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Church of Satan

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Datei:Seal of baphomet.svg
Das Siegel des Baphomet ist das offizielle Siegel der Church of Satan

Die Church of Satan (CoS) wurde offiziell am 30. April 1966 von Anton Szandor LaVey in San Francisco gegründet. Diese internationale Organisation ist in den USA offiziell als Kirche anerkannt, verzichtet jedoch auf die ihr rechtlich zustehende Steuerbefreiung. Die Church of Satan repräsentiert jenen Satanismus, wie er 1969 durch LaVeys „Satanic Bible“ kodifiziert wurde. Ihr Sitz befindet sich mittlerweile in New York City.

Übersicht

Die Church of Satan ist zentralistisch organisiert. Ihre Leitung (der „Order of the Trapezoid“) setzt sich aus den beiden Hohepriestern (jeweils ein Mann und eine Frau) und dem Entscheidungsgremium der „Council of Nine“ zusammen. Mitgliedschaften in der CoS können entweder passiv oder aktiv sein. Aktive Mitglieder können sich entweder als Medienrepräsentanten (so genannte „Agents“) engagieren oder einer „Grotte“ beitreten.

Die sogenannten „Grotten“ sind lokale Interessengruppen der Church of Satan. Einige Grotten treten öffentlich auf und verfügen sogar über eigene Homepages, andere ziehen es vor, im Verborgenen zu operieren. Der Leiter einer Grotte ist öffentlich lediglich dazu autorisiert, sich im Namen seiner Grotte, nicht aber im Namen der Church of Satan zu äußern. Die einzelnen Grotten haben keine zwingende Verbindung außer dem gemeinsamen Bekenntnis zum Satanismus, wie er von LaVey kodifiziert wurde. Innerhalb der Church of Satan ist seit ihrer Gründung bereits ein Schisma erfolgt: 1975 spalteten sich unter der Leitung von Church-of-Satan-Magister Dr. Michael Aquino einige Mitglieder der Church of Satan ab, um ihre eigene Organisation, den Temple of Set (ToS), zu gründen.

Die Church of Satan vertritt einen atheistischen Standpunkt; die Figur Satans wird als Archetyp gedeutet, mit welchem sich der einzelne Satanist identifizieren kann. Auf der Homepage der Church of Satan kann man die „Richtlinien“ und „Verhaltensformen“ und einiges zum Selbstverständnis der Church of Satan nachlesen. Einige Auszüge:

Die neun satanischen Aussagen

Satan repräsentiere

  1. Hingabe statt Enthaltsamkeit;
  2. vitale Existenz statt spiritueller Hirngespinste;
  3. reine Weisheit statt heuchlerischer Selbsttäuschung;
  4. Güte gegenüber denen, die sie verdienen, statt an Undankbare verschwendete Liebe;
  5. Vergeltung statt Darbieten der anderen Wange;
  6. Verantwortung gegenüber Verantwortungsbewussten statt Sorge um psychische Vampire;
  7. den Menschen als bloß ein anderes Tier anzusehen (das bösartigste aller Tiere);
  8. alle der so genannten Sünden, da sie alle zur körperlichen, geistigen und emotionalen Genugtuung führen würden;
  9. den besten Freund, den die Kirche jemals hatte, da er sie über all die Jahre im Geschäft gehalten habe.

Die neun satanischen Sünden

  1. Dummheit
  2. Anmaßung
  3. Solipsismus
  4. Selbsttäuschung
  5. Zugehörigkeit zur Herde
  6. Mangel an Perspektiven
  7. Vergesslichkeit gegenüber früheren Grundsätzen
  8. Kontraproduktiver Stolz
  9. Mangel an Ästhetik

Die Church of Satan ist außerdem der Meinung,

  • es gäbe keine Gottheit, Satanisten schreiben sich aber Erfahrung mit Übersinnlichem in ihrer Ausübung von Ritualen oder größerer Magie zu.
  • das Prinzip des Überlebens der Starken sollte auf allen Ebenen der Gesellschaft befürwortet werden, vom Einzelnen, der stehen oder fallen kann, bis hin zu den Nationen, die die Konsequenzen aus der Unfähigkeit ziehen müssten, ihr Geschick nicht lenken zu können.
  • einen neuen Industriezweig schaffen zu müssen: die Herstellung künstlicher menschlicher Partner. Diese Humanoiden (beziehungsweise Androiden und Gynoiden) sollten so realistisch wie nur möglich hergestellt und für jedermann erhältlich sein, der sie sich leisten kann.

Der Glaube

Ein aus der Satanischen Bibel entnommenes Zitat LaVeys verdeutlicht den Standpunkt der Church of Satan (alle weiteren auch aus der Satanischen Bibel):

"Samstagabends sah ich Männer beim Karneval halbnackten Mädchen hinterherstieren, und sonntagmorgens sah ich dieselben Männer auf der Kirchenbank mit ihren Ehefrauen und Kindern, wie sie Gott baten, ihnen zu vergeben und sie von ihren fleischlichen Sünden zu befreien. Und am nächsten Samstagabend würden sie wieder zurück beim Karneval oder anderen Stätten des Genusses sein. Da wurde mir klar, dass die christliche Kirche auf Heuchelei beruht und des Menschen fleischliche Natur hervortreten wird."

Nach LaVey steht der Mensch nicht auf einer höheren Stufe als das Tier, und das Verdrängen oder Leugnen jeglicher Triebe ist unnatürlich und falsch. Somit solle man sich auf das Diesseits konzentrieren und ein ganz dem Lustgewinn gewidmetes Leben führen: „I break away from all conventions that do not lead to my earthly success and happiness“ (Ich sage mich los von allen Konventionen, die mir nicht Erfolg und Zufriedenheit im Diesseits versprechen). Da der Mensch als gleichberechtigter Teil der Natur gesehen wird, werden Tiere bei LaVey hoch geachtet – sie verkörpern für ihn den wahren Satanisten, da sie rein nach ihren Trieben leben, während der Mensch durch spirituelle und intellektuelle Entwicklung zum bösartigsten aller Tiere geworden sei: „man…, because of his ‚divine spiritual and intellectual development‘, has become the most vicious animal of all!“ („Der Mensch… wurde durch seine ‚göttliche, spirituelle und intellektuelle Entwicklung‘ zum bösartigsten Tier von allen!“). Während viele andere Religionen und vor allem das Christentum die unbedingte Nächstenliebe als ein Ziel haben, sieht der Satanismus LaVeys tatsächlich oder scheinbar selbstverschuldet in Not Geratenen zu helfen als Verschwendung an: „Death to the weakling, wealth to the strong!“ („Tod den Schwachen, Reichtum den Starken!“).

Aufgrund dessen kann man den Hedonismus und eine Art des Sozialdarwinismus als Kernpunkte des LaVey'schen Satanismus sehen.

Prominente Mitglieder

Literatur