„Rudolf von Österreich-Ungarn“ – Versionsunterschied
| [gesichtete Version] | [gesichtete Version] |
Otberg (Diskussion | Beiträge) K Änderungen von 178.199.138.97 (Diskussion) wurden auf die letzte Version von Aka zurückgesetzt |
Zabia (Diskussion | Beiträge) K →Literatur: Wurzbach online verfügbar |
||
| Zeile 123: | Zeile 123: | ||
== Literatur == |
== Literatur == |
||
* {{BLKÖ|Habsburg, Rudolph Franz Karl Joseph|7|145|146}} |
|||
* ''Eine Orientreise vom Jahre 1881''. - Wien : Kaiserl.-Königl. Hof- u. Staatsdr., 1885 - [http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:061:1-66407 Digitalisierte Ausgabe] der [[Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf]] |
* ''Eine Orientreise vom Jahre 1881''. - Wien : Kaiserl.-Königl. Hof- u. Staatsdr., 1885 - [http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hbz:061:1-66407 Digitalisierte Ausgabe] der [[Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf]] |
||
* [[Brigitte Hamann]]: ''Kronprinz Rudolf. Ein Leben.'' Amalthea, Wien 2005, ISBN 3-85002-540-3 (als Taschenbuch: Piper, München 2006, ISBN 3-492-24572-2). |
* [[Brigitte Hamann]]: ''Kronprinz Rudolf. Ein Leben.'' Amalthea, Wien 2005, ISBN 3-85002-540-3 (als Taschenbuch: Piper, München 2006, ISBN 3-492-24572-2). |
||
Version vom 27. Dezember 2012, 17:14 Uhr

Rudolf, Kronprinz von Österreich-Ungarn (vollständiger Vorname: Rudolf Franz Karl Joseph) (* 21. August 1858 auf Schloss Laxenburg; † 30. Jänner 1889 auf Schloss Mayerling) war der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth. Er war Erzherzog-Thronfolger von Österreich-Ungarn.
Kindheit und Jugend

Der junge Kronprinz war sehr sensibel und sollte auf Wunsch des Vaters eine harte militärische Ausbildung erhalten. Der Sohn sollte ein guter Soldat, begeisterter Jäger und braver Katholik werden. Generalmajor Leopold Graf Gondrecourt wurde als Erzieher bestimmt. Der Haudegen ließ das Kind stundenlang in Regen und Kälte exerzieren, weckte ihn auch gelegentlich mit Pistolenschüssen und ließ ihn in den Wäldern des Lainzer Tiergartens plötzlich alleine, das Kind in Panik versetzend. Erst auf Druck seiner Mutter wurde diese Art der Ausbildung beendet und es wurden seine naturwissenschaftlichen Neigungen gefördert, da sie Joseph Graf Latour von Thurmburg zu seinem Erzieher bestimmte. So kam beispielsweise der deutsche Tierforscher Alfred Brehm an den Hof, um ihn zu unterrichten.
Rudolf war ein wissbegieriges und lerneifriges Kind und von schneller Auffassungsgabe, hatte aber wenig Interesse an Lesen, Schreiben und Fremdsprachen.[1]
Späteres Leben



Er unternahm zahlreiche Reisen, zunächst in Europa, später auch auf anderen Kontinenten, über die er mehrfach Berichte - unter seinem Namen oder anonym - verfasste. Darüber regte er eine Enzyklopädie Österreich-Ungarns, das so genannte Kronprinzenwerk, an und schrieb darin selbst mit. Außerdem war Kronprinz Rudolf ein angesehener Ornithologe. Er stand häufig mit seinem Vater in Konflikt, da er mit den Deutschliberalen und den Ungarn sympathisierte (siehe auch Österreichisch-Ungarischer Ausgleich 1848–1867).
Auf Druck des Kaisers musste er 1881 Prinzessin Stephanie, Tochter des belgischen Königs Leopold II. heiraten. Sie war gleichzeitig auch Rudolfs Tante zweiten Grades, da ihre Mutter Marie Henriette aus einer Nebenlinie der Habsburger stammte. Mit seiner Frau war er einige Zeit in Prag, wo es wiederholt zu Auseinandersetzungen kam. Anlässlich der Geburt ihrer Tochter, Erzherzogin Elisabeth Marie, kehrte er nach Wien zurück.
Rudolf litt unter starken Stimmungsschwankungen. Vermutlich nahm er sich in der Nacht vom 29. auf den 30. Jänner 1889 in Schloss Mayerling durch einen Schuss in den Kopf das Leben. Die 17-jährige Baronesse Mary von Vetsera starb ebenfalls dort. Dem Bericht des Arztes zufolge war sie von Kronprinz Rudolf erschossen worden. Dass die Baronesse tatsächlich durch einen Kopfschuss starb ist inzwischen geklärt.[2] Die Wiener Hofärzte obduzierten den Leichnam des Kronprinzen und attestierten eine "geistige Verwirrung", wodurch der Kronprinz mit allen kirchlichen Zeremonien beigesetzt werden konnte. Baronesse Mary wurde in das Stift Heiligenkreuz gebracht und auf dem Friedhof der Zisterzienserabtei beerdigt.
Der Verlauf der schicksalhaften Nacht ist bis heute ungeklärt, nachdem die Zeugen ihr Leben lang schwiegen oder widersprüchliche Aussagen machten.[3] Viele Dokumente wurden vernichtet. Der Suizid des Thronfolgers erschütterte das Vertrauen in die habsburgische Monarchie. Die angebliche Tatwaffe befand sich im Besitz Otto von Habsburgs; er wollte sie zeitlebens (1912 - 2011) nicht herausgeben. Ottos Mutter Zita und Ehefrau des letzten Kaisers, beharrte in ihren letzten Lebensjahren Historikern gegenüber darauf, dass Rudolf und seine Mary Vetsera in Mayerling nicht vom Kronprinzen selbst getötet wurden, sondern sie „politischen Meuchelmördern zum Opfer gefallen“ seien, wie das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel in ihrem Kurznachruf zu Zitas Tod 1989 berichtete.[4] Dies deckt sich mit der Aussage der Historikerin Brigitte Hamann, die nach einem Interview mit der österreichischen Wochenzeitschrift profil (2005) zitiert wird mit: „Kaiserin Zita […] wollte uns weismachen, dass Rudolf von den bösen Freimaurern hinterrücks ermordet worden sei […]. Das war gezielte Vernebelungstaktik.“[5] Schon im Jahr 1983 berichtete Die Zeit, dass nach Meinung Zitas, die behauptete dafür namentlich Täter anführen zu können, Rudolf „Opfer eines politisch motivierten Mordanschlags“ einer ausländischen Verschwörung gewesen, weil er sich nicht an einer Verschwörung zum Sturz von Kaiser Franz Joseph beteiligen und diese aufdecken wollte.[6] Auftraggeber sei nach Zita der französische Staatsmann Clemenceau gewesen.[7]
Rudolf setzte in seinem Testament vom 2. März 1887 seinen Vater Kaiser Franz Joseph als Testamentsvollstrecker ein. Darüber hinaus bat er ihn, die Vormundschaft für die Tochter Elisabeth Marie (1883–1963) zu übernehmen, die er gleichzeitig zu seiner Universalerbin machte.[8] Sie war seit dem 23. Januar 1902 mit Otto zu Windisch-Graetz (1873–1952) verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor; 1924 trennte sich das Paar.
Nach ihrer Scheidung von Otto heiratete sie den Sozialisten Leopold Petznek (1881 - 1956).[9]
Sonstiges
Mizzi Kaspar (28. September 1864 in Graz; † 29. Jänner 1907 in Wien) war die langjährige Geliebte von Rudolf. [10]
Rudolf wollte sich zusammen mit Mizzi umbringen, doch sie wollte nicht mit ihm sterben. Mizzi informierte die Polizei über Rudolfs Suizidpläne, was aber ohne jede Beachtung blieb.
Rudolf verbrachte seine letzte Nacht in Wien, den 27. Jänner 1889, bei Mizzi; am Tag darauf brach er nach Mayerling zu einer geplanten Jagd auf. Am Morgen des 30. Jänner wurde die beiden Leichen im Jagdschloss Mayerling entdeckt.
Rudolf vermachte Mizzi (zu dieser Zeit 24 Jahre alt) in seinem Testament 30.000 Gulden. Mizzi gab niemals ein Interview und lebte vollkommen zurückgezogen. Sie starb am 29. Januar 1907 laut Totenschauprotokoll an Rückenmarksverhärtung. In Wahrheit starb sie an Syphilis; vermutlich hatte Rudolf sie damit angesteckt.[10] Mizzi hinterließ keine Tagebücher, keine Briefe und keine Memoiren.
Ehrungen
Im Jahr 1862 wurde in Wien Innere Stadt (1. Bezirk) der Rudolfsplatz nach ihm benannt. Zahlreiche weitere in Wien nach ihm benannte Verkehrsflächen wurden mittlerweile umbenannt.
Mehrere Objekte waren bzw. sind nach Rudolf benannt:
- der Rudolf-Hof in der Hörlgasse 15 im 9. Bezirk, Alsergrund
- das Spital Rudolfinerhaus in der Billrothstraße 78 im 19. Bezirk, Döbling.
- das städtische Krankenhaus Rudolfstiftung in der Juchgasse 25 im 3. Bezirk, Landstraße
- die ehemalige Rudolfsbrücke über den Wienfluss (nicht mehr existent)
- die Rudolfskaserne (heute: Rossauer Kaserne)
Filme und Musicals

Die Geschehnisse um Schloss Mayerling waren beliebtes Thema in Filmen:
- Mayerling (USA 1936; mit Charles Boyer und Danielle Darrieux)
- Kronprinz Rudolfs letzte Liebe (Österreich/Deutschland 1956; mit Rudolf Prack und Christiane Hörbiger).
- Mayerling (Frankreich/Großbritannien 1968; mit Omar Sharif und Catherine Deneuve).
- Die große Orgie (Italien/Jugoslawien 1976)
- Kronprinz Rudolfs letzte Liebe (Deutschland/Österreich/Italien 2006; mit Max von Thun). Von diesem Film existiert auch eine längere Fassung in zwei Teilen: Kronprinz Rudolf – Der Rebell und Kronprinz Rudolf – Mayerling.
- The Illusionist (2006) (USA 2006; mit Edward Norton).
Von den Vereinigten Bühnen Wien wurde ein Musical über die Lebensgeschichte des Kronprinzen in Auftrag gegeben. Es wurde in Budapest im Mai 2006 unter dem Titel Rudolf - the last kiss (in ungarischer Sprache) uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung fand unter dem Titel Rudolf – Affaire Mayerling im Februar 2009 im Wiener Raimundtheater statt.
Stammbaum
| Stammbaum Rudolf von Österreich-Ungarn | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ururgroßeltern |
Kaiser |
König |
Pfalzgraf |
Erbprinz |
Herzog |
Herzog | ||
| Urgroßeltern |
Kaiser |
König |
Herzog | |||||
| Großeltern |
Erzherzog Franz Karl von Österreich (1802–1878) |
Herzog Max Joseph in Bayern (1808–1888) | ||||||
| Eltern |
Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916) | |||||||
|
Rudolf von Österreich-Ungarn (1858–1889) | ||||||||
Literatur
- Constantin von Wurzbach: Habsburg, Rudolph Franz Karl Joseph. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 7. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1861, S. 145 f. (Digitalisat).
- Eine Orientreise vom Jahre 1881. - Wien : Kaiserl.-Königl. Hof- u. Staatsdr., 1885 - Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
- Brigitte Hamann: Kronprinz Rudolf. Ein Leben. Amalthea, Wien 2005, ISBN 3-85002-540-3 (als Taschenbuch: Piper, München 2006, ISBN 3-492-24572-2).
- Rudolf. Ein Leben im Schatten von Mayerling. Ausstellungskatalog, Wien 1990.
- Brigitte Hamann: Rudolf. Majestät, ich warne Sie…, Geheime und private Schriften, Wien/München 1979.
- Sigrid-Maria Größing: Rudolf. Herzensbrecher, Freigeist, Psychopath, Salzburg 2006.
- Georg Markus: Kriminalfall Mayerling. Leben und Sterben der Mary Vetsera. Mit neuen Gutachten nach dem Grabraub, Wien/München 1993.
- Oscar von Mitis: Das Leben des Kronprinzen Rudolf, Leipzig 1928.
- Friedrich Weissensteiner (Hg.): Lieber Rudolf. Briefe von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth an ihren Sohn, Wien 1991.
- Sigrid-Maria Größing: Rudolf. Herzensbrecher, Freigeist, Psychopath, Salzburg 2006.
- Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H./Bundesmobilienverwaltung (Hrsg.): „Kronprinz Rudolf – Lebensspuren.“ Info-Mappe (Beschriftungs- und Kapiteltexte) zur Ausstellung vom 21. August 2008 bis 30. Jänner 2009 im Hofmobiliendepot (PDF).
Weblinks
- Erinnerungen an Kronprinz Rudolf: Monumente, Musik, Medaillen und mehr
- Das Mayerling-Archiv – Infos und Forschung über die Tragödie
- WDR-Reportage zum 150. Geburtstag Rudolfs
- Fünfzehn Tage auf der Donau , Wien , 1878, E-Book der Universitätsbibliothek Wien (eBooks on Demand)
- Nachlass im Österreichischen Staatsarchiv
Einzelnachweise
- ↑ Konrad Kramar, Petra Stuiber: Die schrulligen Habsburger - Marotten und Allüren eines Kaiserhauses. Verlag Ueberreuter, Wien 1999, ISBN 3-8000-3742-4
- ↑ Exhumierung der Leiche der M.V. und anschließende Gerichtsmedizinische Untersuchungen. Dargestellt in der Dokumentar-Fernsehsendung „Der Fall Rudolf“ (Österreich 2006) im Sender 3sat am 8. April 2012
- ↑ Nach 42-jährigem Stillschweigen spricht der letzte Augenzeuge von Mayerling. In: Wiener Sonntags-Zeitung / Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 20. April 1931, S. 7 (online bei ANNO).
- ↑ Gestorben: Zita von Habsburg. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1989, S. 286 (online).
- ↑ Vgl. Elisabeth Mayr: Die Mayerling-Affäre: Dargestellt anhand der österreichischen Historiographie 1889-2006. Seminararbeit an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, „Seminar: Politische Skandale und Gewalt in Österreich-Ungarn bis zum 1. Weltkrieg", Innsbruck 2007 (veröffentlicht im Grin-Verlag) ISBN 978-3-640-30190-4, S. 21. (Eingeschränkte Ansicht in der Google Buchsuche.), Fußnote 35: „‚Er wollte sich umbringen, solange er noch konnte‘. Interview mit Brigitte Hamann in: profil Nr. 42, 36. Jg., Oktober 2005, S. 120“
- ↑ Knalliger Knüller. In: Die Zeit, Ausgabe 13/1983. (Online).
- ↑ „Kronprinz Rudolf – Lebensspuren.“ Info-Mappe (Beschriftungs- und Kapiteltexte) zur Ausstellung 2008/2009, S. 43
- ↑ „Kronprinz Rudolf – Lebensspuren.“ Info-Mappe (Beschriftungs- und Kapiteltexte) zur Ausstellung 2008/2009, S. 33: „Testament des Kronprinzen. Wien, 2. März 1887, Tinte auf Papier, eigenhändig. H2_006“.
- ↑ Gestorben: Elisabeth Maria Petznek. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1963, S. 96 (online).
- ↑ a b Philipp Vandenberg: Die Frühstücksfrau des Kaisers. Vom Schicksal der Geliebten. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 3-404-64221-X, S. 67f.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rudolf von Österreich-Ungarn |
| ALTERNATIVNAMEN | Österreich-Ungarn, Rudolf Franz Karl Joseph von (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | Thronfolger von Österreich-Ungarn |
| GEBURTSDATUM | 21. August 1858 |
| GEBURTSORT | Schloss Laxenburg |
| STERBEDATUM | 30. Januar 1889 |
| STERBEORT | Schloss Mayerling |