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Erhängen

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Detail eines Gemäldes von Antonio Pisanello, 1436–1438

Unter Erhängen (veraltet auch. henken[1]) versteht man die Tötung durch Zusammenschnüren des Halses oder Brechen des Genicks in einer – meistens laufenden – Schlinge unter Einfluss des Körpergewichts. Das Erhängen ist eine der häufigsten Methoden des Suizids. Zugleich ist es eine der ältesten Hinrichtungsarten. Strangulation ist der rechtsmedizinische Überbegriff für Erhängen, Erdrosseln oder Erwürgen.

Medizinische Aspekte

Suizid

Rechtsmedizinisch wird zwischen typischem und atypischem Erhängen unterschieden. Beim typischen Erhängen hängt der Körper in einer frei schwebenden Position, der Aufhängepunkt (nachweisbar über die Strangfurche) befindet sich hinten in der Mitte des Nackens. Beim atypischen Erhängen berührt der Körper teilweise den Untergrund (z.B. sitzend oder gar liegend), der Aufhängepunkt liegt dann meistens seitlich verschoben oder vorne am Hals.

Hinrichtungen

Massenhinrichtungen von sowjetischen Partisanen durch Erhängen während des Zweiten Weltkrieges (Aufnahme von 1943)

In Mittelalter und früher Neuzeit ähnelte das Erhängen langsamem Erdrosseln: Das Gewicht des Körpers drückte den Strick auf den Adamsapfel, die Drossel, und schnürte dabei die Luftröhre ab.[2]

In Österreich-Ungarn war es üblich, den Delinquenten ruckartig mit ganzer Kraft am Seil hochzuziehen und Halsschlagadern und Wirbelarterien zusammenzupressen. Manchmal drückte auch der Zungengrund gegen die Rachenhinterwand und verlegte so die Atemwege. Der Kandidat verlor rasch das Bewusstsein und starb durch Blutleere im Gehirn.

Wird am Galgen der lange Fall angewandt (Großbritannien bis zur Abschaffung der Todesstrafe; aktuell noch in einigen US-Staaten, Singapur und Irak), fällt der Verurteilte durch eine plötzlich geöffnete Falltür im Boden je nach der in Abhängigkeit von seinem Gewicht und Körperbau berechneten Stricklänge etwa 1,5–2,5 Meter hinab, ehe der Strang den Sturz ruckartig bremst. Die beabsichtigte, aber nicht immer eintretende Folge ist eine Fraktur des Dens axis (Genickbruch), wobei durch die Verschiebung der Bruchstücke dieses Knochens die Medulla oblongata (verlängertes Rückenmark) durchtrennt werden soll, die sowohl den Kreislauf als auch die Atmung reguliert. Falls dies geschieht, hat es neurophysiologisch gesehen den selben Effekt wie das Enthaupten. Ist der Strick zu lang bemessen, kann es zum Abreißen des Kopfes kommen (wie im Falle von Barsan al-Tikriti); ist er zu kurz, wird der Verurteilte möglicherweise nicht sofort bewusstlos.

Strafvollzug (Todesstrafe)

Im Strafvollzug werden Hinrichtungen durch Erhängen meistens an einem Galgen durchgeführt.

Früher nannte man das Erhängen auch „Richten mit trockener Hand“ im Gegensatz zum Enthaupten, dem „Richten mit blutiger Hand“. In alter Zeit forderte die Tötung durch Erhängen kein besonderes Geschick, im Unterschied zum Enthaupten. Dadurch wurde die Suche nach Henkern entsprechend erleichtert.

Im Gegensatz zur ehrenvollen Enthauptung, die meistens Verurteilten höheren Ranges vorbehalten blieb, wurde das unehrenhafte Erhängen solchen niederen sozialen Ranges oder Vogelfreien (die dann oft auch am Galgen verbleibend von Vögeln verzehrt wurden) zuteil. Dieses wirkte teilweise bis ins 20. Jahrhundert fort. So ließ die NS-Justiz die meisten gefassten Attentäter des 20. Juli hängen. Auch die durch das Nürnberger Tribunal verhängten Todesurteile lauteten „death by hanging“.

In den USA wurde zuletzt am 25. Januar 1996 Billy Bailey in Delaware durch Erhängen hingerichtet.

Aberglaube

Das Verbleiben der Leichen am Galgen konnte höchst unerwünschte Folgen haben, denn „Schelmbein“ (Knochen) oder „Armsünderschmalz“ (Fett) galten im Mittelalter als heil- und zauberkräftig. Der Daumen eines Diebes etwa sollte im Spiel Glück bringen und der Galgenstrick diente zum Zähmen wilder Pferde. [3]

Bekannte Personen, die durch Erhängen hingerichtet wurden

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. hen|ken <sw. V.; hat> [mhd., ahd. henken = hängen machen; (auf)hängen; →hängen (veraltend)] (Duden, Website)
  2. Gerd Althoff, Hans-Werner Goetz, Ernst Schubert –- Menschen im Schatten der Kathedrale, Darmstadt: Primus Verlag 1998 S. 341
  3. Menschen im Schatten der Kathedrale S. 339