„Schneewittchen“ – Versionsunterschied
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[[Datei:Offterdinger Schneewitchen (2).jpg|mini|Schneewittchen und die sieben Zwerge, Illustration von [[Carl Offterdinger]] (Ende 19. Jh.)]] |
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[[Datei:Schneewittchen2.jpg|mini|Der Prinz an Schneewittchens Glassarg, Illustration von [[Alexander Zick]] (1886)]] |
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'''Schneewittchen''' ist ein [[Märchen]] ([[Aarne-Thompson-Index|ATU]] 709). Es steht in den [[Grimms Märchen|Kinder- und Hausmärchen]] der [[Brüder Grimm]] an Stelle 53 als ''Sneewittchen'' (KHM 53). In der Erstauflage hieß es ''Sneewittchen (Schneeweißchen)'' ([[Niederdeutsche Sprache|ndt.]]: ''Snee'' „Schnee“, ''witt'' „weiß“). |
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'''Schneewittchen''' ist ein deutsches [[Märchen]] ([[Aarne-Thompson-Uther-Index|ATU]] 709). Das Schneewittchen-Märchen steht in ''[[Grimms Märchen|Kinder- und Hausmärchen]]'' der [[Brüder Grimm]] an Stelle 53 und heißt dort '''Sneewittchen''', in der [[Erstausgabe]] von 1812 war noch die Übersetzung ins Hochdeutsche ''Schneeweißchen'' angegeben ([[Niederdeutsche Sprache|niederdeutsch]] ''Snee'' „Schnee“, ''witt'' „weiß“), was dann wohl wegen der Gleichheit zu ''[[Schneeweißchen und Rosenrot]]'' geändert wurde. [[Ludwig Bechstein]] übernahm es in sein ''[[Deutsches Märchenbuch]]'' als Nr. 51 ''Schneeweißchen'' (1845 Nr. 60). Landläufig hat sich als Titel ''Schneewittchen'' durchgesetzt. |
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== Inhalt == |
== Inhalt == |
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Der Text folgt nicht der [[Ausgabe letzter Hand]] der Brüder Grimm von 1857 (siebte Auflage der ''Kinder- und Hausmärchen'').<ref name="Wikisource">Brüder Grimm: ''[[s:Sneewittchen (1857)|Sneewittchen (1857)]]'' auf [[Wikisource]].</ref> |
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=== Vorgeschichte === |
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Eines Tages wünscht sich die schöne Königin sehnlichst ein Kind. An einem kalten Wintertag sitzt sie am Fenster, das einen Rahmen aus schwarzem Ebenholz hat, und näht. Beim Betrachten der Schneeflocken wird sie abgelenkt und sticht sich mit der Nähnadel in den Finger. Als sie das Blut auf den Schnee tropfen sieht, denkt sie: {{"|Hätt ich ein Kind, das Haut so weiß wie Schnee, Lippen so rot wie Blut, und Haare so schwarz wie [[Ebenholz]]|<ref>[http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=969&kapitel=241&cHash=b2042df08bschneewi#gb_found Gutenbergprojekt]</ref>}} |
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=== Die böse Königin beneidet das schöne Schneewittchen === |
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Nach Schneewittchens Geburt stirbt ihre Mutter. Nach einem Jahr nimmt sich der König eine andere Gemahlin. Diese ist sehr schön, aber stolz, hochmütig und böse. Sie kann es nicht ertragen, an Schönheit übertroffen zu werden. Als ihr sprechender und allwissender Spiegel Schneewittchen und nicht sie die Schönste im ganzen Land nennt, beauftragt sie den Jäger, ihre Stieftochter umzubringen und ihr zum Beweis Lunge und Leber zu bringen, doch der Mann lässt das Mädchen laufen und bringt der Königin Lunge und Leber eines [[Frischling]]s. |
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[[Datei:Snow White Mirror 2.png|mini|Die Königin vor dem sprechenden Spiegel: ''»Spieglein, Spieglein an der Wand, /<!-- SCHRÄGSTRICH (VIRGEL), DER IN DEM ZITAT DEN ZEILENWECHSEL AUS DEM ORIGINAL AM ENDE DES ERSTEN VERSES MARKIERT --> Wer ist die Schönste im ganzen Land?«''<ref>{{Internetquelle |autor=Brüder Grimm |url=https://www.projekt-gutenberg.org/grimm/maerchen/chap150.html |titel=Schneewittchen |werk=Projekt Gutenberg-DE |hrsg= |abruf=2020-10-11}}</ref><br /> Illustration, wahrscheinlich von [[Theodor Hosemann]] (1852)]] |
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An einem Wintertag sitzt eine Königin am Fenster, das einen schwarzen Rahmen aus [[Ebenholz]] hat, und näht. Versehentlich sticht sie sich mit der Nähnadel in den Finger. Als sie drei Blutstropfen in den Schnee fallen sieht, denkt sie: {{" |Hätt’ ich ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das <!-- ACHTUNG, HINWEIS wegen wiederholter Falschangabe: Dies ist ein Zitat aus dem Märchentext der Brüder Grimm und darin kommt das Wort ‚Ebenholz‘ nicht vor, es heißt korrekt ‚schwarz wie das Holz an dem Rahmen‘! -->Holz an dem Rahmen! |}}<ref>{{Internetquelle |autor=Brüder Grimm |url=https://www.projekt-gutenberg.org/grimm/maerchen/chap150.html |titel=Schneewittchen |werk=Projekt Gutenberg-DE |hrsg= |abruf=2020-10-11}} In der Ausgabe letzter Hand der Brüder Grimm von 1857 lautet das Zitat: „hätt ich ein Kind so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen.“ (''[[s:Sneewittchen (1857)|Sneewittchen (1857)]]'' auf [[Wikisource]]).</ref> Ihr Wunsch erfüllt sich, und sie bekommt eine Tochter, die Schneewittchen genannt wird, weil sie weiß wie Schnee, rot wie Blut und Schwarz wie Ebenholz war.<ref>Das Weiße wird nicht ausdrücklich als Hautfarbe genannt, vgl.: „Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz, und ward darum das Sneewittchen (Schneeweißchen) genannt.“ (Brüder Grimm: Kinder- und Haus-Märchen Band 1 (1857). Göttingen 1857, S. 264.); „Da wollten sie es begraben, aber es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch, und hatte noch seine schönen rothen Backen.“ (ebd., S. 271.)</ref> Und wie das Kind geboren war, starb die Königin. |
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Datei:Maerchenbrunnen Berlin Friedrichshain 3.jpg|Skulptur am [[Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain]], 1913. Der Zwerg rechts oben ist dem Maler [[Adolph Menzel]] nachgebildet. |
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Während in der Ausgabe von 1812 noch die Königin und Mutter die böse Figur im Märchen ist, ist in der Ausgabe von 1857 die neue Gemahlin des Königs als Stiefmutter die böse Figur im Märchen. Diese ist sehr schön und ebenso [[Eitelkeit|eitel]]. Sie kann es nicht ertragen, an Schönheit übertroffen zu werden. Als Schneewittchen sieben Jahre alt ist, nennt der sprechende und allwissende Spiegel der Königin Schneewittchen und nicht sie als die Schönste im ganzen Land. Von [[Neid]] geplagt, beauftragt die Stiefmutter einen Jäger, das Kind im Wald umzubringen und ihr zum Beweis dessen Lunge<!-- BITTE BEACHTEN: IM HIER WIEDERGEGEBENEN MÄRCHENTEXT DER BRÜDER GRIMM ENTNIMMT DER JÄGER LUNGE UND LEBER EINES FRISCHLINGS, NICHT DAS HERZ EINES REHS ODER EINES ANDEREN TIERES, vgl. Text auf Wikisource: »Da rief sie einen Jäger und sprach „bring das Kind hinaus in den Wald, ich wills nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es tödten, und mir Lunge und Leber zum Wahrzeichen mitbringen.“ […] Und als gerade ein junger Frischling daher gesprungen kam, stach er ihn ab, nahm Lunge und Leber heraus, und brachte sie als Wahrzeichen der Königin mit.« --> und Leber zu bringen. Doch der Mann lässt das flehende Mädchen laufen und bringt der Königin Lunge und Leber eines [[Wildschwein|Frischlings]], die diese im Glauben, es seien Schneewittchens, kochen lässt und verspeist. Dies ist die Version von 1857. |
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Datei:Snow White Mirror 2.png|Die Königin steht vor dem sprechenden Spiegel. Illustration (1852); wahrscheinlich von [[Theodor Hosemann]] |
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Datei:Schneewittchen.jpg|Der Jäger und Schneewittchen, Illustration von Alexander Zick (1886) |
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In der Version von 1812 steht: Und bald darauf bekam sie ein Töchterlein, so weiß wie der Schnee, so roth wie das Blut, und so schwarz wie Ebenholz, und darum ward es das Sneewittchen genannt. Die Königin war die schönste im ganzen Land, und gar stolz auf ihre Schönheit. Sie hatte auch einen Spiegel, vor den trat sie alle Morgen und fragte: „Spieglein, Spieglein an der Wand: wer ist die schönste Frau in dem ganzen Land?“ da sprach das Spieglein allzeit: „Ihr, Frau Königin, seyd die schönste Frau im Land.“ Und da wußte sie gewiß, daß niemand schöner auf der Welt war. Sneewittchen aber wuchs heran, und als es sieben Jahr alt war, war es so schön, daß es selbst die Königin an Schönheit übertraf, und als diese ihren Spiegel fragte: „Spieglein, Spieglein an der Wand: wer ist die schönste Frau in dem ganzen Land?“ sagte der Spiegel: „Frau Königin, Ihr seyd die schönste hier, aber Sneewittchen ist noch tausendmal schöner als Ihr!“ Wie die Königin den Spiegel so sprechen hörte, ward sie blaß vor Neid, und von Stund an haßte sie das Sneewittchen, und wenn sie es ansah, und gedacht, daß durch seine Schuld sie nicht mehr die schönste auf der Welt sey, kehrte sich ihr das Herz herum. Da ließ ihr der Neid keine Ruhe, und sie rief einen Jäger und sagte zu ihm: „führ das Sneewittchen hinaus in den Wald an einen weiten abgelegenen Ort, da stichs todt, und zum Wahrzeichen bring mir seine Lunge und seine Leber mit, die will ich mit Salz kochen und essen.“ |
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Datei:Corrodi-Schneewittli.jpg|Die Zwerge entdecken das schlafende Schneewittchen. Illustration von [[August Corrodi]] (1866/67) |
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In der Version von 1812 wollte die Mutter ihr Kind umbringen lassen. |
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=== Schneewittchen und die sieben Zwerge === |
=== Schneewittchen und die sieben Zwerge === |
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Schneewittchen flüchtet in den Wald. Es kommt zu einem Häuschen, in dem ein Tisch für sieben Personen gedeckt ist, und nimmt sich von jedem Platz ein wenig zu essen und zu trinken. Dann probiert es die Betten aus, bis es ein passendes gefunden hat, und schläft ein.<ref>Diese Situation spiegelt sich in den Märchenversionen von ''[[Goldlöckchen und die drei Bären]]'' wider – Eine alte Frau, in Versionen seit [[Joseph Cundall]] ein kleines Mädchen (Goldlöckchen), kommt hier, wie Schneewittchen, in ein einsames Waldhäuschen und nascht von den unterschiedlich großen Schüsseln, probiert alle Stühle und alle Betten. Schneewittchens Art des Probierens hat noch den ethischen Hintergrund des gerechten Teilens, ein Aspekt, der bei Goldlöckchens kindlich-spontanem Vorgehen keine Rolle spielt und beim Verhalten der alten, bösartigen Frau, die nur von Gier getrieben wird, ebenfalls fehlt. Das Haus wird nicht von sieben Zwergen, sondern von drei Bären bewohnt.</ref> Als es dunkel ist, kommen die Hausbewohner, sieben [[Zwerg (Mythologie)|Zwerge]], die in den Bergen nach Erz gegraben haben, heim. Sie bemerken erstaunt, dass jemand ihre Sachen angerührt hat. Im Bett des siebten Zwerges finden sie das schlafende Kind und sind hingerissen von dessen Schönheit. Am nächsten Morgen erklärt Schneewittchen ihnen seine Lage, und es darf im Haus wohnen bleiben, wenn es die Hausarbeiten verrichtet. Schneewittchen willigt ein und ist nun tagsüber immer alleine, weswegen die Zwerge das Mädchen vor der [[Stiefmutter#Die Stiefmutter im Märchen|Stiefmutter]] warnen und es ermahnen, niemanden hereinzulassen. |
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[[Datei:Marianne Stokes Schneewittchen.jpg|miniatur|Schneewittchen liegt im gläsernen Sarg. Gemälde von [[Marianne Stokes]] (ca. 1880 bis 1900)]] |
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Schneewittchen flüchtet durch einen Wald, und die wilden Tiere tun ihr nichts. Sie kommt zu einem Häuslein, in dem ein Tisch für sieben Personen gedeckt ist, und bedient sich von ihm.<ref> Diese Märchensituation spiegelt sich in dem Märchen nach [[Robert Southey]] ''[[Goldlöckchen und die drei Bären]]'' - Goldlöckchen kommt hier, wie Schneewittchen, in ein einsames Waldhäuschen und nascht von den unterschiedlich großen Schüsseln, probiert alle Stühle und alle Betten - bei Schneewittchens Zwergenhausbesuch hat ihre Art des Probierens allerdings auch noch den ethischen Hintergrund des Teilens, ein Aspekt, der bei Goldlöckchens kindlich-spontanem Vorgehen keine Rolle spielt.</ref> Als es ganz dunkel ist, kommen die Herren des Häusleins, die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz gehackt und gegraben haben. Sie sind erstaunt, dass jemand von ihrem Tellerchen gegessen, aus dem Becherchen getrunken hat. Im Bett des siebten Zwerges finden sie sogar das schlafende Schneewittchen. Am nächsten Morgen erklärt Schneewittchen ihnen ihre Lage, und es darf im Hause wohnen bleiben, wenn es die Hausarbeiten verrichtet. Dann wird es ihr an nichts fehlen. |
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=== Die Königin vergiftet Schneewittchen === |
=== Die Königin vergiftet Schneewittchen === |
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[[Datei:Franz Jüttner Schneewittchen 6.jpg|mini|Die Königin und Schneewittchen nach dessen Biss in den giftigen Apfel, Illustration von [[Franz Albert Jüttner]] (1905)]] |
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Währenddessen befragt die böse Königin ihren Spiegel ein weiteres Mal nach der schönsten Frau im Königreich. Er verrät ihr, dass Schneewittchen noch am Leben ist und sich hinter den sieben Bergen im Haus der Zwerge versteckt. |
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Währenddessen befragt die böse Königin ihren Spiegel ein weiteres Mal nach der schönsten Frau im Königreich. Er verrät ihr, dass Schneewittchen noch am Leben ist und sich hinter den sieben Bergen im Haus der sieben Zwerge versteckt. |
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Dreimal verkleidet sich nun die Königin als Händlerin und bietet dem Mädchen unerkannt Waren an, mittels derer sie ihm das Leben nehmen will: Einen Schnürriemen zurrt sie so eng, dass Schneewittchen zu ersticken droht, einen Haarkamm und schließlich die rote Hälfte eines Apfels präpariert sie mit Gift. Jedes Mal lässt sich Schneewittchen täuschen und von den schönen Dingen betören, sodass es sie annimmt und wie tot hinfällt. Die ersten beiden Male können die Zwerge Schneewittchen ins Leben zurückholen, indem sie Riemen und Kamm entfernen. Beim dritten Mal finden sie die Ursache nicht und halten das Mädchen für tot. |
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Weil es so schön ist, legen sie es in einen gläsernen, mit Schneewittchens Namen und Titel beschrifteten Sarg, in dem es aussieht, als schliefe es nur. Sie stellen den Sarg auf einen Berg, wo auch die Tiere des Waldes das Mädchen betrauern und es immer von einem der Zwerge bewacht wird. Die böse Königin erhält von ihrem Spiegel die Auskunft, dass nun sie „die Schönste“ sei. |
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=== Die Erlösung und der Tod der Königin === |
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Ein Königssohn reitet vorüber und verliebt sich in die scheinbar tote Prinzessin. Als der Sarg auf sein Schloss getragen wird, stolpert er über eine Wurzel und das giftige Apfelstück rutscht Schneewittchen aus dem Hals. Sie erwacht und der Prinz und Schneewittchen halten Hochzeit, zu welcher auch die böse Königin eingeladen wird. Zur Strafe für ihre Taten werden ihr rotglühende Eisenpantoffeln angetan, in denen sie solange tanzen muss, bis sie tot zusammenbricht. |
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=== Schneewittchens Erlösung und der Tod der Königin === |
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== Motive und Deutungshorizonte == |
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Schneewittchen liegt sehr lange Zeit in dem Sarg und bleibt schön wie eh und je. Eines Tages reitet ein Königssohn vorüber und verliebt sich in die scheinbar tote Prinzessin. Er bittet die Zwerge, ihm den Sarg mit der schönen Königstochter zu überlassen, da er nicht mehr ohne ihren Anblick leben könne. Aus Mitleid geben die Zwerge ihm schweren Herzens Schneewittchen. Doch als der Sarg auf sein Schloss getragen wird, stolpert einer der Diener, und der Sarg fällt zu Boden. Durch den Aufprall rutscht das giftige Apfelstück aus Schneewittchens Hals. Sie erwacht, und der Prinz und Schneewittchen halten Hochzeit, zu der auch die böse Königin eingeladen wird. Voller Neugier, wer denn die junge Königin sei, von deren Schönheit ihr der Spiegel berichtet hat, erscheint sie, erkennt Schneewittchen und muss zur Strafe für ihre Taten in rotglühenden Eisenpantoffeln so lange tanzen, bis sie tot zusammenbricht. |
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[[Datei:Makart hans schneewittchen erhalt den giftkamm.jpg|miniatur|Schneewittchen erhält den Giftkamm, Gemälde von [[Hans Makart]] (1872)]] |
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== Motive und Deutungshorizonte == |
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Schneewittchen ist eine [[Kulturikone]]. In dem Märchen fokussieren sich Gehalte verschiedenster Erkenntnisse und Wahrnehmungen. So gibt es in Schneewittchen Aspekte der [[Psychologie]], der [[Soziologie]], der [[Geschichte]], der christlichen [[Theologie]], der griechischen [[Mythologie]], der [[Kosmologie]] und der [[Symbollehre]]. In dieser Verdichtung kultureller Zugangsformen ist Schneewittchen Inspriationsquelle für [[Malerei]], [[Musik]], [[Skulptur]], [[Film]], [[Literatur]] und [[Popkultur]]. |
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[[Datei:Makart hans schneewittchen erhalt den giftkamm.jpg|mini|''Schneewittchen erhält den Giftkamm'' (1872). Ölgemälde von [[Hans Makart]]]] |
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Schneewittchen ist eine Kulturikone. In dem Märchen verbinden sich Gehalte verschiedenster Erkenntnisse und Wahrnehmungen. So gibt es in Schneewittchen Aspekte der [[Psychologie]], der [[Soziologie]], der [[Geschichte]], der christlichen [[Theologie]], der griechischen [[Mythologie]], der [[Kosmologie]] und der [[Symbolik]]. In dieser Verdichtung kultureller Zugangsformen ist Schneewittchen Inspirationsquelle für [[Malerei]], [[Musik]], [[Skulptur]], [[Film]], [[Literatur]] und [[Popkultur]]. |
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Zentrale Motive von Schneewittchen sind der vergiftete [[Äpfel|Apfel]], die Zahl [[Sieben]], der [[Spiegel]], [[Gürtel]] und [[Kamm]], die kontrastierenden Farben [[Schwarz]], [[Rot]] und [[Weiß]], das [[Blut]] und der [[Winter]]. |
Zentrale [[Symbol]]e und [[Motiv (Literatur)|Motive]] von Schneewittchen sind der vergiftete [[Äpfel|Apfel]], die Zahl [[Sieben]], die [[Zwerg (Mythologie)|Zwerge]], der [[Spiegel]], [[Gürtel]] und [[Kamm]], die kontrastierenden Farben [[Schwarz]], [[Rot]] und [[Weiß]], das [[Blut]] und der [[Winter]]. |
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Das Motiv des todesähnlichen Schlafes findet sich auch im Grimmschen ''[[Dornröschen]]''. |
Das Motiv des todesähnlichen Schlafes findet sich auch im Grimmschen ''[[Dornröschen]]''. |
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=== Sieben === |
=== Sieben === |
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Die magische |
Die magische Märchenzahl [[Sieben]], die in ''Schneewittchen'' den Zwergen und den Bergen zugeordnet ist, verbindet dieses Märchen auch mit weiteren Märchen der Brüder Grimm: ''[[Die sieben Raben]]'' und ''[[Der Wolf und die sieben jungen Geißlein]]''. Die Überlegung, dass die Siebenzahl der Zwerge auf eine Zeitordnung hindeutet, wurde z. B. in der Benennung der Zwerge mit Wochentagsnamen filmisch<ref name="snow white">Caroline Thompson: ''Snow White'' 2001, mit Miranda Richardson und Kristin Kreuk, hier wird die Metaphorik von den sieben Zwergen und den sieben Wochentagen noch ausgeweitet auf das Motiv der sieben Farben des Regenbogens</ref> und theoretisch<ref name="ranke-graves">Robert Ranke-Graves: ''Die weiße Göttin – Sprache des Mythos'', S. 306–321 und S. 339, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-55416-X</ref> dargestellt. Dieser zeitmetaphorischen Bedeutung der Zahl Sieben folgend werden sieben Zwerge und sieben Berge zu etwas Raum- und Zeitübergreifendem. Dieses weiterführend könnten die sieben Begleiter Schneewittchens aber auch ein bildlicher Hinweis auf die Vorstellungen antiker Sternenkunde sein: Der [[Mond]] in Begleitung der (damals bekannten) Sonne, Erde und fünf [[Planet]]en auf der [[Ekliptik]]. Die [[Metapher|Metaphorik]] der sieben Zwerge kann darüber hinaus auf die antike Vorstellung der [[Koinzidenz]] von Sternordnung und Zeitordnung hinweisen, also der Koinzidenz der sieben Himmelskörper und der sieben Wochentage:<ref>Diese Überlegung wird auch von [[Hedwig von Beit]] geteilt und ausgeweitet.(Vgl.: Hedwig von Beit: ''[[Symbolik des Märchens]]''. Bern 1952, S. 259) Sie verbindet daneben – weniger einleuchtend – noch Verschiedenes mit der magischen Siebenzahl der Zwerge: Entstehung der Seele beim siebten Lachen des Urgottes, sieben Metalle, sieben Vokale, sieben Tonstufen und die Zahl Sieben als seelische Brücke zur Wandlung und zur seelischen Stabilität im Symbol der abgerundeten Zahl – der [[Acht]].</ref> Schneewittchen und die sieben Zwerge würden damit zu einem verschlüsselten Bild für die [[Erde]], die von den sieben wochentagnamensgebenden Himmelskörpern [[Sonne]], Mond, [[Mars (Planet)|Mars]], [[Merkur (Planet)|Merkur]], [[Jupiter (Planet)|Jupiter]], [[Venus (Planet)|Venus]] und [[Saturn (Planet)|Saturn]] begleitet wird.<ref>Einen weiteren Hinweis darauf, dass mit den sieben Zwergen hinter der sieben Bergen eine zeitliche Größe gemeint ist, bieten einige Schneewittchenvarianten: Im griechischen Märchen ''[[Myrsina]]'' flüchtet die Schneewittchen entsprechende Myrsina zu zwölf Brüdern, die die zwölf Monate verkörpern; Myrsina spielt hier metaphorisch den dreizehnten Monat des Mondjahres als kleine Schwester zu den zwölf, die Monate des Sonnenjahres verkörpernden Brüdern. Im armenischen Märchen ''[[Nourie Hadig]]'' kommt Nourie nicht zu sieben Zwergen, sondern zu einem Haus mit sieben Zimmern; im letzten Zimmer findet sie einen im Koma liegenden Prinzen, der sieben Jahre schläft und von Nourie gepflegt wird.</ref> |
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=== Blutstropfen === |
=== Blutstropfen === |
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Blutstropfen im Schnee neben einem Rahmen aus Ebenholz sind in dem Märchen das Ausgangsbild für die besondere Schönheit Schneewittchens. Die Dreizahl der Tropfen wurde von den Brüdern Grimm als eine Variante unter anderen gewählt. Das Bild der drei Blutstropfen auf weißem Untergrund verbindet ''Schneewittchen'' mit dem Grimm-Märchen ''[[Die Gänsemagd]]'': Hier sind drei Blutstropfen in einem Taschentuch neben dem Pferd Fallada das einzige Unterpfand für Leben und Achtung der Prinzessin. In dem Grimm-Märchen ''[[Der Liebste Roland]]'' haben drei Blutstropfen der feindlichen Hexentochter eine bannende und rettende Wirkung. Die [[Drei]]zahl der Blutstropfen in ''Schneewittchen'' korrespondiert auch mit den drei bedrohlichen Besuchen der Stiefmutter, bei denen sie in Form todbringender Geschenke die drei Attribute der [[Venus (Mythologie)|Venus]] überreicht.<ref>Robert Ranke-Graves: ''Die weiße Göttin – Sprache des Mythos'', S. 474, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-55416-X</ref> |
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=== Weitere Deutungsversuche === |
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== Stoff == |
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[[Datei:Arthur Rackham Snow White.jpg|mini|Illustration von [[Arthur Rackham]], 1909]] |
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Der Stoff des Märchens ''Schneewittchen und die sieben Zwerge'' ist geprägt von der Plastizität, die sich aus einer langen multikulturellen, sowohl mündlichen als auch schriftlichen Erzähltradition bilden kann.<ref>Ernst Böklen: Sneewittchenstudien 1 und 2; – fünfundsiebzig Varianten im engen Sinn; Leipzig 1910.</ref> |
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Zu der erotischen Ebene des Märchens ''Schneewittchen'' merkt der [[Erzählforschung|Erzählforscher]] [[Lutz Röhrich]] an, dass Schönheit in Märchen immer mit Liebe korrespondiert, was hier aber ausschließlich in pervertierter Form geschieht.<ref>Lutz Röhrich: ''… und wenn sie nicht gestorben sind …, Anthropologie, Kulturgeschichte und Deutung von Märchen.'' Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2002, ISBN 3-412-11201-1</ref> In Grimms Märchen sind die Vorgänge – verglichen mit anderen Versionen – nahezu asexuell geschildert. [[Heinz Rölleke]] stellt fest, dass diese Tendenz in späteren Ausgaben noch zunimmt.<ref>[[Tomi Ungerer]]: ''Tomi Ungerer’s Erzählungen für Erwachsene.'', München 192, ISBN 3-453-05598-5</ref> |
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Als die Gebrüder Grimm im 19. Jahrhundert mit ihrer Märchensammlung begannen eine Form für Schneewittchen zu finden, lagen in Buchform daneben zeitnah auch eine ähnliche Schneeweißchen-Fassung von Ludwig Bechstein und eine abweichende Fassung Musäus vor. |
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Für [[Rudolf Meyer (Anthroposoph)|Rudolf Meyer]] ist Schneewittchen des Menschen keusche, unverwesliche Lichtnatur, die der Sinnenbegierde verfällt. [[Hermann Beckh|H. Beckh]] habe die Handlung als christlichen Jahreszeitengang von Adventsstimmung bis Ostern dargestellt.<ref>Rudolf Meyer: ''Die Weisheit der deutschen Volksmärchen.'' Urachhaus, Stuttgart 1963, S. 217, 221–222.</ref> Nach der [[Analytische Psychologie|analytischen Psychologie]] [[Carl Gustav Jung]]s repräsentiert die [[Stiefmutter]] in vielen Märchen den [[Archetyp (Psychologie)|Archetypus]] des [[Schatten (Archetyp)|Schattens]] oder der [[Mutterarchetyp|nefasten Mutter]], also der zerstörenden und verschlingenden Mutter.<ref>[[Eugen Drewermann]]: ''Schneewittchen: Märchen Nr. 53 aus der Grimmschen Sammlung''. In der Reihe Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet, Zürich 1998. ISBN 3-530-40021-1</ref> Zur soziologischen ([[Strukturalismus|strukturalistischen]]) Interpretation des Märchens siehe ''[[Stiefmutter#Die Stiefmutter in der Wissenschaft|Die Stiefmutter in der Wissenschaft]]''. |
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[[Theodor Seifert (Psychologe)|Theodor Seifert]] geht vom Bild des Winters aus, der als seelisches Tief in Flocken „wie Federn“ kleine, kaum spürbare Gefühle der Veränderung enthält. Die einsame Königin im Fensterrahmen zeigt die Begrenztheit einer Perspektive, die unterbrochen wird in der unbeabsichtigten Dynamik des Stichs in den Finger, den Gegensatz von Blut in Schnee. Ein Kind kann immer als neues Prinzip aufgefasst werden, das mit dem Alten in Konflikt steht. Dem Namen Schneewittchen nach soll es nur rein und unschuldig sein, das Rot und Schwarz also verleugnend. (In der neuen Königin, die sich narzisstisch spiegelt, wird der alte Zustand wieder hergestellt.) So wie Jäger mit Tieren kommunizieren, vermittelt er hier zwischen Königin und unverstandenem, daher einem Tier gleichgesetzten Kind. Persönliche Veränderung gelingt in mühsamer Kleinarbeit, im Gegensatz zum Glanz bei Hof lebt Schneewittchen jetzt im Verborgenen. Der Apfel, dessen Rot und Weiß farblich die Eingangsszene wiederholt, kann eine Beziehung darstellen, in der Eitelkeit das Leben vergiftet. Nach [[Eugen Drewermann]] ist das Ausspucken des Apfels die endgültige Befreiung der unreifen Fixierung von der oralen Stufe.<ref>Drewermann, Eugen: Landschaften der Seele oder Wie wir Mann und Frau werden Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet, Patmos Verlag, 2015, S. 158</ref> Die Unzugänglichkeit, aber Klarsichtigkeit des Glassarges, als Bild auf Eis gelegter Entwicklung oder Beziehung in narzisstischer Zurschaustellung eigenen Leids, ruft doch nach Erlösung. Der Prinz gleicht dem Ich, das die gestörte Beziehung zum Unbewussten wiederbelebt. Die Königin repräsentiert nicht gelebte Individuation wider bessere Ahnung, weshalb zum Schluss nur Angst bleibt. Ihre Kühle trifft auf glühende Hitze, womit die Grausamkeit fortbesteht.<ref>Theodor Seifert: ''Schneewittchen. Das fast verlorene Leben.'' 8. Auflage. Kreuz, Zürich 1992, ISBN 3-268-00009-6 (zuerst 1983; Reihe ''Weisheit im Märchen'').</ref> [[Homöopathie|Homöopathen]] verglichen Teile des Märchens mit [[Kieselerde|Silica]],<ref>Herbert Pfeiffer: ''Die Umwelt des kleinen Kindes und seine Arznei.'' In: Uwe Reuter, Ralf Oettmeier (Hrsg.): ''Die Wechselwirkung von Homöopathie und Umwelt. 146. Jahrestagung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte.'' Erfurt 1995, S. 46–64.</ref> [[Kupfer|Cuprum]],<ref>Bernhard Schmid: ''Cuprum metallicum. „Spieglein, Spieglein an der Wand …“'' In: ''Documenta Homoeopathica.'' Band 16. Verlag Wilhelm Maudrich, Wien / München / Bern 1996, S. 107–114.</ref> [[Fliegenpilz|Agaricus]]<ref>Martin Bomhardt: ''Symbolische Materia medica.'' 3. Auflage. Verlag Homöopathie + Symbol, Berlin 1999, ISBN 3-9804662-3-X, S. 53, 512, 1235.</ref> bzw. [[Südamerikanischer Buschmeister|Lachesis]].<ref>Wolfgang Barck: ''Homöopathische Psychiatrie und Psychotherapie.'' 2. Auflage. Grundlagen und Praxis, Leer 2013, ISBN 978-3-937268-38-5, S. 144–147.</ref> Ein Psychiater versteht es im Zusammenhang mit gefährlichem Schlafmittelgebrauch.<ref>X. Pommereau, J. M. Delile, E. Caule: ''Hypnotic overdoses and fairy tales: Snow White and the uses of disenchantment.'' In: ''Suicide & life-threatening behavior.'' Band 17, Nummer 4, 1987, S. 326–334, PMID 3424400.</ref> [[Wilhelm Salber]] analysiert das Sich-Spiegeln im Märchen im Sinne seiner [[Psychologische Morphologie|psychologischen Morphologie]] als [[Symbol]] notwendiger Brechungen menschlichen Handelns.<ref>Wilhelm Salber: ''Märchenanalyse'' (= ''Werkausgabe Wilhelm Salber.'' Band 12). 2. Auflage. Bouvier, Bonn 1999, ISBN 3-416-02899-6, S. 72–76.</ref> Für [[Regina Kämmerer]] sind die glühenden Eisenschuhe der Königin das Echo ihres glühenden Hasses mit eisernem Willen, „… und wenn es mein eigenes Leben kostet“ – die absolute Gerechtigkeit des Märchens.<ref>Regina Kämmerer: ''Märchen für ein gelingendes Leben.'' KVC-Verlag, Essen 2013, S. 129–130.</ref> Der Psychotherapeut [[Jobst Finke]] erwähnt das Märchenmotiv des Todesschlafs als mögliche Metapher für die Einengungen in schwerer [[Depression]]. Die sieben Zwerge, die abends von der Arbeit kommen und denen sie den Haushalt führt, könnten das Väterliche sein, zu dem die Tochter flieht, oder aber die fürsorgliche Seite der neidischen Mutter. Ein solches Mädchen könnte magersüchtig werden, um nicht mit der Mutter als Frau zu rivalisieren.<ref>Jobst Finke: ''Träume, Märchen, Imaginationen. Personzentrierte Psychotherapie und Beratung mit Bildern und Symbolen.'' Reinhardt, München 2013, ISBN 978-3-497-02371-4, S. 154, 157, 193, 198-199, 208-209.</ref> Eugen Drewermann zeigt die drei begleitenden Tiere beim Schneewittchen mit den drei Eigenschaften auf, die eine Weisheit jenseits der menschlichen Grenzen vermitteln sollen – die Eule steht für die Weisheit, der Rabe für die Vorsicht und die Taube für die Güte.<ref>Drewermann, Eugen: Landschaften der Seele oder Wie wir Mann und Frau werden Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet, Patmos Verlag, 2015, S. 144</ref> |
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[[Datei:DBP 1962 387 Wohlfahrt Schneewittchen.jpg|miniatur|Schneewittchen isst vom vergifteten Apfel. [[Briefmarken-Jahrgang 1962 der Deutschen Bundespost|Briefmarke der Deutschen Bundespost (1962)]]]] |
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== Genese der Grimmschen Fassung == |
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[[Datei:Otto Ubbelohde - Schneewittchen.jpg|mini|Illustration von [[Otto Ubbelohde]], 1906–1909]] |
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Die Brüder Grimm haben sich mehrere Versionen des Märchens zusammengesucht und den Wortlaut verbunden und dadurch teilweise auch verkürzt. <ref name ="roelleke">Heinz Rölleke (Hrsg.): ''Die älteste Märchensammlung der Brüder Grimm. Synopse der handschriftlichen Urfassung von 1810 und der Erstdrucke von 1812.'' Fondation Martin Bodmer, Cologny-Geneve 1975, S. 244-265.</ref> In der ersten Ausgabe von 1812 ist die Königin die leibliche Mutter. Schneewittchen erwacht, als ihr ein Diener des Prinzen einen Schlag in den Rücken versetzt, aus Ärger, dass er das tote Mädchen den ganzen Tag herumtragen muss. Darüber hinaus bestehen viele kleinere Unterschiede wie die ausdrücklich erwähnten roten Backen des Mädchens oder das gemeinsame Mahl mit dem Prinzen. |
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[[Datei:Otto Ubbelohde - Schneewittchen 2.jpg|mini|Illustration von [[Otto Ubbelohde]], 1906–1909]] |
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Der Stoff des Märchens ''Schneewittchen und die sieben Zwerge'' ist geprägt von der Plastizität, die sich aus einer langen multikulturellen, sowohl mündlichen als auch schriftlichen Erzähltradition bilden kann.<ref>Ernst Böklen: Sneewittchenstudien 1 und 2; – fünfundsiebzig Varianten im engen Sinn; Leipzig 1910.</ref> |
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Als die Brüder Grimm 1812 ihre erste Fassung publizierten, lag in Buchform allein eine mehr sagen- als märchenhafte Fassung unter dem Titel ''[[Richilde (Musäus)|Richilde]]'' vor, die [[Johann Karl August Musäus]] 1782 im 1. Band seiner Volksmärchen publiziert hatte.<ref>[http://www.zeno.org/nid/20005396891 Richilde], auf zeno.org</ref>[[Datei:Otto Ubbelohde - Schneewittchen 3.jpg|mini|Illustration von [[Otto Ubbelohde]], 1906–1909]] |
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[[Datei:Otto Ubbelohde - Schneewittchen 4.jpg|mini|Illustration von Otto Ubbelohde]] |
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Die Brüder Grimm haben mehrere Versionen des Märchens zusammengesucht, den Wortlaut verbunden und ihn teilweise verkürzt.<ref name="roelleke">Heinz Rölleke (Hrsg.): ''Die älteste Märchensammlung der Brüder Grimm. Synopse der handschriftlichen Urfassung von 1810 und der Erstdrucke von 1812.'' Fondation Martin Bodmer, Cologny-Geneve 1975, S. 244–265.</ref> In der ersten Ausgabe von 1812 ist die Königin die leibliche Mutter. Schneewittchen erwacht, als ihr ein Diener des Prinzen einen Schlag in den Rücken versetzt, aus Ärger, dass er das tote Mädchen den ganzen Tag herumtragen muss. Darüber hinaus gibt es viele kleinere Unterschiede wie die ausdrücklich erwähnten roten Backen des Mädchens oder das gemeinsame Mahl mit dem Prinzen. |
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In zwei nicht veröffentlichten Versionen lässt die Königin das Kind auf einer Kutschfahrt im Wald aussteigen, um sich Rosen pflücken zu lassen oder ihren Handschuh aufzuheben, und fährt dann weg (ähnlich wie in ''[[Hänsel und Gretel]]''). In der einen Version ist es der Vater, der sich das Mägdlein wünscht, als sie an drei Schneehaufen, drei Gruben voll Blut und drei Raben vorbeifahren |
In zwei nicht veröffentlichten Versionen lässt die Königin das Kind auf einer Kutschfahrt im Wald aussteigen, um sich Rosen pflücken zu lassen oder um ihren Handschuh aufzuheben, und fährt dann weg (ähnlich wie in ''[[Hänsel und Gretel]]''). In der einen Version ist es der Vater, der sich das Mägdlein wünscht, als sie an drei Schneehaufen, drei Gruben voll Blut und drei Raben vorbeifahren.<ref>Im Vergleich dazu ''[[Die sieben Raben]]''</ref> Als Herkunft der Grimmschen Fassungen werden [[Marie Hassenpflug]], ferner Einflüsse von [[Ferdinand Siebert (Märchensammler)|Ferdinand Siebert]] und [[Albert Ludewig Grimm]] (in ''[[Des Knaben Wunderhorn]]'', 1809) vermutet. Die Initiation des Schneewittchen-Märchens durch die Blutstropfen der echten Mutter entspricht dem norddeutschen Märchen ''[[Von dem Machandelboom|Vom Machandelbaum]]'' nach dem Maler [[Philipp Otto Runge]]. |
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Motive des Schneewittchen-Stoffes finden sich in antiken Quellen ebenso wie in den [[Tausendundeine Nacht|Märchen aus tausendundeiner Nacht]] sowie in hochmittelalterlichen Quellen wie dem ''[[Didot-Perceval]]'', dem ''[[Perlesvaus]]'' und bei [[Marie de France]]. |
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=== Variationen === |
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Eine andere literarische Variante des Stoffes vor Grimms Fassung war [[Richilde]]<ref>[[Johann Karl August Musäus]]: Deutsche Volksmärchen, darin: Richilde, S. 75-117; vollständige Ausgabe nach dem Text der Erstausgabe von 1782-1786 mit den Illustrationen von [[Ludwig Richter]], [[A. Schrödter]], [[R. Jordan]] und [[G. Osterwald]] zur Ausgabe von 1842. Düsseldorf, 2003; ISBN 3-491-96089-4.</ref> von [[Johann Karl August Musäus]] (1782). |
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Laut [[Christine Shojaei Kawan]] gliedert sich das Märchen in zwei Teile, die jeweils mit einem Ortswechsel und einer Veränderung der Lebenssituation der Heldin enden. Ein Teil kann fehlen, oft die wunderbare Empfängnis am Anfang, oder es folgt ein dritter Teil mit weiteren Verfolgungen der Wöchnerin oder mit der Beschuldigung, sie habe Tiere geboren. Hauptthema ist Schneewittchens bewegende Schönheit. Das Märchen ist in ganz Europa, unter anderem auch im [[Inselkeltische Sprachen|inselkeltischen]] Sprachraum, belegt, aber auch in Afrika, Arabien, im Kaukasus und der Türkei, vereinzelt auch bei Jakuten und Mongolen. Herleitungen aus der Antike überzeugen nicht, belegen aber die weite Verbreitung von Einzelmotiven des Märchens, wie sie auch in Shakespeares Drama ''[[Cymbeline]]'' oder Basiles Märchen ''[[Die kleine Sklavin|La schiavottella]]'' verwendet werden. Die Totenwache bei der Geliebten begegnet bei König [[Harald I. (Norwegen)|Harald Schönhaar]], Karl dem Großen mit seiner Frau [[Fastrada]] und Marie de Frances Lai ''[[Eliduc]]''.<ref>Christine Shojaei Kawan: ''Schneewittchen.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 12. de Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-019936-9, S. 129–140.</ref> |
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Mündliche Überlieferungen sind schon früh in fast allen Völkern [[Europa]]s nachweisbar. Die ''sieben Zwerge'' gehören zu einer [[Hessen|hessischen]] Variante. Es waren oft sieben [[Räuber]], aber auch [[Drache (Mythologie)|Drachen]], [[Riese]]n. Besonders verbreitet war das Märchen in [[Italien]], dort fallen die Blutstropfen etwa auf [[Marmor]] oder [[Käse]]. <ref>Lutz Roehrich:''...und wenn sie nicht gestorben sind''</ref> |
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== Variationen == |
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Das Motiv, den Mord am eigenen Kind in der Wildnis in Auftrag zu geben und zum Beweis Organe zu verlangen, während der angeheuerte Mörder nur Tiere tötet, taucht auch in [[Tausendundeine Nacht]] (224. Nacht) auf. |
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[[Datei:Snow White, c1919 (5686351086).jpg|mini|Illustration von [[William Creswell]], 1919]] |
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Mündliche Überlieferungen sind schon früh in fast allen Völkern [[Europa]]s nachweisbar. Die „sieben Zwerge“ gehören zu einer [[Hessen|hessischen]] Variante. Es waren oft sieben [[Räuber]], aber auch [[Drache (Mythologie)|Drachen]] oder [[Riese]]n. Besonders verbreitet war das Märchen in [[Italien]]; dort fallen die Blutstropfen etwa auf [[Marmor]] oder [[Käse]].<ref>[[Lutz Röhrich]]: ''…und wenn sie nicht gestorben sind''</ref> |
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Das Motiv, den Mord am eigenen Kind in der Wildnis in Auftrag zu geben und zum Beweis Organe zu verlangen, woraufhin der angeheuerte Mörder stattdessen Tiere tötet, taucht auch in ''[[Tausendundeine Nacht]]'' (224. Nacht) auf. In ''[[Sonne, Mond und Thalia]]'' schlachtet der Koch ein Tier und nicht, wie von der eifersüchtigen Königin dem Koch befohlen, die beiden vom König gezeugten Zwillinge einer Nebenbuhlerin. |
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Dichterisch und motivisch sind einige Erzählvarianten von Schneewittchen bemerkenswert: |
Dichterisch und motivisch sind einige Erzählvarianten von Schneewittchen bemerkenswert: |
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das griechische Märchen ''[[Myrsina]]'' in der Sammlung von [[Georgios A. Megas]],<ref name="Megas">Georgios A. Megas: ''Griechische Volksmärchen'' übertragen von Inez Diller, S. 39–45, Wien 1965.</ref> das italienische Märchen ''[[Bella Venezia]]'',<ref name="italo calvino">Italo Calvino: ''Die Braut, die von Luft lebte, und andere italienische Märchen'' aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. Mit einer Einführung von Paul-Wolfgang Wührl. Vignetten von Susanne Janssen, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7632-4234-1</ref> herausgegeben von [[Italo Calvino]], das schottische Märchen ''[[Goldbaum und Silberbaum]]'',<ref name="jacobs">Joseph Jacobs: ''English fairy tales / Englische Märchen'' übersetzt von Helga und Kristof Wachinger, Helga und Kristof, München 1988, ISBN 3-423-09008-1</ref> erzählt von [[Joseph Jacobs]], das armenische Märchen ''[[Nourie Hadig]]'', gesammelt von [[Susie Hoogasian-Villa]],<ref name="Hoogasian-Villa">Susie Hoogasian-Villa: ''100 Armenian Tales'' collected and edited by Susie Hoogasian-Villa, S. 84–91, Detroit 1966</ref> das russische Zaubermärchen ''[[Das Zauberspiegelchen]]'' aus der Sammlung von [[Alexander Nikolajewitsch Afanassjew|Alexander Afanassjew]]<ref name="afanasjew">Alexander Afanassjew: ''Das goldmähnige Pferd – Russische Zaubermärchen'', übersetzt von Barbara Heitkam u. Marlene Milack, Hrsg. Franziska Martynowa mit Illustrationen von [[Iwan Jakowlewitsch Bilibin|Iwan Bilibin]], Leipzig 1988, S. 198–208, ISBN 3-379-00256-9</ref> und das italienische Märchen ''[[Die kleine Sklavin|Die Küchenmagd]]'' von [[Giambattista Basile]].<ref name="Basile">Giambattista Basile: ''Italienische Märchen – Der Pentamerone''. Hrsg. von Walter Boehlich, S. 247–254, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-86150-140-6</ref> In eigentümlicher Ambivalenz zwischen Schneewittchenmotiven einerseits und Märchenmotiven aus ''[[Die sieben Raben]]'' und [[Hans Christian Andersen|Andersens]] [[Kunstmärchen]] ''[[Die zwölf Schwäne]]'' andererseits bewegt sich ein norwegisches Märchen:<ref name="asbjørnsen/moe">Peter Christen Asbjørnsen, Jørgen Moe: ''Norwegische Märchen'' aus dem Norwegischen von Friedrich Bresemann, S. 161–168, Nördlingen 1985, ISBN 3-921568-29-3</ref> ''[[Die zwölf wilden Enten]]'' in der Märchensammlung von [[Peter Christen Asbjørnsen]] und [[Jørgen Moe]]. Vgl. in Giambattista Basiles ''[[Pentameron]]'' II,8 ''[[Die kleine Sklavin]]'', IV,9 ''[[Der Rabe (Giambattista Basile)|Der Rabe]]'', V,9 ''[[Die drei Zitronen]]''. Auch in [[Ulrich Jahn]]s ''Volksmärchen aus Pommern und Rügen'', Nr. 8 ''Die drei Raben'' sind die Kinder „rot wie Blut und weiss wie Schnee“ (ähnlich der Sohn in [[Johann Wilhelm Wolf|Wolfs]] ''[[Das weiße Hemd, das schwere Schwert und der goldene Ring]]''). Schon vor den Brüdern Grimm veröffentlichte [[Albert Ludwig Grimm]] in seinem Werk ''Kindermährchen'' (Heidelberg 1809) eine Schneewittchen-Version, in der die Zwerge auf dem [[Glasberg]] wohnen.<ref>Albert Ludewig Grimm: ''Kindermährchen''. Mohr und Zimmer, Heidelberg 1809, S. 2–48; {{zeno.org|20004899547}}.</ref> |
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Das griechische Märchen ''[[Myrsina]]'' in der Sammlung von [[Georgios A. Megas]].<ref name=Megas"">Georgios A. Megas: ''Griechische Volkmärchen'' übertragen von Inez Diller, S.39-45, Wien 1965, </ref> |
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, das italienische Märchen ''[[Bella Venezia]]''.<ref name=italo calvino"">Italo Calvino: ''Die Braut die von Luft lebte und andere italienische Märchen'' aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. Mit einer Einführung von Paul - Wolfgang Wührl. Vignetten von Susanne Janssen,Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7632-4234-1</ref> herausgegeben von [[Italo Calvino]], das schottische Märchen ''[[Gold-Baum und Silber-Baum]]''<ref name=jacobs"">Joseph Jacobs: ''English fairy tales / Englische Märchen'' übersetzt von Helga und Kristof Wachinger, Helga und Kristof, München 1988, ISBN 3-423-09008-1</ref> erzählt von [[Joseph Jacobs]], das armenische Märchen ''[[Nourie Hadig]]'' gesammelt von [[Susie Hoogasian-Villa]]<ref name=Hoogasian-Villa"">Susie Hoogasian-Villa: ''100 Armenian Tales'' collected and edited by Susie Hoogasian-Villa, S.84-91, Detroit 1966, </ref>, das russische Zaubermärchen ''[[Das Zauberspiegelchen]]'' aus der Sammlung von [[Alexander Afanasjew]]<ref name afanasjew""> Alexander Afanasjew: ''Das goldmähnige Pferd - Russische Zaubermärchen'', übersetzt von Barbara Heitkam u. Marlene Milack, hrsg Franziska Martynowa mit Illustrationen von [[Iwan Bilibin]], Leipzig 1988, S.198-208, ISBN 3-379-00256-9 </ref> und das italienische Märchen ''[[Die Küchenmagd]]'' zusammengestellt von [[Giambattista Basile]]<ref name=Basile"">Giambattista Basile: ''Italienische Märchen - Der Pentamerone'' hrsg. von Walter Boehlich, S.247-254, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-86150-140-6 </ref>. In eigentümlicher Ambivalenz zwischen Schneewittchenmotiven einerseits und andrerseits der Märchenmotive von ''Die Sieben Raben'' und von [[Andersen]]s [[Kunstmärchen]] ''[[Die zwölf Schwäne]]'' bewegt sich ein norwegisches Märchen<ref name=asbjørnsen/moe"">Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe: ''Norwegische Märchen'' aus dem Norwegischen von Friedrich Bresemann, S.161- 168, Nördlingen 1985, ISBN 3-921568-29-3</ref>:''[[Die zwölf wilden Enten]]'' in der Märchensammlung von [[Peter Christen Asbjørnsen]] und [[Jørgen Moe]]. |
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Weitere Variationen: |
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* [[Samuel Czambel]]: ''Schneewittchen und die zwölf Bergknappen'' (Slowakei), mit zwölf Bergknappen statt der sieben Zwerge.<ref>Samuel Czambel: ''Die goldene Frau – Slowakische Märchen''. Altberliner Verlag Lucie Groszer, Berlin 1971, S. 133–137.</ref> |
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* [[Luigia Carloni-Groppi]]: ''Die Geschichte der zwölf Räuber'' (Schweiz), mit zwölf Räubern statt der sieben Zwerge. Die Version wurde 1911 in [[Rovio]] erzählt.<ref>[[Pia Todorović-Strähl]], [[Ottavio Lurati]] (Hrsg. und Übers.): ''[[Die Märchen der Weltliteratur]] – Märchen aus dem Tessin''. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1984, S. 133–136, 261.</ref> |
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* [[Johannes Mitsotakis]]: ''Rodia'' (Griechenland), befragt wird die Sonne, die zwei Schwestern antwortet, dass ihre dritte Schwester Rodia schöner sei, woraufhin sie im Wald ausgesetzt wird und bei der Königin der Nacht unterkommt.<ref>Dieses Märchen steht in ''Ausgewählte griechische Volksmärchen'' von [[Johannes Mitsotakis]] mit vier Illustrationen von P. Geh; Verlag G. M. Sauernheimer; Berlin 1889, S. 64–70. [https://leopard.tu-braunschweig.de/receive/dbbs_mods_00075955 Märchentexte] auf leopard.tu-braunschweig.de.</ref> |
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* [[Adolphe Orain]]: ''Des Königs Vogel'' (Frankreich), das Mädchen wird hier in einen Brunnen gestürzt, wo es bei einer Fee und ihrem Mann unterkommt. Zu Besuch bei ihrer Mutter sticht ihm diese eine Nadel in den Kopf, woraufhin es sich in einen Vogel verwandelt. Der König entfernt die Nadel später wieder und erhält seine Gattin zurück.<ref>[[Ré Soupault]] (hrsg. und übertr.): ''[[Die Märchen der Weltliteratur]] – Bretonische Märchen'', Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1959, S. 265–268, 315.</ref> |
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* [[Nikolai Rainow]]: ''Der verwunschene Vogel'' (Bulgarien), befragt wird die Sonne, die zwei Schwestern antwortet, dass ihre jüngste Schwester schöner sei, woraufhin sie im Wald ausgesetzt wird und vom Zarensohn gefunden sowie geheiratet wird. Ihre Schwestern stechen ihr dann eine Nadel ins Ohr, sodass sie sich in einen Vogel verwandelt. Ihr Gemahl entfernt diese später wieder.<ref>Nikolai Rainow: ''Bulgarische Märchen''. Swjat Verlag, Sofia 1987, S. 327–329.</ref> |
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* [[Adeline Rittershaus]]: ''Schneewittchen'' (Island), drei Varianten mit zwei Zwergen oder Finnen.<ref>[[Adeline Rittershaus]]: ''Schneewittchen''. In: ''Die neuisländischen Volksmärchen. Ein Beitrag zur vergleichenden Märchenforschung'', Max Niemeyer, Halle 1902, S. 118–126; {{zeno.org|20007851065}}.</ref> |
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* [[Christian Schneller (Philologe)|Christian Schneller]]: ''Die drei Schwestern'' (Italien), zwei Schwestern lassen ihre jüngste Schwester im Wald aussetzen, da ein Prinz nur Augen für diese hat. Das Mädchen lebt dort bei einem Greis, bekommt dann aber von der Magd ihrer Schwestern eine Nadel in den Kopf gestochen, die erst die Mutter des Prinzen, der das Mädchen gefunden hat, wieder entfernt.<ref>[[Christian Schneller (Philologe)|Christian Schneller]]: ''Die drei Schwestern''. In: ''Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Ein Beitrag zur deutschen Sagenkunde'', Wagner, Innsbruck 1867, S. 55–59; {{zeno.org|20007855370}}.</ref> |
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== Rezeption == |
== Rezeption == |
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[[Datei: |
[[Datei:Schneewittchen-Otto-Kubel.jpg|mini|Illustration von [[Otto Kubel]], um 1930]] |
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[[Albert Ludwig Grimm]] schrieb eine Dramatisierung im ''Kindermährchen'' (1809).<ref>{{Literatur |Autor=[[Albert Ludwig Grimm]] |Titel=Schneewittchen, ein Mährchen |Sammelwerk=Kindermährchen |Verlag=Mohr und Zimmer |Ort=Heidelberg |Datum=1809 |Seiten=1–78 |Online=http://www.zeno.org/nid/20004899520}}</ref> Im ''Büchlein für die Jugend'' publizierte [[Ludwig Aurbacher]] eine im Märchen ''Die zwei Brüder'' eingeschachtelte Kurzform (1834).<ref>{{Literatur |Autor=[[Ludwig Aurbacher]] |Titel=Die zwei Brüder |Sammelwerk=Ein Büchlein für die Jugend. Enthaltend die Legende von Placidus und seiner Familie, das Mährchen von Marien-Kind, die Volkssagen vom Untersberg, nebst vielen andern erbaulichen und ergötzlichen Historien |Nummer=X (Nr.10) |Verlag=[[Cotta’sche Verlagsbuchhandlung|J. G. Cotta’sche Verlagsbuchhandlung]], Stuttgart / Tübingen, Literarisch-Artistische Anstalt |Ort=München |Datum=1834 |Seiten=252–263 |Online=https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb10104859?page=260}} Zu ''Schneewittchen'' ab S. 260 ff. ([https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb10104859?page=268 digitale-sammlung.de])</ref> |
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=== Krimi === |
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[[Ernst Ludwig Rochholz]] <ref> [http://www.surlalunefairytales.com/sevendwarfs/themes.html]Die Seite bietet umfangreiche Hinweise auf Umsetzungen des Schneewittchenstoffs in Krimi und Belletristik unter ''Adaptions'' auf SurlaLuneFairytales.de – u. a. die auch ins Deutsche übertragenen Geschichten von [[Tanith Lee]]:''Rot wie Blut'' oder ''Weiß wie Schnee''.</ref> veröffentlichte im Jahr 1856 eine kurze Erzählung unter dem Titel ''Der Tod der sieben Zwerge''. Darin übernachtet ein Bauernmädchen bei sieben Zwergen, die sich streiten, wer es zu sich ins Bett nehmen darf. Als noch eine Bauersfrau herein will, schickt das Mädchen sie weg. Die Bäuerin schimpft und kommt mit zwei Männern zurück, die die Zwerge erschlagen.<ref>Ernst Böklen: ''Sneewittchenstudien - 82 Varianten im engeren Sinn - Verhältnis zu nächstverwandten Typen - Mischformen - Verwandtschaftsübersicht'' Leipzig 1915; erschienen in ''Mythologische Bibliothek''(hrsg. von der Gesellschaft für vergleichende Mythenforschung III. Band Heft 2 und VI. Band Heft 3); Rochholz' ''Der Tode der sieben Zwerge'' in Kurz-Fassung bei Böklen S.174 - Rochholz' Schneewittchenkrimi erscheint auch bei Lutz Rörich:… und wenn sie nicht gestorben sind …, Anthropologie, Kulturgeschichte und Deutung von Märchen. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2002, ISBN 3-412-11201-1.</ref> |
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=== Puschkin === |
=== Puschkin === |
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[[Alexander Puschkin]] |
[[Alexander Sergejewitsch Puschkin]]s Versfassung ''Märchen von der toten Zarentochter und den sieben Recken'' (1833) soll zum Teil von Grimm abhängig sein.<ref>Christine Shojaei Kawan: ''Schneewittchen.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 12. De Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-019936-9, S. 129–140.</ref> Es bezieht sich in den Motiven jedoch auf die polnische Schneewittchenvariante, gesammelt von A.J. Gliński in ''Baśni powiesci i gawędy ludowe 1–4'', Wilna 1862 Nr. 7 Bd. 1: ''Von dem redenden Spieglein und der in Schlaf versenkten Prinzessin'' (''O zwierciadełku gadającem i o uśpionej królewnie'').<ref>vgl. Ernst Böklen: ''Sneewittchenstudien – Erster Teil'', Leipzig 1910 S. 53f.</ref> Diese Version erzählt im Grunde das gesamte Märchen, jedoch mit zahlreichen Unterschieden zur Grimmschen Version: |
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* Schneewittchen wird nicht als solches bezeichnet, sondern ist eine namenlose Prinzessin |
* Schneewittchen wird nicht als solches bezeichnet, sondern ist eine namenlose Prinzessin |
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* Statt zu sieben Zwergen flüchtet sie zu sieben Rittern. Dort fehlen die Episoden mit dem geschnürten Mieder und dem vergifteten Kamm. Die Ritter gehen auf die Jagd statt in ein Bergwerk und würden das Mädchen gerne selbst ehelichen, geben sich aber mit ihrer Freundschaft zufrieden |
* Statt zu sieben Zwergen flüchtet sie zu sieben Rittern. Dort fehlen die Episoden mit dem geschnürten Mieder und dem vergifteten Kamm. Die Ritter gehen auf die Jagd statt in ein Bergwerk und würden das Mädchen gerne selbst ehelichen, geben sich aber mit ihrer Freundschaft zufrieden |
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* Im Wald soll das Mädchen statt von einem Jäger von einer Kammerfrau getötet werden; der Mordanschlag im Haus der Ritter wird von ihr im Auftrag der Königin als Wiedergutmachung für ihren Betrug beim ersten Mordauftrag verübt |
* Im Wald soll das Mädchen statt von einem Jäger von einer Kammerfrau getötet werden; der Mordanschlag im Haus der Ritter wird von ihr im Auftrag der Königin als Wiedergutmachung für ihren Betrug beim ersten Mordauftrag verübt |
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* Die Heldin ist mit dem Prinzen, der sie am Ende rettet, bereits aus der Zeit im Königsschloss verlobt |
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* Die böse Königin stirbt vor Gram, schon wieder nicht die Schönste zu sein<ref>[http://www.maerchenbasar.de/index.php?page=Thread&threadID=3385 Das Lumpengesindel], auf märchenbasar.de</ref> |
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=== Ernst Ludwig Rochholz === |
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=== Babbitt, Lefler, Nielsen, Rackham und Stokes === |
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[[Ernst Ludwig Rochholz]]<ref>{{Webarchiv |url=http://www.surlalunefairytales.com/sevendwarfs/themes.html |text=surlalunefairytales.com |wayback=20100103194801}} – Die Seite bietet umfangreiche Hinweise auf Umsetzungen des Schneewittchenstoffs in Krimi und Belletristik unter ''Adaptions'' auf SurlaLuneFairytales.de – u. a. die auch ins Deutsche übertragenen Geschichten von [[Tanith Lee]]: ''Rot wie Blut'' oder ''Weiß wie Schnee''.</ref> veröffentlichte im Jahr 1856 eine kurze Erzählung unter dem Titel ''Der Tod der sieben Zwerge''. Darin übernachtet ein Bauernmädchen bei sieben Zwergen, die sich streiten, wer es zu sich ins Bett nehmen darf. Als noch eine Bauersfrau hereinwill, schickt das Mädchen sie weg. Die Bäuerin schimpft und kommt mit zwei Männern zurück, die die Zwerge erschlagen.<ref>Ernst Böklen: ''Sneewittchenstudien – 82 Varianten im engeren Sinn – Verhältnis zu nächstverwandten Typen – Mischformen – Verwandtschaftsübersicht''. Leipzig 1915; erschienen in ''Mythologische Bibliothek'' (hrsg. von der Gesellschaft für vergleichende Mythenforschung III. Band Heft 2 und VI. Band Heft 3); Rochholz’ ''Der Tode der sieben Zwerge'' in Kurzfassung bei Böklen S. 174 – Rochholz’ Schneewittchenkrimi erscheint auch bei Lutz Rörich:… und wenn sie nicht gestorben sind …, Anthropologie, Kulturgeschichte und Deutung von Märchen. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2002, ISBN 3-412-11201-1.</ref> |
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Schneewittchen ist unerschöpfliche Inspirationsquelle der bildenden Kunst: [[Marianne Stokes]] <ref>Abbildung auf dieser Seite</ref> gestaltet ca. 1880 im bildlichen Querformat die Todesthematik: ''Schneewittchen im weißen Glassarg''. <ref>Im Original des Kölner Wallraf- Richartz- Museum ist der leichte, auf der hiesigen Abbildung sichtbare Grün-Stich des Schneewittchenbildes von Marianne Stokes nicht vorhanden.</ref> Sie nimmt in ihrem Bild formal Bezug auf die Märchenfarben [[Schwarz]], [[Weiß]] und [[Rot]]. Im [[Wiener Jugendstil]] um 1900 entwickelt [[Heinrich Lefler]] zusammen mit [[Joseph Urban]] für die Reihe ''Bilderbogen für Schule und Haus'' eine komiknahe Form der Märchenillustration: So kombiniert Lefler 1905 synoptisch zeichnend acht wichtige Szenen des Schneewittchen-Märchens in einem einzigen Bild mit der verbindenenden Struktur einer ornamentalen Rahmung.<ref>[http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.hanau.de/imperia/md/images/kultur/museen/museumhanauschlossphilippsruhe/ausstellungen2007/lefler_klein.jpg&imgrefurl=http://maerchenmuseum.blogspot.com/2008/10/mrchenwelt-der-brder-grimm.html&usg=__UObsIP6yQhLlS1NEX3vY0bnqj-g=&h=346&w=250&sz=30&hl=de&start=9&um=1&tbnid=WuMoXDZXcTY03M:&tbnh=120&tbnw=87&prev=/images%3Fq%3DJosef%2BUrban%2BM%25C3%25A4rchen%26hl%3Dde%26sa%3DN%26um%3D1] Hier ist nur das Bild aus dem Mittelfeld gezeigt. Urban und Lefler scheinen dieses Bild zusammen entwickelt zu haben. [http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.kiefer.de/Abbildungen/62/62-1501.jpg&imgrefurl=http://www.kiefer.de/auktion_artikel_details.aspx%3FKatNr%3D1501%26Auktion%3D62&usg=__Xw_gbs0gmyy46VdHD8XOqrdz_HM=&h=1353&w=1043&sz=228&hl=de&start=11&tbnid=Jc7YPDD-2X0VcM:&tbnh=150&tbnw=116&prev=/images%3Fq%3DLefler%2BSchneewittchen%26gbv%3D2%26hl%3Dde] Und eine weitere Abbildung des Lefler-Bildes von Schneewittchen mit allen Bildfeldern.</ref> [[Arthur Rackham]] <ref>Arthur Rackham (1867-1939) in ''The Fairy Tales of the Brothers Grimm''. Übersetzt in das Englische von Edgar Lucas, London: Constable & Company Ltd, 1909.[http://www.surlalunefairytales.com/illustrations/sevendwarfs/rackhamdwarf3.html]</ref> verbildlicht 1909 die leitmotivische Märchen-Szene, in der die heimkehrenden Zwerge das bewußtlose Schneewittchen finden. Rackham analysiert in seiner farbigen Illustration mit organisch- knorrigen Jugendstillinien die Dramatik der Situation adäquat. [[Kay Nielsen]] taucht 1925 den Schneewittchenscheintod in eine surreale Schneewelt aus zerfließenden Formen und fahlen Farben der Mitternachtsonne. <ref>Kay Nielsen(1886-1957) in ''Hansel and Gretel and Other Stories by the Brothers Grimm''; London: Hodder and Stoughton, 1925. [http://www.surlalunefairytales.com/illustrations/sevendwarfs/nielsendwarf.html].</ref> Ideelle Schlüsselbedeutung hat das Schneewittchen-Wandbild der Komik-Künstlerin [[Dinah Babbitt|Dinah Gottliebova Babbitt]] von 1942. <ref> Dinah Gottliebova Babbit (1923-2009) (auch Dina Babbitt- z. B. im englischen Wikipedia) überlebte mit Hilfe dieses Schneewittchenbildes: Sie wurde auf Grund ihrer sich in dem Schneewittchenbild manifestierenden Begabung gezwungen, Opfer im Lager zu malen. [http://pix.sueddeutsche.de/kultur/207/309147/180x180_VsgvaYF8qB.gif] |
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=== Walser und Holliger === |
=== Walser und Holliger === |
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[[Robert Walser]] verfasste 1899, erst 21 Jahre alt, das [[Dramolett]] ''Schneewittchen'', das 1901 in der Zeitschrift ''[[Die Insel (Zeitschrift)|Die Insel]]'' veröffentlicht wurde. Darin setzen sich Schneewittchen, die Königin und der Prinz nach Schneewittchens Errettung aus dem Sarg mit der Märchenerzählung auseinander und sehen die Geschehnisse und ihre Rolle dabei nun völlig anders. Der streitbare portugiesische Regisseur [[João César Monteiro]] verfilmte Walsers ''Schneewittchen'' 2000 als ''[[Branca de Neve]]'' und sorgte damit in der [[Portugiesischer Film|portugiesischen Filmlandschaft]] für einen Eklat. |
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[[Robert Walser]] erzählt mit seinem 1901 in [[Die Insel (Literatur)|„Die Insel“]] veröffentlichten „Schneewittchen“ eine Schneewittchengeschichte, die zeitlich nach dem Ende der Märchenhandlung spielt und in deren Zentrum das universelle Verzeihen steht, das zur einzigen Möglichkeit wird, dem opaken Bösen der Stiefmutter bzw. des Nichtverstehens und Beschütztwerdens durch den Vater zu begegnen. Das Werk wurde durch [[Holliger]] in der Oper „Schneewittchen“ vertont. Bei der Uraufführung in Zürich spielte [[Juliane Banse]] als Schneewittchen. |
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[[Heinz Holliger]] benutzte Walsers Text 1997/98 mit nur geringfügigen Anpassungen als [[Libretto]] für seine Oper ''[[Schneewittchen (Oper)|Schneewittchen]]''. |
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=== Babbitt, Lefler, Nielsen, Rackham und Stokes === |
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Schneewittchen ist unerschöpfliche Inspirationsquelle der bildenden Kunst: [[Marianne Stokes]]<ref>Abbildung auf dieser Seite</ref> gestaltet ca. 1880 im bildlichen Querformat die Todesthematik: ''Schneewittchen im weißen Glassarg''.<ref>Im Original des Kölner Wallraf-Richartz-Museums ist der leichte, auf der hiesigen Abbildung sichtbare Grün-Stich des Schneewittchenbildes von Marianne Stokes nicht vorhanden.</ref> Sie nimmt in ihrem Bild formal Bezug auf die Märchenfarben [[Schwarz]], [[Weiß]] und [[Rot]]. Im [[Wiener Secession|Wiener Jugendstil]] um 1900 entwickelt [[Heinrich Lefler]] zusammen mit [[Joseph Urban]] für die Reihe ''Bilderbogen für Schule und Haus'' eine dem [[Comic]] ähnliche Form der Märchenillustration: So kombiniert Lefler 1905 synoptisch zeichnend acht wichtige Szenen des Schneewittchen-Märchens in einem einzigen Bild mit der verbindenden Struktur einer ornamentalen Rahmung.<ref>[https://maerchenmuseum.blogspot.com/2008/10/mrchenwelt-der-brder-grimm.html Hier wird nur das Bild aus dem Mittelfeld gezeigt. Urban und Lefler scheinen dieses Bild zusammen entwickelt zu haben.]</ref><ref>[https://books.google.de/books?id=QdUWAQAAQBAJ&pg=PA3 Und eine weitere Abbildung des Lefler-Bildes von Schneewittchen mit allen Bildfeldern.]</ref> [[Arthur Rackham]]<ref>Arthur Rackham (1867–1939) in ''The Fairy Tales of the Brothers Grimm''. Übersetzt in das Englische von Edgar Lucas, Constable & Company, London 1909. {{Webarchiv |url=http://www.surlalunefairytales.com/illustrations/sevendwarfs/rackhamdwarf3.html |text=surlalunefairytales.com |wayback=20090809085107}}</ref> verbildlicht 1909 die leitmotivische Märchen-Szene, in der die heimkehrenden Zwerge das bewusstlose Schneewittchen finden. [[Kay Nielsen (Illustrator)|Kay Nielsen]] taucht 1925 Schneewittchens Scheintod in eine surreale Schneewelt aus zerfließenden Formen und fahlen Farben der Mitternachtssonne.<ref>Kay Nielsen (1886–1957) in ''Hansel and Gretel and Other Stories by the Brothers Grimm''. Hodder and Stoughton, London 1925. {{Internetquelle |url=https://www.surlalunefairytales.com/oldsite/illustrations/sevendwarfs/nielsendwarf.html |titel=Snow Drop (Snow White and the Seven Dwarfs) by Kay Nielsen Illustration 1 of 1 |hrsg=surlalunefairytales.com |abruf=2023-01-31}}</ref> Ideelle Schlüsselbedeutung hat das Schneewittchen-Wandbild der Comic-Künstlerin [[Dinah Babbitt|Dinah Gottliebova Babbitt]] von 1942.<ref>Dinah Gottliebova Babbit (1923–2009) (auch Dina Babbitt- z. B. im englischen Wikipedia) überlebte mit Hilfe dieses Schneewittchenbildes: Sie wurde auf Grund ihrer sich in dem Schneewittchenbild manifestierenden Begabung gezwungen, Opfer im Lager zu malen. [https://www.sueddeutsche.de/kultur/ueberleben-durch-talent-schneewittchens-albtraum-1.696655 Überleben durch Talent {{!}} Schneewittchens Albtraum], auf sueddeutsche.de</ref> |
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=== Weitere Adaptionen === |
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[[Donald Barthelme]]s ''Snow White'' führt sieben Fensterputzern in Manhattan den Haushalt (1967).<ref>Christine Shojaei Kawan: ''Schneewittchen.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 12. De Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-019936-9, S. 129–140.</ref> |
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In [[Michael Kumpe]]s Gedicht ''Schneewittchen'' von 1975 hat es keine Lust, dem Prinzen wie den Zwergen den Haushalt zu machen (Sie sprach: „… Das ist mir über. Ich gehe jetzt, mein Lieber …“), und wartet auf moderne Leute.<ref>Michael Kumpe: ''Schneewittchen.'' In: ''Texte und Materialien für den Unterricht. Grimms Märchen – modern. Prosa, Gedichte, Karikaturen.'' Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-015065-8, S. 20.</ref> |
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[[Iring Fetscher]] deutet Schneewittchen 1972 in seinem satirischen ''Märchen-Verwirrbuch'' mit ironisch-sexualpsychologischem Bezug auf eine Inzest-Problematik als marxistisch orientierte Klassenkämpferin, die sich nicht Zwergen, sondern einem bärtigen Partisanenkollektiv angeschlossen hat. Der Spiegel wird zur königlichen Geheimpolizei und nach der erfolgreichen Erstürmung des Schlosses trägt Schneewittchen später noch viel zur Emanzipation der Frauen bei.<ref>Iring Fetscher: ''Wer hat Dornröschen wachgeküßt? Das Märchen-Verwirrbuch.'' mit den Grimmschen Original-Märchen und 13 Collagen von Helga Ruppert-Tribian, Claassen Verlag, Hamburg / Düsseldorf 1972, 218 Seiten, ISBN 3-546-42723-8</ref> |
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''Das kleinere Übel'', eine Kurzgeschichte aus dem Buch ''Der letzte Wunsch'' und Teil der [[Geralt-Saga]] des polnischen Autors [[Andrzej Sapkowski]], stellt eine grimmige Persiflage des Schneewittchen-Stoffes dar. |
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In [[Whitley Strieber|Striebers]] Roman ''Cat Magic'' ersteht die Schöne wie Schneewittchen aus dem Sarg.<ref>Whitley Strieber: ''Cat Magic.'' Crossroad Press, Hertford 1987, ISBN 978-1-951510-60-2, S. 319.</ref> |
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In [[Emma Donoghue]]s ''Tale of the Apple'' versöhnen sich die Frauen, der Apfel war nur sauer.<ref>Emma Donoghue: ''The Tale of the Apple.'' In: ''Kissing the Witch. Old Tales in New Skins.'' Harpercollins, New York 1997, ISBN 0-06-027575-8, S. 43–58.</ref> |
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[[Johann-Friedrich Konrad]] lässt die tote Stiefmutter anderen Hexen erzählen, wie das verwöhnte Kind sie vor dem Vater und im Knabenhort hinter dem Siebengebirge als Mörderin hinstellte.<ref>[[Johann-Friedrich Konrad]]: ''Schneewittchens Mutter erzählt.'' In: ''Texte und Materialien für den Unterricht. Grimms Märchen – modern. Prosa, Gedichte, Karikaturen.'' Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-015065-8, S. 21–25.</ref> |
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[[Irmgard Steppuhn]]s Gedicht lässt Schneewittchen im Glassarg erstarren.<ref>Irmgard Steppuhn: ''Schneewittchen.'' In: ''Texte und Materialien für den Unterricht. Grimms Märchen – modern. Prosa, Gedichte, Karikaturen.'' Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-015065-8, S. 25–26.</ref> |
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[[Katja Viehmann]] fingiert einen Brief des Sanatoriumsleiters an die Stiefmutter, der jeden Handlungszug als Teil von Schneewittchens wahnhafter Störung darstellt, es liege oft in fremden Betten, was kleinwüchsige Pfleger als persönliche Zuwendung auslegen könnten, deshalb habe es jetzt ein Glaszimmer, wo es sich tot stelle – ein Thronfolgekonflikt wird angedeutet.<ref>Katja Viehmann: ''Schneewittchen im Sanatorium.'' In: ''Texte und Materialien für den Unterricht. Grimms Märchen – modern. Prosa, Gedichte, Karikaturen.'' Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-015065-8, S. 26–30.</ref> |
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[[Julia Veihelmann]] und [[Werner Heiduczek]] schrieben Parodien.<ref>Julia Veihelmann: ''Abgründe''. Werner Heiduczek: ''Die traurige Geschichte von Schneewittchen.'' In: ''Die Horen''. Bd. 1/52, Nr. 225, 2007, {{ISSN|0018-4942}}, S. 11–12, 69–75.</ref> Ein [[Manga]] erschien 2009 von [[Kei Ishiyama]] in ''Grimms Manga'' (Band 2), auch in Kaori Yukis ''[[Ludwig Revolution]]'' von 1999 kommt Schneewittchen vor (Band 1). In [[Karen Duve]]s ''Zwergenidyll'' erzählt der Zwerg, wie er von der Schicht krank machte, um Schneewittchen beim Putzen zu vergewaltigen. Es wird dann vom Prinzen zum Stallknecht durchgereicht, und wenn es wieder eine Bleibe braucht, weiß es jetzt, was man von ihm erwartet.<ref>Karen Duve: ''Grrrimm.'' Goldmann, München 2014, ISBN 978-3-442-47967-2, S. 7–32.</ref> [[Marissa Meyer]] erzählt das Märchen neu (''Winter'', 2015). In [[Alethea Kontis]]’ ''The Unicorn Hunter'' begegnet Schneewittchen im Wald einem Dämon.<ref>Alethea Kontis: ''The Unicorn Hunter.'' In: ''Tales of Arilland.'' 2015. ISBN 978-1-942541-05-9, S. 1–20.</ref> |
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Äußerungen der Brüder Grimm lassen schließen, dass Schneewittchen schon zu ihrer Zeit eines der bekanntesten Märchen war.<ref>Christine Shojaei Kawan: ''Schneewittchen.'' In: ''Enzyklopädie des Märchens.'' Band 12. De Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-019936-9, S. 134.</ref> Besonders der Spiegelvers der Königin wird gern zitiert. So singen [[Tic Tac Toe (Band)|Tic Tac Toe]] im Lied ''[[Ich find’ dich scheiße]]'' (1995) über einen Selbstverliebten: „Spieglein, Spieglein an der Wand – wer ist die schönste, klügste, beste hier im ganzen Land?“ Auch in [[Eudory Welty]]s ''The Robber Bridegroom'' muss die Stiefmutter sich zu Tode tanzen.<ref>Eudora Welty: ''The Robber Bridegroom.'' Doubleday, New York 1942, S. 163.</ref> In [[Juli Zeh]]s Roman ''[[Spieltrieb (Roman)|Spieltrieb]]'' (2004) wird die entfremdete, fast erfrorene Frau mit Schneewittchen verglichen. In [[Krystyna Kuhn]]s Krimi ''Schneewittchenfalle'' will die Täterin das Kind im Vergessen halten und mit Schlaftabletten töten.<ref>Krystyna Kuhn: ''Schneewittchenfalle.'' Arena. Würzburg 2007, ISBN 978-3-401-06085-9.</ref> In [[Nele Neuhaus]]’ Krimi ''[[Schneewittchen muss sterben (Roman)|Schneewittchen muss sterben]]'' heißt das junge Mordopfer so, als Mumie im Keller aufgebahrt. In [[Haruki Murakami]]s Roman ''[[Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki]]'' ist ein Mädchen im Verfolgungswahn wie Schneewittchen, das andere in die Rolle der sieben Zwerge bringt. Auch [[Crystal Smith (Autorin)|Crystal Smiths]] ''Bloodleaf'' wiederholt das Bild der Blutstropfen im Schnee, eine mythische Persönlichkeit soll in einem Glassarg liegen.<ref>Crystal Smith: ''Bloodleaf.'' Houghton Mifflin Harcourt, New York 2019, ISBN 978-0-358-24225-3, S. 70, 361.</ref> [[Jürgen Seibold]] schrieb ''Schneewittchen und die sieben Särge'' (2020). Von [[C. J. Tudor]] ist ein Thriller ''Schneewittchen schläft'' (2021), von [[Ulrike Zeidler]] ''Schneewittchen erwacht'' (2023), von [[Peter Eckmann]] ''Schneewittchen'' (2023). In [[Hannah Whitten]]s Fantasy-Roman ''For the Wolf'' liegt die Königin zuletzt im Glassarg.<ref>Hannah Whitten: ''For the Wolf.'' Orbit, London 2021, ISBN 978-0-356-51636-3.</ref> In [[Stefanie Lasthaus]]’ ''Schneewittchens dunkler Kuss'' will die schöne Snow Menschenblut, die Stiefmutter besiegt sie mit einem Apfel.<ref>Stefanie Lasthaus: ''Schneewittchens dunkler Kuss.'' Heyne, München 2023, ISBN 978-3-453-27456-3.</ref> Auch [[Kalynn Bayron]] nutzt das Bild von Blut im Schnee, zuletzt liegt der Geliebte im Glassarg.<ref>Kalynn Bayron: ''Schneewittchen schlägt zurück.'' Heyne, München 2024, ISBN 978-3-453-27493-8 (Originaltitel: ''Sleep Like Death'', 2024).</ref> |
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=== Spielzeug === |
=== Spielzeug === |
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In der Welt des Spielzeugs und des Designs für Kinder gibt es vielfältige Schneewittchenrezeptionen: Auf große Resonanz sind gestoßen: |
In der Welt des Spielzeugs und des Designs für Kinder gibt es vielfältige Schneewittchenrezeptionen: Auf große Resonanz sind gestoßen: Die Schneewittchengruppe von [[Playmobil]], Die Schneewittchen-[[Barbie]] im gelb-blauen [[The Walt Disney Company|Disney]]-Kostüm und langen schwarzen Haaren, die handgeschnitzte Holzfigurengruppe ''Schneewittchen und die sieben Zwerge'' mit den weichgeschnitzten Kurven von den Ostheimer <!--[[Ostheimer]] verlinkt auf die falsche Person; für Margarete Ostheimer etc. konnte ich keine Wikilinks finden-->Figuren und auch die Fingerpuppen zu ''Schneewittchen und die sieben Zwerge'' von [[Käthe Kruse]]. Überaus beliebt ist außerdem das detailfreudige Schneewittchenhäuschen im [[Märchenwald]] in [[Altenberg (Bergisches Land)|Altenberg]].<ref>{{Internetquelle |url=https://www.maerchenwald-altenberg.de/maerchenwald/ |titel=Der Märchenwald |hrsg=maerchenwald-altenberg.de |abruf=2019-11-19}}</ref> |
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=== Skurriles === |
=== Skurriles === |
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Das Nachkriegsautomobil [[Messerschmitt Kabinenroller]] |
Das Nachkriegsautomobil [[Messerschmitt Kabinenroller]] mit seiner zur Seite abklappbaren Plexiglaskuppel, der Radio-Plattenspieler [[Braun SK 4|Braun SK 5]] und das in den 1970er Jahren gebaute Automodell [[Volvo P1800 ES]] wurden wegen ihres Aussehens ''Schneewittchensarg'' genannt. ''Snøhvit'' oder ''Schneewittchen'' ist auch der Name eines [[Erdgas]]feldes in der [[Barentssee]]. |
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=== Namen === |
=== Namen === |
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Im [[Rosarium]] in [[Uetersen]] wurde 1958 eine Rose aus dem Unternehmen [[W. Kordes’ Söhne]] |
Im [[Rosarium Uetersen|Rosarium]] in [[Uetersen]] wurde 1958 eine [[Rosen|Rose]] aus dem Unternehmen [[W. Kordes’ Söhne]] nach Schneewittchen benannt: Die [[Schneewittchen (Rose)|Rose ‚Schneewittchen‘]] ist weiß und hat in einigen Erscheinungsformen am Blütenblattrand oder im Blütenkern rosarote Einfärbung. |
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== Orte mit Schneewittchen-Bezug == |
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Zahlreiche Ortschaften und Regionen in Deutschland reklamieren einen historischen Bezug zum Ursprung des Märchens für sich und versuchen, ihn touristisch zu nutzen.<ref>Wolfgang Dehm: ''[https://www.mainpost.de/regional/main-spessart/rallye-auf-schneewittchens-spuren-art-9708148 Rallye auf Schneewittchens Spuren.]'' In: ''[[Main-Post]]'', 1. September 2017, abgerufen am 1. Juli 2023.</ref> „Schneewittchenort“ werden mehr oder weniger überzeugend [[Alfeld (Leine)]], [[Bergfreiheit (Bad Wildungen)]], [[Langenbach (Weilmünster)]], [[Gieselwerder]] oder [[Lohr am Main]] genannt.<ref>Bernhard Lauer: ''Wem gehört „Sneewittchen“? Ein Beitrag zur Verortung von Märchenstoffen und zur Herausbildung von Stereotypen''. In: ''Zwischen Identität und Image. Die Popularität der Brüder Grimm und ihrer Märchen in Hessen''. Hessische Blätter für Volk- und Kulturforschung (NF) 44–45, Jonas-Verlag, Marburg 2009, S. 390–425.</ref> |
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Nach der [[Analytische Psychologie|analytischen Psychologie]] [[Carl Gustav Jung]]s repräsentiert die [[Stiefmutter]] in vielen Märchen den [[Archetypus]] des [[Schatten (Archetyp)|Schattens]] oder der [[Mutterarchetyp|nefasten Mutter]], also der zerstörenden und verschlingenden Mutter.<ref>[[Eugen Drewermann]]: ''Schneewittchen : Märchen Nr. 53 aus der Grimmschen Sammlung'' . In der Reihe Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet, Zürich 1998. ISBN 3-530-40021-1</ref> |
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Im Märchen selbst gibt es keinerlei Bezug zu einer Zeit, zu Personen und zu Orten, und sämtliche Versuche der Verortung werden von der wissenschaftlichen Forschung unter Verweis auf die frühe Verbreitung des Märchens und den Charakter aller Märchen als Kombinationen aus überlieferten Motiven weitgehend abgelehnt. |
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Nach der [[Anthroposophie|Anthroposophin]] [[Friedel Lenz]]<ref>Friedel Lenz: ''Bildsprache der Märchen.'' 2. Auflage. Urachhaus, Stuttgart 1972, ISBN 3-87838-148-4, S. 30-47.</ref> stellt das Zwergenhaus den Körper des Kindes, die Zwerge seine Elementarkräfte dar. Dabei ist [[Sieben]] die Zahl der [[Zeit]]. Die Märchen ''Schneewittchen'', ''[[Dornröschen]]'' und ''[[Rotkäppchen]]'' bilden eine Abfolge seelischen Niedergangs. Durch das gemeinsame Essen des Apfels identifiziert Schneewittchen sich mit der Versucherin. Nur durch eigne Kraft kann sie das Gift wieder ausstoßen, und die [[Mystische Hochzeit]] ([[Alchemie]]) zwischen Seele und Geist (Königssohn) kann stattfinden. In der Grimm-Ausgabe von 1812 isst Schneewittchen am Schluss zusammen mit dem Prinzen. |
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Das Märchen (mittelhochdeutsch „maere“ bedeutet Kunde, Bericht, Erzählung) ist eine Prosaerzählung, die wunderbare und oft grausame Begebenheiten zum Gegenstand hat. Märchen sind im Unterschied zu Sagen und Legenden, die sich um einen wahren historischen Kern oder historische Personen gebildet haben, frei erfunden. |
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Zu der erotischen Ebene des Märchens ''Schneewittchen'' merkt der [[Erzählforschung|Erzählforscher]] [[Lutz Röhrich]] an, dass Schönheit in Märchen immer mit Liebe korrespondiert, was hier aber ausschließlich in pervertierter Form geschieht.<ref>Lutz Röhrich: ''… und wenn sie nicht gestorben sind …, Anthropologie, Kulturgeschichte und Deutung von Märchen.'' Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2002, ISBN 3-412-11201-1</ref> In Grimms Märchen sind die Vorgänge – verglichen mit anderen Versionen – nahezu asexuell geschildert. [[Heinz Rölleke]] stellt fest, dass diese Tendenz in späteren Ausgaben noch zunimmt.<ref>[[Tomi Ungerer]]: ''Tomi Ungerer's Erzählungen für Erwachsene.'', München 192, ISBN 3-453-05598-5</ref> |
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=== Alfeld an der Leine === |
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== Historischer Bezug == |
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Vermutet wird die inhaltliche Herkunft des Märchens im südlichen [[Niedersachsen]] in den [[Sieben Berge (Höhenzug)|Sieben Bergen]], einem Höhenzug im [[Leinebergland]], in dem die Grimms gewandert seien, um sich Märchen erzählen zu lassen. Greift man den Höhenzug als geografischen Hinweis auf, so findet man nordwestlich von ihm den Bergwerksort [[Osterwald (Salzhemmendorf)]], den möglichen Arbeitsplatz der ‚sieben Zwerge‘. Dort wurde seit dem 16. Jahrhundert ein [[Steinkohlenbergbau|Steinkohlenbergwerk]], der [[Hüttenstollen Osterwald]], betrieben. Glasproduktion, die den Bau eines Glassarges ermöglicht hätte, gab es in der Nähe durch das [[Lauensteiner]] Glas. Verlängert man die Linie von Osterwald über die Sieben Berge bei [[Alfeld (Leine)]], so kommt man zur Ruine der [[Stauffenburg (Harz)]], in der die ‚böse Stiefmutter‘ gewohnt habe. 2002 haben Bürger von Alfeld in den Sieben Bergen einen ''Schneewittchenpfad'' ausgewiesen.<ref>Vgl. Lauer, S. 401.</ref> |
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Wie einige Grimmsche Märchen hat vermutlich auch „Schneewittchen“ einen geschichtlichen Hintergrund. |
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=== Schneewittchen bei Alfeld === |
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Vermutet wird die inhaltliche Herkunft des Märchens im südlichen [[Niedersachsen]] in den [[Sieben Berge (Höhenzug)|''Sieben Bergen'']], einem Höhenzug im [[Leinebergland]], durch welches die Gebrüder Grimm wanderten und sich Märchen und Geschichten erzählen ließen. Greift man den Höhenzug als geografischen Hinweis auf, so findet man nordwestlich von ihm den Bergwerksort [[Osterwald (Salzhemmendorf)|Osterwald]]. Es handelt sich um einen Ortsteil von [[Salzhemmendorf]] am [[Osterwald (Höhenzug)|Osterwald]] im Leinebergland. Dort wurde seit dem 16. Jahrhundert ein [[Steinkohlenbergbau|Steinkohlenbergwerk]] (''[[Hüttenstollen Osterwald]]'') betrieben. Glasproduktion gab es in der Nähe durch das [[Lauensteiner|''Lauensteiner Glas'']]. Verlängert man die Linie von Osterwald über die ''Sieben Berge'' bei [[Alfeld (Leine)|Alfeld]], so kommt man zur Ruine der ''[[Stauffenburg (Harz)|Stauffenburg]]'', in der die ''böse Stiefmutter'' gewohnt habe. Auch ein örtlicher Bezug zu den Märchenerzählern in Form der Brüder Grimm liegt vor, da sie an der Universität im nahegelegenen [[Göttingen]] lehrten. 2002 haben Bürger von [[Alfeld (Leine)|Alfeld]], das an der [[Leine (Fluss)|Leine]] unmittelbar südwestlich der Sieben Berge liegt, in diesen einen ''Schneewittchenpfad'' ausgewiesen.<ref>Wulf Köhn:''Vorsicht Märchen! - Wie Schneewittchen nach Alfeld kam''. 2002, ISBN 978-3-935928-03-8.</ref> |
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Die Brüder Grimm wanderten allerdings nachweislich niemals in dieser Gegend umher, um Märchen zu sammeln.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.ndr.de/kultur/Aufloesung-Tag-4-Alfeld-die-Stadt-hinter-den-Sieben-Bergen,alfeld122.html |titel=Alfeld, die Stadt hinter den Sieben Bergen |werk=[[NDR.de]] |datum=2022-01-18 |abruf=2022-12-06}}</ref> Das einzige Märchen aus der Alfelder Gegend, das tatsächlich Eingang in die ''Kinder- und Hausmärchen'' der Brüder Grimm gefunden hat, ist ''[[Das Waldhaus]]'', das [[Karl Friedrich Ludwig Goedeke|Karl Goedeke]] in [[Delligsen]] aufzeichnete. |
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=== Schneewittchen bei Kassel === |
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[[Datei:Bergfreiheit HE Schneewittchenhaus.jpg|miniatur|Das 1736 erbaute und als „Schneewittchenhaus“ deklarierte Fachwerkhaus in [[Bergfreiheit (Bad Wildungen)|Bergfreiheit]]]] |
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Durch den starken Einfluss der [[Kassel|Kassler]] Märchenerzählerin Marie Hassenpflug auf die Gebrüder Grimm kann ein hessischer Ursprung begründet sein. Der hessische Heimatforscher Eckhard Sander sieht als Grundlage für den Märchenstoff und die junge Prinzessin das Schicksal der [[Waldeck]]er Grafentochter [[Margaretha von Waldeck]] ([[ZDF]]-Dokumentation 2006 durch Kirsten Höhne und Claudia Moroni<ref>[http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/24/0,1872,2382616,00.html ZDF-Dokumentation in der Reihe ''Märchen und Sagen – Botschaften aus der Wirklichkeit'']</ref>). Laut Dokumenten im Stadtarchiv [[Bad Wildungen]] war sie wegen ihrer großen Schönheit weithin bekannt und hatte eine strenge Stiefmutter. Als sie etwa 16 Jahre alt war, schickte ihr Vater, Graf [[Philipp IV. (Waldeck)|Philipp IV.]] von [[Waldeck]], sie an den kaiserlichen Hof von [[Herzogtum Brabant|Brabant]] ins heutige [[Brüssel]]. Auf diese Weise sollte sie mit einem Prinzen verheiratet werden. Margareta reiste über das [[Siebengebirge]]. Doch es kam zu Schwierigkeiten, als sich mehrere hochrangige Persönlichkeiten wie Graf Egmont und der Thronfolger (später Philipp II.) um Margareta bemühten. Ihre Gesundheit wurde zusehends schlechter. Schließlich starb sie am 13. März 1554 im Alter von 21 Jahren. In der Heimatchronik von Waldeck findet man den Vermerk, sie sei vergiftet worden. Eine - fürs Mittelalter typische und hier wahrscheinliche - Vergiftung durch [[Arsen]] würde auch die zittrige Schrift ihres Testamtents erklären. Der Wohnort der Sieben Zwerge soll im Bergwerksdorf [[Bergfreiheit (Bad Wildungen)|Bergfreiheit]] gewesen sein, das sich heute ''Schneewittchendorf'' nennt. Dass Margaretha blond war, stört hier nicht: In einer früheren Version der Brüder Grimm von 1808 ist Schneewittchens Haar noch „gelb“. |
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=== Bergfreiheit (Bad Wildungen) === |
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Auch in dem kleinen mittelhessischen Dorf [[Langenbach (Taunus)|Langenbach im Taunus]] findet man historische Anhaltspunkte zu Schneewittchen und den sieben Zwergen, die insbesondere durch lokale Begebenheiten sowie alte Flur- und Gemarkungsnamen gestützt werden <ref>[http://www.langenbach-info.de/Geschichten/Schneewittchen/schneewittchen.html Schneewittchen starb in Langenbach]</ref>. Der Ort liegt an der [[Hessenstraße]], der gleichen historischen Hauptverbindungsstraße wie dem Studienort der Brüder Grimm [[Marburg]]. Im Ort selbst wurde früher Bergbau betrieben, im Talgrund gibt es den uralten Gemarkungsnamen „Im Zwerggrund“. In älteren Varianten des Märchens (teilweise heute noch in Österreich gebräuchlich) ist auch nicht von einem Glassarg, sondern einem Glas''berg'' die Rede <ref>[http://www.maerchenlexikon.de/Grimm/khm-texte/khm053.htm Märchenlexikon]</ref>. Der Glasberg versinnbildlichte in heidnischer Zeit eine Totenstätte. Unweit des Zwerggrundes, gewissermaßen einen Steinwurf entfernt, liegt noch heute dieser Glasberg. |
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[[Datei:Bergfreiheit HE Schneewittchenhaus.jpg|mini|Das 1736 erbaute und als „Schneewittchenhaus“ deklarierte Fachwerkhaus in [[Bergfreiheit (Bad Wildungen)]]]] |
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Ein möglicher hessischer Ursprung des Märchens wird mit dem starken Einfluss der [[Kassel|Kassler]] Märchenerzählerin [[Marie Hassenpflug]] auf die Brüder Grimm begründet, die allerdings aus Südhessen stammte und mütterlicherseits hugenottische Wurzeln hatte. |
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Der hessische Heimatforscher Eckhard Sander sieht als Grundlage für den Märchenstoff über die junge Prinzessin das Schicksal der [[Waldeck]]er Grafentochter [[Margaretha von Waldeck]] (1533–1554).<ref>Eckhard Sander: ''Schneewittchen, Märchen oder Wahrheit''. ''Ein lokaler Bezug zum Kellerwald''. Wartberg Verlag 1994, 96. S.;<br /> |
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== Soziologischer Bezug == |
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Kirsten Hoehne [Buch, Regie] und Claudia Moroni [Buch]: ''Schneewittchen und der Mord in Brüssel''. [[ZDF]] 2005. (= ''Märchen und Sagen – Botschaften aus der Wirklichkeit'', Teil 1) [https://www.dailymotion.com/video/x1jwu0n dailymotion].</ref> Der Wohnort der sieben Zwerge soll demzufolge im heute zu Bad Wildungen gehörenden Bergwerksdorf [[Bergfreiheit (Bad Wildungen)|Bergfreiheit]] gewesen sein, das sich heute als ''Schneewittchendorf'' vermarktet. Dass Margaretha blond war, stört hier nicht: In einer früheren Version der Brüder Grimm von 1808 ist Schneewittchens Haar noch „gelb“. Die Zwerge werden hier mit im Bergbau [[Kinderarbeit|arbeitenden Kindern]] gleichgesetzt. |
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Zur soziologischen ([[Strukturalismus|strukturalistischen]]) Interpretation des Märchens ''vgl.'' [[Stiefmutter#Die "Stiefmutter" in der Wissenschaft|Die „Stiefmutter“ in der Wissenschaft]]. |
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=== Langenbach im Taunus === |
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Auch in dem kleinen mittelhessischen Dorf [[Langenbach (Weilmünster)]] findet man historische Anhaltspunkte zu Schneewittchen und den sieben Zwergen, die insbesondere durch lokale Begebenheiten sowie alte Flur- und Gemarkungsnamen gestützt werden.<ref>[https://www.langenbach-info.de/Geschichten/Schneewittchen/schneewittchen.html Schneewittchen starb in Langenbach]</ref> Der Ort liegt an der [[Hessenstraße]], an der gleichen historischen Hauptverbindungsstraße wie der Studienort der Brüder Grimm [[Marburg]]. Im Ort selbst wurde früher Bergbau betrieben, im Talgrund gibt es den uralten Gemarkungsnamen „Im Zwerggrund“ mit einem eingearbeiteten ebenen Plateau am Waldrand, wo offenbar in früherer Zeit eine Hütte gestanden haben muss. In älteren Varianten des Märchens (teilweise heute noch in Österreich gebräuchlich) ist auch nicht von einem Glassarg, sondern einem Glas''berg'' die Rede.<ref>[https://www.maerchenlexikon.de/Grimm/khm-texte/khm053.htm Schneewittchen KHM 53 (1857)], auf maerchenlexikon.de</ref> Der [[Glasberg]] versinnbildlichte in heidnischer Zeit eine Totenstätte. Unweit des Zwerggrundes, gewissermaßen einen Steinwurf entfernt, liegt noch heute dieser Glasberg. |
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Es gibt zahlreiche [[Film|Verfilmungen]] von Schneewittchen, [[Märchenfilm]]e, [[Zeichentrickfilm]]e teilweise aber auch [[Parodie]]n: |
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* ''Snow White'' ([[Stummfilm]], 1916, [[USA]]), Regie: [[J. Searle Dawley]] <ref>[http://www.imdb.com/title/tt0007361/ 7361 bei IMDB]</ref> |
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* 1937 brachten die [[The Walt Disney Company|Walt Disney Studios]] mit ''Snow White and the Seven Dwarfs'' ihren ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm heraus. Die deutsche Uraufführung von ''[[Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937)|Schneewittchen und die sieben Zwerge]]'' fand 1950 in [[Köln]] statt |
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* ''Schneewittchen und die sieben Zwerge'' (1939, Deutschland), Regie: Carl Heinz Wolff |
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* ''Schneewittchen'' (Fernsehproduktion der [[Augsburger Puppenkiste]], s/w, 1955) |
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* ''[[Schneewittchen (1955)|Schneewittchen und die sieben Zwerge]]'' (1955, [[Westdeutschland]]), [[Regie]]: Erich Kobler <ref>[http://www.imdb.com/title/tt0048591/ 48591 bei IMDB]</ref> |
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* ''[[Schneewittchen (1961)|Schneewittchen]]'' (1961, [[DDR]]), Regie: [[Gottfried Kolditz]] <ref>[http://www.imdb.com/title/tt0173173/ 173173 bei IMDB]</ref> |
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* ''Snow White and The Three Stooges'' (1961, USA) <ref>[http://www.imdb.com/title/tt0055458/ 55458 bei IMDB]</ref> |
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* ''Schneewittchen und die sieben Gaukler'' (1962, Westdeutschland/[[Schweiz]]), Regie: Kurt Hoffmann <ref>[http://www.imdb.com/title/tt0056454/ 56454 bei IMDB]</ref> |
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* ''Grimms Märchen vom lüsternen Pärchen'' / ''Schneewittchen... doch ein Flittchen'' (1969, Westdeutschland), Regie: Rolf Thiele <ref>[http://www.imdb.com/title/tt0064394/ 64394 bei IMDB]</ref> |
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* ''Dornwittchen und Schneeröschen'' (1969, Westdeutschland), Regie: Erwin Klein <ref>[http://www.imdb.com/title/tt0064250/ 64250 IMDB]</ref> |
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* ''Pamuk Prenses ve 7 cüceler'' (1970, Türkei), Regie: Ertem Göreç mit [[Zeynep Değirmencioğlu]] <ref>[http://www.imdb.com/title/tt0151886/ 151886 bei IMDB]</ref> |
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* ''Schneewittchen'' (1971, Westdeutschland), Regie: Rudolf Jugert <ref>[http://www.imdb.com/title/tt0457126/ 457126 bei IMDB]</ref> |
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* ''Von der schönen Zarentochter und den sieben Recken'' (1978, UdSSR), Regie: [[Wladimir Gorikker]] mit [[Irina Iwanowna Alfjorowa|Irina Alfjorowa]] - aus Puschkins Sicht des Märchens <ref>[http://www.imdb.com/title/tt00986534/ 986534 bei IMDB]</ref> |
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* [[Grimms Märchen (Anime)|Gurimu Meisaku Gekijō]], japanische Zeichentrickserie 1987, Folge 10-13: ''Schneewittchen'' |
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* ''[[Schneewittchen (1987)|Schneewittchen]]'' (1987, U.S.A./Israel), Regie: [[Michael Berz]] mit [[Sarah Patterson]] als Schneewittchen, [[Nicola Stapleton]] als kleines Schneewittchenmädchen und [[Ian James Wright]] als Prinz<ref>[http://www.imdb.com/title/tt0093999/ 93999 bei IMDB]</ref> |
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* ''[[Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge]]'' (1992, Deutschland/[[Slowakei]]), Regie: Ludvik Raza <ref>[http://www.imdb.com/title/tt0105326/ 105326 bei IMDB]</ref> |
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* 1994 ''Schneewittchen'' (''Shirayuki-hime no Densetsu'') 52-teilige TV-Serie (1994–5, Japan) |
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* 1996 ''Schneewittchen'' (TV) unter der Regie von [[Andreas Geiger]] mit [[Anne Tismer]] als Schneewittchen <ref>[http://www.imdb.com/title/tt1524136/] Geigers Schneewittchen auf IMDB</ref> |
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* 1997 erschien mit ''[[Schneewittchen (1997)|Schneewittchen]]'' (''Snow White: A Tale Of Terror'') von [[Michael Cohn]] und mit [[Sigourney Weaver]] und [[Sam Neill]] eine Fantasy/Horror-Fassung des Stoffes, an die Disney-Version angelehnt |
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* [[SimsalaGrimm]], deutsche Zeichentrickserie 1999, Staffel 2, Folge 8: ''Schneewittchen und die sieben Zwerge'' |
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* 2001 folgte ein weiterer ''[[Schneewittchen (2001)|Schneewittchen]]'' Film mit dem Titel „Snow White“ unter der Regie von [[Caroline Thompson]] mit [[Miranda Richardson]] und [[Kristin Kreuk]] in den Hauptrollen |
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* [[7 Zwerge - Männer allein im Wald]] (2004, Deutschland), mit [[Otto Waalkes]], [[Nina Hagen]] als böse Stiefmutter und [[Cosma Shiva Hagen]] als Schneewittchen |
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* [[7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug]] (2006, Deutschland), mit Otto Waalkes |
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* ''Schneewittchen - 7 Zipfel und ein Horst'', Komödie aus ''[[Die ProSieben Märchenstunde]]'' (Deutschland/Österreich, ab 2006) |
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* ''[[Schneewittchen (2009)|Schneewittchen]]'' ([[ARD]]-Spielfilm aus der Reihe ''[[Acht auf einen Streich]]'', Deutschland 2009, 60 min, Regie: [[Thomas Freundner]]) |
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=== Gieselwerder === |
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Eine Galerie von Schönheiten gaben der Schneewittchenrolle filmische Gestalt: [[Marguerite Clark]] (1916); [[Aimee Ehrlich]] (1916); [[Elsie Albert]] (1917); [[Elke Arendt]] (1955); [[Doris Weikow]] (1961); [[Zeynep Değirmencioğlu]] (1970); [[Irina Iwanowna Alfjorowa]] (1978); [[Sarah Patterson]] verbunden mit [[Nicola Stapleton]] als Kind (1987); [[Natalie Minko]] (1992); [[Anne Tismer]] (1996); [[Monica Keena]] verbunden mit [[Taryn Davis]] als Kind (1997); [[Kristin Kreuk]] (2001); [[Cosma Shiva Hagen]] (2004); [[Laura Berlin]] (2009). |
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[[Gieselwerder]]s Bezug zu Schneewittchen beschränkt sich darauf, dass der Ort an der [[Deutsche Märchenstraße|Deutschen Märchenstraße]] liegt, von sieben Bergspitzen eingerahmt ist (wenn man „genau nachzählt“) und es dort an der Schnittstelle von [[Weserbergland]] und [[Solling]] schon seit alten Zeiten Bergbau gab.<ref>https://www.myheimat.de/oberweser/c-kultur/endspurt-fuer-schneewittchen-maerchenhaftes-dorffest-in-gieselwerder_a24332451</ref> |
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=== Lohr am Main === |
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Seit den 1980er Jahren behauptete der Apotheker und Pharmaziehistoriker [[Karl Heinz Bartels]] in mehreren Schriften, in dem Märchen würden sich Bezugspunkte zu seiner Heimatstadt [[Lohr am Main]] und deren Umgebung im [[Spessart]] finden lassen. Die Vorlage für ''Schneewittchen'' sei die 1725 in Lohr geborenen [[Erthal (Adelsgeschlecht)#Namensträger|Maria Sophia Margaretha Catharina von Erthal]] gewesen.<ref>Vgl. Bartels, Schneewittchen (FN 58), S. 49 und 59; dort allerdings mit der fälschlichen Angabe des Geburtsjahrs 1729. Zum richtigen Geburtsjahr 1725 siehe Diözesanarchiv Würzburg, Amtsbücher aus Pfarreien 3030, Fiche 16, S. 166.</ref> Die Biografie der historischen Person stimmt aber mit der Biografie von ''Schneewittchen'' in vielen Punkten nicht überein. In der Literaturwissenschaft wird die These von Bartels einhellig zurückgewiesen. |
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== Musik == |
== Musik == |
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=== Oper, Lied, Ballett === |
=== Oper, Lied, Ballett === |
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[[Datei:Maerchenbrunnen Berlin Friedrichshain 3.jpg|mini|hochkant|Schneewittchen-Skulptur von [[Ignatius Taschner]] am Berliner [[Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain]], 1913]] |
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* ca 1859 [[Karl Reinecke]] Märchenkomposition ''Schneewittchen'' für dreistimmigen Frauenchor |
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* ca. 1859 [[Carl Reinecke]] Märchenkomposition ''Schneewittchen'' für dreistimmigen Frauenchor |
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* 1888 [[Engelbert Humperdinck]]: ''Schneewittchen'' (EHWV 9) – ein Liederspiel nach dem Libretto von Adelheid Wette |
* 1888 [[Engelbert Humperdinck]]: ''Schneewittchen'' (EHWV 9) – ein Liederspiel nach dem Libretto von Adelheid Wette |
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* 1908 vertont [[Rudolf Ewald Zingel]] [[Theodor Storm]]s dramatisierte Schneewittchenfassung, |
* 1908 vertont [[Rudolf Ewald Zingel]] [[Theodor Storm]]s dramatisierte Schneewittchenfassung, |
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* ca 1912 wird diese noch einmal von [[Armin Knab]] in Noten gesetzt, um schließlich |
* ca. 1912 wird diese noch einmal von [[Armin Knab]] in Noten gesetzt, um schließlich |
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* ca. |
* ca. 1930 durch [[Anneliese Seifert]] eine weitere musikalische Form zu finden. |
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* 1936 [[Francis Poulenc]] ( |
* 1936 [[Francis Poulenc]] (1899–1963) aus Sept Chansons für gemischten Chor a cappella (FP81 Nr. 1–7) Nr. 1: La Blanche Neige (nach dem Gedicht von Guillaume Apollinaire). |
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* 1998 Uraufführung der Oper |
* 1998 Uraufführung der Oper ''[[Schneewittchen (Oper)|Schneewittchen]]'' nach Robert Walser von [[Heinz Holliger]] in Zürich mit [[Juliane Banse]] – Sopran – Schneewittchen, [[Cornelia Kallisch]] – Alt – Königin, [[Steve Davislim]] – Tenor – Prinz, [[Oliver Widmer]] – Bariton – Jäger, [[Werner Gröschel]] – Bass – König, Orchester der Oper Zürich, musikalische Leitung Heinz Holliger. |
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* 2005 Ballett von [[Emilio Aragón]]: „Blancanieves“ dokumentiert in einem Mitschnitt aus dem Teatro Arriaga [[Bilbao]] mit [[Tamara Rojo]] in der Titelrolle.<ref>{{Internetquelle |autor=Emilio Aragón (Musik), Ricardo Cué (Choreografie und künstlerische Leitung) |url=https://www.youtube.com/watch?v=pn5CeiJOCZc |titel=Branca de neve |werk=[[YouTube]] |hrsg=Fundación Stanza |datum=2013-04-15 |sprache=pt |abruf=2023-01-05 |kommentar=komplette Videoaufahme einer Inszenierung am Teatro Arriaga, Bilbao}}</ref><ref>{{Internetquelle |autor=Agencias |url=https://cincodias.elpais.com/cincodias/2005/08/25/sentidos/1124936838_850215.html |titel=Tamara Rojo bailará 'Blancanieves', de Emilio Aragón |werk=[[El País]] |datum=2005-08-25 |sprache=es |abruf=2023-01-05}}</ref> |
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* 2005 Ballett von [[Emilio Aragon]]: [[Snow-White]] dokumentiert in einem Mitschnitt aus dem Teatro Arriaga Bilbao. |
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* 2008 Ballett von [[Angelin |
* 2008 Ballett von [[Angelin Preljocaj]]: [[Blanche-Neige]]. |
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* 2011 Uraufführung der Familienoper „Schneewittchen“ von [[Marius Felix Lange]] an der Kinderoper der [[Oper Köln]], als „Blanche-Neige“ 2012 franz. Erstaufführung an der [[Opéra national du Rhin]], 2015 Schweizer Erstaufführung durch Opéra Louise in Koproduktion mit Équilibre-Nuithonie in Fribourg |
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* 2014 Oper [[Robert Ficklscherer]] nach eigenem Libretto. |
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=== Kinderlieder === |
=== Kinderlieder === |
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Diese Lieder nach Reimen sind mündlich überliefert, von meist anonymen Verfassern und selten datierbar: |
Diese Lieder nach Reimen sind mündlich überliefert, von meist anonymen Verfassern und selten datierbar: |
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* ''Wisst ihr, das Schneewittchen,/das Prinzesschen klein,/ möchte in den Stübchen/ bei den Zwergen |
* ''Wisst ihr, das Schneewittchen, / das Prinzesschen klein, / möchte in den Stübchen / bei den Zwergen sein …''<ref>{{Webarchiv |url=http://www.kindergarten-homepage.de/projekte/maerchenwald/lieder.html |text=kindergarten-homepage.de |wayback=20121005201958}} Text: Schneewittchen (nach der Melodie: ''[[Alle meine Entchen|Alle meine Entlein]]''):1. Wisst ihr, das Schneewittchen, das Prinzesschen klein, |
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möchte in den Stübchen bei den Zwergen sein.2. Näht ihre Röckchen, putzte ihre Schuh' |
möchte in den Stübchen bei den Zwergen sein. 2. Näht ihre Röckchen, putzte ihre Schuh' |
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strickte ihre Söckchen ohne Rast und Ruh.3. Fegte ihre Stübchen mit dem Besen fein, kochte kräftige Süppchen für die Zwergelein.4. Kommen dann die Zwerge müde heim zur Nacht, ist in ihren Bergen alles Werk vollbracht.5. Und dann schläft Schneewittchen, das Prinzesschen klein, glücklich in dem Hüttchen bei den Zwergelein.</ref> |
strickte ihre Söckchen ohne Rast und Ruh. 3. Fegte ihre Stübchen mit dem Besen fein, kochte kräftige Süppchen für die Zwergelein. 4. Kommen dann die Zwerge müde heim zur Nacht, ist in ihren Bergen alles Werk vollbracht. 5. Und dann schläft Schneewittchen, das Prinzesschen klein, glücklich in dem Hüttchen bei den Zwergelein.</ref> |
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* ''Schneewittchen (Singspiel) |
* ''Schneewittchen (Singspiel) – Eine böse Königin fragt ihr Spieglein leise: / „Sag, ob ich die Schönste bin, / Spieglein wahr und weise.“''<ref>[https://nostalgie.beepworld.de/kindergedichte.htm nostalgie.beepworld.de] Text: ''Schneewittchen'' (Singspiel) |
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1. Eine böse Königin fragt ihr Spieglein leise: |
1. Eine böse Königin fragt ihr Spieglein leise: „Sag, ob ich die Schönste bin, Spieglein wahr und Weise.“ 2. Spieglein sagt: „Das kann nicht sein, hinter hohen Bergen, wohnt Schneewittchen wunderfein bei den sieben Zwergen.“ 3. Da erschrak die Königin, lief viel’ hundert Meilen, wollt wie eine Hökerin zu Schneewittchen eilen. 4. Reichte ihr ein Äpflein dar, wollt die Maid verderben, weil das Äpflein giftig war, musst Schneewittchen sterben. 5. Und die Zwerge hielten Wacht an dem Sarg aus Glase, und mit ihnen Tag und Nacht weinten Reh und Hase. 6. Und in wunderbarer Stund’ kam ein Prinz zum Walde, küsst Schneewittchen auf den Mund, sie erwacht gar balde. 7. Feierte das ganze Land und zum Hochzeitsfeste war’n die sieben Zwerge all’ liebe frohe Gäste.</ref> |
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* ''Schneewittchen (Weise und Satz Gerhard Winterthur) |
* ''Schneewittchen (Weise und Satz Gerhard Winterthur) – Die Königin war stolz und schön. / Sie trat vor einen Spiegel hin. / Du Spieglein, Spieglein an der Wand, / wer ist die schönste Frau im Land?''<ref>{{Webarchiv |url=http://www.herbert-fritz.de/gerhard-fleischer/Schneewittchen/Schneewittchen.html |text=herbert-fritz.de |wayback=20091025083854}} Text: Schneewittchen – 1. Die Königin war stolz und schön, stolz und schön. Sie trat vor einen Spiegel hin, Spiegel hin: Du Spieglein, Spieglein an der Wand wer ist die schönste Frau im Land, wer ist die schönste Frau im ganzen Land? 2. Schneewittchen wuchs indes heran, wuchs heran. Der Spiegel aber kündigt an, kündigt an: Frau Königin im Schlosse hier, ihr Kind ist schöner noch als ihr: Ihr Kind ist schöner noch, schöner noch als Ihr! 3. Die Königin auf Rache sann, Rache sann. Den Jäger rief sie alsodann, alsodann: Du Jäger bring es in den Wald; das Herz, die Leber will ich bald; das Herz, die Leber will ich alsobald! 4. Es läuft bis es am Abend findt, Abend findt; Das Haus darin die Zwerge sind, Zwerge sind. Willst Du für uns den Haushalt tun, kannst mit uns essen, mit uns ruhn; kannst mit uns essen und auch mit uns ruhn. 5. Derweilen kam als Krämerin, Krämerin ins Zwergenhaus die Königin, Königin: Du schöne Maid, nimm diesen Kamm, dass ich dich richtig kämmen kann, dass ich dich richtig kämmen kann. 6. Schneewittchen ab'r erholte sich, kam zu sich, das hört’ die falsche Königin, Königin: Sie kam mit einem Apfel dann und reicht dem Mädchen diesen dann und reicht’ Schneewittchen Gift im Apfel dann. 7. Schneewittchen fiel in tiefen Schlaf, tiefen Schlaf. Die Zwerge weinten arg um sie, wachten brav; und legten sie in einen Sarg, der war aus schönstem Glas gemacht; der war aus schönstem Glas wie Diamant gemacht. |
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8. Da kam ein feiner Prinz daher, jung und schön, der sah Schneewittchen liegen da, wunderschön: Er |
8. Da kam ein feiner Prinz daher, jung und schön, der sah Schneewittchen liegen da, wunderschön: Er konnt’ und wollt’ nicht weitergehn und konnt’ sich nicht mehr satt dran sehn: Wie schön Schneewittchen war in ihrem Sarg. 9. Da schlug der Prinz den Sarg entzwei, Sarg entzwei, und hob Schneewittchen sacht heraus, flink und frei; Dann gab er ihr 'nen lieben Kuss worauf Schneewittchen atmen musst’ und so schlug sie die Augen wieder auf. 10. Drauf freuten sich die Zwerge sehr, Zwerge sehr; und dazu auch der Prinz viel mehr, noch viel mehr: Sie feierten die Hochzeit dann und feierten 5 Wochen lang und lebten lang und glücklich, zufrieden dann. Weise, Satz: Gerh. Fleischer, Winterthur Midisequenz: Herbert Fritz</ref> |
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=== Verschiedenes === |
=== Verschiedenes === |
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1969 veröffentlichte die schwedische Sängerin [[Agnetha Fältskog]] eine Single mit dem Titel ''Snövit och de sju dvärgarna'' (dt.: Schneewittchen und die sieben Zwerge). 1980 veröffentlichte die Sängerin [[Gaby Rückert]] das Album ''Berührung'', darin auch eine Single mit dem Titel ''Schneewittchen hat’s gut''. 2000 nutzte Frank Nimsgern das Schneewittchen-Motiv in seinem Musical ''SnoWhite''. 2001 veröffentlichte die deutsche Rockband [[Rammstein]] ein Musikvideo zu dem Titel ''[[Mutter (Album)#Sonne|Sonne]]'' mit auffallenden Schneewittchenanspielungen und ironischen Bezügen auf die Disney-Verfilmung von ''Snow White and the Seven Dwarfs''. 2003 wurde von der deutsch-österreichischen Band [[Chamber (Band)|Chamber]] auf dem Album ''Ghost Stories and Fairy-Tales'' das parodistische Lied ''The Truth About Snow-White'' veröffentlicht. 2005 komponierte [[Roland Zoss]] zu Schneewittchen die Schweizer Mundart-Märchenserie ''Liedermärli''. 2005 veröffentlichte die deutsche [[Mittelalter-Rock]]band [[Feuerschwanz]] das Lied ''Schneewittchen'' auf ihrem Album ''Prima Nocte''. Dabei persiflieren sie das Märchen, etwa mit Bezügen zur Nekrophilie des Prinzen, sexuellen Gefälligkeiten Schneewittchens an die Zwerge, und ihren Status als „Sexsymbol“. 2010 veröffentlichte die japanische Band [[Sound Horizon]] ihre siebente Story-CD<ref>{{Internetquelle |url=https://www.soundhorizon.com/discography/horizons_07.html |titel=Discographieinformationen zum Album ''Märchen'' |sprache=ja, en |abruf=2019-11-19}}</ref> unter dem Titel ''Märchen''. Das vierte Lied, ''Garasu no Hitsugi de Nemuru Himegimi'' ({{lang|ja|硝子の棺で眠る姫君}}, zu Deutsch: „Die im gläsernen Sarg schlafende Prinzessin“), erzählt die Geschichte von Schneewittchen unter dem Thematikschwerpunkt der [[Todsünde]] Neid. Auch ''[[Faun (Band)|Faun]]'' singt ''Spieglein, Spieglein''. |
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* 1969 veröffentlichte die schwedische Sängerin [[Agnetha Fältskog]] eine Single mit dem Titel ''Snövit och de sju dvärgarna'' (dt.: Schneewittchen und die sieben Zwerge) |
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* 1980 veröffentlichte die Sängerin [[Gaby Rückert]] das Album ''Berührung'', darin auch eine Single mit dem Titel ''Schneewittchen hat's gut'' |
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* 2000 nutzte Frank Nimsgern das Schneewittchen-Motiv in seinem Musical SnoWhite |
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* 2001 veröffentlichte die deutsche Rockband [[Rammstein]] ein Musikvideo zu dem Titel [[Rammstein:|Sonne]] mit auffallenden Schneewittchenanspielungen und ironischen Bezügen auf die Disney- Verfilmung von ''Snow White and the Seven Dwarfs''. |
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* 2003 wurde von der deutsch-österreichischen Band [[Chamber (Band)|Chamber]] auf dem Album ''Ghost Stories and Fairy-Tales'' das parodistische Lied ''The Truth About Snow-White'' veröffentlicht. |
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== Filme und Fernsehserien (Auswahl) == |
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== Nachweise == |
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Es gibt zahlreiche [[Film|Verfilmungen]] von Schneewittchen, darunter [[Märchenfilm]]e, [[Zeichentrickfilm]]e, teilweise aber auch [[Parodie]]n: |
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* 1916: ''Snow White'', [[Stummfilm]], [[Vereinigte Staaten|USA]], Regie: [[James Searle Dawley]]<ref>[https://www.imdb.com/title/tt0007361/ 7361 bei IMDb]</ref> |
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* 1928: ''Schneewittchen'', Stummfilm, [[Deutschland]], Regie: [[Alf Zengerling]]<ref>Vgl. Filmschau. Drei neue Märchenfilme, in: Der Bildwart. Blätter für Volksbildung, Heft 5, 7. Jahrgang, 1929, S. 280f.</ref> |
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* 1937: ''Snow White and the Seven Dwarfs'', USA, erster abendfüllender [[Zeichentrickfilm]] der [[The Walt Disney Company|Walt Disney Studios]]. Die deutsche Erstaufführung dieser Version von ''[[Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937)|Schneewittchen und die sieben Zwerge]]'' fand 1950 in [[Köln]] statt.<ref>Technisch aktualisiert als DVD, zuletzt 2001. Auch als Print, 2013, ISBN 1-4723-4736-6</ref> |
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* 1939: ''Schneewittchen und die sieben Zwerge'', Deutschland, Regie: Carl Heinz Wolff |
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* 1955: ''Schneewittchen'', Fernsehproduktion der [[Augsburger Puppenkiste]], Deutschland, s/w |
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* 1951: ''Das Märchen von der toten Prinzessin und den sieben Recken'', UdSSR, Zeichentrickfilm von [[Iwan Iwanow-Wano]] nach der Puschkinschen Schneewittchen-Version |
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* 1955: ''[[Schneewittchen und die 7 Zwerge (1955)|Schneewittchen und die sieben Zwerge]]'', [[Deutschland|BR Deutschland]], [[Regie]]: [[Erich Kobler]]<ref>[https://www.imdb.com/title/tt0048591/ 48591 bei IMDb]</ref> |
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* 1961: ''[[Schneewittchen (1961)|Schneewittchen]]'', [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]], Regie: [[Gottfried Kolditz]]<ref>[https://www.imdb.com/title/tt0173173/ 173173 bei IMDb]</ref> |
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* 1961: ''Snow White and The Three Stooges'', USA<ref>[https://www.imdb.com/title/tt0055458/ 55458 bei IMDb]</ref> |
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* 1962: ''[[Schneewittchen und die sieben Gaukler]]'', BR Deutschland/[[Schweiz]], Regie: Kurt Hoffmann<ref>[https://www.imdb.com/title/tt0056454/ 56454 bei IMDb]</ref> |
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* 1969: ''[[Grimms Märchen von lüsternen Pärchen]]'' / ''Schneewittchen … doch ein Flittchen'', BR Deutschland, Regie: Rolf Thiele<ref>[https://www.imdb.com/title/tt0064394/ 64394 bei IMDb]</ref> |
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* 1969: ''[[Dornwittchen und Schneeröschen]]'', BR Deutschland, Regie: Erwin Klein<ref>{{Internetquelle |url=https://www.imdb.com/title/tt0064250 |titel=Dornwittchen und Schneeröschen |hrsg=[[Internet Movie Database]] |sprache=en |abruf=2015-05-22}}</ref> |
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* 1970: ''Pamuk Prenses ve 7 cüceler'', Türkei, Regie: Ertem Göreç mit [[Zeynep Değirmencioğlu]]<ref>{{Internetquelle |url=https://www.imdb.com/title/tt0151886 |titel=Pamuk Prenses ve 7 cüceler |hrsg=[[Internet Movie Database]] |sprache=en |abruf=2015-05-22}}</ref> |
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* 1971: ''[[Schneewittchen (1971)|Schneewittchen]]'', BR Deutschland, Regie: Rudolf Jugert<ref>[https://www.imdb.com/title/tt0457126/ 457126 bei IMDb]</ref> |
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* 1979: ''[[Herbstglocken]]'', UdSSR, Regie: [[Wladimir Gorikker]] mit [[Irina Iwanowna Alfjorowa|Irina Alfjorowa]] – aus Puschkins Sicht des Märchens<ref>[https://www.imdb.com/title/tt00986534/ 986534 bei IMDb]</ref> |
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* 1984: ''[[Schneewittchen und die sieben Zwerge (1984)|Schneewittchen und die sieben Zwerge]]'' (OT: ''Faerie Tale Theatre – Snow White and the seven dwarfs''), USA, unter der Regie von [[Peter Medak]] mit [[Elizabeth McGovern]] als Schneewittchen und [[Vanessa Redgrave]] als böse Königin |
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* 1987: [[Grimms Märchen (Anime)|Gurimu Meisaku Gekijō]], japanische Zeichentrickserie, Folge 10–13: ''Schneewittchen'' |
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* 1987: ''[[Schneewittchen (1987)|Schneewittchen]]'', USA/Israel, Regie: [[Michael Berz]] mit [[Diana Rigg]] als böse Königin, [[Sarah Patterson]] als Schneewittchen, [[Nicola Stapleton]] als kleines Schneewittchenmädchen und [[Ian James Wright]] als Prinz<ref>{{Internetquelle |url=https://www.imdb.com/title/tt0093999 |titel=Schneewittchen |hrsg=[[Internet Movie Database]] |sprache=en |abruf=2015-05-22}}</ref> |
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* 1992: ''[[Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge]]'', Deutschland/[[Slowakei]], Regie: Ludvik Raza<ref>{{Internetquelle |url=https://www.imdb.com/title/tt0105326 |titel=Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge |hrsg=[[Internet Movie Database]] |sprache=en |abruf=2015-05-22}}</ref> |
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* 1994/95: ''Schneewittchen'' (''Shirayuki-hime no Densetsu''), 52-teilige TV-Serie, Japan |
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* 1996: ''Schneewittchen'', Deutschland, Regie: [[Andreas Geiger (Regisseur)|Andreas Geiger]] und mit [[Anne Tismer]] als Schneewittchen<ref>{{IMDb|tt1524136|Geigers Schneewittchen}}</ref> |
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* 1997: ''[[Schneewittchen (1997)|Schneewittchen]]'' (''Snow White: A Tale Of Terror''), USA, Regie: [[Michael Cohn]] und mit [[Sam Neill]] als Schneewittchens Vater, [[Monica Keena]] als Schneewittchen und [[Sigourney Weaver]] als böse Königin eine Fantasy/Horror-Fassung des Stoffes, angelehnt an die Disney-Version. |
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* 1998: ''[[Schneewittchen und die sieben Zwerge (1998)|Schneewittchen und die sieben Zwerge]]'' bzw. ''Белоснежка и семь гномов'', Russland, nach ''Schneewittchen'' von den Brüdern Grimm und ''[[Das Zauberspiegelchen]]'' von [[Alexander Nikolajewitsch Afanassjew]] mit [[Marina Andrejewna Alexandrowa|Marina Aleksandrova]] als Schneewittchen<ref>[http://youtube.com?v=bil4iedc9na/ Filmausschnitt]</ref> |
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* 1999: ''[[SimsalaGrimm]]'', deutsche Zeichentrickserie, Staffel 2, Folge 8: ''Schneewittchen und die sieben Zwerge'' |
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* 2000: ''[[Branca de Neve]]'', Portugal, Regie: [[João César Monteiro]] |
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* 2001: ''[[Snow White (2001)|Schneewittchen]]'' (''Snow White: The Fairest of Them All''), USA/Kanada, Regie: [[Caroline Thompson]] mit [[Miranda Richardson]] als böse Königin und [[Kristin Kreuk]] als Schneewittchen. |
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* 2004: ''[[7 Zwerge – Männer allein im Wald]]'', Deutschland, mit [[Otto Waalkes]], [[Nina Hagen]] als böse Stiefmutter und [[Cosma Shiva Hagen]] als Schneewittchen |
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* 2006: ''[[7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug]]'', Deutschland, mit Otto Waalkes |
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* 2007: ''Schneewittchen – 7 Zipfel und ein Horst'', Deutschland/Österreich, 4. Staffel der ProSieben-Serie/ORF-Serie ''[[Die Märchenstunde]]'' |
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* 2007: ''[[Sydney White – Campus Queen]]'', USA |
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* 2007: ''[[Verwünscht]]'', USA, Regie: Kevin Lima, mit Amy Adams und James Marsden |
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* 2009: ''[[Schneewittchen (2009)|Schneewittchen]]'', Märchenfilm aus der 2. Staffel der ARD-Reihe ''[[Sechs auf einen Streich|Acht auf einen Streich]]'', Deutschland, Regie: [[Thomas Freundner]] |
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* 2011: ''[[Once Upon a Time – Es war einmal …]]'', US-amerikanische Serie rund um Snow white (Schneewittchen) und Prince Charming, in der alle bekannten Märchencharaktere durch einen Fluch der bösen Königin aus Schneewittchen in unserer Welt ohne Happy End gefangen sind. Schneewittchens und Prince Charmings Tochter und ihr Enkelsohn müssen sie befreien. |
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* 2012: ''[[Blancanieves]]'', Frankreich/Spanien, Stummfilm in Schwarzweiß von [[Pablo Berger]], der den Schneewittchenstoff im Stierkämpfermilieu von Sevilla ansiedelt |
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* 2012: ''[[Grimm’s Snow White]]'', USA |
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* 2012: ''[[Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen]]'' (''Mirror Mirror''), USA, Regie: [[Tarsem Singh]] mit [[Julia Roberts]] als böse Königin und [[Lily Collins]] als Schneewittchen |
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* 2012: ''[[Snow White and the Huntsman]]'', USA, Regie: [[Rupert Sanders]] mit [[Charlize Theron]] als böse Königin und [[Kristen Stewart]] als Schneewittchen |
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* 2013: ''[[Ever After High]]'', Webserie auf Youtube bzw. Netflix-Serie über ein Internat, in dem die Kinder von Märchenfiguren zur Schule gehen. |
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* 2016: ''[[Sieben Zwerge & ich]]'' (''Sept Nains & Moi''), französische Fernsehserie um ''Schnee Wittchen'' ([[Leila Jolene Cenk]]), einer direkten Nachkommin Schneewittchens, und die Sieben Zwerge |
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* 2019: ''[[Schneewittchen und der Zauber der Zwerge]]'', deutscher Fernsehfilm von [[Ngo The Chau]] |
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* 2019: ''Rotschühchen und die sieben Zwerge'', Animation, 92 min., Südkorea 2019, Regie: Hong Sung-ho<ref>[https://www.pantaray.tv/rotschuehchen-und-die-sieben-zwerge ''Rotschühchen und die sieben Zwerge'' auf pantaray.tv]</ref> |
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* 2019: ''[[Weiß wie Schnee – Wer ist die Schönste im ganzen Land?]]'', Filmkomödie von [[Anne Fontaine]] mit [[Lou de Laâge]] in der Schneewittchenrolle und [[Isabelle Huppert]] als böse Stiefmutter. |
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* 2025: ''[[Schneewittchen (2025)]]'', USA, Regie: [[Marc Webb]], mit: [[Rachel Zegler]] als Schneewittchen und [[Gal Gadot]] als böse Königin |
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Diverse Schauspielerinnen gaben der Schneewittchenrolle im Laufe der Jahre filmische Gestalt: [[Marguerite Clark]] (1916); [[Aimee Ehrlich]] (1916); [[Elsie Albert]] (1917); [[Elke Arendt]] (1955); [[Doris Weikow]] (1961); [[Zeynep Değirmencioğlu]] (1970); [[Maresa Hörbiger]] (1971); [[Irina Iwanowna Alfjorowa]] (1978); [[Elizabeth McGovern]] (1984); [[Sarah Patterson]] verbunden mit [[Nicola Stapleton]] als Kind (1987); [[Natalie Minko]] (1992); [[Anne Tismer]] (1996); [[Monica Keena]] verbunden mit [[Taryn Davis]] als Kind (1997); [[Marina Andrejewna Alexandrowa|Marina Aleksandrova]] (1998); [[Kristin Kreuk]] (2001); [[Cosma Shiva Hagen]] (2004); [[Amanda Bynes]] (2007); [[Laura Berlin]] (2009); [[Ginnifer Goodwin]] verbunden mit [[Bailee Madison]] als Kind (2011–2018); [[Lily Collins]] (2012, Spieglein Spieglein); [[Kristen Stewart]] verbunden mit [[Raffey Cassidy]] als Kind (2012, Huntsman); [[Tijan Marei]] (2019); 2025 spielte [[Rachel Zegler]] die Hauptrolle. |
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== Literatur == |
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=== Primärliteratur === |
=== Primärliteratur === |
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* [[Guillaume Apollinaire]]: ''La Blanche-Neige'' (Gedicht) aus der Sammlung ''Alcools'' von 1913, Paris 2008, ISBN 978-1-4375-2918-0. |
* [[Guillaume Apollinaire]]: ''La Blanche-Neige'' (Gedicht) aus der Sammlung ''Alcools'' von 1913, Paris 2008, ISBN 978-1-4375-2918-0.<ref>[https://www.poetica.fr/poeme-782/guillaume-apollinaire-la-blanche-neige/ Apollinaire – ''La Blanche-Neige'']</ref> |
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* [[ |
* [[Ludwig Bechstein]]: ''Schneeweißchen'' (1846), S. 282–293, Stuttgart 1996, ISBN 3-15-009483-6. |
||
* [[Jacob Grimm]], [[Wilhelm Grimm]]: ''Kinder- und Hausmärchen''. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. 19. Auflage. Artemis & Winkler / Patmos, Düsseldorf und Zürich 1999, ISBN 3-538-06943-3, S. 297–308. |
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* [[Ludwig Bechstein]]: ''Schneeweißchen'' (1846), S.282-293, Stuttgart 1996, ISBN 3-15-009483-6. |
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* [[Ernst Kreidolf]]: ''Ein Wintermärchen'', Zürich, München 1983, ISBN 3-7607-7586-1. |
* [[Ernst Kreidolf]]: ''Ein Wintermärchen'', Zürich, München 1983, ISBN 3-7607-7586-1. |
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* [[Bertold Löffler]]: ''Die sieben Zwerge Schneewittchens'', Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-458-32189-6. |
* [[Bertold Löffler]]: ''Die sieben Zwerge Schneewittchens'', Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-458-32189-6. |
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* [[Conrad Ferdinand Meyer]]: ''Schneewittchen'' (Gedicht) in Conrad Ferdinand Meyer: Sämtliche Werke in zwei Bänden, Bd.2, S.115, Stuttgart 1975.<ref>[ |
* [[Conrad Ferdinand Meyer]]: ''Schneewittchen'' (Gedicht) in Conrad Ferdinand Meyer: Sämtliche Werke in zwei Bänden, Bd. 2, S. 115, Stuttgart 1975.<ref>[https://gedichte.xbib.de/Meyer_gedicht_Schneewittchen.htm Conrad Ferdinand Meyer – ''Schneewittchen'']</ref> |
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* [[Alexander Sergejewitsch Puschkin]]: ''Märchen von der toten Zarentochter'', Berlin ca.1950. |
* [[Alexander Sergejewitsch Puschkin]]: ''Märchen von der toten Zarentochter'', Berlin ca. 1950. |
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* [[Anne Ritter]]: ''Schneewittchen in der Wiege'' (Gedicht von ca. 1898) in Anne Ritter ( |
* [[Anne Ritter]]: ''Schneewittchen in der Wiege'' (Gedicht von ca. 1898) in Anne Ritter (1865–1921): ''Gedichte''. Clett / Stuttgart / Berlin 1911.<ref>[https://gedichte.xbib.de/Ritter_gedicht_Schneewittchen+in+der+Wiege.htm ''Schneewittchen in der Wiege'' von Anne Ritter]</ref> |
||
* Heinz Rölleke (Hrsg.): ''Die älteste Märchensammlung der Brüder Grimm. Synopse der handschriftlichen Urfassung von 1810 und der Erstdrucke von 1812.'' Fondation Martin Bodmer, Cologny-Geneve 1975, S. |
* Heinz Rölleke (Hrsg.): ''Die älteste Märchensammlung der Brüder Grimm. Synopse der handschriftlichen Urfassung von 1810 und der Erstdrucke von 1812.'' Fondation Martin Bodmer, Cologny-Geneve 1975, S. 244–265. |
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* [[Ruth Manning-Sanders]]: ''Das Buch von den Zwergen'', Zürich 1972, ISBN 3-7976-1167-6. |
* [[Ruth Manning-Sanders]]: ''Das Buch von den Zwergen'', Zürich 1972, ISBN 3-7976-1167-6. |
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* [[Anne Sexton]]: ''Snow-White and the seven Dwarfs'' in ''Transformations'' (Verwandlungen) von 1972 (Gedicht) |
* [[Anne Sexton]]: ''Snow-White and the seven Dwarfs'' in ''Transformations'' (Verwandlungen) von 1972 (Gedicht)<ref>{{Internetquelle |url=https://poets.org/poem/snow-white-and-seven-dwarfs |titel=Anne Sexton: ''Snow-White and the seven Dwarfs'' |hrsg=poets.org |abruf=2023-01-31}}</ref> |
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* [[William Shakespeare]]: ''[[Cymbeline]]'' (die Gestalt der [[Imogen]] trägt Züge von Schneewittchen), ''Cymbeline'' in William Shakespeare: ''Gesamtwerk/Complete Edition'' in sechs Bänden übersetzt von [[Ludwig Tieck]] und [[August Wilhelm Schlegel]], hrsg. von Levin Ludwig Schücking, Augsburg 1996. |
* [[William Shakespeare]]: ''[[Cymbeline]]'' (die Gestalt der [[Imogen]] trägt Züge von Schneewittchen), ''Cymbeline'' in William Shakespeare: ''Gesamtwerk/Complete Edition'' in sechs Bänden übersetzt von [[Ludwig Tieck]] und [[August Wilhelm Schlegel]], hrsg. von Levin Ludwig Schücking, Augsburg 1996. |
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* [[Theodor Storm]] (Hrsg. von Peter Goldammer): ''Schneewittchen'' in Werke in vier Bänden, Bd.1, Berlin und Weimar 1967. |
* [[Theodor Storm]] (Hrsg. von Peter Goldammer): ''Schneewittchen'' in Werke in vier Bänden, Bd. 1, Berlin und Weimar 1967. |
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* [[Robert Walser]]: ''Märchenspiele |
* [[Robert Walser]]: ''Märchenspiele – Aschenbrödel, Schneewittchen'', Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-458-19191-7. |
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* ''Blutrot, schneeweiß, rabenschwarz'' in ''Französische Feenmärchen'' aus einer 1718 anonym erschienenen Sammlung übersetzt von Hans Wolfgang Funke, S. |
* ''Blutrot, schneeweiß, rabenschwarz'' in ''Französische Feenmärchen'' aus einer 1718 anonym erschienenen Sammlung übersetzt von Hans Wolfgang Funke, S. 27–30, Leipzig 1988, ISBN 3-379-00325-5. |
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=== Sekundärliteratur === |
=== Sekundärliteratur === |
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* |
* [[Karl Heinz Bartels]]: ''Neue Erkenntnisse über Hänsel und Gretel, Ein Beitrag zur Fabulologie des Spessarts und zum Jahr der Gebrüder Grimm.'' In: ''Main Echo-Lohrer Echo.'' Lohr a. Main, 13. April 1985. |
||
* Karl Heinz Bartels: ''War Schneewittchen eine Lohrerin? Zur Fabulologie des Spessarts.'' In: ''Schönere Heimat, Bayerischer Landesverband für Heimatpflege e. V..'' 75. Jahrgang, (München) 1986, Heft 2, S. 392–396. |
|||
* J. F. Grant Duff: ''Schneewittchen - Versuch einer psychoanalytischen Deutung''. In: Wilhelm Laiblin (Hrsg.): ''Märchenforschung und Tiefenpsychologie.'' Darmstadt 1969, S. 88-99. (Zuerst erschienen in: ''Imago, Zeitschrift für Psychoanalytische Psychologie, ihre Grenzgebiete und Anwendungen.'' XX. Band. 1934, S. 95-103. |
|||
* Karl Heinz Bartels: ''Schneewittchen. Zur Fabulologie des Spessarts.'' Buchhandlung von Törne, Lohr a. Main 1990, ISBN 3-9800281-4-3. |
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* Heinz-Albert Heindrichs und Ursula Heindrichs (Hrsg.):''Die Zeit im Märchen''. Im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft, Kassel 1989, ISBN 978-3-87680-354-8. |
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* |
* Karl Heinz Bartels: ''Schneewittchen – Zur Fabulologie des Spessarts.'' 2., ergänzte Auflage. Geschichts- und Museumsverein Lohr a. Main, Lohr a. Main 2012, ISBN 978-3-934128-40-8. |
||
* J. F. Grant Duff: ''Schneewittchen – Versuch einer psychoanalytischen Deutung.'' In: Wilhelm Laiblin (Hrsg.): ''Märchenforschung und Tiefenpsychologie.'' Darmstadt 1969, S. 88–99. (Zuerst erschienen in: ''Imago, Zeitschrift für Psychoanalytische Psychologie, ihre Grenzgebiete und Anwendungen.'' Band 20, 1934, S. 95–103). |
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* Wulf Köhn:''Vorsicht Märchen! - Wie Schneewittchen nach Alfeld kam''. 2002, ISBN 978-3-935928-03-8. |
|||
* Barbara Grimm: ''Testament und Nachlassverzeichnis Maria Sophia Katharina Margaretha von Erthals im Stadtarchiv Bamberg.'' In: ''Beiträge zur Geschichte der Stadt Lohr und des Raumes Lohr.'' Ausgabe 5, 2016, S. 149–203. |
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* Theodor Ruf: ''Schneewittchen wie es wirklich wa(h)r: Die Schöne aus dem Glassarg. Schneewittchens wirkliches und märchenhaftes Leben.'' Königshausen und Neumann, Würzburg 1995. |
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* [[Heinz-Albert Heindrichs]], [[Ursula Heindrichs]] (Hrsg.): ''Die Zeit im Märchen.'' Im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft. Kassel 1989, ISBN 978-3-87680-354-8. |
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* Eckhard Sander: ''Schneewittchen, Märchen oder Wahrheit, ein lokaler Bezug zum Kellerwald''. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 1994, ISBN 3-86134-163-8. |
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* Mathias Jung: ''Schneewittchen – Der Mutter-Tochter-Konflikt. Eine tiefenpsychologische Interpretation.'' 2003, ISBN 978-3-89189-104-9. |
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* Wolfdietrich Siegmund: ''Antiker Mythos in unseren Märchen''. Im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft, Kassel 1984, ISBN 978-3-87680-335-7. |
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* Wulf Köhn: ''Vorsicht Märchen! – Wie Schneewittchen nach Alfeld kam.'' 2002, ISBN 978-3-935928-03-8. |
|||
* Bernhard Lauer: ''Wem gehört „Sneewittchen“? Ein Beitrag zur Verortung von Märchenstoffen und zur Herausbildung von Stereotypen.'' In: ''Zwischen Identität und Image. Die Popularität der Brüder Grimm und ihrer Märchen in Hessen'' (= ''Hessische Blätter für Volk- und Kulturforschung.'' Neue Folge, Band 44–45). Jonas-Verlag, Marburg 2009, S. 390–425. |
|||
* Werner Loibl: ''Der Vater der fürstbischöflichen Erthals - Philipp Christoph von und zu Erthal (1689-1748).'' [Und der Vater von Maria Sophia Katharina Margaretha von Erthal]. Aschaffenburg 2016, ISBN 978-3-87965-126-9. |
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* Theodor Ruf: ''Schneewittchen wie es wirklich wa(h)r: Die Schöne aus dem Glassarg. Schneewittchens wirkliches und märchenhaftes Leben.'' Königshausen & Neumann, Würzburg 1995. |
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* Eckhard Sander: ''Schneewittchen, Märchen oder Wahrheit, ein lokaler Bezug zum Kellerwald.'' Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 1994, ISBN 3-86134-163-8. |
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* Wolfdietrich Siegmund: ''Antiker Mythos in unseren Märchen.'' Im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft. Kassel 1984, ISBN 978-3-87680-335-7. |
|||
* Wolfgang Vorwerk: ''Das „Lohrer Schneewittchen“. Zur Fabulologie eines Märchens.'' PDF von März 2016. 13 Seiten.[https://www.lohr.de/fileadmin/user_upload/Tourismus/Schneewittchen/2016_Maerz_Homepage_Lohrer_Schneewittchen_-_Peter_Lang_Mieder_Beitrag_Vorwerk.pdf Das 'Lohrer Schneewittchen': Zur Fabulologie eines Märchens] |
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* Klaus Weyer: ''Es war einmal ... KEIN Schneewittchen aus Lohr am Main.'' In: ''Märchenspiegel.'' Jahrgang 34, 2023, Heft 1, S. 48–56. |
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== Siehe auch == |
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* Die symbolische Bedeutung der Zahl [[Drei#Märchen|Drei in Märchen]]. |
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== Weblinks == |
== Weblinks == |
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* {{DNB-Portal|4116406-4}} |
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* [http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=969&kapitel=241&cHash=b2042df08bschneewi#gb_found Gutenberg-DE: Volltext von Schneewittchen] |
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* {{Internetquelle |
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|autor=Brüder Grimm |
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* [http://www.digibib.tu-bs.de/?docid=00000165 Ausgabe von 1905 mit Illustrationen von Franz Jüttner] |
* [http://www.digibib.tu-bs.de/?docid=00000165 Ausgabe von 1905 mit Illustrationen von Franz Jüttner] |
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* [ |
* [https://www.maerchenlexikon.de/at-lexikon/at709.htm Schneewittchen im Märchenlexikon Amalia ediert von Kurt Derungs] |
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* {{Internetquelle |
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* [http://www.surlalunefairytales.com/sevendwarfs/index.html Seite mit Illustrationen, Text-Quellen und modernen Adaptionen zu Schneewittchen bei SurLaLunefairytales.com] |
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|autor=Ludwig Bechstein |
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* [http://images.google.de/imgres?imgurl=http://comminfo.rutgers.edu/professional-development/childlit/images/snow4but1.gif&imgrefurl=http://comminfo.rutgers.edu/professional-development/childlit/swillustration.html&usg=__JbXuoLAUUYKWNzHp_84sYyShhQM=&h=68&w=73&sz=7&hl=de&start=2&um=1&tbnid=uAz4TJy2kJ9NaM:&tbnh=65&tbnw=70&prev=/images%3Fq%3DSendac%2BSnow-White%26hl%3Dde%26sa%3DN%26um%3D1 Texte und Ilustrationen zu Snow-White, u.a. V. P. Mohn und Maurice Sendak] |
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|url=http://www.zeno.org/Literatur/M/Mus%C3%A4us,+Johann+Karl+August/M%C3%A4rchen/Volksm%C3%A4rchen+der+Deutschen/Richilde |
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* [http://www.endicott-studio.com/rdrm/forsga.html Interpretation mit Bildern zu Snow-White] |
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|titel=Schneeweißchen |
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* [http://www.pitt.edu/~dash/type0709.html Weltweite Erzählversionen zu Snow-White: Die Texte] |
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|hrsg=Zeno.org |
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* [http://www.kultur-fibel.de/Ballett,Schneewittchen,Angelin%20Preljocaj,Gustav_Mahler.htm Ballett Schneewittchen Angelin Preljočaj, viele Fotos werbefrei] |
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|abruf=2011-04-03}} |
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* [https://www.surlalunefairytales.com/s-z/snow-white-seven-dwarfs/snow-white-seven-dwarfs-tale.html Seite mit Illustrationen, Text-Quellen und modernen Adaptionen zu Schneewittchen bei SurLaLunefairytales.com] |
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* {{Webarchiv |url=http://comminfo.rutgers.edu/professional-development/childlit/swillustration.html |text=Texte und Illustrationen zu Snow-White |wayback=20121214214557}} (engl.) |
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* [https://www.terriwindling.com/folklore/snow-white.html Interpretation mit Bildern zu Snow-White] |
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* [https://www.pitt.edu/~dash/type0709.html Weltweite Erzählversionen zu Snow-White: Die Texte] |
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* [http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6626 Illustrationen auf Postkarten und Werbemarken] |
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* [https://www.childstories.org/de/schneewittchen-5.html Illustrationen zu Schneewittchen] |
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* [https://www.lohr.de/fileadmin/user_upload/Tourismus/Prospekte/Gesamt_Schneewittchen_2018.pdf Ohne Worte - Schneewittchen Broschüre aus Lohr] |
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* [http://www.weyer-neustadt.de/content/Portals/57ad7180-c5e7-49f5-b282-c6475cdb7ee7/Es%20war%20einmal%20KEIN%20Lohrer%20Schneewittchen.pdf Es war einmal ... KEIN Schneewittchen aus Lohr] |
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* [https://studio.youtube.com/video/YuNToOFQcjk/edit Das erfundene Lohrer Schneewittchen] |
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== Einzelnachweise == |
== Einzelnachweise == |
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[[ca:La Blancaneu i els set nans]] |
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[[cs:Sněhurka]] |
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[[da:Snehvide]] |
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[[el:Η Χιονάτη και οι Επτά Νάνοι]] |
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[[en:Snow White]] |
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[[eo:Neĝblankulino]] |
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[[es:Blancanieves]] |
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[[fa:سفیدبرفی و هفت کوتوله]] |
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[[fi:Lumikki]] |
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[[fr:Blanche-Neige]] |
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[[gl:Brancaneves]] |
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[[he:שלגיה ושבעת הגמדים]] |
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[[hu:Hófehérke (mese)]] |
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[[id:Putih Salju]] |
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[[is:Mjallhvít]] |
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[[it:Biancaneve e i sette nani]] |
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[[ja:白雪姫]] |
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[[ko:백설공주]] |
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[[la:Albanix]] |
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[[nl:Sneeuwwitje]] |
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[[nn:Snøkvit]] |
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[[no:Snøhvit (eventyr)]] |
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[[pl:Królewna Śnieżka]] |
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[[pt:Branca de Neve]] |
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[[ru:Белоснежка]] |
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[[sv:Snövit]] |
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[[tr:Pamuk Prenses ve Yedi Cüceler]] |
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[[vi:Nàng Bạch Tuyết và bảy chú lùn]] |
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[[zh:白雪公主]] |
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Aktuelle Version vom 4. Januar 2026, 16:09 Uhr


Schneewittchen ist ein deutsches Märchen (ATU 709). Das Schneewittchen-Märchen steht in Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 53 und heißt dort Sneewittchen, in der Erstausgabe von 1812 war noch die Übersetzung ins Hochdeutsche Schneeweißchen angegeben (niederdeutsch Snee „Schnee“, witt „weiß“), was dann wohl wegen der Gleichheit zu Schneeweißchen und Rosenrot geändert wurde. Ludwig Bechstein übernahm es in sein Deutsches Märchenbuch als Nr. 51 Schneeweißchen (1845 Nr. 60). Landläufig hat sich als Titel Schneewittchen durchgesetzt.
Inhalt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Text folgt nicht der Ausgabe letzter Hand der Brüder Grimm von 1857 (siebte Auflage der Kinder- und Hausmärchen).[1]
Die böse Königin beneidet das schöne Schneewittchen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Illustration, wahrscheinlich von Theodor Hosemann (1852)
An einem Wintertag sitzt eine Königin am Fenster, das einen schwarzen Rahmen aus Ebenholz hat, und näht. Versehentlich sticht sie sich mit der Nähnadel in den Finger. Als sie drei Blutstropfen in den Schnee fallen sieht, denkt sie: „Hätt’ ich ein Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen!“[3] Ihr Wunsch erfüllt sich, und sie bekommt eine Tochter, die Schneewittchen genannt wird, weil sie weiß wie Schnee, rot wie Blut und Schwarz wie Ebenholz war.[4] Und wie das Kind geboren war, starb die Königin.
Während in der Ausgabe von 1812 noch die Königin und Mutter die böse Figur im Märchen ist, ist in der Ausgabe von 1857 die neue Gemahlin des Königs als Stiefmutter die böse Figur im Märchen. Diese ist sehr schön und ebenso eitel. Sie kann es nicht ertragen, an Schönheit übertroffen zu werden. Als Schneewittchen sieben Jahre alt ist, nennt der sprechende und allwissende Spiegel der Königin Schneewittchen und nicht sie als die Schönste im ganzen Land. Von Neid geplagt, beauftragt die Stiefmutter einen Jäger, das Kind im Wald umzubringen und ihr zum Beweis dessen Lunge und Leber zu bringen. Doch der Mann lässt das flehende Mädchen laufen und bringt der Königin Lunge und Leber eines Frischlings, die diese im Glauben, es seien Schneewittchens, kochen lässt und verspeist. Dies ist die Version von 1857.
In der Version von 1812 steht: Und bald darauf bekam sie ein Töchterlein, so weiß wie der Schnee, so roth wie das Blut, und so schwarz wie Ebenholz, und darum ward es das Sneewittchen genannt. Die Königin war die schönste im ganzen Land, und gar stolz auf ihre Schönheit. Sie hatte auch einen Spiegel, vor den trat sie alle Morgen und fragte: „Spieglein, Spieglein an der Wand: wer ist die schönste Frau in dem ganzen Land?“ da sprach das Spieglein allzeit: „Ihr, Frau Königin, seyd die schönste Frau im Land.“ Und da wußte sie gewiß, daß niemand schöner auf der Welt war. Sneewittchen aber wuchs heran, und als es sieben Jahr alt war, war es so schön, daß es selbst die Königin an Schönheit übertraf, und als diese ihren Spiegel fragte: „Spieglein, Spieglein an der Wand: wer ist die schönste Frau in dem ganzen Land?“ sagte der Spiegel: „Frau Königin, Ihr seyd die schönste hier, aber Sneewittchen ist noch tausendmal schöner als Ihr!“ Wie die Königin den Spiegel so sprechen hörte, ward sie blaß vor Neid, und von Stund an haßte sie das Sneewittchen, und wenn sie es ansah, und gedacht, daß durch seine Schuld sie nicht mehr die schönste auf der Welt sey, kehrte sich ihr das Herz herum. Da ließ ihr der Neid keine Ruhe, und sie rief einen Jäger und sagte zu ihm: „führ das Sneewittchen hinaus in den Wald an einen weiten abgelegenen Ort, da stichs todt, und zum Wahrzeichen bring mir seine Lunge und seine Leber mit, die will ich mit Salz kochen und essen.“
In der Version von 1812 wollte die Mutter ihr Kind umbringen lassen.
Schneewittchen und die sieben Zwerge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schneewittchen flüchtet in den Wald. Es kommt zu einem Häuschen, in dem ein Tisch für sieben Personen gedeckt ist, und nimmt sich von jedem Platz ein wenig zu essen und zu trinken. Dann probiert es die Betten aus, bis es ein passendes gefunden hat, und schläft ein.[5] Als es dunkel ist, kommen die Hausbewohner, sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz gegraben haben, heim. Sie bemerken erstaunt, dass jemand ihre Sachen angerührt hat. Im Bett des siebten Zwerges finden sie das schlafende Kind und sind hingerissen von dessen Schönheit. Am nächsten Morgen erklärt Schneewittchen ihnen seine Lage, und es darf im Haus wohnen bleiben, wenn es die Hausarbeiten verrichtet. Schneewittchen willigt ein und ist nun tagsüber immer alleine, weswegen die Zwerge das Mädchen vor der Stiefmutter warnen und es ermahnen, niemanden hereinzulassen.
Die Königin vergiftet Schneewittchen
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Währenddessen befragt die böse Königin ihren Spiegel ein weiteres Mal nach der schönsten Frau im Königreich. Er verrät ihr, dass Schneewittchen noch am Leben ist und sich hinter den sieben Bergen im Haus der sieben Zwerge versteckt.
Dreimal verkleidet sich nun die Königin als Händlerin und bietet dem Mädchen unerkannt Waren an, mittels derer sie ihm das Leben nehmen will: Einen Schnürriemen zurrt sie so eng, dass Schneewittchen zu ersticken droht, einen Haarkamm und schließlich die rote Hälfte eines Apfels präpariert sie mit Gift. Jedes Mal lässt sich Schneewittchen täuschen und von den schönen Dingen betören, sodass es sie annimmt und wie tot hinfällt. Die ersten beiden Male können die Zwerge Schneewittchen ins Leben zurückholen, indem sie Riemen und Kamm entfernen. Beim dritten Mal finden sie die Ursache nicht und halten das Mädchen für tot.
Weil es so schön ist, legen sie es in einen gläsernen, mit Schneewittchens Namen und Titel beschrifteten Sarg, in dem es aussieht, als schliefe es nur. Sie stellen den Sarg auf einen Berg, wo auch die Tiere des Waldes das Mädchen betrauern und es immer von einem der Zwerge bewacht wird. Die böse Königin erhält von ihrem Spiegel die Auskunft, dass nun sie „die Schönste“ sei.
Schneewittchens Erlösung und der Tod der Königin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schneewittchen liegt sehr lange Zeit in dem Sarg und bleibt schön wie eh und je. Eines Tages reitet ein Königssohn vorüber und verliebt sich in die scheinbar tote Prinzessin. Er bittet die Zwerge, ihm den Sarg mit der schönen Königstochter zu überlassen, da er nicht mehr ohne ihren Anblick leben könne. Aus Mitleid geben die Zwerge ihm schweren Herzens Schneewittchen. Doch als der Sarg auf sein Schloss getragen wird, stolpert einer der Diener, und der Sarg fällt zu Boden. Durch den Aufprall rutscht das giftige Apfelstück aus Schneewittchens Hals. Sie erwacht, und der Prinz und Schneewittchen halten Hochzeit, zu der auch die böse Königin eingeladen wird. Voller Neugier, wer denn die junge Königin sei, von deren Schönheit ihr der Spiegel berichtet hat, erscheint sie, erkennt Schneewittchen und muss zur Strafe für ihre Taten in rotglühenden Eisenpantoffeln so lange tanzen, bis sie tot zusammenbricht.
Motive und Deutungshorizonte
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Schneewittchen ist eine Kulturikone. In dem Märchen verbinden sich Gehalte verschiedenster Erkenntnisse und Wahrnehmungen. So gibt es in Schneewittchen Aspekte der Psychologie, der Soziologie, der Geschichte, der christlichen Theologie, der griechischen Mythologie, der Kosmologie und der Symbolik. In dieser Verdichtung kultureller Zugangsformen ist Schneewittchen Inspirationsquelle für Malerei, Musik, Skulptur, Film, Literatur und Popkultur.
Zentrale Symbole und Motive von Schneewittchen sind der vergiftete Apfel, die Zahl Sieben, die Zwerge, der Spiegel, Gürtel und Kamm, die kontrastierenden Farben Schwarz, Rot und Weiß, das Blut und der Winter.
Das Motiv des todesähnlichen Schlafes findet sich auch im Grimmschen Dornröschen.
Sieben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die magische Märchenzahl Sieben, die in Schneewittchen den Zwergen und den Bergen zugeordnet ist, verbindet dieses Märchen auch mit weiteren Märchen der Brüder Grimm: Die sieben Raben und Der Wolf und die sieben jungen Geißlein. Die Überlegung, dass die Siebenzahl der Zwerge auf eine Zeitordnung hindeutet, wurde z. B. in der Benennung der Zwerge mit Wochentagsnamen filmisch[6] und theoretisch[7] dargestellt. Dieser zeitmetaphorischen Bedeutung der Zahl Sieben folgend werden sieben Zwerge und sieben Berge zu etwas Raum- und Zeitübergreifendem. Dieses weiterführend könnten die sieben Begleiter Schneewittchens aber auch ein bildlicher Hinweis auf die Vorstellungen antiker Sternenkunde sein: Der Mond in Begleitung der (damals bekannten) Sonne, Erde und fünf Planeten auf der Ekliptik. Die Metaphorik der sieben Zwerge kann darüber hinaus auf die antike Vorstellung der Koinzidenz von Sternordnung und Zeitordnung hinweisen, also der Koinzidenz der sieben Himmelskörper und der sieben Wochentage:[8] Schneewittchen und die sieben Zwerge würden damit zu einem verschlüsselten Bild für die Erde, die von den sieben wochentagnamensgebenden Himmelskörpern Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn begleitet wird.[9]
Blutstropfen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Blutstropfen im Schnee neben einem Rahmen aus Ebenholz sind in dem Märchen das Ausgangsbild für die besondere Schönheit Schneewittchens. Die Dreizahl der Tropfen wurde von den Brüdern Grimm als eine Variante unter anderen gewählt. Das Bild der drei Blutstropfen auf weißem Untergrund verbindet Schneewittchen mit dem Grimm-Märchen Die Gänsemagd: Hier sind drei Blutstropfen in einem Taschentuch neben dem Pferd Fallada das einzige Unterpfand für Leben und Achtung der Prinzessin. In dem Grimm-Märchen Der Liebste Roland haben drei Blutstropfen der feindlichen Hexentochter eine bannende und rettende Wirkung. Die Dreizahl der Blutstropfen in Schneewittchen korrespondiert auch mit den drei bedrohlichen Besuchen der Stiefmutter, bei denen sie in Form todbringender Geschenke die drei Attribute der Venus überreicht.[10]
Weitere Deutungsversuche
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Zu der erotischen Ebene des Märchens Schneewittchen merkt der Erzählforscher Lutz Röhrich an, dass Schönheit in Märchen immer mit Liebe korrespondiert, was hier aber ausschließlich in pervertierter Form geschieht.[11] In Grimms Märchen sind die Vorgänge – verglichen mit anderen Versionen – nahezu asexuell geschildert. Heinz Rölleke stellt fest, dass diese Tendenz in späteren Ausgaben noch zunimmt.[12] Für Rudolf Meyer ist Schneewittchen des Menschen keusche, unverwesliche Lichtnatur, die der Sinnenbegierde verfällt. H. Beckh habe die Handlung als christlichen Jahreszeitengang von Adventsstimmung bis Ostern dargestellt.[13] Nach der analytischen Psychologie Carl Gustav Jungs repräsentiert die Stiefmutter in vielen Märchen den Archetypus des Schattens oder der nefasten Mutter, also der zerstörenden und verschlingenden Mutter.[14] Zur soziologischen (strukturalistischen) Interpretation des Märchens siehe Die Stiefmutter in der Wissenschaft.
Theodor Seifert geht vom Bild des Winters aus, der als seelisches Tief in Flocken „wie Federn“ kleine, kaum spürbare Gefühle der Veränderung enthält. Die einsame Königin im Fensterrahmen zeigt die Begrenztheit einer Perspektive, die unterbrochen wird in der unbeabsichtigten Dynamik des Stichs in den Finger, den Gegensatz von Blut in Schnee. Ein Kind kann immer als neues Prinzip aufgefasst werden, das mit dem Alten in Konflikt steht. Dem Namen Schneewittchen nach soll es nur rein und unschuldig sein, das Rot und Schwarz also verleugnend. (In der neuen Königin, die sich narzisstisch spiegelt, wird der alte Zustand wieder hergestellt.) So wie Jäger mit Tieren kommunizieren, vermittelt er hier zwischen Königin und unverstandenem, daher einem Tier gleichgesetzten Kind. Persönliche Veränderung gelingt in mühsamer Kleinarbeit, im Gegensatz zum Glanz bei Hof lebt Schneewittchen jetzt im Verborgenen. Der Apfel, dessen Rot und Weiß farblich die Eingangsszene wiederholt, kann eine Beziehung darstellen, in der Eitelkeit das Leben vergiftet. Nach Eugen Drewermann ist das Ausspucken des Apfels die endgültige Befreiung der unreifen Fixierung von der oralen Stufe.[15] Die Unzugänglichkeit, aber Klarsichtigkeit des Glassarges, als Bild auf Eis gelegter Entwicklung oder Beziehung in narzisstischer Zurschaustellung eigenen Leids, ruft doch nach Erlösung. Der Prinz gleicht dem Ich, das die gestörte Beziehung zum Unbewussten wiederbelebt. Die Königin repräsentiert nicht gelebte Individuation wider bessere Ahnung, weshalb zum Schluss nur Angst bleibt. Ihre Kühle trifft auf glühende Hitze, womit die Grausamkeit fortbesteht.[16] Homöopathen verglichen Teile des Märchens mit Silica,[17] Cuprum,[18] Agaricus[19] bzw. Lachesis.[20] Ein Psychiater versteht es im Zusammenhang mit gefährlichem Schlafmittelgebrauch.[21] Wilhelm Salber analysiert das Sich-Spiegeln im Märchen im Sinne seiner psychologischen Morphologie als Symbol notwendiger Brechungen menschlichen Handelns.[22] Für Regina Kämmerer sind die glühenden Eisenschuhe der Königin das Echo ihres glühenden Hasses mit eisernem Willen, „… und wenn es mein eigenes Leben kostet“ – die absolute Gerechtigkeit des Märchens.[23] Der Psychotherapeut Jobst Finke erwähnt das Märchenmotiv des Todesschlafs als mögliche Metapher für die Einengungen in schwerer Depression. Die sieben Zwerge, die abends von der Arbeit kommen und denen sie den Haushalt führt, könnten das Väterliche sein, zu dem die Tochter flieht, oder aber die fürsorgliche Seite der neidischen Mutter. Ein solches Mädchen könnte magersüchtig werden, um nicht mit der Mutter als Frau zu rivalisieren.[24] Eugen Drewermann zeigt die drei begleitenden Tiere beim Schneewittchen mit den drei Eigenschaften auf, die eine Weisheit jenseits der menschlichen Grenzen vermitteln sollen – die Eule steht für die Weisheit, der Rabe für die Vorsicht und die Taube für die Güte.[25]
Genese der Grimmschen Fassung
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Der Stoff des Märchens Schneewittchen und die sieben Zwerge ist geprägt von der Plastizität, die sich aus einer langen multikulturellen, sowohl mündlichen als auch schriftlichen Erzähltradition bilden kann.[26]
Als die Brüder Grimm 1812 ihre erste Fassung publizierten, lag in Buchform allein eine mehr sagen- als märchenhafte Fassung unter dem Titel Richilde vor, die Johann Karl August Musäus 1782 im 1. Band seiner Volksmärchen publiziert hatte.[27]


Die Brüder Grimm haben mehrere Versionen des Märchens zusammengesucht, den Wortlaut verbunden und ihn teilweise verkürzt.[28] In der ersten Ausgabe von 1812 ist die Königin die leibliche Mutter. Schneewittchen erwacht, als ihr ein Diener des Prinzen einen Schlag in den Rücken versetzt, aus Ärger, dass er das tote Mädchen den ganzen Tag herumtragen muss. Darüber hinaus gibt es viele kleinere Unterschiede wie die ausdrücklich erwähnten roten Backen des Mädchens oder das gemeinsame Mahl mit dem Prinzen.
In zwei nicht veröffentlichten Versionen lässt die Königin das Kind auf einer Kutschfahrt im Wald aussteigen, um sich Rosen pflücken zu lassen oder um ihren Handschuh aufzuheben, und fährt dann weg (ähnlich wie in Hänsel und Gretel). In der einen Version ist es der Vater, der sich das Mägdlein wünscht, als sie an drei Schneehaufen, drei Gruben voll Blut und drei Raben vorbeifahren.[29] Als Herkunft der Grimmschen Fassungen werden Marie Hassenpflug, ferner Einflüsse von Ferdinand Siebert und Albert Ludewig Grimm (in Des Knaben Wunderhorn, 1809) vermutet. Die Initiation des Schneewittchen-Märchens durch die Blutstropfen der echten Mutter entspricht dem norddeutschen Märchen Vom Machandelbaum nach dem Maler Philipp Otto Runge.
Motive des Schneewittchen-Stoffes finden sich in antiken Quellen ebenso wie in den Märchen aus tausendundeiner Nacht sowie in hochmittelalterlichen Quellen wie dem Didot-Perceval, dem Perlesvaus und bei Marie de France.
Laut Christine Shojaei Kawan gliedert sich das Märchen in zwei Teile, die jeweils mit einem Ortswechsel und einer Veränderung der Lebenssituation der Heldin enden. Ein Teil kann fehlen, oft die wunderbare Empfängnis am Anfang, oder es folgt ein dritter Teil mit weiteren Verfolgungen der Wöchnerin oder mit der Beschuldigung, sie habe Tiere geboren. Hauptthema ist Schneewittchens bewegende Schönheit. Das Märchen ist in ganz Europa, unter anderem auch im inselkeltischen Sprachraum, belegt, aber auch in Afrika, Arabien, im Kaukasus und der Türkei, vereinzelt auch bei Jakuten und Mongolen. Herleitungen aus der Antike überzeugen nicht, belegen aber die weite Verbreitung von Einzelmotiven des Märchens, wie sie auch in Shakespeares Drama Cymbeline oder Basiles Märchen La schiavottella verwendet werden. Die Totenwache bei der Geliebten begegnet bei König Harald Schönhaar, Karl dem Großen mit seiner Frau Fastrada und Marie de Frances Lai Eliduc.[30]
Variationen
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Mündliche Überlieferungen sind schon früh in fast allen Völkern Europas nachweisbar. Die „sieben Zwerge“ gehören zu einer hessischen Variante. Es waren oft sieben Räuber, aber auch Drachen oder Riesen. Besonders verbreitet war das Märchen in Italien; dort fallen die Blutstropfen etwa auf Marmor oder Käse.[31]
Das Motiv, den Mord am eigenen Kind in der Wildnis in Auftrag zu geben und zum Beweis Organe zu verlangen, woraufhin der angeheuerte Mörder stattdessen Tiere tötet, taucht auch in Tausendundeine Nacht (224. Nacht) auf. In Sonne, Mond und Thalia schlachtet der Koch ein Tier und nicht, wie von der eifersüchtigen Königin dem Koch befohlen, die beiden vom König gezeugten Zwillinge einer Nebenbuhlerin.
Dichterisch und motivisch sind einige Erzählvarianten von Schneewittchen bemerkenswert: das griechische Märchen Myrsina in der Sammlung von Georgios A. Megas,[32] das italienische Märchen Bella Venezia,[33] herausgegeben von Italo Calvino, das schottische Märchen Goldbaum und Silberbaum,[34] erzählt von Joseph Jacobs, das armenische Märchen Nourie Hadig, gesammelt von Susie Hoogasian-Villa,[35] das russische Zaubermärchen Das Zauberspiegelchen aus der Sammlung von Alexander Afanassjew[36] und das italienische Märchen Die Küchenmagd von Giambattista Basile.[37] In eigentümlicher Ambivalenz zwischen Schneewittchenmotiven einerseits und Märchenmotiven aus Die sieben Raben und Andersens Kunstmärchen Die zwölf Schwäne andererseits bewegt sich ein norwegisches Märchen:[38] Die zwölf wilden Enten in der Märchensammlung von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe. Vgl. in Giambattista Basiles Pentameron II,8 Die kleine Sklavin, IV,9 Der Rabe, V,9 Die drei Zitronen. Auch in Ulrich Jahns Volksmärchen aus Pommern und Rügen, Nr. 8 Die drei Raben sind die Kinder „rot wie Blut und weiss wie Schnee“ (ähnlich der Sohn in Wolfs Das weiße Hemd, das schwere Schwert und der goldene Ring). Schon vor den Brüdern Grimm veröffentlichte Albert Ludwig Grimm in seinem Werk Kindermährchen (Heidelberg 1809) eine Schneewittchen-Version, in der die Zwerge auf dem Glasberg wohnen.[39]
Weitere Variationen:
- Samuel Czambel: Schneewittchen und die zwölf Bergknappen (Slowakei), mit zwölf Bergknappen statt der sieben Zwerge.[40]
- Luigia Carloni-Groppi: Die Geschichte der zwölf Räuber (Schweiz), mit zwölf Räubern statt der sieben Zwerge. Die Version wurde 1911 in Rovio erzählt.[41]
- Johannes Mitsotakis: Rodia (Griechenland), befragt wird die Sonne, die zwei Schwestern antwortet, dass ihre dritte Schwester Rodia schöner sei, woraufhin sie im Wald ausgesetzt wird und bei der Königin der Nacht unterkommt.[42]
- Adolphe Orain: Des Königs Vogel (Frankreich), das Mädchen wird hier in einen Brunnen gestürzt, wo es bei einer Fee und ihrem Mann unterkommt. Zu Besuch bei ihrer Mutter sticht ihm diese eine Nadel in den Kopf, woraufhin es sich in einen Vogel verwandelt. Der König entfernt die Nadel später wieder und erhält seine Gattin zurück.[43]
- Nikolai Rainow: Der verwunschene Vogel (Bulgarien), befragt wird die Sonne, die zwei Schwestern antwortet, dass ihre jüngste Schwester schöner sei, woraufhin sie im Wald ausgesetzt wird und vom Zarensohn gefunden sowie geheiratet wird. Ihre Schwestern stechen ihr dann eine Nadel ins Ohr, sodass sie sich in einen Vogel verwandelt. Ihr Gemahl entfernt diese später wieder.[44]
- Adeline Rittershaus: Schneewittchen (Island), drei Varianten mit zwei Zwergen oder Finnen.[45]
- Christian Schneller: Die drei Schwestern (Italien), zwei Schwestern lassen ihre jüngste Schwester im Wald aussetzen, da ein Prinz nur Augen für diese hat. Das Mädchen lebt dort bei einem Greis, bekommt dann aber von der Magd ihrer Schwestern eine Nadel in den Kopf gestochen, die erst die Mutter des Prinzen, der das Mädchen gefunden hat, wieder entfernt.[46]
Rezeption
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Albert Ludwig Grimm schrieb eine Dramatisierung im Kindermährchen (1809).[47] Im Büchlein für die Jugend publizierte Ludwig Aurbacher eine im Märchen Die zwei Brüder eingeschachtelte Kurzform (1834).[48]
Puschkin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Alexander Sergejewitsch Puschkins Versfassung Märchen von der toten Zarentochter und den sieben Recken (1833) soll zum Teil von Grimm abhängig sein.[49] Es bezieht sich in den Motiven jedoch auf die polnische Schneewittchenvariante, gesammelt von A.J. Gliński in Baśni powiesci i gawędy ludowe 1–4, Wilna 1862 Nr. 7 Bd. 1: Von dem redenden Spieglein und der in Schlaf versenkten Prinzessin (O zwierciadełku gadającem i o uśpionej królewnie).[50] Diese Version erzählt im Grunde das gesamte Märchen, jedoch mit zahlreichen Unterschieden zur Grimmschen Version:
- Schneewittchen wird nicht als solches bezeichnet, sondern ist eine namenlose Prinzessin
- Statt zu sieben Zwergen flüchtet sie zu sieben Rittern. Dort fehlen die Episoden mit dem geschnürten Mieder und dem vergifteten Kamm. Die Ritter gehen auf die Jagd statt in ein Bergwerk und würden das Mädchen gerne selbst ehelichen, geben sich aber mit ihrer Freundschaft zufrieden
- Im Wald soll das Mädchen statt von einem Jäger von einer Kammerfrau getötet werden; der Mordanschlag im Haus der Ritter wird von ihr im Auftrag der Königin als Wiedergutmachung für ihren Betrug beim ersten Mordauftrag verübt
- Die Heldin ist mit dem Prinzen, der sie am Ende rettet, bereits aus der Zeit im Königsschloss verlobt
- Die böse Königin stirbt vor Gram, schon wieder nicht die Schönste zu sein[51]
Ernst Ludwig Rochholz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ernst Ludwig Rochholz[52] veröffentlichte im Jahr 1856 eine kurze Erzählung unter dem Titel Der Tod der sieben Zwerge. Darin übernachtet ein Bauernmädchen bei sieben Zwergen, die sich streiten, wer es zu sich ins Bett nehmen darf. Als noch eine Bauersfrau hereinwill, schickt das Mädchen sie weg. Die Bäuerin schimpft und kommt mit zwei Männern zurück, die die Zwerge erschlagen.[53]
Walser und Holliger
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Robert Walser verfasste 1899, erst 21 Jahre alt, das Dramolett Schneewittchen, das 1901 in der Zeitschrift Die Insel veröffentlicht wurde. Darin setzen sich Schneewittchen, die Königin und der Prinz nach Schneewittchens Errettung aus dem Sarg mit der Märchenerzählung auseinander und sehen die Geschehnisse und ihre Rolle dabei nun völlig anders. Der streitbare portugiesische Regisseur João César Monteiro verfilmte Walsers Schneewittchen 2000 als Branca de Neve und sorgte damit in der portugiesischen Filmlandschaft für einen Eklat.
Heinz Holliger benutzte Walsers Text 1997/98 mit nur geringfügigen Anpassungen als Libretto für seine Oper Schneewittchen.
Babbitt, Lefler, Nielsen, Rackham und Stokes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schneewittchen ist unerschöpfliche Inspirationsquelle der bildenden Kunst: Marianne Stokes[54] gestaltet ca. 1880 im bildlichen Querformat die Todesthematik: Schneewittchen im weißen Glassarg.[55] Sie nimmt in ihrem Bild formal Bezug auf die Märchenfarben Schwarz, Weiß und Rot. Im Wiener Jugendstil um 1900 entwickelt Heinrich Lefler zusammen mit Joseph Urban für die Reihe Bilderbogen für Schule und Haus eine dem Comic ähnliche Form der Märchenillustration: So kombiniert Lefler 1905 synoptisch zeichnend acht wichtige Szenen des Schneewittchen-Märchens in einem einzigen Bild mit der verbindenden Struktur einer ornamentalen Rahmung.[56][57] Arthur Rackham[58] verbildlicht 1909 die leitmotivische Märchen-Szene, in der die heimkehrenden Zwerge das bewusstlose Schneewittchen finden. Kay Nielsen taucht 1925 Schneewittchens Scheintod in eine surreale Schneewelt aus zerfließenden Formen und fahlen Farben der Mitternachtssonne.[59] Ideelle Schlüsselbedeutung hat das Schneewittchen-Wandbild der Comic-Künstlerin Dinah Gottliebova Babbitt von 1942.[60]
Weitere Adaptionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Donald Barthelmes Snow White führt sieben Fensterputzern in Manhattan den Haushalt (1967).[61] In Michael Kumpes Gedicht Schneewittchen von 1975 hat es keine Lust, dem Prinzen wie den Zwergen den Haushalt zu machen (Sie sprach: „… Das ist mir über. Ich gehe jetzt, mein Lieber …“), und wartet auf moderne Leute.[62] Iring Fetscher deutet Schneewittchen 1972 in seinem satirischen Märchen-Verwirrbuch mit ironisch-sexualpsychologischem Bezug auf eine Inzest-Problematik als marxistisch orientierte Klassenkämpferin, die sich nicht Zwergen, sondern einem bärtigen Partisanenkollektiv angeschlossen hat. Der Spiegel wird zur königlichen Geheimpolizei und nach der erfolgreichen Erstürmung des Schlosses trägt Schneewittchen später noch viel zur Emanzipation der Frauen bei.[63] Das kleinere Übel, eine Kurzgeschichte aus dem Buch Der letzte Wunsch und Teil der Geralt-Saga des polnischen Autors Andrzej Sapkowski, stellt eine grimmige Persiflage des Schneewittchen-Stoffes dar. In Striebers Roman Cat Magic ersteht die Schöne wie Schneewittchen aus dem Sarg.[64] In Emma Donoghues Tale of the Apple versöhnen sich die Frauen, der Apfel war nur sauer.[65] Johann-Friedrich Konrad lässt die tote Stiefmutter anderen Hexen erzählen, wie das verwöhnte Kind sie vor dem Vater und im Knabenhort hinter dem Siebengebirge als Mörderin hinstellte.[66] Irmgard Steppuhns Gedicht lässt Schneewittchen im Glassarg erstarren.[67] Katja Viehmann fingiert einen Brief des Sanatoriumsleiters an die Stiefmutter, der jeden Handlungszug als Teil von Schneewittchens wahnhafter Störung darstellt, es liege oft in fremden Betten, was kleinwüchsige Pfleger als persönliche Zuwendung auslegen könnten, deshalb habe es jetzt ein Glaszimmer, wo es sich tot stelle – ein Thronfolgekonflikt wird angedeutet.[68] Julia Veihelmann und Werner Heiduczek schrieben Parodien.[69] Ein Manga erschien 2009 von Kei Ishiyama in Grimms Manga (Band 2), auch in Kaori Yukis Ludwig Revolution von 1999 kommt Schneewittchen vor (Band 1). In Karen Duves Zwergenidyll erzählt der Zwerg, wie er von der Schicht krank machte, um Schneewittchen beim Putzen zu vergewaltigen. Es wird dann vom Prinzen zum Stallknecht durchgereicht, und wenn es wieder eine Bleibe braucht, weiß es jetzt, was man von ihm erwartet.[70] Marissa Meyer erzählt das Märchen neu (Winter, 2015). In Alethea Kontis’ The Unicorn Hunter begegnet Schneewittchen im Wald einem Dämon.[71]
Äußerungen der Brüder Grimm lassen schließen, dass Schneewittchen schon zu ihrer Zeit eines der bekanntesten Märchen war.[72] Besonders der Spiegelvers der Königin wird gern zitiert. So singen Tic Tac Toe im Lied Ich find’ dich scheiße (1995) über einen Selbstverliebten: „Spieglein, Spieglein an der Wand – wer ist die schönste, klügste, beste hier im ganzen Land?“ Auch in Eudory Weltys The Robber Bridegroom muss die Stiefmutter sich zu Tode tanzen.[73] In Juli Zehs Roman Spieltrieb (2004) wird die entfremdete, fast erfrorene Frau mit Schneewittchen verglichen. In Krystyna Kuhns Krimi Schneewittchenfalle will die Täterin das Kind im Vergessen halten und mit Schlaftabletten töten.[74] In Nele Neuhaus’ Krimi Schneewittchen muss sterben heißt das junge Mordopfer so, als Mumie im Keller aufgebahrt. In Haruki Murakamis Roman Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki ist ein Mädchen im Verfolgungswahn wie Schneewittchen, das andere in die Rolle der sieben Zwerge bringt. Auch Crystal Smiths Bloodleaf wiederholt das Bild der Blutstropfen im Schnee, eine mythische Persönlichkeit soll in einem Glassarg liegen.[75] Jürgen Seibold schrieb Schneewittchen und die sieben Särge (2020). Von C. J. Tudor ist ein Thriller Schneewittchen schläft (2021), von Ulrike Zeidler Schneewittchen erwacht (2023), von Peter Eckmann Schneewittchen (2023). In Hannah Whittens Fantasy-Roman For the Wolf liegt die Königin zuletzt im Glassarg.[76] In Stefanie Lasthaus’ Schneewittchens dunkler Kuss will die schöne Snow Menschenblut, die Stiefmutter besiegt sie mit einem Apfel.[77] Auch Kalynn Bayron nutzt das Bild von Blut im Schnee, zuletzt liegt der Geliebte im Glassarg.[78]
Spielzeug
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Welt des Spielzeugs und des Designs für Kinder gibt es vielfältige Schneewittchenrezeptionen: Auf große Resonanz sind gestoßen: Die Schneewittchengruppe von Playmobil, Die Schneewittchen-Barbie im gelb-blauen Disney-Kostüm und langen schwarzen Haaren, die handgeschnitzte Holzfigurengruppe Schneewittchen und die sieben Zwerge mit den weichgeschnitzten Kurven von den Ostheimer Figuren und auch die Fingerpuppen zu Schneewittchen und die sieben Zwerge von Käthe Kruse. Überaus beliebt ist außerdem das detailfreudige Schneewittchenhäuschen im Märchenwald in Altenberg.[79]
Skurriles
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Nachkriegsautomobil Messerschmitt Kabinenroller mit seiner zur Seite abklappbaren Plexiglaskuppel, der Radio-Plattenspieler Braun SK 5 und das in den 1970er Jahren gebaute Automodell Volvo P1800 ES wurden wegen ihres Aussehens Schneewittchensarg genannt. Snøhvit oder Schneewittchen ist auch der Name eines Erdgasfeldes in der Barentssee.
Namen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Rosarium in Uetersen wurde 1958 eine Rose aus dem Unternehmen W. Kordes’ Söhne nach Schneewittchen benannt: Die Rose ‚Schneewittchen‘ ist weiß und hat in einigen Erscheinungsformen am Blütenblattrand oder im Blütenkern rosarote Einfärbung.
Orte mit Schneewittchen-Bezug
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zahlreiche Ortschaften und Regionen in Deutschland reklamieren einen historischen Bezug zum Ursprung des Märchens für sich und versuchen, ihn touristisch zu nutzen.[80] „Schneewittchenort“ werden mehr oder weniger überzeugend Alfeld (Leine), Bergfreiheit (Bad Wildungen), Langenbach (Weilmünster), Gieselwerder oder Lohr am Main genannt.[81]
Im Märchen selbst gibt es keinerlei Bezug zu einer Zeit, zu Personen und zu Orten, und sämtliche Versuche der Verortung werden von der wissenschaftlichen Forschung unter Verweis auf die frühe Verbreitung des Märchens und den Charakter aller Märchen als Kombinationen aus überlieferten Motiven weitgehend abgelehnt.
Das Märchen (mittelhochdeutsch „maere“ bedeutet Kunde, Bericht, Erzählung) ist eine Prosaerzählung, die wunderbare und oft grausame Begebenheiten zum Gegenstand hat. Märchen sind im Unterschied zu Sagen und Legenden, die sich um einen wahren historischen Kern oder historische Personen gebildet haben, frei erfunden.
Alfeld an der Leine
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vermutet wird die inhaltliche Herkunft des Märchens im südlichen Niedersachsen in den Sieben Bergen, einem Höhenzug im Leinebergland, in dem die Grimms gewandert seien, um sich Märchen erzählen zu lassen. Greift man den Höhenzug als geografischen Hinweis auf, so findet man nordwestlich von ihm den Bergwerksort Osterwald (Salzhemmendorf), den möglichen Arbeitsplatz der ‚sieben Zwerge‘. Dort wurde seit dem 16. Jahrhundert ein Steinkohlenbergwerk, der Hüttenstollen Osterwald, betrieben. Glasproduktion, die den Bau eines Glassarges ermöglicht hätte, gab es in der Nähe durch das Lauensteiner Glas. Verlängert man die Linie von Osterwald über die Sieben Berge bei Alfeld (Leine), so kommt man zur Ruine der Stauffenburg (Harz), in der die ‚böse Stiefmutter‘ gewohnt habe. 2002 haben Bürger von Alfeld in den Sieben Bergen einen Schneewittchenpfad ausgewiesen.[82]
Die Brüder Grimm wanderten allerdings nachweislich niemals in dieser Gegend umher, um Märchen zu sammeln.[83] Das einzige Märchen aus der Alfelder Gegend, das tatsächlich Eingang in die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm gefunden hat, ist Das Waldhaus, das Karl Goedeke in Delligsen aufzeichnete.
Bergfreiheit (Bad Wildungen)
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Ein möglicher hessischer Ursprung des Märchens wird mit dem starken Einfluss der Kassler Märchenerzählerin Marie Hassenpflug auf die Brüder Grimm begründet, die allerdings aus Südhessen stammte und mütterlicherseits hugenottische Wurzeln hatte.
Der hessische Heimatforscher Eckhard Sander sieht als Grundlage für den Märchenstoff über die junge Prinzessin das Schicksal der Waldecker Grafentochter Margaretha von Waldeck (1533–1554).[84] Der Wohnort der sieben Zwerge soll demzufolge im heute zu Bad Wildungen gehörenden Bergwerksdorf Bergfreiheit gewesen sein, das sich heute als Schneewittchendorf vermarktet. Dass Margaretha blond war, stört hier nicht: In einer früheren Version der Brüder Grimm von 1808 ist Schneewittchens Haar noch „gelb“. Die Zwerge werden hier mit im Bergbau arbeitenden Kindern gleichgesetzt.
Langenbach im Taunus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch in dem kleinen mittelhessischen Dorf Langenbach (Weilmünster) findet man historische Anhaltspunkte zu Schneewittchen und den sieben Zwergen, die insbesondere durch lokale Begebenheiten sowie alte Flur- und Gemarkungsnamen gestützt werden.[85] Der Ort liegt an der Hessenstraße, an der gleichen historischen Hauptverbindungsstraße wie der Studienort der Brüder Grimm Marburg. Im Ort selbst wurde früher Bergbau betrieben, im Talgrund gibt es den uralten Gemarkungsnamen „Im Zwerggrund“ mit einem eingearbeiteten ebenen Plateau am Waldrand, wo offenbar in früherer Zeit eine Hütte gestanden haben muss. In älteren Varianten des Märchens (teilweise heute noch in Österreich gebräuchlich) ist auch nicht von einem Glassarg, sondern einem Glasberg die Rede.[86] Der Glasberg versinnbildlichte in heidnischer Zeit eine Totenstätte. Unweit des Zwerggrundes, gewissermaßen einen Steinwurf entfernt, liegt noch heute dieser Glasberg.
Gieselwerder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gieselwerders Bezug zu Schneewittchen beschränkt sich darauf, dass der Ort an der Deutschen Märchenstraße liegt, von sieben Bergspitzen eingerahmt ist (wenn man „genau nachzählt“) und es dort an der Schnittstelle von Weserbergland und Solling schon seit alten Zeiten Bergbau gab.[87]
Lohr am Main
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit den 1980er Jahren behauptete der Apotheker und Pharmaziehistoriker Karl Heinz Bartels in mehreren Schriften, in dem Märchen würden sich Bezugspunkte zu seiner Heimatstadt Lohr am Main und deren Umgebung im Spessart finden lassen. Die Vorlage für Schneewittchen sei die 1725 in Lohr geborenen Maria Sophia Margaretha Catharina von Erthal gewesen.[88] Die Biografie der historischen Person stimmt aber mit der Biografie von Schneewittchen in vielen Punkten nicht überein. In der Literaturwissenschaft wird die These von Bartels einhellig zurückgewiesen.
Musik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Oper, Lied, Ballett
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- ca. 1859 Carl Reinecke Märchenkomposition Schneewittchen für dreistimmigen Frauenchor
- 1888 Engelbert Humperdinck: Schneewittchen (EHWV 9) – ein Liederspiel nach dem Libretto von Adelheid Wette
- 1908 vertont Rudolf Ewald Zingel Theodor Storms dramatisierte Schneewittchenfassung,
- ca. 1912 wird diese noch einmal von Armin Knab in Noten gesetzt, um schließlich
- ca. 1930 durch Anneliese Seifert eine weitere musikalische Form zu finden.
- 1936 Francis Poulenc (1899–1963) aus Sept Chansons für gemischten Chor a cappella (FP81 Nr. 1–7) Nr. 1: La Blanche Neige (nach dem Gedicht von Guillaume Apollinaire).
- 1998 Uraufführung der Oper Schneewittchen nach Robert Walser von Heinz Holliger in Zürich mit Juliane Banse – Sopran – Schneewittchen, Cornelia Kallisch – Alt – Königin, Steve Davislim – Tenor – Prinz, Oliver Widmer – Bariton – Jäger, Werner Gröschel – Bass – König, Orchester der Oper Zürich, musikalische Leitung Heinz Holliger.
- 2005 Ballett von Emilio Aragón: „Blancanieves“ dokumentiert in einem Mitschnitt aus dem Teatro Arriaga Bilbao mit Tamara Rojo in der Titelrolle.[89][90]
- 2008 Ballett von Angelin Preljocaj: Blanche-Neige.
- 2011 Uraufführung der Familienoper „Schneewittchen“ von Marius Felix Lange an der Kinderoper der Oper Köln, als „Blanche-Neige“ 2012 franz. Erstaufführung an der Opéra national du Rhin, 2015 Schweizer Erstaufführung durch Opéra Louise in Koproduktion mit Équilibre-Nuithonie in Fribourg
- 2014 Oper Robert Ficklscherer nach eigenem Libretto.
Kinderlieder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Diese Lieder nach Reimen sind mündlich überliefert, von meist anonymen Verfassern und selten datierbar:
- Wisst ihr, das Schneewittchen, / das Prinzesschen klein, / möchte in den Stübchen / bei den Zwergen sein …[91]
- Schneewittchen (Singspiel) – Eine böse Königin fragt ihr Spieglein leise: / „Sag, ob ich die Schönste bin, / Spieglein wahr und weise.“[92]
- Schneewittchen (Weise und Satz Gerhard Winterthur) – Die Königin war stolz und schön. / Sie trat vor einen Spiegel hin. / Du Spieglein, Spieglein an der Wand, / wer ist die schönste Frau im Land?[93]
Verschiedenes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1969 veröffentlichte die schwedische Sängerin Agnetha Fältskog eine Single mit dem Titel Snövit och de sju dvärgarna (dt.: Schneewittchen und die sieben Zwerge). 1980 veröffentlichte die Sängerin Gaby Rückert das Album Berührung, darin auch eine Single mit dem Titel Schneewittchen hat’s gut. 2000 nutzte Frank Nimsgern das Schneewittchen-Motiv in seinem Musical SnoWhite. 2001 veröffentlichte die deutsche Rockband Rammstein ein Musikvideo zu dem Titel Sonne mit auffallenden Schneewittchenanspielungen und ironischen Bezügen auf die Disney-Verfilmung von Snow White and the Seven Dwarfs. 2003 wurde von der deutsch-österreichischen Band Chamber auf dem Album Ghost Stories and Fairy-Tales das parodistische Lied The Truth About Snow-White veröffentlicht. 2005 komponierte Roland Zoss zu Schneewittchen die Schweizer Mundart-Märchenserie Liedermärli. 2005 veröffentlichte die deutsche Mittelalter-Rockband Feuerschwanz das Lied Schneewittchen auf ihrem Album Prima Nocte. Dabei persiflieren sie das Märchen, etwa mit Bezügen zur Nekrophilie des Prinzen, sexuellen Gefälligkeiten Schneewittchens an die Zwerge, und ihren Status als „Sexsymbol“. 2010 veröffentlichte die japanische Band Sound Horizon ihre siebente Story-CD[94] unter dem Titel Märchen. Das vierte Lied, Garasu no Hitsugi de Nemuru Himegimi (硝子の棺で眠る姫君, zu Deutsch: „Die im gläsernen Sarg schlafende Prinzessin“), erzählt die Geschichte von Schneewittchen unter dem Thematikschwerpunkt der Todsünde Neid. Auch Faun singt Spieglein, Spieglein.
Filme und Fernsehserien (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt zahlreiche Verfilmungen von Schneewittchen, darunter Märchenfilme, Zeichentrickfilme, teilweise aber auch Parodien:
- 1916: Snow White, Stummfilm, USA, Regie: James Searle Dawley[95]
- 1928: Schneewittchen, Stummfilm, Deutschland, Regie: Alf Zengerling[96]
- 1937: Snow White and the Seven Dwarfs, USA, erster abendfüllender Zeichentrickfilm der Walt Disney Studios. Die deutsche Erstaufführung dieser Version von Schneewittchen und die sieben Zwerge fand 1950 in Köln statt.[97]
- 1939: Schneewittchen und die sieben Zwerge, Deutschland, Regie: Carl Heinz Wolff
- 1955: Schneewittchen, Fernsehproduktion der Augsburger Puppenkiste, Deutschland, s/w
- 1951: Das Märchen von der toten Prinzessin und den sieben Recken, UdSSR, Zeichentrickfilm von Iwan Iwanow-Wano nach der Puschkinschen Schneewittchen-Version
- 1955: Schneewittchen und die sieben Zwerge, BR Deutschland, Regie: Erich Kobler[98]
- 1961: Schneewittchen, DDR, Regie: Gottfried Kolditz[99]
- 1961: Snow White and The Three Stooges, USA[100]
- 1962: Schneewittchen und die sieben Gaukler, BR Deutschland/Schweiz, Regie: Kurt Hoffmann[101]
- 1969: Grimms Märchen von lüsternen Pärchen / Schneewittchen … doch ein Flittchen, BR Deutschland, Regie: Rolf Thiele[102]
- 1969: Dornwittchen und Schneeröschen, BR Deutschland, Regie: Erwin Klein[103]
- 1970: Pamuk Prenses ve 7 cüceler, Türkei, Regie: Ertem Göreç mit Zeynep Değirmencioğlu[104]
- 1971: Schneewittchen, BR Deutschland, Regie: Rudolf Jugert[105]
- 1979: Herbstglocken, UdSSR, Regie: Wladimir Gorikker mit Irina Alfjorowa – aus Puschkins Sicht des Märchens[106]
- 1984: Schneewittchen und die sieben Zwerge (OT: Faerie Tale Theatre – Snow White and the seven dwarfs), USA, unter der Regie von Peter Medak mit Elizabeth McGovern als Schneewittchen und Vanessa Redgrave als böse Königin
- 1987: Gurimu Meisaku Gekijō, japanische Zeichentrickserie, Folge 10–13: Schneewittchen
- 1987: Schneewittchen, USA/Israel, Regie: Michael Berz mit Diana Rigg als böse Königin, Sarah Patterson als Schneewittchen, Nicola Stapleton als kleines Schneewittchenmädchen und Ian James Wright als Prinz[107]
- 1992: Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge, Deutschland/Slowakei, Regie: Ludvik Raza[108]
- 1994/95: Schneewittchen (Shirayuki-hime no Densetsu), 52-teilige TV-Serie, Japan
- 1996: Schneewittchen, Deutschland, Regie: Andreas Geiger und mit Anne Tismer als Schneewittchen[109]
- 1997: Schneewittchen (Snow White: A Tale Of Terror), USA, Regie: Michael Cohn und mit Sam Neill als Schneewittchens Vater, Monica Keena als Schneewittchen und Sigourney Weaver als böse Königin eine Fantasy/Horror-Fassung des Stoffes, angelehnt an die Disney-Version.
- 1998: Schneewittchen und die sieben Zwerge bzw. Белоснежка и семь гномов, Russland, nach Schneewittchen von den Brüdern Grimm und Das Zauberspiegelchen von Alexander Nikolajewitsch Afanassjew mit Marina Aleksandrova als Schneewittchen[110]
- 1999: SimsalaGrimm, deutsche Zeichentrickserie, Staffel 2, Folge 8: Schneewittchen und die sieben Zwerge
- 2000: Branca de Neve, Portugal, Regie: João César Monteiro
- 2001: Schneewittchen (Snow White: The Fairest of Them All), USA/Kanada, Regie: Caroline Thompson mit Miranda Richardson als böse Königin und Kristin Kreuk als Schneewittchen.
- 2004: 7 Zwerge – Männer allein im Wald, Deutschland, mit Otto Waalkes, Nina Hagen als böse Stiefmutter und Cosma Shiva Hagen als Schneewittchen
- 2006: 7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug, Deutschland, mit Otto Waalkes
- 2007: Schneewittchen – 7 Zipfel und ein Horst, Deutschland/Österreich, 4. Staffel der ProSieben-Serie/ORF-Serie Die Märchenstunde
- 2007: Sydney White – Campus Queen, USA
- 2007: Verwünscht, USA, Regie: Kevin Lima, mit Amy Adams und James Marsden
- 2009: Schneewittchen, Märchenfilm aus der 2. Staffel der ARD-Reihe Acht auf einen Streich, Deutschland, Regie: Thomas Freundner
- 2011: Once Upon a Time – Es war einmal …, US-amerikanische Serie rund um Snow white (Schneewittchen) und Prince Charming, in der alle bekannten Märchencharaktere durch einen Fluch der bösen Königin aus Schneewittchen in unserer Welt ohne Happy End gefangen sind. Schneewittchens und Prince Charmings Tochter und ihr Enkelsohn müssen sie befreien.
- 2012: Blancanieves, Frankreich/Spanien, Stummfilm in Schwarzweiß von Pablo Berger, der den Schneewittchenstoff im Stierkämpfermilieu von Sevilla ansiedelt
- 2012: Grimm’s Snow White, USA
- 2012: Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen (Mirror Mirror), USA, Regie: Tarsem Singh mit Julia Roberts als böse Königin und Lily Collins als Schneewittchen
- 2012: Snow White and the Huntsman, USA, Regie: Rupert Sanders mit Charlize Theron als böse Königin und Kristen Stewart als Schneewittchen
- 2013: Ever After High, Webserie auf Youtube bzw. Netflix-Serie über ein Internat, in dem die Kinder von Märchenfiguren zur Schule gehen.
- 2016: Sieben Zwerge & ich (Sept Nains & Moi), französische Fernsehserie um Schnee Wittchen (Leila Jolene Cenk), einer direkten Nachkommin Schneewittchens, und die Sieben Zwerge
- 2019: Schneewittchen und der Zauber der Zwerge, deutscher Fernsehfilm von Ngo The Chau
- 2019: Rotschühchen und die sieben Zwerge, Animation, 92 min., Südkorea 2019, Regie: Hong Sung-ho[111]
- 2019: Weiß wie Schnee – Wer ist die Schönste im ganzen Land?, Filmkomödie von Anne Fontaine mit Lou de Laâge in der Schneewittchenrolle und Isabelle Huppert als böse Stiefmutter.
- 2025: Schneewittchen (2025), USA, Regie: Marc Webb, mit: Rachel Zegler als Schneewittchen und Gal Gadot als böse Königin
Diverse Schauspielerinnen gaben der Schneewittchenrolle im Laufe der Jahre filmische Gestalt: Marguerite Clark (1916); Aimee Ehrlich (1916); Elsie Albert (1917); Elke Arendt (1955); Doris Weikow (1961); Zeynep Değirmencioğlu (1970); Maresa Hörbiger (1971); Irina Iwanowna Alfjorowa (1978); Elizabeth McGovern (1984); Sarah Patterson verbunden mit Nicola Stapleton als Kind (1987); Natalie Minko (1992); Anne Tismer (1996); Monica Keena verbunden mit Taryn Davis als Kind (1997); Marina Aleksandrova (1998); Kristin Kreuk (2001); Cosma Shiva Hagen (2004); Amanda Bynes (2007); Laura Berlin (2009); Ginnifer Goodwin verbunden mit Bailee Madison als Kind (2011–2018); Lily Collins (2012, Spieglein Spieglein); Kristen Stewart verbunden mit Raffey Cassidy als Kind (2012, Huntsman); Tijan Marei (2019); 2025 spielte Rachel Zegler die Hauptrolle.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Primärliteratur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Guillaume Apollinaire: La Blanche-Neige (Gedicht) aus der Sammlung Alcools von 1913, Paris 2008, ISBN 978-1-4375-2918-0.[112]
- Ludwig Bechstein: Schneeweißchen (1846), S. 282–293, Stuttgart 1996, ISBN 3-15-009483-6.
- Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. 19. Auflage. Artemis & Winkler / Patmos, Düsseldorf und Zürich 1999, ISBN 3-538-06943-3, S. 297–308.
- Ernst Kreidolf: Ein Wintermärchen, Zürich, München 1983, ISBN 3-7607-7586-1.
- Bertold Löffler: Die sieben Zwerge Schneewittchens, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-458-32189-6.
- Conrad Ferdinand Meyer: Schneewittchen (Gedicht) in Conrad Ferdinand Meyer: Sämtliche Werke in zwei Bänden, Bd. 2, S. 115, Stuttgart 1975.[113]
- Alexander Sergejewitsch Puschkin: Märchen von der toten Zarentochter, Berlin ca. 1950.
- Anne Ritter: Schneewittchen in der Wiege (Gedicht von ca. 1898) in Anne Ritter (1865–1921): Gedichte. Clett / Stuttgart / Berlin 1911.[114]
- Heinz Rölleke (Hrsg.): Die älteste Märchensammlung der Brüder Grimm. Synopse der handschriftlichen Urfassung von 1810 und der Erstdrucke von 1812. Fondation Martin Bodmer, Cologny-Geneve 1975, S. 244–265.
- Ruth Manning-Sanders: Das Buch von den Zwergen, Zürich 1972, ISBN 3-7976-1167-6.
- Anne Sexton: Snow-White and the seven Dwarfs in Transformations (Verwandlungen) von 1972 (Gedicht)[115]
- William Shakespeare: Cymbeline (die Gestalt der Imogen trägt Züge von Schneewittchen), Cymbeline in William Shakespeare: Gesamtwerk/Complete Edition in sechs Bänden übersetzt von Ludwig Tieck und August Wilhelm Schlegel, hrsg. von Levin Ludwig Schücking, Augsburg 1996.
- Theodor Storm (Hrsg. von Peter Goldammer): Schneewittchen in Werke in vier Bänden, Bd. 1, Berlin und Weimar 1967.
- Robert Walser: Märchenspiele – Aschenbrödel, Schneewittchen, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-458-19191-7.
- Blutrot, schneeweiß, rabenschwarz in Französische Feenmärchen aus einer 1718 anonym erschienenen Sammlung übersetzt von Hans Wolfgang Funke, S. 27–30, Leipzig 1988, ISBN 3-379-00325-5.
Sekundärliteratur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Karl Heinz Bartels: Neue Erkenntnisse über Hänsel und Gretel, Ein Beitrag zur Fabulologie des Spessarts und zum Jahr der Gebrüder Grimm. In: Main Echo-Lohrer Echo. Lohr a. Main, 13. April 1985.
- Karl Heinz Bartels: War Schneewittchen eine Lohrerin? Zur Fabulologie des Spessarts. In: Schönere Heimat, Bayerischer Landesverband für Heimatpflege e. V.. 75. Jahrgang, (München) 1986, Heft 2, S. 392–396.
- Karl Heinz Bartels: Schneewittchen. Zur Fabulologie des Spessarts. Buchhandlung von Törne, Lohr a. Main 1990, ISBN 3-9800281-4-3.
- Karl Heinz Bartels: Schneewittchen – Zur Fabulologie des Spessarts. 2., ergänzte Auflage. Geschichts- und Museumsverein Lohr a. Main, Lohr a. Main 2012, ISBN 978-3-934128-40-8.
- J. F. Grant Duff: Schneewittchen – Versuch einer psychoanalytischen Deutung. In: Wilhelm Laiblin (Hrsg.): Märchenforschung und Tiefenpsychologie. Darmstadt 1969, S. 88–99. (Zuerst erschienen in: Imago, Zeitschrift für Psychoanalytische Psychologie, ihre Grenzgebiete und Anwendungen. Band 20, 1934, S. 95–103).
- Barbara Grimm: Testament und Nachlassverzeichnis Maria Sophia Katharina Margaretha von Erthals im Stadtarchiv Bamberg. In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Lohr und des Raumes Lohr. Ausgabe 5, 2016, S. 149–203.
- Heinz-Albert Heindrichs, Ursula Heindrichs (Hrsg.): Die Zeit im Märchen. Im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft. Kassel 1989, ISBN 978-3-87680-354-8.
- Mathias Jung: Schneewittchen – Der Mutter-Tochter-Konflikt. Eine tiefenpsychologische Interpretation. 2003, ISBN 978-3-89189-104-9.
- Wulf Köhn: Vorsicht Märchen! – Wie Schneewittchen nach Alfeld kam. 2002, ISBN 978-3-935928-03-8.
- Bernhard Lauer: Wem gehört „Sneewittchen“? Ein Beitrag zur Verortung von Märchenstoffen und zur Herausbildung von Stereotypen. In: Zwischen Identität und Image. Die Popularität der Brüder Grimm und ihrer Märchen in Hessen (= Hessische Blätter für Volk- und Kulturforschung. Neue Folge, Band 44–45). Jonas-Verlag, Marburg 2009, S. 390–425.
- Werner Loibl: Der Vater der fürstbischöflichen Erthals - Philipp Christoph von und zu Erthal (1689-1748). [Und der Vater von Maria Sophia Katharina Margaretha von Erthal]. Aschaffenburg 2016, ISBN 978-3-87965-126-9.
- Theodor Ruf: Schneewittchen wie es wirklich wa(h)r: Die Schöne aus dem Glassarg. Schneewittchens wirkliches und märchenhaftes Leben. Königshausen & Neumann, Würzburg 1995.
- Eckhard Sander: Schneewittchen, Märchen oder Wahrheit, ein lokaler Bezug zum Kellerwald. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 1994, ISBN 3-86134-163-8.
- Wolfdietrich Siegmund: Antiker Mythos in unseren Märchen. Im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft. Kassel 1984, ISBN 978-3-87680-335-7.
- Wolfgang Vorwerk: Das „Lohrer Schneewittchen“. Zur Fabulologie eines Märchens. PDF von März 2016. 13 Seiten.Das 'Lohrer Schneewittchen': Zur Fabulologie eines Märchens
- Klaus Weyer: Es war einmal ... KEIN Schneewittchen aus Lohr am Main. In: Märchenspiegel. Jahrgang 34, 2023, Heft 1, S. 48–56.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die symbolische Bedeutung der Zahl Drei in Märchen.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Schneewittchen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Brüder Grimm: Die schönsten Kinder- und Hausmärchen – Kapitel 150: Schneewittchen. In: Projekt Gutenberg-DE. Abgerufen am 11. Oktober 2020 (digitale Volltextversion).
- Ausgabe von 1905 mit Illustrationen von Franz Jüttner
- Schneewittchen im Märchenlexikon Amalia ediert von Kurt Derungs
- Ludwig Bechstein: Schneeweißchen. Zeno.org, abgerufen am 3. April 2011.
- Seite mit Illustrationen, Text-Quellen und modernen Adaptionen zu Schneewittchen bei SurLaLunefairytales.com
- Texte und Illustrationen zu Snow-White ( vom 14. Dezember 2012 im Internet Archive) (engl.)
- Interpretation mit Bildern zu Snow-White
- Weltweite Erzählversionen zu Snow-White: Die Texte
- Illustrationen auf Postkarten und Werbemarken
- Illustrationen zu Schneewittchen
- Ohne Worte - Schneewittchen Broschüre aus Lohr
- Es war einmal ... KEIN Schneewittchen aus Lohr
- Das erfundene Lohrer Schneewittchen
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Brüder Grimm: Sneewittchen (1857) auf Wikisource.
- ↑ Brüder Grimm: Schneewittchen. In: Projekt Gutenberg-DE. Abgerufen am 11. Oktober 2020.
- ↑ Brüder Grimm: Schneewittchen. In: Projekt Gutenberg-DE. Abgerufen am 11. Oktober 2020. In der Ausgabe letzter Hand der Brüder Grimm von 1857 lautet das Zitat: „hätt ich ein Kind so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen.“ (Sneewittchen (1857) auf Wikisource).
- ↑ Das Weiße wird nicht ausdrücklich als Hautfarbe genannt, vgl.: „Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz, und ward darum das Sneewittchen (Schneeweißchen) genannt.“ (Brüder Grimm: Kinder- und Haus-Märchen Band 1 (1857). Göttingen 1857, S. 264.); „Da wollten sie es begraben, aber es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch, und hatte noch seine schönen rothen Backen.“ (ebd., S. 271.)
- ↑ Diese Situation spiegelt sich in den Märchenversionen von Goldlöckchen und die drei Bären wider – Eine alte Frau, in Versionen seit Joseph Cundall ein kleines Mädchen (Goldlöckchen), kommt hier, wie Schneewittchen, in ein einsames Waldhäuschen und nascht von den unterschiedlich großen Schüsseln, probiert alle Stühle und alle Betten. Schneewittchens Art des Probierens hat noch den ethischen Hintergrund des gerechten Teilens, ein Aspekt, der bei Goldlöckchens kindlich-spontanem Vorgehen keine Rolle spielt und beim Verhalten der alten, bösartigen Frau, die nur von Gier getrieben wird, ebenfalls fehlt. Das Haus wird nicht von sieben Zwergen, sondern von drei Bären bewohnt.
- ↑ Caroline Thompson: Snow White 2001, mit Miranda Richardson und Kristin Kreuk, hier wird die Metaphorik von den sieben Zwergen und den sieben Wochentagen noch ausgeweitet auf das Motiv der sieben Farben des Regenbogens
- ↑ Robert Ranke-Graves: Die weiße Göttin – Sprache des Mythos, S. 306–321 und S. 339, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-55416-X
- ↑ Diese Überlegung wird auch von Hedwig von Beit geteilt und ausgeweitet.(Vgl.: Hedwig von Beit: Symbolik des Märchens. Bern 1952, S. 259) Sie verbindet daneben – weniger einleuchtend – noch Verschiedenes mit der magischen Siebenzahl der Zwerge: Entstehung der Seele beim siebten Lachen des Urgottes, sieben Metalle, sieben Vokale, sieben Tonstufen und die Zahl Sieben als seelische Brücke zur Wandlung und zur seelischen Stabilität im Symbol der abgerundeten Zahl – der Acht.
- ↑ Einen weiteren Hinweis darauf, dass mit den sieben Zwergen hinter der sieben Bergen eine zeitliche Größe gemeint ist, bieten einige Schneewittchenvarianten: Im griechischen Märchen Myrsina flüchtet die Schneewittchen entsprechende Myrsina zu zwölf Brüdern, die die zwölf Monate verkörpern; Myrsina spielt hier metaphorisch den dreizehnten Monat des Mondjahres als kleine Schwester zu den zwölf, die Monate des Sonnenjahres verkörpernden Brüdern. Im armenischen Märchen Nourie Hadig kommt Nourie nicht zu sieben Zwergen, sondern zu einem Haus mit sieben Zimmern; im letzten Zimmer findet sie einen im Koma liegenden Prinzen, der sieben Jahre schläft und von Nourie gepflegt wird.
- ↑ Robert Ranke-Graves: Die weiße Göttin – Sprache des Mythos, S. 474, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-55416-X
- ↑ Lutz Röhrich: … und wenn sie nicht gestorben sind …, Anthropologie, Kulturgeschichte und Deutung von Märchen. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2002, ISBN 3-412-11201-1
- ↑ Tomi Ungerer: Tomi Ungerer’s Erzählungen für Erwachsene., München 192, ISBN 3-453-05598-5
- ↑ Rudolf Meyer: Die Weisheit der deutschen Volksmärchen. Urachhaus, Stuttgart 1963, S. 217, 221–222.
- ↑ Eugen Drewermann: Schneewittchen: Märchen Nr. 53 aus der Grimmschen Sammlung. In der Reihe Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet, Zürich 1998. ISBN 3-530-40021-1
- ↑ Drewermann, Eugen: Landschaften der Seele oder Wie wir Mann und Frau werden Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet, Patmos Verlag, 2015, S. 158
- ↑ Theodor Seifert: Schneewittchen. Das fast verlorene Leben. 8. Auflage. Kreuz, Zürich 1992, ISBN 3-268-00009-6 (zuerst 1983; Reihe Weisheit im Märchen).
- ↑ Herbert Pfeiffer: Die Umwelt des kleinen Kindes und seine Arznei. In: Uwe Reuter, Ralf Oettmeier (Hrsg.): Die Wechselwirkung von Homöopathie und Umwelt. 146. Jahrestagung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte. Erfurt 1995, S. 46–64.
- ↑ Bernhard Schmid: Cuprum metallicum. „Spieglein, Spieglein an der Wand …“ In: Documenta Homoeopathica. Band 16. Verlag Wilhelm Maudrich, Wien / München / Bern 1996, S. 107–114.
- ↑ Martin Bomhardt: Symbolische Materia medica. 3. Auflage. Verlag Homöopathie + Symbol, Berlin 1999, ISBN 3-9804662-3-X, S. 53, 512, 1235.
- ↑ Wolfgang Barck: Homöopathische Psychiatrie und Psychotherapie. 2. Auflage. Grundlagen und Praxis, Leer 2013, ISBN 978-3-937268-38-5, S. 144–147.
- ↑ X. Pommereau, J. M. Delile, E. Caule: Hypnotic overdoses and fairy tales: Snow White and the uses of disenchantment. In: Suicide & life-threatening behavior. Band 17, Nummer 4, 1987, S. 326–334, PMID 3424400.
- ↑ Wilhelm Salber: Märchenanalyse (= Werkausgabe Wilhelm Salber. Band 12). 2. Auflage. Bouvier, Bonn 1999, ISBN 3-416-02899-6, S. 72–76.
- ↑ Regina Kämmerer: Märchen für ein gelingendes Leben. KVC-Verlag, Essen 2013, S. 129–130.
- ↑ Jobst Finke: Träume, Märchen, Imaginationen. Personzentrierte Psychotherapie und Beratung mit Bildern und Symbolen. Reinhardt, München 2013, ISBN 978-3-497-02371-4, S. 154, 157, 193, 198-199, 208-209.
- ↑ Drewermann, Eugen: Landschaften der Seele oder Wie wir Mann und Frau werden Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet, Patmos Verlag, 2015, S. 144
- ↑ Ernst Böklen: Sneewittchenstudien 1 und 2; – fünfundsiebzig Varianten im engen Sinn; Leipzig 1910.
- ↑ Richilde, auf zeno.org
- ↑ Heinz Rölleke (Hrsg.): Die älteste Märchensammlung der Brüder Grimm. Synopse der handschriftlichen Urfassung von 1810 und der Erstdrucke von 1812. Fondation Martin Bodmer, Cologny-Geneve 1975, S. 244–265.
- ↑ Im Vergleich dazu Die sieben Raben
- ↑ Christine Shojaei Kawan: Schneewittchen. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 12. de Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-019936-9, S. 129–140.
- ↑ Lutz Röhrich: …und wenn sie nicht gestorben sind
- ↑ Georgios A. Megas: Griechische Volksmärchen übertragen von Inez Diller, S. 39–45, Wien 1965.
- ↑ Italo Calvino: Die Braut, die von Luft lebte, und andere italienische Märchen aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. Mit einer Einführung von Paul-Wolfgang Wührl. Vignetten von Susanne Janssen, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7632-4234-1
- ↑ Joseph Jacobs: English fairy tales / Englische Märchen übersetzt von Helga und Kristof Wachinger, Helga und Kristof, München 1988, ISBN 3-423-09008-1
- ↑ Susie Hoogasian-Villa: 100 Armenian Tales collected and edited by Susie Hoogasian-Villa, S. 84–91, Detroit 1966
- ↑ Alexander Afanassjew: Das goldmähnige Pferd – Russische Zaubermärchen, übersetzt von Barbara Heitkam u. Marlene Milack, Hrsg. Franziska Martynowa mit Illustrationen von Iwan Bilibin, Leipzig 1988, S. 198–208, ISBN 3-379-00256-9
- ↑ Giambattista Basile: Italienische Märchen – Der Pentamerone. Hrsg. von Walter Boehlich, S. 247–254, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-86150-140-6
- ↑ Peter Christen Asbjørnsen, Jørgen Moe: Norwegische Märchen aus dem Norwegischen von Friedrich Bresemann, S. 161–168, Nördlingen 1985, ISBN 3-921568-29-3
- ↑ Albert Ludewig Grimm: Kindermährchen. Mohr und Zimmer, Heidelberg 1809, S. 2–48; Digitalisat. zeno.org.
- ↑ Samuel Czambel: Die goldene Frau – Slowakische Märchen. Altberliner Verlag Lucie Groszer, Berlin 1971, S. 133–137.
- ↑ Pia Todorović-Strähl, Ottavio Lurati (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Tessin. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1984, S. 133–136, 261.
- ↑ Dieses Märchen steht in Ausgewählte griechische Volksmärchen von Johannes Mitsotakis mit vier Illustrationen von P. Geh; Verlag G. M. Sauernheimer; Berlin 1889, S. 64–70. Märchentexte auf leopard.tu-braunschweig.de.
- ↑ Ré Soupault (hrsg. und übertr.): Die Märchen der Weltliteratur – Bretonische Märchen, Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1959, S. 265–268, 315.
- ↑ Nikolai Rainow: Bulgarische Märchen. Swjat Verlag, Sofia 1987, S. 327–329.
- ↑ Adeline Rittershaus: Schneewittchen. In: Die neuisländischen Volksmärchen. Ein Beitrag zur vergleichenden Märchenforschung, Max Niemeyer, Halle 1902, S. 118–126; Digitalisat. zeno.org.
- ↑ Christian Schneller: Die drei Schwestern. In: Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Ein Beitrag zur deutschen Sagenkunde, Wagner, Innsbruck 1867, S. 55–59; Digitalisat. zeno.org.
- ↑ Albert Ludwig Grimm: Schneewittchen, ein Mährchen. In: Kindermährchen. Mohr und Zimmer, Heidelberg 1809, S. 1–78 (zeno.org).
- ↑ Ludwig Aurbacher: Die zwei Brüder. In: Ein Büchlein für die Jugend. Enthaltend die Legende von Placidus und seiner Familie, das Mährchen von Marien-Kind, die Volkssagen vom Untersberg, nebst vielen andern erbaulichen und ergötzlichen Historien. X (Nr.10). J. G. Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart / Tübingen, Literarisch-Artistische Anstalt, München 1834, S. 252–263 (digitale-sammlungen.de). Zu Schneewittchen ab S. 260 ff. (digitale-sammlung.de)
- ↑ Christine Shojaei Kawan: Schneewittchen. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 12. De Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-019936-9, S. 129–140.
- ↑ vgl. Ernst Böklen: Sneewittchenstudien – Erster Teil, Leipzig 1910 S. 53f.
- ↑ Das Lumpengesindel, auf märchenbasar.de
- ↑ surlalunefairytales.com ( vom 3. Januar 2010 im Internet Archive) – Die Seite bietet umfangreiche Hinweise auf Umsetzungen des Schneewittchenstoffs in Krimi und Belletristik unter Adaptions auf SurlaLuneFairytales.de – u. a. die auch ins Deutsche übertragenen Geschichten von Tanith Lee: Rot wie Blut oder Weiß wie Schnee.
- ↑ Ernst Böklen: Sneewittchenstudien – 82 Varianten im engeren Sinn – Verhältnis zu nächstverwandten Typen – Mischformen – Verwandtschaftsübersicht. Leipzig 1915; erschienen in Mythologische Bibliothek (hrsg. von der Gesellschaft für vergleichende Mythenforschung III. Band Heft 2 und VI. Band Heft 3); Rochholz’ Der Tode der sieben Zwerge in Kurzfassung bei Böklen S. 174 – Rochholz’ Schneewittchenkrimi erscheint auch bei Lutz Rörich:… und wenn sie nicht gestorben sind …, Anthropologie, Kulturgeschichte und Deutung von Märchen. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2002, ISBN 3-412-11201-1.
- ↑ Abbildung auf dieser Seite
- ↑ Im Original des Kölner Wallraf-Richartz-Museums ist der leichte, auf der hiesigen Abbildung sichtbare Grün-Stich des Schneewittchenbildes von Marianne Stokes nicht vorhanden.
- ↑ Hier wird nur das Bild aus dem Mittelfeld gezeigt. Urban und Lefler scheinen dieses Bild zusammen entwickelt zu haben.
- ↑ Und eine weitere Abbildung des Lefler-Bildes von Schneewittchen mit allen Bildfeldern.
- ↑ Arthur Rackham (1867–1939) in The Fairy Tales of the Brothers Grimm. Übersetzt in das Englische von Edgar Lucas, Constable & Company, London 1909. surlalunefairytales.com ( vom 9. August 2009 im Internet Archive)
- ↑ Kay Nielsen (1886–1957) in Hansel and Gretel and Other Stories by the Brothers Grimm. Hodder and Stoughton, London 1925. Snow Drop (Snow White and the Seven Dwarfs) by Kay Nielsen Illustration 1 of 1. surlalunefairytales.com, abgerufen am 31. Januar 2023.
- ↑ Dinah Gottliebova Babbit (1923–2009) (auch Dina Babbitt- z. B. im englischen Wikipedia) überlebte mit Hilfe dieses Schneewittchenbildes: Sie wurde auf Grund ihrer sich in dem Schneewittchenbild manifestierenden Begabung gezwungen, Opfer im Lager zu malen. Überleben durch Talent | Schneewittchens Albtraum, auf sueddeutsche.de
- ↑ Christine Shojaei Kawan: Schneewittchen. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 12. De Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-019936-9, S. 129–140.
- ↑ Michael Kumpe: Schneewittchen. In: Texte und Materialien für den Unterricht. Grimms Märchen – modern. Prosa, Gedichte, Karikaturen. Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-015065-8, S. 20.
- ↑ Iring Fetscher: Wer hat Dornröschen wachgeküßt? Das Märchen-Verwirrbuch. mit den Grimmschen Original-Märchen und 13 Collagen von Helga Ruppert-Tribian, Claassen Verlag, Hamburg / Düsseldorf 1972, 218 Seiten, ISBN 3-546-42723-8
- ↑ Whitley Strieber: Cat Magic. Crossroad Press, Hertford 1987, ISBN 978-1-951510-60-2, S. 319.
- ↑ Emma Donoghue: The Tale of the Apple. In: Kissing the Witch. Old Tales in New Skins. Harpercollins, New York 1997, ISBN 0-06-027575-8, S. 43–58.
- ↑ Johann-Friedrich Konrad: Schneewittchens Mutter erzählt. In: Texte und Materialien für den Unterricht. Grimms Märchen – modern. Prosa, Gedichte, Karikaturen. Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-015065-8, S. 21–25.
- ↑ Irmgard Steppuhn: Schneewittchen. In: Texte und Materialien für den Unterricht. Grimms Märchen – modern. Prosa, Gedichte, Karikaturen. Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-015065-8, S. 25–26.
- ↑ Katja Viehmann: Schneewittchen im Sanatorium. In: Texte und Materialien für den Unterricht. Grimms Märchen – modern. Prosa, Gedichte, Karikaturen. Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-015065-8, S. 26–30.
- ↑ Julia Veihelmann: Abgründe. Werner Heiduczek: Die traurige Geschichte von Schneewittchen. In: Die Horen. Bd. 1/52, Nr. 225, 2007, ISSN 0018-4942, S. 11–12, 69–75.
- ↑ Karen Duve: Grrrimm. Goldmann, München 2014, ISBN 978-3-442-47967-2, S. 7–32.
- ↑ Alethea Kontis: The Unicorn Hunter. In: Tales of Arilland. 2015. ISBN 978-1-942541-05-9, S. 1–20.
- ↑ Christine Shojaei Kawan: Schneewittchen. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 12. De Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-019936-9, S. 134.
- ↑ Eudora Welty: The Robber Bridegroom. Doubleday, New York 1942, S. 163.
- ↑ Krystyna Kuhn: Schneewittchenfalle. Arena. Würzburg 2007, ISBN 978-3-401-06085-9.
- ↑ Crystal Smith: Bloodleaf. Houghton Mifflin Harcourt, New York 2019, ISBN 978-0-358-24225-3, S. 70, 361.
- ↑ Hannah Whitten: For the Wolf. Orbit, London 2021, ISBN 978-0-356-51636-3.
- ↑ Stefanie Lasthaus: Schneewittchens dunkler Kuss. Heyne, München 2023, ISBN 978-3-453-27456-3.
- ↑ Kalynn Bayron: Schneewittchen schlägt zurück. Heyne, München 2024, ISBN 978-3-453-27493-8 (Originaltitel: Sleep Like Death, 2024).
- ↑ Der Märchenwald. maerchenwald-altenberg.de, abgerufen am 19. November 2019.
- ↑ Wolfgang Dehm: Rallye auf Schneewittchens Spuren. In: Main-Post, 1. September 2017, abgerufen am 1. Juli 2023.
- ↑ Bernhard Lauer: Wem gehört „Sneewittchen“? Ein Beitrag zur Verortung von Märchenstoffen und zur Herausbildung von Stereotypen. In: Zwischen Identität und Image. Die Popularität der Brüder Grimm und ihrer Märchen in Hessen. Hessische Blätter für Volk- und Kulturforschung (NF) 44–45, Jonas-Verlag, Marburg 2009, S. 390–425.
- ↑ Vgl. Lauer, S. 401.
- ↑ Alfeld, die Stadt hinter den Sieben Bergen. In: NDR.de. 18. Januar 2022, abgerufen am 6. Dezember 2022.
- ↑ Eckhard Sander: Schneewittchen, Märchen oder Wahrheit. Ein lokaler Bezug zum Kellerwald. Wartberg Verlag 1994, 96. S.;
Kirsten Hoehne [Buch, Regie] und Claudia Moroni [Buch]: Schneewittchen und der Mord in Brüssel. ZDF 2005. (= Märchen und Sagen – Botschaften aus der Wirklichkeit, Teil 1) dailymotion. - ↑ Schneewittchen starb in Langenbach
- ↑ Schneewittchen KHM 53 (1857), auf maerchenlexikon.de
- ↑ https://www.myheimat.de/oberweser/c-kultur/endspurt-fuer-schneewittchen-maerchenhaftes-dorffest-in-gieselwerder_a24332451
- ↑ Vgl. Bartels, Schneewittchen (FN 58), S. 49 und 59; dort allerdings mit der fälschlichen Angabe des Geburtsjahrs 1729. Zum richtigen Geburtsjahr 1725 siehe Diözesanarchiv Würzburg, Amtsbücher aus Pfarreien 3030, Fiche 16, S. 166.
- ↑ Emilio Aragón (Musik), Ricardo Cué (Choreografie und künstlerische Leitung): Branca de neve. In: YouTube. Fundación Stanza, 15. April 2013, abgerufen am 5. Januar 2023 (portugiesisch, komplette Videoaufahme einer Inszenierung am Teatro Arriaga, Bilbao).
- ↑ Agencias: Tamara Rojo bailará 'Blancanieves', de Emilio Aragón. In: El País. 25. August 2005, abgerufen am 5. Januar 2023 (spanisch).
- ↑ kindergarten-homepage.de ( vom 5. Oktober 2012 im Internet Archive) Text: Schneewittchen (nach der Melodie: Alle meine Entlein):1. Wisst ihr, das Schneewittchen, das Prinzesschen klein, möchte in den Stübchen bei den Zwergen sein. 2. Näht ihre Röckchen, putzte ihre Schuh' strickte ihre Söckchen ohne Rast und Ruh. 3. Fegte ihre Stübchen mit dem Besen fein, kochte kräftige Süppchen für die Zwergelein. 4. Kommen dann die Zwerge müde heim zur Nacht, ist in ihren Bergen alles Werk vollbracht. 5. Und dann schläft Schneewittchen, das Prinzesschen klein, glücklich in dem Hüttchen bei den Zwergelein.
- ↑ nostalgie.beepworld.de Text: Schneewittchen (Singspiel) 1. Eine böse Königin fragt ihr Spieglein leise: „Sag, ob ich die Schönste bin, Spieglein wahr und Weise.“ 2. Spieglein sagt: „Das kann nicht sein, hinter hohen Bergen, wohnt Schneewittchen wunderfein bei den sieben Zwergen.“ 3. Da erschrak die Königin, lief viel’ hundert Meilen, wollt wie eine Hökerin zu Schneewittchen eilen. 4. Reichte ihr ein Äpflein dar, wollt die Maid verderben, weil das Äpflein giftig war, musst Schneewittchen sterben. 5. Und die Zwerge hielten Wacht an dem Sarg aus Glase, und mit ihnen Tag und Nacht weinten Reh und Hase. 6. Und in wunderbarer Stund’ kam ein Prinz zum Walde, küsst Schneewittchen auf den Mund, sie erwacht gar balde. 7. Feierte das ganze Land und zum Hochzeitsfeste war’n die sieben Zwerge all’ liebe frohe Gäste.
- ↑ herbert-fritz.de ( vom 25. Oktober 2009 im Internet Archive) Text: Schneewittchen – 1. Die Königin war stolz und schön, stolz und schön. Sie trat vor einen Spiegel hin, Spiegel hin: Du Spieglein, Spieglein an der Wand wer ist die schönste Frau im Land, wer ist die schönste Frau im ganzen Land? 2. Schneewittchen wuchs indes heran, wuchs heran. Der Spiegel aber kündigt an, kündigt an: Frau Königin im Schlosse hier, ihr Kind ist schöner noch als ihr: Ihr Kind ist schöner noch, schöner noch als Ihr! 3. Die Königin auf Rache sann, Rache sann. Den Jäger rief sie alsodann, alsodann: Du Jäger bring es in den Wald; das Herz, die Leber will ich bald; das Herz, die Leber will ich alsobald! 4. Es läuft bis es am Abend findt, Abend findt; Das Haus darin die Zwerge sind, Zwerge sind. Willst Du für uns den Haushalt tun, kannst mit uns essen, mit uns ruhn; kannst mit uns essen und auch mit uns ruhn. 5. Derweilen kam als Krämerin, Krämerin ins Zwergenhaus die Königin, Königin: Du schöne Maid, nimm diesen Kamm, dass ich dich richtig kämmen kann, dass ich dich richtig kämmen kann. 6. Schneewittchen ab'r erholte sich, kam zu sich, das hört’ die falsche Königin, Königin: Sie kam mit einem Apfel dann und reicht dem Mädchen diesen dann und reicht’ Schneewittchen Gift im Apfel dann. 7. Schneewittchen fiel in tiefen Schlaf, tiefen Schlaf. Die Zwerge weinten arg um sie, wachten brav; und legten sie in einen Sarg, der war aus schönstem Glas gemacht; der war aus schönstem Glas wie Diamant gemacht. 8. Da kam ein feiner Prinz daher, jung und schön, der sah Schneewittchen liegen da, wunderschön: Er konnt’ und wollt’ nicht weitergehn und konnt’ sich nicht mehr satt dran sehn: Wie schön Schneewittchen war in ihrem Sarg. 9. Da schlug der Prinz den Sarg entzwei, Sarg entzwei, und hob Schneewittchen sacht heraus, flink und frei; Dann gab er ihr 'nen lieben Kuss worauf Schneewittchen atmen musst’ und so schlug sie die Augen wieder auf. 10. Drauf freuten sich die Zwerge sehr, Zwerge sehr; und dazu auch der Prinz viel mehr, noch viel mehr: Sie feierten die Hochzeit dann und feierten 5 Wochen lang und lebten lang und glücklich, zufrieden dann. Weise, Satz: Gerh. Fleischer, Winterthur Midisequenz: Herbert Fritz
- ↑ Discographieinformationen zum Album Märchen. Abgerufen am 19. November 2019 (japanisch, englisch).
- ↑ 7361 bei IMDb
- ↑ Vgl. Filmschau. Drei neue Märchenfilme, in: Der Bildwart. Blätter für Volksbildung, Heft 5, 7. Jahrgang, 1929, S. 280f.
- ↑ Technisch aktualisiert als DVD, zuletzt 2001. Auch als Print, 2013, ISBN 1-4723-4736-6
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- ↑ Dornwittchen und Schneeröschen. Internet Movie Database, abgerufen am 22. Mai 2015 (englisch).
- ↑ Pamuk Prenses ve 7 cüceler. Internet Movie Database, abgerufen am 22. Mai 2015 (englisch).
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- ↑ Schneewittchen. Internet Movie Database, abgerufen am 22. Mai 2015 (englisch).
- ↑ Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge. Internet Movie Database, abgerufen am 22. Mai 2015 (englisch).
- ↑ Geigers Schneewittchen bei IMDb
- ↑ Filmausschnitt
- ↑ Rotschühchen und die sieben Zwerge auf pantaray.tv
- ↑ Apollinaire – La Blanche-Neige
- ↑ Conrad Ferdinand Meyer – Schneewittchen
- ↑ Schneewittchen in der Wiege von Anne Ritter
- ↑ Anne Sexton: Snow-White and the seven Dwarfs. poets.org, abgerufen am 31. Januar 2023.