Ein Kreisverkehr (auch Kreisverkehrsplatz, umgangssprachlich Kreisel genannt) ist eine besondere straßenbauliche Art des Verkehrsknotenpunktes.
Entwicklung der Kreisverkehre
In Deutschland waren Kreisverkehre in der Nachkriegszeit gang und gäbe. Mit der Verkehrsrechts-Reform von 1969 wurde das Verkehrszeichen Kreisverkehr jedoch aus der Straßenverkehrsordnung (StVO) entfernt. Kreisverkehre wurden in den folgenden Jahren häufig in lichtsignalgeregelte Kreuzungen umgebaut.
In anderen europäischen Ländern, zum Beispiel Frankreich, Großbritannien und Spanien, wurden Kreisverkehre dagegen weiterhin gebaut. Besonders in Frankreich, das mit 20.000 Kreisverkehren (ronds-points, giratoires) die Hälfte aller weltweit vorhandenen Kreisverkehre besitzt, werden diese gern zur Verkehrsregelung benutzt.
Erst mit der Änderung der Vorfahrtsregeln im Kreisverkehr im Februar 2001 erlebten Kreisverkehre auch in Deutschland eine Wiederkehr. War vorher der in den Kreisverkehr Einfahrende vorfahrtberechtigt, hat nun der im Kreisverkehr befindliche Fahrer die Vorfahrt. Diese Änderung bewirkt einen höheren Verkehrsfluss, der Kreisverkehre verkehrsplanerisch erst interessant macht.
In Deutschland wurde mit Änderung der StVO vom 11. Dezember 2000 der § 9a neu in die StVO aufgenommen, der das Verhalten im Kreisverkehr regelt und das Kreisverkehrsschild (Zeichen 215, siehe Bild) definiert.
Im Gegensatz dazu sind Kreisverkehre in Österreich durch das Gefahrenzeichen nach § 50 Nr. 3a StVO als Kreuzung mit Kreisverkehr gekennzeichnet.
Um die Einfahrgeschwindigkeit noch mehr zu reduzieren, werden oft in der Mitte künstliche Hügel oder Denkmäler aufgebaut, die eine Sicht nach der anderen Seite des Kreisverkehrs verhindern.
Ob ein Kreisverkehr an einer Kreuzung sinnvoll ist oder nicht, hängt von einer Reihe von Faktoren ab:
Vorteile
Als Vorteil gegenüber einem herkömmlichen Verkehrsknoten gilt die größere Verkehrssicherheit. Diese wird vor allem durch die niedrige Geschwindigkeit der durchfahrenden Fahrzeuge erzielt, aber auch durch die bessere Übersichtlichkeit. Die Anzahl der potentiellen Konfliktpunkte in einem Kreisverkehr ist weitaus geringer als an einer gewöhnlichen Kreuzung. Hinzu kommt, dass -potentielle Unfälle glimpflicher ablaufen, da die Geschwindigkeiten in der Regel niedriger sind. Gleichzeitig kann dabei der Verkehrsfluss gesteigert werden. Die Durchlassgeschwindigkeit ist oft höher als bei einer vorfahrts- oder signalgesteuerten Kreuzung, da der Verkehr flüssiger laufen kann.
Während eine Kreuzung mit mehr als vier Zufahrten wesentlich komplexer zu steuern ist, sind bei einem Kreisverkehr die Anzahl der Einfahrten nur von der Größe des Ringes abhängig.
Ein gut geplanter Kreisel kann sehr hohe Verkehrsaufkommen sehr effizient bewältigen, mit einem Minimum an Stau.
Außerdem stellt der Kreisverkehr jegliche Verkehrsbeziehung der angeschlossenen Straßen prinzipbedingt bereit.
Weitere Vorteile sind eine überschaubarere Verkehrslage, bessere Wirtschaftlichkeit durch die verteilende Wirkung und besserer Umweltschutz durch weniger Abgase und Lärm. Hinzu kommen geringere Wartungskosten gegenüber einer Ampellösung.
Speziell für Schwerfahrzeuge sind die Ein- und Ausfahrten im Gegensatz zur Kreuzung, wo es zu Behinderungen des Gegenverkehrs kommen kann, wesentlich leichter zu durchfahren, wenn der Radius groß genug ist.
Nachteile
Wegen ihres größeren Platzbedarfs an den Außenseiten gegenüber einer normalen Kreuzung lassen sich Kreisverkehre im Bestand nur selten verwirklichen (Ausnahme: Minikreisverkehr). Der freie Platz, der in der Mitte entsteht, kann dabei oft nicht mehr sinnvoll verwendet werden. Dieser Nachteil relativiert sich bei großen Kreuzungen, da der Platzbedarf einer großen Kreuzung mit Ampeln in etwa gleichgroß ist.
Die Führung von Fußwegen an Kreisverkehren kann problematisch sein, vor allem weil in der Regel keine Ampelanlagen vorhanden sind und man so als Fußgänger besonders vorsichtig sein muss. Zwar sind Fußgänger gegenüber abbiegenden Fahrzeugen bevorrechtigt, je nach Abbiegeradius können die Kfz-Geschwindigkeiten aber hoch sein. Radwege führen oftmals vor dem Kreisverkehr auf die Straße. Deshalb müssen Autofahrer, bevor sie in den Kreisverkehr einfahren, besonders auf die Radfahrer achten.
Ein weiterer Nachteil insbesondere bei sehr kleinen Kreisverkehren ist die mangelnde Abgrenzung der Vorfahrtsrechte, da die Einfahrten eng aneinander liegen. So können die Fahrzeugführer nicht sofort erkennen, wer schon im Kreis ist. Auf den Kreis zufahrende jedoch sind schon sehr schnell im Kreis, wenn sie nicht selbst warten müssen. Dies führt zu Quasi-Vorfahrten auch für noch auf den Kreisverkehr zufahrende Fahrzeuge.
Ebenfalls sind Kreisverkehre an Kreuzungen mit sehr hohem Verkehrsaufkommen problematisch, da in den Kreis einfahrende Fahrzeuge oft sehr lange an der Einfahrt warten müssen und sich dadurch lange Rückstaus bilden. Dieser Nachteil gilt aber auch für Ampelanlagen, wenn die bereitgestellte Kapazität nicht ausreichend ist. Große Kreisel können sehr hohe Verkehrsaufkommen sicher und effizient bewältigen. Auch sind solche Kreisverkehre unfallträchtiger, da kleinere Lücken zum Einfahren risikoreich ausgenutzt werden müssen, so z.B. am Blaubeurer Tor in Ulm, an dessen Kreisverkehr die Bundesstraßen 10, 28 und 311 aufeinandertreffen.
An Kreuzungen von Verkehrswegen mit stark unterschiedlichem Verkehrsaufkommen ergibt sich ein Nachteil beim Energieverbrauch: Alle Fahrzeuge, die den Kreisverkehr passieren, müssen abbremsen und wieder beschleunigen. Dagegen müssen bei ampelgesicherten Kreuzungen einige wenige Fahrzeuge vollständig anhalten und wieder anfahren, während der größte Teil des Verkehrs die Kreuzung bei gleichmäßigem Tempo passieren kann. Durch das häufigere Beschleunigen im Kreisverkehr wird dabei deutlich mehr Energie verbraucht.
Arten von Kreisverkehren
Man unterscheidet je nach Funktion und Größe zwischen drei Arten von Kreisverkehren: Minikreisverkehre, kleine und große Kreisverkehre. Ihre Anlage ist für Deutschland in den Richtlinien für die Anlage von Straßen – Teil I plangleiche Knotenpunkte im Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehrsplätzen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) geregelt.
Minikreisverkehre haben in Deutschland noch keinen Eingang in die Richtlinien gefunden und befinden sich in einer Reihe von Städten im Pilotstadium.
Minikreisverkehre
Minikreisverkehre haben einen Durchmesser von 18 bis 25 m. Da die Kreisinsel von großen Lastwagen oder Bussen wegen deren zu großem Wendekreis nicht umfahren werden kann, muss diese überfahrbar gestaltet sein. In der Regel ist sie aufgepflastert und von einem Niederbord eingefasst oder in Ausnahmefällen nur abmarkiert. Sie sind dazu gedacht, innerorts und im Bestand an geeigneten Plätzen bestehende Vorfahrtsregelungen oder Lichtsignalanlagen zu ersetzen.
Kleine Kreisverkehre
Kleine Kreisverkehre haben einen Durchmesser von 26 bis 35 m. Die Mittelinsel ist in der Regel nicht überfahrbar ausgeführt. Kleinere Kreisverkehre können eine überfahrbare, abgesetzte innere Spur haben, um großen Fahrzeugen mit großen Wendekreisen ein Befahren zu ermöglichen. Kleine Kreisverkehre werden vor allem in Randbereichen von Orten eingesetzt. Das Merkblatt für kleine Kreisverkehrsplätze (KVP) der FGSV unterscheidet diese hinsichtlich ihrer Größe, ob ein KVP innerhalb oder außerhalb bebauter Gebiete liegt. Demnach soll der Außendurchmesser des KVP innerhalb bebauter Gebiete zwischen 26 und 35 Metern und außerhalb bebauter Gebiete zwischen 35 und 45 Metern liegen.
Große Kreisverkehre
Große Kreisverkehre haben Durchmesser von mehr als 40 m. In Ausnahmefällen können sie bis zu 120 m Durchmesser aufweisen. Große Kreisverkehre sind oftmals zwei- bis dreistreifig im Ring befahrbar. Sie dienen vor allem der großflächigen Verteilung von Verkehrsströmen und werden deshalb in der Regel außerhalb von geschlossenen Ortschaften oder am Ende einer Autobahn in einer Stadt, z.B. Verteilerkreis Köln und Bonn, beide A555, oder der Große Stern (mit Siegessäule in der Mitte) in Berlin, verwendet. Letztere sind mit Ampeln ausgeführt und sowohl im rechtlichen wie auch im verkehrstechnischen Sinne keine Kreisverkehre. Im französischen wird diese Art von Kreisel "Rondpoint" genannt. In der Schweiz findet man sogar Kreisverkehre auf Autobahnen mit einem Durchmesser von 450 m.
Nach der StVO sind solche Kreisverkehrsplätze oft kein Kreisverkehr, sondern eine Folge dicht beieinander liegender Einmündungen. Oft sind diese Einmündungen auch mit Lichtsignalanlagen versehen und gelegentlich wird den in den Kreis einfahrenden Fahrzeugen Vorfahrt gegeben, wenn dieser Strom stark dominiert.
Um den Verkehr wieder aus dem Kreisverkehr abzuleiten sind die Fahrspuren meist spiralförmig gegen den Uhrzeigersinn nach außen führend angeordnet. Dadurch müssen die Fahrzeuge weniger Spurwechsel vornehmen.
Bauliche Gestaltung
Die Mittelinsel wird bei kleinen und großen Kreisverkehrsplätzen zur Verminderung von Unfällen mit Erdaufschüttungen versehen und oft architektonisch genutzt. Es werden dort häufig Kunstobjekte, Brunnen oder Denkmäler aufgestellt.
Bei Straßenbahnverkehr verlaufen die Gleise oft quer durch den Kreisverkehr. In diesem Fall muss er aber trotzdem ampelgeregelt werden, wie beispielsweise der Verteilerkreis Favoriten in Wien. Vereinzelt folgt jedoch auch die Straßenbahn dem Kreis, so etwa am Bersarinplatz in Berlin. Auch Bushaltestellen können in der Mitte plaziert werden.
Gesetzliche Vorschriften für Verkehrsteilnehmer
In Deutschland und der Schweiz ist das Blinken beim Einfahren in den Kreisverkehr verboten, bei der Ausfahrt Pflicht, in Österreich beim Einfahren nicht verboten, beim Ausfahren jedoch ebenso vorgeschrieben. Grund für das Blinkverbot ist, dass ein Fahrer B, der an der nächsten Einfahrt einfahren möchte, das Blinken eines vorher einfahrenden Fahrzeugs A missverstehen könnte als Signal, dass A vor Bs Einfahrt den Kreisverkehr wieder verlassen möchte, und deshalb selbst zu schnell einfährt. Generell wird nach rechts, also entgegen dem Uhrzeigersinn, eingefahren. In Ländern mit Linksverkehr (wie z.B. Großbritannien) wird entsprechend links, also im Uhrzeigersinn eingefahren. In Großbritannien blinkt man wie vor einer Kreuzung. Hier sind die meisten Kreisel zweispurig, auf die äußere Spur wechselt man nur direkt vor der Ausfahrt.
Wenn die Vorfahrt nicht ausdrücklich geregelt wird, gilt auch im Kreisverkehr "Rechts vor Links", wie häufig in Italien. Nachteil dabei ist, dass es bei vollem Kreisverkehr zu Stau kommen kann. Denn wenn weitere Fahrzeuge einfahren wollen, müssen die Fahrzeuge innen anhalten, und blockieren so deren Einfahrt.
In Deutschland erhält der einfahrende Verkehr grundsätzlich die Tafel Vorrang geben. Es ist gesetzlich festgelegt, dass dadurch der Verkehr im Kreis ohne zusätzliche Tafeln Vorfahrt hat.
In Österreich kommt es bezüglich des Vorranges darauf an, ob für die einfahrenden Fahrzeuge das Verkehrszeichen "Vorrang geben" aufgestellt ist (Wartepflicht für die Einfahrenden - "Kreisverkehr mit Vorrang") oder nicht (Wartepflicht für die die Fahrzeuge im Kreisverkehr nach der Regel "Rechts vor Links" - "Kreisverkehr ohne Vorrang").
In Deutschland ist das Halten und Parken auf der Fahrbahn im Kreisverkehr untersagt; ebenso das Überfahren einer Mittelinsel, die baulich zum Überfahren geeignet wäre (außer für zu große Fahrzeuge).