Ostara
Ostara ist ein von J.Grimm durch Namensvergleiche, und Bezugnahme auf eine vom angelsächsischen Mönch und Kirchenhistorikers Beda zur Erklärung des Wortes ´Easter´ erwähnten Göttin Eostrae, eingeführter Name für eine germanische Frühlingsgöttin. Da sonstige Quellen fehlen und auch kein Beleg (zum Beispiel) in der Edda vorhanden ist, ist es unwahrscheinlich, daß Ostara tatsächlich einer Göttin der germanischen Mythologie enspricht.
Ihr wurden neben Frühling und Morgenröte auch die Symbole Hase und Ei zugeordnet - kritische Stimmen begründen dies damit, dass man die Plausibilität der Erklärung für die Etymologie des Wortes Ostern verstärken wollte. Für den Ostseeraum und England ist überliefert, dass ihr das Rind und die Stute als Vertraute galten. Sie wird zumeist als eine vollkommen in weiß gekleidete junge Frau dargestellt.
Im Neuheidentum wird Ostara zu den Asen gezählt. Sie wird als Entsprechung der von Tacitus erwähnten Erdgöttin Nerthus gesehen.
Ostara wird, wie auch anderen indogermanischen Göttinen ähnlichen Namens mit dem Morgenstern identifiziert.
Quellen
Im 8. Jahrhundert erklärt der englische Kirchenvater Beda Venerabilis (673-735) in dem Werk De temporum Ratione, einer der wichtigsten Quellen über die Bekehrung der Angelsachsen, die Herkunft des Wortes Ostern mit einer Göttin Eostrae, die dem Eostur-monath (Ostermond) seinem Namen verliehen habe.
Aus "De Tempore Rationum, Kap. 15" ins deutsche übersetzte Zitate Belas über vorchristliche Monatsbezeichnungen und die Göttin Eostre:
- "Der erste Monat, im Lateinischen Januar genannt, ist Giuli; Februar wird Solmonath genannt; März Hrethmonath; April, Eosturmonath [...etc.]."
- "Der Eosturmonath, heute Passah-Monat bezeichnet, war früher benannt nach einer ihrer Göttinen welche Eostre genannt wurde, zu deren Ehren Feste in diesem Monat gefeiert wurden. Jetzt benennen sie die Passah-Zeit mit ihrem Namen, womit die Freuden der neuen Feierlichkeit unter dem Namen der altehrwürdigen Göttinenverehrung angerufen werden.
Bedas Etymologien werden jedoch mittlerweile als Spekulation angesehen, da in keinem altenglischen Monatsname ein Göttername steckt.
Bedas "Ostara" wurde dann von Jacob Grimm aufgegriffen, der aus dem friesischen "Âsteron", dem mittelhochdeutschem "Ôsteren", dem englischem "êastre" und dem althochdeutschem Wort für Ostern "Ôstarûn" den Göttinnennamen Austro- (Ostara) ableitete. Grimm war sehr interessiert an einer germanischen Religion als eigenständige Grundlage deutscher Kultur und stellte den Bezug von Sagengestalten wie Frau Holle bzw. Perchta zur nord. Göttin Frigg her. Durch Grimms allgemeinen Einfluss in der deutschen Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts fand Ostara weite Verbreitung.
Etymologische Hinweise
Etymologische Hinweise sind angelsächsische Namen wie "easterbeald", "eastewine", "easterhild" und "easterwulf" und etwa 150 Weihesteine in der Umgebung der niederrheinischen Ortschaft Morken-Harff, die von einer Göttin bzw. Matrone namens Austriahenae berichten. Sie werden auf das Jahr 200 datiert. Darüber hinaus fand man in Hermühlheim bei Köln sieben römerzeitlichen Weihinschriften mit den Matronennamen Authrinehae, Auðrinehae, Audrinehar und Autriahenae.
Etymologisch weisen die die litauische Göttin Aušrine., die lettische Auseklis, die römische Aurora, die griechische Eos und die hinduistische Usha auf eine indogermanische Frühlingsgöttin mit ähnlichem Namen hin. Grundlage hierfür bildet das indogermanische Lexem au.es- mit der Bedeutung von scheinen bzw. leuchten. Darüber hinaus bedeutet Austr- auch soviel wie Osten, der Ort wo die Sonne aufgeht.
Sonstiges
Jörg Lanz von Liebenfels gab von 1905 an eine Zeitschrift "Ostara" heraus, in der arische und antisemitische Rassentheorien verbreitet wurden.
Weitere Stimmen zu Ostara
Das "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens" kam 1935 zum Schluss: "Wenn schon eine angelsächsische Eostra auf schwachen Füßen stand, hielt die Forschung erst recht eine deutsche Göttin Ostara für nicht nachweisbar".
Der Brauchtumsforscher Dietz-Rüdiger Moser erklärt in seinem Buch "Bräuche und Feste im christlichen Jahreslauf: Brauchformen der Gegenwart in kulturgeschichtlichen Zusammenhängen", dass es sich bei der Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin "Ostara" um eine neuzeitliche Erfindung handele.