Der Palast der Republik ist ein Gebäude auf der Spreeinsel am Schloßplatz im Zentrum Berlins, das auf einem Teil des Geländes des Berliner Stadtschlosses errichtet wurde. Er beherbergte die Volkskammer der DDR und wurde des Weiteren als volksoffenes Kulturhaus genutzt. Die stadtplanerische Entwicklung des Berliner Schloßplatzes ist aufgrund der zentralen Lage des Platzes und der geschichtlichen Bedeutung von Schloss und Palast seit der Wiedervereinigung Gegenstand intensiver Diskussionen. Seit dem 6. Februar 2006 wird der Palast schrittweise abgetragen. Der Abriss soll Ende 2008 beendet sein.







Entstehung
Der Palast der Republik wurde am 23. April 1976 nach 32-monatiger Bauzeit feierlich eröffnet. Ab dem 25. April war er für die Öffentlichkeit zugänglich. Chefarchitekt war Heinz Graffunder, der zusammen mit Karl-Ernst Swora, Wolf-Rüdiger Eisentraut, Günter Kunert, Manfred Prasser und Heinz Aust arbeitete.
Der Palast wurde auf einem Teil des Geländes des im Zweiten Weltkrieg teilzerstörten und ausgebrannten Berliner Stadtschlosses gebaut, das im Jahr 1950 wegen Ablehnung der Rekonstruktion und Subventionierung eines „Symbols des preußischen Militarismus und Adels“ und wegen Finanz- und Baumittelknappheit in den Jahren nach Kriegsende gesprengt wurde. Nach dem Abriss wurde das Areal 23 Jahre als Fest- und Aufmarschplatz, Politikertribüne und Parkplatz genutzt.
Lage und Größe
Der Palast der Republik liegt an der Straße Unter den Linden, etwa gegenüber dem Lustgarten und dem Berliner Dom in der Nähe des Alexanderplatzes, direkt am Ufer des Spreekanals. Ganz in der Nähe befindet sich das ehemalige Staatsratsgebäude der DDR, in dem im Januar 2006 die European School of Management and Technology sowie die Hertie School of Governance ihre Arbeit aufgenommen haben. Hinter dem Palast der Republik befindet sich das Marx-Engels-Forum und der Berliner Fernsehturm. In der Nähe befindet sich auch der Sitz des Berliner Senats, das „Rote Rathaus“.
Das Gebäude hat die Form eines Quaders mit einer Länge von 180 m, einer Breite von 85 m und einer Höhe von 32 m. Die Höhe orientiert sich an der des benachbarten Marstalls und des Staatsratsgebäudes.
Nutzung
Dem Bau des Palastes der Republik liegt das Konzept eines Volksheimes oder Volkshauses zugrunde, das im 19. Jahrhundert vor allem von der sozialistischen Arbeiterbewegung verfochten und etwa in Belgien, Frankreich (Centre Georges Pompidou), den Niederlanden oder Schweden (Kulturhuset in Stockholm) zu umfangreichen Bauten führte. Vor allem in der frühen Sowjetunion wurden Kulturhäuser zu Symbolen der neuen Staatsmacht. In Deutschland bauten vor allem die Gewerkschaften solche Anlagen. In der DDR wurde die Aufgabe des Kulturhauses oder Kulturpalastes zu einer eigenständigen Richtung der Architekturtheorie. Die oft zu lesende Behauptung, der klassizistische Architekt Karl Friedrich Schinkel habe bereits solche Bauten geplant, ist hingegen nicht korrekt.
Der Palast der Republik zeigte sich vor allem mit seinen umfangreichen Foyers, den Restaurants, der Kegelbahn, aber auch mit dem Großen Saal für Veranstaltungen als Kulturpalast. Auf Grund des weitgehenden Fehlens ähnlicher Anlagen im Zentrum Ost-Berlins war ihm die Publikumsgunst sicher. Auftritte nationaler und internationaler Künstler wie beispielsweise Udo Lindenberg oder Harry Belafonte, ein eigenes kleines Theater im Palast (TiP) mit einer mobilen Studioregieanlage für Ton, Licht, Regie (Design: Jürgen Frenkel). Ausstellungen, Restaurants mit bevorzugter Belieferung, ein Eiscafé, eine Milchbar, eine Diskothek, ein auch sonntags geöffnetes Postamt, Bowlingbahnen, großformatige Gemälde von 16 prominenten DDR-Künstlern im Foyer (Willi Sitte, Walter Womacka, Wolfgang Mattheuer und andere unter dem Motto „Wenn Kommunisten träumen“), zahlreiche weitere Kunstwerke (wie zum Beispiel die oft gezeigte „Gläserne Blume“ der Magdeburger Künstler Reginald Richter und Richard Wilhelm) und aus Schweden importierter weißer Marmor machten aus diesem Bau etwas Einzigartiges.
Der kleine Saal des Palastes diente als Sitz der Volkskammer, des Parlaments der DDR. Der große Saal diente als Ort für große Kulturveranstaltungen. Er hatte die Form eines symmetrischen Sechsecks mit 67 Meter Breite und 18 Meter Höhe. Hubeinrichtungen ermöglichten verschiedene Höhen der Bühne für verschiedene Kongress- oder Konzertzwecke. Die Aktionsfläche war so von 170 bis 1000 Quadratmeter wandelbar. Sechs schwenkbare Parkettteile, absenkbare Deckenplafonds und flexible Trennwände ermöglichten eine äußerst variable Einrichtung und Bestuhlungen zwischen etwa 1000 und 4500 Plätzen. Wichtige repräsentative Nutzungen waren die 1976, 1981 und 1986 stattfindenden SED-Parteitage, auf deren Delegiertenzahl die Größe des Saals abgestimmt war.
Für den Palast der Republik gab es verschiedene satirische Bezeichnungen wie Palazzo (prozzo), Ballast der Republik oder Erichs Lampenladen. Letzterer spielte auf die zahllosen Leuchten der Foyerdeckenbeleuchtung und den Staats- und Parteichef Erich Honecker an. Diese niemals offiziell gebrauchten Bezeichnungen waren unter den Berlinern bekannt, gehörten aber nicht zum häufigen Sprachgebrauch. Ihre Herkunft ist umstritten und nicht belegt; Mutmaßungen dazu reichen vom Berliner Volksmund bis zur Westberliner Boulevardpresse.
Im Oktober 1983 wurde überraschend dem westdeutschen Rocksänger Udo Lindenberg ein Konzert im Palast der Republik vor ausgewähltem Publikum (FDJ) erlaubt, nachdem er in seinem Hit „Sonderzug nach Pankow“ darüber geklagt hatte, dass ihm Auftritte in der DDR versagt blieben. Die in Aussicht gestellte DDR-Tournee wurde dann aber doch nicht genehmigt.
Entwicklung ab 1990
1990 wurde der Palast wegen Asbestverseuchung geschlossen. Bereits zu seiner Bauzeit war davor gewarnt worden, die Stahlkonstruktion mit Spritzasbest gegen Feuer zu isolieren. Als nach der Wende absehbar war, dass europäische und bundesrepublikanische Arbeitsschutz- und Gesundheitsnormen auch für die DDR Geltung haben würden, wurde der Palast am 19. September 1990 auf Anweisung der Volkskammer geschlossen. Eine Sanierung wurde aus verschiedenen Gründen und offensichtlich auch unter politischem Einfluss nicht geplant.
Nach aufwendiger und kostenintensiver Asbestbeseitigung in den Jahren 1998 bis 2001 und mehreren Architekturwettbewerben zum Umgang mit dem historischen Schloss-Gelände beschloss der Bundestag 2003 den Abriss des Palastes sowie die zwischenzeitliche Anlage einer Grünfläche, bis einmal das so genannte Humboldt-Forum errichtet wird. Dieses soll die Museen außereuropäischer Kulturen (derzeit in Berlin-Dahlem), die Berliner Zentral- und Landesbibliothek und die wissenschaftshistorischen Sammlungen der Humboldt-Universität fassen.
Deren nicht der Spree zugewandten Fassaden sollen nach dem Vorbild der barocken Fassaden des 1950 gesprengten Berliner Schlosses rekonstruiert werden. Allerdings hat der Bundestag weder die Finanzierung des Humboldt-Forums, dessen Baukosten auf 590 Millionen Euro geschätzt werden, noch die eines Architekturwettbewerbs oder der Zwischennutzung abgesichert. Lediglich der Abriss des Palastes ist finanziert; er wird nach umstrittenen Planungen der Berliner Senatsbauverwaltung auf 20 Millionen Euro geschätzt, andere Zahlen gehen von bis zu 60 Millionen Euro aus. Im Frühjahr 2004 begann die so genannte Zwischennutzung des Palastes der Republik unter der Bezeichnung Volkspalast. Zu den vielfältigen Nutzungen gehörten Kunstausstellungen und Theateraufführungen, die im nur noch als Rohbau bestehenden Innenraum des Palastes mit Hilfe provisorischer Zuschauertribünen stattfanden. Für kurze Zeit bestand sogar die Möglichkeit, im teilweise gefluteten Palast eine Gondelfahrt zu machen.
Am 26. Januar 2005 installierte der norwegische Künstler Lars Ramberg auf dem Dach des Palastes mehr als 6 Meter hohe Neon-beleuchtete Buchstaben, die das Wort ZWEIFEL bilden. Der Schriftzug dient als Logo für das Projekt Palast des Zweifels. Ramberg wollte mit diesem Projekt die Diskussionen um den Palast fördern und mit dem Diskurs um verloren gegangene Utopien, dem Suchen nach neuen Perspektiven und Identitäten verbinden. Die Aktion lief bis zum 10. Mai 2005. Auf Betreiben des Künstlers wurde eine Abbildung des Palastes mit dem Schriftzug ZWEIFEL mit der Begründung, es liege eine Urheberrechtsverletzung vor, aus der Ausstellung ZeitSchichten – Erkennen und Erhalten – Denkmalpflege in Deutschland in Dresden (Juni bis November 2005) genommen, die sich unter anderem mit den denkmalpflegerischen Aspekten der Diskussion um den Abriss des Palastes auseinandersetzt. Der Künstler wurde vor der Ausstellung weder um seine Zustimmung gebeten, noch darüber informiert, dass ein Bild seines Kunstwerkes als Teil einer Installation verwendet werden würde.
Mit der Ausstellung „Fraktale“ entstand genau in der Mitte des Palastes ein großer weißer Raum, der zum Leitbild der neuen künstlerischen Nutzung des Palastes werden könnte. Die Ausstellung „White Cube Berlin“ versuchte, anhand dieses Raumes mit international renommierten Künstlern diese neue Nutzung den Abrissplänen entgegenzustellen. Die Ausstellung und den Prozess des Aufbaus vom White Cube hat der Dokumentarfilm „AltlastPalast“ dokumentiert. Im Dezember 2005 wurde in Berlin eine Stiftung für den Erhalt des Palastes der Republik gegründet.
Demontage
Die Demontage des Palastes der Republik verschob sich immer wieder. Am 19. Januar 2006 beschloss der Deutsche Bundestag, Anträgen der Grünen und der Linkspartei zur Verschiebung des Abrisses bzw. zur Erhaltung des Bauwerks nicht stattzugeben.
Nach Terminen im Frühjahr 2005 und im Oktober 2005 wird das Gebäude seit Februar 2006 langsam zurückgebaut. Von einer Sprengung des Gebäudes wurde abgesehen, weil Beschädigungen umliegender Gebäude durch den Auftrieb der Bodenwanne und das dadurch bedingte Absinken des Grundwasserspiegels befürchtet wurden. Stattdessen wird das abgetragene Material gemessen und im gleichen Maß dann mit Wasser versetzter Sand in die Bodenwanne geleitet.
Die Abrissarbeiten sollten ursprünglich Mitte 2007 abgeschlossen sein. Nachdem im Laufe der Arbeiten an mehreren Stellen neues Asbest gefunden wurde und sich der Abriss dadurch stark verlangsamte, wird mit Ende 2008 als frühestes Ende kalkuliert. Die Zusatzkosten in Höhe von bislang 9,9 Mio. Euro muss der Bund übernehmen.[1]
Nach der vollständigen Abtragung soll vorübergehend eine Grünfläche über der verbleibenden Bodenwanne entstehen. Diskutiert wird auch eine Zwischennutzung der Fläche durch eine temporäre Kunsthalle.
Dokumentarfilm
„Altlastpalast“ ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2006 von Irina Enders. Er dokumentiert die letzten sechs Monate im Leben des Palastes der Republik, die Diskussion um den Abriss in Berlin, die Entstehung der Fraktale-Ausstellung zum Thema „Tod“ im Palast und die Debatte zum Schlosswiederaufbau. Der kontroverse Film wirft vor allem die Frage auf, wie man hierzulande insgesamt mit der jungen deutschen Geschichte umgeht - Abriss, Schleifung und Tod statt Toleranz, Dialog und Offenheit. Der Film beinhaltet auch die letzten Innen- und Luftaufnahmen vom Palast vor seinem Abriss, der im Februar 2006 begonnen hat.
Literatur
- Martin Beerbaum, Heinz Graffunder, Gerhard Murza: Der Palast der Republik. Seemann Verlag, Leipzig 1979
- Thomas Beutelschmidt, Julia M. Novak: Ein Palast und seine Republik – Ort, Architektur, Programm. Verlag Bauwesen, Berlin 2001. ISBN 3345007657
- Anke Kuhrmann: Der Palast der Republik. Geschichte und Bedeutung des Ost-Berliner Parlaments- und Kulturhauses. Dr. Michael Imhof-Verlag. Petersberg 2006.
- Philipp Misselwitz, Hans Ulrich Obrist, Philipp Oswalt: Fun Palace 200X. Der Berliner Schlossplatz. Abriss, Neubau oder grüne Wiese. Martin Schmitz Verlag Berlin 2005
- Zwischennutzung des Palast der Republik, Bilanz einer Transformation 2003 ff, Hrsg. von ZwischenPalastNutzung, Bündnis für den Palast, Urban Cataylst, Berlin 2005
Weblinks
- Vorlage:IMDb Titel
- Bilder und Geschichte des Palastes
- Berlins Palast der Republik, Symbol des deutschen Umgangs mit Geschichte, wird 25 Jahre alt in Die Zeit, 14/2001
- Ausführliche Beschreibungen des Palast-Inneren
- Abschlussdokumentation von 1975, Grundrisse
- Bündnis für den Palast
- Ausstellung white cube berlin
- Einige Hörfunk-Features über den Abriss des Palastes, gesendet in NDR Info, SR2 Kultur, SWR2 und Deutschlandradio Kultur
Bilderserien: