Zum Inhalt springen

„Phaidon“ – Versionsunterschied

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
[ungesichtete Version][ungesichtete Version]
Inhalt gelöscht Inhalt hinzugefügt
K Weblinks: - Weblink; Nein, Mendelssohns "Phädon" ist nicht Platons; M. knüpft an P. an, aber es ist insgesamt ein anderer Text, andere Argumente etc.; daher muss der Link unterbleiben
K Hinweis zu Echekrates; Grammatik
Zeile 1: Zeile 1:
[[Platon]]s Dialog '''Phaidon''' schildert das letzte Zusammentreffen [[Sokrates]] mit seinen Freunden. Dieser [[Platon|platonische]] Dialog ist zeitlich und thematisch an die [[Apologie|Apologie des Sokrates]] angelehnt, gehört aber zu den mittleren Schriften, in denen die [[Ideenlehre]] im Mittelpunkt steht. Schriften aus dieser Periode sind außerdem das [[Das Gastmahl (Platon)|Symposion]], der [[Phaidros]] und [[Politeia]] II - X.
[[Platon]]s Dialog '''Phaidon''' schildert das letzte Zusammentreffen des [[Sokrates]] mit seinen Freunden. Dieser [[Platon|platonische]] Dialog ist zeitlich und thematisch an die [[Apologie|Apologie des Sokrates]] angelehnt, gehört aber zu den mittleren Schriften, in denen die [[Ideenlehre]] im Mittelpunkt steht. Schriften aus dieser Periode sind außerdem das [[Das Gastmahl (Platon)|Symposion]], der [[Phaidros]] und das zweite bis zehnte Buch der [[Politeia]]. Auf die Bitte des [[Pythagoras|Pythagoreers]] [[Echekrates]] aus [[Phleius]] berichtet Phaidon diesem von den letzten Stunden des Sokrates und von dem letzten Gespräch: der Argumentation vom Fortleben der Seele. Phaidon selber gründete nach Sokrates Tod eine [[Philosophenschule]] in [[Elis]] und schrieb sokratische Dialoge.
Auf die Bitte des [[Pythagoras|Pythagoreers]] [[Echekrates]] berichtet Phaidon diesem von den letzten Stunden Sokrates und von dem letzten Gespräch: der Argumentation vom Fortleben der Seele. Phaidon selber gründete nach Sokrates Tod eine [[Philosophenschule]] in [[Elis]] und schrieb sokratische Dialoge.


== Gedankengang ==
== Gedankengang ==

Version vom 27. Juli 2006, 10:36 Uhr

Platons Dialog Phaidon schildert das letzte Zusammentreffen des Sokrates mit seinen Freunden. Dieser platonische Dialog ist zeitlich und thematisch an die Apologie des Sokrates angelehnt, gehört aber zu den mittleren Schriften, in denen die Ideenlehre im Mittelpunkt steht. Schriften aus dieser Periode sind außerdem das Symposion, der Phaidros und das zweite bis zehnte Buch der Politeia. Auf die Bitte des Pythagoreers Echekrates aus Phleius berichtet Phaidon diesem von den letzten Stunden des Sokrates und von dem letzten Gespräch: der Argumentation vom Fortleben der Seele. Phaidon selber gründete nach Sokrates Tod eine Philosophenschule in Elis und schrieb sokratische Dialoge.

Gedankengang

Ausgehend von seinen durch die Fesseln schmerzenden Hände, denkt Sokrates über das eigenartige Verhältnis von Lust und Schmerz nach, um dann zu dem Schluss zu kommen, dass der Philosoph gerne sterbe. Der Bestürzung des Kebes über diese Äußerung wird durch das Argument begegnet, dass die Seele weiter fortlebe und deshalb der Philosoph ja im Tode das Ziel seines Strebens erreicht habe - Unabhängigkeit. Doch da Kebes mit dieser Erklärung nicht zufrieden ist, erläutert Sokrates seine Äußerung durch die Erzählung von der Wanderung der Seele durch den Hades und vom Vergehen und Entstehen in der Natur. In dieser Argumentation spielen sich pythagoreische und heraklitische Einflüsse wieder: wie das Kalte aus dem Warmen entstehe oder das Wachende aus dem Schlafenden, so entstehe das Leben aus dem Tod. Dieser Gedanke der Seelenwanderung steht in dieser Argumentation in Verbindung mit dem Begriff der Wiedererinnerung, der Anamnesis, die insbesondere im Dialog Menon dargelegt wird. Als dritter wichtiger Beweis wird die Ähnlichkeit der Seele mit dem unsichtbar Beständigen aufgeführt. Sokrates unterscheidet hier zwei Formen des Seins, deren Beschaffenheit grundsätzlich verschieden ist: Sinnendinge und Ideen.

Die Ideenlehre im Phaidon

Da weder der Phaidon, noch ein anderer Dialog, eine Begründung der Ideenlehre enthält, bleibt es dem Leser überlassen, die Begründung zu rekonstruieren. Im "Phaidon" sind dafür die Abschnitte 72 e - 79 e und 95 e - 105 b wichtig. Zwei Themenfelder übernimmt die europäische Philosophie allerdings von Platon: die von Leib und Seele, sowie die von Sinnendingen und Ideen. Im Phaidon werden beide Themenkomplexe behandelt, denn er handelt von der Erkenntnis der Ideen, um die Unsterblichkeit der Seele zu beweisen.

Zitate aus Platons Schriften lassen sich zu der These verdichten, dass Platon an einer rationalen Erkennbarkeit der Ideen letztlich zweifelt. Seine Schriften lassen keinen festen Standpunkt erkennen. So ist die Ideenlehre mehr das Produkt der Rezeption, denn der Philosophie Platons.

Kurzgefasst kann gesagt werden, dass sich der Begriff der Idee als Vermittlung zwischen Welt als Wirkung und einer letzten Ursache des Seins verstehen läßt. In dem Sinne kann natürlich nur im übertragenen Sinne von einem Ideenhimmel oder dergl. gesprochen werden. Vom ontologischen Status der Ideen wird im Dialog Phaidon nicht gesprochen.

Wirkung

Der Dialog ist ähnlich wie die Apologie sprachlich und bezüglich der Person Sokrates literarisch sehr schön. Wohl aus diesem Grund ist dieser Dialog neben dem Menon, der Apologie und dem Symposion einer der bekanntesten Dialoge Platons. Seine Wirkung entfaltet er insbesondere durch den bekannten Argumentationsgang von dem Weiterleben der Seele nach dem Tod. Hatte Sokrates in der Apologie noch gesagt

„Nun aber ist die Zeit gekommen uns zu trennen, ich als derjenige der sterben wird, ihr als die, die weiterleben werden. Wer von uns den bessern Weg geht, dass bleibt allen verborgen, außer dem Gott.”

nimmt er hier im Phaidon eine wesentlich zuversichtlichere Haltung bezüglich des Weiterlebens der Seele nach dem Tode ein.

Platons Dialog erscheint beim ersten Lesen als recht eingängig und klar, allerdings verbirgt sich hinter dem lockeren Dialog eine sehr schwierige und logisch komplizierte philosophische Konstruktion. Daher sind in neuerer Zeit verschiedene Kommentare zu einzelnen Dialogen geschrieben worden, die dem Leser die Möglichkeit geben, sich den Themen Platons nach Gesichtspunkten neurer Forschung zu nähern. So wird zwar der Argumentation des Sokrates heute viele logische Fehler nachgewiesen, allerdings wird die These vertreten, dass Platon diese Fehler bewusst inszeniert, um seine Leser zu gründlicherem Nachdenken zu veranlassen. Häufig wird durch eine zu sehr vereinfachende Darstellung der Ideenlehre Platons, der Eindruck vermittelt, es handele sich hier um ein starres Konzept ontologischer Ordnungen - dass er sich aber vielmehr um das Sprachfeld einer der wichtigsten Themenfelder der Philosophie handelt, wird dabei übersehen. Nicht nur dass es keine ausformulierte Ideenlehre bei Platon gibt, dieser Begriff selber ist nachträglich auf das Konstrukt Platons gesetzt worden, weiter ist es auch nicht zulässig, die Dialogform außer Acht zu lassen, so ist der Dialog Phaidon in seiner Argumentation eher pythagoreisch, da die Gesprächspartner Pythagoreer sind. In der modernen Rezeption wird genau dieses berücksichtigt und mehr auf die Entfaltung eines Grundproblems hingewiesen, denn als auf eine feststehende Ideenlehre.

Literatur

  • Platon, Phaidon, in: Sämtliche Werke Bd. II, Hamburg 1994 - ISBN 349955562X
  • Platon, Phaidon, in: Sokrates im Gespräch. Frankfurt a.M. 1953.
  • Torsten Menkhaus: Eidos, Psyche und Unsterblichkeit. Ein Kommentar zu Platons Phaidon.Frankfurt/London 2003
  • Franz von Kutschera, Platons Philosophie II, Paderborn 2002,
  • David Bostock, Plato's Phaedo, Oxford 1986
  • Theodor Ebert: Platon, Phaidon, Übersetzung und Kommentar, Göttingen 2004
  • Platon: Phaidon in der Übersetzung von F. Schleiermacher