Zum Inhalt springen

Kybele- und Attiskult und Luís da Cunha: Unterschied zwischen den Seiten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Unterschied zwischen Seiten)
Inhalt gelöscht Inhalt hinzugefügt
Euphoriceyes (Diskussion | Beiträge)
K Änderungen von 85.178.18.139 (Diskussion) rückgängig gemacht und letzte Version von 212.144.67.212 wiederhergestellt
 
MAY (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
Zeile 1: Zeile 1:
'''Luís da Cunha''' (* [[25. Januar]] [[1662]] in [[Lissabon]]; † [[9. Oktober]] [[1749]] in [[Paris]]) war ein [[Portugal|portugiesischer]] [[Diplomat]] unter König [[Johann V. (Portugal)|Johann V.]]
{{Dieser Artikel|behandelt die griechische Göttin Kybele. Für den nach ihr benannten Asteroiden siehe [[Cybele (Asteroid)]].}}


== Leben ==
[[Bild:Cybele Getty Villa 57.AA.19.jpg|thumb|250px|Kybele, römisch, um 50 n. Chr., [[J. Paul Getty Museum]], [[Malibu]]]]
Luís da Cunha wurde 1662, als Sohn des Kolonialverwalters [[Antônio Álvares da Cunha]] in [[Lissabon]] geboren und studierte an der [[Universität Coimbra]] kanonisches Recht. 1696 begann seine [[Diplomat|diplomatische]] Laufbahn als portugiesischer [[Botschafter]] in [[London]], ab 1712 bevollmächtigter Minister bei der Schließung des [[Friede von Utrecht|Friedens von Utrecht]] und später portugiesischer Botschafter in [[Madrid]]. Bis zu seinem Tod 1749 verkehrte D. Luís da Cunha am französischen Hof als portugiesischer Minister.


== Leistungen ==
'''Kybele''' ([[Griechische Sprache|griech.]] Κυβέλη, die Große Göttermutter vom Berg [[Psiloritis|Ida]]; [[Latein|lat.]] ''Magna Mater Deum Idae'', kurz ''Magna Mater'') ist eine Göttin, die zusammen mit ihrem Geliebten '''Attis''' ursprünglich in [[Phrygien]] ([[Kleinasien]]) und später in [[Griechenland]] und [[Rom]] verehrt wurde. Der Kybele- und Attiskult war bis in die [[Spätantike]] – ähnlich wie der [[Mithraismus|Mithraskult]] – ein im ganzen römischen Reich verbreiteter Mysterienkult.
Durch seine 40 jährige Abwesenheit aus Portugal, hatte sich D. Luís da Cunha eine [[etisch|etische]] Sichtweise auf sein Heimatland erworben, die er zur Analyse und Kritik von Staat, Wirtschaft und Kultur nutze. Er gilt als einer der großen Diagnostiker der Probleme des Landes im 18.Jahrhundert. In seinem bedeutendsten Werk ''Testamento Político (1747)'' teilt er dem Thronfolger [[Joseph I. (Portugal)|Joseph I von Portugal]] seine Bedenken mit. Er bemängelt vor allem die Intoleranz der Kirche gegenüber den portugiesischen [[Juden]] und Neu-Christen und den witschaftlichen Verlust, den das Land durch ihre [[Auswanderung|Abwanderung]] erlitt.
Einen weiteren Mangel sah er in der Rolle der Kirche als Landbesitzer. Rund ein Drittel des portugiesischen Bodens gehörten der Kirche, die keine Steuerabgaben an den Staat zahlen musste und das Land oft nur unzureichend bestellte. Auch das Rechtssystem arbeitete in seinen Augen nicht schnell und effizient genug und verhinderte damit die Entwicklung Portugals im Vergleich mit den anderen europäischen Ländern.


== Der Mythos ==
== Werke ==
* ''Carta Escrita de Paris ou Insrução ao Serenissimo Principe D. José para quando Subisse ao Trono'' 1747, üblicherweise zitiert als ''Testamento Político''.
Nach dem von [[Pausanias]] und [[Arnobius]] überlieferten Mythos schlief Zeus einmal auf dem Berg Agdos in Phrygien ein und ließ dabei seinen Samen zu Boden fallen. An dieser Stelle wuchs sofort der zwitterhafte [[Agdistis]] aus dem Felsen empor. Er hatte ein furchterregendes Wesen und wurde deshalb von den übrigen Göttern kastriert. Der so von seiner Männlichkeit befreite Agdistis wurde zur Großen Mutter Kybele, aus den abgetrennten Genitalien aber entstand [[Attis]]. Da Kybele und Attis ursprünglich eine Person waren, zogen sie sich gegenseitig an.

Eine Zeit lang streifen beide glücklich durch die phrygischen Berge, doch dann beschließt Attis, die Tochter des Königs von [[Pessinus]] zu heiraten. Die Hochzeit ist schon in vollem Gange, da erscheint die vor Eifersucht rasende Kybele am Hof und schlägt die Hochzeitsgesellschaft mit Wahnsinn. Auch Attis verliert den Verstand. Er rennt hinaus in den Wald und entmannt sich unter einer Pinie, wodurch er verblutet. Kybele bittet [[Zeus]], den Jüngling wieder zum Leben zu erwecken. Doch der gewährt nur, dass der Leichnam des Attis nie verwesen sollte. Kybele bestattet Attis in einer Berghöhle in oder bei Pessinus, setzt eine aus [[Eunuch]]en bestehende Priesterschaft ein und stiftet einen Kult der Beweinung mit einem jährlichen großen Fest.<ref> Pausanias, Beschreibung von Griechenland VII/19, 9–12; Arnobius, Adversus nationes V, 5–7</ref>

== Deutung ==
Der ganze Mythos dreht sich offenbar um den Geschlechterdualismus. Der Mythos erklärt die Entstehung der Welt durch ein Zusammenwirken des männlichen und des weiblichen Elements des Universums: Der himmlische Attis muss die Mutter Erde Kybele mit seinem Blut befruchten, damit die Welt entstehen kann. Der Religionshistoriker Carsten Colpe bestreitet auch die üblicherweise angenommene Eigenschaft von Adonis, Attis und Osiris als Fruchtbarkeitsgott und sieht einen Zusammenhang mit den beiden Geschlechtern.<ref> Carsten Colpe, Zur mythologischen Struktur der Adonis-, Attis- und Osiris-Überlieferung, Festschrift für W. v. Soden, 1968 </ref> Auch so kann allerdings der Mysteriengott zwar nicht als ein "Vegetationsgott", aber doch als ein "Fruchtbarkeitsgott" im fundamentalsten Sinn verstanden werden.

== Der Kult ==
=== Die Überführung ===
In der Zeit des [[Zweiter Punischer Krieg|Zweiten Punischen Krieges]] (218–201 v. Chr.) fanden die Römer in den [[Sibyllinische Bücher|Sibyllinischen Büchern]] den Schicksalsspruch: ''Dir fehlt die Mutter; drum such – ich befehl es dir, Römer – die Mutter ''<ref> Ovid, Festkalender IV,258 </ref> … Erst nach einer Auskunft durch das [[Orakel von Delphi|delphische Orakel]] verstanden die Römer, dass die ''Göttermutter auf den idäischen Höhen'' Phrygiens gemeint war. Im Jahr 205 v. Chr. wurde sie in Gestalt eines faustgroßen Meteoriten feierlich von Pessinus nach Rom geholt, in eine schwarzgesichtige Silberstatue eingearbeitet und im Jahr 191 v. Chr. in einem eigenen Tempel auf dem [[Palatin (Rom)|Palatin]] installiert. Da die Göttin den Römern zum Sieg über [[Hannibal]] verhalf, wurde sie zu einem wichtigen Bestandteil des Staatskultes. Es wurden ihr jährliche Spiele, die ludi Megalenses (4.–10. April) geweiht, und der [[Prätor]] brachte ihr ein jährliches Opfer von Staats wegen dar.<ref> [[Hans Kloft]], Mysterienkulte der Antike, München 2003, S. 59 </ref>

=== Das Märzfest ===
Der Kult scheint in den nächsten 500 Jahren einen kontinuierlichen Aufschwung genommen zu haben. Weitaus wichtiger als die von Anfang an gefeierten ludi Megalenses war das später eingeführte Märzfest in der Zeit vom 22. bis zum 27. März, zum Frühlingsanfang. Der Christ [[Arnobius]] gibt schon einen Überblick über die Festbräuche, wenn er die Römer höhnisch fragt: ''Was bedeutet z.B. die Pinie, die ihr immer an vorgesehenen Tagen ins Heiligtum der Göttermutter tragt? Ist sie nicht ein Symbol des Baumes, unter dem der wahnsinnige und unglückliche Jüngling Hand an sich legte, und den die Mutter der Götter heiligte als Trost in ihrem Kummer? …Was bedeuten die Galli mit ihrem aufgelösten Haar, die sich mit den Händen an die Brust schlagen? … Warum, kurzum, wird die Pinie, die noch kurz zuvor im Wald rauschte …, gleich darauf als eine hochheilige Gottheit im Wohnsitz der Göttermutter aufgestellt?<ref> Arnobius, a.a.O. </ref>

[[Hugo Hepding]] hat das Märzfest aus zahlreichen Quellen rekonstruiert. Es begann damit, dass – wie Arnobius erwähnt – am 22. März, also pünktlich zum Frühlingsanfang, eine frisch gefällte Pinie durch die Stadt in den Tempel der Großen Mutter auf dem Palatin getragen wurde. Die Pinie, unter der Attis gestorben war, galt als eine Verkörperung des Attis, das Fällen der Pinie galt daher als ein Bild des Todes des Attis und der Umzug mit der Pinie als eine – zweifellos von Klagen begleitete – Leichenfeier. Aber erst am 24. März erreichten die Klagen ihren Höhepunkt (zum Phänomen des Beweinungskultes allgemein siehe [[Isis- und Osiriskult]]). Jetzt hatten auch die von Arnobius erwähnten [[Galloi|Galli]], die [[Eunuch]]enpriester der Großen Mutter, ihren Auftritt. Hugo Hepding schreibt:

''Die Gallen versetzten sich durch das Getöse der Tympana, der Zimbeln und Klappern, durch den Ton der phrygischen Hörner und die enthusiastischen Weisen der Flöten, durch ihr Klagegeheul und den mit besinnungslosem Umherschwingen ihres aufgelösten Haares verbundenen Tanz in eine heilige Raserei. Mit scharfen Astragalenpeitschen zerfleischen sie sich selbst den Körper, und mit Messern ritzen sie sich selbst Schulter und Arme, um ihr eigenes Blut als Opfer darzubringen.'' Hugo Hepding vermutet auch, dass es bei dieser Gelegenheit zur ''Aufnahme neuer Gallen ins Kultpersonal der Großen Mutter'' kam, indem sich gesunde junge Männer nach dem Vorbild des Attis entmannten. ''In orgiastischem Taumel, hingerissen vom Klang der Flöten, verstümmelten sie sich freiwillig, ohne Schmerzen zu empfinden''.<ref> Hugo Hepding, Attis -Seine Mythen und sein Kult, Gießen 1903, S. 158 </ref>

Von einer Auferstehung des Attis ist, wie gesagt, nicht die Rede. Aber auf den ''Tag des Blutes'' (dies sanguinis) am 24. März folgen doch die ''Freudentage'' (hilaria) vom 25. bis wahrscheinlich zum 27. März. Das große Märzfest endete mit dem Bad (lavatio) der Großen Mutter am 27. März. Am Morgen dieses Tages wurde das silberne Kultbild der Großen Mutter auf einem mit Kühen bespannten Wagen von dem palatinischen Heiligtum zu dem kleinen Bach [[Almo]] gefahren. ''Dort wusch ein alter Priester im Purpurgewand mit des Almos / Wasser die Herrin sowie all ihr sakrales Gerät. / Laut heult die Jüngerschar auf, es ertönt eine rasende Flöte …''.<ref> Ovid, Festkalender IV, 338 </ref> Auf dem Heimweg ''sitzt (die Göttin) auf dem Wagen und zieht durch die [[Porta Capena]], /und die Rinder im Joch werden mit Blumen bestreut''. Der Sinn dieser weit verbreiteten lavatio – auch in [[Athen]] wurde [[Athene]] im Meer und in Germanien die Mutter Erde [[Nerthus]] in einem See gebadet – ist rätselhaft.

=== Die Initiation ===
Alle diese – meist mit aufsehenerregenden Umzügen durch die Stadt verbundenen – Riten waren öffentlich. Es gab aber darüber hinaus zweifellos noch geheime Mythen und Initiationsriten. Auf einen Geheimkult deutet ein vom Christen [[Clemens von Alexandrien]] überliefertes Glaubensbekenntnis: ''Aus dem Tympanum aß ich, / aus der Zimbel trank ich, / den Kernos trug ich umher, /ich stieg ins Brautgemach (pastas) hinab''.<ref> Clemens von Alexandrien, Protreptikos 15,1</ref> Firmicius Maternus, ebenfalls ein Christ, ergänzt diese Formel noch mit dem Satz: ''Ich wurde ein Myste des Attis''.<ref> Firmicius Maternus, Über den Irrtum heidnischer Religion 18,1</ref>
Das Bekenntnis unterstreicht die Bedeutung, die bestimmte phrygische Musikinstrumente im Kybele- und Attiskult hatten. Bildwerke zeigen, dass die Pinie des Attis wie ein Weihnachtsbaum mit den phrygischen Musikinstrumenten geschmückt wurde. Ob wirklich aus diesen Instrumenten ''gegessen und getrunken'' wurde, ist fraglich. Vielleicht ist nur das Hören bestimmter Weisen, vielleicht sind bestimmte heilige Speisen gemeint. Der ''umhergetragene Kernos'' ist ein Behälter, der wahrscheinlich die Hoden eines geopferten Stieres enthielt – ein Beweis, dass das Prinzip des Männlichen dem Kybele- und Attiskult nicht weniger heilig war als anderen Mysterienkulten.

Unklar ist auch, was mit dem ''Abstieg ins Brautgemach'' (pastas) gemeint ist. Das könnte eine Anspielung auf eine Heilige Hochzeit sein, wie sie nachweislich zum [[Isis- und Osiriskult]] und zum [[Mithras]]kult gehörte (s. [[Initiation]], Mysterieninitiation). Da aber pastas auch ''Grab'' bedeutet, so könnte darin auch eine Anspielung auf die ''Taufgrube'' liegen, in der die ''Bluttaufe'' durch das [[Taurobolium]] stattfand.

Kaiser Julian kennt im Unterschied zu den allgemein bekannten Riten des Kultes der Großen Mutter auch ''Feiern gemäss dem mystischen und geheimen Gesetz''.<ref> Julian, Oratio V, 169A </ref>

=== Das Taurobolium ===
In den Darstellungen des Kybele- und Attiskultes nimmt das Taurobolium breiten Raum ein, die Bedeutung dieses Ritus ist aber sehr unklar. Der christliche Schriftsteller [[Prudentius]] (4. Jahrhundert) gibt eine polemische Beschreibung des Ritus: Ein Stier wird auf einer Art Gitter über einer Grube geschlachtet. Der Täufling befindet sich in der Grube unter dem Gitter und wird mit dem Blut des sterbenden Stieres berieselt.<ref> Prudentius, Peristephanon X,1006</ref> Sie ist entweder frei erfunden oder bewusst verfälscht, in Wirklichkeit wurde das Taurobolium ähnlich wie ein römisches Tieropfer praktiziert. Zum Taurobolium gehörte offenbar stets die Stiftung eines Altares mit Angabe des Namens des Tauroboliatus und des Zeitpunktes des Tauroboliums. Es waren stets Priester und angesehene Personen des öffentlichen Lebens, die diese Religionshandlung pflegten. Im Rom des späten 4. Jahrhunderts vereinigten sie meistens Priesterämter der verschiedensten Mysterienkulte in einer Hand, da die heidnischen Kulte zunehmend behindert wurden. Hugo Hepding bringt unter anderem das Beispiel eines Tauroboliatus, der ein Priester nicht nur der Großen Mutter und des Attis, sondern zugleich auch Priester des unbesiegbaren Sonnengottes [[Mithras]], des [[Liber Pater]], der [[Hekate]] und der [[Isis (Ägyptische Mythologie)|Isis]] ist.<ref> Hugo Hepding a.a.O. S. 88</ref> Der früheste bekannte Taurobolium-Altar stammt aus dem Jahr 160 n. Chr. aus Lyon. Er erinnert an das Taurobolium im Vatikanischen (!) Phrygianumn in [[Lyon]], sehr wahrscheinlich zur Einführung eines Archigallus.<ref> Robert Turcan, The Cults of the Roman Empire, Blackwell 1996 </ref>
Ein römischer Altar aus dem Jahr 376 n. Chr. preist den Tauroboliatus als ''in aeternum renatus'', also etwa als ''wiedergeboren in Ewigkeit''. Diese Inschrift ist der einzige sichere Hinweis auf einen Wiedergeburtsritus im Kybele- und Attiskult.

Interessant ist der Zusammenhang des frühesten bekannten Taurobolium-Altares mit dem ''Vatikanischen Phrygianum'' in Lyon. In Rom entstand im Laufe der Zeit neben den Heiligtum der Kybele auf dem Palatin das sog. [[Phrygianum]] auf dem [[Vatikanischer Hügel|Vatikanischen Hügel]]. Es scheint sich direkt unter dem jetzigen [[Petersdom]] befunden zu haben, denn bei dem Umbau des Domes im Jahr 1608 oder 1609 wurden eine Reihe schön gearbeiteter und reich beschrifteter Taurobolium-Altäre ausgegraben.<ref> James Frazer, Adonis Attis Osiris Bd. 1, S. 275 </ref> Sie sind jetzt im [[Vatikanisches Museum|Vatikanischen Museum]] zu besichtigen. Es hat den Anschein, dass nach dem Vorbild Roms zu jeder Gemeinde des Kybele- und Attiskultes auch außerhalb Roms ein eigener „[[Vatikanischer Hügel|mons Vaticanus]]“ gehörte, denn ein solcher ist außer in Lyon auch in [[Mainz]] nachweisbar.

=== Germanien ===
Die Zentren des Kultes im römischen Deutschland waren [[Mainz]], [[Trier]] und [[Köln]]. Getragen wurde der Kult nicht wie im Fall des Mithraskultes von römischen Legionären, sondern von der einheimischen Zivilbevölkerung, also von Kelten und Germanen.<ref> Elmar Schwertheim, Die Denkmäler orientalischer Gottheiten im römischen Deutschland 1974, S. 291 ff. </ref> Vermutlich war hier der angestammte [[Matronen]]kult der Ausbreitung des Kultes der Großen Mutter förderlich.

Aus Mainz-Kastel stammt die viel besprochene Inschrift aus dem Jahr 236 n. Chr., wonach die Hastiferi (Speerträger, eine Kultgenossenschaft) der Stadt der [[Mattiaker]] ''den aus Altersschwäche zusammengebrochenen mons Vaticanus zu Ehren der Göttin Bellona'' (wahrscheinlich identisch mit Kybele) ''wiederherstellten''.<ref> deae Virtuti Bellon(a)e montem Vaticanum vetustate conlabsum restituerant hastiferi civitatis Mattiacorum, Hugo Hepding, a.a.O, S. 169. Die ''[[Civitas Mattiacorum]]'' ist sonst als ''castellum Mattiacorum'' bekannt (s. [[Mainz-Kastel]]) </ref> Das wirft die Frage auf, wie ein Berg oder Hügel ''aus Altersschwäche zusammenbrechen'' kann. Die einzig mögliche Antwort scheint zu sein, dass es sich bei dem ''mons Vaticanus'' um ein Grottenheiligtum gehandelt haben muss. Das kann ''zusammenbrechen'', und das kann auch ''wiederhergestellt'' werden. Die genaue Lage dieses Heiligtums ist unbekannt. Dagegen wurde ein anderes Heiligtum in der Innenstadt von Mainz entdeckt, das der Isis Panthea Regina und der Mater Magna gemeinsam geweiht war (''siehe:'' [[Heiligtum der Isis und Mater Magna (Mainz)]]).

== Beziehungen zu anderen Kulten ==
In römischen Inschriften wird Attis häufig als ''Attis Menotyrannus (einmal Minoturanos)'' bezeichnet. Die Bedeutung dieses Beinamens ist ungeklärt. Möglicherweise klingt hier der Name der etruskischen Göttin [[Turan (Gottheit)|Turan]], der ''großen Mutter des altmediterranen Bereichs'', <ref> A. Pfiffig, Die etruskische Religion 1998, S. 263 </ref> an. Ihr typischer Begleiter hieß Atunis (Adonis).

In seinem Drama „Die Bakchen“ betrachtet [[Euripides]] [[Dionysos]] als Begleiter der Kybele und somit Dionysos und Attis als vollkommen identisch (s. [[Dionysoskult]]). Das ist nur erklärlich, wenn man beide als so etwas wie den Ursamen der Welt versteht, der die Welt hervorgebracht hat und von innen her beseelt.

Der Kybele- und Attiskult steht dem [[Mithraskult]] schon durch die gemeinsame Tracht von Attis und Mithras nahe. Beide tragen dieselbe [[Phrygische Mütze]] und dieselben exotischen Beinkleider. In [[Ostia Antica|Ostia]] lag ein [[Metroon]] der Großen Mutter Wand an Wand mit einem [[Mithräum]]. Da es zur Eigenart des Mithraskultes gehört, Götterbilder anderer Kulte gewissermaßen zu zitieren, so ist es nicht verwunderlich, dass der aus dem Felsen geborene [[Agdistis]] des Kybele- und Attismythos regelmäßig in den Mithrasgrotten abgebildet wird. Er gilt offensichtlich wie der [[Orphiker|orphische]] [[Phanes (Mythologie)|Phanes]] (s. [[Weltenei]]) als eine Erscheinungsform von Mithras. Es sind offenbar alles Bilder des Himmel und Erde umfassenden Allgottes.

Am erstaunlichsten ist jedoch die Übereinstimmung der Großen Mutter Kybele mit der großen Mutter des indischen [[Tantrismus]], [[Kali (Göttin)|Kali]]/[[Durga]]/[[Ganga]]. Wie Kybele zum mythischen – mal hier und mal da lokalisierten – Berg [[Ida]], so gehört Kali zum mythischen Berg [[Meru (Mythologie)|Meru]]. Beide werden vom Löwen begleitet, dem zerreißenden und verschlingenden Tier. Vor allem aber gehört zu beiden ein toter Geliebter. Wie Kybele ewig am Grab des Attis trauert, so steht Kali in allen ihren Tempeln über dem Leichnam ihres Geliebten, des Himmels- und Sonnengottes [[Shiva]]. Beide sind auch am Tod ihres Geliebten selber schuld. Denn Kybele hat zumindest Attis in den Selbstmord getrieben, und Kali hat nach einer esoterischen Lehre Shiva sogar zerrissen und verschlungen.<ref> The Gospel of Sri [[Ramakrishna]], New York 1942, S. 291 </ref> Aber auch Kybele scheint solch einen sehr dunklen und sehr esoterischen Aspekt zu haben, denn Nikandros berichtet im 4. Jahrhundert v. Chr. in seiner medizinischen Schrift "Alexipharmakon" beiläufig, dass an einem bestimmten Tag im Jahr die ''Kernophoris-Priesterin der Rhea auf die Straße stürzt und den schrecklichen Schrei der Idaia ausstößt'', und er fügt hinzu, dass ''der Schrei Schrecken verbreitet in den Herzen aller, die ihn hören''.<ref>Giulia Sfameni Gasparro, Soteriology and Mystic Aspects in the Cult of Cybele and Attis, Leiden 1985, S. 68 </ref>

[[Bild:Kali and Bhairava in Union.jpg|thumb|250px|Die ambivalente Kali auf dem Leichnam Shivas stehend, im Hintergrund das Weltei]]

== Ikonographie ==

Kybele trägt meist als Attribut eine Krone in Form einer Stadtmauer auf dem Kopf und wird besonders im 18. Jahrhundert in Schlössern, Klöstern und barocken Gartenanlagen dargestellt. In Zyklen, die die vier Elemente zeigen, verkörpert sie die Erde.


== Literatur ==
== Literatur ==
* Pedro Calafate: ''Portugal Como Problema''. Lisboa, PÚBLICO/FLAD, 2006, ISBN: 989-619-069-0


== Weblinks ==
* Joe J. Heydecker: ''„Die Schwestern der Venus, Die Frau in den Mythen und Religionen“''; München 1991
* [http://www.arqnet.pt/portal/portugal/documentos/dlc_testamento1.html Über das Testamento Político] (Portugiesisch)
* Maarten J. Vermaseren: ''Corpus cultus Cybela Attitisque''. Leiden 1987 u. 1989; ''Der Kult der Kybele und des Attis im römischen Germanien''. Stuttgart 1979
* [http://www.arqnet.pt/dicionario/cunhaluis.html Über die Person Luís da Cunha] (Portugiesisch)
* Hugo Hepding, Attis, Seine Mythen und sein Kult, Gießen 1903
*[[Adam von Bartsch|The Illustrated Bartsch]] / founding ed.: Walter L. Strauss. General ed.: John T. Spike New York, NY: Abaris Books, 1978 -.


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
<references />
<references />


*D. Luís da Cunha, Instruções Políticas, 1736, Lisboa, Edição Abílio Diniz Silva, 2001.
== Weblinks ==
*[http://mv.vatican.va/6_DE/pages/MV_Home.html Website der Vatikanischen Museen]s. Museo Gregoriano Etrusco, Saal XVI: Kybele und Attis geweihter Taurobolium-Altar, 374 n. Chr., (Fundort) Petersplatz, Inv. 9937
* [http://www.novaesium.de/fossa.htm 'Fossa sanguinis'] – vermutlicher Taufkeller des Kybele-Kults in Neuss/Novaesium.
* [http://www.saz-aktuell.com/articledetail.asp?key=49&start=1&caption=national&mn_id=13&am_id=4&as_id=22&caption=national&Spanien&Die+Legende+vom+Kybele%2DBrunnen Die Legende vom Kybele-Brunnen in Madrid]


{{SORTIERUNG:Cunha, Luis da}}
{{Commons|Category:Cybele|Kybele}}
[[Kategorie:Botschafter]]
[[Kategorie:Diplomat]]
[[Kategorie:Portugiese]]
[[Kategorie:Aufklärung]]
[[Kategorie:Geboren 1662]]
[[Kategorie:Gestorben 1749]]
[[Kategorie:Mann]]


{{Personendaten
[[Kategorie:Phrygische Gottheit]]
|NAME=Cunha, D. Luís da
|ALTERNATIVNAMEN=Cunha, Luis da
|KURZBESCHREIBUNG=portugiesischer Diplomat
|GEBURTSDATUM=25. Januar 1662
|GEBURTSORT=[[Lissabon]]
|STERBEDATUM=9.Oktober 1749
|STERBEORT=[[Paris]]
}}


[[ast:Cibeles]]
[[pl:Luis da Cunha]]
[[bg:Кибела]]
[[pt:Luís da Cunha]]
[[br:Kybele]]
[[ca:Cíbele]]
[[cs:Kybelé]]
[[da:Kybele]]
[[el:Κυβέλη (μυθολογία)]]
[[en:Cybele]]
[[es:Cibeles]]
[[fi:Kybele]]
[[fr:Cybèle]]
[[gl:Cibeles]]
[[hr:Kibela]]
[[it:Cibele]]
[[ja:キュベレー]]
[[kw:Mamm Veur an Dhuwow]]
[[la:Cybele]]
[[lt:Kibelė]]
[[nl:Cybele]]
[[no:Kybele]]
[[pl:Kybele]]
[[pt:Cíbele]]
[[ro:Cybele]]
[[ru:Кибела]]
[[simple:Cibeles]]
[[sr:Кибела]]
[[sv:Kybele]]
[[tr:Kibele]]
[[uk:Кібела]]

Version vom 28. Januar 2009, 14:46 Uhr

Luís da Cunha (* 25. Januar 1662 in Lissabon; † 9. Oktober 1749 in Paris) war ein portugiesischer Diplomat unter König Johann V.

Leben

Luís da Cunha wurde 1662, als Sohn des Kolonialverwalters Antônio Álvares da Cunha in Lissabon geboren und studierte an der Universität Coimbra kanonisches Recht. 1696 begann seine diplomatische Laufbahn als portugiesischer Botschafter in London, ab 1712 bevollmächtigter Minister bei der Schließung des Friedens von Utrecht und später portugiesischer Botschafter in Madrid. Bis zu seinem Tod 1749 verkehrte D. Luís da Cunha am französischen Hof als portugiesischer Minister.

Leistungen

Durch seine 40 jährige Abwesenheit aus Portugal, hatte sich D. Luís da Cunha eine etische Sichtweise auf sein Heimatland erworben, die er zur Analyse und Kritik von Staat, Wirtschaft und Kultur nutze. Er gilt als einer der großen Diagnostiker der Probleme des Landes im 18.Jahrhundert. In seinem bedeutendsten Werk Testamento Político (1747) teilt er dem Thronfolger Joseph I von Portugal seine Bedenken mit. Er bemängelt vor allem die Intoleranz der Kirche gegenüber den portugiesischen Juden und Neu-Christen und den witschaftlichen Verlust, den das Land durch ihre Abwanderung erlitt. Einen weiteren Mangel sah er in der Rolle der Kirche als Landbesitzer. Rund ein Drittel des portugiesischen Bodens gehörten der Kirche, die keine Steuerabgaben an den Staat zahlen musste und das Land oft nur unzureichend bestellte. Auch das Rechtssystem arbeitete in seinen Augen nicht schnell und effizient genug und verhinderte damit die Entwicklung Portugals im Vergleich mit den anderen europäischen Ländern.

Werke

  • Carta Escrita de Paris ou Insrução ao Serenissimo Principe D. José para quando Subisse ao Trono 1747, üblicherweise zitiert als Testamento Político.

Literatur

  • Pedro Calafate: Portugal Como Problema. Lisboa, PÚBLICO/FLAD, 2006, ISBN: 989-619-069-0

Einzelnachweise


  • D. Luís da Cunha, Instruções Políticas, 1736, Lisboa, Edição Abílio Diniz Silva, 2001.