Verwaltungsgliederung Berlins

Überblick über die Verwaltungsgliederung im deutschen Stadtstaat Berlins
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 24. August 2007 um 15:14 Uhr durch Ulrich Waack (Diskussion | Beiträge) (Bezirksaufteilung ab 1. Oktober 1920: ergänzende Präzisierung). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

Berlin ist seit dem 1. Januar 2001 durch eine Verwaltungsreform in zwölf Bezirke aufgeteilt, welche die Funktion von Stadtbezirken haben.

Gemäß Artikel 66 Absatz 2 der Verfassung von Berlin erfüllen die Bezirke ihre Aufgaben nach den Grundsätzen der Selbstverwaltung. Sie nehmen regelmäßig die örtlichen Verwaltungsaufgaben wahr.

Ihre Verwaltungsaufgaben nehmen die Bezirke über das Bezirksamt wahr, an dessen Spitze jeweils ein eigener Bezirksbürgermeister steht. Die Bezirke von Berlin sind nur von der Einwohnerzahl in etwa mit Landkreisen zu vergleichen. Da das Bundesland Berlin als Stadtstaat eine Einheitsgemeinde ist, gibt es die Verwaltungsebene des Kreises in Berlin nicht (zweistufiger Verwaltungsaufbau). Die Bezirke sind keine eigenständigen Gebietskörperschaften mit eigener Rechtspersönlichkeit, sie haben nicht einmal den Status einer Kommune. Vielmehr handelt es sich um „Selbstverwaltungseinheiten Berlins ohne Rechtspersönlichkeit“ (§ 2 Abs. 1 Bezirksverwaltungsgesetz).

Karte der Ortsteile Berlins

Die Bezirksgrenzen im Wandel der Zeit

 
Berlin um 1230

Mit dem Groß-Berlin-Gesetz vom 27. April 1920 hat Berlin sieben umliegende selbständige Städte und zu anderen Kreisen gehörende 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke in die Stadt Groß-Berlin eingemeindet. Verwaltungstechnisch wurden ab dem 1. Oktober 1920 zwanzig Bezirke daraus. Der Begriff Stadtbezirk kam erst zu DDR-Zeiten als Abgrenzung zu den Bezirken auf Länderebene auf.

1938 gab es eine größere Korrektur der Bezirksgrenzen. So wechselte z.B. Oberschöneweide vom Bezirk Treptow zu Köpenick.

Bis 2000 gab es 23 Bezirke von sehr unterschiedlicher Größe und Einwohnerzahl. Die Zusammenlegung einiger Bezirke im Rahmen der Verwaltungsreform 2001 erwies sich zwar als verwaltungstechnisch und ökonomisch sinnvoll, ist aber in der Bevölkerung noch immer umstritten. Meist wurden zwei vorher eigenständige Bezirke zu einem neuen Bezirk zusammengeschlossen, nur die Bezirke Neukölln, Reinickendorf und Spandau blieben unverändert. Einige Teile früherer Bezirke wurden anderen Bezirken zugeordnet. Lichtenberg „verlor“ bereits 1979 die Ortsteile Marzahn, Biesdorf, Kaulsdorf, Hellersdorf und Mahlsdorf. Der Neubaubezirk Marzahn entstand, von dem 1985 wiederum der damalige Stadtbezirk Hellersdorf abgegliedert wurde. Bei der Bezirksreform 2001 wurden allerdings beide Bezirke wieder zusammengelegt (zu Marzahn-Hellersdorf). Lichtenberg wiederum fusionierte 2001 mit Hohenschönhausen, das als Ortsteil bis 1984 zu Weißensee gehörte. Um die Eigenständigkeit und angemessene Größe von Weißensee als Bezirk zu erhalten, wurden bei der Abgliederung von Hohenschönhausen Teile von Pankow (Heinersdorf, Blankenburg und Karow) zu Weißensee gegliedert. Die Bezirke Wedding und Tiergarten (vor der Wende 1990 politisch in West-Berlin) kamen zum Bezirk Mitte (Ost-Berlin). Der ehemals in West-Berlin liegende Bezirk Kreuzberg vereinigte sich mit dem früher in Ost-Berlin liegenden Bezirk Friedrichshain, die beide durch jeweils unterschiedliche, historisch bedingte Verwaltungsstrukturen geprägt sind.

 
Berlin im Jahre 1688

Für die Bürger haben sich teilweise längere oder ganz andere Wege zu den Behörden ergeben. Dazu ging ein Stück Identität verloren, denn die alten Verwaltungseinheiten waren historisch gewachsen. So empfinden sich zum Beispiel viele im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf lebende Berliner bis heute nicht als Charlottenburg-Wilmersdorfer, sondern eher als Wilmersdorfer (in den Grenzen des ehemaligen Dorfes) oder sogar als Schmargendorfer oder Grunewalder.

Lange währte der Streit um die Namensgebung der neuen Verwaltungsbezirke. Es wurde z.B. debattiert, ob der aus den Bezirken Steglitz und Zehlendorf neu gegründete Bezirk den Namen Steglitz-Zehlendorf oder Zehlendorf-Steglitz tragen sollte. Auch eine Nummerierung der Bezirke nach Pariser Vorbild stand zur Diskussion. Einige Vorschläge für neue Namenskreationen nahmen kabarettistische Züge an: So wurden beispielsweise die Namen Südwestbezirk, Bezirk City, Pankbergsee (für Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee), Zehlitz (für Zehlendorf und Steglitz), Tempelberg oder Schönehof vorgeschlagen. Des Weiteren mussten aus den alten Bezirkswappen neue kombiniert werden. Auch die Bürgermeister der ehemaligen Bezirke mussten sich um einen Posten streiten, was besonders Schwierigkeiten bereitete, wenn die früheren Bezirke unterschiedliche politische Mehrheiten hatten.

Es wird auf politischer Ebene immer wieder die Frage erhoben, ob Berlin überhaupt Bezirke benötigt und man nur noch Ortsbeiräte einrichtet. Hintergrund ist der anhaltende Spardruck sowie eine mögliche Vereinfachung von Verwaltungsvorgängen.

Aufteilung bis 1920 – (Alt-)Berlin

  • ab 1725
  • ab 1841
  • ab 1861
  • ab 1915

Es gab noch keine Bezirksaufteilung im heutigen Sinn. Die Verwaltungsstrukturen waren sehr unterschiedlich geregelt. Vieles wurde stadtteilübergreifend zentral verwaltet.

Bezirksaufteilung ab 1. Oktober 1920

Bei der Bildung von Groß-Berlin werden die großstädtischen Verwaltungen der eingemeindeten sieben Stadtgemeinden jeweils zu Bezirkverwaltungen der Stadt (**). Das Stadtgebiet von Alt-Berlin selbst wird in sechs Bezirksverwaltungen geteilt (*). Die weiteren sieben Bezirke richten sich in ihrem Namen nach den größten eingemeindeten Ortschaften (***).

Die Nummerierung beginnt im Zentrum der Stadt (1 = Mitte) und dreht sich dann schneckenartig bis zum Stadtrand (20 = Reinickendorf), wiedergegeben auf der „Karte der Einheitsgemeinde von Groß-Berlin, 1920“, die sich im Besitz des Märkischen Museums zu Berlin befindet.

Bezirksaufteilung bis Oktober 1990

 
Die Viersektorenstadt

Bereits auf der Konferenz von Jalta vereinbarten die Alliierten, Berlin in Sektoren aufzuteilen (später: Viersektorenstadt), die Sektorengrenzen orientierten sich an bestehenden Bezirksgrenzen. Obwohl Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst dennoch gemeinsam verwaltet werden sollte, führten die nicht überbrückbaren Differenzen der Westalliierten und der Sowjets zu einer Teilung der Stadt. Mit zeitlicher Verzögerung entwickelten sich daraus die zwei getrennten Verwaltungen von Ost-Berlin und West-Berlin.

In Ost-Berlin wurden die Bezirke als Stadtbezirk geführt, um den Unterschied zu den Bezirken der DDR deutlich zu machen. Im Sprachgebrauch wurde Stadtbezirk auch zu Bezirk verkürzt. In West-Berlin waren Bezirk oder Verwaltungsbezirk die rechtliche Nennform. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 wurden alle Bezirke zunächst unverändert weitergeführt und wieder durchgängig Bezirk genannt.

Ost-Berlin

 
Ost-Berliner Bezirke

West-Berlin

 
West-Berliner Bezirke

Bezirksaufteilung bis Ende 2000

 
Aufteilung zwischen Mauerfall und Reorganisation

Bezirksaufteilung seit Anfang 2001

 
Bezirke nach der Bezirksreform 2001

Die amtliche Nennform ist Verwaltungsbezirk, der Regelgebrauch ist weiterhin Bezirk.

(In Klammern die alten Bezirke, die in den Großbezirk eingegliedert wurden und nicht mehr in der offiziellen Bezirksbezeichnung erkennbar sind.)

Siehe auch