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„Hedwig Dohm“ – Versionsunterschied

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{{Dieser Artikel|behandelt die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm. Zu ihrer Tochter Hedwig geb. Dohm siehe [[Hedwig Pringsheim]].}}
'''Marianne Adelaide Hedwig Dohm''' geb. Schlesinger (* [[20. September]] [[1831]] in [[Berlin]], † [[1. Juni]] [[1919]] ebenda) war eine [[Deutschland|deutsche]] [[Schriftsteller]]in und [[Frauenrechtlerin]]. Sie war eine der ersten feministischen Theoretikerinnen, die geschlechtsspezifische Verhaltensweisen auf die [[Sozialisation|kulturelle Prägung]] zurückführte statt auf biologische [[Determination]]. Ihre Enkelin [[Katharina_Mann|Katia]] heiratete 1905 [[Thomas Mann]].
[[Datei:Hedwig Dohm.jpg|mini|hochkant|Hedwig Dohm (um 1870)]]
'''Marianne Adelaide Hedwig Dohm''' (geborene ''Schlesinger;'' * [[20. September]] [[1831]] in [[Berlin]]; † [[1. Juni]] [[1919]] ebenda) war eine [[Deutschland|deutsche]] [[Schriftsteller]]in und [[Frauenbewegung|Frauenrechtlerin]]. Sie war eine der ersten [[Feminismus|feministischen]] Theoretikerinnen, die geschlechtsspezifische Verhaltensweisen auf die [[Sozialisation|kulturelle Prägung]] zurückführte statt auf biologische [[Geschlechtsdetermination|Determination]].


== Leben ==
== Leben ==
[[Datei:Gedenktafel Friedrichstr 235 (Kreuz) Hedwig Dohm.jpg|mini|[[Berliner Gedenktafel]] am Haus Friedrichstraße 235 in [[Berlin-Kreuzberg]]]]
Hedwig Dohm war das vierte von 18 Kindern des [[Tabak]]fabrikanten Gustav Adolph Gotthold Schlesinger<ref>Hedwig Dohms Vater wurde als Elchanan Cohen Schlesinger geboren und war jüdischer Religion aus [[Frankfurt am Main]]. Erst 1817 änderte er in Berlin seinen Namen. Aus: Heike Brandt: ''Die Menschenrechte haben kein Geschlecht – Die Lebensgeschichte der Hedwig Dohm''. Beltz & Gelberg, Weinheim und Basel 1995, ISBN 978-3-407-80688-8, S.&nbsp;7.</ref> und dessen Frau Wilhelmine Henriette Jülich.<ref>Hedwig Dohms Mutter entstammte einer armen Familie und wurde 1809 als nichteheliches Kind in Berlin geboren. Das Einzige, was über den Großvater bekannt war, ist, dass er französischer Nationalität gewesen sein soll. Aus: Heike Brandt, ebd.</ref> Sie wurde, wie neun ihrer Geschwister, [[Unehelichkeit|unehelich]] geboren, denn ihren Eltern war es erst 1838, nach dem Tod des Großvaters väterlicherseits, möglich zu heiraten. Dieser hatte seinem Sohn die Enterbung angedroht, falls er die ebenfalls unehelich geborene Jülich heiraten sollte. Hedwig Dohms Vater stammte aus einer [[Judentum|jüdischen]] Familie und [[Konversion (Religion)|konvertierte]] 1817 zur [[Evangelische Kirche|Evangelischen Kirche]]; ab 1851 durfte er den Familiennamen Schleh führen.


Den Töchtern der Familie wurde nur eine eingeschränkte Schulausbildung zugestanden, während die Söhne das Gymnasium besuchen durften. Mit 15 Jahren musste Hedwig Dohm die Schule verlassen und stattdessen im Haushalt der Familie helfen. Drei Jahre später wurde ihr der Besuch eines [[Lehrerinnenseminar]]s ermöglicht. 1853 heiratete sie [[Ernst Dohm]], den Chefredakteur der satirischen Zeitschrift ''[[Kladderadatsch]]'', mit dem sie zwischen 1854 und 1860 fünf Kinder bekam. Der einzige Sohn Hans Ernst (* 1854) starb mit elf Jahren, die vier Töchter [[Hedwig Pringsheim|Gertrude Hedwig Anna]] (1855–1942), Ida Marie Elisabeth (*&nbsp;1856), Marie Pauline Adelheid (*&nbsp;1858) und Eva (*&nbsp;1859, 1. Ehe [[Max Klein (Bildhauer)|Max Klein]], 2. Ehe [[Georg Bondi]]) erhielten eine fundierte Schul- und Berufsausbildung.
Hedwig Dohm war das vierte von insgesamt 18 Kindern des [[Tabak]]fabrikanten Gustav Adolph Schlesinger und dessen Frau Henriette Wilhelmine Jülich. Die Eltern konvertierten 1817 vom jüdischen zum evangelischen Glauben, was Hedwigs Kindheit – neben der allgegenwärtigen Armut und der Gewalttätigkeit, der durch die vielen Kinder überforderten Mutter - stark beeinflusste. Als Mädchen gierte sie nach Bildung, die ihr jedoch nicht zugestanden wurde. Sie las heimlich alles, was ihr in die Finger geriet und ließ sich auch durch Schläge nicht davon abhalten.


Hedwig Dohm war die Großmutter von [[Katia Mann]], der Ehefrau von [[Thomas Mann]], und des Physikers und Astronomen [[Hans Rosenberg (Physiker)|Hans Rosenberg]] sowie Urgroßmutter der deutsch-schweizerischen Journalistin und Schriftstellerin [[Eva Maria Borer]].<ref>[[Eckart Roloff]]: ''Eine starke Stimme für die Frauen. Hedwig Dohm.'' In: Michael Haller, Walter Hömberg (Hrsg.): ''„Ich lass mir den Mund nicht verbieten!“ Journalisten als Wegbereiter der Pressefreiheit und Demokratie''. Reclam Verlag, Ditzingen 2020, S. 114–117, ISBN 978-3-15-011277-9</ref>
Mit 15 Jahren musste sie die Schule verlassen und stattdessen im Haushalt der Familie helfen. Drei Jahre später wurde ihr endlich der Besuch eines [[Lehrerinnenseminar]]s gestattet. Mit 19 Jahren, noch vor dem Abschluss, heiratete sie [[Ernst Dohm]], den Chefredakteur der satirischen Zeitschrift [[Kladderadatsch]], mit dem sie zwischen 1854 und 1860 fünf Kinder hatte. Der Sohn starb bereits mit elf Jahren und auf Hedwigs Initiative hin erhielten ihre vier Töchter eine fundierte Berufsausbildung. Das Ehepaar Dohm verkehrte in intellektuellen Kreisen Berlins und Hedwig Dohm eignete sich das Wissen, das sie für die Erstellung ihrer ersten Veröffentlichung – ''Die spanische Nationalliteratur in ihrer geschichtlichen Entwicklung'' – benötigte, autodidaktisch an.


Das Ehepaar Dohm verkehrte in [[Intellektueller|intellektuellen]] Kreisen Berlins. Hedwig Dohm eignete sich das Wissen für ihre erste Veröffentlichung ''Die spanische National-Literatur in ihrer geschichtlichen Entwicklung'' von 1867 [[autodidakt]]isch an.
In der ersten Hälfte der [[1870er]] Jahre erschienen die ersten vier feministischen Bücher von Hedwig Dohm. Die Frauenbewegung steckte noch in den Kinderschuhen. Ihre Schriften fanden kaum Beachtung und wenn, dann wurden sie schärfstens kritisiert. Während mehr als einem Jahrzehnt erschienen keine neue Texte von Dohm. 1883 starb ihr Mann an einem Schlaganfall. Erst ab 1890 begann sie wieder, Bücher zu veröffentlichen, nun jedoch Romane, Theaterstücke und Erzählungen. Nach dem Tod ihres Mannes engagierte Dohm sich vermehrt politisch in der langsam erstarkenden deutschen Frauenbewegung. 1888 war sie eine der Gründerinnen des Vereins ''Reform''. Die Erfahrungen der ''Blaustrümpfe'' veranlassten sie zum Schreiben von ''Die Antifeministen'' (1902) und ''Die Mütter'' (1903), ihre letzten beiden Bücher. Hedwig Dohm kämpfte publizistisch für Gleichberechtigung - öffentliche Auftritte scheute sie.


In der ersten Hälfte der 1870er-Jahre erschienen die ersten vier feministischen Bücher von Hedwig Dohm, in denen sie die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung von Frauen und Männern forderte. Auch das Stimmrecht für Frauen forderte sie bereits 1873, als eine der ersten in Deutschland. Diese vier [[Essay]]s – einer davon ist ''[[Der Frauen Natur und Recht]]'' – machten sie mit einem Schlag berühmt, stießen aber auch auf heftige Kritik,<ref>{{Literatur |Autor=Stephan Meder |Titel=Familienrecht |Verlag=Böhlau Verlag |Ort=Köln / Weimar / Wien |Datum= |ISBN=978-3-8252-3901-5 |Seiten=191}}</ref> nicht nur unter den „Herrenrechtlern“, sondern auch in den Reihen der damaligen bürgerlichen Frauenbewegung, der Dohms radikale Thesen zu weit gingen. Die bürgerlichen Frauen konzentrierten sich auf die Forderung einer verbesserten Schulbildung für Mädchen und die Versorgung ledig gebliebener Mütter. Ende der 1870er-Jahre veröffentlichte Dohm mehrere Lustspiele, die sämtlich im [[Schauspielhaus Berlin#Königliches Schauspielhaus|Berliner Schauspielhaus]] aufgeführt wurden.
Als alte Frau lebte Hedwig Dohm bei ihrer Tochter Elsbeth Rosenberg. Zur Zeit des [[Erster Weltkrieg|1. Weltkriegs]] wendete sie sich vom [[Feminismus]] ab und einem glühenden [[Pazifismus]] zu. So konnte sie sich auch nicht recht darüber freuen, als 1918 in Deutschland das [[Frauenwahlrecht]] eingeführt wurde. Ihre sarkastischer Text ''Der Mißbrauch des Todes. Senile Impressionen'' zeugt von einem tiefen Pessimismus angesichts der erlebten Kriegsgräuel und des von ihr so genannten „Hurra-Patriotismus“.


1883 starb ihr Mann Ernst Dohm nach langer Krankheit. Nach seinem Tod begann Hedwig Dohm, Novellen und Romane zu schreiben. Als der radikale Flügel der Frauenbewegung Ende der 1880er-Jahre erstarkte, widmete sie sich wieder vermehrt politischen Publikationen in Zeitungen und Zeitschriften. Außerdem war sie Mitbegründerin mehrerer radikaler Vereine, u.&nbsp;a. des Frauenvereins ''Reform'' (später ''[[Verein Frauenbildung–Frauenstudium]]''), der sich für eine umfassende Bildungsreform und das [[Frauenstudium im deutschen Sprachraum|Frauenstudium]] einsetzte. Sie trat [[Minna Cauer]]s radikalem [[Verein Frauenwohl]] bei und als 74-Jährige wurde sie Mitglied der Gründungsversammlung von [[Helene Stöcker]]s [[Deutscher Bund für Mutterschutz und Sexualreform|Bund für Mutterschutz und Sexualreform]]. Bis zu ihrem Tod 1919 veröffentlichte sie mehrere Essaybände und fast hundert Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, in denen sie sich zu aktuellen Debatten in Literatur und Politik äußerte und positionierte.
== Werk ==
Hedwig Dohm war mit ihrem Feminismus ihrer Zeit weit voraus, einige ihrer Forderungen sind auch Anfang des [[21. Jahrhundert]]s noch nicht verwirklicht. Sie forderte gleiche Bildung und Ausbildung für Mädchen wie für Jungen. Sie war überzeugt davon, dass ökonomische Selbständigkeit der einzige Weg für Frauen sei, um nicht mehr zwangsläufig im „Ehegefängnis“ zu landen, sondern sich freiwillig für oder gegen eine – dank der ökonomischen Unabhängigkeit – gleichberechtigte Partnerschaft mit einem Mann entscheiden zu können.


[[Datei:Alter St-Matthäus-Kirchhof Dohm Hedwig.jpg|mini|hochkant|Der neue Grabstein für Hedwig Dohm auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin, fotografiert 2009]]
Neben den Forderungen nach gleicher Ausbildung und weiblichen Erwerbstätigkeit sprach sie sich vehement für das Frauenwahlrecht aus.
Im [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] (1914–1918) gehörte Dohm zu den wenigen Intellektuellen, die sich von Anfang an gegen den Krieg äußerten; dem „[[Hurra-Patriotismus]]“ stand sie kritisch gegenüber. In ihren letzten Schriften, die sie zumeist in explizit [[Pazifismus|pazifistischen Medien]] wie [[Franz Pfemfert]]s ''[[Die Aktion]]'' veröffentlichte, gab sie sich als kompromisslose Pazifistin zu erkennen. Die Einführung des [[Frauenwahlrecht]]s 1918 in Deutschland erlebte sie noch.


Hedwig Dohm starb mit 87 Jahren am 1. Juni 1919. Sie ist auf dem [[Alter St.-Matthäus-Kirchhof Berlin|Alten St.-Matthäus-Kirchhof]] in [[Berlin-Schöneberg]] begraben. Der [[Journalistinnenbund]] hat am 22. September 2007 dort eine Gedenkstätte mit neuem Grabstein errichtet. Im August 2018 beschloss der Berliner Senat, Hedwig Dohm als Persönlichkeit mit besonderer Bedeutung für Berlin mit einem Ehrengrab zu ehren. Die feierliche Einweihung fand am 24. März 2019 im Beisein der Bezirksbürgermeisterin von [[Bezirk Tempelhof-Schöneberg|Tempelhof-Schöneberg]], Angelika Schöttler, und weiteren Vertretern der Politik sowie des Journalistinnenbundes statt.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2018/pressemitteilung.729353.php |titel=Ehrengrabstätten für namhafte und verdiente Persönlichkeiten |datum=2018-08-23 |sprache=de |abruf=2019-03-26}}</ref><ref>{{Internetquelle |autor= |url=https://www.journalistinnen.de/hedwig-dohm-urkunde/ein-ehrengrab-fuer-hedwig-dohm/ |titel=Einweihung des Ehrengrabs für Hedwig Dohm – Journalistinnenbund |werk= |hrsg= |datum= |sprache=de |abruf=2019-03-26}}</ref>
In ''Die Antifeministen'' von 1902 deckt sie in humorvoller Sprache die Ideologien der Vordenker und Meinungsmacher ihrer eigenen Zeit auf und entlarvt deren Widersprüche und Furcht vor dem weiblichen Geschlecht als dümmliche Verteidigung von Machtansprüchen.


== Schaffen ==
In ''Die Mütter'' von 1903 thematisiert sie die Mutterliebe, die ihr gemäss kein natürlicher Trieb ist, sondern anerzogen und – in Ermangelung anderer Betätigungsfelder für Frauen – kultiviert wird. Damit auch Mütter weiter ihrem Beruf nachgehen können, schlägt sie vor, Hausarbeit und Kinderziehung durch Institutionen erledigen zu lassen.
Hedwig Dohm war eine frühe Vordenkerin des [[Feminismus]]. Sie forderte gleiche Bildung und Ausbildung für Mädchen wie für Jungen. Sie war überzeugt davon, dass ökonomische Selbständigkeit der einzige Weg für Frauen sei, um nicht mehr zwangsläufig im „Ehegefängnis“ zu landen, sondern sich freiwillig für oder gegen eine – dank der ökonomischen Unabhängigkeit gleichberechtigte – Partnerschaft mit einem Mann entscheiden zu können.<ref>{{Literatur |Autor=Stephan Meder, Arne Duncker, Andrea Czelk |Titel=Die Rechtsstellung der Frau um 1900 |Verlag=Böhlau Verlag |Ort=Köln / Weimar / Wien |Datum= |ISBN=978-3-412-20577-5 |Seiten=305}}</ref>


Neben den Forderungen nach gleicher Ausbildung und weiblicher Erwerbstätigkeit sprach sie sich vehement für das Frauenwahlrecht aus.
== Wohnorte von Hedwig Dohm in Berlin ==

* 1831 - Friedrichstraße 235 (Nähe Hallesches Tor)
[[Helene Lange]] urteilte 1925: „Die Respektlosigkeit und Selbstsicherheit, mit der Hedwig Dohm ihre geistreiche Feder gegen die Männer führte, war vielen noch ganz ‘in der Furcht des Herrn’ erzogenen Frauen zu ungewohnt.“<ref>{{PGDW|langeh/lebenser/lebenser|Lebenserinnerungen. Im Beruf|[[Helene Lange]]}} Herbig, Berlin 1925.</ref>
* um 1870 - Potsdamer Straße 27a (heute 72, DEGEWO-Haus)

* 1883 - Matthäikirchstraße 28 (heute Nr. 5)
In ''Die Antifeministen''<ref>{{PGDW|dohm/antifemi/antifemi|Die Antifeministen|Hedwig Dohm}}</ref> von 1902 deckt Hedwig Dohm in humorvoller Sprache die Ideologien der Vordenker und Meinungsmacher ihrer eigenen Zeit auf und entlarvt deren Widersprüche und Furcht vor dem weiblichen Geschlecht als dümmliche Verteidigung von Machtansprüchen.
* danach Matthäikirchstraße 13 (heute Neue Nationalgalerie)

* 1900-1919 - Tiergartenstraße 19 (letzte Wohnung)
In ''Die Mütter''<ref>{{PGDW|dohm/muetter/muetter|Die Mütter|Hedwig Dohm}}</ref> von 1903 thematisiert Dohm die Mutterliebe, die ihrer Ansicht nach kein natürlicher Trieb sei, sondern anerzogen und – in Ermangelung anderer Betätigungsfelder für Frauen – kultiviert werde. Um die [[Vereinbarkeit von Familie und Beruf]] für Mütter zu gewährleisten, schlägt sie vor, Hausarbeit und Kinderziehung durch Institutionen erledigen zu lassen.


== Schriften ==
== Schriften ==
=== Gesellschaftspolitische Schriften ===
*Was die Pastoren von den Frauen denken, 1872
[[Datei:Hedwig Dohm Antifeministen 1902.jpg|mini|Erstausgabe von ''Die Antifeministen'']]
*Der Jesuitismus im Hausstande, 1873
* ''Was die Pastoren von den Frauen denken'', 1872. [https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb11018712_00005.html online]
*Die wissenschaftliche Emanzipation der Frau, 1874
** Neuausgabe ''Was die Pastoren denken''. Ala, Zürich 1986, ISBN 3-85509-027-0
*Der Frauen Natur und Recht, 1876
* ''Der Jesuitismus im Hausstande. Ein Beitrag zur Frauenfrage.'' 1873 ({{DTAW|dohm_jesuitismus_1873}}) [https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb11127056_00011.html online]
*Die Antifeministen. Ein Buch der Verteidigung, 1902
** Neuausgabe ''Falsche Madonnen. Jesuitismus im Hausstande von 1893''. Ala, Zürich 1989, ISBN 3-85509-030-0
*Die Mütter. Ein Beitrag zur Erziehungsfrage, 1903
* ''Die wissenschaftliche Emancipation der Frauen'', 1874. [https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb11189989_00007.html online]
*Der Mißbrauch des Todes, 1915
** Neuausgabe ''Emanzipation. Die wissenschaftliche Emancipation der Frauen''. Der Text von 1874 (und weitere Schriften von und über Dohm bis 1919.) Ala, Zürich 1977, ISBN 3-85509-008-4 (Über den Universitäts-Zugang. Auch in Marlis Gerhardt, Hg.: ''Essays berühmter Frauen. [[Lou Andreas-Salomé]]; [[Hannah Arendt]]; [[Else Lasker-Schüler]]; [[Marieluise Fleißer]]; [[Ulrike Meinhof]]; [[Silvia Bovenschen]] u.&nbsp;a.'' Insel, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-458-33641-9)
* ''Der Frauen Natur und Recht. Zur Frauenfrage. Zwei Abhandlungen über Eigenschaften und Stimmrecht der Frauen'', Berlin 1876 ({{DTAW|dohm_frauenfrage_1876}}) [https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb11127057_00007.html online]
** Neuausgabe (Nachdruck): Ala, Zürich 1986, ISBN 3-85509-029-7
* ''Die Antifeministen. Ein Buch der Verteidigung'', 1902. [https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb11127059_00005.html online]
* ''Die Mütter. Ein Beitrag zur Erziehungsfrage'', 1903. [https://books.google.de/books?id=5lvx0Rf-ex8C&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false online]
* ''Erziehung zum Stimmrecht der Frau''. Berlin 1910 (= Schriften des Preußischen Landesvereins für Frauenstimmrecht, Bd. 6) ({{DTAW|dohm_erziehung_1910}})
* ''Der Missbrauch des Todes'', 1917. [https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1119806542#page/n0/mode/1up online]
* ''Die kulturelle Gewalt gegen Frauen: Feministische Theorien von Hedwig Dohm''. [''Die Antifeministen'', ''Die wissenschaftliche Emancipation der Frauen'' u.&nbsp;a.&nbsp;m.] Maricruz López Rangel (Hrsg.) CreateSpace Independent Publishing Platform 2013, ISBN 978-1-4826-8178-9.
Außerdem verfasste Dohm fast 100 Artikel, Rezensionen, Gesellschaftsanalysen und -polemiken für Zeitungen und Zeitschriften.


== Literarische Werke ==
=== Prosatexte ===
*Werde die du bist. Wie Frauen werden, 2 Novellen 1894
* ''„Werde, die du bist!“ Wie Frauen werden''. Zwei Novellen, 1894. [https://books.google.de/books?id=QlP0BgAAQBAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false Neuausg. 2015]
** Neuausgabe ''Wie Frauen werden'': Zenodot, Berlin 2007, ISBN 3-86640-178-7
*Sibilla Dalmar, 1896
* ''Sibilla Dalmar. Roman aus dem Ende unseres Jahrhunderts.'' 1896. [https://books.google.de/books?id=Ef-fDwAAQBAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false Neuausg. 2019]
*Schicksale einer Seele, 1899
* ''Schicksale einer Seele.'' 1899. [https://books.google.de/books?id=PiGgDwAAQBAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false Neuausg. 2019]
*Christa Ruland, 1902
* ''Christa Ruland'', 1902. [https://books.google.de/books?id=hWO6UXD3gtMC&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false Neuausg. online]
* ''Erinnerungen'' (mit Hedda Kosch). Ala, Zürich 1980, ISBN 3-85509-013-0
** Neuausgabe: Zenodot, 2007, ISBN 3-86640-126-4
* ''Sommerlieben. Freiluftnovelle''. Ebersbach, Berlin 2006, ISBN 3-938740-25-6


== Literatur ==
=== Bühnenwerke ===
* ''Vom Stamm der Asra''. Lustspiel 1874. [https://books.google.de/books?id=MBwus9H2a9EC&printsec=frontcover online]
Nikola Müller und Isabel Rohner (Hg.): Hedwig Dohm - Ausgewählte Texte. Berlin: trafo Verlag 2006. ISBN 3-89626-559-8
* ''Der Seelenretter''. Lustspiel 1875. [https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/pageview/4268290 online]
* ''Ein Schuß ins Schwarze''. Lustspiel 1878
* ''Die Ritter vom goldenen Kalb''. Lustspiel 1879


=== Edition Hedwig Dohm ===
Nikola Müller und Isabel Rohner (Hg.): Hedwig Dohm - Sibilla Dalmar. Roman aus dem Ende unseres Jahrhunderts. Berlin. trafo Verlag 2006. ISBN 3-89626-560-1
Erste kommentierte Gesamtausgabe der Werke Dohms, Herausgeberinnen Nikola Müller & [[Isabel Rohner]]. Trafo, Berlin
* ''Ausgewählte Texte. Ein Lesebuch zum Jubiläum des 175. Geburtstages mit Essays und Feuilletons, Novellen und Dialogen, Aphorismen und Briefen'', 2006, ISBN 3-89626-559-8.
* ''Sibilla Dalmar'', Kommentierte Neuausgabe mit zeitgenössischen Rezensionen. 2006, ISBN 3-89626-560-1.
* ''Schicksale einer Seele'', Kommentierte Neuausgabe mit den zeitgenössischen Rezensionen. 2007, ISBN 3-89626-561-X.
* ''Christa Ruland'', Kommentierte Neuausgabe mit den zeitgenössischen Rezensionen. 2008
* ''Briefe aus dem Krähwinkel'', 100 Briefe erstmals veröffentlicht. 2009

== Würdigung ==
[[Datei:Hedwig Dohm Strasse Berlin2007.jpg|mini|Hedwig-Dohm-Straße, Berlin]]
* Hedwig-Dohm-Haus,<ref>https://lkkarchitekten.de/projekte/wettbewerb-hedwig-dohm-haus/</ref> Ziegelstraße 4, 10117 Berlin
* Seit 1991 verleiht der [[Journalistinnenbund]] jährlich die [[Hedwig-Dohm-Urkunde]] an Frauen für ihre herausragende journalistische (Lebens-)Leistung und ihr frauenpolitisches Engagement.
* Am 25.&nbsp;Oktober 1994 wurde im neuen [[Freiburg im Breisgau|Freiburger]] Stadtteil [[Rieselfeld (Freiburg im Breisgau)|Rieselfeld]] nach ihr der Hedwig-Dohm-Weg benannt.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.freiburg.de/pb/1771707.html?showentry=24633 |titel=Straßennamenlexikon |hrsg=Stadt Freiburg |abruf=2023-08-27}}</ref> Inzwischen gibt es vier weitere in Idstein, in Köln-Sürth, in Leopoldshöhe sowie in Halle/Westfalen.
* Die Hedwig-Dohm-Straße in Berlin am Fernbahnhof [[Südkreuz]] (Ecke Hildegard-Knef-Platz) trägt seit 2007 ihren Namen.<ref>Reingard Jäkl: [http://gigi-online.de/Hedwig%20Dohm51.htm ''Die radikalste aller Frauen''.] In: ''Gigi''. Zeitschrift für sexuelle Emanzipation, September 2007.</ref>
* Eine Schule in [[Berlin-Moabit]], [[Stephankiez|Stephanplatz]], ist nach ihr benannt.
* Am 5.&nbsp;Juni 2013 wurde an ihrem ehemaligen Wohnort, Friedrichstraße 235, in [[Berlin-Kreuzberg]], eine [[Berliner Gedenktafel]] enthüllt.
* Am 6.&nbsp;Dezember 2013 wurde in Stuttgart-Nord eine Berufsschule eingeweiht mit Hedwig Dohm als Namensgeberin.<ref>[http://www.hedwig-dohm-schule.de/index.php?article_id=108 ''Einweihungsfeier des Beruflichen Schulzentrums – Auszeichnung für Nachhaltigkeit''.] In: ''hedwig-dohm-schule.de'', 2013, abgerufen am 15.&nbsp;Februar 2018.</ref>
* Seit November 2018 ist ihre Grabstätte als [[Liste der Ehrengräber in Berlin|Ehrengrabstätte der Stadt Berlin]] gewidmet.<ref>[https://www.berlin.de/rbmskzl/_assets/aktuelles/2018/august/neue-ehrengrabstaetten.pdf Neue Ehrengrabstätten] (PDF; 188&nbsp;kB)</ref>
* Im Bremer Stadtteil [[Neustadt (Bremen)|Neustadt]] ist seit 2019 eine Straße nach ihr benannt.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.kreiszeitung.de/lokales/bremen/kaufrausch-am-deich-90089832.html |titel=Kaufrausch am Deich |datum=2020-11-04 |sprache=de |abruf=2020-11-14}}</ref>
* Seit 2016 trägt eine Straße im Neubaugebiet Franzenbrunnen in Saarbrücken ihren Namen, Hedwig-Dohm-Straße.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.franzenbrunnen.de/news/news/article/strassennamen-1-ba-beschlossen/ |titel=Straßennamen 1. BA beschlossen |sprache=de-DE |abruf=2022-01-11}}</ref>
* Zum 192. Geburtstag am 20. September 2023 wurde ihr ein [[Google Doodle]] gewidmet.<ref>{{Internetquelle |autor=Jens |url=https://www.googlewatchblog.de/2023/09/hedwig-dohm-google-doodle/ |titel=Wer war Hedwig Dohm? Sehr schönes Google-Doodle zum 192. Geburtstag der deutschen Schriftstellerin |datum=2023-09-20 |sprache=de-DE |abruf=2023-09-20}}</ref>

== Literatur ==
<!-- alphabetisch: -->
* Heike Brandt: ''„Die Menschenrechte haben kein Geschlecht.“ Die Lebensgeschichte der Hedwig Dohm''. Beltz & Gelberg, Weinheim 1995, ISBN 978-3-407-80688-8 Jugendsachbuch<ref>[https://literaturuebersetzer.de/uevz/eintraege/Brandt_Heike.htm Brandt] in der [[Übersetzer]]-Datenbank des [[VdÜ]], 2019</ref>
* [[Ute Gerhard (Soziologin)|Ute Gerhard]], Petra Pommerenke, [[Ulla Wischermann]] (Hrsg.): ''Klassikerinnen feministischer Theorie''. Ulrike Helmer Verlag, Königstein im Taunus 2008, ISBN 978-3-89741-242-2, S.&nbsp;119 ff.
* {{NDB|4|41|42|Dohm, Hedwig|[[Elisabeth Heimpel]]|11852643X}} Siehe Dohm, Marianne.
* Ludmila Kaloyanova-Slavova: ''Übergangsgeschöpfe. [[Gabriele Reuter]], Hedwig Dohm, [[Helene Böhlau]] und [[Franziska zu Reventlow|Franziska von Reventlow]].'' Reihe: ''Women in German Literature'' 2., Peter Lang, Bern 1998, ISBN 0-8204-3962-2.
* Katrin Komm: ''Das Kaiserreich in Zeitromanen von Hedwig Dohm und [[Elizabeth von Arnim]]''. Reihe: ''Women in German Literature'' 8. Peter Lang, Bern 2003, ISBN 3-03910-139-0.
* Nikola Müller: ''Hedwig Dohm (1831–1919). Eine kommentierte Bibliografie''. Trafo, Berlin 2000, ISBN 3-89626-238-6.
* ''Dohm, Hedwig.'' In: ''[[Lexikon deutsch-jüdischer Autoren]].'' Band 5: ''Carmo–Donat.'' Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München<!-- sic! --> 1997, ISBN 3-598-22685-3, S.&nbsp;457–467.
* Annica Peter: ''Hedwig Dohm: Die Antifeministen'', S. 60–63. In: [[Samuel Salzborn]] (Hrsg.): Klassiker der Sozialwissenschaften. 111 Schlüsselwerke im Portrait. Springer VS, Wiesbaden 2021, ISBN 978-3-658-31644-0
* Gaby Pailer: ''Hedwig Dohm.'' (= ''Meteore'', Band 7) Hrsg. von Alexander Košenina, Nikola Roßbach und Franziska Schößler. Wehrhahn, Hannover 2011, ISBN 978-3-86525-237-1
* Gaby Pailer: ''Schreibe, die du bist. Die Gestaltung weiblicher „Autorschaft“ im erzählerischen Werk Hedwig Dohms''. Centaurus, Pfaffenweiler 1994
* Isabel Rohner: ''Spuren ins Jetzt. Hedwig Dohm – eine Biografie''. Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach im Taunus 2010, ISBN 3-89741-299-3
* Isabel Rohner: ''In litteris veritas. Hedwig Dohm und die Problematik der fiktiven Biografie''. Reihe Hochschulschriften, 13. Trafo, Berlin 2008, ISBN 3-89626-715-9
* [[Eckart Roloff]]: ''Eine starke Stimme für die Frauen.'' In: [[Michael Haller (Medienwissenschaftler)|Michael Haller]] und [[Walter Hömberg]]: ''«Ich lass mir den Mund nicht verbieten.» Journalisten als Wegbereiter der Pressefreiheit und Demokratie.'' Reclam, Ditzingen 2020, S. 114–117, ISBN 978-3-15-011277-9
* Sandra L. Singer: ''Free soul, free women? A study of selected fictional works by Hedwig Dohm, Isolde Kurz, and Helene Böhlau''. Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 0-8204-2557-5
* Julian Tietz: ''Bildungsmotive in Hedwig Dohms Roman „Christa Ruland“ (1902)''. In: [[Dirk Hempel (Literaturwissenschaftler)|Dirk Hempel]] (Hrsg.): ''Studien zur kritischen Frauenliteratur zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik''. Frankfurt am Main 2010, [http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/files/20370/Hempel_Sammelband_gesamt.pdf (Digitalisat)], (PDF-Datei; 976&nbsp;kB)
* Cornelia Pechota Vuilleumier: ''„O Vater, lass uns ziehn!“. Literarische Vater-Töchter um 1900. [[Gabriele Reuter]], Hedwig Dohm, [[Lou Andreas-Salomé]].'' Reihe: ''Haskala'' 30. Olms, Hildesheim 2005, ISBN 3-487-12873-X


== Weblinks ==
== Weblinks ==
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* [http://hedwigdohm.de Eine Homepage rund um Hedwig Dohm]
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* [http://gutenberg.spiegel.de/autoren/dohm.htm Dohms Werke beim Projekt Gutenberg]
* {{DNB-Portal|11852643X}}
* {{FemBio|http://www.fembio.org/frauen/hedwig-dohm.shtml}}
* [http://www.hedwigdohm.de/ Die ''Edition Hedwig Dohm'']
*[http://www.berlinische-monatsschrift.de/bms/bmstxt00/0002porb.htm Biografie in der Berlinischen Monatsschrift]
* {{PGDA|129}}
*[http://www.hedwigdohm.de/text1.htm Satirische Auseinandersetzung mit [[Georg Groddeck]]s These, dass Frauen keine Persönlichkeit hätten]
* {{FemBio|http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/hedwig-dohm/}}


'''Über Hedwig Dohm'''
[[Kategorie:Autor|Dohm, Hedwig]]
* [http://www.hedwigdohm.blogspot.com/ Sammlung aktueller Berichterstattung zu Hedwig Dohm] In: ''hedwigdohm.blogspot.com''
[[Kategorie:Frauenrechtler|Dohm, Hedwig]]
* {{Webarchiv |url=http://www.ub.fu-berlin.de/service_neu/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/autord/dohm.html |text=Kommentierte Linksammlung der Universitätsbibliothek der FU Berlin |wayback=20131011163633}} (Ulrich Goerdten)
[[Kategorie:Deutscher|Dohm, Hedwig]]
* [https://web.archive.org/web/20100313133649/http://www.fernuni-hagen.de/ausstellung/hedwig_dohm Hedwig Dohm-Ausstellung] an der [[Fernuniversität Hagen]], 20.&nbsp;Juni 2012, darin: [https://www.youtube.com/watch?v=-3MBAlhdgus Diskussion] u.&nbsp;a. mit [[Alice Schwarzer]] und [[Marlies Hesse]]. In: ''[[YouTube]]'', 9:23 Min.
[[Kategorie:Frau|Dohm, Hedwig]]
* Heinz-Jürgen Voß: [http://www.schwule-seite.de/rezension_dohm.htm Rezension von Hedwig Dohm: „Die Antifeministen“.] In: ''schwule-seite.de'', 3.&nbsp;Juni 2008
[[Kategorie:Geboren 1831|Dohm, Hedwig]]
* Reingard Jäkl: [http://gigi-online.de/Hedwig%20Dohm51.htm Die radikalste aller Frauen.] In: ''Gigi''. Zeitschrift für sexuelle Emanzipation, September 2007
[[Kategorie:Gestorben 1919|Dohm, Hedwig]]
* [[Maren Gottschalk]]: [https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/hedwig-dohm-100.html ''01.06.1919 - Todestag von Hedwig Dohm''] [[WDR]] [[ZeitZeichen (Hörfunksendung)|ZeitZeichen]] (Podcast).


== Einzelnachweise ==
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Aktuelle Version vom 2. Mai 2025, 16:37 Uhr

Hedwig Dohm (um 1870)

Marianne Adelaide Hedwig Dohm (geborene Schlesinger; * 20. September 1831 in Berlin; † 1. Juni 1919 ebenda) war eine deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. Sie war eine der ersten feministischen Theoretikerinnen, die geschlechtsspezifische Verhaltensweisen auf die kulturelle Prägung zurückführte statt auf biologische Determination.

Berliner Gedenktafel am Haus Friedrichstraße 235 in Berlin-Kreuzberg

Hedwig Dohm war das vierte von 18 Kindern des Tabakfabrikanten Gustav Adolph Gotthold Schlesinger[1] und dessen Frau Wilhelmine Henriette Jülich.[2] Sie wurde, wie neun ihrer Geschwister, unehelich geboren, denn ihren Eltern war es erst 1838, nach dem Tod des Großvaters väterlicherseits, möglich zu heiraten. Dieser hatte seinem Sohn die Enterbung angedroht, falls er die ebenfalls unehelich geborene Jülich heiraten sollte. Hedwig Dohms Vater stammte aus einer jüdischen Familie und konvertierte 1817 zur Evangelischen Kirche; ab 1851 durfte er den Familiennamen Schleh führen.

Den Töchtern der Familie wurde nur eine eingeschränkte Schulausbildung zugestanden, während die Söhne das Gymnasium besuchen durften. Mit 15 Jahren musste Hedwig Dohm die Schule verlassen und stattdessen im Haushalt der Familie helfen. Drei Jahre später wurde ihr der Besuch eines Lehrerinnenseminars ermöglicht. 1853 heiratete sie Ernst Dohm, den Chefredakteur der satirischen Zeitschrift Kladderadatsch, mit dem sie zwischen 1854 und 1860 fünf Kinder bekam. Der einzige Sohn Hans Ernst (* 1854) starb mit elf Jahren, die vier Töchter Gertrude Hedwig Anna (1855–1942), Ida Marie Elisabeth (* 1856), Marie Pauline Adelheid (* 1858) und Eva (* 1859, 1. Ehe Max Klein, 2. Ehe Georg Bondi) erhielten eine fundierte Schul- und Berufsausbildung.

Hedwig Dohm war die Großmutter von Katia Mann, der Ehefrau von Thomas Mann, und des Physikers und Astronomen Hans Rosenberg sowie Urgroßmutter der deutsch-schweizerischen Journalistin und Schriftstellerin Eva Maria Borer.[3]

Das Ehepaar Dohm verkehrte in intellektuellen Kreisen Berlins. Hedwig Dohm eignete sich das Wissen für ihre erste Veröffentlichung Die spanische National-Literatur in ihrer geschichtlichen Entwicklung von 1867 autodidaktisch an.

In der ersten Hälfte der 1870er-Jahre erschienen die ersten vier feministischen Bücher von Hedwig Dohm, in denen sie die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung von Frauen und Männern forderte. Auch das Stimmrecht für Frauen forderte sie bereits 1873, als eine der ersten in Deutschland. Diese vier Essays – einer davon ist Der Frauen Natur und Recht – machten sie mit einem Schlag berühmt, stießen aber auch auf heftige Kritik,[4] nicht nur unter den „Herrenrechtlern“, sondern auch in den Reihen der damaligen bürgerlichen Frauenbewegung, der Dohms radikale Thesen zu weit gingen. Die bürgerlichen Frauen konzentrierten sich auf die Forderung einer verbesserten Schulbildung für Mädchen und die Versorgung ledig gebliebener Mütter. Ende der 1870er-Jahre veröffentlichte Dohm mehrere Lustspiele, die sämtlich im Berliner Schauspielhaus aufgeführt wurden.

1883 starb ihr Mann Ernst Dohm nach langer Krankheit. Nach seinem Tod begann Hedwig Dohm, Novellen und Romane zu schreiben. Als der radikale Flügel der Frauenbewegung Ende der 1880er-Jahre erstarkte, widmete sie sich wieder vermehrt politischen Publikationen in Zeitungen und Zeitschriften. Außerdem war sie Mitbegründerin mehrerer radikaler Vereine, u. a. des Frauenvereins Reform (später Verein Frauenbildung–Frauenstudium), der sich für eine umfassende Bildungsreform und das Frauenstudium einsetzte. Sie trat Minna Cauers radikalem Verein Frauenwohl bei und als 74-Jährige wurde sie Mitglied der Gründungsversammlung von Helene Stöckers Bund für Mutterschutz und Sexualreform. Bis zu ihrem Tod 1919 veröffentlichte sie mehrere Essaybände und fast hundert Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, in denen sie sich zu aktuellen Debatten in Literatur und Politik äußerte und positionierte.

Der neue Grabstein für Hedwig Dohm auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin, fotografiert 2009

Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) gehörte Dohm zu den wenigen Intellektuellen, die sich von Anfang an gegen den Krieg äußerten; dem „Hurra-Patriotismus“ stand sie kritisch gegenüber. In ihren letzten Schriften, die sie zumeist in explizit pazifistischen Medien wie Franz Pfemferts Die Aktion veröffentlichte, gab sie sich als kompromisslose Pazifistin zu erkennen. Die Einführung des Frauenwahlrechts 1918 in Deutschland erlebte sie noch.

Hedwig Dohm starb mit 87 Jahren am 1. Juni 1919. Sie ist auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg begraben. Der Journalistinnenbund hat am 22. September 2007 dort eine Gedenkstätte mit neuem Grabstein errichtet. Im August 2018 beschloss der Berliner Senat, Hedwig Dohm als Persönlichkeit mit besonderer Bedeutung für Berlin mit einem Ehrengrab zu ehren. Die feierliche Einweihung fand am 24. März 2019 im Beisein der Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler, und weiteren Vertretern der Politik sowie des Journalistinnenbundes statt.[5][6]

Hedwig Dohm war eine frühe Vordenkerin des Feminismus. Sie forderte gleiche Bildung und Ausbildung für Mädchen wie für Jungen. Sie war überzeugt davon, dass ökonomische Selbständigkeit der einzige Weg für Frauen sei, um nicht mehr zwangsläufig im „Ehegefängnis“ zu landen, sondern sich freiwillig für oder gegen eine – dank der ökonomischen Unabhängigkeit gleichberechtigte – Partnerschaft mit einem Mann entscheiden zu können.[7]

Neben den Forderungen nach gleicher Ausbildung und weiblicher Erwerbstätigkeit sprach sie sich vehement für das Frauenwahlrecht aus.

Helene Lange urteilte 1925: „Die Respektlosigkeit und Selbstsicherheit, mit der Hedwig Dohm ihre geistreiche Feder gegen die Männer führte, war vielen noch ganz ‘in der Furcht des Herrn’ erzogenen Frauen zu ungewohnt.“[8]

In Die Antifeministen[9] von 1902 deckt Hedwig Dohm in humorvoller Sprache die Ideologien der Vordenker und Meinungsmacher ihrer eigenen Zeit auf und entlarvt deren Widersprüche und Furcht vor dem weiblichen Geschlecht als dümmliche Verteidigung von Machtansprüchen.

In Die Mütter[10] von 1903 thematisiert Dohm die Mutterliebe, die ihrer Ansicht nach kein natürlicher Trieb sei, sondern anerzogen und – in Ermangelung anderer Betätigungsfelder für Frauen – kultiviert werde. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter zu gewährleisten, schlägt sie vor, Hausarbeit und Kinderziehung durch Institutionen erledigen zu lassen.

Gesellschaftspolitische Schriften

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Erstausgabe von Die Antifeministen

Außerdem verfasste Dohm fast 100 Artikel, Rezensionen, Gesellschaftsanalysen und -polemiken für Zeitungen und Zeitschriften.

  • Vom Stamm der Asra. Lustspiel 1874. online
  • Der Seelenretter. Lustspiel 1875. online
  • Ein Schuß ins Schwarze. Lustspiel 1878
  • Die Ritter vom goldenen Kalb. Lustspiel 1879

Edition Hedwig Dohm

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Erste kommentierte Gesamtausgabe der Werke Dohms, Herausgeberinnen Nikola Müller & Isabel Rohner. Trafo, Berlin

  • Ausgewählte Texte. Ein Lesebuch zum Jubiläum des 175. Geburtstages mit Essays und Feuilletons, Novellen und Dialogen, Aphorismen und Briefen, 2006, ISBN 3-89626-559-8.
  • Sibilla Dalmar, Kommentierte Neuausgabe mit zeitgenössischen Rezensionen. 2006, ISBN 3-89626-560-1.
  • Schicksale einer Seele, Kommentierte Neuausgabe mit den zeitgenössischen Rezensionen. 2007, ISBN 3-89626-561-X.
  • Christa Ruland, Kommentierte Neuausgabe mit den zeitgenössischen Rezensionen. 2008
  • Briefe aus dem Krähwinkel, 100 Briefe erstmals veröffentlicht. 2009
Hedwig-Dohm-Straße, Berlin
  • Hedwig-Dohm-Haus,[11] Ziegelstraße 4, 10117 Berlin
  • Seit 1991 verleiht der Journalistinnenbund jährlich die Hedwig-Dohm-Urkunde an Frauen für ihre herausragende journalistische (Lebens-)Leistung und ihr frauenpolitisches Engagement.
  • Am 25. Oktober 1994 wurde im neuen Freiburger Stadtteil Rieselfeld nach ihr der Hedwig-Dohm-Weg benannt.[12] Inzwischen gibt es vier weitere in Idstein, in Köln-Sürth, in Leopoldshöhe sowie in Halle/Westfalen.
  • Die Hedwig-Dohm-Straße in Berlin am Fernbahnhof Südkreuz (Ecke Hildegard-Knef-Platz) trägt seit 2007 ihren Namen.[13]
  • Eine Schule in Berlin-Moabit, Stephanplatz, ist nach ihr benannt.
  • Am 5. Juni 2013 wurde an ihrem ehemaligen Wohnort, Friedrichstraße 235, in Berlin-Kreuzberg, eine Berliner Gedenktafel enthüllt.
  • Am 6. Dezember 2013 wurde in Stuttgart-Nord eine Berufsschule eingeweiht mit Hedwig Dohm als Namensgeberin.[14]
  • Seit November 2018 ist ihre Grabstätte als Ehrengrabstätte der Stadt Berlin gewidmet.[15]
  • Im Bremer Stadtteil Neustadt ist seit 2019 eine Straße nach ihr benannt.[16]
  • Seit 2016 trägt eine Straße im Neubaugebiet Franzenbrunnen in Saarbrücken ihren Namen, Hedwig-Dohm-Straße.[17]
  • Zum 192. Geburtstag am 20. September 2023 wurde ihr ein Google Doodle gewidmet.[18]
Commons: Hedwig Dohm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Hedwig Dohm – Quellen und Volltexte

Über Hedwig Dohm

Einzelnachweise

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  1. Hedwig Dohms Vater wurde als Elchanan Cohen Schlesinger geboren und war jüdischer Religion aus Frankfurt am Main. Erst 1817 änderte er in Berlin seinen Namen. Aus: Heike Brandt: Die Menschenrechte haben kein Geschlecht – Die Lebensgeschichte der Hedwig Dohm. Beltz & Gelberg, Weinheim und Basel 1995, ISBN 978-3-407-80688-8, S. 7.
  2. Hedwig Dohms Mutter entstammte einer armen Familie und wurde 1809 als nichteheliches Kind in Berlin geboren. Das Einzige, was über den Großvater bekannt war, ist, dass er französischer Nationalität gewesen sein soll. Aus: Heike Brandt, ebd.
  3. Eckart Roloff: Eine starke Stimme für die Frauen. Hedwig Dohm. In: Michael Haller, Walter Hömberg (Hrsg.): „Ich lass mir den Mund nicht verbieten!“ Journalisten als Wegbereiter der Pressefreiheit und Demokratie. Reclam Verlag, Ditzingen 2020, S. 114–117, ISBN 978-3-15-011277-9
  4. Stephan Meder: Familienrecht. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien, ISBN 978-3-8252-3901-5, S. 191.
  5. Ehrengrabstätten für namhafte und verdiente Persönlichkeiten. 23. August 2018, abgerufen am 26. März 2019.
  6. Einweihung des Ehrengrabs für Hedwig Dohm – Journalistinnenbund. Abgerufen am 26. März 2019.
  7. Stephan Meder, Arne Duncker, Andrea Czelk: Die Rechtsstellung der Frau um 1900. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien, ISBN 978-3-412-20577-5, S. 305.
  8. Helene Lange: Lebenserinnerungen. Im Beruf im Projekt Gutenberg-DE Herbig, Berlin 1925.
  9. Hedwig Dohm: Die Antifeministen im Projekt Gutenberg-DE
  10. Hedwig Dohm: Die Mütter im Projekt Gutenberg-DE
  11. https://lkkarchitekten.de/projekte/wettbewerb-hedwig-dohm-haus/
  12. Straßennamenlexikon. Stadt Freiburg, abgerufen am 27. August 2023.
  13. Reingard Jäkl: Die radikalste aller Frauen. In: Gigi. Zeitschrift für sexuelle Emanzipation, September 2007.
  14. Einweihungsfeier des Beruflichen Schulzentrums – Auszeichnung für Nachhaltigkeit. In: hedwig-dohm-schule.de, 2013, abgerufen am 15. Februar 2018.
  15. Neue Ehrengrabstätten (PDF; 188 kB)
  16. Kaufrausch am Deich. 4. November 2020, abgerufen am 14. November 2020.
  17. Straßennamen 1. BA beschlossen. Abgerufen am 11. Januar 2022 (deutsch).
  18. Jens: Wer war Hedwig Dohm? Sehr schönes Google-Doodle zum 192. Geburtstag der deutschen Schriftstellerin. 20. September 2023, abgerufen am 20. September 2023 (deutsch).
  19. Brandt in der Übersetzer-Datenbank des VdÜ, 2019