„Luisenstädtischer Kanal“ – Versionsunterschied
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{{Infobox Schifffahrtskanal |
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[[Bild:karte_luisenstaedtischerkanal.jpg|thumb|300px|Der Luisenstädtische Kanal im Pharus-Plan Berlin von 1902]] |
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|NAME = Luisenstädtischer Kanal |
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|BILD = Luisenstaedtischer-Kanal-1905.jpg |
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|BILDBESCHREIBUNG = Luisenstädtischer Kanal, um 1905, Blick vom [[Oranienplatz]] auf das Luisenufer und die St.-Michael-Kirche in Richtung Nordost |
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|ABKÜRZUNG = |
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|LAGE = Berlin |
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|GKZ = |
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|LÄNGE = 2,3 km |
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|ERBAUT = 1848–1852 |
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|AUSGEBAUT = |
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|ZUGESCHÜTTET = 1926 |
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|KLASSE = |
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|BEGINN = [[Urbanhafen]] |
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|SCHEITEL = |
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|ENDE = [[Spree]] an der [[Schillingbrücke]] |
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|ABSTIEGSBAUWERKE = |
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|HÄFEN = |
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|HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT = |
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|ABZWEIGUNGEN KREUZUNGEN = |
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|HISTORISCHE VORLÄUFER = |
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|GENUTZTER FLUSS = |
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|HERAUSRAGENDE BAUWERKE = |
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|INFOZENTRUM MUSEUM = |
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|KILOMETRIERUNG = |
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|BERGFAHRT = |
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|ZUSTÄNDIGE BEHÖRDE = |
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|ANMERKUNGEN = |
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|BILD1 = |
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|BILD1-BESCHREIBUNG = |
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|LISTE = |
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{{BS|||[[Urbanhafen]]}} |
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Der '''Luisenstädtische Kanal''' in der [[Luisenstadt]] im [[Berlin]]er Bezirksteil [[Berlin-Kreuzberg|Kreuzberg]] wurde [[1852]] als Wasserweg eröffnet, der den [[Berliner Landwehrkanal|Landwehrkanal]] mit der [[Spree]] verband. [[1926]] wurde er teilweise zugeschüttet und in eine Gartenanlage umgestaltet. Mit dem [[Mauerbau]] [[1961]] verlief bis [[1989]] auf dem nördlichen Teil des Kanals die [[Berliner Mauer]]. Seit [[1991]] wird die Gartenanlage rekonstruiert, die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. |
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{{BS6|||uCONTgq|ugFABZq+lr|uddHSTRg|uCONTfq|0,000|[[Landwehrkanal]]}} |
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{{BS2||gSKRZ-Eu|0,060|Luisensteg}} |
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{{BS2||gSKRZ-Yu|0,250|Wasserthorbrücke}} |
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{{BS2||uxgmKRZusw|0,340|[[Berliner Verbindungsbahn|Verbindungsbahn]]}} |
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{{BS2||guKRZu|0,350|[[U-Bahn-Linie 1 (Berlin)|Hochbahnviadukt]]}} |
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{{BS2||gSKRZ-Yu||Neue Wassertorbrücke}} |
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{{BS2||gBHF|0,420|Thorbecken}} |
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{{BS2||gSKRZ-Yu|0,550|Luisenbrücke}} |
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{{BS2||gSKRZ-Yu|0,780|Oranienbrücke}} |
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{{BS2||gSKRZ-Yu|1,020|Waldemarbrücke}} |
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{{BS2||gSKRZ-Yu|1,130|Königinbrücke}} |
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{{BS2|gSTR+l|uexDOCKS|1,230|Engelbecken}} |
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{{BS2|gSKRZ-Yu||1,310|Elisabethbrücke}} |
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{{BS2|gSKRZ-Yu||1,510|[[Adalbertbrücke]]}} |
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{{BS2|gSKRZ-Yu||1,810|Melchiorbrücke}} |
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{{BS2|gSKRZ-Yu||2,010|Cöpenicker Brücke}} |
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{{BS2|uvLock31||2,050|[[Cöpenicker Schleuse]]}} |
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{{BS4|gSTR+l|gFABZqlr|gSTR+r||}} |
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{{BS4|gSKRZ-Yu||gSKRZ-Yu||2,160|Zwillingsbrücke}} |
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{{BS6|uCONTgq|ugFABZqlr|uSKRZ-Auq|ugFABZqlr|uCONTfq|||[[Spree]]/[[Schillingbrücke]]}} |
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}} |
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Der '''Luisenstädtische Kanal''' ist ein historischer innerstädtischer Kanal in der [[Berlin]]er [[Luisenstadt]], der die [[Spree]] mit dem [[Landwehrkanal]] verband. Er wurde 1852 eröffnet und verlief durch die späteren Ortsteile [[Berlin-Kreuzberg|Kreuzberg]] und [[Berlin-Mitte|Mitte]]. Im Jahr 1926 wurde der Kanal bis auf das '''Engelbecken''' zugeschüttet und in eine Gartenanlage umgestaltet. Mit dem Bau der [[Berliner Mauer]] im Jahr 1961 verlief bis 1990 entlang des nördlichen Teils des Kanals die Grenze zwischen [[Ost-Berlin|Ost-]] und [[West-Berlin]]. Seit 1991 wird die seit dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] zerstörte Gartenanlage abschnittsweise rekonstruiert. |
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==Planung== |
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== Planung == |
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[[1825]] erstellte Oberbaurat [[Johann Carl Ludwig Schmid]] einen Bebauungsplan für das Köpenicker Feld, den Südteil der Luisenstadt. Schon in diesen ersten Planungen, die nie realisiert wurden, war ein Nord-Süd-Kanal zur Entwässerung und als Wasserweg vorgesehen. Nachdem [[1840]] [[Friedrich Wilhelm IV. (Preußen)|Friedrich Wilhelm IV.]] preußischer König wurde, wurden die städtebauliche Planung Berlins dem Landschaftsarchitekten und Stadtplaner [[Peter Joseph Lenné]] übertragen. |
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[[Datei:Luisenstaedtischer kanal.svg|mini|Verlauf des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals (hellblau) im Straßenbild der 2000er Jahre; rot eingezeichnet ist die ehemalige Sektorengrenze zwischen [[Ost-Berlin|Ost-]] und [[West-Berlin]]]] |
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Im Jahr 1825 erstellte Oberbaurat [[Johann Carl Ludwig Schmid]] einen [[Bebauungsplan (Deutschland)|Bebauungsplan]] für das Köpenicker Feld, den Südteil der Luisenstadt. Schon in diesen ersten Planungen, die nie realisiert wurden, war ein Nord-Süd-Kanal zur Entwässerung und als Wasserweg vorgesehen. Nachdem 1840 [[Friedrich Wilhelm IV.]] [[Königreich Preußen|preußischer]] König geworden war, wurde die städtebauliche Planung Berlins dem Landschaftsarchitekten und Stadtplaner [[Peter Joseph Lenné]] übertragen. |
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Aufbauend auf Schmids Plänen konzipierte Lenné den Entwurf eines Bebauungsplanes, der die Flächenbedarfe von Industrie- und Eisenbahnflächen besser berücksichtigte und sozial ausgewogener sein sollte. Er wollte den Landwehrkanal schiffbar machen und den schon bei Schmid vorgesehenen Verbindungskanal vom Landwehrkanal zur Spree übernehmen. Für Lenné hatten die sozialen Aufgaben der Stadtplanung einen hohen Stellenwert - Grünflächen zur Naherholung und Straßen und Plätze mit hohem Aufenthaltswert betrachtete er als notwendig für ein funktionierendes Stadtquartier. |
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Aufbauend auf Schmids Plänen konzipierte Lenné den Entwurf eines Bebauungsplans, der den Flächenbedarf von Industrie- und Eisenbahnflächen besser berücksichtigte und sozial ausgewogener sein sollte. Er wollte den Landwehrkanal schiffbar machen und den schon bei Schmid vorgesehenen Verbindungskanal vom Landwehrkanal zur Spree übernehmen. Für Lenné hatten die sozialen Aufgaben der Stadtplanung einen hohen Stellenwert – Grünflächen zur Naherholung und Straßen und [[Platz (Städtebau)|Plätze]] mit hohem Aufenthaltswert betrachtete er als notwendig für ein funktionierendes Stadtquartier. |
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Ganz in diesem Sinne sollte der Luisenstädtische Kanal mehr als nur ein Wasserweg sein, er sollte vielmehr als ein als Schmuckzug gestalteter Straßenzug die gestalterische Mitte des neuen Stadtviertels bilden. So legte Lenné entsprechend Verlauf und Gestaltung des Luisenstädtischen Kanals in seinem [[1839]]/[[1840|40]] veröffentlichten Werk ''"Projektirte Schmuck und Grenzzüge von Berlin mit nächster Umgebung"'' fest. |
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Ganz in diesem Sinne sollte der Luisenstädtische Kanal mehr als nur ein Wasserweg sein, er sollte vielmehr ein als Schmuckzug gestalteter Straßenzug die gestalterische Mitte des neuen Stadtviertels bilden. So legte Lenné entsprechend Verlauf und Gestaltung des Luisenstädtischen Kanals in seinem 1839/1840 veröffentlichten Werk ''Projektirte Schmuck und Grenzzüge von Berlin mit nächster Umgebung'' fest. |
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==Verlauf== |
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== Bau == |
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[[Bild:Stmichaelskirche.JPG|thumb|300px|Luisenstädtischer Kanal mit dem Engelbecken und der St.-Michaels-Kirche im Hintergrund, von der Waldemarstraße aus fotografiert]] |
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[[Datei:Gedenktafel Adalbertstr Engeldamm (Mitte) Luisenstädtischer Kanal.jpg|mini|links|hochkant|Die Toten vom<br />16. Oktober 1848]] |
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Der Bau des Luisenstädtischen Kanals begann 1848, zwei Jahre nach Fertigstellung des Landwehrkanals. Der Kanal sollte als Transportweg für Baumaterial dienen, als Stadtentwässerung und die Überschwemmungen der Spree kanalisieren. Vor allem aber diente der Bau als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, rund 5000 Arbeiter waren damit ohne größere technische Hilfsmittel beschäftigt. Im Oktober 1848 kam es zu blutigen Ausschreitungen der Arbeiter aus Furcht, ihre Arbeitsplätze an Baumaschinen zu verlieren. |
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Der Kanal beginnt am damaligen Urbanhafen und verläuft in nordöstlicher Richtung parallel zum Straßenraster. Gegliedert wird der Kanal durch den Wassertorplatz, an dem sich ein kleineres Becken befand, den Oranienplatz, die gußeiserne Waldemarbrücke im Zuge der Waldemarstraße und ein größeres Wasserbassin, das Engelbecken. Benannt wurde es vermutlich nach dem [[Erzengel]] St. Michael. In der Flucht des Kanales steht an der Stirnseite die [[St. Michaelskirche (Berlin)|St. Michaelskirche]], heute infolge des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] eine Ruine. Am Engelbecken zweigt der Kanal rechtwinklig nach Osten ab und verläuft dann im Bogen nach Nordosten zur Spree. |
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Der Kanal hatte eine Länge von 2,3 Kilometern, eine Breite von 22,5 Metern und bei mittlerem Wasser war er 1,5 Meter tief. Die für Berlin untypischen [[Klinker]]-Ufermauern überragten den Wasserspiegel um rund drei Meter. Er wies nur eine minimale Steigung auf und war für Schiffe bis zu einer Tragfähigkeit von 175 [[Tonne (Einheit)|Tonnen]] ausgelegt. Die Uferpromenade wurde mit „Kaiser[[Linden (Gattung)|linden]]“ bepflanzt. An der Stelle, an der der Kanal die damalige [[Berliner Zollmauer]] durchfloss, wurde ebenfalls 1848 ein neues Tor, das Wassertor, erbaut. |
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Die markante Linienführung mit den rechtwinkligen Biegungen am Urbanhafen und am Engelbecken war aus Sicht der Schifffahrt wenig sinnvoll, sondern vor allem dem [[Städtebau]] geschuldet. Der Kanal entstand zusammen mit den an seinen Uferstraßen errichteten spätklassizistischen Gebäuden und bildete mit ihnen auch ein städtebauliches Ensemble. Er ist insofern von stadtplanerischer Bedeutung, als es sich hier um den einzigen gelungenen Versuch in Berlin handelt, Wasser als städtebauliches Gestaltungselement zu nutzen. |
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== Verlauf == |
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[[Datei:Cöpenicker Schleuse.png|mini|links|hochkant|[[Cöpenicker Schleuse]]]] |
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[[Datei:Luisenstädtischer Kanal mit Engelbecken, um 1900.jpg|mini|Luisenstädtischer Kanal mit Engelbecken, um 1900. Blick von der St.-Michael-Kirche in Richtung Südwest]] |
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[[Datei:Berlin Wassertor 1865.jpg|mini|Wassertor, 1865]] |
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[[Datei:U-Bahn Berlin U1 Wassertorplatz 1901.JPG|mini|Wassertorplatz, Blickrichtung Kottbusser Tor: rechts die Wasserthorbrücke, mittig die Drehbrücke der [[Berliner Verbindungsbahn|Verbindungsbahn]], links das Hochbahnviadukt, 1901]] |
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[[Datei:Ernst Ludwig Kirchner Elisabethufer 1913-1.jpg|mini|''Elisabethufer'', [[Ernst Ludwig Kirchner]], 1913]] |
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<span style="white-space:nowrap">Der Kanal begann am damaligen [[Urbanhafen]]</span><!-- Mindestbreite der Textspalte wegen dreispaltigem Layout --> und verlief in nordöstlicher Richtung parallel zum Straßenraster. Gegliedert wurde er durch den [[Wassertorplatz]], an dem sich ein kleineres Becken befand, den Oranienplatz, die gusseiserne [[Liste der Brücken in Berlin/W|Waldemarbrücke]] im Verlauf der Waldemarstraße und ein größeres Wasserbassin, das Engelbecken. Am Engelbecken zweigte der Kanal rechtwinklig nach Osten ab und verlief in einem Bogen nach Nordosten zur [[Cöpenicker Schleuse]] und zur Spree. Die Schleuse lag nördlich der [[Cöpenicker Brücke]].<ref>[http://www.köpenicker-strasse.de/Luisenstadt.html ''Die Cöpenicker Straße in der Luisenstadt''.] köpenicker-strasse.de; abgerufen am 29. Januar 2020</ref> Sie diente zur Überwindung des unterschiedlichen Wasserspiegels zwischen der Spree und des Luisenstädtischen Kanals und des Landwehrkanals und erfüllte somit denselben Zweck wie die [[Oberschleuse Berlin|Oberschleuse]] im Landwehrkanal.<ref>H.-J. Uhlemann: ''Berlin und die Märkischen Wasserstraßen''. S. 100</ref> |
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Der Bau des Luisenstädtischen Kanals begann [[1848]], zwei Jahre nach Fertigstellung des Landwehrkanals. Der Kanal sollte als Transportweg für Baumaterial dienen, als Stadtentwässerung und die Überschwemmungen der Spree kanalisieren. Vor allem aber diente der Bau als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, rund 5.000 Arbeiter waren damit ohne größere technische Hilfsmittel beschäftigt. Im Oktober 1848 kam es zu blutigen Ausschreitungen der Arbeiter aus Furcht, ihre Arbeitsplätze an Baumaschinen zu verlieren. |
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Das Engelbecken ist nach dem [[Erzengel]] [[Erzengel Michael|St. Michael]] benannt, dessen Statue sich heute wieder als Kopie auf dem First an der Stirnseite der [[St. Michael (Berlin-Mitte)|Sankt-Michael-Kirche]] befindet. Die von [[August Kiß]] geschaffene Originalstatue des Erzengels, in Flucht zum Kanal stehend, war nach dem politischen „Westen“ ausgerichtet und wurde zu [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]]-Zeiten wohl aus ideologischen Gründen abgebaut. Die Sankt-Michael-Kirche ist infolge [[Alliierte Luftangriffe auf Berlin|alliierter Luftangriffe]] während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] eine [[Ruine]]. |
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Der Kanal hat eine Länge von 2,3 km, eine Breite von 22,5 m und bei mittlerem Wasser war er 1,5 m tief. Die für Berlin untypischen Klinker-Ufermauern überragten den Wasserspiegel um rund drei Meter. Er wies nur eine minimale Steigung auf und war für Schiffe bis zu einer Tragfähigkeit von 175 t schiffbar. Die Uferpromenade wurde mit [[Kaiserlinde|Kaiserlinden]] bepflanzt. |
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Die relativ markante Linienführung mit den rechtwinkligen Biegungen am Urbanhafen und am Engelbecken war der Anlage der Stadt geschuldet. Aus Sicht der Schifffahrt war sie wenig sinnvoll. Der Kanal entstand zusammen mit den an seinen Uferstraßen errichteten [[Klassizismus|spätklassizistischen]] Gebäuden und bildete mit ihnen auch ein städtebauliches Ensemble. Er ist insofern von [[Stadtplanung|stadtplanerischer]] Bedeutung, als es sich hier um einen Versuch handelte, Wasser als städtebauliches Gestaltungselement zu nutzen. |
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==Grünanlage== |
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Die nordwestlich gelegene Straße zwischen Oranienplatz und heutigem Heinrich-Heine-Platz hieß ursprünglich ''Luisenufer'' und trägt seit dem 31. Juli 1947 den Namen Legiendamm nach dem Gewerkschaftsführer [[Carl Legien]]. Die gegenüberliegende, südöstlich am Kanal und Engelbecken, gelegene Straße hieß seit 1849 ''Elisabethufer''. Ebenfalls am 31. Juli 1947 wurde sie zu Ehren von [[Wilhelm Leuschner]] in Leuschnerdamm umbenannt. Die Häuser am Legiendamm und Leuschnerdamm tragen fortlaufende, sich ergänzende Hausnummern. Häuser am Legiendamm haben nur gerade, die am Leuschnerdamm nur ungerade Hausnummern. |
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===Barths Kunstgriff=== |
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Bereits 1937 wurden ''Luisenufer'' und ''Elisabethufer'' in jeweils zwei Abschnitte aufgeteilt. Am Oranienplatz wechseln die Straßennamen. Seit 1947 heißt die Fortführung des Legiendamms bis zum Landwehrkanal Segitzdamm (nach dem [[Sozialdemokratische Partei Deutschlands|SPD]]-Politiker [[Martin Segitz]]), die des Leuschnerdamms Erkelenzdamm (nach [[Anton Erkelenz]], einem [[Mitglied des Reichstages|Reichstagsabgeordneten]] der [[Deutsche Demokratische Partei|Deutschen Demokratischen Partei]]). |
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[[Bild:luisenstaedtischerkanal1928.jpg|thumb|300px|Der Luisenstädtische Kanal 1928]] |
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== Brücken == |
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Der Kanal wurde am [[15. Mai]] [[1852]] eröffnet. Eine große Bedeutung für die Wasserwirtschaft hat er nie erlangt. Aufgrund des kaum vorhandenen Verkehrs und des geringen Gefälles stand das Wasser im Kanal, was zu starken Geruchsbelästigungen für die Bevölkerung geführt hat. Aus diesen Gründen beschloss der Berliner [[Magistrat]] am [[16. Januar]] [[1926]], den Kanal wieder verfüllen zu lassen - auch bei dieser Maßnahme handelte es sich um ein Programm zur Arbeitsbeschaffung. Zur Verfüllung des Kanals wurde Aushubmaterial vom Bau der Gesundbrunnen-Neukölln-U-Bahn (''GN-Bahn'', heute U 8) verwendet, deren Bauarbeiten in der nahen Reichenberger Straße, am [[Moritzplatz]] und in der Neanderstraße (heute Heinrich-Heine-Straße) im Gang waren. |
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Die beiden Seiten des Kanals wurden im Laufe der Zeit durch insgesamt zwölf Brücken miteinander verbunden, darunter einige reine Fußgängerbrücken. Das waren von der Spree zum Landwehrkanal hin betrachtet:<ref>Nach ''Berlin und seine Bauten'', bearbeitet und herausgegeben vom Architekten-Verein zu Berlin und der Vereinigung Berliner Architekten. Berlin 1896, Band 1, S. 167–170</ref> |
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Im Sinne von Lennés Vorstellung wohnortnahen Grüns für den dichtbesiedelten Stadtteil wurde der Kanal unter Leitung des frisch ernannten Stadtgartendirektors von [[Groß-Berlin]], [[Erwin Barth]] und Leo Kloss zu einer Grünfläche umgestaltet. Die Schwierigkeit einer langgezogenen und nur 22 m breiten Grünfläche löste er mit einem Kunstgriff: er ließ den Kanal nicht bis zum Straßenniveau verfüllen, sondern nur bis knapp über die ursprüngliche Wasserlinie. Die Ufermauern aus Backsteinen blieben erhalten und Barth ließ ihnen Brüstungen aufmauern. Um die Grünanlage abwechslungsreich zu gestalten, teilte er sie in zehn Abschnitte mit eigenständigem Charakter auf. Er schuf Sitzecken, Veranden, Kinderspielplätze und Brunnen, sogar schmale Wasserrinnen - das Thema Wasser war bestimmend für Barths Planungen. Dazwischen gab es befestigte Wege, Rasenflächen, Blumenbeete, Blütensträucher, Gehölze und verschiedene Ziergärten mit Dahlien- Rosen-, Wald- und Alpenpflanzungen. |
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# die Zwillingsbrücke, |
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# die [[Cöpenicker Brücke|Köpenicker Brücke]], |
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# die Melchiorbrücke, |
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# die [[Adalbertbrücke]], |
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# die Elisabethbrücke, |
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# die Königinbrücke, |
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# <li value="7">die [[Waldemarbrücke]],</li> |
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# die Oranienbrücke, |
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# die Luisenbrücke, |
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# die neue Wassertorbrücke, |
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# die Drehbrücke der [[Berliner Verbindungsbahn|Verbindungsbahn]], |
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# das Viadukt der [[U-Bahn-Linie U1 (Berlin)|Hochbahn]], |
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# <li value="12">die alte Wassertorbrücke,</li> |
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# der ''Luisensteg'',<ref>Name nach ''Grosser Verkehrs-Plan von Berlin mit seinen Vororten'' 1902, Verlag der Liebelschen Buchhandlung</ref><br /> eine ummantelte Überführung von Gasrohren kurz vor der Einmündung des Kanals in den Landwehrkanal am Urbanhafen, der als Fußsteg genutzt wurde. |
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Von diesen Brücken ist in ihrer alten Form nur die [[Liste der Brücken in Berlin/W|Waldemarbrücke]] erhalten, die 1995 rekonstruiert wurde.<ref>{{LuiseLexBez |Titel=Waldemarbrücke |Bezirk=FrKr |ID=waldemarbruecke |Band= |Seiten=}}</ref> |
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Das Engelbecken blieb als Wasserfläche erhalten, rundherum entstanden Laubengänge, im Becken selbst gab es sechzehn Fontänen, die abends illuminiert wurden. Die Grünanlage wurde [[1932]] fertiggestellt - aus Kostengründen aber nicht im ursprünglich geplanten Umfang. Insbesondere der südliche Abschnitt entsprach nicht vollständig den ursprünglichen Planungen. |
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== Grünanlage == |
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===Nachkriegszeit=== |
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=== Barths Kunstgriff === |
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[[Bild:luisenstaedtischerkanal.jpg|thumb|300px|Der Luisenstädtische Kanal 2000]] |
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Der Kanal wurde am 15. Mai 1852 eröffnet. Eine große Bedeutung für den Wasserverkehr hat er nie erlangt. Aufgrund des kaum vorhandenen Verkehrs und des geringen Gefälles stand das Wasser im Kanal, was zu starken Geruchsbelästigungen für die Bevölkerung führte. Aus diesen Gründen beschloss der [[Magistrat von Berlin|Berliner Magistrat]] am 16. Januar 1926, den Kanal wieder verfüllen zu lassen – auch bei dieser Maßnahme handelte es sich um ein Programm zur Arbeitsbeschaffung. Zur Verfüllung des Kanals wurde Aushubmaterial vom Bau der Gesundbrunnen-Neukölln-U-Bahn (''[[U-Bahn-Linie U8 (Berlin)#Von Gesundbrunnen nach Neukölln – die GN-Bahn|GN-Bahn]]'', spätere [[U-Bahn-Linie U8 (Berlin)|U-Bahn-Linie 8]]) verwendet, deren Bauarbeiten in der nahen Reichenberger Straße, am [[Moritzplatz (Berlin)|Moritzplatz]] und in der ''Neanderstraße'' (seit 1960: [[Heinrich-Heine-Straße (Berlin)|Heinrich-Heine-Straße]]) im Gang waren. |
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Im Sinne von Lennés Vorstellung wohnortnahen Grüns für den dicht besiedelten Stadtteil wurde der Kanal unter der Leitung von [[Erwin Barth]], dem gerade ernannten Stadtgartendirektor von [[Groß-Berlin]], und Leo Kloss zu einer Grünfläche umgestaltet. Die Schwierigkeit einer lang gezogenen und nur 22 Meter breiten Grünfläche löste er mit einem Kunstgriff: er ließ den Kanal nicht bis zum Straßenniveau verfüllen, sondern nur bis knapp über die ursprüngliche Wasserlinie. Die Ufermauern aus Backsteinen blieben erhalten, und Barth ließ ihnen Brüstungen aufmauern. Um die Grünanlage abwechslungsreich zu gestalten, teilte er sie in zehn Abschnitte mit eigenständigem Charakter auf. Er schuf Sitzecken, [[Veranda|Veranden]], Kinderspielplätze und Brunnen, sogar schmale Wasserrinnen – das Thema Wasser war bestimmend für Barths Planungen. Dazwischen gab es befestigte Wege, Rasenflächen, Blumenbeete, Blütensträucher, Gehölze und verschiedene Ziergärten mit [[Dahlien]]-, [[Rosen]]-, Wald- und Alpenpflanzungen. |
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Nach dem Zweiten Weltkrieg musste viel Schutt aus der Stadt entfernt werden und man versuchte neben der Aufschüttung des [[Teufelsberg]]es, soviel wie möglich in der Stadt abzulagern. Deshalb wurden die tiefergelegeneren Teile des Kanals mit Trümmerschutt verfüllt. |
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Das Engelbecken blieb als Wasserfläche erhalten, rundherum entstanden Laubengänge. Im Becken selbst gab es 16 Fontänen, die abends [[Beleuchtung|illuminiert]] wurden. Die Grünanlage wurde 1932 fertiggestellt – aus Kostengründen aber nicht im ursprünglich geplanten Umfang. Insbesondere der südliche Abschnitt entsprach nicht vollständig den einstigen Planungen.<ref>Richard Eger: [http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/kalender/auswahl/date/1925-07-01/27112366/?no_cache=1 ''Was leistet der Luisenstädtische Kanal? Die Nachteile der Zuschüttung''.] In: ''[[Vossische Zeitung]]'', 1. Juli 1925.</ref> |
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In der Nachkriegszeit entfernten sich die beiden Stadthälften mehr und mehr voneinander. Zwischen der Spree und der Waldemarstraße verlief am Ostufer des Kanals die Grenze zwischen Ost- und Westberlin, der südlich der Waldemarstraße gelegene Teil gehörte komplett zu Westberlin. Im Zuge des Mauerbaus [[1961]] wurden der Kanal und das Becken komplett verfüllt und planiert, auf der Fläche entstand die Berliner Mauer und der [[Todesstreifen]]. |
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{{Panorama|07.08.05.Kreuzberg Engelbecken.jpg|900|Engelbecken mit 16 Wasserfontänen und der umgebenden Mischung aus neuer und alter Architektur}} |
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Für die [[Internationale Bauausstellung]] (IBA) [[1984]] in Kreuzberg wurde der südliche Teil der Gartenanlage wieder hergestellt und in die Form gebracht, die er auch heute noch weitgehend hat. |
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=== Nachkriegszeit === |
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[[Datei:Berlinermauer.jpg|mini|Zugeschütteter Kanal im [[Todesstreifen]] östlich der Adalbertstraße, 1986]] |
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[[Datei:19870803a Engelbecken.jpg|mini|Todesstreifen auf dem verfüllten Engelbecken, 1987]] |
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Nach den [[Luftangriffe der Alliierten auf Berlin|Luftangriffen der Alliierten]] in den letzten [[Zweiter Weltkrieg|Kriegsjahren]] musste viel [[Bauschutt]] beiseitegeräumt werden. Man schüttete [[Schuttberg#Berlin|zahlreiche Trümmerberge]] auf und verfüllte die tiefer gelegenen Teile des Luisenstädtischen Kanals mit Schutt. |
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Schon kurz nach dem Mauerfall 1989 und der Wiedervereinigung Berlins gab es Bestrebungen, die beiden Hälften des Luisenstädtischen Kanals wieder zu vereinheitlichen und die alte Gestaltung der Vorkriegszeit wieder herzustellen. Im Rahmen von [[Archäologie|gartenarchäologischen]] Untersuchungen wurden Probebohrungen vorgenommen und unerwartet wurde festgestellt, dass die [[Kai]]mauern und die Gartenanlagen nur wenig beschädigt waren, sogar Reste der Vegetation waren zu finden. Seit [[1991]] wird die Grünanlage unter Leitung des Büros Schumacher wieder hergestellt und wird seitdem in Abschnitten der Öffentlichkeit übergeben. Im April [[1993]] wurde der ''immergrüne Garten'' wieder eröffnet und im Juni [[1995]] der ''Rosengarten'' zwischen Engelufer und Waldemarbrücke. |
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1999 begann man mit der Ausbaggerung des Engelbeckens. Wegen Finanzierungsproblemen kam die Rekonstruktion des Engelbeckens seitdem ins Stocken, das Becken ist teilweise mit Regenwasser vollgelaufen. |
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Der Luisenstädtische Kanal ist heute als schützenswertes [[Gartendenkmal]] in die [[Denkmalliste|Landesdenkmalliste]] Berlins aufgenommen. |
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In der [[Nachkriegszeit in Deutschland|Nachkriegszeit]] verlief die Grenze zu [[Ost-Berlin]] zwischen der Spree und der Waldemarstraße; der südlich der Waldemarstraße gelegene Teil gehörte zu [[West-Berlin]]. Nach dem [[Berliner Mauer#Mauerbau|Mauerbau]] 1961 wurden der Kanal und das Becken komplett verfüllt und planiert. Auf der Fläche entstand ein Abschnitt des [[Todesstreifen]]s der Berliner Mauer. |
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==Literatur== |
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*Herbert Schwenk: ''Lexikon der Berliner Stadtentwicklung'', Haude & Spener Verlag Berlin 2002 |
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*Werner Natzschka: ''Berlin und seine Wasserstraßen'', Duncker & Humblodt Verlag Berlin, 1971 |
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Für die [[Internationale Bauausstellung 1984]] (IBA) in Kreuzberg wurde der südliche Teil der Gartenanlage wiederhergestellt und in die Form gebracht, die er auch heute noch weitgehend hat. |
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==Weblinks== |
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*[http://www.hgs.cidsnet.de/anders/luisen/luis_deut/ Projekt Luisenstädtischer Kanal der Hunsrück-Grundschule Berlin] |
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=== Nach der Wende === |
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[[Datei:Berlin - Sankt-Michael-Kirche und Engelbecken - 2016.jpg|mini|links|hochkant|Luftaufnahme des Engelbeckens, unten die [[St. Michael (Berlin-Mitte)|St.-Michael-Kirche]], 2016]] |
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[[Datei:St Michael Berlin mit Luisenstaedtischer Kanal.JPG|mini|Grünzug im Verlauf des Luisenstädtisches Kanals, im Hintergrund das Engelbecken und die St.-Michael-Kirche, 2004]] |
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<span style="white-space:nowrap">Kurz nach der [[Wende und friedliche Revolution in der DDR|politischen Wende]]</span><!-- Mindestbreite der Textspalte wegen dreispaltigem Layout --> und der [[Deutsche Wiedervereinigung|Wiedervereinigung]] Berlins im Jahr 1990 gab es Bestrebungen, die beiden Hälften des Luisenstädtischen Kanals wieder zu vereinheitlichen und die alte Gestaltung der Vorkriegszeit wiederherzustellen. Im Rahmen von garten[[Archäologie|archäologischen]] Untersuchungen wurden Probebohrungen vorgenommen, und unerwartet wurde festgestellt, dass die [[Kai (Uferbauwerk)|Kaimauern]] und die Gartenanlagen nur wenig beschädigt waren; sogar Reste der Vegetation waren zu finden. Seit 1991 wird die Grünanlage unter Leitung des Büros Schumacher wieder hergestellt und seitdem abschnittsweise der Öffentlichkeit übergeben. Im April 1993 wurde der ''Immergrüne Garten'' zwischen Engelbecken und Adalbertstraße wieder eröffnet und im Juni 1995 der ''Rosengarten'' zwischen Engelbecken und Waldemarbrücke. |
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{{Bewertung}} {{exzellent}} |
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Bereits Anfang der 1990er Jahre begann die teilweise Aushebung des Engelbeckens als Suchgrabung. Wegen Finanzierungsproblemen kam die Rekonstruktion des Engelbeckens ins Stocken. Das Becken blieb daher für einige Jahre im nur an den Rändern entlang ausgebaggerten Zustand, wo bereits das Grundwasser hervortrat. Erst 1999 wurde auch der Mittelbereich vollständig ausgehoben. Im Frühjahr 2006 wurde der Beckenbereich weiter vertieft und die marode, teilweise abgerutschte Beckenumfassung als Betonumfassung zur Stabilisierung neu errichtet. |
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[[Kategorie:Kanal]] |
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[[Kategorie:Kulturdenkmal]] |
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Die Rekonstruktionsmaßnahmen im Frühjahr 2006 beinhalteten auch die Wiederherstellung des weiter östlich verlaufenden 500 Meter langen Kanalteils zwischen Adalbertstraße und Melchiorstraße sowie 2008 des restlichen 200 Meter langen Abschnitts zwischen Melchiorstraße und Köpenicker Straße als Grünanlage. Seit den 2010er Jahren führt ein Spazierweg unter einer vierreihigen Lindenallee auf rund 2,5 [[Hektar]] Parkfläche im ehemaligen Bett des Kanals in Richtung Spree. Südöstlich ergänzt wird die neue Grünanlage durch das zu sanierende vernachlässigte Gelände am [[Bethanien (Berlin)|Künstlerhaus Bethanien]] und den umgestalteten [[Mariannenplatz (Berlin)|Mariannenplatz]]. |
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Der Luisenstädtische Kanal ist als schützenswertes [[Kulturdenkmal|Gartendenkmal]] in die [[Denkmalliste|Landesdenkmalliste]] Berlins aufgenommen. |
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== Literatur == |
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* Klaus Duntze: ''Der Luisenstädtische Kanal.'' Berlin Story Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86368-014-5. |
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* [[Klaus von Krosigk]]: ''Aktuelle Aufgabenstellungen der Gartendenkmalpflege in Berlin''. In: ''Berlin-Brandenburgische Bauwirtschaft.'' BBW, Band 44 (Nr. 14), 1993, ({{ISSN|0940-3825}}), S. 311–314. |
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* Klaus Lingenauber: ''Der ehemalige Luisenstädtische Kanal, Stadtbezirk Mitte.'' In: Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (Hrsg.): ''Weißbuch der historischen Gärten und Parks in den neuen Bundesländern.'' 2., überarb. Auflage. Bonn 2005, ISBN 3-925374-69-8, S. 32 f. |
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* Werner Natzschka: ''Berlin und seine Wasserstraßen.'' Duncker & Humblot, Berlin 1971, ISBN 3-428-02374-9. |
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* Horst Schumacher: ''Grünzug aus dem Wasser – Anmerkungen zur Wiederherstellung des Berliner Grünzugs Luisenstädtischer Kanal, dessen Geschichte wechselhaft war und bleibt''. In: ''Garten & Landschaft.'' Band 103 (Nr. 10), 1993, ({{ISSN|0016-4720}}), S. 23–29. |
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* Herbert Schwenk: ''Lexikon der Berliner Stadtentwicklung.'' Haude & Spener, Berlin 2002, ISBN 3-7759-0472-7. |
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* Jürgen Wenzel: ''Peter Joseph Lenné – Stadtplaner in weltbürgerlicher Absicht.'' In: Florian von Buttlar: ''Peter Joseph Lenné. Volkspark und Arkadien.'' ed. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1989, ISBN 3-87584-277-4, S. 73–77. |
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== Weblinks == |
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{{Commons}} |
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* [https://web.archive.org/web/20130307151553/http://www.hgs.cidsnet.de/hgs_old/anders/luisen/luis_deut/ Projekt Luisenstädtischer Kanal] der Hunsrück-Grundschule Berlin (Webarchiv) |
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* [http://www.buergerverein-luisenstadt.de/berlin/luisenstadt/luisenstaedt-kanal.php Bürgerverein Luisenstadt e. V.] |
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* {{LDLBerlin|09046159}} |
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* [http://www.scheinschlag.de/archiv/2005/05_2005/texte/11.html Artikel zur ''Wiederherstellung'' des Parks von 2005] aus der Berliner Stadtzeitung ''Scheinschlag'' |
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* [http://www.landschaftsarchitektur-heute.de/projekte/details/30 Luisenstädtischer Kanal] auf ''Landschaftsarchitektur heute'' |
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== Einzelnachweise == |
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<references /> |
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{{Lesenswert|17. Juni 2005|6658435}} |
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[[Kategorie:Erbaut in den 1850er Jahren]] |
Aktuelle Version vom 6. April 2025, 09:55 Uhr
Luisenstädtischer Kanal | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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![]() Luisenstädtischer Kanal, um 1905, Blick vom Oranienplatz auf das Luisenufer und die St.-Michael-Kirche in Richtung Nordost | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Lage | Berlin | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Länge | 2,3 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Erbaut | 1848–1852 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Zugeschüttet | 1926 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Beginn | Urbanhafen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Ende | Spree an der Schillingbrücke | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Verlauf
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Der Luisenstädtische Kanal ist ein historischer innerstädtischer Kanal in der Berliner Luisenstadt, der die Spree mit dem Landwehrkanal verband. Er wurde 1852 eröffnet und verlief durch die späteren Ortsteile Kreuzberg und Mitte. Im Jahr 1926 wurde der Kanal bis auf das Engelbecken zugeschüttet und in eine Gartenanlage umgestaltet. Mit dem Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 verlief bis 1990 entlang des nördlichen Teils des Kanals die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin. Seit 1991 wird die seit dem Zweiten Weltkrieg zerstörte Gartenanlage abschnittsweise rekonstruiert.
Planung
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Im Jahr 1825 erstellte Oberbaurat Johann Carl Ludwig Schmid einen Bebauungsplan für das Köpenicker Feld, den Südteil der Luisenstadt. Schon in diesen ersten Planungen, die nie realisiert wurden, war ein Nord-Süd-Kanal zur Entwässerung und als Wasserweg vorgesehen. Nachdem 1840 Friedrich Wilhelm IV. preußischer König geworden war, wurde die städtebauliche Planung Berlins dem Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Peter Joseph Lenné übertragen.
Aufbauend auf Schmids Plänen konzipierte Lenné den Entwurf eines Bebauungsplans, der den Flächenbedarf von Industrie- und Eisenbahnflächen besser berücksichtigte und sozial ausgewogener sein sollte. Er wollte den Landwehrkanal schiffbar machen und den schon bei Schmid vorgesehenen Verbindungskanal vom Landwehrkanal zur Spree übernehmen. Für Lenné hatten die sozialen Aufgaben der Stadtplanung einen hohen Stellenwert – Grünflächen zur Naherholung und Straßen und Plätze mit hohem Aufenthaltswert betrachtete er als notwendig für ein funktionierendes Stadtquartier.
Ganz in diesem Sinne sollte der Luisenstädtische Kanal mehr als nur ein Wasserweg sein, er sollte vielmehr ein als Schmuckzug gestalteter Straßenzug die gestalterische Mitte des neuen Stadtviertels bilden. So legte Lenné entsprechend Verlauf und Gestaltung des Luisenstädtischen Kanals in seinem 1839/1840 veröffentlichten Werk Projektirte Schmuck und Grenzzüge von Berlin mit nächster Umgebung fest.
Bau
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16. Oktober 1848
Der Bau des Luisenstädtischen Kanals begann 1848, zwei Jahre nach Fertigstellung des Landwehrkanals. Der Kanal sollte als Transportweg für Baumaterial dienen, als Stadtentwässerung und die Überschwemmungen der Spree kanalisieren. Vor allem aber diente der Bau als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, rund 5000 Arbeiter waren damit ohne größere technische Hilfsmittel beschäftigt. Im Oktober 1848 kam es zu blutigen Ausschreitungen der Arbeiter aus Furcht, ihre Arbeitsplätze an Baumaschinen zu verlieren.
Der Kanal hatte eine Länge von 2,3 Kilometern, eine Breite von 22,5 Metern und bei mittlerem Wasser war er 1,5 Meter tief. Die für Berlin untypischen Klinker-Ufermauern überragten den Wasserspiegel um rund drei Meter. Er wies nur eine minimale Steigung auf und war für Schiffe bis zu einer Tragfähigkeit von 175 Tonnen ausgelegt. Die Uferpromenade wurde mit „Kaiserlinden“ bepflanzt. An der Stelle, an der der Kanal die damalige Berliner Zollmauer durchfloss, wurde ebenfalls 1848 ein neues Tor, das Wassertor, erbaut.
Verlauf
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Der Kanal begann am damaligen Urbanhafen und verlief in nordöstlicher Richtung parallel zum Straßenraster. Gegliedert wurde er durch den Wassertorplatz, an dem sich ein kleineres Becken befand, den Oranienplatz, die gusseiserne Waldemarbrücke im Verlauf der Waldemarstraße und ein größeres Wasserbassin, das Engelbecken. Am Engelbecken zweigte der Kanal rechtwinklig nach Osten ab und verlief in einem Bogen nach Nordosten zur Cöpenicker Schleuse und zur Spree. Die Schleuse lag nördlich der Cöpenicker Brücke.[1] Sie diente zur Überwindung des unterschiedlichen Wasserspiegels zwischen der Spree und des Luisenstädtischen Kanals und des Landwehrkanals und erfüllte somit denselben Zweck wie die Oberschleuse im Landwehrkanal.[2]
Das Engelbecken ist nach dem Erzengel St. Michael benannt, dessen Statue sich heute wieder als Kopie auf dem First an der Stirnseite der Sankt-Michael-Kirche befindet. Die von August Kiß geschaffene Originalstatue des Erzengels, in Flucht zum Kanal stehend, war nach dem politischen „Westen“ ausgerichtet und wurde zu DDR-Zeiten wohl aus ideologischen Gründen abgebaut. Die Sankt-Michael-Kirche ist infolge alliierter Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs eine Ruine.
Die relativ markante Linienführung mit den rechtwinkligen Biegungen am Urbanhafen und am Engelbecken war der Anlage der Stadt geschuldet. Aus Sicht der Schifffahrt war sie wenig sinnvoll. Der Kanal entstand zusammen mit den an seinen Uferstraßen errichteten spätklassizistischen Gebäuden und bildete mit ihnen auch ein städtebauliches Ensemble. Er ist insofern von stadtplanerischer Bedeutung, als es sich hier um einen Versuch handelte, Wasser als städtebauliches Gestaltungselement zu nutzen.
Die nordwestlich gelegene Straße zwischen Oranienplatz und heutigem Heinrich-Heine-Platz hieß ursprünglich Luisenufer und trägt seit dem 31. Juli 1947 den Namen Legiendamm nach dem Gewerkschaftsführer Carl Legien. Die gegenüberliegende, südöstlich am Kanal und Engelbecken, gelegene Straße hieß seit 1849 Elisabethufer. Ebenfalls am 31. Juli 1947 wurde sie zu Ehren von Wilhelm Leuschner in Leuschnerdamm umbenannt. Die Häuser am Legiendamm und Leuschnerdamm tragen fortlaufende, sich ergänzende Hausnummern. Häuser am Legiendamm haben nur gerade, die am Leuschnerdamm nur ungerade Hausnummern.
Bereits 1937 wurden Luisenufer und Elisabethufer in jeweils zwei Abschnitte aufgeteilt. Am Oranienplatz wechseln die Straßennamen. Seit 1947 heißt die Fortführung des Legiendamms bis zum Landwehrkanal Segitzdamm (nach dem SPD-Politiker Martin Segitz), die des Leuschnerdamms Erkelenzdamm (nach Anton Erkelenz, einem Reichstagsabgeordneten der Deutschen Demokratischen Partei).
Brücken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die beiden Seiten des Kanals wurden im Laufe der Zeit durch insgesamt zwölf Brücken miteinander verbunden, darunter einige reine Fußgängerbrücken. Das waren von der Spree zum Landwehrkanal hin betrachtet:[3]
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Von diesen Brücken ist in ihrer alten Form nur die Waldemarbrücke erhalten, die 1995 rekonstruiert wurde.[5]
Grünanlage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Barths Kunstgriff
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Kanal wurde am 15. Mai 1852 eröffnet. Eine große Bedeutung für den Wasserverkehr hat er nie erlangt. Aufgrund des kaum vorhandenen Verkehrs und des geringen Gefälles stand das Wasser im Kanal, was zu starken Geruchsbelästigungen für die Bevölkerung führte. Aus diesen Gründen beschloss der Berliner Magistrat am 16. Januar 1926, den Kanal wieder verfüllen zu lassen – auch bei dieser Maßnahme handelte es sich um ein Programm zur Arbeitsbeschaffung. Zur Verfüllung des Kanals wurde Aushubmaterial vom Bau der Gesundbrunnen-Neukölln-U-Bahn (GN-Bahn, spätere U-Bahn-Linie 8) verwendet, deren Bauarbeiten in der nahen Reichenberger Straße, am Moritzplatz und in der Neanderstraße (seit 1960: Heinrich-Heine-Straße) im Gang waren.
Im Sinne von Lennés Vorstellung wohnortnahen Grüns für den dicht besiedelten Stadtteil wurde der Kanal unter der Leitung von Erwin Barth, dem gerade ernannten Stadtgartendirektor von Groß-Berlin, und Leo Kloss zu einer Grünfläche umgestaltet. Die Schwierigkeit einer lang gezogenen und nur 22 Meter breiten Grünfläche löste er mit einem Kunstgriff: er ließ den Kanal nicht bis zum Straßenniveau verfüllen, sondern nur bis knapp über die ursprüngliche Wasserlinie. Die Ufermauern aus Backsteinen blieben erhalten, und Barth ließ ihnen Brüstungen aufmauern. Um die Grünanlage abwechslungsreich zu gestalten, teilte er sie in zehn Abschnitte mit eigenständigem Charakter auf. Er schuf Sitzecken, Veranden, Kinderspielplätze und Brunnen, sogar schmale Wasserrinnen – das Thema Wasser war bestimmend für Barths Planungen. Dazwischen gab es befestigte Wege, Rasenflächen, Blumenbeete, Blütensträucher, Gehölze und verschiedene Ziergärten mit Dahlien-, Rosen-, Wald- und Alpenpflanzungen.
Das Engelbecken blieb als Wasserfläche erhalten, rundherum entstanden Laubengänge. Im Becken selbst gab es 16 Fontänen, die abends illuminiert wurden. Die Grünanlage wurde 1932 fertiggestellt – aus Kostengründen aber nicht im ursprünglich geplanten Umfang. Insbesondere der südliche Abschnitt entsprach nicht vollständig den einstigen Planungen.[6]
Nachkriegszeit
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Nach den Luftangriffen der Alliierten in den letzten Kriegsjahren musste viel Bauschutt beiseitegeräumt werden. Man schüttete zahlreiche Trümmerberge auf und verfüllte die tiefer gelegenen Teile des Luisenstädtischen Kanals mit Schutt.
In der Nachkriegszeit verlief die Grenze zu Ost-Berlin zwischen der Spree und der Waldemarstraße; der südlich der Waldemarstraße gelegene Teil gehörte zu West-Berlin. Nach dem Mauerbau 1961 wurden der Kanal und das Becken komplett verfüllt und planiert. Auf der Fläche entstand ein Abschnitt des Todesstreifens der Berliner Mauer.
Für die Internationale Bauausstellung 1984 (IBA) in Kreuzberg wurde der südliche Teil der Gartenanlage wiederhergestellt und in die Form gebracht, die er auch heute noch weitgehend hat.
Nach der Wende
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Kurz nach der politischen Wende und der Wiedervereinigung Berlins im Jahr 1990 gab es Bestrebungen, die beiden Hälften des Luisenstädtischen Kanals wieder zu vereinheitlichen und die alte Gestaltung der Vorkriegszeit wiederherzustellen. Im Rahmen von gartenarchäologischen Untersuchungen wurden Probebohrungen vorgenommen, und unerwartet wurde festgestellt, dass die Kaimauern und die Gartenanlagen nur wenig beschädigt waren; sogar Reste der Vegetation waren zu finden. Seit 1991 wird die Grünanlage unter Leitung des Büros Schumacher wieder hergestellt und seitdem abschnittsweise der Öffentlichkeit übergeben. Im April 1993 wurde der Immergrüne Garten zwischen Engelbecken und Adalbertstraße wieder eröffnet und im Juni 1995 der Rosengarten zwischen Engelbecken und Waldemarbrücke.
Bereits Anfang der 1990er Jahre begann die teilweise Aushebung des Engelbeckens als Suchgrabung. Wegen Finanzierungsproblemen kam die Rekonstruktion des Engelbeckens ins Stocken. Das Becken blieb daher für einige Jahre im nur an den Rändern entlang ausgebaggerten Zustand, wo bereits das Grundwasser hervortrat. Erst 1999 wurde auch der Mittelbereich vollständig ausgehoben. Im Frühjahr 2006 wurde der Beckenbereich weiter vertieft und die marode, teilweise abgerutschte Beckenumfassung als Betonumfassung zur Stabilisierung neu errichtet.
Die Rekonstruktionsmaßnahmen im Frühjahr 2006 beinhalteten auch die Wiederherstellung des weiter östlich verlaufenden 500 Meter langen Kanalteils zwischen Adalbertstraße und Melchiorstraße sowie 2008 des restlichen 200 Meter langen Abschnitts zwischen Melchiorstraße und Köpenicker Straße als Grünanlage. Seit den 2010er Jahren führt ein Spazierweg unter einer vierreihigen Lindenallee auf rund 2,5 Hektar Parkfläche im ehemaligen Bett des Kanals in Richtung Spree. Südöstlich ergänzt wird die neue Grünanlage durch das zu sanierende vernachlässigte Gelände am Künstlerhaus Bethanien und den umgestalteten Mariannenplatz.
Der Luisenstädtische Kanal ist als schützenswertes Gartendenkmal in die Landesdenkmalliste Berlins aufgenommen.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Klaus Duntze: Der Luisenstädtische Kanal. Berlin Story Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86368-014-5.
- Klaus von Krosigk: Aktuelle Aufgabenstellungen der Gartendenkmalpflege in Berlin. In: Berlin-Brandenburgische Bauwirtschaft. BBW, Band 44 (Nr. 14), 1993, (ISSN 0940-3825), S. 311–314.
- Klaus Lingenauber: Der ehemalige Luisenstädtische Kanal, Stadtbezirk Mitte. In: Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (Hrsg.): Weißbuch der historischen Gärten und Parks in den neuen Bundesländern. 2., überarb. Auflage. Bonn 2005, ISBN 3-925374-69-8, S. 32 f.
- Werner Natzschka: Berlin und seine Wasserstraßen. Duncker & Humblot, Berlin 1971, ISBN 3-428-02374-9.
- Horst Schumacher: Grünzug aus dem Wasser – Anmerkungen zur Wiederherstellung des Berliner Grünzugs Luisenstädtischer Kanal, dessen Geschichte wechselhaft war und bleibt. In: Garten & Landschaft. Band 103 (Nr. 10), 1993, (ISSN 0016-4720), S. 23–29.
- Herbert Schwenk: Lexikon der Berliner Stadtentwicklung. Haude & Spener, Berlin 2002, ISBN 3-7759-0472-7.
- Jürgen Wenzel: Peter Joseph Lenné – Stadtplaner in weltbürgerlicher Absicht. In: Florian von Buttlar: Peter Joseph Lenné. Volkspark und Arkadien. ed. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1989, ISBN 3-87584-277-4, S. 73–77.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Projekt Luisenstädtischer Kanal der Hunsrück-Grundschule Berlin (Webarchiv)
- Bürgerverein Luisenstadt e. V.
- Eintrag 09046159 in der Berliner Landesdenkmalliste
- Artikel zur Wiederherstellung des Parks von 2005 aus der Berliner Stadtzeitung Scheinschlag
- Luisenstädtischer Kanal auf Landschaftsarchitektur heute
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Die Cöpenicker Straße in der Luisenstadt. köpenicker-strasse.de; abgerufen am 29. Januar 2020
- ↑ H.-J. Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen. S. 100
- ↑ Nach Berlin und seine Bauten, bearbeitet und herausgegeben vom Architekten-Verein zu Berlin und der Vereinigung Berliner Architekten. Berlin 1896, Band 1, S. 167–170
- ↑ Name nach Grosser Verkehrs-Plan von Berlin mit seinen Vororten 1902, Verlag der Liebelschen Buchhandlung
- ↑ Kathrin Chod: Waldemarbrücke. In: Hans-Jürgen Mende, Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon, Friedrichshain-Kreuzberg. Luisenstädtischer Bildungsverein. Haude und Spener / Edition Luisenstadt, Berlin 2002, ISBN 3-89542-122-7 (luise-berlin.de – Stand 7. Oktober 2009).
- ↑ Richard Eger: Was leistet der Luisenstädtische Kanal? Die Nachteile der Zuschüttung. In: Vossische Zeitung, 1. Juli 1925.
Koordinaten: 52° 30′ 21″ N, 13° 25′ 7″ O