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Ödipussi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Film
Titel Ödipussi
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahre 1988
Länge 90 Minuten
Stab
Regie Loriot
Drehbuch Loriot
Produktion Horst Wendlandt, Günter Rohrbach
Musik Rolf Wilhelm
Kamera Xaver Schwarzenberger
Schnitt Dagmar Hirz
Besetzung

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Ödipussi ist ein westdeutscher Spielfilm aus dem Jahr 1988 von und mit Loriot und der erste von zwei Filmen, in denen er selbst Regie führte. Der Titel Ödipussi spielt als Wortspiel auf den von Freud beschriebenen Ödipuskomplex und den James-Bond-Film Octopussy an.

Handlung

Paul Winkelmann ist der Geschäftsführer des Stoff- und Möbelgeschäftes „Winkelmann und Sohn“ in Hamburg, das er nach dem Tod seines Vaters vor acht Jahren übernommen hat. Nebenher ist er Mitglied in einem politischen Verein aus – inklusive seiner selbst – fünf Männern und einer Frau, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Begriffe „Umwelt“ und „Frau“ in den Karnevalsgedanken zu integrieren.

Paul steht noch immer unter der strengen Obhut seiner 78-jährigen, resoluten Mutter Louise Winkelmann, die ihn noch immer umsorgt wie ein Kind und nicht verstehen kann, dass sich ihr Sohn eine eigene Wohnung genommen hat. Der eigentliche „Problem“-Schwerpunkt beginnt jedoch, als Paul die Diplom-Psychologin Margarethe Tietze, die auch ein problembehaftetes Verhältnis zu ihren Eltern hat, kennen lernt, nachdem er sie in seinem Geschäft als Kundin versehentlich übergangen hat.

Aus Zwecken der Selbsterfahrung tanzt sie in ihrer Freizeit bei einer Tanzgruppe, die für eine Betriebsfeier der Firma Kunststoff-Meier eine Revue einstudiert. Nachdem Margarethe Paul zu einem Rentnerehepaar mitgenommen hat, das durch den Einsatz frischer Farben in der Wohnung zu neuer Lebensfreude finden soll, Paul aber auf Wunsch des Ehepaars ein paar Grautöne vorstellt, lädt Paul Margarethe zu einer Tasse Tee und einem Hefezopf in seine Wohnung ein. Beiden scheint dieses Treffen schon etwas zu bedeuten, da Margarethe sich eine modernere Frisur verpassen lässt und Paul einen Elektrokamin mit künstlicher Glut kauft.

Bei dem Treffen werden sie telefonisch von Mutter Winkelmann unterbrochen, die vom Café aus ihrem Sohn Zubereitungstipps für den Hefezopf gibt. Als Paul später seine Mutter besucht, denkt diese, dass er Vertreter zu Besuch hatte. Als Paul dies richtig stellt und ihr sagt, dass er Margarethe eingeladen hat, ihn auf seine Berufsreise nach Mailand zu begleiten, ist sie sehr empört.

Letztlich fahren Paul und Margarethe doch gemeinsam nach Mailand. Als Paul bei dem Stoffgroßhändler (wo er die fehlende Frische in den diesjährigen Kollektionen beklagt und besorgt ist, dass alleinstehende Frauen sich in violetten Sitzgruppen umbringen könnten) angekommen ist, schickt er Margarethe in ein „nettes kleines Cafe“, in dem er öfter sitzt. Dort wird sie von drei Italienern dazu angehalten, ein Hühnerei auf einem Teelöffel zu balancieren, und von Paul dabei überrascht.

Bei der Ankunft am Hotel kommt es zu einem Missverständnis, da Paul ein relativ einfaches Hotel gebucht hat, Margarethe aber denkt, dass sie in dem noblen Hotel gegenüber untergebracht seien. Dort bucht er ein Zimmer mit Bad für Margarethe und eins mit Dusche für sich und einen Tisch im Hotelrestaurant, obwohl er durch die Blume angedeutet hat, dass eine Pizzeria auch ganz gemütlich wäre.

Beim Abendessen im Restaurant (bei dem französische Gerichte mit unaussprechlichen Namen serviert werden) erzählen sich die beiden voneinander. Nachts kann Paul nicht einschlafen, da sich im Hausflur ein älterer Herr lautstark mit einer wesentlich jüngeren Frau vergnügt. Am nächsten Morgen will Paul Margarethe eine Freude machen und schreibt auf ein Blatt „Guten Morgen“. Er irrt sich jedoch in der Tür und gerät an Mafiagangster. Als diese Paul wieder rauswerfen, tritt Margarethe aus der Nachbartür. Beide spazieren anschließend durch einen Park, wo Paul damit prahlt, wie er sich angeblich der Situation gestellt hat.

Als Paul wieder zu Hause ist, möchte er „Mama“ mit Blumen überraschen. Verstört sieht er in seinem Bett einen fremden Mann. Pauls Mutter stellt den Fremden als ihren Untermieter, Herrn Weber, vor. Als Paul dann noch erfährt, dass seine Hemden nun von Herrn Weber gebügelt werden, der seine Mutter am Klavier beim Singen von Kunstliedern begleitet und von ihr Püree aufgebraten bekommt, reicht es ihm. Paul besucht Margarethe bei ihrer Revue und klagt ihr sein Leid. Er verwirrt sie so sehr, dass sie mitten in der Vorstellung einen peinlichen Versprecher hat.

Nachmittags ist Paul dann bei Tietzes zu Gast. Die Atmosphäre ist äußerst steif, bedingt durch die Sticheleien Mutter Tietzes und der Ordnungsbesessenheit von Vater Tietze. Trotzdem schlägt Paul ein Treffen beider Parteien in Mutter Winkelmanns Wohnung vor.

Auch hier kommt keine gute Stimmung auf; die Situation entlädt sich schließlich, als Mutter Winkelmann, unter Klavierbegleitung von Herrn Weber, ein Kunstlied von Brahms zu Gehör bringt, jedoch – bis auf Paul und auch Margarethe – keiner zuhört. Die Situation schaukelt sich aufgrund spitzer Feindseligkeiten hoch, und Mutter Winkelmann fordert die Familie Tietze auf, ihre Wohnung zu verlassen.

Der Film endet mit einer Autofahrt, mit Paul und Margarethe auf der Rückbank und Mutter Winkelmann am Steuer. Als die beiden Anstalten machen, sich zu küssen, unterbricht sie Mutter Winkelmann mit einem strengen „Pussi!“, woraufhin Paul ihr den Hut übers Gesicht zieht. Sie kommen von der Straße ab und durchqueren mehrere Waldstücke, um am Ende wieder heil herauszukommen.

Uraufführung in Ost und West

Die Premiere des Spielfilms war am 10. März 1988 um 16 Uhr in Berlin-Ost und am Abend in -West . Es war die einzige Uraufführung dieser Art im geteilten Deutschland. In der Bundesrepublik sahen den Film 4.612.801 Kinobesucher[1].

Sonstiges

Bei Evelyn Hamanns Revue-Nummer Meine Schwester heißt Polyester handelt es sich um eine deutsche Fassung des Henry-Mancini-Titels Le Jazz Hot aus dem Soundtrack zur Blake-Edwards-Komödie Victor/Victoria aus dem Jahr 1982.

Auszeichnungen

  • Der Film wurde wegen seines kommerziellen Erfolges 1988 mit der Goldenen Leinwand ausgezeichnet.

Kritiken

„Es entwickelt sich eine Liebesgeschichte mit absurdesten Situationen voller hintergründigen Humors. Gelungenes Kinodebüt Loriots, das jedoch nicht die Brillanz seiner Fernseh-Sketche erreicht.“

Heyne Filmlexikon, 1996

„Die hübsche, aber wenig tiefgründige Geschichte bildet kaum mehr als den roten Faden in dem Film, der in den einzelnen Szenen weitgehend selbständige Kabinettstückchen des Humors bietet und durch die Fülle komischer Einfälle und die bis ins kleinste Detail präzise ausgeführten Gags besticht.“

„Als erfolgreichster deutscher Film des Jahres 1988 bewies Ödipussi die altbekannte Tatsache, daß vertraute Witze immer noch am besten ziehen.“

Reclams Lexikon des deutschen Films, 1995

„Heraus kam nicht immer gelungener Slapstick, kein Vergleich zu Loriots großen Sketchen. Neben ihm überzeugt allerdings seine Sketch-Dauerpartnerin Evelyn Hamann.“

Prisma-Online-Filmdatenbank[3]

DVD

Ödipussi wird von Warner Home Video als Einzel-DVD vertrieben (so auch Pappa ante Portas). Beide Filme sind außerdem Bestandteil der Gesammelten Werke aus Film und Fernsehen.

Einzelnachweise

  1. http://www.insidekino.com/DJahr/DAlltimeDeutsch50.htm
  2. http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlexikon/ergebnisse/index.php?filmnr=875
  3. Ödipussi bei prisma-online.de; abgerufen am 4. November 2009