Großer Emu

Art der Gattung Emus (Dromaius)
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Der Große Emu (Dromaius novaehollandiae) ist eine flugunfähige Vogelart aus der Ordnung der Laufvögel (Struthioniformes) und die einzige überlebende Art der Familie der Emus (Dromaiidae). Es ist die größte Vogelart der Fauna Australiens und nach dem Afrikanischen Strauß der größte Vertreter der Laufvögel.

Großer Emu
Großer Emu (Dromaius novaehollandiae)
Vorlage:Taxonomy
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Urkiefervögel (Palaeognathae)
Ordnung: Laufvögel (Struthioniformes)
Familie: Emus (Dromaiidae)
Gattung: Emus (Dromaius)
Art: Großer Emu
Wissenschaftlicher Name
Dromaius novaehollandiae
Latham, 1790

In Australien sind Emus nach wie vor häufige Vögel und kommen fast überall auf dem australischem Kontinent vor. Selten ist diese Vogelart lediglich in Regionen, die der Mensch dicht besiedelt, sowie Gebiete mit sehr dichtem Wald und sehr trockene Regionen. Während an der dichter besiedelten Ostküste Australiens die Bestandszahlen zurückgingen, hat der Emu sein Verbreitungsgebiet im Landesinneren weiter ausgedehnt. Die Art profitiert dabei von den Wasserstellen, die australische Landwirte für ihr Vieh angelegt haben.

Lange Wegstrecken legen Emus in einem gleichmäßig schnellen und kraftsparendem Trott zurück. Ihre maximale Laufgeschwindigkeit liegt bei 50 Kilometer pro Stunde, die sie über einige Distanz einhalten können [1]. Emus sind opportunistische Zugvögel, die lange Wanderungen unternehmen, um geeignete Nahrungsgründe zu finden. Ihre Nahrung besteht aus einer Reihe unterschiedlicher Pflanzen und Insekten. Heute werden sie wegen ihres Fleisches, ihrer Haut und ihrem Körperöl gelegentlich auf Farmen gezüchtet.

Der Name

Emus wurden das erste Mal in Arthur Phillips Reisebeschreibung Voyage to Botany Bay beschrieben, die 1789 erschien [2]. Phillip bezeichnete sie noch als „Neu-Holland Kasuare“. Ihre wissenschaftliche Bezeichnung erhielt diese Vogelart von dem Ornithologen John Latham, der eine Reihe australischer Vogelarten das erste Mal beschrieb und unter anderem auch an Phillips Buch mitarbeitete. Übersetzt bedeutet der wissenschaftliche Artname „schnellfüßige Neu-Holländer“.

Die Herkunft der in vielen Sprachen gebräuchlichen Bezeichnung „Emu“ ist dagegen unbekannt. Vermutet wird, dass der Name "Emu" sich von einem arabischen Begriff für große Vögel ableitet. Portugiesische Entdecker haben so ursprünglich in Neuguinea die mit dem Emu verwandten Kasuare genannt. Später wurde der Name auf diese Art übertragen.

Merkmale

 
Kopfstudie eines Emus

Emus erreichen eine Körperhöhe zwischen 150 bis 190 Zentimeter. Ihre Schulterhöhe liegt bei 1 bis 1,3 Meter. Mit einem Gewicht zwischen 30 und 45 Kilogramm sind sie trotz der größeren Körpergröße etwas leichter als Helmkasuare. Der weitgehend unbefiederte Hals und die Beine sind lang. Von den Flügeln sind nur noch rudimentäre Stummel vorhanden. Ihre Länge beträgt lediglich 20 Zentimeter.

Die kräftigen Beine des Emus enden in drei Zehen, die nach vorne gerichtet sind. Diese Zehenstellung findet sich auch bei anderen, sich überwiegend auf dem Boden fortbewegenden Vogelarten wie etwa Wachteln. Der Afrikanische Strauß weist sogar nur zwei Zehen auf. Eine stark entwickelte Beckenmuskulatur ermöglicht die hohe Laufgeschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde, die Emus erreichen können. Der Anteil der Beckenmuskulatur am Gesamtgewicht eines Emus entspricht dabei dem Verhältnis der Flugmuskulatur zum Körpergewicht bei einem flugfähigen Vogel [3]. Der Emu ist außerdem die einzige Vogelart, die auf der Rückseite der Unterschenkel den Musculus gastrocnemius, den Zweiköpfigen Wadenmuskel, aufweist.

Das grau-braune, zottelig wirkende Gefieder der Emus ist nach der Mauser dunkel, hellt sich aber mit der Zeit durch Bleichung ins Braune auf. Neben der Primärfeder entwickeln Emus eine Sekundär- oder Afterfeder, die an der Basis der Hauptfeder ansetzt und ebenso lang wie diese ist. Die Sonneneinstrahlung wird von den äußeren Federn des Gefieders absorbiert, während der lockere Aufbau des Gefieders die Haut isoliert. Diese Anpassung erlaubt den Vögeln auch während der heißen Tageszeiten aktiv zu sein.

Das Gefieder der Brust ist meist deutlich heller gefärbt als das übrige Körpergefieder. Hals und Kopf sind gewöhnlich sehr dunkel, meist sogar schwarz gefärbt. Auf der linken und rechten Halsseite befinden sich oft zwei ca. 15 bis 20 cm lange und 3 bis 4 cm breite weiße Streifen.

Männchen und Weibchen sehen einander sehr ähnlich; im Schnitt sind Weibchen etwas größer, schwerer und dunkler als Männchen. Die Jungtiere sind zur Tarnung längsseitig schwarzweiß gestreift, der Kopf schwarzweiß gesprenkelt. Der Schnabel ist sehr dunkel und zur Spitze hin leicht gekrümmt.

Stimme

Verbreitet sind Grunz- und Zischlaute, adulte Tiere können durch eine Verbindung von Luftröhre und Halsluftsäcken letztere als Resonanzkammer nutzen und tiefe, durchdringende, dröhnende Laute von sich geben. Ihre Rufe können bis zu zwei Kilometer weit gehört werden.

Am stimmfreudigsten sind Emus zur Fortpflanzungszeit, während sie außerhalb dieser meistens still sind.

Verbreitung, Unterarten und Lebensraum

 
Verbreitung auf dem australischen Kontinent

Emus sind in nahezu ganz Australien verbreitet. Im dicht bewaldeten hohen Norden sowie entlang der von Menschen dicht besiedelten Ostküste findet man sie allerdings recht selten. Auf Tasmanien wurde die dortige Unterart des Großen Emus im 19. Jahrhundert ausgerottet. Der Große Emu wurde durch den Menschen auch auf der Känguru-Insel sowie Maria Island in der Nähe der tasmanischen Küste eingeführt, wo ursprünglich eine andere, heute ausgestorbene Emu-Art heimisch gewesen war.

In dem großen Verbreitungsgebiet werden drei Unterarten unterschieden:

  • Im Südosten Australiens kommt Dromaius novaehollandiae novaehollandiae vor. Sie ist die Nominatform dieser Vogelart und unterscheidet sich von den anderen Unterarten durch eine weiße Halskrause, die während der Fortpflanzungsperiode gezeigt wird.
  • Im Norden kommt die Unterart D. n. woodward vor, die etwas zierlicher als die Nominatform ist und ein helleres Gefieder aufweist.
  • D. n. rothschildi hat von allen Unterarten das dunkelste Gefieder und kommt im Südwesten Australiens vor.

Den Lebensraum der Emus bilden Eukalyptuswälder, offene Pflanzungen, Heideland, seltener trockene Ebenen oder gar Wüsten, die sie nur nach heftigen Regenfällen und dem dadurch bedingten großen Nahrungsangebot an Früchten und Beeren aufsuchen. Emus fehlen im Tropischen Regenwald, in dem der Helmkasuar heimisch ist.

Bestand

Vor der Besiedlung Australiens durch Europäer kamen insgesamt drei Emu-Arten in Australien vor. „Dromaius baudinianus“ und „D. ater“ starben kurz nach Ankunft der ersten Europäer aus. Auf Tasmanien wurde die dort vorkommende Unterart des Großen Emus etwa um 1865 ausgerottet. John Gould bedauert in seinem bereits 1865 erschienenem Buch „Handbook to the Birds of Australia“ nicht nur das Verschwinden der tasmanischen Unterart, sondern auch den Rückgang des Großen Emus rund um Sydney. Er schlug damals schon die Unterschutzstellung dieser Vogelart vor [4]. Bejagt wurde der Große Emu allerdings bis in die 1960er Jahre. Heute ist er durch den „Environment Protection and Biodiversity Conservation Act 1999“ unter Schutz gestellt.

Trotz der früher üblichen Bejagung hat der Große Emu von der Zunahme landwirtschaftlicher Fläche in den letzten zwei Jahrhunderten profitiert: das ursprünglich für Schafe geschaffene vergrößerte Wasserangebot hat zu einer deutlichen Ausweitung der Brutgebiete geführt. Vermutet wird, dass die heutige Population größer ist als die vor der europäischen Besiedlung. Die Bestandszahlen variieren jedoch und sind abhängig von den Niederschlagsmengen. Geschätzt wird, dass zwischen 625.000 und 725.000 Vögel in Australien leben. Etwa 100.000 bis 200.000 Vögel sind im westlichen Australien zu finden. Die übrige Population kommt in New South Wales und Queensland vor. Einzelne kleine Populationen müssen jedoch als bedroht angesehen werden. In den Regionen, in denen nur noch wenige Emus leben und die so isoliert sind, dass aus der übrigen Population keine Vögel nachwandern, tragen weitergehende Veränderungen ihres Lebensraum sowie Straßenunfälle zur Gefährdung des Fortbestands dieser Individualpopulation bei. Die Landesregierung von New South Wales hat deshalb die isolierten Populationen der New South Wales North Coast Bioregion und von Port Stephens als gefährdet eingestuft.

Lebensweise

Aktivität

Den größten Teil des Tages verbringen Emus mit Fressen. Sie sind tagaktive Vögel, deren größte Aktivität auf die Morgen- und Abenddämmerung fällt. An heißen Sommertagen ruhen sie während der Mittagshitze im Schatten. Dann heben sie ihre Stummelflügel an und verschaffen sich so etwas Kühle. An sehr heißen Tagen halten Emus ihre Körpertemperatur, in dem sie hecheln. Anders als bei vielen anderen Tierarten scheint das dadurch bedingte niedrige Niveau an Kohlendioxid im Blut bei ihnen keine Alkalosis zu verursachen [5]. Bei der normalen Atmung wird die eingeatmete Luft durch die Nasenpassage geführt. Die Luft wird durch angewärmt, bevor sie die Lungen erreicht. Bei der Ausatmung wird hier der Atemluft die Feuchtigkeit entzogen und absorbiert [6].

In der Regel sind Emus Einzelgänger oder treten in Paaren auf. Nur auf Wanderungen oder an Tränken kommen sie zu kleinen Gruppen zusammen, die sich schnell wieder auflösen. Kommen zwei Emus einander zu nah, zeigt der dominante Vogel dies durch Vorstrecken des Halses und einen Knurrlaut an; meistens nimmt einer der Vögel dann wieder Abstand, gelegentlich kommt es aber auch zu Aggressionen in Form von Picken oder Treten.

Ernährung

 
Großer Emu

Emus zählen zu den größten Pflanzenfressern Australiens und fressen Nahrung mit vergleichsweise hohem Nährwert. Genutzt werden dabei sowohl ursprünglich in Australien einheimische Pflanzen als auch durch Europäer hier eingeführte. Jüngere Tiere ernähren sich stärker carnivor und nehmen neben pflanzlicher Nahrung verstärkt Raupen, Heuschrecken und andere WirbelloseTiere zu sich, während ältere vorwiegend Früchte, Beeren, Samen, Blüten, junge Pflanzenschösslinge, frisches Gras und Kräuter fressen. Die Nahrungszusammensetzung schwankt dabei in Abhängigkeit von der Jahreszeit. Bei Emus in Westaustralien konnte nachgewiesen werden, dass sie bis zum Regen bevorzugt Samen von Acacia aneura fressen. Nach dem Niederschlag bevorzugen sie Grassschösslinge und Raupen. Im australischen Winter besteht ihre Nahrung überwiegend aus den Blättern und Samen von Cassia. Im Frühling sind Hauptbestandteil der Nahrung Heuschrecken und Quandong Früchte [7]. Es wird angenommen, dass Emus einen erheblichen Beitrag bei der Verbreitung pflanzlicher Diasporen leisten und damit einen Einfluss auf die Erhaltung der australischen Biodiversität haben [8].

Zur besseren Zerkleinerung der Nahrung im Muskelmagen nehmen sie oft kleinere Steinchen (Gastrolithen), manchmal auch Holzkohle auf. Als Vorsorge gegen schlechtere Zeiten können die Vögel große Fettreserven anlegen; in Notzeiten können sie mehr als die Hälfte ihres Gewichtes verlieren. Emus haben einen hohen Wasserbedarf und müssen nahezu täglich trinken. Sowohl der Ausfall ihrer Nahrungsquellen als auch Wasserknappheit können somit zu den, von australischen Farmern gefürchteten, Massenwanderungen führen.

Massenwanderungen

Von brütenden Männchen abgesehen, die zu dieser Zeit weder Nahrung noch Wasser zu sich nehmen und daher relativ unabhängig vom lokalen Nahrungsangebot sind, sind Emus nicht ortsgebunden, sondern ziehen bei Erschöpfung ihrer Nahrungsquellen in neue Gebiete. Diese Züge orientieren sich an der Großwetterlage, insbesondere am Zug von Regenfronten: Im Sommer bewegen sich Regen bringende Tiefdruckgebiete von der Nordküste nach Süden und Westen, im Winter ziehen antarktische Tiefdruckgebiete aus dem Südwesten nach Norden. Daher kommt es zumindest im Westen Australiens regelmäßig zu Wanderungen, an denen sich bis zu 70.000 Tiere beteiligen können.

Normalerweise leben Emus einzelgängerisch, aber bei Nahrungsknappheit kommt es immer wieder zu Begegnungen mit anderen Emus, die ebenfalls auf Nahrungssuche sind. Durch die sich häufenden Kontakte wird schließlich die Wanderung ausgelöst. Die Zugrichtung wird vermutlich durch die Sichtung auf Regen hindeutender Wolken, die Wahrnehmung entfernten Donnergrollens oder den Geruch nasser Erde bestimmt. Einmal begonnen folgen die Tiere dem Herdentrieb, das bedeutet, dass sich alle Tiere mit einer Geschwindigkeit von bis zu 7 km/h in dieselbe Richtung bewegen. Der Zug löst sich erst auf, wenn er Gebiete mit reichem Nahrungsangebot erreicht; in diesem Fall beginnt das Auseinanderbrechen von hinten, wo sich zunehmend Tiere ablösen, um die vorhandenen Ressourcen für sich zu nutzen.

Wahrscheinlich sind die Wanderungen wenigstens zum Teil durch den Menschen und das durch ihn geschaffene erweiterte Wasserangebot verursacht. Gegenden, die früher für den Emu zu trocken waren, wurden so teilweise sogar als Brutgebiet zugänglich. Dadurch hat sich die ziehende Individuenzahl teils massiv erhöht.

Fortpflanzung

 
Junger Emu

Emus paaren sich in den australischen Sommermonaten Dezember und Januar. Die Männchen zeigen in dieser Zeit ein ausgeprägtes territoriales Verhalten und verteidigen ein Revier von etwa 30 km². Wenn ein Weibchen das Revier betritt, kommt es zur Balz. Dabei stehen die Vögel nebeneinander und schwenken gleichzeitig ihre Hälse hin und her. Schließlich setzt sich das Weibchen, und das Männchen greift von hinten mit dem Schnabel nach seinem Nacken. Dann kommt es zur Kopulation. Die Vögel verpaaren sich alle ein bis zwei Tage und das Weibchen legt jeden zweiten oder dritten Tag ein zwischen 700 und 900 Gramm schweres Ei.

Das Paar lebt vier bis fünf Monate zusammen, ehe das Weibchen zwischen April und Juni etwa 5 bis 15 zunächst dunkelgrüne, später nahezu schwarze Eier in das aus kleinen Stöcken, Blättern, Gras und Rinde gebaute und oft unter Büschen oder Bäumen angelegte Nest legt. Danach übernimmt jedoch das Männchen das Brutgeschäft. In seltenen Fällen bleibt das Weibchen in der Nähe des Geleges und verteidigt das Revier. Typischer ist, dass das Weibchen trotz der anfänglichen Paarbindung in das Revier eines anderen Männchens weiterwandert, sich dort erneut verpaart und Eier in ein Gemeinschaftsnest legt. Bei etwa der Hälfte der Küken, die ein Männchen ausbrütet, ist er nicht Vater [9]. In Jahren mit einem hohen Nahrungsangebot kann ein Weibchen bis zu drei Gelege legen.

Während der achtwöchigen Brutzeit nimmt das Männchen keine Nahrung zu sich und trinkt nicht. Es steht nur auf, um die Eier regelmäßig zu wenden, was etwa 10 Mal am Tag vorkommt. In dieser Zeit überlebt das Männchen nur dank seines gespeicherten Körperfetts und nimmt an Flüssigkeit nur das auf, was er als Morgentau vom Nest aus erreichen kann. Nach dem Schlüpfen der Jungen wird das Männchen hochaggressiv und kann zu dieser Zeit auch Menschen oder das im Revier verbliebene Weibchen angreifen.

Die Jungen können nach etwa fünf Stunden laufen, und nach sieben Tagen verlassen sie gemeinsam mit dem Männchen das Nest. Frisch geschlüpfte Junge haben bereits eine Körperhöhe von 25 Zentimeter. Das charakteristische, gestreifte Federkleid weisen sie für einen Zeitraum von etwa drei Monaten auf. Die Bindung zwischen dem Männchen und den Jungen des Geleges ist für sechs Monate sehr eng. In seltenen Fällen besteht sie bis zu 18 Monate. Emu-Küken sind durch Dingos und Greifvögel gefährdet, denen sie zum Opfer fallen können, wenn sie sich zu weit vom Männchen entfernen. Gefährdet sind sie außerdem durch eine Reihe von Menschen eingeführter Tiere. Sowohl die nicht in Australien beheimateten Füchse, Haushunde und verwilderte Schweine stellen ebenfalls eine Gefahr für den Emu-Nachwuchs dar.

Ausgewachsen sind die Jungvögel nach 12 bis 14 Monaten. Ihre Geschlechtsreife erreichen sie im zweiten bis dritten Lebensjahr. In der Wildnis liegt ihre Lebenserwartung bei 10 bis 20 Jahren. In Gefangenschaft gehaltene Vögel können jedoch deutlich älter werden.

Emus und der Mensch

Der Emu als traditionelle Jagdbeute

Emus waren eine der Nahrungsquellen sowohl der Ureinwohner Australiens, den Aborigines wie auch der frühen europäischen Siedler.

Aborigines nutzten eine Reihe unterschiedlicher Techniken, um Emus zu jagen. Sie erlegten sie beispielsweise an Wasserlöchern mit Speeren oder vergifteten die von Emus genutzten Wasserlöcher. Emus wurden außerdem in Netzen gefangen. Angelockt wurden Emus, in dem die Aborigines ihre Rufe nachahmten oder einen Ball aus Federn und Lumpen, der von Ferne der Körperkontur eines Emus glich, von einem Baum hängten. Das aus den Fettreserven gewonnene Öl wurde von den Aborigines als Gleitmittel, Wundheilmittel und als Entzündungshemmung bei rheumatischer Arthritis eingesetzt. Vermischt mit Ocker wurde es für die traditionelle Körperbemalung verwendet. Mit dem Öl wurden außerdem die traditionellen hölzernen Werkzeuge gepflegt.

Europäische Siedler jagten Emus ebenfalls zur Nahrungsgewinnung. Ein wesentlicher Grund für die Jagd auf Emus war jedoch der Schutz des Farmlandes, wenn die Vögel während einer Dürreperiode auf der Suche nach Wasser und Nahrung auch auf landwirtschaftlich genutzte Flächen vordrangen.

Der Emu-Krieg von 1932

Der sogenannte Emukrieg ist das bekannteste Beispiel für den Versuch, landwirtschaftliche Flächen während einer Massenwanderung von Emus zu schützen. Während der heißen Sommermonate wanderte eine große Anzahl von Emus in die Region von Campion, Westaustralien ein. Die Massenansammlung der Vögel verunsicherte nicht nur die Stadteinwohner von Campion, sondern gefährdete auch die Weizenfelder. Die australische Regierung wollte daher durch den Einsatz von mit Maschinengewehren bewaffnetem Militär die Vögel reduzieren. Dieser Versuch schlug jedoch nahezu vollständig fehl. Mit den ersten Maschinengewehrsalven stoben die Vögel meist sofort mit einer Fluchtgeschwindigkeit von bis zu 50 km/h auseinander. Nur wenige Vögel wurden von einer vollen Salve getroffen. Die meisten anderen, oft von mehreren Kugeln getroffen, liefen jedoch scheinbar unbeirrt weiter. Nach einer Woche wurde der Einsatz der Militärs abgebrochen. Nur zwölf Emus waren in diesem Einsatz getötet worden.

Der Schaden, den ein Masseneinfall von Emus in landwirtschaftlichen Gebieten anrichten kann, ist so hoch, dass heute im Südwesten Australiens ein 1.000 Kilometer langer Zaun existiert, um die Emus fern zu halten.

Heutige Nutzung

 
Auf einer Zuchtfarm gehaltene Emus während der Fütterung

Die kommerzielle Emu-Zucht begann 1987 in Westaustralien. Die ersten Tiere wurden 1990 geschlachtet. Das Fleisch ist fettarm und zart und am ehesten mit Rindfleisch zu vergleichen. Es wird in Australien meist als Grillwurst und Emu-Burger verarbeitet. Daneben werden auch die Eier genutzt, aus der Haut Leder hergestellt und nach wie vor wird aus den Fettreserven der Tiere Öl gewonnen. Das Öl wird in Kosmetika und bestimmten Naturheilprodukten verarbeitet. Das Emuleder hat ein auffällig genarbte Oberfläche. Meist wird es mit anderen Ledern gemeinsam für kleinere Gegenstände wie Brieftaschen und Schuhen verarbeitet. Die Federn und Eier werden häufig im Kunsthandwerk verarbeitet.

Für die kommerzielle Haltung werden keine wildlebenden Emus eingefangen, sondern nur in Gefangenschaft gezüchtete Tiere verwendet. Bis auf Tasmanien verlangen alle australischen Bundesstaaten eine Lizenz für die Haltung von Emus.

Emus werden nicht nur in Australien kommerziell gezüchtet. Weit verbreitet ist die Zucht in Nordamerika. Etwa 1 Million Emus werden in den USA gehalten. Eine Bedeutung in der Emuzucht haben außerdem Peru und China.

Emus vermehren sich sehr gut in Gefangenschaft. Sie müssen in großen, offenen Gehegen gehalten werden, da eine zu geringe Bewegungsfreiheit bei ihnen zu Bein- und Verdauungsproblemen führt. Gefüttert werden die Vögel normalerweise zwei Mal täglich mit Getreide, das mit Grünfütterung ergänzt wird. Nach 50 bis 70 Wochen haben die Tiere ihr Schlachtalter erreicht.

Kulturelle Bedeutung

Die Bedeutung der Emu im Leben der Aborigines spiegelt sich auch in ihrer Mythologie und ihrer traditionellen Kunst wieder. So finden sich im nördlichen Queensland auf der Cape York Halbinsel Felsenzeichnungen, die Emus darstellen. Einige dieser Felsenzeichnungen werden auf ein Alter von 15.000 Jahren geschätzt [10]. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Mythen rund um diese Vogelart. Die Yuwaalaraay und andere Gruppen in New South Wales führen die Entstehung der Erde auf ein Emu-Ei zurück, dass in den Himmel geworfen wurde. Der „Kurdaitcha Man“, von dem die Mythen der Aborigines-Stämme in Zentralaustralien berichten, trägt Sandalen aus Emufedern, um seine Fußspuren zu verwischen.

Der Emu gilt inoffiziell als der Nationalvogel Australiens. Gemeinsam mit dem Roten Känguru erscheint es als einer der Schildträger auf dem Wappen Australiens. Auch die australische 50 Cent-Münze zeigt diese Vogelart. Zahlreiche australische Briefmarken bilden den Emu ab. Die Hüte einer früheren australischen Reiterbrigarde war ebenfalls mit Emufedern geschmückt.

Etwa 600 australische Lokationen verweisen mit ihrem Namen auf den Vogel. Dazu zählen Berge, Seen, Flussläufe und Städte. Auch eine Reihe von Produkten wurde nach diesem Vogel benannt – dazu zählen unter anderem Biersorten. So kann man in Australien Emu Bitter, Emu Export und Emu Draft trinken. Emu – Austral Ornithology ist die Bezeichnung der vierteljährlichen erscheinenden Publikation der Royal Australasian Ornithologists Union. Der britische Unterhaltungskünstler Rod Hull, der gelegentlich auch im deutschen Fernsehen zu sehen war, trat mit einer Emu-Handpuppe auf. Zu den bekanntesten Kinderbüchern, die sich mit diesem Vogel beschäftigen, gehören die beiden Bilderbücher Edward the Emu und Edwina the Emu von Sheena Knowles, die von dem Leben einer Emufamilie erzählen. In der Simpson-Episode Lard of the Dance (Episode 5F20) ermutigt Marge den niedergeschlagenen Homer eine Emu-Farm zu gründen und schuf damit eine zumindest im englischen Sprachgebrauch zeitweilig häufig zu hörende Redewendung.

Quellen

Fußnoten

Der Artikel ist stellenweise eine Übersetzung des Artikels der englischen Wikipedia in der Fassung vom 8. Dezember 2006

  1. S. J. J. F. Davies: Emus, Australian Natural Historiy, Band 14, 1963, S. 225 – 229
  2. J. Gould: Handbook to the birdsof Australia“, Band 2, 1865, Nachdruck der Landsdowne Presse 1972
  3. Patak, 1998, S. 23 – 37
  4. Davies, S. 225 – 229
  5. Maloney, 1994, S. 464 – 472
  6. Maloney, 1998, S. 712 – 719
  7. Davies, S. 225 – 229
  8. McGrath, S. 248 – 252
  9. Taylor, S. 359 – 364
  10. Wally Caruana: Aboriginal Art, Thames and Hudson, London 1996, ISBN 0-500-20264-8

Allgemeine Literatur

  • Josep del Hoyo et al.: Handbook of the Birds of the World, Band 1 (Ostrich to Ducks). Lynx Edicions, 1992, ISBN 8487334105
  • S. J. J. F. Davies: Emus, Australian Natural Historiy, Band 14, 1963, S. 225 - 229

Fachaufsätze

  • A.E. Patak und J. Baldwing: Pelvic limb musculature in the emu Dromaius novaehollandiae: Adaption to high-speed running Journal of Morphology 238, 1998, S. 23 – 37
  • S.K. Maloney und T. J. Dawson: The heat load from solar radiation on a large, diurnally active bird, the emu (Dromaius novaehollandiae) , Journal of Thermal Biology 20, 1995, S. 381 – 387
  • S. K. Maloney und T. J. Dawson: Thermoregulation in a large bird, the emu (Dromaius novaehollandiae) , Comparative Biochemistry and Physiology, Biochemical Systematic and Environmental Physiology, 164, 1994, S. 464 - 472
  • S. K. Maloney und T. J. Dawson: Ventilatory accommodation of oxyben demand and respiratory water loss in a large bird, the emu (Dromaius novaehollandiae), and a re-examination of ventilatory allometry for birds. Physiological Zoology 71, 1998, S. 712 – 719
  • E. L. Taylor et al.: Genetic evidence for mixed parentage in nests of the emu (Dromaius novaehollandiae) , Behavioural Ecology and Sociobiology 47, 2000, S. 359 – 364.
  • R. J. McGrath und D. Bass: Seed dispersal by Emus on the New South Wales north-east coast, Emu 99, 1999, S. 248 - 252
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