Mayr-Melnhof (Familie)
Mayr-Melnhof ist eine österreichische Unternehmerfamilie.
Wichtige Familienmitglieder
- Franz Mayr, (* 27. Jänner 1779 am Melmayerhof in Leoben-Judendorf; † am 6. April 1847 in Graz). Sein Vater Lorenz Mayr ist von Schönberg bei Knittelfeld, wo er einen Bauernhof besessen hat, nach Leoben zugezogen. Franz Mayr war von 1805 bis 1841 Gastwirt in dem am Leobener Hauptplatz gelegenen Gasthof „Zum schwarzen Adler“. Darüber hinaus erwarb und betrieb er mehrere Hammerwerke in der Gegend von Bruck an der Mur und einen alten Kupferhammer in der Leobener Vorstadt Waasen, den er in einen Eisenhammer umwandelte. Indirekt wurde er zum Begründer des Hüttenwerkes Donawitz, indem er mit der am Vordernbergerbach gelegenen „Franzenshütte“ im Jahre 1837 das erste Stahlwerk - und Puddlingwerk in der Steiermark gründete. In der Umgebung der Franzenshütte entstand dann in den folgenden Jahrzehnten das Hüttenwerk Donawitz. Donawitz löste damit Vordernberg als Zentrum der steirischen Eisenindustrie ab, dessen Radmeister bis dahin den alleinigen Anspruch auf die Erzeugung von Roheisen aus dem Erz des steirischen Erzberges südlich des Erzbergebietes gehabt hatten.
- Sein Sohn Franz II. Mayr, (* 23. August 1810 in Leoben) studierte an der Bergakademie in Schemnitz und arbeitete darnach zehn Jahre in der englischen Montanindustrie. 1840 trat er in den Betrieb des Vaters ein und führte das englische Puddelverfahren anstelle des Frischens ein. Er erweiterte 1845/46 den Betrieb in Donawitz durch den Bau der „Karolihütte“ und 1852 durch die „Theodorahütte“. Er wurde 1859 mit dem Prädikat „von Melnhof“ geadelt und 1872 in den Freiherrenstand erhoben. Im Jahre 1872 verkaufte er die gesamten Mayr’schen Eisenwerke in Donawitz, noch rechtzeitig vor dem Preisverfall der Gründerkrise, an die Innerberger Hauptgewerkschaft, die neun Jahre später, im Jahre 1881, der damals gegründeten Österreichisch-Alpine Montangesellschaft beitrat. Franz Mayr-Melnhof II errichtete auch eine Gussstahlfabrik in Kapfenberg, die 1894 an die Gebrüder Böhler verkauft wurde. Im Jahre 1874 erfolgte die Gründung der Steirischen Montanwerke durch Franz II. Mayr-Melnhof. In seiner Ära wurde außerdem ein großer Teil des umfangreichen Waldbesitzes erworben. Die Familie Mayr-Melnhof ist heute mit einem Waldbesitz von rund 28.000 Hektar der größte private Waldbesitzer Österreichs. Franz II. Mayr Melnhof verstarb am 28. Dezember 1889 in Leoben.
- Franz III. Mayr Melnhof, (* 11. November 1854 Leoben, † 18. Juli 1893 Himberg in Niederösterreich), Industrieller; Sohn von Franz Mayr von Melnhof II. förderte Braunkohle im Tollinggraben bei Leoben und gründete 1888 die Holzstoff- und Pappefabrik in Frohnleiten.. Dies war der Beginn der heutigen Mayr-Melnhof Karton AG, die der größte Karton- und Faltschachtelhersteller Europas ist. Die Familie Mayr-Melnhof betrieb und betreibt eine sehr konsequente Erbpolitik, so dass das große Vermögen möglichst zusammenbleibt. Außerdem ist es Tradition in der Familie, dass der Haupterbe in der steirischen Linie der Mayr-Melnhofs stets den Vornamen Franz trägt.
- Franz IV. Mayr-Melnhof (*23.Juni 1888, †20.Dezember 1957): Franz Mayr-Melnhof IV. war mehrere Jahrzehnte lang Chef der Mayr-Melnhof'schen Güter und Betriebe. Aus seiner Ehe mit Marie Hohenlohe-Schillingsfürst hatte Franz Mayr-Melnhof IV. keinen männlichen Erben. Daher adoptierte er seinen ältesten Enkel, den Sohn seiner Tochter Maria-Mathilde, die mit Carl Anton Goess Saurau (* 23. Juni 1921) verheiratet war, und machte ihn zum Haupterben Franz Mayr-Melnhof V.
- Franz V. Mayr-Melnhof-Saurau (*22.Februar 1949, †14.Juni 1993: Solange Franz Mayr-Melnhof V. nicht voll geschäftsfähig war, übte sein Vater Goess-Saurau die wichtigsten Funktionen in den Familienbetrieben aus. Dies wiederholte sich nach dem frühen Tod von Franz Mayr-Melnhof V.
- Franz VI. Mayr-Melnhof-Saurau, (*19.März 1977) ist das älteste von insgesamt sechs Kindern des nach einem Autounfall im Kanaltal verstorbenen Franz Mayr-Melnhof-Saurau V. Seine Mutter ist die erste Frau von Franz Mayr-Melnhof V., Erzsebet, geborene Andrassy. Franz VI. ist seit 2006 mit Eva Aggermann verheiratet und hat mit seiner Frau einen Sohn, der ebenfalls wieder Franz heißt, eine Tochter namens Lucia und einen weiteren Sohn namens Clemens. Saurau, der dritte Teil des Familiennamens, kommt von seinem Großvater Carl Anton Goess Saurau.
Waldbesitz
Der Forstbetrieb Franz Mayr-Melnhof-Saurau ist der größte Privatforstbetrieb Österreichs. Die Gesamtfläche beträgt 32.400 Hektar, davon sind 28.000 Hektar Wald und davon ist wiederum eine Fläche 21.800 Hektar Wirtschaftwald. Die zwei Forstverwaltungen Frohnleiten-Pfannberg und Leoben-Göß sind ungefähr gleich groß. Der Forstbesitz besteht aus zwei großen zusammenhängenden Komplexen und zwar einem, der zwischen Frohnleiten und Leoben liegt und einem zweiten zwischen Trofaiach und Mautern in Steiermark. Der Wald liegt in einer Höhenlage von 430 bis 2.200 m und besteht zu 75% aus Fichte, 15 % Lärche und 10 % Buche und sonstigen Gehölzen. Der durchschnittliche Jahreseinschlag liegt bei 150.000 Festmetern. Neben der forstlichen Tätigkeit betätigt sich der Betrieb auch erfolgreich im Forstgerätebau.
Industriebetriebe
Das größte Asset des Mayr-Melnhof-Clans sind die Mehrheitsanteile bei der Mayr-Melnhof Karton AG. Zusätzlich gibt es die Unternehmungen der MM Holz Holding AG bzw. der Mayr-Melnhof-Holz Gruppe:
- Mayr-Melnhof-Holz Leoben GmbH. Die 1953 im Leobner Stadtteil Göß gegründete Firma verfügt über eine der leistungsfähigsten Zerspaner-Säge-Anlagen in Österreich. Im Jahre 1979 wurde hier die weltweit erste Zerspanerlinie in einem Sägewerk installiert..
- Mayr-Melnhof Holz Paskov (Tschechien): Die nach acht Monaten Bauzeit in Nordmähren eröffnete Sägeanlage hat Anfang 2004 den Betrieb aufgenommen. Angesiedelt ist dieses Sägewerk am Nachbargelände des Zellulosewerkes Biocel Paskov, das zu 75% dem Oberösterreichischen Faserkonzern Lenzing gehört.
Beide Sägeanlagen erreichten gemeinsam im Jahre 2005 einen Jahreseinschnitt von 1.300.000. Kubikmeter Schnittholz
- Nach Prüfung aller Rahmenbedingungen fiel die Entscheidung in Russland zu investieren. Seit März 2009 ist das in der russischen Taiga neu errichtete Sägewerk in Efimovskij bei Tichwin/Boksitogorsk, ca. 250 km östlich von Sankt Petersburg im Oblast Leningrad, in Betrieb. Zur Sicherstellung der Rundholzversorgung wurde auf 50 Jahre eine Waldfläche von 250.000 Hektar gepachtet. Das Werk wurde mit einem russischen Partner, der 30% Anteil hält, errichtet. Am 25. September 2009 wurde dieses derzeit größte Sägewerk Russlands offiziell eröffnet Es gibt Überlegungen über die Errichtung eines weiteren Sägewerkes bei Syktywkar in Russland.
- Mayr-Melnhof Systemholz Gaishorn: Die seit 2001 zu 100% Mayr-Melnhof gehörende Firma ist einer der führenden Hersteller von Brettschichtholz in Europa
- MM Timber Trading: Als Exporteur der Mayr-Melnhof-Holzgruppe liefert MM Timber Trading (vormals Allinger-Mattner) Schnittholz und eine breite Palette von Holzprodukten in alle Welt an Importeure, Händler und weiterverarbeitende Betriebe.
- Im April 2008 übernahm die Mayr-Melnhof Holz Gruppe sämtliche Anteile an der Holzindustrie Stallinger GmbH [1] sowie einen qualifizierten Minderheitsanteil an der Stallinger Swiss Timber AG [2] und wird damit ihr Umsatzvolumen von bisher 400 auf künftig 650 Mio. Euro steigern. Zu den übernommen Betrieben zählen Sägewerke in Frankenmarkt in Oberösterreich und in Amstetten und das im April 2007 in Betrieb genommene größte Sägewerk in der Schweiz, das sich in Domat/Ems befindet.[3]. Die Betriebe der Kaufmann Gruppe befinden sich an den Standorten Reuthe im Bregenzerwald, Kalwang in der Steiermark und Eppingen-Richen in Deutschland. Diese erzeugen Brettschichtholz, Sonderbauteile sowie Schalungsträger und Schalungsplatten.
Salzburger Zweig der Familie Mayr-Melnhof
Der Salzburger Zweig der Familie Mayr-Melnhof, deren Linie sich 1893 von den steirischen Verwandten abspaltete, besitzt rund 7000 Hektar Grund und Boden in Salzburg und Oberösterreich. Zum Vermögen gehört die Mayr von Melnhof'sche Holzhandlung in Salzburg, Schloss Glanegg, Schloss Kogl, Anteile an der Mayr-Melnhof Karton AG und an der Wohnungsgesellschaft der steirischen Mayr-Melnhofs. Der Patriarch der Salzburger Mayr-Melnhofs, Friedrich II. Mayr-Melnhof (* 5.Juli 1924) war zwischen 1983 und 1986 Landesrat für Land- und Forstwirtschaft in Salzburg.
Friedrich II. Mayr-Melnhof war verheiratet mit Maria Anna geb. Gräfin von Orsini-Rosenberg (1927-2010) und Vater von fünf Söhnen und fünf Töchtern. Zwei Söhne (Heinrich und Paul) verstarben jeweils kurz nach ihren Geburten 1957 bzw. 1963. Sein viertgeborener Sohn Georg Mayr-Melnhof (* 1968), der ein Studium der Wirtschaftswissenschaften aufzuweisen hat - sollte den größeren Teil des Salzburger Mayr-Melnhof-Besitzes übernehmen. Georg entschied sich aber gegen das millionenschwere Erbe. 1995 trat er in das Priesterseminar ein, studierte Theologie und wollte Geistlicher werden, entschied sich aber dann für die Ehe und heiratete. Er lebt zusammen mit seiner Frau sowie zwei Söhnen und Tochter. Er ist Religionslehrer und missioniert im Rahmen der Loretto Gemeinschaft. Friedrich II. verwaltet den Familienbesitz selbst. Seine beiden anderen Söhne, Friedrich III. und Maximilian Mayr-Melnhof, haben ihre eigenen Unternehmen. Maximilian ist Eigentümer des Salzburger Forstbetriebes, Friedrich III Mayr-Melnhof ist mit Monika geb. Gräfin von Nostitz-Rieneck, einer Urenkelin des in Sarajevo ermordeten Thronfolgerpaares, verheiratet.
Einzelnachweise
- ↑ http://www.stallinger.at/
- ↑ http://www.stallinger-swisstimber.ch/index.php?id=2
- ↑ http://www.hansjoergtrachsel.ch/news/wirtschaftsforderung/neuer-hausherr-im-sagewerk-von-stallinger-in-domat-ems/