun, es erfolgt keine Deutung der Sternzeichen oder der astrologischen Aszendenten und Häuser. Es wird lediglich ein Einfluss der Planetenstellung zum Zeitpunkt der Geburt auf persönliche Dispositionen behauptet.)

Das Rave Mandala bildet die Vierundsechzig Hexagramme des I Gings ab. Diese 64 Hexagramme werden durch die im mittleren Kreis abgebildeten Tore den zwölf Sternzeichen zugeordnet. Jedes Tor wird dabei wieder in sechs Facetten unterteilt, um eine Person noch differenzierter darstellen zu können.[1] Aus dem Mandala wird eine Körpergrafik durch einen Computer errechnet. Der Computer berechnet, in welchem der 64 Tore sich die 13 Planeten zum Geburtszeitpunkt befunden haben und erfasst dadurch, welche Tore bzw. Eigenschaften bei einem Individuum aktiviert sind – jedes Tor, in dem ein Planet zum Geburtszeitpunkt stand, wird als aktiviert bezeichnet.[1]

Das Human Design unterteilt die Menschen anhand deren Geburtsdaten in vier Grundtypen. Je nachdem, welche und wie viele der neun Zentren definiert oder offen sind, erfolgt hiernach die Zuteilung. Diese Urtypen definieren dabei, auf welche „Energien“ und „persönlichen Eigenschaften“ das Individuum sich im Alltag verlassen können soll und wie konkrete Entscheidungen korrekt und dauerhaft funktionieren sollen.[4]

„Generatoren“ machen laut Human Design 70 % der Bevölkerung aus. Sie haben angeblich viel Kraft und sollen in der Lage sein, dauerhaft zu arbeiten. Sie sind nicht dazu geschaffen, Handlungen zu initiieren, sondern auf Taten anderer zu reagieren.[5]

8 % der Bevölkerung sollen laut Human Design „Manifestoren“ sein. Der Manifestor ist laut Human Design der einzige der vier Typen, der speziell zum Agieren geschaffen worden sein soll und unabhängig von anderen handeln können bzw. sich nicht einschränken lassen soll.[2]

Nur etwa 1 % der Bevölkerung sind laut Human Design „Reflektoren“. Sie haben keines ihrer „neun Zentren“ definiert. Die offenen Zentren beschreiben laut dieser Theorie das, was man nicht ist bzw. einen nicht von anderen unterscheidet.[5]

„Projektoren“ machen laut Human Design 21 % der Bevölkerung aus. Projektoren sollen keine dauerhafte Energie und Arbeitsfähigkeit haben und nicht dazu da sein, um nur zu arbeiten. Projektoren sollen nicht arbeiten, um Unmengen an Energie zu demonstrieren, sondern um ihren Job so effizient und vor allem intelligent wie möglich zu machen.[5]

Manifestierender Generator

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Etwa 2015 wurde der „Manifestierende Generator“ „entdeckt“, der laut Human Design „auf das Leben reagieren“ soll, bevor er „Energie einführt“. Entsprechend änderten sich die Verhältnisse wie folgend:

  • Manifestor = 9 %
  • Manifestierender Generator = 32 %
  • Generator = 36 %
  • Reflektor = 1 %
  • Projektor = 22 %

Es gibt im Human Design insgesamt zwölf verschiedene Profile, die die vier Grundtypen überlagern und näher beschreiben. Ein Profil setzt sich dabei immer aus den individuellen Linien der „bewussten und unbewussten Sonnenposition“ zusammen. Jedem Individuum wird in dieser Theorie ein Profil zugeordnet, das die grundsätzliche Art zeigen soll, wie jemand durch das Leben geht.[2][3]

Wissenschaftliche Rezeption

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Eine Studie der Universität Wien konnte 2012 den Barnum-Effekt bei der Human-Design-Lehre bestätigen. Die Charakterisierung der teilnehmenden Individuen mittels Methoden der Human-Design-Lehre konnte mit dem Persönlichkeitsfragebogen NEO PI-R nicht validiert werden.[6] Human Design erfüllt die Gütekriterien der DIN 33430 nicht.

Einzelnachweise

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  1. a b c d e Peter Schöber: Das Human Design-System – Die Zentren. Ibera Verlag European University Press Verlagsgesellschaft m.b.H., Wien 2005, ISBN 978-3-85052-206-9, S. 256.
  2. a b c Richard Rudd: Körper, Geist & Gene. Eine Einführung in das Human Design System. 2003, ISBN 978-3-85052-152-9, S. 64.
  3. a b Beth Black, Lynda Bunnell: Das ultimative Buch über das Human Design System. Wissenschaft der Differenzierung. 2018, ISBN 978-3-906187-15-0, S. 48, 512.
  4. HUMAN DESIGN SYSTEM — Typ und Strategie. In: humandesignsystem.cc. 21. September 2022, abgerufen am 24. Oktober 2022.
  5. a b c Peter Schöber: Das Human Design-System – Typus, Strategie und innere Autorität. Ibera Verlag European University Press Verlagsgesellschaft m.b.H., Wien 2008, ISBN 978-3-85052-223-6, S. 304.
  6. Katharina Freistetter: Persönlichkeitsdiagnostik unter dem Aspekt des Barnum-Effekts. Akademiker Verlag, Wien 2013, ISBN 978-3-639-46969-1.