„Mathilde Franziska Anneke“ – Versionsunterschied
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* Gebhard, Manfred: ''Mathilde Franziska Anneke''. - Berlin : Verl. Neues Leben, 1988 |
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* Wagner, Maria: ''Mathilda Franziska Anneke in Selbstzeugnissen und Dokumenten''. - Frankfurt/M. : Fischer, 1980 |
* Wagner, Maria: ''Mathilda Franziska Anneke in Selbstzeugnissen und Dokumenten''. - Frankfurt/M. : Fischer, 1980 |
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* [http://www.library.wisc.edu/etext/WIReader/ |
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1921, How Wisconsin Women Won the Ballot |
1921, How Wisconsin Women Won the Ballot, Wisconsin Electronic Reader, University of Wisconsin-Madison] |
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Version vom 14. März 2005, 19:56 Uhr
Mathilde Franziska Anneke (* 3. April 1817 in Gut Oberleveringhausen in Hiddinghausen, heute zu Sprockhövel; † 25. November 1884 in Milwaukee, Wisconsin, USA) war eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin und eine der führenden Personen der US-amerikanischen Frauenbewegung.
Leben
Anneke war die älteste Tochter (von insgesamt zwölf Kindern) des wohlhabenden Minenbesitzers Karl Giesler und dessen Ehefrau Elisabeth Hülswitt. Ihren Unterricht erhielt sie durch Hauslehrer und sie wurde konservativ katholisch erzogen. Nach dem Urteil von Zeitgenossen, war Anneke gebildet, hübsch und mit einer Größe von 1,80 m schon als junge Frau eine imposante Erscheinung.
1820 zog die Familie nach Blankenstein und 1834 nach Hattingen. Der Vater hatte sich mit Eisenbahnaktien verspekuliert und die Familie mußte den finanziellen Problemen Rehnung tragen. Als 1836 der Mühlheimer Weinhändler Alfred Philipp Ferdinand von Tambouillot um ihre Hand anhielt, stimmte sie dieser Vernunftehe zu. Tambouillot übernahm die Schulden der Eltern, und Familie Giesler gehörte nun zum Adel.
Am 27. November 1837 wurde die gemeinsame Tochter Fanny (Johanna) geboren. Im Dezember 1837 verließ Mathilde Franziske samt Tochter den gewalttätigen Ehemann und kehrte zu ihren Eltern zurück. Von 1838 bis 1841 dauerte der Scheidungsprozeß, der damit endete, daß die Ehefrau zwar schuldig gesprochen wurde, sie aber ihren Mädchennamen wieder annehmen durfte und ihr das Sorgerecht über ihre Tochter zugesprochen wurde.
In dieser Zeit war ihr der katholische Glaube ein wichtiger Trost, und sie publizierte auch zwei Gebetbücher für Frauen. 1840 veröffentlichte sie einen Gedichtband, in dem sie nicht nur Eigenes, sondern auch Lyrisches von Ferdinand Freiligrath, Nikolaus Lenau und Lord Byron enthielt.
Bei Zusammenkünften des demokratischen Vereins in Minden lernte lernte sie ihren späteren Eheman kennen. Am 3. Juni 1847 heiratete sie den ehemaligen Offizier Fritz Anneke und das Paar ließ sich in Köln nieder. Dort wurden sie bald zum Mittelpunkt eines kommunistisch-ästhetischen Zirkels, aus dem später der Kölner Arbeiterverein entstand. Am 26. Juni 1847 starb ihr Vater. Durch ihren Ehemann kam Mathilde Franziska Anneke nun mit der Tagespolitik in Berührung. Mathilde lernt Karl Marx und Friedrich Engels kennen. Auch konnte sie Kontakte zu Georg Herwegh und Ferdinand Lassalle knüpfen. Über ersteren lernte sie auch den Maikäferbund kennen.
Als 3. Juli 1848 Fritz Anneke verhaftet wurde, gründete sie in Köln die Neue Kölnische Zeitung (erste Ausgabe am 10. September) welche aber bald der Zensur zum Opfer fällt. Mathilde Franziska versucht sie unter dem tarnenden Titel Frauenzeitung (erste Ausgabe am 27. September) fortzuführen, doch auch diese muß ihr Erscheinen nach der dritten Ausgabe einstellen. Als Karl Marx 1849 aus Köln ausgewiesen wurde und seine Neue Rheinische Zeitung verboten wurde, empfahl er in seiner letzten Ausgabe seinen Lesern die Lektüre der Anneke-Publikation.
Dies ist umso bemerkenswerter, da Mathilde Franziska 21. Juli 1848 den gemeinsamen Sohn Fritz zur Welt brachte. Am 23. Dezember 1848 wurde ihr Ehemann in einem aufsehenerregenden Prozeß in Berlin freigesprochen.
Während den Revolutionsjahren 1848/49 befehligte Fritz Anneke eine Truppe von etwa 1200 Mann. Zeitzeugen berichteten übereinstimmend bewundernd von seiner hübschen Ehefrau, die ihrem Mann als Ordonanz und Kurier zur Seite stand. Als am 23. Juli 1849 preussische Truppen die Festung Rastatt einnahmen, floh das Ehepaar über Straßburg (wo sie bei ihrem alten Kölner Freund Moses Hess Unterschlupf fanden) in die Schweiz. Als sie im Oktober desselben Jahres von Le Havre aus ins amerikanische Exil starteten, wurden sie von vielen Achtundvierzigern begleitet.
Im November 1849 landeten sie in New York. Im März 1850 ließ sich das Ehepaar Anneke in Milwaukee nieder. Mit Vorträgen über die deutsche Politik und deutsche Literatur verdienten sie sich ihren Lebensunterhalt. Zudem wurde Mathilde Franziska Korrespondentin für deutsche Zeitungen in den USA und Deutschland. Am 20. August 1850 wurde ihr Sohn Percy Shelley Anneke geboren.
1851 holt Mathilde Franziska ihre Mutter nebst ihren beiden Schwestern Johanna und Maria zu sich nach Milwaukee. Am 1. April 1852 erscheint die erste Ausgabe ihrer deutschsprachigen Frauen-Zeitung in Milwaukee. Dies war ein radikales Blatt ganz im Dienst der Gleichberechtigung. Mit dieses Veröffentlichung erntete von nahezu der gesamten deutschsprachigen Presse Hohn und Spott. Dafür wurden Elizabeth Cady Stanton und Susan B. Anthony auf sie aufmerksam.
Im Herbst 1852 erfolgte ein Umzug nach New Jersey. Am 6. Dezember 1853 trat Mathilde Franziska Anneke zum ersten Mal vor einer amerikanischen Frauengemeide in New York auf. In dieser Zeit bekam sie auch Kontakt zur American woman's rights movement. Auf deren Kongreß in New York 1853 hielt sie dann auch eine ihrer flammenden Reden gegen Prohibition, Nationalismus, Klerikalismus und Ungleichheit der Geschlechter.
Am 5. Dezember 1855 wurden die Zwillinge Herta und Irla geboren. Am 6. März 1858 starben die Kinder Fritz und Irla an einer Pockenepidemie – der Vater hatte sich geweigert, mit seiner Familie an einer Impfung teilzunehmen. Wenn man die hygienischen Verhältnisse der Zeit kennt, kann man das fast schon wieder verstehen.
Im Mai 1858 erfolgt ein Umzug zurück nach Milwaukee. Genau ein Jahr darauf reiste Fritz Anneke nach Europa ab. Am 21. Juni 1860 folgte ihm seine Ehefrau, inzwischen schwer leberkrank, in die Schweiz. Als am 23. September 1861 Fritz Anneke in die USA zurückkehrte, trennte sich das Ehepaar, ließ sich aber nie offiziell scheiden. Bis zu ihrer Rückkehr in die USA arbeitete Anneke als Journalistin und unterstützte auch Mary Booth bei ihrer Arbeit.
Im Juli oder August 1865 kehrte Mathilde Franziska Anneke nach Milwaukee zurück. Schon vier Wochen später gründete sie zusammen mit ihrer Freundin Cecilia Kapp das Milwaukee-Töchter-Institut. Kapp wurde später Professorin am Vassar College und war die Cousine von Friedrich Kapp. Diese Mädchenschule hielt ihren gesamten Unterricht in deutscher Sprache ab und war 18 Jahre in Betrieb.
Im Dezember desselben Jahres starb ihre Mutter. 1869 war Anneke eine der Mitbegründerinnen der Wisconsin woman suffrage association. Für diesen Verein trat sie auf mehreren Kongressen der National woman suffrage association auf und wurde auch zu ihrer ersten Vize-Präsidentin gewählt.
Am 6. Dezember 1872 starb Fritz Anneke in Chicago. Durch einen Unfall im Juli 1876 bleibt ihre rechte Hand gelähmt, und sie muß fort an alles diktieren. Im darauffolgenden Herbst starb ihre älteste Tochter Fanny.
Am 5. Juni 1880 trat Mathilde Franziska zum letzten Mal öffentlich auf und hielt eine viel beachtete Rede beim Frauenkongreß in Milwaukee.
Im Alter von 67 Jahren starb Mathilde Franziska Anneke in Milwaukee. Bei den Feierlichkeiten der Beerdigung hielt Charles Hermann Boppe eine ergreifende Grabrede. Ihr Grab befindet sich im Milwaukee Forrest Home Cemetery.
Am 10. November 1988 (Erstausgabetag) ehrte die Deutsche Bundespost in Berlin Mathilda Franziska Anneke mit einer Briefmarke (Mi827).
Werke
- Des Christen freudiger Augenblick zum ewigen Vater (1837)
- Die gebrochenen Ketten (1844)
- Das Geisterhaus (1848)
- Der Heimathgruß (1840)
- Memoiren einer Frau aus dem badisch-pfälzischen Feldzuge (1853)
- Oithono oder die Tempelweihe (1842)
- Der politische Tendenz-Prozeß gegen Gottschalk, Anneke und Esser (1848)
- Das Weib im Conflict mit den socialen Verhältnisen (1847)
Literatur
- Gebhard, Manfred: Mathilde Franziska Anneke. - Berlin : Verl. Neues Leben, 1988
- Wagner, Maria: Mathilda Franziska Anneke in Selbstzeugnissen und Dokumenten. - Frankfurt/M. : Fischer, 1980
- [http://www.library.wisc.edu/etext/WIReader/WER0124-5.html Theodora Youmans,
1921, How Wisconsin Women Won the Ballot, Wisconsin Electronic Reader, University of Wisconsin-Madison]
Weblinks
- International Institute of Social History - 7 Mikrofilme zu Leben und Werk
- The Anneke Gallery - Wisconsin Electronic Reader, University of Wisconsin-Madison
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Anneke, Mathilde Franziska |
| KURZBESCHREIBUNG | Schriftstellerin und Journalistin |
| GEBURTSDATUM | 3. April 1817 |
| GEBURTSORT | Hiddinghausen, heute zu Sprockhövel |
| STERBEDATUM | 25. November 1884 |
| STERBEORT | Milwaukee, Wisconsin |