Reifen (Spielzeug)
Andere Definitionen von Reifen siehe bei der Begriffsklärung Reifen.
Der Reifen, selten auch Reif genannt, ist ein Spielzeug, das in vielen Kulturen der Welt der Förderung der Geschicklichkeit dient. Er war früher fast ausschließlich aus Holz per Hand gefertigt und ist seit den 1950er Jahren vorzugsweise aus Kunststoffrohr.

Geschichte
Belegt ist, dass bereits Hippokrates etwa 300 vor Christus in einer seiner medizinischen Abhandlungen das so genannte Reifentreiben empfahl. Menschen mit schwacher Konstitution sollten diese Übung zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit nutzen.
Auch bei den Indianern Nordamerikas und den Eskimos diente der Reifen zum spielerischen Erlernen der überlebensnotwendigen Jagdtechniken. Jemand trieb einen Reifen vor sich her und andere warfen mit langen Stangen durch die Öffnung. Oder ein mit Riemen umflochtener Reifen wurde an einer Reihe junger Bogenschützen vorbeigerollt und anhand der Pfeilkennzeichnung konnte man anschließend den Sieger feststellen.
Im 19. Jahrhundert war der Umgang mit den leichten Holzreifen für Jungen und Mädchen gang und gäbe. Regelrechte Wettläufe wurden veranstaltet und obwohl die etwas steife und strenge Kleidung der Oberschicht so gar nicht dazu zu passen schien, vertrieb sich auch der junge Adel seine Zeit damit.
Eine wahre Wiedergeburt erlebte der Reifen als Spielzeug Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre, als er in Form des Hula-Hoop-Reifens in die Kinderzimmer zurückkehrte. Nicht nur die Kleinen ließen nun die Hüften kreisen und erfanden Kunststücke mit dem Kunststoffgerät. Dauerhulahoopen war da noch die einfachste wettbewerbsmäßig ausgetragene Disziplin, der sich auch Jugendliche und Erwachsene unterwarfen. In Varietés und Zirkus sah man ArtistInnen mit dutzenden von Reifen um Hals und Bauch jonglieren und mancher Orthopäde hatte mit vermehrten Bandscheibenbeschwerden der etwas älteren Hula-Hoopern zu tun.
Reifentreiben
Das Reifentreiben sieht zwar für den Zuschauer einfach aus, doch es erfordert sehr viel Übung und Geschick, den Reifen aufrecht zu halten und vorwärts zu bewegen. Zum Treiben benutzt man einen kleinen Stock an dem oftmals zur Zierde eine kleine Holzkugel befestigt war. Doch auch ohne Stock, allein unter Benutzung der Handfläche , kann man ihn vorwärts bewegen, nachdem man ihn zuvor gehalten und ihm dann einen leichten Vorwärtsschlag an der oberen Krümmung erteilt hat. Die Kurventechnik erfordert nochmals besondere Anforderungen an die Beine-Hand-Augen-Koordination.
Andere Techniken
Staffelwettläufe über mehrere Hundert Meter (hin und zurück) , wobei ein und derselbe Reifen als Staffelstab gilt, lassen sich auch bei Festen durchführen . Dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Sprünge durch den Reifen oder das Werfen von Gegenständen durch die Mitte sind nur einige Spiele, die Kindern sofort einfallen. Als Anregung kann die Rhythmische Sportgymnastik dienen. Dort setzen die Wettkämpferinnen den Reifen zum Teil in spektakulärer Art und Weise ein (z.B.: Schleudern mit dem Fuß und Fangen mit dem Hals etc.).