„Migros“ – Versionsunterschied
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Die Zahlen und Fakten der Migros-Gruppe des Jahres 2005 (in Klammern die Veränderung gegenüber dem Vorjahr): |
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* '''Umsatz:''' 20.375 Mrd. CHF (+ 0.4%) |
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Version vom 23. Oktober 2006, 00:07 Uhr
Die Migros (weiblich, da Kurzform von Migros-Genossenschaft z. T. umgangssprachlich auch männlich (Migros-Laden) oder sächlich (Migros-Geschäft); ausgesprochen Mí gro) ist das grösste Einzelhandelsunternehmen in der Schweiz – vor Coop – und ist in allen Kantonen vertreten.
Das Unternehmen
Das Logo der Migros ist ein gross geschriebenes oranges M, so dass das Unternehmen häufig auch als oranger Riese bezeichnet wird. Die Migros wurde 1925 von Gottlieb Duttweiler gegründet. Der Name stammt von den beinahe-Engros-Preisen (französisch mi "Halb-") der angebotenen Produkte; als Mittelding zwischen en-gros und en-détail.
Zehn Genossenschaften haben als Tochterunternehmen den Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) gegründet. Diese Genossenschaften haben - zumindest für das Detailhandelsgeschäft - sowohl Flächen- als auch Personalhoheit, so dass Grundsatzentscheide de facto immer nur im Konsens getroffen werden können. Die einzelnen Mitglieder der Genossenschaften selbst sind heute ein Grossteil der Schweizer Einwohner, weswegen man vereinfacht sagen kann, dass die Migros ihren Kunden gehört.
Die meisten Leute begreifen die Migros vor allem als Einzelhandels- oder Detailhandelsunternehmen. Dieses Kerngeschäft des Konzerns wird durch das bekannte orangene M symbolisiert. Zur Migros zählen jedoch auch zahlreiche weitere Unternehmen, beispielsweise das Kreditinstitut Migrosbank, die Buch- und Medienhandelskette Ex Libris, die Migrol-Tankstellen, eigene Fitnesscenter, Golfplätze oder das Reisebüro Hotelplan. Die Migros betreibt mit den Klubschulen ein dichtes Netz (54 Standorte) von Weiterbildungseinrichtungen, finanziert das Gottlieb Duttweiler Institut für wirtschaftliche und soziale Studien. Finanziert werden diese im weiteren Sinne kulturellen Aktivitäten durch das "Migros-Kulturprozent" aus den Konzerneinnahmen. Dieser wurde 1957 ins Leben gerufen: ein Prozent des Umsatzes wird von der Migros jedes Jahr in Kultur und Weiterbildung inverstiert.
Die Migros besitzt viele Fabrikationsbetriebe für die Migros-Eigenmarken. Ausserdem ist die Migros mit Restaurants im Bereich der Gastronomie tätig. Sie ist die grösste Gastronomiekette der Schweiz. Ausserdem besitzt die Migros eigene Einkaufszentren.
Migros verkauft heute noch keine Tabakwaren und keinen Alkohol in ihren Geschäften. Um das Angebot an Tabakwaren und Alkohol zu komplementieren werden an grösseren Standorten auch Verkaufsfläche an andere Einzelhandelsunternehmen wie Denner vermietet. Dadurch kann das Migros-Sortiment komplettiert werden, ohne dass die Migros selbst Tabakwaren oder Alkohol in ihren Filialen anbieten müsste. Allerdings wird dieses eiserne Prinzip zunehmend aufgeweicht, werden doch z.B. in Shops von Migrol-Tankstellen Migrosartikel, Alkoholika und Zigaretten gleichzeitig angeboten. Andere Konzerngesellschaften, wie zum Beispiel das Warenhaus Globus, führen ebenfalls Alkoholika im Sortiment.
Die Migros hat ebenfalls ein Benennungssystem zur Andeutung der Grösse von Läden der Genossenschaft entwickelt. Eine M-Migros ist ein kleiner Lebensmittelladen an der Ecke, der nur die Waren des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Hygiene) führt, eine MM-Migros hat eine erweiterte Palette Lebensmittel, sowie ein breites Non-Food-Angebot. Eine MMM-Migros beinhaltet oft noch eine Bäckerei, eine Gourmessa (take away), einen Kiosk, m-electronics (Elektronikartikel), und SportXX-Geschäfte. Weitere Migros-Fachmärkte sind Micasa (Möbel) und do-it + Garden (Baumarkt), ebenso Obi Schweiz.
Geschichte
Gottlieb Duttweiler war ein Pionier und Visionär mit dem Ziel, den Lebensmittelhandel zu revolutionieren. Am 25. August 1925 fuhren die ersten Ford T-Verkaufswagen der Migros in Zürich aus. Die Migros erhielt von den Hausfrauen - dank Tiefpreisen - sofort Zuspruch. Seit 1928 stellte die Migros auch Eigenproduktionen her, das erste Produkt war ein Süssmost.
Angestammte Lebensmittelhändler fühlten sich attackiert. So versuchten sie zusammen mit Parteien, Politikern und Gewerkschaften, die Migros zu ruinieren. Die Konsumenten jedoch erkannten den Wert der Migros und diese war immer erfolgreicher. Die Migros expandierte kurz darauf in anderen Kantonen und eröffnete - neben den Verkaufswagen - auch Läden.
In einigen Kantonen wurde die Migros daraufhin mit politischen Beschlüssen für Jahre bzw. Jahrzehnte verboten.
Dies bremste jedoch den Erfolg der Migros nicht. 1935 gründete die Migros ein Reisebüro, Hotelplan (abgekürzt: Hopla) und 1937 einen Giro-Dienst. 1936 gründete Gottlieb Duttweiler eine eigene politische Partei, den Landesring der Unabhängigen (LdU). Die Partei hatte den Übernamen Migros-Partei.
Die ursprüngliche Aktiengesellschaft wurde 1941 in eine Genossenschaft umgewandelt. 1942 wurde die Migros-Zeitschrift Brückenbauer lanciert; seit 2004 heisst die Zeitschrift Migros-Magazin. Dieses ist heute eine der auflagenstärksten Zeitschriften der Schweiz. Jeder Genossenschafter - dessen Beitritt umsonst ist - erhält das Migros-Magazin gratis. 1944 wurden die Migros-Klubschulen gegründet, mit dem Ziel, Weiterbildung für das Volk zu günstigen Konditionen zu ermöglichen. Heute sind die Klubschulen eine der erfolgreichsten Institutionen in der Erwachsenenbildung.
1948 lancierte die Migros in einem Pionierakt Selbstbedienungsläden nach der Idee von Elsa Gasser, eine polnische Emigrantin, die als promovierte Nationalökonomin Duttweiler beriet. Anfangs der 1950er Jahren führte die Migros Restaurants ein, bot auch Non Food-Artikel an und gründete die Buchhandlung Ex Libris. Seit 1954 hat die Migros eine eigene Tankstellenkette, die Migrol. Diese bot Benzin günstiger an als die Konkurrenz. 1957 wurde das Migros Kulturprozent ins Leben gerufen: 1% des Umsatzes investierte die Migros in Kultur und Weiterbildung. 1957 stieg die Migros mit der Migrosbank in das Bankwesen ein. Das später selbständig gewordene Tochterunternehmen Migros Türk wurde 1954 gegründet. Ein Jahr später hatte die Migros eine eigene Versicherung, die Secura. Secura wurde jedoch 1999 an Generali verkauft und per 2000 mit Schweizer Union und Fortuna zur Generali Schweiz fusioniert.
Ein wichtiger Punkt war die Einführung der Produktedeklaration und das Angeben des Haltbarkeitsdatums im Jahre 1967. Dies geschah unter dem Begriff migros-data. 1974 führte die Migros das M-Sano ein, einen Vertreter der integrierten Produktion.
1979 wurde der damalige Vizedirektor und Leiter des Gottlieb-Duttweiler-Institut, Hans A. Pestalozzi wegen radikaler Ideen durch den damaligen Chef Pierre Arnold fristlos entlassen. 1980 erzwang Pestalozzi mit der Bewegung M-Frühling eine kurzzeitige Öffnung von Migros und freie Wahlen.
1986 führte die Migros das erste Freizeit-Center ein, den Säntispark in Abtwil SG. 1993 expandierte die Migros in das grenznahe Ausland nach Österreich (inzwischen wieder eingestellt) und Frankreich. Heute hat die Migros auch in Deutschland mehrere Warenhäuser. Das erste wurde 1995 in Lörrach eröffnet, in dem auch heute noch die Deutschlandzentrale liegt. 2003 wurden in Freiburg i. Br. und Bad Säckingen zwei weitere Migrosmärkte in Deutschland eröffnet. 1997 übernahm die Migros die Globus-Gruppe.
In klassischen Migros-Filialen wird zwar bis heute auf den Verkauf von Alkohol und Tabakwaren verzichtet. Migrol-Tankstellen- und Avec-Bahnhofshops mit Migros-Sortiment, sowie Globus-Filialen unterliegen jedoch nicht dieser Selbstbeschränkung. Der traditionelle Verzicht auf den Verkauf von Markenartikeln wurde mittlerweile ebenfalls aufgeweicht. Bei den meisten Produkten im Sortiment der Migros handelt es sich trotzdem immer noch um Eigenmarken.
M-Budget und Migros Sélection
1996 lancierte die Migros die Billiglinie M-Budget. Anfangs waren es 70 Produkte. Bis heute (2006) wurde das Sortiment auf 380 M-Budget-Produkte erweitert. «Die M-Budget-Produkte sollen möglichst billig aussehen», lautete der Auftrag an die Verpackungsdesigner. Sie verzichteten deshalb auf kreative Extravaganzen und präsentierten eine rein grafische Lösung, die sich mit Grün, Weiss, ein wenig Schwarz und ein bisschen Orange sowie dem Migros-Logo begnügt.
Die Absicht von M-Budget war und ist es, Konsumenten mit kleinem Budget und grosse Familien anzusprechen. Beliebt war die Linie von Anfang an aber auch in der Mittelschicht und bei Gutverdienenden. Inzwischen sind die M-Budget-Produkte auch bei Jugendlichen "in". Vor allem durch neue Produkte, beispielsweise das M-Budget-Snowboard, gilt die Marke heute gar als "trendy". Der M-Budget-Energy-Drink hat dem ehemaligen Marktführer Red Bull mittlerweile sogar den Rang abgelaufen. Beliebt sind auch die schweizweiten M-Budget-Partys, bei denen alkoholfreie Getränke kostenlos sind.
Seit 2005 gibt es M-Budget Mobile. Es handelt sich dabei um ein günstiges Prepaid-Angebot, das ausschliesslich Telefonieren, SMS und minutenbasierende WAP-Einwahl anbietet. Andere Dienste wie MMS, GPRS oder ein Anrufbeantworter werden nicht angeboten.
Im Herbst 2006 lanciert die Migros in Zusammenarbeit mit Mastercard und der GE Money Bank gar eine M-Budget-Kreditkarte.
Als Gegenstück zur Billigmarke M-Budget startete Migros im September 2005 die neue Produktlinie Migros Sélection. Die Linien Budget und Sélection sowie die Standard-Produkte sind preislich und qualitativ differenziert.
Genossenschaften
Den Kern der Migros bilden die regionalen Genossenschaften. Seit 1998 existieren zehn Genossenschaften (mit Hauptsitz):
- Genossenschaft Migros Aare, Moosseedorf/Schönbühl
- Genossenschaft Migros Basel, Basel
- Société Coopérative Migros Genève, Carouge GE
- Genossenschaft Migros Luzern, Dierikon
- Société Coopérative Migros Neuchâtel-Fribourg in Marin-Epagnier
- Genossenschaft Migros Ostschweiz, Gossau SG
- Società Cooperativa Migros Ticino, Sant'Antonino
- Société Coopérative Migros Valais, Martigny
- Société Coopérative Migros Vaud, Ecublens VD
- Genossenschaft Migros Zürich, Zürich
Die traditionell grösste (nach Anzahl Genossenschafter und Umsatz) der ehemals zwölf Genossenschaften war Zürich. In zwei Fusionen wurde 1998 die Anzahl Genossenschaften von zwölf auf die heutigen zehn reduziert, dabei entstanden die beiden grossen Genossenschaften Migros Aare und Migros Ostschweiz. Vier Genossenschaften in ihrer alten Form sind dadurch verschwunden:
- Genossenschaft Migros Aargau/Solothurn, Suhr – Teil von Migros Aare
- Genossenschaft Migros Bern, Moosseedorf – neu Migros Aare
- Genossenschaft Migros Winterthur/Schaffhausen, Winterthur – Teil von Migros Ostschweiz
- Genossenschaft Migros St. Gallen, Gossau SG – neu Migros Ostschweiz
Migros-Industrie
Die Unternehmensgruppe Migros-Industrie umfasst die Produktionsbetriebe der Migros-Gemeinschaft. Durch die politisch motivierte Lieferweigerung diverser Hersteller in den Anfangsjahren der Migros, war das Unternehmen gezwungen, ein eigenes Herstellernetz aufzubauen. Weitere Fabriken wurden von der Migros gekauft. Dadurch konnte die Migros günstig eine eigene Produktepalette herstellen. Erst in jüngerer Zeit sind Markenprodukte in grösserer Auswahl erhältlich. Produkte der Migros-Industrie werden, oft unter anderen Markennamen, auch ins Ausland exportiert.
Zu den wichtigsten Produktionsbetrieben gehören:
- Bischofszell Nahrungsmittel AG (BINA), Bischofszell
- Konserven, Fruchtsäfte, Kartoffelprodukte, Convenience-Produkte
- Chocolat Frey AG, Buchs AG
- Schokolade, Confiserieprodukte, Kaugummi, Süsswaren
- Estavayer Lait SA (ELSA), Estavayer-le-Lac
- Milch, Milchprodukte
- Jowa AG, Volketswil, mehrere Standorte
- Backwaren, Konditoreiprodukte, Frischback-Produkte
- Mibelle AG, Buchs AG
- Kosmetika, Pflegeprodukte
- Micarna SA, Courtepin, mehrere Standorte
- Fleischwaren, seit 2006 Geflügel
- Mifa AG, Frenkendorf
- Waschmittel, Reinigungsmittel, Flüssigfette, Brotaufstriche
- Midor AG, Meilen
- Biscuits, Gebäck, Glacé, "Partysnacks"
- Mifroma SA, Ursy, mehrere Standorte
- Käselagerung
- Migros Betriebe Birsfelden AG (MBB), Birsfelden
- Kaffeerösterei, Verpackungstrasse, Trockenprodukte
- Optigal SA, Courtepin, mehrere Standorte; per Anfang 2006 in Micarna integriert
- Geflügelfleisch
- Riseria Taverne SA, Torricella-Taverne
- Reisverarbeitung
- Seba Aproz AG, Nendaz
- Mineralwasser, Getränke
- Swiss Delice AG, Suhr
- Vertriebslabel für Produkte der Migros-Industrie im Ausland (Milchprodukte, Schokolade, Gebäck, Kartoffelprodukte)
- Walter Leuenberger AG, Huttwil
- Teigwaren, Senf
Zahlen & Fukten
Die Zahlen und Fakten der Migros-Gruppe des Jahres 2005 (in Klammern die Veränderung gegenüber dem Vorjahr):
- Umsatz: 20.375 Mrd. CHF (+ 0.4%)
- davon Umsatz M-Budget: 480 Mio. CHF (+ 67%)
- Gewinn: 699 Mio. CHF (+ 154 Mio./28.3%)
- Angestellte: 81'049 Personen (- 1'223 infolge Restrukturierungsmassnahmen)
- Eigenkapitalquote: 9.634 Mrd. CHF oder 57.4% der Bilanzsumme (+ 7.9%)
- Filialnetz: 590 Standorte (inkl. Fachmärkte und Ausland)
Literatur
- Katja Girschik, Albrecht Ritschl, Thomas Welskopp (Hrsg.): Der Migros-Kosmos. Zur Geschichte eines aussergewöhnlichen Schweizer Unternehmens. hier + jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte, Baden 2003 ISBN 3-906419-64-9
- Sibylle Brändli: Der Supermarkt im Kopf. Konsumkultur und Wohlstand in der Schweiz nach 1945. Böhlau Verlag, Wien 2000 ISBN 3-205-99264-4
- Alfred A. Häsler: Das Abenteuer Migros. Migros Genossenschaftsbund im Verlag der Migros Presse, Zürich 1985