„Sachsenkrieg“ – Versionsunterschied
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'''Sachsenkrieg''' bzw. '''Sachsenkriege''' sind Begriffe, die sich auf mehrere Ereignisse der deutschen Geschichte beziehen können. Gewöhnlich wird damit angespielt auf |
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Der '''Sachsenkrieg''' - besser: die Sachsenkriege - begann mit dem Feldzug des [[Karl der Große|Karl des Großen ]] gegen die [[Sachsen]] im Sommer [[772]]. Er wollte die [[Heidentum|heidnischen]] [[Sachsen]], die zwischen Nordsee und Harz bzw. Rhein und Elbe siedelten, zum [[Christentum]] bekehren - gemäß der Doktrin der Einheit von Reich und Kirche. |
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1. die [[Sachsenkriege (Karl der Große)|Sachsenkriege]] [[Karl der Große|Karls des Großen]] |
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== Abriss des Verlaufs == |
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2. den [[Sachsenkrieg (Heinrich IV.)|Sachsenkrieg]] [[Heinrich IV. (HRR)|Heinrich IV.]] |
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Letzterer wird meist mit der Einzahl ''Sachsenkrieg'' belegt; die Auseinandersetzungen der Franken mit den Sachsen von [[772]] bis [[804]] nennt man i.d.R. ''Sachsenkriege'' (Mehrzahl). |
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Die Zerstörung eines bedeutenden [[Heiligtum|Heiligtums]] der Sachsen, nämlich der [[Irminsul]] - eines hohen Holzstamms, der vermutlich ein [[Sinnbild]] für die das Himmelsgewölbe tragende [[Weltsäule]] sein sollte - führte [[772]] zum offenen Aufstand gegen die Franken. |
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Deren Sommerfeldzug im gleichen Jahr war zunächst erfolgreich: Karl eroberte [[Eresburg]] und stieß bis zur [[Weser]] vor. Siegesgewiß führte er erste Verhandlungen mit den Sachsen und erhielt von ihnen Geißeln als Pfand. Während Karls Feldzugs in [[Italien]] setzten die [[Sachsen]] unter Führung von [[Herzog Widukind|Widukind]], eines westfälischen Adligen, jedoch ihren Widerstand fort und eroberten fränkische Siedlungen und Kirchen, vornehmlich im heutigen [[Rheinland]]. |
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[[777]] - ein Jahr, das unblutig verlaufen sein soll - fand erstmals eine fränkische Reichsversammlung auf sächsischem Boden statt, und zwar im neugegründeten ''Karlsburg'', also dem (mutmaßlich) heutigen [[Paderborn]]. Sie sollte die Bekehrung der Sachsen vorantreiben, für die nun auch [[Missionar|Missionare]] aus England eingesetzt wurden. |
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Die für Karl treuebrüchigen Sachsen ordneten sich allerdings neu und überfielen wiederholt [[Chatten|chattische]] Orte und Festungen im heutigen [[Hessen]]. Im Gegensatz zu früheren - eher schlecht organisierten - Eroberungszügen stellten sich die Sachsen nun in offenen Feldschlachten. [[782]] wird das Land der Sachsen auf dem Reichstag zu [[Lippspringe]] in fränkische [[Grafschaft|Grafschaften]] aufgeteilt, was zur neuerlichen Empörung der Sachsen führt. Widukind vernichtet am [[Süntelgebirge]] ein fränkisches Heer, während Karl gegen die [[Sorben]] vorgeht. |
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Die bittere Rache für die fortgesetzte Unbotmäßigkeit der Sachsen war das berüchtigte [[Blutgericht bei Verden]] 782, bei dem tausende Sachsen enthauptet wurden. Widukind war zuvor nach [[Dänemark]] entkommen. Karl erließ zudem ein Sondergesetz (''Capitulatio de partibus Saxoniae''), welches die Missachtung der christlichen Reichsordnung - u.a. Verunglimpfung eines Priesters oder einer Kirche, die bei den Heiden übliche [[Feuerbestattung]] oder das Essen von Fleisch an Fastentagen - mit der Todesstrafe bedrohte. Gezielt wurden von Karl auch [[Deportation|Deportationen]] als Mittel der Unterwerfung eingesetzt. |
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In [[Detmold]] und an der Hase kam es im Sommer [[783]] zu legendären Gefechten, bei denen sich sächsische Frauen barbrüstig auf die überrumpelten Franken gestürzt haben sollen. [[Fastrada]], Tochter des Grafen Radulf, die nach dem Tod seiner Gattin [[Hildegard von Savoyen|Hildegard]] 783 Karls neue Gefährtin wurde, soll sich der Überlieferung zufolge darauf ebenso barbrüstig in die Schlacht geworfen haben. |
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Trotz ihren kämpferischen Einstellung gerieten die Sachsen in der Folge immer mehr in Bedrängnis. Die Wende trat allerdings erst ein, als [[Herzog Widukind|Widukind]] sich in Anwesenheit Karls [[785]] in der [[Pfalz]] [[Attigny]] taufen ließ und den Treueeid leistete. [[792]] kam es anläßlich einer Zwangsaushebung (Rekrutierungen für die [[Awaren|Awarenkriege]]) zum letzten größeren Aufstand gegen die Franken. Ein Großteil der Sachsen unterwarf sich nun, doch noch bis [[804]] (Stellinger Aufstand, Kriegszug der Franken nach Nordelbien) kam es immer wieder zu Unruhen. |
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Karl setzte gleichwohl auf die Versöhnung zwischen Franken und Sachsen: 802 wurde das sächsische Volksrecht ([[Lex Saxonum]]) festgeschrieben, nachdem bereits [[797]] die Sondergesetze gelockert worden waren. Die Schaffung einer umfassenden kirchlichen Infrastruktur (Gründung von [[Bistum|Bistümern]] in Paderborn, Münster, Bremen, Minden, Verden und Osnabrück) sicherte nach und nach auch die zunächst mit beträchtlicher Grausamkeit über 30 Jahre hinweg durchgesetzte [[Christianisierung]] des sächsischen Volkes. Für Nordwestdeutschland gilt diese Phase des 9. Jahrhunderts, die ihren Abschluss [[805]] mit der Ernennung des Missionars [[Liudger]] zum ersten Bischof von [[Münster]] fand, als eine der größten Umwälzungen in der Geschichte. |
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== Literatur == |
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* [[Einhard]]: ''Vita Karoli Magni - Das Leben Karls des Großen''. Stuttgart, 1995. |
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*[http://www.lexikon-definition.de/Herzog-Widukind.html Herzog Widukind] ''(Chronik der Sachsenkriege)'' |
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* [http://www-user.uni-bremen.de/~bremhist/sachsen.html Thomas Reyer zu Wigmodyn, Die altsächsische Stammesgeschichte] (Uni Bremen) |
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* [http://www.jandicke.net/uni/sachsen.php Heinrich IV. und die Sachsen. Ursachen der Eskalation des Konfliktes und ihre bewußte Herbeiführung] |
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[[Kategorie:Krieg|Sachsenkriege]] |
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Version vom 17. März 2005, 12:11 Uhr
Sachsenkrieg bzw. Sachsenkriege sind Begriffe, die sich auf mehrere Ereignisse der deutschen Geschichte beziehen können. Gewöhnlich wird damit angespielt auf
1. die Sachsenkriege Karls des Großen 2. den Sachsenkrieg Heinrich IV.
Letzterer wird meist mit der Einzahl Sachsenkrieg belegt; die Auseinandersetzungen der Franken mit den Sachsen von 772 bis 804 nennt man i.d.R. Sachsenkriege (Mehrzahl).