Runenstein

Stein mit Runen-Inschriften
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Runensteine sind meist hohe aufrechtstehende Steine, die mit Runeninschriften versehen sind. Aufgerichtet wurden diese Steine ab der nordischen Eisenzeit, sowie während der endel- und Wikingerzeit, primär zur Erinnerung an Verstorbene oder Gefallene, aber auch als Denkmäler eigener Leistungen.

Runenstein von Sandavágur (Färöer) auf einer Briefmarke
Björketorpsstenen bei Björketorp (Ronneby)
Der Runenstein von Seby ist mit 3 m der höchste auf Öland

Kennzeichnung

Schwedische und dänische Runensteine wurden durchnummeriert. Die schwedischen sind nach Provinzen geordnet (z.B. Sö111 = Södermanland 111), während die dänischen die Buchstabenkombination DK und die Zählnummer tragen.

Verbreitung und Zeitstellung

 
Verbreitung von Runensteinen (pro km²) in Schweden
 
Runenstein Sö111 mit Thorhammer an der Kirche von Stenkvista
  • Deutschlands vier im Umkreis von Haithabu gefundene Runensteine stehen im Wikinger-Museum Haithabu in Haddeby bei Schleswig.
  • In Skandinavien wurden rund 3200 Runensteine gefunden, davon über 2800 in Schweden (knapp 400 auf Gotland), 267 in Dänemark (einschließlich Schleswig und Schonen), in Norwegen fast 133. Ein Beispiel für Runensteine in Norwegen ist der Skeistein, in der Telemark. Die Inschrift ist auf das 11. Jahrhundert datiert. Zu diesem Stein gehörten ursprünglich drei weitere Steine. An diesem Kultort wurden bis ins 19. Jahrhundert Erntefeste abgehalten. Der Name des Steins leitet sich von “skeid” ab, was eine Zusammenkunft der Landbevölkerung zu Pferdewettkämpfen und anderen Wetten bezeichnet.
  • 56 auf den Britischen Inseln
  • 19 auf Island
  • Einzelne Steine finden sich auch außerhalb Skandinaviens bzw. Deutschlands.

Runensteine wurden in Norwegen und Schweden seit dem 4. Jahrhundert, in England seit dem 7. Jahrhundert, in Dänemark (37 in der Literatur als bedeutend angesehene Steine), Deutschland und auf den Färöern (3) erst im 9. Jahrhundert aufgestellt. Der Runenstein von Berezan' steht in der Ukraine. Vereinzelte Steine finden sich im Baltikum, auf Grönland und auf den Britischen Inseln außerhalb Englands.

Einiges spricht dafür, dass Runensteine zuerst im Bohuslän oder im norwegischen Østfold aufkamen, von wo sie sich nach Mittelschweden ausbreiteten. Die Verbreitungskarte stützt diese Ansicht allerdings nicht. Die Gegend hat aber eine uralte Bildertradition. Einer der wenigen mit einem Bild geschmückten eisenzeitlichen Bautasteine steht auf dem Gräberfeld von Greby. In Tune wurde ein Stein gefunden, der zu den ältesten gehört, die man entdeckt hat. In Schweden findet man aus den Jahrhunderten vor der Wikingerzeit sowohl Runensteine als auch kleinere Steine in Gräbern, wie zum Beispiel einen Sargstein in einem Grab bei Kylver auf Gotland, das Gegenstände aus der Zeit um etwa 400 enthielt.

Der in den USA gefundene Runenstein von Kensington, Minnesota und der 1971 gefundene, vermeintliche Runenstein von Rathjensdorf, Schleswig-Holstein[1] sind Fälschungen.

Form und Aussehen

Die in Runensteine eingemeißelten Inschriften und Bilder waren mittels Farbe (rot, schwarz, weiß) hervorgehoben[2], die heute verblichen ist bzw. nachgemalt wurde. Es gibt sowohl Runensteine mit Bildern oder Symbolen als auch Bild- und Maskensteine mit Runen. Als Maskensteine bezeichnete Bildsteine kennt man nur aus Dänemark (Århus, Sjellebro), hier sind Bilder in Findlinge geritzt, die nicht immer eine Runeninschrift tragen. Der Runenstein von Vang (Thy) nordwestlich von Sjørring in Thy ist der kleinste Runenstein Dänemarks. Die größten Runensteine sind Runenblöcke, Findlinge die nach der Art von Runensteinen beschriftet wurden (Runenblock von Ed, Runenblock von Sjusta und Runenblock U412 bei Sigtuna).

Die Runenstein sind überwiegend von einfacher Art (Runenstein von Ådala). In Schweden sind sie auch verziert (Drache, Irisches Koppel, Schlangenband, später auch Kreuz). Einige zeigen Motive aus der germanischen Mythologie. Der aufwendigste unter den verzierten norwegischen Runensteinen stammt aus Dynna. Er ist aus rotem Sandstein voller Bildmotive im Ringerike-Stil und trägt eine Inschrift. Der Runenstein mit der längsten bekannten Inschrift steht in Dänemark. Es ist der Bugstein der Schiffssetzung von Glavendrup auf Fünen. In Schweden trägt der Runenstein von Rök die längste Inschrift.

Runensteine mit älteren Runen

Aus der germanischen Eisenzeit und der älteren Vendelzeit liegen in Schweden mehr Inschriften mit älteren Runen vor als aus späteren Zeiten. Die meisten Inschriften treten auf Goldbrakteaten auf, doch viele auch auf Runensteinen, deren Anzahl aber nicht mit der gewaltigen Menge der wikingerzeitlicher Runensteine im jüngeren Futhark geschrieben, zu vergleichen ist. Aus der Eisenzeit und der Vendelzeit sind etwa 20 Steine mit den älteren Runen in Schweden bekannt, zu denen auch der Stein aus der Grabkiste von Kylver auf Gotland zählt. Norwegen hat etwa 30 Runenritzungen auf einzelnen Steinen, Steinen von Grabkisten und Felsen, während Dänemark keine Steine mit älteren Runen aufzuweisen hat.

Die Inschriften haben zuweilen berichtenden Charakter. Eine lange urnordische Runeninschrift findet sich auf einem Stein, der 1919 bei Rö, Otterö/Tanum in Bohuslän, entdeckt wurde. Die Inschrift soll lauten : "Svavar ist heimtückisch getötet. Ich Stenar ritzte die Runen. Ich Hrarar stellte den Stein auf." Ein ähnlicher Text ist auf einem Stein von Möjbroj'Hagby in Uppland eingeritzt. Der Stein zeigt Runen und eine bildliche Darstellung. Zuoberst auf dem flachen, etwa 2,5 m hohen Block ist die Inschrift in zwei parallelen Reihen angebracht, unterhalb ist die Darstellung, die zu den besten ihrer Art gehört. Sie zeigt einen Reiter mit angehobenem, rundem Schild am linken Arm und mit einer hochgehaltenen Waffe in der rechten Hand. Das Bild eines triumphierenden Kriegers erinnert an Reiterbilder auf römischen Grabsteinen.

Gattungen und Bedeutung

Runensteine erscheinen in zwei Grundtypen :

  • der "Schriftstein" ist der ältere Typ und mit senkrechten, gelegentlich aber auch waagerechten Runenzeilen bedeckt. Berühmte Exemplare dieses Typs sind die Steine von Busdorf, Glavendrup, Karlevi oder Rök. Der Typ ist in Norwegen, Westschweden und Dänemark vorherrschend.
  • der "Schlangenbandstein", dessen Runenschrift sich vom Kopf eines Drachens oder einer Schlange über den gewundenen und verschlungenen Körper bis zum Schwanzende hinzieht, ist jünger. Er hat sein Zentrum in Ost- und Mittelschweden, von wo der Typ ausstrahlt, jedoch außerhalb Schwedens so gut wie nicht vorkommt. Er entwickelte sich mit dem Ringerike- und Urnes-Stil (ca. 980-1100 n. Chr.). Die Steine zeigen Darstellungen des "großen Tieres". Prachtexemplare standen/stehen in Tullstorp, Frösön, Nasta, Hansta und Simris. Bei Steinen, die mit einem christlichen Kreuz versehen wurden, sind meist die Merkmale der Schlange (Kopf und Schwanz) weggelassen worden und der Text steht in einem Schriftband.

Runensteine bieten - ähnlich den römischen Grabstelen - einen Einblick in das Selbstverständnis, die Werte und Leistungen einzelner Personen, die aufgrund ihres Standes die Möglichkeit hatten, eine zumindest lokale Rolle in der überlieferten Geschichte zu spielen. Der älteste Runenstein, der noch an seinem ursprünglichen Platz steht, ist der Einangsteinen in Norwegen.

Man kann verschiedene Zweckbestimmungen von Runensteinen unterscheiden:

  • Die Gedenksteine, die von Angehörigen oder Verehrern gesetzt worden sind,
  • die Selbstdarstellungssteine, die Leistungen dessen rühmen, der den Stein gesetzt hat,
  • ähnlich, aber von etwas unterschiedlichem Charakter die endzeitlichen Steine, die religiöse Leistungen von erst vor kurzem zum Christentum übergewechselten Gläubigen ansprechen, auf ihnen ist neben den Runen das christliche Kreuz zu sehen.

Bemerkenswert ist auch die nicht geringe Anzahl von Steinen, die für und von Frauen für sich selbst oder ihre Töchter gesetzt sind.

Ein Beispiel eines Selbstdarstellungssteines ist der Runenstein von Yttergärde (U344) nahe Stockholm. Dort schreibt ein schwedischer Wikinger über sich: "in ulfr hafir onklati * Þru kialtakat Þit uas fursta Þis tursti * Þa ---Þurktil * Þa kalt knutr" Übersetzt: Ulf hat in England dreimal Tributgeld erhalten. Das erste war mit Toste (Skagul Toste einem Wikinger aus der Provinz West Götaland - Dynastie Stenkil), das zweite mit Thorkel (Torkel der Hohe, ein dänischer Jarl, der 1011 englischen Tribut erhielt) und das dritte mit Knut dem Großen.

Etwa 80 Runensteine aus vielen Teilen des Landes und auch in Russland (Runenstein von Berezan') berichten über Fahrten schwedischer Wikinger. Sie stammen aus dem 10. und 11. Jahrhundert. 14 Steine berichten über Fahrten nach „dem Osten“. Der Kälvesten von Västra Stenby in Östergötland stammt aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Er ist der vermutlich älteste und berichtet, dass Stig das Denkmal für seinen Sohn Öyvind, der im Osten gefallen ist, errichtete. Andere Steine berichten von Fahrten nach:

Einige Steine berichten von Gardarike (Russland) darunter Sö 338. Vier davon befassen sich mit Serkland (am Kaspischen Meer). 26 so genannte Ingvar-Runensteine berichten vom Heerzug Ingvars, der sich offenbar an der Schlacht von Sasireti beteiligte und 1041 mit fast allen seinen Männern umgekommen ist. Über 60 Steine berichten über Fahrten ins Baltikum, nach England, Griechenland, Italien, Jursalir (Jerusalem) und Rumänien.

Runensteine

Runensteine von Jelling (Dänemark)

Eine einzigartige Gruppe sind die Runensteine von Jelling. Sie stehen an der Kirche von Jelling zwischen den beiden noch heidnischen Grabhügeln für König Gorm und seine Frau Thyra Danebod.
Auf dem kleineren Stein steht in Runenschrift:

König Gorm erstellte diese Erinnerung für Thyra, seine Frau, die Zierde Dänemarks.

Auf dem großen Runenstein, der Christus sowie einen Kampf zwischen Löwe und Schlange zeigt, steht:

König Harald befahl, diesen Stein zu errichten zum Gedenken an Gorm, seinen Vater, und an Thyra, seine Mutter. Der Harald, der sich ganz Dänemark und Norwegen unterwarf und die Dänen zu Christen machte.

Bildsteine auf Gotland

 
Phallischer Bildstein 700 n. Chr., Höhe drei Meter im Museum von Bunge (Gotland)

Die wahrscheinlich farbigen (schwarz-weiß-rot) gotländischen Bildsteine sind eine Besonderheit der Wikingerzeit; sie sind primär auf der schwedischen Insel Gotland und vereinzelt an den benachbarten Küsten und auf Öland anzutreffen. Sie zeigen menschliche Gestalten (Götter), mehrere Tierarten, magische Symbole, Wirbelräder, Ruderboote, Segelschiffe, Spiralen, mythologische Szenen und Runenbänder und sind ein Abbild der Religionsgeschichte. Am Ende erscheinen Steine mit dem griechischen-(christlichen) Kreuz.

Daneben gibt es reich verzierte Kistensteine. Die Steine von Ardre sind in Stockholms Statens Historiska Museum ausgestellt.

Andere Bildsteine

In Europa gibt es noch eine zweite Gruppe von Bildsteinen, deren Bildanteil Symbole zeigt, sich aber auch aus dem Bereich der symbolhaften Darstellungen, wie sie etwa irische Kreuz- oder Pillarsteine zeigen, heraushebt, das sind die Piktensteine in Schottland.

Siehe auch

Literatur

  • Erik Nylén, Jan Peder Lamm: Bildsteine auf Gotland. Wachholtz, Neumünster 1981, 1991 (2. Aufl.), ISBN 3-529-01823-6.
  • Karsten Kjer Michaelsen: Politikens bog om Danmarks oldtid. Politiken, Kopenhagen 2002, ISBN 87-567-6458-8 (Politikens håndbøger).
  • Mårten Stenberger: Vorgeschichte Schwedens. In: Nordische Vorzeit. Bd. 4, Wachholtz, Neumünster 1977, ISBN 3-529-01805-8, S. 366
  • S. Oehrl: Zur Deutung anthropomorpher und theriomorpher Bilddarstellungen auf den spätwikinger-zeitlichen Runensteinen Schwedens. Wiener Studien zur Skandinavistik, Bd. 16. (Wien 2006).
Commons: Runenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Bildsteine auf Gotland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Runenstein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Meldung der Kieler Nachrichten vom 12. Oktober 2008, nach geschichteimnorden.de
  2. Ein Bild davon gibt u.a. der moderne Runenstein "Frövis sten" wieder (online auf svenskarunstenar.net)