Jüdische Autonome Oblast
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Jüdisches Autonomes Gebiet
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|---|---|---|---|---|---|
| Staat: | Russland | ||||
| Föderationskreis: | Fernost | ||||
| Fläche: | 36.100 km² | ||||
| Einwohner: | 186.541 (1. Januar 2006) | ||||
| Hauptstadt: | Birobidschan | ||||
| Bevölkerungsdichte: | 5,2 Einwohner je km² | ||||
| Kfz-Kennzeichen: | 79
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Das Jüdische Autonome Gebiet (russ.: Еврейская автономная область/ Ewrejskaja awtonomnaja oblast; jidd.: ייִדישער אױטאָנאָמע געגנט/Yidisher Oytonome Gegnt) ist eine autonome Verwaltungsregion Russlands.
Geographie
Das Gebiet liegt im russischen Föderationskreis Fernost und befindet sich an der Grenze zur Volksrepublik China. Der Fluss Amur bildet hier die Grenze zwischen den beiden Staaten.
Bevölkerung
Die Juden waren nie die Bevölkerungsmehrheit im Gebiet. Den höchsten Anteil erreichten sie nach dem Zweiten Weltkrieg mit rund einem Drittel. Noch 1989 waren 5,5% der 220.000 Einwohner dieses Gebietes Juden, doch auch das waren damals kaum 0,5% aller Juden in der Sowjetunion. Heute (Stand: Volkszählung 2002) stellen sie nur noch 2.327 oder 1,22 % der Bevölkerung von insgesamt 190.915 Einwohnern, nachdem viele von ihnen nach Israel und Deutschland abgewandert sind. Fast 90 % (genau: 171.697 oder 89,93 %) sind Russen. Kleine Minderheiten bilden die Ukrainer mit 8.483 (4,44 %), die Weißrussen mit 1.182 (0,62 %) und die Tataren mit 1.196 (0,63 %). Vor den stalinistischen Säuberungen lebten auch rund 4.500 Koreaner im Gebiet, die dann im Zuge der neuen Politik vollständig nach Zentralasien deportiert wurden.
Während des Stalinismus wanderten auch einige (schätzungsweise 1.000) Russlandmennoniten in die Amurregion und emigrierten wenig später über das JAG und China nach Paraguay.
Religionen
Im ausgehenden Zarenreich gab es im heutigen Jüdischen Autonomen Gebiet etwa 20 Russisch-Orthodoxe Gemeinden. Nach der Gründung des autonomen Gebiets wurde sämtliche Religionsausübung verboten.
Die Russisch-Orthodoxe Kirche zählt heute wieder genau 16 Gemeinden, die über die ganze Region verteilt sind. Die Jüdische Gemeinde „Freud“ wurde 1987 gegründet (siehe auch Synagoge in Birobidschan). Es existieren zwei Synagogen. Die Gemeinschaft der Subbotniki hat etwa 200 Anhänger, von denen in den letzten Jahren einige nach Israel abgewandert sind. Außerdem gibt es im Jüdischen Autonomen Gebiet protestantische Gemeinschaften. Die Baptisten haben in Birobidschan und in Naifeld ihre beiden Gemeinden, Pfingstchristen (Slavnaia Vetv) sowie eine offizielle Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten gibt es ebenfalls in Birobidschan. Früher wurden in der alten Holzsynagoge von Birobidschan Gottesdienst älterer Frauen abgehalten, wo Jesus verehrt wurde, die sich allerdings an jüdische Gesetze hielten.
Verwaltungsgliederung
(Einwohner am 1. Januar 2006)
| Stadtkreis | Einwohner | Stadtbevölkerung | Dorfbevölkerung | |
|---|---|---|---|---|
| Birobidschan | 75.192 | 75.192 | --- | |
| Rajon | Einwohner | Stadtbevölkerung | Dorfbevölkerung | Verwaltungssitz |
| Birobidschan | 13.336 | --- | 13.336 | Ptitschnik |
| Leninskoje | 22.098 | --- | 22.098 | Leninskoje |
| Oblutschje | 35.118 | 29.685 | 5.433 | Oblutschje |
| Oktjabrsk | 13.044 | --- | 13.044 | Amurset |
| Smidowitsch | 27.753 | 18.876 | 8.877 | Smidowitsch |
Städte
Einzige Stadt von Bedeutung ist der Hauptort Birobidschan, denn die nächstgrößeren Ortschaften (Oblutschje, Nikolajewka und Leninskoje) zählen nur zwischen 7.000 und 11.000 Einwohnern.
Städte und städtische Siedlungen
Im Jüdischen Autonomen Gebiet gibt es 2 Städte und 11 Siedlungen städtischen Typs.
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Geschichte
Das Gebiet wurde durch eine russische Expedition 1644 erforscht, bald darauf ließen sich die ersten Siedler hier nieder. 1898 erreichte die Transsibirische Eisenbahn das Gebiet und sorgte für eine weitere Bevölkerungszunahme.
Das Jüdische Autonome Gebiet wurde 1928 eingerichtet. Die Grundidee Stalins bei der Gründung war, dem westlichen Zionismus entgegenzuwirken und ein „sowjetisches Zion“ zu errichten.mit Jiddisch als Amtssprache. Außerdem wollte die sowjetische Regierung verhindern, dass Japan und China die Wirtschaftsmächte in Fernost wurden und gab somit die Rodung des Landes in Auftrag.
Die Planungen sahen vor in der Region bis 1937 etwa 150.000 Juden anzusiedeln. Bei ausländischen jüdischen Kommunisten löste das Projekt anfangs Begeisterung aus. Otto Heller schrieb, „Die Juden sind in die sibirischen Wälder gezogen, wenn man sie nach Palästina fragt, lachen sie nur. (...) Diese Siedler begründen in der sibrischen Taiga nicht nur eine Heimstätte für sich selbst, sondern für Millionen Angehörige ihres Volkes.“ Selbst jüdische Antikommunisten wie Chaim Schitlowsky zeigten sich beeindruckt. Man glaubte Birobidschan würde zu einer Republik und zu einem Zentrum einer jüdisch-sozialistischen Kultur. Trotz des rauen Klimas zogen zunächst tausende Juden in das Gebiet, allerdings kehrten fast alle nach wenigen Monaten wieder in ihre Heimat zurück.[1]
Die Besiedlung stoppte bereits Mitte der 30er-Jahre, als im Zuge der Stalinschen Säuberungen viele Juden getötet und jiddische Schulen geschlossen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Idee eines jüdischen Territoriums frischen Aufwind, und der Anteil der Juden erreichte mit rund einem Drittel seinen Höhepunkt. Danach wurde die jüdische Ansiedlung hier nie mehr forciert.
Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion 1991 wurde das Gebiet eine eigenständige Verwaltungseinheit innerhalb Russlands; es gibt allerdings Bestrebungen, das Gebiet mit der Region Chabarowsk zu vereinigen.
Während Stalins Säuberungsplänen ließ er mehrere Politiker und Schriftsteller der Region festnehmen. Er behauptete, die Juden seien „bürgerliche Nationalisten“ und hätten den „Ruhm der Sowjetunion beschmutzt“.
Politik
Gouverneur des Jüdischen Autonomen Gebietes ist seit 1991 Nikolai Michailowitsch Wolkow.
Im Jüdischen Autonomen Gebiet gibt es 14 Parteien, die dort auch ein regionales Büro haben.
Verkehr und Wirtschaft
Die Transsibirische Eisenbahn führt durch das Gebiet und verbindet es mit anderen russischen Großstädten. Wichtigste Wirtschaftszweige sind der Bergbau (Gold, Eisenerz), die Holzindustrie und die Landwirtschaft.
Siehe auch
Literatur
- Robert Weinberg: Birobidshan. Stalins vergessenes Zion. Verlag NEUE KRITIK
Weblinks
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- ↑ Walter Laqueur: Der Weg zum Staat Israel. Geschichte des Zionismus. Wien, 1972. S.447

