Nanjing

chinesische Millionenstadt
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Basisdaten
Großregion: Ostchina
Provinz: Jiangsu
Status: bezirksfreie Stadt
Untergliederung: 11 Stadtbezirke, 2 Kreise
Fläche: 6.598 km²
Einwohner: 5.836.000 (Ende 2004)
Bevölkerungsdichte: 884,51 Einwohner/km²
Lage in China

Nanjing (chinesisch 南京, Pinyin Nánjīng – „Südliche Hauptstadt“, Anhören/?) ist eine Stadt in der Volksrepublik China. In den Medien wird neben der offiziellen Transkription Nanjing auch noch die ältere Schreibweise Nanking verwendet. Nanjing ist Hauptstadt und Metropole der Provinz Jiangsu sowie de jure Hauptstadt der Republik China, obwohl die Stadt außerhalb taiwanischen Territoriums liegt. Nanjing hat 3.087.010 Einwohner in der Innenstadt, 3.967.437 in der Agglomeration (Stand 1. Januar 2005) und somit ca. 7 Millionen im gesamten Stadtgebiet.

Skyline von Nanjing
Schriftzeichen für „Nánjīng“

Geographie und administrative Gliederung

Nanjing liegt im Osten der Volksrepublik am Beginn des Jangtse-Deltas. Die Stadt erstreckt sich beiderseits des hier nach Osten abknickenden Stroms, wobei das Zentrum vollständig auf dem rechten Flussufer liegt. Wegen der enormen Breite des Jangtse befindet sich auf dem gesamten Stadtgebiet nur eine einzige Brücke, die aber zu den strategisch wichtigsten Verkehrswegen des Landes zählt. In zahlreichen Windungen mäandriert der schmale Qinhuai-Fluss durch die Stadt; daneben gibt es zahlreiche natürliche und künstliche Seen unterschiedlicher Größe. Im Osten erstreckt sich das Landschaftsschutzgebiet der relativ niedrigen Purpurberge

Nanjing liegt auf 32° 03' nördlicher Breite und 118° 47' östlicher Länge und setzt sich aus elf Stadtbezirken und zwei Kreisen zusammen:

  • Stadtbezirk Xuanwu (玄武区), 70 km², ca. 440.000 Einwohner (2004);
  • Stadtbezirk Baixia (白下区), 25 km², ca. 450.000 Einwohner (2004);
  • Stadtbezirk Qinhuai (秦淮区), 23 km², ca. 240.000 Einwohner (2004);
  • Stadtbezirk Jianye (建邺区), 18 km², ca. 170.000 Einwohner (2004);
  • Stadtbezirk Gulou (鼓楼区), 24 km², ca. 640.000 Einwohner (2004);
  • Stadtbezirk Xiaguan (下关区), 30 km², ca. 290.000 Einwohner (2004);
  • Stadtbezirk Pukou (浦口区), 894 km², ca. 480.000 Einwohner (2004);
  • Stadtbezirk Luhe (六合区), 1.487 km², ca. 860.000 Einwohner (2004);
  • Stadtbezirk Qixia (栖霞区), 302 km², ca. 370.000 Einwohner (2004);
  • Stadtbezirk Yuhuatai (雨花台区), 148 km², ca. 180.000 Einwohner (2004);
  • Stadtbezirk Jiangning (江宁区), 1.602 km², ca. 760.000 Einwohner (2004);
  • Kreis Lishui (溧水县), 1.048 km², ca. 400.000 Einwohner (2004), Hauptort: Großgemeinde Yongyang (永阳镇);
  • Kreis Gaochun (高淳县), 750 km², ca. 420.000 Einwohner (2004), Hauptort: Großgemeinde Chunxi (淳溪镇).

Klima

 
Klimadiagramm Nanjing

Nanjing hat ein subtropisches Monsunklima mit vier ausgeprägten Jahreszeiten und gehört neben den Städten Wuhan und Chongqing zu den drei so genannten „Hochöfen am Jangtse“. Die Sommer sind heiß und feucht bei Monatsdurchschnittstemperaturen bis zu 28 °C (Tagestemperaturen bis maximal 43 °C) und Luftfeuchtigkeit bis zu 81%; die Winter sind kalt mit Monatsdurchschnittstemperaturen von 2 °C. Alle 12 Monate sind humid. Die beste Reisezeit ist der Herbst (September bis November).

Jahresdurchschnittstemperatur: 16 °C
Jahresniederschlagssumme: 979 mm

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner (Mio.) Natürl. Wachstum (%)
1949 2.5670 13.09
1950 2.5670 15.64
1955 2.8034 19.94
1960 3.2259 0.23
1965 3.4529 25.58
1970 3.6053 20.76
1975 3.9299 9.53
1978 4.1238 8.84
1980 4.3587 8.08
1985 4.6577 4.56
Jahr Einwohner (Mio.) Natürl. Wachstum (%)
1990 5.0182 9.18
1995 5.2172 2.62
1996 5.2543 2.63
1997 5.2982 2.16
1998 5.3231 1.00
1999 5.3744 2.01
2000 5.4489 2.48
2001 5.5304 1.60
2002 5.6328 0.70
2003 5.7223 -0.60

Nach der fünften chinesischen Volkszählung erreichte die Gesamtbevölkerung der Stadt Nanjing im Jahr 2000 den Wert von 6,24 Millionen. Die Geburtenrate lag bei 7,73 %, die Mortalitätsrate bei 5,44 %. 2004 heirateten 47.429 Paare, während sich 7.036 scheiden ließen. Unter den Heiratenden befanden sich 10.473 Personen, die bereits einmal verheiratet waren.

Wie in den meisten Städten Ostchinas besteht auch die Bevölkerung Nanjings zu einem sehr hohen Anteil (98,56%) aus Han-Chinesen. 77.394 Einwohner Nanjings gehören einer der 50 in der Stadt vertretenen Minderheiten an; die größten Anteile davon entfallen auf die Hui (64.832), die Mandschuren (2.311) sowie die Zhuang (533). Die meisten Minderheitsangehörigen leben im Stadtbezirk Jianye und stellen dort 9,13% der Bevölkerung.

2003 betrug der Geschlechterproporz in der Stadt 106,49 Männer auf 100 Frauen.

2004 betrug das Bruttosozialprodukt der Stadt 191 Mio. Yuan und lag damit in der Provinz Jiangsu auf dem dritten Platz. Pro Kopf betrug es 33.050 Yuan, was gegenüber 2003 eine Steigerung von 15% darstellt. Die Arbeitslosenquote lag mit 4,03% leicht unter dem nationalen Durchschnitt von 4,2%.

Geschichte

Bis 1368

Nanjing gehört zu den ältesten Städten Südchinas. Der Legende nach hat Fu Chai, der Herrscher von Wu, auf dem Gebiet des heutigen Nanjing bereits 495 v. Chr. eine Stadt namens Yecheng (冶城) erbaut. Bereits 473 v. Chr. soll aber bereits der Staat Yue Wu erobert und in der Nähe des heutigen Zhonghua-Tors die Stadt Yuecheng (越城) errichtet haben. 333 v. Chr. schließlich, nach dem Untergang des Yue-Staats, baute der Staat Chu im Nordwesten des heutigen Nanjing die Stadt Jinling Yi (金陵邑). Seit damals hat die Stadt zahlreiche Zerstörungen und Wiederaufbaumaßnahmen erlebt.

Erstmals Hauptstadt wurde Nanjing 229 n. Chr., als Sun Quan von Wu während der Zeit der drei Reiche seine Residenz nach Jianye (建邺) verlegte, eine Stadt am Fuße von Jinling Yi. Nach der Invasion der Fünf Hu floh der Adel der Jin-Dynastie über den Yangzi und machte Nanjing unter dem Namen Jiankang erneut zur Hauptstadt. Sie verlor diesen Status erst wieder unter der China vereinigenden Sui-Dynastie.

Einen Aufschwung erlebten Nanjing und insbesondere seine Industrie dann wieder unter den Tang und Song. Zur Zeit der Yuan-Dynastie Mongolenherrschaft wurde die Stadt zu einem Zentrum der Textilfertigung.

 
Ming-Kaiser Hongwu

Ming-Zeit

Der erste Ming-Kaiser Hongwu erhob Nanjing 1368 erneut zur Hauptstadt Chinas und gab ihr den Namen Yingtian. In 21 Jahren bauten ca. 200.000 Arbeiter Nanjing zur größten Stadt der damaligen Welt mit einer geschätzten Einwohnerzahl von knapp einer halben Million aus. Aus dieser Zeit datiert die heute noch weitgehend erhaltene Stadtmauer. Nanjing erreichte damals erheblichen Wohlstand. Neben der traditionellen Textilindustrie konnten sich nunmehr auch Druckereiwesen und Schiffbau etablieren; Nanjing war damals Werftstadt für die größten Segelschiffe des Mittelalters und Heimathafen der Schatzflotte des Admirals Zheng He. Von hier aus gingen seine Reisen nach Indien, Arabien und Afrika. Nachdem Kaiser Yongle die Hauptstadt 1421 nach Peking („Nördliche Hauptstadt”) verlegt hatte, gab er Yingtian erstmals ihren heutigen Namen Nanjing, was mit „Südliche Hauptstadt” übersetzt werden kann.

Qing-Zeit

Während der Qing-Dynastie trug die Stadt den Namen Jiangning (江宁) und diente als Regierungssitz des Vizekönigs von Liangjiang. Nanjing ist der historische Schauplatz der (erzwungenen) Öffnung des „Reiches der Mitte” zum Westen mit dem Vertrag von Nanjing (1842), der den Niedergang Chinas einläutete. Unter dem Namen Tianjing (天京, „Himmelshauptstadt”) war sie Mitte des 19. Jahrhunderts Zentrum des Taiping-Aufstands. Nach der Rückoberung durch Qing-General Zeng Guofan 1864 kamen durch Massaker bzw. Selbstmord 100.000 Bewohner ums Leben.

Erste Republik

1912 stieg Nanjing unter dem Regime Sun Yat-sens ein weiteres Mal zur Hauptstadt auf. Noch heute befindet sich sein Mausoleum in den Purpurbergen im Osten der Stadt. Yuan Shikai verlegte die Regierung nach Peking. Nach der Spaltung der Guomindang (GMD) etablierte Chiang Kai-shek 1927 in der Stadt das von ihm geführte nationalkonservative Nanjing-Regime, das mit dem des linken GMD-Flügels in Wuhan sowie dem der Warlords in Peking um die Macht rang.

Der damit verbundene Zuzug wohlhabender Schichten sorgte für eine Belebung der Konjunktur und des Konsums. Es entstand eine ganze Reihe von Kaufhäusern wie etwa das Zhongyang Shangchang. 1933 überflügelte die Wertschöpfung der Lebensmittel- und Unterhaltungsbranche erstmals die der traditionellen Industrie und der Landwirtschaft. Ein Drittel der Stadtbevölkerung arbeitete bereits im Dienstleistungssektor, während andererseits Prostitution, Drogenhandel und Spielsucht florierten.

Während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges wurde Nanjing, die damalige Kriegshauptstadt, vom 9. Dezember 1937 an belagert. Die chinesischen Truppen verweigerten sich der geforderten Kapitulation. Daraufhin eröffneten die Japaner eine massiven Offensive und drängten bis zum 12. Dezember die chinesischen Truppen aus der Stadt auf die andere Uferseite des Jangtse. Bei der Belagerung der Stadt kam es auch zum Panay-Vorfall, bei dem die USS Panay, die US-Bürger flussaufwärts evakuieren wollte, die sich in Nanjing befanden, von japanischen Fliegern versenkt wurde. Der Vorfall brachte diplomatische Spannungen zwischen Japan und den USA und führte zu einer nachhaltigen Veränderung des Japanbildes in den Vereinigten Staaten, obwohl sich Japan offiziell für die Versenkung entschuldigte.

 
Gedenkstätte Nanjing-Massaker

Am 13. Dezember besetzten japanische Divisionen die Stadt und verübten an der Zivilbevölkerung das Massaker von Nanjing. In diesem Massaker von Nanjing wurde von der Japanischen Soldateska innerhalb von etwa acht Wochen schätzungsweise etwa 20.000 Mädchen und Frauen systematisch vergewaltigt, etwa 350.000 Zivilisten getötet. Etwa 200.000 Zivilisten konnten in einer Schutzzone, welche durch ein Internationales Komitee aus in der Stadt bleibenden Ausländern unter Vorsitz des Deutschen John Rabe geschaffen wurde, gerettet werden. Lange Zeit wurden die Massaker von Nanjing von einem Großteil der Historiker vernachlässigt; die Ereignisse von Nanjing gelangten erstmals durch die amerikanische Journalistin Iris Chang ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. 1997 veröffentlichte sie das Buch „The Rape of Nanjing. The Forgotten Holocaust of World War II”, in dem sie sorgfältig die genauen Umstände und den Verlauf der japanischen Gräueltaten beleuchtet. Im selben Jahr erschienen auch John Rabes Nanjing-Tagebücher [1] . 800 Seiten, die für Historiker und die Angehörigen der Opfer wertvolle Quellen darstellen, zumal es in Japan Bestrebungen gibt, die Massaker von Nanjing zu leugnen. Aufgrund der verharmlosenden Schilderungen dieser Begebenheiten in japanischen Schulbüchern kam es 2005 zu einer antijapanischen Reaktion des chinesischen Volkes. Im August 2006 wurden die Beziehungen zwischen China und Japan durch den Besuch des japanischen Regierungschefs Junichiro Koizumi beim Yasukuni-Schrein - in dem religiösen Heiligtum werden nicht nur 2,5 Millionen Kriegstote sondern auch 14 verurteilte japanische Kriegsverbrecher geehrt - neuerlich stark belastet.

Volksrepublik

Nach der Machtergreifung der Kommunisten 1949 und der damit verbundenen Erhebung Pekings zur Hauptstadt der Volksrepublik, sank Nanjing auf den Status einer Provinzhauptstadt herab. Gleichwohl betrachtet das nach Taiwan geflohene Guomindang-Regime die Yangzi-Metropole weiterhin als offizielle Hauptstadt Chinas, während Taipei nur als provisorische Hauptstadt fungiert.

In den 1950er Jahren bauten die Kommunisten im Zuge der forcierten Industrialisierung systematisch die staatliche Schwerindustrie aus. Die Ansiedlung von Elektro-, Chemie-, Stahl- und Maschinenbetrieben sollte nachhaltig das Gesicht der Stadt verändern. Die übertriebene Begeisterung für den Aufbau einer „Weltklasse-Industrie” führte aber auch zu gravierenden Fehlentscheidungen, die in starkem Maße zur wirtschaftlichen Rezession Ende der 60er Jahre beitrugen. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Investition von hunderten von Millionen Yuan in die Förderung nicht-existenter Kohlevorkommen.

Wirtschaft

 
Zeugnis der wirtschaftlichen Entwicklung: Moderne Straße in Nanjing

Die Industrielandschaft Nanjings ist weiterhin von den fünf Schlüsselindustrien Elektro, Fahrzeugbau, Petrochemie, Eisen/Stahl und Energie geprägt. Zu den bedeutendsten Staatsbetrieben zählen Panda Electronics, Jincheng Motors und Nanjing Steel. Gleichwohl gewann der Tertiärsektor erheblich an Bedeutung zurück; heute trägt er 44% zum Bruttosozialprodukt der Stadt bei.

Mit den anderen Städten des Yangzi-Deltas konkurriert Nanjing um ausländische Investoren. Bisher haben sich etliche transnationale Unternehmen niedergelassen, zu nennen sind u.a.

  • Fiat
  • Iveco
  • BASF, über die BASF-YPC, ein seit 2005 aktives Joint-Venture mit Sinopec
  • Sharp
  • Bosch/Siemens, über die 1997 gegründete Tochtergesellschaft Jiangsu BS Home Appliances Sales Co., Ltd.
  • Bosch, über die Nanjing Huade Spark Plug Co., Ltd., ein Joint Venture mit der LD Group Nanjing zur Produktion von Zündkerzen.
  • Phoenix Contact, der Weltmarktführer im Bereich Industrielle Verbindungselemente, Überspannungsschutz, Interface und Interbus Technik.

Seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) zieht Nanjing verstärktes Interesse auf sich. Im Schnitt gründen ausländische Firmen täglich zwei neue Niederlassungen in der Yangzi-Metropole.

Die Stadtverwaltung arbeitet weiterhin an einer Verbesserung der Attraktivität Nanjings für Investoren, unter anderem durch die Gründung von mittlerweile fünf Industrieparks: Gaoxin, Xingang, Huagong und Jiangning. Trotz dieser Bemühungen fällt Nanjing aber weiter hinter Nachbarstädte wie Wuxi, Suzhou und Hangzhou zurück. Die traditionellen Staatsbetriebe indes sehen sich dem Wettbewerb mit den transnationalen Unternehmen nicht mehr gewachsen und versinken entweder in Überschuldung, gehen bankrott oder werden privatisiert.

In Nanjing befindet sich weiter die Zentrale der Jiangsu Power Co.L.T.D.

Verkehr

Nanjing gilt als die zentrale Verkehrsdrehscheibe des Yangzi-Deltas und integriert alle gebräuchlichen Verkehrsmittel. Wie in allen chinesischen Städten spielt für den Großteil der Bevölkerung der Öffentliche Verkehr eine dominante Rolle.

Straße

Als Regionaldrehscheibe wird Nanjing von mehr als 60 Staats- und Provinzautobahnen erschlossen, die in alle Teile Chinas führen. Express highways wie Hu-Ning, Ning-He, Ning-Hang bringen Pendler nach Shanghai, Hefei, Hangzhou und andere bedeutende Städte. Innerhalb der Stadt verlaufen 230 km Autobahnen, was einer Dichte von 3,38 km pro 100 km² entspricht. Bezogen auf alle Straßen liegt die Dichte bei 112,56 km pro 100 km².

Eisenbahn

Des Weiteren stellt Nanjing einen wichtigen Eisenbahnknoten dar. Die wichtigsten Stammstrecken führen in Richtung Shanghai, Xuzhou und Wuhu; über sie bestehen Direktverbindungen in zahlreiche Großstädte des Landes. Der Hauptbahnhof befindet sich nördlich des Xuanwu-Sees. Daneben gibt es am Yangzi-Ufer nahe der Brücke den Bahnhof Nanjing West und in der Nähe der Blumenregenterrasse den Bahnhof Nanjing Süd. Etwas außerhalb der Stadt liegt der Ostbahnhof Nanjings. Seit dem Jahr 2005 kann man mit einer U-Bahn vom Hauptbahnhof bis zur Olympiaanlage fahren. Es sind viele weitere Strecken geplant bzw. im Bau.

Öffentlicher Personennahverkehr

Der öffentliche Busverkehr der Stadt wird von den Gesellschaften Nanjing Gongjiao, Zhongbei, Argos und Xincheng betrieben, die auf 170 Strecken alle Teile der Stadt inklusive der Vororte erschließen. Die erste Nanjinger U-Bahn-Linie nahm ihren Betrieb am 15. Mai 2005 auf, im November wurde mit dem Bau einer zweiten Strecke begonnen. Bis zum Jahr 2050 soll ein 433 km langes U-Bahn-System entstehen.

Luftverkehr

Nanjings Flughafen, der Lukou International Airport, liegt dem Passagieraufkommen nach auf Platz 15 unter den 126 chinesischen Zivilflughäfen, beim Frachtaufkommen auf Platz 10. Derzeit bestehen 85 Verbindungen ins In- und Ausland, darunter solche nach Japan, Korea, Thailand und Singapur. Autobahnen führen nicht nur ins 29 km entfernte Stadtzentrum, sondern auch direkt in Nachbarstädte.

Wasserverkehr

Der Hafen von Nanjing ist der größte Binnenhafen Chinas mit einem Durchsatz von jährlich 66 Mio. Tonnen (2003). Das Hafengelände erstreckt sich über 98 km und verfügt über 64 Kais, von denen 16 Schiffe mit einer Tonnage von mehr als 10.000 Bruttoregistertonnen abfertigen können. Nanjing ist auch der größte Containerhafen am Yangzi. Mit der Eröffnung der eine Million Container fassenden Longtan Containers Port Area im März 2004 bekräftige Nanjing seinen Anspruch als führender chinesischer Flusshafen.

Kultur

Traditionell verfügt die ehemalige Hauptstadt Nanjing über ein reiches Kulturleben.

Musik und Theater

In der Stadt sind mehrere Orchester ansässig, darunter das Jiangsu Symphonieorchester, das Chinesische Orchester der Stadt Nanjing, zwei Orchester der Universität, zwei des Kunstinstituts sowie eine Bläsergruppe der Technischen Universität.

Die meisten Theater der Stadt sind multifunktionell angelegt und können neben ihrem eigentlichen Zweck etwa auch als Kongresszentren, Kinos oder Konzertsäle genutzt werden. Zu den größten Häusern zählen die Volksversammlungshalle und das Kunst- und Kulturzentrum.

Im Theaterbetrieb werden die verschiedenen Formen der chinesischen Oper gepflegt. Das Kunqu-Opernhaus pflegt die gleichnamige Opernform, die als Chinas älteste gilt. Neben den wöchentlich stattfindenden Opernabenden gibt es mehrmals im Jahr sog. Vollopern, deren Aufführung wegen der Länge der klassischen Texte jeweils mehrere Abende in Anspruch nimmt. Ein Beispiel hierfür aus jüngster Zeit ist die sogar im Fernsehen übertragene Inszenierung des Päonienpavillon, ein weiteres das Weiße Seidenhemd, das den Staatspreis für die beste moderne Oper gewann. Andere Häuser widmen sich der Yang-, Yue-, Xi- und Jing-Oper, der Sprechtheaterform Suzhou Pingtan sowie dem Puppentheater. Die Stadt beherbergt das Peking-Oper-Institut der Provinz Jiangsu.

Berühmt sind auch die Qianxian- und die Nanjing-Tanzgruppe. 2004 wurde in Nanjing der Shangying-Warner Kinopalast eröffnet.

Museen und Galerien

 
Das Nanjing-Museum

Das Nanjing-Museum, unter dem Guomindang-Regime als Nationales Zentralmuseum bekannt, gehört zu den bedeutendsten Museen Chinas. Es zeigt unter anderem klassische Bronzen, Ton- und Jadewaren, Tuschmalerei, Ming- und Qing-Porzellan und Seidenkunst.

Weiter sind das Stadtmuseum, das Museum der Geschichte des Taiping-Königreichs, das Volkskunde-, das Stadtmauer- sowie ein Geologisches und ein Paläontologisches Museum zu nennen.

Die Jiangsu Kunstgalerie ist die größte der gesamten Provinz und bietet einen umfassenden Einblick in die traditionelle wie zeitgenössische Malerei. Spezielleren Themen widmen sich der Kunstgarten Rote Kammer sowie die Jinling Steingalerie.

Bibliotheken

Die 1937 gegründete Nanjing-Bibliothek ist mit 7 Mio. Bänden die drittgrößte Bibliothek des Landes. Die Universitätsbibliothek umfasst 4,2 Mio. Bände. Daneben gibt es die städtische Jinling-Bibliothek sowie verschiedene Stadtbezirks-Bibliotheken.

Festkalender

In alter Zeit gab es in der Stadt neben den allgemeinen chinesischen Festen eine Reihe lokaler Veranstaltungen: So pflegte man etwa am 16. Januar gemeinsam die Stadtmauer zu besteigen, am 3. März im Qingxi-Fluss zu baden oder am 9. September und an anderen speziellen Tagen in die Purpurberge zu wandern.

An ihre Stelle sind heute von der Regierung organisierte Veranstaltungen getreten. Das jährlich stattfindene Internationale Pflaumenblütenfest in den Pflaumenbergen etwa zieht tausende von Touristen aus dem In- und Ausland an. Weitere wichtige Events sind das Baima Pfirsichblüten- und Drachenfest, das Jiangxin Obstfest sowie das Osmanthusblütenfest im Linggu-Tempel.

Nachtleben

Das Nachtleben der Stadt konzentriert sich traditionell um den Konfuziustempel und die Gegend am Qinhuai-Fluss, wo sich Restaurants, Kneipen und Nachtmärkte aneinanderreihen. Berühmt sind auch die nächtlichen Bootsfahrten auf dem Qinhuai. Vor der Machtübernahme durch die Kommunisten blühte hier auch die gehobene Prostitution. In den letzten Jahren entstanden mehrere riesige, bis spät nachts geöffnete Shopping Malls insbesondere im Xinjiekou- Bezirk, an der Hunan-Straße sowie im neu angelegten Nanjing 1912-Bezirk.

Bildung

Schulen

Universität Nanjing

Die Universität Nanjing (chin.: 南京大学/南京大學 Nánjīng Dàxué; umgangssprachlich 南大 Nándà) reicht in ihren Ursprüngen bis ins Jahr 258 zurück. 1902 wurde sie in eine moderne Hochschule umgewandelt. Seither hat sie vielfach eine Vorreiterrolle im chinesische Bildungssystem eingenommen, etwa bei der Einführung der Koedukation wie auch der studentenzentrierter Lehrmethoden im Gegensatz zum traditionellen Frontalunterricht. Sie verfügt über Fakultäten für Architektur, Humanwissenschaften, Auslandsstudien, Naturwissenschaften, Chemie, Geowissenschaft, Technologie, Wirtschaftswissenschaft, Recht, Öffentliche Verwaltung, Politikwissenschaften, Journalismus, Medizin, Umwelt, Softwareentwicklung, Intensivbildung sowie Erziehung/Sport/Kunst. Spezielle Institute bieten darüber hinaus Ausbildungsgänge u.a. in Afrikanologie, Judaistik, Internationale Beziehungen, Anthropologie, Agrowissenschaft, Weltraumwissenschaft an.

Neben dem im Stadtzentrum gelegenen Gulou-Campus gibt es seit 1993 einen weiteren, den nach seinem Stadtbezirk benannten Pukou-Campus. Dort sind vor allem jüngere Studenten untergebracht. Zu den Ehrendoktoren der Universität Nanjing zählen u.a. François Mitterrand, Georges W. Bush, Bob Hawke, Boutros Ghali sowie Johannes Rau. Studiert hat dort u.a. der ehemalige Staatspräsident Jiang Zemin.

Weitere Universitäten

Nanjing ist ferner Sitz weiterer staatlicher Hochschulen, nämlich der Südost-Universität (东南大学 Dongnan Dàxué), der Hohai-Universität (河海大学 Héhǎi Dàxué), die Pädagogische Universität Nanjing (南京师范大学 Nánjīng Shīfàn Dàxué), zweier technischen Hochschulen (理工大学 Lǐgōng Dàxué bzw. 工业大学 Gōngyè Dàxué), einer Finanz- und Wirtschaftsuniversität (财经大学 Cáijīng Dàxué), einer Landwirtschaftshochschule (农业大学 Nóngyè Dàxué), einer Kunsthochschule (艺术学院 Yìshù Xuéyuàn), einer medizinischen Hochschule (医科大学 Yīkē Dàxué), der chinesischen Pharmahochschule (中国药科大学 Zhōngguó Yàokē Dàxué) sowie einer Luft- und Raumfahrtshochschule (航空航天大学 Hángkōng Hángtiān Dàxué).

Sehenswürdigkeiten

Nördliches Zentrum

In der Stadtmitte befindet sich ein Trommelturm (Gǔlóu 鼓) von 1382. In der Nähe steht ein Glockenpavillon (Dàzhōngtíng 大钟亭) aus dem 19. Jahrhundert, der einen im 17. Jahrhundert eingestürzten Vorgängerbau ersetzt. Die 23 Tonnen schwere Glocke stammt aus der frühen Ming-Dynastie.

 
Stadtmauer aus der Ming-Dynastie in Nanjing

Nordöstlich erstreckt sich der 395 ha große Schwarzer-Drachen-See (Xuánwǔhú 玄武湖), der seinen Namen einem angeblich im 5. Jahrhundert dort gesichteten schwarzen Tier, vermutlich einem Krokodil, verdankt. An seinem Ufer verlaufen Reste der Stadtmauer aus der Ming-Zeit; ursprünglich war sie 33 km lang, 12 m hoch und 8 m breit. Die fünf im See verteilten Inseln Yingzhou (Kirschbauminsel), Liangzhou (Balkeninsel), Huanzhou (Runde Insel), Lingzhou (Wasserkastanieninsel) und Cuizhou (Smaragdinsel) sind durch untereinander durch Dämme und Brücken verbunden.

Südlich davon befinden sich die meist kaum kniehohen Ruinen des einstigen Kaiserpalastes (Mìng Gùgōng 明故宫) aus der Ming-Zeit.

Südliches Zentrum

Die südliche Altstadt beherrscht der weitläufige Konfuziustempel (Fūzǐ Miào 夫子庙). Ursprünglich aus der Song-Dynastie stammend, musste er im Laufe der Jahrhunderte nach Zerstörungen mehrfach wieder aufgebaut werden, zuletzt nach der japanischen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg. Heute wird die wenig authentisch wirkende Anlage vor allem für Ausstellungen und Konzerte genutzt. In der Nähe ist noch eine kaiserliche Examensanstalt mit mehreren Reihen originalgetreu erhaltenen Prüflingszellen erhalten. Ein Stück südwestlich berichtet ein Museum vom Taiping-Aufstand.

Am Südrand der Altstadt in ein weiteres Stück historischer Stadtmauer mit dem Südtor zu sehen. Jenseits davon erstreckt sich die Blumenregenterrasse (Yǔhuātái 雨花台), ein sanft geschwungener Hügel mit einigen historischen Bauten. Der Legende nach soll dort einst ein buddhistischer Mönch so eindrucksvoll gepredigt haben, dass Blumen vom Himmel fielen. Heute ragt dort ein steinernes Mahnmal in den Himmel, das an die von Chiang Kai-sheks Truppen 1927 an den Kommunisten verübte Massaker erinnern soll.

In der westlichen Innenstadt schließlich steht der Palast der Himmelsverehrung (Cháotiān Gōng 朝天宫), der besterhaltene Konfuziustempel südlich des Yangzi. In seinen Anfängen reicht er bis in 5. Jahrhundert zurück, als Fürst Helu von Wu dort zwei berühmte Schwerter schmieden ließ. In der Ming-Dynastie wurde der Bau zu einer Audienzhalle des Kaiser umgewidmet. Heute dient der Tempel als Museum.

 
Mochouhu-Park

Der nahebei gelegene idyllische Mochouhu-Park (Mòchóuhú Gōngyuán 莫愁湖公园) verdankt seinen Namen einer für ihre Sangeskunst berühmte Frau aus dem 5. Jahrhundert, die von ihrem zudringlichen Nachbarn in den Selbstmord durch Ertränken getrieben wurde. Am Ufer des gleichnamigen Sees erinnert der Turm der verlorenen Schachpartie (Shèngqí Lóu 胜棋楼) an ein Spiel zwischen Kaiser Hongwu und seinem General Xu Da, bei dem letzterer als Siegespreis den Park gewann.

Ein Stück westlich gemahnt eine Gedenkstätte (Nánjīng dàtúshā Jìniànguǎn 南京大屠杀纪念館) mit einem kleinen Museum an das von den Japanern während des Zweiten Weltkriegs verübte Nanjing-Massaker, bei dem innerhalb weniger Wochen 350.000 Chinesen und damit die Hälfte der Einwohner der Stadt ermordet sowie etliche zigtausend Frauen vergewaltigt wurden.

Yangzi

 
Yangzi-Brücke; Blick Nordwest
 
Ming-Gräber, 19. Jh.

Die im Nordwesten der Stadt den Yangzi überspannende Auto- und Eisenbahnbrücke zählt mit einer Gesamtlänge von 6.772 m zu den größten Brücken Asiens. Sie wurde 1960-68 zum Stolz des chinesischen Volkes ganz ohne ausländische Hilfe erbaut. Ein Stück südlich erinnert ein kleines Museum an den 1842 geschlossenen Vertrag von Nanjing, der den Ersten Opiumkrieg beendete und für China ein Zeitalter halbkolonialer Abhängigkeit einläutete. Ein Stück yangziabwärts erhebt sich am Ufer der Schwalbenfels mit einem Pavillon, der eine Tafel mit der Originalkalligraphie Kaiser Qianlongs enthält.

Purpurberge

Im Osten der Stadt schließlich erstrecken sich die weitläufigen Purpurberge (Zǐjīnshān 紫金山). 392 Stufen führen zum pompösen, aus weißem Marmor erbauten Sun-Yat-sen-Mausoleum empor, in dem man des 1925 verstorbenen und 1929 hierher überführten Staatsgründers gedenkt. Ein Stück westlich liegt das Grab des ersten Ming-Kaisers Hongwu, der als einziger seiner Dynastie noch hier in Nanjing und nicht in der späteren Hauptstadt Peking begraben ist; nahebei eine „Geisterstraße“ mit Tierskulpturen. Den früher an dieser Stelle befindlichen buddhistischen Tempel des Geistertals (Línggǔsì 灵谷寺) hat man damals kurzerhand einige Kilometer nach Osten versetzt, wo er heute noch besichtigt werden kann. Auf einer Hügelkuppe im Westen der Purpurberge erhebt sich schließlich das kaiserliche Observatorium mit historischen astronomischen Instrumenten.

Die Maste der Jangtse-Freileitungskreuzung Nanjing sind die höchsten Betonmaste der Welt

Partnerstädte

Derzeit bestehen 15 Partnerschaften mit ausländischen Städten oder Regionen:

Literatur

Commons: Nanjing – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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