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„Trentino-Südtirol“ – Versionsunterschied

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{{Infobox Region (Italien)
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|AMTSSPRACHEN= Italienisch und Deutsch; lokal Ladinisch
|HAUPTSTADT= [[Trient]]
|AMTSSPRACHEN= [[Italienische Sprache|Italienisch]], [[Deutsche Sprache|Deutsch]];<br />[[Ladinische Sprache|Ladinisch]], [[Fersentalerisch]] und [[Zimbrisch]] sind anerkannte Minderheitensprachen<ref>Der Gebrauch der einzelnen, in der Region verwendeten Sprachen (das sind Italienisch, Deutsch, Ladinisch, Fersentalerisch und Zimbrisch) sowie die Rechte der einzelnen Sprachgruppen (etwa bei der Besetzung staatlicher Stellen und parlamentarischer Ämter und Gremien) sind im {{Webarchiv|url=http://www.regione.taa.it/normativa/statuto_speciale.pdf |wayback=20181126033052 |text=Sonderstatut für die Region }} (PDF-Datei; 612&nbsp;kB) unter anderem in den Artikeln 19, 30, 36, 48, 50, 58, 62, 89, 98 sowie im IX. und XI. Abschnitt geregelt. Gemäß Art. 99 ist die deutsche Sprache der italienischen gleichgestellt, wobei für Akte mit Gesetzeskraft die italienische Version maßgeblich ist.<br />
Ladinisch, Fersentalerisch und Zimbrisch sind gemäß dem Sonderstatut keine offiziellen Amtssprachen der Region Trentino-Südtirol. Jedoch wurden durch die 1988 erlassenen, 1996, 2001 und 2006 noch leicht veränderten Durchführungsbestimmungen zum Sonderstatut die Rechte der ladinischsprachigen Bevölkerung ''in Südtirol'' erheblich erweitert, so dass auf der Ebene der Gemeindebehörden das Ladinische in den betreffenden Ortschaften alle Merkmale einer Amtssprache besitzt.<br />
Die Behörden der Provinz Bozen müssen ihre Rechtsvorschriften und Rundschreiben auch auf Ladinisch (also in insgesamt drei Sprachen) veröffentlichen, soweit sie für die ladinischsprachige Bevölkerung von Interesse sind. Ebenso haben die ladinischsprachigen Bürger das Recht, gegenüber denjenigen Behörden der Provinz, die überwiegend für die ladinischsprachige Bevölkerung zuständig oder in den betreffenden Ortschaften ansässig sind, schriftlich und mündlich ihre eigene Sprache zu verwenden. Die Behörde muss dann mündlich auf Ladinisch oder schriftlich in allen drei Verkehrssprachen antworten.</ref><ref>{{Webarchiv|url=http://www.provincia.bz.it/praesidium/0101/verletzungen/downloads/DPR%20574%201988%20dt.pdf |wayback=20120131215139 |text=Durchführungsbestimmungen zum Sonderstatut (Dekret des Präsidenten der Republik Italien vom 15. Juli 1988, Nr. 574)}}, VI. Kapitel. Das Dokument enthält bereits die erwähnten, bis 2006 erlassenen Veränderungen.</ref>
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|PRÄSIDENT=[[Lorenzo Dellai]]
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}}
}}


'''Trentino-Südtirol''' (bis 1972 ''Trentino-Tiroler Etschland'', italienisch ''Trentino-Alto Adige'') ist die nördlichste [[Italienische Regionen|Region]] [[Italien]]s. Hauptstadt ist Trient.
'''Trentino-Südtirol''' (bis 1972 ''Trentino-Tiroler Etschland''), {{itS|'''Trentino-Alto Adige'''}}, {{lldS|'''Trentin-Südtirol'''}}, amtlich gemäß [[Verfassung der Italienischen Republik]] '''Trentino-Alto Adige/Südtirol''', ist eine [[Autonomie (Politikwissenschaft)|autonome]] [[Italienische Regionen|Region]] im Norden [[Italien]]s. Der Großteil ihrer Kompetenzen ist seit den 1970er Jahren an die ebenfalls autonomen [[Italienische Provinzen|Provinzen]] [[Südtirol|Bozen&nbsp;– Südtirol]] und [[Trentino|Trient]] übertragen worden.


Hauptstadt der Region ist laut Statut [[Trient]], tatsächlich übernimmt auch [[Bozen]] Hauptstadtfunktionen.<ref>{{Webarchiv|url=http://www.regione.taa.it/normativa/statuto_speciale.pdf |wayback=20181126033052 |text=Sonderstatut für Trentino-Südtirol }} (PDF-Datei; 612&nbsp;kB), Artikel 27</ref>
==Geographie==
Trentino-Südtirol ist 13.607 km² groß und hat fast eine Million Einwohner.
Die Landschaft der Region ist stark durch die [[Alpen]] geprägt, besonders von den [[Dolomiten]]. Hauptfluss ist die [[Etsch]], auf welche der italienische Name Südtirols zurückgeht ("oberes Etschland").


== Geographie ==
Die Region grenzt an [[Österreich]] im Norden, an die [[Schweiz]] im Nordosten, an die italienischen Regionen [[Lombardei]] und [[Venetien]] im Westen bzw. Süden.
Trentino-Südtirol ist 13.607&nbsp;km² groß und hat {{EWZ|IT-32|IT-32}} Einwohner (Stand {{EWD|IT-32}}). Die Region grenzt an die [[österreich]]ischen Bundesländer [[Tirol (Bundesland)|Tirol]] ([[Nordtirol|Nord-]] und [[Bezirk Lienz|Osttirol]]) und [[Land Salzburg|Salzburg]] im Norden und Nordosten, an den [[Schweiz]]er Kanton [[Graubünden]] im Nordwesten und an die italienischen Regionen [[Lombardei]] und [[Venetien]] im Westen bzw. Süden und Osten.


Die Landschaft ist stark durch die [[Alpen]] geprägt, besonders von den [[Dolomiten]]. Höchste Erhebung ist der [[Ortler]] mit 3905 Metern über dem Meeresspiegel.
Politisch ist Trentino-Südtirol in zwei Provinzen untergeteilt, die als einzige Italiens den Zusatz „autonom“ führen:


Der Hauptfluss ist die [[Etsch]], auf welche der italienische Name Südtirols (''Alto Adige'', also „Hochetsch“) zurückgeht. Zudem gehört der nördliche Teil des [[Gardasee]]s, des größten Sees Italiens, zu Trentino-Südtirol.
[[Image:Trentino-Alto Adige-Südtirol provinces.png|350px|Provinzen der Region Trentino-Südtirol]]


== Gliederung ==
{| class="prettytable" style="width:50%;"
Politisch gliedert sich die Region Trentino-Südtirol in die Provinzen Trient und Bozen&nbsp;– Südtirol. Es handelt sich bei ihnen um die einzigen autonomen italienischen Provinzen, die mit Gesetzgebungsbefugnissen ausgestattet und nicht der Region untergeordnet sind.<ref name=":0">{{Webarchiv|url=http://www.regione.taa.it/normativa/costituzione.pdf |wayback=20130203095538 |text=Verfassung der Republik Italien |archiv-bot=2023-01-23 22:58:04 InternetArchiveBot }} (PDF-Datei; 429&nbsp;kB), Artikel 116 und 117</ref> Ihrer autonomen Ausrichtung zufolge besitzen das Trentino und Südtirol de facto den Status einer Region mit jeweils einem Landtag und einem Präsidenten, der als ''[[Landeshauptmann]]'' (ital. ''Presidente della Provincia'') bezeichnet wird.
|- bgcolor="#EFEFEF"

{| class="wikitable"
! Provinz
! Provinz
! Hauptstadt
! Autokennzeichen
! ISO
! Bevölkerung <small>(2007)</small>
! Gemeinden
! Fläche <small>(km²)</small>
! Dichte <small>(ab/km²)</small>
! Einwohnerzahl<br /><small>({{EWD|IT-52}})</small>
! Fläche (km²)
! Bevölkerungs-<br />dichte (Einw./km²)
|-
|-
| [[Südtirol|Autonome Provinz Bozen]]
| [[Südtirol|Autonome Provinz Bozen]]
| [[Bozen]]
| BZ
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|-
|-
| [[Autonome Provinz Trient]]
| [[Trentino|Autonome Provinz Trient]]
| [[Trient]]
| TN
| align="center" |507.030
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|-
|-
| Trentino-Südtirol
! style="text-align:left;"| Trentino-Südtirol
! style="text-align:left;"| Trient
|
| align="center" |999.706
! style="text-align:center;"| IT-32
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! style="text-align:right;"| {{EWZ|IT-32|IT-32}}
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! style="text-align:right;"| 13.606,87
! style="text-align:right;"| {{#expr:{{Metadaten Einwohnerzahl IT-32|IT-32}}/13607 round 0}}
|}
|}


== Geschichte ==
== Geschichte ==
Das vorwiegend von Italienern bewohnte Trentino war bis 1803 als [[Erzbistum Trient|Fürstbistum Trient]] ein formell eigenständiges, faktisch seit den im 14. Jahrhundert abgeschlossenen [[Trienter Kompaktaten]] ein von der [[Gefürstete Grafschaft Tirol|Grafschaft Tirol]] abhängiges Reichsfürstentum des [[Heiliges Römisches Reich|Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation]]; durch den [[Reichsdeputationshauptschluss]] wurde es 1804 auch de jure Teil der Gefürsteten Grafschaft Tirol im neu gegründeten [[Kaisertum Österreich]].
Trentino-Südtirol war bis zum [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] Teil der ''Gefürsteten Grafschaft [[Tirol]]''.


Im ausgehenden 19. Jahrhundert machten sich insbesondere in liberal-nationalen Kreisen des Trentino Stimmen für einen Anschluss des Trentino an das [[Königreich Italien (1861–1946)|Königreich Italien]] laut, die in der [[Irredenta]]-Bewegung ihre radikalste Ausdrucksform fand. Aber auch andere nicht radikalisierte bürgerliche Schichten des italienischsprachigen Teils drängten vor dem Ersten Weltkrieg auf einen autonomen Landesteil, der im Kampf um eine eigene italienischsprachige Hochschule in den sogenannten [[Fatti di Innsbruck]] ihren Höhenpunkt fand. Im Zuge des sich immer mehr zuspitzenden [[Nationalitätenkonflikt]]es in der [[Österreich-Ungarn|österreichisch-ungarischen]] Monarchie wurde das Trentino zum Schlachtfeld [[Pangermanismus|pangermanistischer]] und irredentischer Vereine, wie dem [[Deutscher Schulverein|Deutschen Schulverein]] oder der [[Società Dante Alighieri]].
Das vorwiegend von Italienern bewohnte Trentino war bis [[1803]] als [[Erzbistum Trient|Fürstbistum Trient]] ein formell eigenständiges, faktisch von [[Tirol]] abhängiges Reichsfürstentum des [[Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation|Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation]]; durch den [[Reichsdeputationshauptschluss]] wurde es Teil Tirols und [[1804]] gemeinsam mit diesem Teil des neu gegründeten [[Kaisertum Österreich|Kaisertums Österreich]].


Im [[Friedensvertrag von St. Germain]] 1919 wurde das Land Tirol zwischen Österreich und Italien geteilt. Die südlich des Brenners gelegenen Teile Tirols kamen dabei zu Italien und bildeten die neugeschaffene Region ''Venezia Tridentina''. Der Ortsname wurde in Anlehnung an die Nachbarregion ''Venezia Euganea'', das heutige Veneto ([[Venetien]]), und an die Region ''Venezia Giulia'' ([[Friaul-Julisch Venetien]]) vom italienischen Sprachwissenschaftler [[Graziadio Isaia Ascoli]] geprägt. Der damalige Name hat sich im Italienischen so stark eingebürgert, dass man heute noch von ''Triveneto'' oder ''Le Tre Venezie'' spricht , um die drei Regionen im Nordosten Italiens zu bezeichnen.
Einige Irredentisten forderten nicht nur, das Trentino dem Königreich Italien anzugliedern, sondern auch eine Verschiebung der italienischen Grenze bis zum [[Alpenhauptkamm]], wodurch auch das mehrheitlich deutschsprachige Gebiet des heutigen Südtirol annektiert werden sollte. Am vehementesten trat dabei [[Ettore Tolomei]] aus [[Rovereto]] auf, der diese vermeintlichen Ansprüche Italiens mit spektakulären Aktionen wie der angeblichen Erstbesteigung des [[Klockerkarkopf]]s, der Hissung der italienischen Flagge auf dessen Spitze und der Benennung dieses Berges im oberen [[Ahrntal]] als ''Vetta d’Italia'' („Spitze Italiens“) im Jahr 1904 zu untermauern versuchte. Tatsächlich machte sich Italien im während des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] ausgehandelten [[Londoner Vertrag (1915)|Londoner Geheimvertrag]] diese Forderungen zu eigen, woraufhin im [[Friedensvertrag von St. Germain]] 1919 das Land Tirol zwischen Österreich und Italien aufgeteilt wurde. Die südlich des [[Brennerpass|Brenners]] gelegenen Teile Tirols kamen dabei (mit der Ausnahme [[Osttirol]]s) zu Italien, wo sie zunächst gemeinsam als ''Venezia Tridentina'' verwaltet wurden. Dieser Name wurde in Anlehnung an die Nachbarregionen ''Venezia Euganea'' (Venetien und Friaul) und ''Venezia Giulia'' ([[Julisch Venetien]]) vom italienischen Sprachwissenschaftler [[Graziadio Isaia Ascoli]] geprägt. Er hat sich im Italienischen so stark eingebürgert, dass man bisweilen noch von ''Triveneto'' oder ''Le Tre Venezie'' spricht, um die drei Regionen im Nordosten Italiens zu bezeichnen. Auch innerhalb der katholischen Kirche hat sich der Begriff bewahrt: Die [[Kirchenregion Triveneto]] ist eine von 16 [[Kirchenregion]]en Italiens.


In der Ära des [[Italienischer Faschismus|Faschismus]] gab es intensive [[Italianisierung]]sbemühungen in Südtirol:
Die Forderung nach einer Verschiebung der italienischen Grenze bis zum Alpenkamm war vor dem Ersten Weltkrieg ein Hauptanliegen der als [[Irredenta|Irredentisten]] bezeichneten italienischen Nationalisten gewesen. Am vehementesten trat dabei [[Ettore Tolomei]] aus [[Rovereto]] auf, der die Ansprüche Italiens mit spektakulären Aktionen wie der angeblichen Erstbesteigung des [[Klockerkarkopf|Klockerkarkopfs]], der Hissung der italienischen Flagge auf dessen Spitze und der Benennung dieses Berges im oberen Ahrntal am nördlichsten Punkt Südtirols zur "Vetta d'Italia" ("Spitze Italiens") im Jahr 1904 zu untermauern versuchte.
* Der Gebrauch der deutschen Sprache wurde vollständig verboten: in der Schule, in den Medien, in der Verwaltung, vor Gericht. Die Ortsnamen wurden italianisiert, selbst Familiennamen und Vornamen wurden „übersetzt“.
Ab 1916 schlug Tolomei im [[Prontuario dei nomi locali dell'Alto Adige]] die systematische Umbenennung aller deutschen Orts-, Gewässer, Landschafts-, Berg- und Flurnamen in Südtirol vor. Als Vorbild dienten oft bekannte lateinische Ortsnamen aus der Römerzeit, viele Namen erfand er aber auch frei. Nach 1919 dienten die Vorschläge Tolomeis der italienischen Regierung als Vorlage für die Italienisierung Südtirols. Den Südtirolern gilt Tolomei noch heute als "Totengräber Südtirols". Gegenwärtig gelten amtlich nur die durch Tolomei geprägten italienischen Bezeichnungen: Diese werden jedoch von den (inoffiziellen) deutschen Ortsnamen ergänzt.
* Im Zuge einer massiven Industrialisierung wurden zahlreiche Arbeiter aus Süditalien, Venetien und dem Friaul angesiedelt. Bozen wurde eine mehrheitlich italienische Stadt.
In der Ära des [[Faschismus]] gab es intensive [[Italienisierung|Italienisierungsbemühungen]] in Südtirol:
* Der Gebrauch der deutschen Sprache wurde vollständig verboten: in der Schule, in den Medien, in der Verwaltung, vor Gericht. Die Ortsnamen wurden italienisiert, selbst Familiennamen und Vornamen wurden „übersetzt“.
* Im Zuge einer massiven Industrialisierung, wurden zahlreiche Arbeiter aus Süditalien, Venetien und dem Friaul angesiedelt. Bozen wurde eine mehrheitlich italienische Stadt.


1927 wurde die ''Venezia Tridentina'' in die mehrheitlich italienischsprachige Provinz Trient und die mehrheitlich deutschsprachige Provinz Bozen geteilt.
Das schon italienischsprachige Trentino wurde von den Faschisten weitgehend vernachlässigt.


[[1939]] kam es zu einem Aussiedelungsabkommen mit dem nationalsozialistischen Deutschen Reich für die deutschen und ladinischen Südtiroler und auch für die [[Zimbern]] von [[Lusern]] und die Bewohner des [[Fersental]]s (→[[Option in Südtirol|Option]]). Die meisten Optanten kehrten jedoch in ihre Heimat zurück oder verließen sie erst gar nicht.
1939 kam es zu dem als „[[Option in Südtirol|Option]]“ bezeichneten Aussiedelungsabkommen zwischen dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschen Reich. Die deutschsprachigen und ladinischsprachigen Südtiroler sowie die [[Zimbern]] von [[Lusern]] und die Bewohner des [[Fersental]]s wurden vor die Wahl gestellt, in ihrer von der Italianisierungskampagne geprägten Heimat zu bleiben oder ins Deutsche Reich zu emigrieren. Obwohl rund 85 % der Südtiroler die Emigration wählten, verließ die Mehrzahl der Betroffenen ihre Heimat nicht oder kehrte später zurück.


[[Datei:Haderburg, Treppe zum Eingang.jpg|mini|Die [[Haderburg]] bei [[Salurn]] markiert die Sprachgrenze zwischen den Landesteilen.]]
Nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurde der Verbleib Südtirols innerhalb des italienischen Staates von den Siegermächten nicht bestritten, man war sich aber bewusst, dass man die Rechte der deutschsprachigen Südtiroler auf jeden Fall schützen, und das faschistische Unrecht tilgen müsse. Also wurde zwischen dem italienischen Regierungschef De Gasperi und dem österreichischen Außenminister Gruber das Pariser Abkommen unterzeichnet, zum Schutze und zur Gleichberechtigung der deutschen Sprachgruppe.


Den Südtirolern blieb aber eine echte Selbstverwaltung verwehrt. Als 1948 das erste Autonomiestatut in Kraft trat, wurden weitgehende Autonomierechte nicht an Südtirol, sondern an die neugeschaffene Region ''Trentino-Tiroler Etschland'' gewährt. In der Region war die italienische Sprachgruppe (deutlich) in der Mehrzahl, alle wichtigen Entscheidungen in Trient gefasst.
Nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurde der Verbleib Südtirols innerhalb des italienischen Staates von den Siegermächten nicht bestritten. Um die Rechte der deutschsprachigen Südtiroler zu stärken, wurde stattdessen zwischen Italien und Österreich das [[Gruber-De-Gasperi-Abkommen]] ausgehandelt. Den Südtirolern blieb eine echte Selbstverwaltung jedoch zunächst verwehrt. Als 1948 das [[Autonomie Südtirols|Erste Autonomiestatut]] in Kraft trat, wurden die Autonomierechte nicht an die Provinz Bozen bzw. Südtirol, sondern an die neugeschaffene Region abgetreten, die den deutschen Namen ''Trentino-Tiroler Etschland'' erhielt. In der Region war die italienische Sprachgruppe deutlich in der Mehrzahl, alle wichtigen Entscheidungen wurden in Trient getroffen.


Hinzu kam, dass die Regierungen in Rom und Trient weiterhin bestrebt waren, Zuwanderer aus dem restlichen Italien in Südtirol anzusiedeln, im Zuge einer massiven Industrialisierung. Als [[1957]] beschlossen wurde, 5000 Wohnungen für italienische Zuwanderer zu errichten, versammelten sich daraufhin 35.000 Südtiroler zur bisher größten Kundgebung in der Geschichte Südtirols auf [[Schloss Sigmundskron]] und skandierten „Los von Trient“. Zwischen [[1956]] und [[1969]] kam es aus Frustration über die Südtirol-Politik Italiens zu einer Serie von Bombenattentaten, die vom [[Befreiungsausschuss Südtirol|BAS]] durchgeführt wurden.
Hinzu kam, dass die Regierungen in Rom und Trient weiterhin bestrebt waren, Zuwanderer aus dem restlichen Italien in Südtirol anzusiedeln. Als 1957 beschlossen wurde, 5000 Wohnungen für italienische Zuwanderer zu errichten, versammelten sich 35.000 Südtiroler bei der [[Großkundgebung von Schloss Sigmundskron]] und skandierten „Los von Trient“. Zwischen 1956 und 1969 kam es aus Frustration über die Südtirol-Politik Italiens zu einer Serie von Bombenattentaten, die vom [[Befreiungsausschuss Südtirol]] durchgeführt wurden.


Nach langen Verhandlungen, an denen [[Österreich]] als Schutzmacht maßgeblich beteiligt war, wurde das zweite Autonomiestatut verabschiedet, die Region (seitdem Trentino-Südtirol) wurde entmachtet und die Autonomie an die Länder Südtirol und Trentino weitergereicht.
Nach langen Verhandlungen, an denen [[Österreich]] als Schutzmacht maßgeblich beteiligt war, trat 1972 das [[Autonomie Südtirols|Zweite Autonomiestatut]] in Kraft, die seither als ''Trentino-Südtirol'' bezeichnete Region wurde weitgehend entmachtet und die Autonomie an die Provinzen Bozen und Trient bzw. an Südtirol und das Trentino weitergereicht. Die Rolle der Region wurde dermaßen geschwächt, dass ihre politischen Organe nur noch geringfügige Funktionen erfüllen.

Mit dem Verfassungsgesetz Nr. 2/2001 wurde dieser institutionelle Bedeutungswandel nachvollzogen, indem nun nicht mehr die Region in zwei Provinzen unterteilt ist, sondern gemäß Art. 116 Abs. 2 die Autonomen Provinzen Trient und Bozen die Region bilden. Mit demselben Gesetz wurde auch der amtliche Name im Verfassungstext von ''Trentino-Alto Adige'' in ''Trentino-AltoAdige/Südtirol'' geändert.


== Sprachen ==
== Sprachen ==
[[Datei:Language distribution in South Tyrol and Trentino.png|mini|Die Sprachgruppenmehrheiten in den Gemeinden der Region gemäß der Volkszählung 2011]]
Während in der [[Südtirol|Provinz Bozen-Südtirol]] von etwa zwei Dritteln der Bewohner [[Deutsche Sprache|deutsch]] gesprochen wird, wird in der [[Provinz Trient]] fast ausschließlich [[Italienische Sprache|italienisch]] gesprochen. Die Italiener sind in der Region daher in der Mehrheit.


Während in Südtirol etwa 70 Prozent der Bewohner [[Deutsche Sprache|Deutsch]] als Muttersprache haben, wird im [[Trentino]] fast ausschließlich [[Italienische Sprache|Italienisch]] gesprochen, wodurch die Italiener in der Region Trentino-Südtirol in der Mehrheit sind. Amtssprachen der Region sind laut Statut Italienisch und Deutsch. Dies betrifft jedoch nur die Ebene der Regionalbehörden, während auf Provinz- und Gemeindeebene im Trentino die deutsche Sprache keine Rolle spielt.
In einigen Tälern sowohl Südtirols ([[Gröden]], [[Gadertal]]), als auch des Trentino ([[Fassatal]]) wird [[Ladinische Sprache|ladinisch]] gesprochen, ein mit dem [[Rätoromanisch|Rätoromanischen]] in [[Graubünden]] und dem [[Furlanische Sprache|Furlanischen]] in [[Friaul]] verwandtes, eigenständiges Idiom. [[Lusern]] (ital.: Luserna) und das [[Fersental]] (ital.: Fersina), südlich bzw. nördlich des oberen [[Val Sugana]], sind deutsche Sprachinseln der [[Zimbern]] im Trentino, in denen ein sehr altertümliches bairisches Deutsch (zimbrisch) gesprochen wird.


Deutsche Mundarten, die dem [[Bairisch]]en zuzuordnen sind, werden nicht nur in Südtirol, sondern auch in den Trentiner Sprachinseln der [[Zimbern]] und [[Fersentalerisch|Fersentaler]] gesprochen. Während das [[Zimbrisch]]e noch von fast der gesamten Dorfbevölkerung in Luserna/[[Lusern]] gesprochen wird, ist es in [[Lavarone]]/Lafraun/Lavróu und [[Folgaria]]/Vielgereuth/Folgrait in der ersten Hälfte des 20.&nbsp;Jahrhunderts fast ausgestorben. Fersentalerisch wird in [[Fierozzo]]/Florutz/Vlarotz, [[Palù del Fersina]]/Palai im Fersental/Palae en Bersntol und [[Frassilongo]]/Gereut/Garait, einschließlich Roveda/Eichleit/Oachlait gesprochen. Sowohl Zimbern als auch Fersentaler sind anerkannte Minderheiten.
In der Region existieren daher drei Sprachgruppen, die italienische, die deutsche und die ladinische.
Die genaue Konsistenz ist auf regionaler Ebene ist nicht genau ermittelbar, denn nur in der Provinz Bozen gibt es eine Zugehörigkeitserklärung.


In einigen Tälern werden [[Rätoromanische Sprachen|rätoromanische Dialekte]] gesprochen. Im [[Fassatal]], in [[Gröden]] und im [[Gadertal]] ist die [[ladinische Sprache]] sogar als Verwaltungssprache anerkannt. Im [[Nonstal]] und im [[Val di Sole]] wird ein eigenständiges Idiom gesprochen, das Nones, das der Sprachforscher Graziadio Isaia Ascoli als rätoromanisch einstufte. Letzteres genießt aber keinerlei rechtliche Anerkennung.
{| class="wikitable"
! Sprache || prozentuale Konsistenz
|--
|Italienisch || ca. 65 %
|--
|Deustch || ca. 32 %
|--
|Ladinisch || ca. 3%
|}


In der Region existieren daher fünf Sprachgruppen, die italienische, die deutsche, die ladinische, die fersentalerische und die zimbrische.
Amtliche Sprachen der gesamten Region sind laut Statut Italienisch und Deutsch (letzteres de facto nur in Südtirol). Lokal wird auch Ladinisch als Amtssprache anerkannt.


== Autonomie und Politik ==
== Autonomie und Politik ==
=== Allgemeines ===
Die Region verfügt über ein [[Italienische Regionen|Sonderstatut]], das ihr eine weitgehende Autonomie in Gesetzgebung, Verwaltung (Schule, Gesundheitsdienst) und Finanzen zugesteht. Jedoch ist der Großteil dieser Kompetenzen der Region an die Provinzen übertragen worden, die deshalb als autonom gelten.
Die Region verfügt über ein [[Italienische Regionen|Sonderstatut]], das ihr eine weitgehende Autonomie in Gesetzgebung, Verwaltung (Schule, Gesundheitsdienst) und Finanzen zugesteht. Jedoch ist der Großteil dieser Kompetenzen der Region an die Provinzen übertragen worden.


Der Fortbestand der Region ist rechtlich und politisch gesichert: Einerseits ist die per Verfassungsgesetz und Staatsvertrag mit Österreich abgesegnete Satzung (Verfassung) der Region Grundlage der Südtiroler Autonomie. Darüber hinaus ist in der [[Politisches System Italiens|Verfassung Italiens]] verankert: ''Die Provinzen Trentino und Südtirol bilden die Region'' (Art.116, Abs.2).
Der Fortbestand der Region ist rechtlich und politisch gesichert: Einerseits ist die per Verfassungsgesetz und Staatsvertrag mit Österreich abgesegnete Satzung (Verfassung) der Region Grundlage der Südtiroler Autonomie. Darüber hinaus ist in der [[Politisches System Italiens|Verfassung Italiens]] verankert: ''Die Provinzen Trentino und Südtirol bilden die Region'' (Art. 116, Abs. 2).


De facto jedoch werden die zwei in der Region vereinten Provinzen als eigenständige Regionen betrachtet: So werden zum Beispiel in europäischen Statistiken die zwei Provinzen als einzelne Regionen aufgeführt.
De facto jedoch werden die zwei in der Region vereinten Provinzen als eigenständige Regionen betrachtet: So werden zum Beispiel in europäischen Statistiken die zwei Provinzen als einzelne Regionen aufgeführt.


Selbst die Rolle Trients als Hauptstadt ist eine bloße Formalität, die Hauptstadtfunktionen (Tagungsort des Regionalrates und Verwaltungssitz) teilt sich Trient mit [[Bozen]].
Selbst die Rolle Trients als Hauptstadt ist eine bloße Formalität, die Hauptstadtfunktionen (Tagungsort des Regionalrates und der Regionalregierung bzw. Verwaltungssitz) teilt sich Trient mit [[Bozen]].


Obwohl die Bedeutung der stark nachgelassen hat, verfügt sie über eine eigene politische Organisation und behält auch einige Kompetenzen: Anlegung und Führung der Grundbücher; Feuerwehrdienste; Ordnung der sanitären Körperschaften und der Krankenhauskörperschaften; Ordnung der Handelskammern; Ordnung der öffentlichen Fürsorge- und Wohlfahrtseinrichtungen; Ordnung der Körperschaften für Boden- und Agrarkredit, der Sparkassen und der Raiffeisenkassen sowie der Kreditanstalten regionalen Charakters.
Obwohl ihre Bedeutung stark nachgelassen hat, verfügt die Region über eine eigene politische Organisation und behält auch einige Kompetenzen: Ordnung der öffentlichen Fürsorge- und Wohlfahrtseinrichtungen; Ordnung der Körperschaften für Boden- und Agrarkredit, der Sparkassen und der Raiffeisenkassen sowie der Kreditanstalten regionalen Charakters. In anderen Bereichen hat die Region zwar nach wie vor die Befugnis, Gesetze zu erlassen, die Verwaltung ist aber per Regionalgesetz an die Länder Trentino und Südtirol übertragen worden: Anlegung und Führung der Grundbücher; Feuerwehrdienste; Ordnung der sanitären Körperschaften und der Krankenhauskörperschaften; Ordnung der Handelskammern. Siehe auch [[Autonomie Südtirols#Die Region Trentino-Südtirol|gesetzgeberische und finanzielle Autonomie der Region Trentino-Südtirol]].


Trentino-Südtirol ist zudem Teil der [[Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino]], die im Wesentlichen dem Gebiet des ehemaligen Kronlandes Tirol entspricht.
Siehe auch [[Südtirol-Paket#Die_Region_Trentino-S.C3.BCdtirol|finanzielle und gesetzgeberische Autonomie der Region Trentino-Südtirol]].


=== Wappen ===
{{siehe auch|Tiroler Wappen}}
Das Wappen zeigt im Silber [[Vierung (Heraldik)|gevierten]] [[Wappenschild]] den ''[[Wenzelsadler]]'' für Trentino im ersten und vierten [[Feld (Heraldik)|Feld]] und den roten goldbewehrten Tiroler [[Adler (Wappentier)|Adler]] in den anderen Feldern.


===Regionalrat===
=== Regionalrat ===
{{Hauptartikel|Regionalrat Trentino-Südtirol}}
Der Regionalrat, das gesetzgebende Organ der Region, besteht seit dem Verfassungsgesetz Nr. 2/2001 aus den Landtagsabgeordneten der Provinzen Bozen und Trient (je 35 Abgeordnete). Bis zu der Statutsänderung war das genau umgekehrt. Die regionale Legislaturperiode dauert 5 Jahre.
Der 70 Sitze umfassende Regionalrat ist das gesetzgebende Organ der Region und besteht aus den Abgeordneten des [[Südtiroler Landtag]]s und des [[Trentiner Landtag]]s (je 35 Abgeordnete). Die regionale Legislaturperiode dauert fünf Jahre.


Den Vorsitz führt ein für zweieinhalb Jahre gewählter Regionalratspräsident, den abwechselnd die deutsche und die italienische Sprachgruppe stellt. Alternativ kann seit Inkrafttreten des Verfassungsgesetzes Nr. 2/2001 auch ein Vertreter der ladinischen Sprachgruppe dieses Amt innehaben.
Das Amt des Regionalratspräsidenten und jenes des Vizepräsidenten oblagen bisher in der ersten Hälfte der Gesetzgebungsperiode einem Abgeordneten der italienischen bzw. deutschen Sprachgruppe, in der zweiten Hälfte einem Abgeordneten der deutschen bzw. italienischen Sprachgruppe. Durch das Verfassungsgesetz Nr. 2/2001 haben nun auch die Ladiner ein Recht auf Vertretung im Regionalratspräsidium.


===Regionalausschuss===
=== Regionalregierung ===
{{Hauptartikel|Regionalregierung Trentino-Südtirol}}
Die Regionalsregierung aus dem Präsidenten, zwei Vizepräsidenten und den Assessoren, die vom Regionalrat aus seiner Mitte gewählt werden, wobei die Sprachgruppenstärke beachtet werden muss.
Die Regionalregierung besteht aus dem Präsidenten, zwei Vizepräsidenten und den Assessoren, die vom Regionalrat aus seiner Mitte gewählt werden, wobei die zahlenmäßige Stärke der italienischen und deutschen Sprachgruppe unbedingt beachtet werden muss. Aufgrund der Reform des Autonomiestatuts im Jahr 2001 wird unabhängig vom Proporz den Ladinern in der Regionalregierung ein Sitz zugesichert.


Die Präsidentschaft der Region wird aufgrund einer politischen Vereinbarung seit 2004 von den Landeshauptleuten von Südtirol und dem Trentino jeweils für eine Hälfte der Legislaturperiode übernommen (Rotationsprinzip).
====Präsident====
Die Präsidentschaft der Region wird von den Landeshauptleuten von Südtirol und des Trentino jeweils für eine Hälfte der Legislaturperiode übernommen (Rotationsprinzip).
Luis Durnwalder bekleidete als erster Südtiroler das Amt der Regionalpräsidenten.


=== Italienische Parlamentswahlen ===
===== Präsidenten der Region Trentino-Südtirol seit 1948 =====
{{Hauptartikel|Wahlbezirk Trentino-Südtirol (Camera dei deputati)|Wahlbezirk Trentino-Südtirol (Senato della Repubblica)}}


== Wirtschaft ==
* 1948–1960: [[Tullio Odorizzi]] ([[Democrazia Cristiana|DC]])
[[Landwirtschaft]] wird vor allem in den Alpentälern betrieben. Im [[Vinschgau]] und [[Nonstal]] ist der Anbau von [[Kulturapfel|Äpfeln]] verbreitet. Die Region ist zudem ein bedeutendes Weinbaugebiet.
* 1961–1967: [[Luigi Dalvit]] ([[Democrazia Cristiana|DC]])
* 1967–1973: [[Giorgio Grigolli]] ([[Democrazia Cristiana|DC]])
* 1974–1976: [[Bruno Kessler]] ([[Democrazia Cristiana|DC]])
* 1976–1977: [[Flavio Mengoni]] ([[Democrazia Cristiana|DC]])
* 1977–1979: [[Spartaco Marziani]] ([[Democrazia Cristiana|DC]])
* 1979–1984: [[Enrico Pancheri]] ([[Democrazia Cristiana|DC]])
* 1984–1987: [[Pierluigi Angeli]] ([[Democrazia Cristiana|DC]])
* 1987–1992: [[Gianni Bazzanella]] ([[Democrazia Cristiana|DC]])
* 1992–1993: [[Tarcisio Andreolli]] ([[Democrazia Cristiana|DC]])
* 1993–1999: [[Tarcisio Grandi]] ([[Democrazia Cristiana|DC]]/[[Partito Popolare Italiano|PPI]])
* 1999–2002: [[Margherita Cogo]] ([[Democratici di Sinistra|DS]])
* 2002–2004: [[Carlo Andreotti]] ([[Partito Autonomista Trentino Tirolese|PATT]])
* 2004–2006: [[Luis Durnwalder]] ([[Südtiroler Volkspartei|SVP]])
* 2006–{{0}}{{0}}{{0}}{{0}}: [[Lorenzo Dellai]] ([[La Margherita|DL]])


Die Industriebetriebe sind insbesondere in der [[Holz]]- und [[Papierfabrik|Papierbranche]], im [[Baugewerbe]] und in der [[Metallverarbeitung]] tätig. Die Region ist italienweit führend im Bereich [[erneuerbare Energien]]: Die Beschaffenheit des Gebietes fördert die Produktion von Strom aus [[Wasserkraft]]. Auch [[Photovoltaik]]- und [[Solaranlage]]n werden in Trentino-Südtirol hergestellt und eingesetzt. Große Bedeutung besitzt zudem der [[Tourismus in Italien|Tourismus]]. Einer der wichtigsten Arbeitgeber ist die [[ITAS Versicherungsgruppe]].<ref>https://web.archive.org/web/20180211071656/https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/itas-schlaegt-den-markt-und-wird-zum-fuehrenden-unternehmen-im-trentino-suedtirol</ref>
====Vizepräsidenten====
Einer der beiden Vizepräsidenten muss der italienischen, der andere der deutschen Sprachgruppe angehören. Aufgrund der Reform des Autonomiestatuts im Jahr 2001 wird in Zukunft unabhängig vom Proporz den Ladinern in der Regionalregierung ein Sitz zugesichert.
Derzeitige Vizepräsidenten sind:
*[[Luis Durnwalder]] - ([[Südtiroler Volkspartei|SVP]], BZ)
*[[Luisa Gnecchi]] - ([[Pace e diritti insieme a sinistra - Frieden und Gerechtigkeit gemeinsam links]], BZ)


Trentino-Südtirol gehört zu den wohlhabendsten Regionen in Italien und in Europa (BIP pro Kopf über 30.000 €) und verzeichnet eine der niedrigsten Arbeitslosenzahlen italien- und europaweit (unter 3 %).
====Assessoren====
*Martha Stocker - (SVP, BZ)
*Luigi Chiocchetti - (Union Autonomista Ladina, TN)


{| class="wikitable"
== Wirtschaft ==
|-
Hauptwirtschaftszweige sind [[Landwirtschaft]] und [[Fremdenverkehr|Tourismus]], Industrie gibt es nur rund um die größeren Städte.
! || 2000 || 2001 || 2002 || 2003 || 2004 || 2005 || 2006 || 2007 || 2008 || 2009
|-
| align="left" |BIP <small>(Mio. EUR)</small><ref>[https://www.istat.it/dati/dataset/20091111_00/ISTAT: Regionale Tafeln 1995-2009], Tafel Nr. 1</ref>|| 25.356,7 || 25.953,9 || 26.702,1 || 27.647,2 || 28.976,4 || 29.670,0 || 30.954,0 || 32.435,7 || 33.670,9 || 33.436,4


|-
Die Region gehört zu den wohlhabendsten in Italien und in Europa (BIP pro Kopf über 30.000 €) und verzeichnet eine der niedrigsten Arbeitslosenzahlen italien- und europaweit (unter 3%).
| align="left" | BIP Pro Kopf <small>(EUR)</small><ref>[https://www.istat.it/dati/dataset/20091111_00/ISTAT: Regionale Tafeln 1995-2009], Tafel Nr. 5</ref>|| 26.801,4 || 27.669,4 || 28.238,3 || 28.904,5 || 29.915,7 || 30.278,6 || 31.266,7 || 32.403,3 || 33.238,8 ||32.633,6


|}
<div style="font-size:90%; border:0px; padding:0px; margin-left:1em; margin-right:0px;margin-bottom:0px; text-align:center">
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|-
! || [[2000]] || [[2001]] || [[2002]] || [[2003]] || [[2004]] || [[2005]] || [[2006]]
|-
| align=left |'''BIP (gesamt)'''<br>(Mio. Euro)|| 25.356,7 || 25.953,9 || 26.702,1 || 27.647,2 || 28.909,4 || 29.707,5 || 30.810,6
|-
| align=left | '''BIP (pro-Kopf)'''<br>(Euro) || 27.218,4 || 27.681,5 || 28.251,4 || 28.922,8 || 29.876,4 || 30.348,2 || 31.152,4
|-
|}</div>

Quelle: [http://www.istat.it/dati/dataset/20071004_00 ISTAT - Regionale Tafeln]


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
* [[Autonomie Südtirols]]

* [[Südtirol-Paket]]
* [[Geschichte Südtirols]]
* [[Geschichte Südtirols]]

* [[Italienische Regionen|Italienische Regionen]]
== Literatur ==
* [[Italienische Provinzen|Italienische Provinzen]]
* Giuseppe Ferrandi, [[Günther Pallaver]] (Hrsg.): ''Die Region Trentino-Südtirol im 20. Jahrhundert. 1: Politik und Institutionen''. Museo Storico del Trentino, Trient 2007, ISBN 978-88-7197-082-0.
* Andrea Leonardi (Hrsg.): ''Die Region Trentino-Südtirol im 20. Jahrhundert. 2: Wirtschaft: Die Wege der Entwicklung''. Museo Storico del Trentino, Trient 2009, ISBN 978-88-7197-122-3.
* Rodolfo Taiani, Michael Wedekind (Hrsg.): ''La regione Trentino-Alto Adige/Südtirol nel XX secolo. 3: L’oggetto popolazione''. Museo Storico del Trentino, Trient 2021, ISBN 978-88-7197-179-7.
* Quinto Antonelli, Josef Berghold, Giorgio Mezzalira, Cesare Poppi (Hrsg.): ''La regione Trentino-Alto Adige/Südtirol nel XX secolo. 4: Espressioni e forme di identità culturali''. Museo Storico del Trentino, Trient 2024, ISBN 978-88-7197-278-7.


== Weblinks ==
== Weblinks ==
{{Schwesterprojekte |commonscat=Trentino-South Tyrol |wikt=Trentino-Südtirol |voy=Trentino-Südtirol}}
* [https://www.regione.taa.it/ Autonome Region Trentino-Südtirol]
* [https://www.regionalrat.tnst.it/ Regionalrat Trentino-Südtirol]
{{Absatz}}


== Einzelnachweise ==
* [http://www.tiroul.info/ Südtiroler Orts- und Flurnamen]
<references />
* [http://www.roterhahn.it/ Südtiroler Bauernhöfe]


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[[sk:Tridentsko-Horná Adiža]]
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[[uk:Трентіно-Альто-Адідже]]
[[ur:ترینتینو جنوبی ٹائرول]]
[[vec:Trentin-Alto Àdexe]]
[[zh:特伦蒂诺-上阿迪杰]]

Aktuelle Version vom 16. Oktober 2025, 06:09 Uhr

Trentino-Südtirol
Flagge der Region Trentino-Südtirol
Flagge der Region Trentino-Südtirol

Wappen der Region Trentino-Südtirol
Wappen der Region Trentino-Südtirol
Karte Italiens, Trentino-Südtirol hervorgehobenAutonome Region SardinienAutonome Region SizilienKalabrienKampanienBasilikataMoliseApulienAbruzzenLatiumMarkenUmbrienToskanaLigurienAostatalPiemontLombardeiVenetienEmilia-RomagnaTrentino-SüdtirolFriaul-Julisch VenetienSan MarinoVatikanstadtAlgerienTunesienMaltaMontenegroBosnien und HerzegowinaKroatienSlowenienUngarnSchweizÖsterreichSchweizMonacoFrankreichFrankreichFrankreich
Karte Italiens, Trentino-Südtirol hervorgehoben
Basisdaten
Staat: Italien Italien
Hauptstadt Trient
Amtssprachen Italienisch, Deutsch;
Ladinisch, Fersentalerisch und Zimbrisch sind anerkannte Minderheitensprachen[1][2]
Provinzen 2
Fläche 13.606,87 km² (11.)
Einwohner 1.086.095 (31. Dez. 2024)[3]
Bevölkerungsdichte 79,8 Einwohner/km²
Website www.region.tnst.it
ISO-3166-2-Code IT-32
Präsident Arno Kompatscher (SVP)

Reliefkarte der Region Trentino-Südtirol

Politische Karte der Region Trentino-Südtirol

Trentino-Südtirol (bis 1972 Trentino-Tiroler Etschland), italienisch Trentino-Alto Adige, ladinisch Trentin-Südtirol, amtlich gemäß Verfassung der Italienischen Republik Trentino-Alto Adige/Südtirol, ist eine autonome Region im Norden Italiens. Der Großteil ihrer Kompetenzen ist seit den 1970er Jahren an die ebenfalls autonomen Provinzen Bozen – Südtirol und Trient übertragen worden.

Hauptstadt der Region ist laut Statut Trient, tatsächlich übernimmt auch Bozen Hauptstadtfunktionen.[4]

Trentino-Südtirol ist 13.607 km² groß und hat 1.086.095 Einwohner (Stand 31. Dezember 2024). Die Region grenzt an die österreichischen Bundesländer Tirol (Nord- und Osttirol) und Salzburg im Norden und Nordosten, an den Schweizer Kanton Graubünden im Nordwesten und an die italienischen Regionen Lombardei und Venetien im Westen bzw. Süden und Osten.

Die Landschaft ist stark durch die Alpen geprägt, besonders von den Dolomiten. Höchste Erhebung ist der Ortler mit 3905 Metern über dem Meeresspiegel.

Der Hauptfluss ist die Etsch, auf welche der italienische Name Südtirols (Alto Adige, also „Hochetsch“) zurückgeht. Zudem gehört der nördliche Teil des Gardasees, des größten Sees Italiens, zu Trentino-Südtirol.

Politisch gliedert sich die Region Trentino-Südtirol in die Provinzen Trient und Bozen – Südtirol. Es handelt sich bei ihnen um die einzigen autonomen italienischen Provinzen, die mit Gesetzgebungsbefugnissen ausgestattet und nicht der Region untergeordnet sind.[5] Ihrer autonomen Ausrichtung zufolge besitzen das Trentino und Südtirol de facto den Status einer Region mit jeweils einem Landtag und einem Präsidenten, der als Landeshauptmann (ital. Presidente della Provincia) bezeichnet wird.

Provinz Hauptstadt ISO Gemeinden Einwohnerzahl
(31. Dezember 2024)
Fläche (km²) Bevölkerungs-
dichte (Einw./km²)
Autonome Provinz Bozen Bozen IT-BZ 116 539.386 7.400,43 73
Autonome Provinz Trient Trient IT-TN 166 546.709 6.206,90 88
Trentino-Südtirol Trient IT-32 282 1.086.095 13.606,87 80

Das vorwiegend von Italienern bewohnte Trentino war bis 1803 als Fürstbistum Trient ein formell eigenständiges, faktisch seit den im 14. Jahrhundert abgeschlossenen Trienter Kompaktaten ein von der Grafschaft Tirol abhängiges Reichsfürstentum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation; durch den Reichsdeputationshauptschluss wurde es 1804 auch de jure Teil der Gefürsteten Grafschaft Tirol im neu gegründeten Kaisertum Österreich.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert machten sich insbesondere in liberal-nationalen Kreisen des Trentino Stimmen für einen Anschluss des Trentino an das Königreich Italien laut, die in der Irredenta-Bewegung ihre radikalste Ausdrucksform fand. Aber auch andere nicht radikalisierte bürgerliche Schichten des italienischsprachigen Teils drängten vor dem Ersten Weltkrieg auf einen autonomen Landesteil, der im Kampf um eine eigene italienischsprachige Hochschule in den sogenannten Fatti di Innsbruck ihren Höhenpunkt fand. Im Zuge des sich immer mehr zuspitzenden Nationalitätenkonfliktes in der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde das Trentino zum Schlachtfeld pangermanistischer und irredentischer Vereine, wie dem Deutschen Schulverein oder der Società Dante Alighieri.

Einige Irredentisten forderten nicht nur, das Trentino dem Königreich Italien anzugliedern, sondern auch eine Verschiebung der italienischen Grenze bis zum Alpenhauptkamm, wodurch auch das mehrheitlich deutschsprachige Gebiet des heutigen Südtirol annektiert werden sollte. Am vehementesten trat dabei Ettore Tolomei aus Rovereto auf, der diese vermeintlichen Ansprüche Italiens mit spektakulären Aktionen wie der angeblichen Erstbesteigung des Klockerkarkopfs, der Hissung der italienischen Flagge auf dessen Spitze und der Benennung dieses Berges im oberen Ahrntal als Vetta d’Italia („Spitze Italiens“) im Jahr 1904 zu untermauern versuchte. Tatsächlich machte sich Italien im während des Ersten Weltkriegs ausgehandelten Londoner Geheimvertrag diese Forderungen zu eigen, woraufhin im Friedensvertrag von St. Germain 1919 das Land Tirol zwischen Österreich und Italien aufgeteilt wurde. Die südlich des Brenners gelegenen Teile Tirols kamen dabei (mit der Ausnahme Osttirols) zu Italien, wo sie zunächst gemeinsam als Venezia Tridentina verwaltet wurden. Dieser Name wurde in Anlehnung an die Nachbarregionen Venezia Euganea (Venetien und Friaul) und Venezia Giulia (Julisch Venetien) vom italienischen Sprachwissenschaftler Graziadio Isaia Ascoli geprägt. Er hat sich im Italienischen so stark eingebürgert, dass man bisweilen noch von Triveneto oder Le Tre Venezie spricht, um die drei Regionen im Nordosten Italiens zu bezeichnen. Auch innerhalb der katholischen Kirche hat sich der Begriff bewahrt: Die Kirchenregion Triveneto ist eine von 16 Kirchenregionen Italiens.

In der Ära des Faschismus gab es intensive Italianisierungsbemühungen in Südtirol:

  • Der Gebrauch der deutschen Sprache wurde vollständig verboten: in der Schule, in den Medien, in der Verwaltung, vor Gericht. Die Ortsnamen wurden italianisiert, selbst Familiennamen und Vornamen wurden „übersetzt“.
  • Im Zuge einer massiven Industrialisierung wurden zahlreiche Arbeiter aus Süditalien, Venetien und dem Friaul angesiedelt. Bozen wurde eine mehrheitlich italienische Stadt.

1927 wurde die Venezia Tridentina in die mehrheitlich italienischsprachige Provinz Trient und die mehrheitlich deutschsprachige Provinz Bozen geteilt.

1939 kam es zu dem als „Option“ bezeichneten Aussiedelungsabkommen zwischen dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschen Reich. Die deutschsprachigen und ladinischsprachigen Südtiroler sowie die Zimbern von Lusern und die Bewohner des Fersentals wurden vor die Wahl gestellt, in ihrer von der Italianisierungskampagne geprägten Heimat zu bleiben oder ins Deutsche Reich zu emigrieren. Obwohl rund 85 % der Südtiroler die Emigration wählten, verließ die Mehrzahl der Betroffenen ihre Heimat nicht oder kehrte später zurück.

Die Haderburg bei Salurn markiert die Sprachgrenze zwischen den Landesteilen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verbleib Südtirols innerhalb des italienischen Staates von den Siegermächten nicht bestritten. Um die Rechte der deutschsprachigen Südtiroler zu stärken, wurde stattdessen zwischen Italien und Österreich das Gruber-De-Gasperi-Abkommen ausgehandelt. Den Südtirolern blieb eine echte Selbstverwaltung jedoch zunächst verwehrt. Als 1948 das Erste Autonomiestatut in Kraft trat, wurden die Autonomierechte nicht an die Provinz Bozen bzw. Südtirol, sondern an die neugeschaffene Region abgetreten, die den deutschen Namen Trentino-Tiroler Etschland erhielt. In der Region war die italienische Sprachgruppe deutlich in der Mehrzahl, alle wichtigen Entscheidungen wurden in Trient getroffen.

Hinzu kam, dass die Regierungen in Rom und Trient weiterhin bestrebt waren, Zuwanderer aus dem restlichen Italien in Südtirol anzusiedeln. Als 1957 beschlossen wurde, 5000 Wohnungen für italienische Zuwanderer zu errichten, versammelten sich 35.000 Südtiroler bei der Großkundgebung von Schloss Sigmundskron und skandierten „Los von Trient“. Zwischen 1956 und 1969 kam es aus Frustration über die Südtirol-Politik Italiens zu einer Serie von Bombenattentaten, die vom Befreiungsausschuss Südtirol durchgeführt wurden.

Nach langen Verhandlungen, an denen Österreich als Schutzmacht maßgeblich beteiligt war, trat 1972 das Zweite Autonomiestatut in Kraft, die seither als Trentino-Südtirol bezeichnete Region wurde weitgehend entmachtet und die Autonomie an die Provinzen Bozen und Trient bzw. an Südtirol und das Trentino weitergereicht. Die Rolle der Region wurde dermaßen geschwächt, dass ihre politischen Organe nur noch geringfügige Funktionen erfüllen.

Mit dem Verfassungsgesetz Nr. 2/2001 wurde dieser institutionelle Bedeutungswandel nachvollzogen, indem nun nicht mehr die Region in zwei Provinzen unterteilt ist, sondern gemäß Art. 116 Abs. 2 die Autonomen Provinzen Trient und Bozen die Region bilden. Mit demselben Gesetz wurde auch der amtliche Name im Verfassungstext von Trentino-Alto Adige in Trentino-AltoAdige/Südtirol geändert.

Die Sprachgruppenmehrheiten in den Gemeinden der Region gemäß der Volkszählung 2011

Während in Südtirol etwa 70 Prozent der Bewohner Deutsch als Muttersprache haben, wird im Trentino fast ausschließlich Italienisch gesprochen, wodurch die Italiener in der Region Trentino-Südtirol in der Mehrheit sind. Amtssprachen der Region sind laut Statut Italienisch und Deutsch. Dies betrifft jedoch nur die Ebene der Regionalbehörden, während auf Provinz- und Gemeindeebene im Trentino die deutsche Sprache keine Rolle spielt.

Deutsche Mundarten, die dem Bairischen zuzuordnen sind, werden nicht nur in Südtirol, sondern auch in den Trentiner Sprachinseln der Zimbern und Fersentaler gesprochen. Während das Zimbrische noch von fast der gesamten Dorfbevölkerung in Luserna/Lusern gesprochen wird, ist es in Lavarone/Lafraun/Lavróu und Folgaria/Vielgereuth/Folgrait in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fast ausgestorben. Fersentalerisch wird in Fierozzo/Florutz/Vlarotz, Palù del Fersina/Palai im Fersental/Palae en Bersntol und Frassilongo/Gereut/Garait, einschließlich Roveda/Eichleit/Oachlait gesprochen. Sowohl Zimbern als auch Fersentaler sind anerkannte Minderheiten.

In einigen Tälern werden rätoromanische Dialekte gesprochen. Im Fassatal, in Gröden und im Gadertal ist die ladinische Sprache sogar als Verwaltungssprache anerkannt. Im Nonstal und im Val di Sole wird ein eigenständiges Idiom gesprochen, das Nones, das der Sprachforscher Graziadio Isaia Ascoli als rätoromanisch einstufte. Letzteres genießt aber keinerlei rechtliche Anerkennung.

In der Region existieren daher fünf Sprachgruppen, die italienische, die deutsche, die ladinische, die fersentalerische und die zimbrische.

Autonomie und Politik

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Die Region verfügt über ein Sonderstatut, das ihr eine weitgehende Autonomie in Gesetzgebung, Verwaltung (Schule, Gesundheitsdienst) und Finanzen zugesteht. Jedoch ist der Großteil dieser Kompetenzen der Region an die Provinzen übertragen worden.

Der Fortbestand der Region ist rechtlich und politisch gesichert: Einerseits ist die per Verfassungsgesetz und Staatsvertrag mit Österreich abgesegnete Satzung (Verfassung) der Region Grundlage der Südtiroler Autonomie. Darüber hinaus ist in der Verfassung Italiens verankert: Die Provinzen Trentino und Südtirol bilden die Region (Art. 116, Abs. 2).

De facto jedoch werden die zwei in der Region vereinten Provinzen als eigenständige Regionen betrachtet: So werden zum Beispiel in europäischen Statistiken die zwei Provinzen als einzelne Regionen aufgeführt.

Selbst die Rolle Trients als Hauptstadt ist eine bloße Formalität, die Hauptstadtfunktionen (Tagungsort des Regionalrates und der Regionalregierung bzw. Verwaltungssitz) teilt sich Trient mit Bozen.

Obwohl ihre Bedeutung stark nachgelassen hat, verfügt die Region über eine eigene politische Organisation und behält auch einige Kompetenzen: Ordnung der öffentlichen Fürsorge- und Wohlfahrtseinrichtungen; Ordnung der Körperschaften für Boden- und Agrarkredit, der Sparkassen und der Raiffeisenkassen sowie der Kreditanstalten regionalen Charakters. In anderen Bereichen hat die Region zwar nach wie vor die Befugnis, Gesetze zu erlassen, die Verwaltung ist aber per Regionalgesetz an die Länder Trentino und Südtirol übertragen worden: Anlegung und Führung der Grundbücher; Feuerwehrdienste; Ordnung der sanitären Körperschaften und der Krankenhauskörperschaften; Ordnung der Handelskammern. Siehe auch gesetzgeberische und finanzielle Autonomie der Region Trentino-Südtirol.

Trentino-Südtirol ist zudem Teil der Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino, die im Wesentlichen dem Gebiet des ehemaligen Kronlandes Tirol entspricht.

Das Wappen zeigt im Silber gevierten Wappenschild den Wenzelsadler für Trentino im ersten und vierten Feld und den roten goldbewehrten Tiroler Adler in den anderen Feldern.

Der 70 Sitze umfassende Regionalrat ist das gesetzgebende Organ der Region und besteht aus den Abgeordneten des Südtiroler Landtags und des Trentiner Landtags (je 35 Abgeordnete). Die regionale Legislaturperiode dauert fünf Jahre.

Den Vorsitz führt ein für zweieinhalb Jahre gewählter Regionalratspräsident, den abwechselnd die deutsche und die italienische Sprachgruppe stellt. Alternativ kann seit Inkrafttreten des Verfassungsgesetzes Nr. 2/2001 auch ein Vertreter der ladinischen Sprachgruppe dieses Amt innehaben.

Regionalregierung

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Die Regionalregierung besteht aus dem Präsidenten, zwei Vizepräsidenten und den Assessoren, die vom Regionalrat aus seiner Mitte gewählt werden, wobei die zahlenmäßige Stärke der italienischen und deutschen Sprachgruppe unbedingt beachtet werden muss. Aufgrund der Reform des Autonomiestatuts im Jahr 2001 wird unabhängig vom Proporz den Ladinern in der Regionalregierung ein Sitz zugesichert.

Die Präsidentschaft der Region wird aufgrund einer politischen Vereinbarung seit 2004 von den Landeshauptleuten von Südtirol und dem Trentino jeweils für eine Hälfte der Legislaturperiode übernommen (Rotationsprinzip).

Italienische Parlamentswahlen

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Landwirtschaft wird vor allem in den Alpentälern betrieben. Im Vinschgau und Nonstal ist der Anbau von Äpfeln verbreitet. Die Region ist zudem ein bedeutendes Weinbaugebiet.

Die Industriebetriebe sind insbesondere in der Holz- und Papierbranche, im Baugewerbe und in der Metallverarbeitung tätig. Die Region ist italienweit führend im Bereich erneuerbare Energien: Die Beschaffenheit des Gebietes fördert die Produktion von Strom aus Wasserkraft. Auch Photovoltaik- und Solaranlagen werden in Trentino-Südtirol hergestellt und eingesetzt. Große Bedeutung besitzt zudem der Tourismus. Einer der wichtigsten Arbeitgeber ist die ITAS Versicherungsgruppe.[6]

Trentino-Südtirol gehört zu den wohlhabendsten Regionen in Italien und in Europa (BIP pro Kopf über 30.000 €) und verzeichnet eine der niedrigsten Arbeitslosenzahlen italien- und europaweit (unter 3 %).

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
BIP (Mio. EUR)[7] 25.356,7 25.953,9 26.702,1 27.647,2 28.976,4 29.670,0 30.954,0 32.435,7 33.670,9 33.436,4
BIP Pro Kopf (EUR)[8] 26.801,4 27.669,4 28.238,3 28.904,5 29.915,7 30.278,6 31.266,7 32.403,3 33.238,8 32.633,6
  • Giuseppe Ferrandi, Günther Pallaver (Hrsg.): Die Region Trentino-Südtirol im 20. Jahrhundert. 1: Politik und Institutionen. Museo Storico del Trentino, Trient 2007, ISBN 978-88-7197-082-0.
  • Andrea Leonardi (Hrsg.): Die Region Trentino-Südtirol im 20. Jahrhundert. 2: Wirtschaft: Die Wege der Entwicklung. Museo Storico del Trentino, Trient 2009, ISBN 978-88-7197-122-3.
  • Rodolfo Taiani, Michael Wedekind (Hrsg.): La regione Trentino-Alto Adige/Südtirol nel XX secolo. 3: L’oggetto popolazione. Museo Storico del Trentino, Trient 2021, ISBN 978-88-7197-179-7.
  • Quinto Antonelli, Josef Berghold, Giorgio Mezzalira, Cesare Poppi (Hrsg.): La regione Trentino-Alto Adige/Südtirol nel XX secolo. 4: Espressioni e forme di identità culturali. Museo Storico del Trentino, Trient 2024, ISBN 978-88-7197-278-7.
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Einzelnachweise

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  1. Der Gebrauch der einzelnen, in der Region verwendeten Sprachen (das sind Italienisch, Deutsch, Ladinisch, Fersentalerisch und Zimbrisch) sowie die Rechte der einzelnen Sprachgruppen (etwa bei der Besetzung staatlicher Stellen und parlamentarischer Ämter und Gremien) sind im Sonderstatut für die Region (Memento vom 26. November 2018 im Internet Archive) (PDF-Datei; 612 kB) unter anderem in den Artikeln 19, 30, 36, 48, 50, 58, 62, 89, 98 sowie im IX. und XI. Abschnitt geregelt. Gemäß Art. 99 ist die deutsche Sprache der italienischen gleichgestellt, wobei für Akte mit Gesetzeskraft die italienische Version maßgeblich ist.
    Ladinisch, Fersentalerisch und Zimbrisch sind gemäß dem Sonderstatut keine offiziellen Amtssprachen der Region Trentino-Südtirol. Jedoch wurden durch die 1988 erlassenen, 1996, 2001 und 2006 noch leicht veränderten Durchführungsbestimmungen zum Sonderstatut die Rechte der ladinischsprachigen Bevölkerung in Südtirol erheblich erweitert, so dass auf der Ebene der Gemeindebehörden das Ladinische in den betreffenden Ortschaften alle Merkmale einer Amtssprache besitzt.
    Die Behörden der Provinz Bozen müssen ihre Rechtsvorschriften und Rundschreiben auch auf Ladinisch (also in insgesamt drei Sprachen) veröffentlichen, soweit sie für die ladinischsprachige Bevölkerung von Interesse sind. Ebenso haben die ladinischsprachigen Bürger das Recht, gegenüber denjenigen Behörden der Provinz, die überwiegend für die ladinischsprachige Bevölkerung zuständig oder in den betreffenden Ortschaften ansässig sind, schriftlich und mündlich ihre eigene Sprache zu verwenden. Die Behörde muss dann mündlich auf Ladinisch oder schriftlich in allen drei Verkehrssprachen antworten.
  2. Durchführungsbestimmungen zum Sonderstatut (Dekret des Präsidenten der Republik Italien vom 15. Juli 1988, Nr. 574) (Memento vom 31. Januar 2012 im Internet Archive), VI. Kapitel. Das Dokument enthält bereits die erwähnten, bis 2006 erlassenen Veränderungen.
  3. Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2024. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2024).
  4. Sonderstatut für Trentino-Südtirol (Memento vom 26. November 2018 im Internet Archive) (PDF-Datei; 612 kB), Artikel 27
  5. Verfassung der Republik Italien (Memento des Originals vom 3. Februar 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.regione.taa.it (PDF-Datei; 429 kB), Artikel 116 und 117
  6. https://web.archive.org/web/20180211071656/https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/itas-schlaegt-den-markt-und-wird-zum-fuehrenden-unternehmen-im-trentino-suedtirol
  7. Regionale Tafeln 1995-2009, Tafel Nr. 1
  8. Regionale Tafeln 1995-2009, Tafel Nr. 5

Koordinaten: 46° 23′ N, 11° 25′ O