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Christian Precht

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Der Altaraufbau der Kirche St. Cosmae et Damiani in Stade aus dem Jahre 1677 ist das bedeutenste Werk Christian Prechts.

Christian Precht (* um 1635 wahrscheinlich in Oldenburg; † vermutlich zwischen April 1694 und September 1695 in Hamburg) war ein Hamburger Bildhauer. Neben seiner Haupttätigkeit als Schöpfer von Kirchenausstattungen und Altaraufsätzen, schuf er Schnitzereien an Hamburger Gebäuden und Stadttoren, sowie die Figuren und Holzschnitzereien für die vier Hamburger Konvoischiffe Leopoldus Primus, Wapen von Hamburg I, Wapen von Hamburg II und die Admiralität von Hamburg.

Leben

Precht wurde um das Jahr 1635 als Sohn des Zimmermanns Johann Precht und seiner Frau Alheit geboren. Als Geburtsort wird Oldenburg vermutet, da der Vater zu dieser Zeit als Zimmermann am Hofe des oldenburgischen Grafen Anton Günther arbeitete. In welcher genauen Stellung er dort arbeitete ist nicht bekannt, da der Name Precht in den Quellen nicht erscheint. Vermutlich war er einer der vielen Handwerker, die am Hofe des kunstfördernden Grafen benötigt wurden.

Um 1650 ließ sich Johann Precht in Bremen nieder. Zu dieser Zeit war Chrstian Precht in dem Alter, eine Ausbildung zum Bildhauer und Tischler zu beginnen und dürfte sein Elternhaus Anfang der 1650er Jahre verlassen haben. Seine Wanderschaft dauerte bis etwa 1660 und führte ihn wohl in die südlichen Niederlande. Anschließend ließ er sich als Meister in Hamburg nieder.

Hamburg im Jahre 1700 mit den Kirchspielen der Stadt. Die Kirchspiele waren in Hamburg neben dem Einzugsbereich der Kirchen gleichzeitig die Verwaltungseinheiten der Stadt.

Im Jahr 1663 taucht Christian Precht erstmals in den Quellen auf. In diesem Jahr zahlte er am 7. August die Gebühr für Neubürger, das sogenannte Bürgergeld der Stadt Hamburg, und am 22. November heiratete er Agnetha Rige. Zu diesem Zeitpunkt war er höchstwahrscheinlich bereits Meister in der als Amt bezeichneten Gilde der Tischler. Zu dieser Zeit wohnte Precht vermutlich im Hamburger Kirchspiel St. Jacobi, denn er heiratete in der St.-Jacobi-Kirche und ließ seine beiden ältesten Söhne 1665 bzw. 1667 hier taufen.

Im Jahre 1666 nahm Christian Precht seinen jüngeren Bruder Burchard als Lehrling in seine Werkstatt auf. Dieser dürfte damit an den ersten nachweisbaren und eindeutig Precht zuordenbaren Werken beteiligt gewesen sein. Dabei handelte es sich um die Figuren und die Holzverzierungen an den beiden Hamburger Konvoischiffen Leopoldus Primus und Wapen von Hamburg I. Von diesen Arbeiten hat sich die große Heckfigur des Kaisers Leopold I. erhalten und wird heute im Museum für Hamburgische Geschichte aufbewahrt. Für die Arbeiten an den beiden Schiff erhielt Christian Precht von der Stadt Hamburg die Summe von 1544 Mark. Diese Summe versetzte ihn wohl in die Lage, am 30. Dezember 1668 ein Haus zu erwerben, das im Kirchspiel St. Katharinen auf der Wandrahm-Insel gleich neben dem alten Bauhof der Stadt lag. Das Haus befand sich damit in der Nähe der heutigen Strasse „Neuer Wandrahm“ in der Hamburger Speicherstadt. Vermutlich hatte sich Precht die das Haus nicht ohne Absicht ausgesucht. In der Nähe seines Hauptauftraggebers dieser Jahre und in der Nähe der Fleete zum Abtransport seiner Werke fand er beste Arbeitsbedingungen vor. Neben den Arbeiten an den beiden Konvoischiffen lassen sich in den 1660er Jahre nur eine wenige Arbeiten nachweisen, darunter einige Schnitzerei für die St.-Jakobi-Kirche.

Im Jahre 1674 erhielt er den Auftrag für sein Hauptwerk, den Altaraufbau der Kirche St. Cosmae et Damiani in Stade. Die Arbeit an dem Altaraufsatz war nach drei Jahren beendet und im April 1677 lieferte Precht das Werk ab. Bereits im Jahre 1674 hatte sein Bruder Burchard, die gemeinsame Werkstatt verlassen und sich nach Schweden begeben. Der Kontakt der beiden Brüder riss aber nicht ab, und so empfahl Burchard in Stockholm wohl mehrfach Hamburger Handwerker, darunter den Orgelbauer Arp Schnitger der eine Orgel in Uppsala bauen sollte. Im Jahr nach Fertigstellung des Altaraufsatzes übernahm er den nächsten größeren Auftrag. Die Kirche St. Jakobi hatte auf ihrem Kirchhof einige Häuser errichten lassen. Für die Toreinfahrt schnitzte Precht Evangelistenfiguren, die als Dekoration an den portalähnlichen Rahmungen dienten.

In den frühen 1680 lieferte Christian Precht mehrfach Arbeiten für den Hamburger Bauhof und verschiedene Kirchen der Stadt. So fertigte Precht den Schmuck für das Millerntor, das Deichtor und die 1676 erbaute Neue Waage. Hinzu kamen zahlreiche kleinere Arbeiten, die an nicht mehr bestimmbaren anderen Gebäuden angebracht waren. Anfang Mai 1685 starb seine Frau und wurde in St. Katharinen begraben. Eine zweite Heirat nach dem Tode seiner Frau ist nicht nachweisbar.

In der zweiten Hälfte der 1680er und den frühen 1690er Jahre erhielt Precht wieder vermehrt größere Aufträge. So fertigte er um 1685 einen Altaraufbau für die Heilige Dreikönigskirche in Haselau, das in der Haseldorfer Marsch an der Niederelbe liegt. Von 1686 bis 1688 und 1691/92 erhielt Precht erneut Aufträge für die Ausstattung von Konvoischiffen von der Hamburgischen Admiralität. Da die Wapen von Hamburg I 1683 auf der Reede von Cadiz aus unbekannten Gründen verbrannte, wurde ein Neubau in Angriff genommen. Dass Precht noch die Pläne von seinen Arbeiten an den ersten beiden Schiffen vorweisen konnte, dürfte für die Auftragsvergabe mit ausschlaggebend gewesen sein. Am 16. März 1686 wurde ihm der Auftrag für die Schnitzarbeiten an der Wapen von Hamburg II erteilt. Daran arbeitete er bis zum Jahre 1687. Da die Leopoldus Primus mittlerweile etwas in die Jahre gekommen war und reparaturbedürfig war, erhielt er 1689 und nochmals 1688 den Auftrag das Schnitzwerk und die Heckfigur des Kaiser zu reparieren. Den vierten Auftrag das Schnitzwerk an einem Hamburger Konvoischiff zu liefern, erhielt Precht im Jahre 1691. Diesmal sollte er die wesentlich kleinere Admiralität von Hamburg ausstatten. Ähnlich wie die Leopoldus Primus stattete Precht das Heck mit einer Figur aus, diesmal der eines melancholisch dreinschauenden Admirals.

Zu den spätesten bekannten Werken Prechts gehören die Figuren am Orgelprospekt der Arb-Schnitger-Orgel in der Kirche St. Jakobi, die er um das Jahr 1691 fertigte. Aus den Quellen lassen sich noch einige Arbeiten aus den Jahren 1692 bis 1694 erschließen, über die aber nur wenig bekannt ist.

Das genaue Todesdatum Christians Prechts ist unbekannt. Es lässt sich nur durch die Aufzeichnungen des Bauhofs genauer eingrenzen. Der Name Prechts erscheint am 7. April 1694 letztmalig in den Abrechnungen des Bauhofs und im September 1695 wird ein Jürgen Brese als einziger in Diensten des Bauhofs stehender Bildhauer erwähnt. Zur Heirat seiner Tochter im Jahre 1703 wird Christian Precht bereits als verstorben bezeichnet. Demnach ist Christian Precht höchstwahrscheinlich zwischen April 1694 und September 1695 verstorben.

Werke

Kirchenausstattungen

Der früheste und gleichzeitig bedeutendste von Christian Precht geschaffene Altaraufbau ist der aus der Kirche St. Cosmae et Damiani in Stade. Die anderen beiden Werke in Haselau und Neuenfelde sind wesentlich kleiner und bescheidener. Der Stader Altaraufbau ist mit seiner beträchtlicher Größe von 9,20 m dem hohen Chor der gotischen Stadtpfarrkirche angepasst und ist mit seinen zahlreichen Figuren und szenischen Darstellungen sehr aufwendig gestaltet. Hinzu kommt, dass er zwar komplett aus Holz gefertigt wurde, aber durch eine entsprechende Bemalung werden schwarzer und roter Marmor für die architektonischen Teile und für die Figuren Alabaster imitiert.

Inhaltlicher und baulicher Mittelpunkt des Aufsatzes steht das Relief über das Leiden Christi, dass auf die wichtigsten Stationen reduziert zur Auferstehung führt. Die Figur Johannes des Täufers, der im oberen Geschoß auf außen recht steht, weist mit seiner Hand auf das Heilsgeschehen in der Mitte. Gemäß der protestantischen Lehre soll dies symbolisieren, dass nur der Glaube und die Gnade Gottes zur Erlösung von den Sünden führt. Auffällig ist die Plastizität des Aufbaus durch Reliefs, freistehende Säulen, Simse, Figuren und andere architektonische Details.

Der Altaraufbau ist ein einheitliches und geschlossenes Werk, dass auf Grund seiner barocken Ausgestaltung und Pracht einmalig für das nördliche Deutschland ist. Ein ähnlich aufwändiges Werk hat sich im Raum Hamburg, Schleswig-Holstein und dem nördlichen Niedersachsen sonst nicht erhalten. Andere bekannte Altaraufbauten aus dieser Zeit sind meist noch der Spätrenaissance verpflichtet und haben mit dem Werk Prechts stilistisch nichts gemein.

Auch der Christian Precht als Frühwerk zugeschriebene Altaraufsatz von 1662 aus Bergedorf ist eher dem Stil der Renaissance zuzuordnen. Deshalb wird als Vorbild für das Stader Werk der große Altaraufbau der Stockholmer Storkyrkan von 1654 angesehen. Ein heute nicht mehr erhaltener Altaraufbau in der St.-Michaelis-Kirche und andere Werke in Norddeutschland hatten wohl diesen Stockholmer Altaraufbau in Stockholm, der schon den Zeitgenossen als berühmetes Werk galt, zum Vorbild. Die Reliefs und Figuren in Stade weisen starke Ähnlichkeiten mit den Arbeiten Stockholm auf, wobei Precht jedoch weniger kunstfertig vorging. Für den gekreuzigten Jesus scheint ihm ein Stich Peter Paul Rubens als Vorlage gedient zu haben. Insgesamt gesehen ist sein gesamtes Werk sehr stark von grafischen und palstischen Vorlagen abhängig gewesen zu sein.

Da Stade zu dieser Zeit Regierungssitz des nach dem Dreißigjährigen Krieges zu Schweden gelangten Herzogtums Bremen war, erscheint es glaubhaft, dass die Auftraggeber das berühmte Werk in Stockholm als Vorbild für den Altar einer der wichtigsten Kirchen der Stadt vorsahen und das Bildprogramm dem Künstler vorschrieben.

Schnitzereien an Hamburger Gebäuden

Bildhauerarbeiten an Hamburger Konvoischiffen

Die von Christian Precht in den Jahren 1691/92 geschaffene Heckfigur des Hamburger Konvoischiffes Admiralität von Hamburg. Heute wird diese im Museum für Hamburgische Geschichte aufbewahrt.

Literatur

  • Karin Eckhardt: Christian Precht - Ein Hamburger Bildhauer in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. in Beiträge zur Geschichte Hamburgs, Band 32. Hamburg, 1987. ISBN 3-923356-18-8