Zum Inhalt springen

Terry Gilliam

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 3. September 2005 um 14:28 Uhr durch 84.167.137.201 (Diskussion) (Cartoonist, Monty Python, Regisseur). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

Terry Vance Gilliam (* 22. November 1940 in Minneapolis, Minnesota, USA) ist ein US-amerikanischer Regisseur.

Er studierte Politikwissenschaft am Occidental College in Eagle Rock bei Los Angeles.

Seit 1973 ist Terry Gilliam mit Maggie Weston verheiratet, die als Maskenbildnerin an vielen Monty Python- und Gilliam-Produktionen mitwirkte. Im Oktober 1980 kam ihre Tochter Holly Dubois Gilliam zur Welt, die später eine kleine Rolle in Brazil spielte.

Cartoonist, Monty Python, Regisseur

Seine abwechslungsreiche Laufbahn startete er 1962 als Zeichner des in New York produzierten Satire-Magazins HELP!, einer Schwester-Publikation von MAD, wo er John Cleese kennenlernt, der ihm nach seinem Umzug nach England 1967 einen Job bei der BBC vermittelt. Dort traf er auf weitere Komiker, mit denen er und Cleese die Gruppe Monty Python gründeten. Hier war Gilliam anfangs als Autor und Regisseur, später auch als Schauspieler tätig. Außerdem war er für die skurrilen Trickfilme der Komikertruppe verantwortlich, für deren Animation er eine Legetricktechnik verwendete.

Sein Regiedebüt im Realfilm gab er 1975 in Zusammenarbeit mit Terry Jones mit dem Monty-Python-Film Die Ritter der Kokosnuss. Vorher erwarb er Erfahrungen im Animationsfilm mit Storytime (1968) und The Miracle of Flight (1974). 1977 folgte sein erster eigener Film: Jabberwocky, der - wie einige andere Filme von Gilliam - fälschlicherweise häufig als Monty Python-Film bezeichnet wird.

Nachdem er zusammen mit den Pythons deren größten Erfolg Das Leben des Brian vollendete, begann er sich vollständig um seine eigene Regiekarriere zu kümmern. 1981 erschien die Komödie Time Bandits, für den letzten Python Kinofilm Der Sinn des Lebens drehte er unabhängig von den anderen Pythons den "Vorfilm" The Crimson Permanent Assurance, einen 15-minütigen Kurzfilm mit surrealistischen Anklängen, dessen Produktionskosten die des gesamten Hauptfilmes der Pythons überschritten. Im eigentlichen Film Der Sinn des Lebens war er außerdem wieder für die Animationen zuständig und schrieb und spielte in einigen der Sketche mit.

1985 erschien Brazil, eine an George Orwells Roman 1984 angelehnte surreale Komödie, die ihn als eigenständigen Filmemacher unabhängig von Monty Python etablierte. Der kurze Ruhm, den er sich - auch von Seiten vieler Filmkritiker - hierdurch erwarb, zerbrach jedoch schon drei Jahre später wieder, als der Nachfolgefilm Die Abenteuer des Baron Münchhausen floppte. Mitten in der Produktion sprangen Geldgeber ab und der Film musste deutlich billiger produziert werden, als eigentlich geplant. Szenen wurden ersatzlos gestrichen, statt - wie ursprünglich geplant - Sean Connery übernahm der damals deutlich billigere Robin Williams eine Nebenrolle und statt aufwändiger Bauten für eine Szene auf dem Mond schob Gilliam einfach die von ihm gezeichneten Modelle für diese Szene vor der Kamera hin und her, was dem Film eine ungewollt surrealistische Atmosphäre verleiht.

Um nach diesem Flop seinen Ruf wieder herzustellen, nahm Gilliam in den 1990ern mehrere Auftragsarbeiten an: Zunächst 1991 Der König der Fischer mit Robin Williams und Jeff Bridges und dann 1995 seinen größten Erfolg 12 Monkeys mit Bruce Willis und Brad Pitt, die beide ihre Rollen deutlich unter den sonst für sie üblichen Gagen übernahmen, um mit Gilliam zusammen einen Film machen zu können.

1998 folgte dann Fear and Loathing in Las Vegas, der zwar deutlich unter dem kommerziellen Erfolg der beiden Vorgängerfilme blieb, aber dennoch "Kultstatus" erlangte und für den Gilliam erstmals auch wieder am Drehbuch mitschrieb.

Nach den gescheiterten Dreharbeiten zu The Man Who Killed Don Quixote (siehe unten) vollendete Gilliam 2005 gleich zwei Filme: The Brothers Grimm und Tideland (US-Kinostart voraussichtlich Ende 2005).

The Brothers Grimm kam am 25. August 2005 in die US-amerikanische Kinos und wurde von der Kritik nahezu einhellig verrissen. Gleichzeitig waren die Besucherzahlen in der ersten Woche aber besser als bei jedem anderen Terry-Gilliam-Film. Vor allem das als schlecht empfundene Drehbuch und die unausgegorene Story waren im Blickpunkt der Kritik, während Gilliams Visualisierung teilweise positiv bewertet wurden. Gerüchte über Streitigkeiten mit den Produzenten, die auch zu einer einjährigen Verzögerung des Films führten, wurden ebenso laut wie Vermutungen, dass Gilliam das Projekt nur aus Frustration angenommen hatte.

The Man Who Killed Don Quixote und andere nicht vollendete Filmprojekte

Im Jahr 2000 wollte sich Gilliam, der seinen Ruf als respektabler Filmemacher nach den Erfolgen in den 90ern wieder hergestellt sah, endlich um ein Projekt kümmern, an dem er bereits etwa 10 Jahre lang gearbeitet hatte: The Man Who Killed Don Quixote, für dessen Hauptrollen er Johnny Depp und Jean Rochefort gewinnen konnte.

Doch die Dreharbeiten wurden zur Katastrophe, Jets einer nahen Nato-Basis stiegen ständig während des Drehs auf (gerüchteweise taten sie das nur, weil sie gehört hatten, dass Johnny Depp dort einen Film drehen würde), ein unerwarteter Sturm machte die Wüstenlandschaft ungeeignet für den Dreh und als schließlich der Hauptdarsteller Jean Rochefort wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr reiten konnte, wurden die Dreharbeiten eingestellt. Das Drehbuch wurde von einer deutschen Versicherungsfirma, die den Film versichert hatte, eingezogen und befindet sich bis heute in deren Besitz. Gilliam versucht seit Jahren, das Geld für den Rückkauf des Drehbuchs zusammenzubekommen, um den Film doch noch zu drehen. Der Dokumentarfilm Lost in La Mancha von Keith Fulton und Louis Pepe zeigt das Scheitern dieser Dreharbeiten.

The Man Who Killed Don Quixote ist nicht das erste gescheiterte Filmprojekt von Terry Gilliam, jedoch das erste gescheiterte Projekt, bei dem er tatsächlich schon mit den Dreharbeiten begonnen hatte.

Andere unvollendete Projekte sind:

The Defective Detective, ein Film über einen heruntergekommenen Detektiv, der in der Fantasiewelt eines Kindes endet. Er war nach König der Fischer und später noch einmal nach 12 Monkeys geplant, Nicolas Cage hatte für die Hauptrolle zugesagt, aber auch Bruce Willis hatte großes Interesse an dem Film, doch die Paramount-Studios wollten den Film nicht finanzieren. Danach kehrte Gilliam Hollywood zunächst den Rücken, weil er enttäuscht war, dass man nach den beiden Riesenerfolgen König der Fischer und 12 Monkeys immer noch nicht genug Vertrauen in ihn hatte.

2001 schrieb Gilliam zusammen mit Tony Grisoni (mit dem er schon das Drehbuch zu Fear and Loathing in Las Vegas geschrieben hatte) ein Drehbuch auf Basis des Romans Good Omens von Neil Gaiman und Terry Pratchett, dessen Verfilmung dann aber zugunsten anderer Projekte vorerst zurückgestellt wurde. Ob es noch zu einer Umsetzung kommen wird, ist ungewiss.

Theseus and The Minotaur war ein Projekt, an dem Gilliam nach der Vollendung von Jabberwocky arbeitete. Doch er war mit dem von ihm selbst geschriebenen Drehbuch nicht zufrieden und wandte sich anderen Projekten zu. Nach 12 Monkeys arbeitete er noch einmal daran, ließ es aber wieder fallen, so dass es eher unwahrscheinlich ist, dass dieses Projekt jemals realisiert wird.

A Tale of Two Cities, ein Projekt, dem sich Gilliam 1994 widmetete. Mel Gibson war für die Hauptrolle vorgesehen, doch dieser wandte sich schon sehr früh wieder von dem Projekt ab, um Braveheart zu drehen. Liam Neeson sollte dann die Rolle übernehmen, doch die Filmstudios waren daraufhin nurmehr bereit, weniger als die Hälfte an Produktionskosten bereitzustellen (obwohl sich am Film nichts sonst geändert hätte!). Gilliam hielt den Film mit weniger als der Hälfte des ursprünglichen Budgets für nicht realisierbar und stieg aus.

A Scanner Darkly, ebenfalls ein Projekt, an dem Gilliam nach König der Fischer arbeitete, eine düstere Science-Fiction-Geschichte vom Autoren von Blade Runner, Philip K. Dick, scheiterte wieder einmal an den Filmstudios, die dem Projekt kein grünes Licht gaben. Nach den neuen Anti-Terror-Gesetzen in den USA schien die Geschichte vielen doch wieder so aktuell, dass der Film mit mehr als 10 Jahren Verspätung doch noch realisiert wurde und 2006 in die Kinos kommen soll. Keanu Reeves spielt die Hauptrolle. Terry Gilliam ist jedoch nicht mehr Teil des Projekts.

Time Bandits 2, Mitte der 90er arbeitete Gilliam an einen Drehbuch für ein Sequel zu Time Bandits, 2002 arbeitete ABC an einer TV-Serien Version des Films. Der heutige Status dieses Projekts ist unbekannt.

Watchmen, die Verfilmung der gleichnamigen "Anti-Superhelden-Comicserie" (in Deutsch als Watchmen - Die Wächter erschienen) wurde Gilliam erstmals 1989 angeboten, wo er zunächst zusagte, der Film dann aber wegen mangelnhafter Finanzierung verschoben werden musste. 1996 wurde Gilliam erneut gefragt, ob er noch Interesse an einer Verfilmung hätte, doch Gilliam war in der Zwischenzeit zu der Überzeugung gelangt, dass die Geschichte zu komplex wäre, um in einem einzigen Kinofilm realisiert zu werden. Er schlug statt dessen eine Miniserie vor, was jedoch auf wenig Gegenliebe beim Produzenten stieß. 2005 wurde das Projekt erneut belebt, diesmal ohne Gilliam, scheiterte aber an Paramount, die den Film nicht finanzieren wollten. Seither versuchen die Produzenten, andere Studios von dem Film zu überzeugen.

Der Glöckner von Notre Dame, Gilliam arbeitete 1995/96 etwa ein halbes Jahr an einer Neuverfilmung des Stoffs mit Gerard Depardieu. Als Gilliam jedoch erfuhr, dass Disney an einer Zeichentrick-Version davon arbeitete, stieg er aus.

Filmographie

In vielen Filmen nach 1979 hatte Gilliam Cameo-Auftritte, die nicht in den Darstellerlisten auftauchen.


Siehe auch

British Film Institute, American Film Institute, EURIMAGES, Schwarzer Humor