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VX

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Das Nervengas VX (O-Ethyl-S-2-diisopropylaminoethylmethylphosphonothiolat CAS-Nr. 50782-69-9) ist der verbreitetste Vertreter der V-Klasse chemischer Kampfstoffe. Es handelt sich um eine farblose bis gelbliche nach verfaultem Fisch riechende Flüssigkeit. Das Gift dringt über die Haut, die Augen und die Atemwege in den Körper ein und verursacht zuerst Husten und Übelkeit. Dann lähmt es die Atemmuskulatur und führt innerhalb weniger Minuten unter furchtbaren Krämpfen und Schmerzen zum Tod. Die LD50 für einen durchschnittlichen Erwachsenen liegt bei etwa 1mg bei respirativer Aufnahme, bzw 10mg bei Aufnahme über die Haut.

Wirkprinzip

Die Erregungsleitung zwischen den Nervenzellen (Neuronen) des menschlichen Körpers ist von chemischen Botenstoffen Neurotransmittern abhängig. Wird von einer Nervenzelle der Botenstoff Acetylcholin ausgeschüttet, gelangt er über den synaptischen Spalt zur nächsten Zelle und löst dort eine Erregung aus. Das Acetylcholin wird von dem Enzym Acetylcholinesterase zerlegt, damit eine neue Erregung folgen kann. Die Dauer für diesen Vorgang beträgt nur ungefähr 2/1000 Sekunden. VX bindet sich ebenfalls an die Cholinesterase, kann jedoch von ihr nicht gespalten werden. Somit kommt es zu einer Vergiftung mit körpereigenem Acetylcholin, was zu einer Dauererregung mit tödlichen Folgen führt.

Weil das Gift in erster Linie durch die Haut aufgenommen wird, bietet eine Schutzmaske allein keinen Schutz. Dazu ist ein kompletter Schutzanzug erforderlich. Somit gibt es auch keinen wirksamen Schutz von Zivilisten gegen das Gift. Atropin ist das beste Gegenmittel. Während Nervengase der G-Klasse wie Tabun (GA), Sarin (GB)binnen Stunden vollständig verfliegen, kann VX unter geeigneten Bedingungen Wochen am Einsatzort verbleiben. Atropin wirkt nicht beim Nervenkampfstoff [Soman]] (GD), hier hilft lediglich die Prophylaxe durch die Einnahme von Pyridostigminbromid welches überwiegend den Streitkräften vorbehalten ist. Die chemische Waffe VX ist wesentlich giftiger als Sarin, Soman oder Tabun. Biologische Toxine können jedoch noch viel giftiger sein. Das Botulinum-Toxin zum Beispiel ist etwa zehntausendmal so giftig wie das Nervengas VX.

Entdeckung und Verbreitung:

Die Basis von allen Kampfstoffen der V-Reihe ist Phosphonsäurethiocholinester, welches zeitgleich 1950 von dem Schweden L. E. Tammelin und Amerikaner Ranaji Goshem entdeckt wurde. Kurz darauf begann die USA mit der systematischen Erforschung der neuen Kampfstoffart. 1955 wurde der erste „V-Kampfstoff“ (Amiton) hergestellt. Später wurden noch weit giftigere Substanzen in dieser Gruppe entwickelt. Darunter der bekannteste Vertreter VX, das auch als erstes aus dieser Gruppe militärisch eingesetzt wurde. Weitere V-Kampfstoffe sind VM,VE,VS, und VG.

Es wurde vermutet, dass Saddam Hussein 1988 VX im Nordirak beim Anschlag auf die kurdische Stadt Halabdscha gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt hatte; inzwischen steht jedoch fest, dass zwar andere Nervenkampfstoffe (z. B. Tabun) hier eingesetzt wurden, nicht jedoch VX. Bei dem Angriff wurden etwa 5.000 Menschen meist Kinder, Frauen und alte Männer qualvoll getötet. Viele tausend weitere starben danach oder erlitten dauerhafte Gesundheitsschäden.

Das Nervengas wurde bis zur Unterzeichnung der Chemiewaffen-Konvention 1997, in der die Zerstörung aller Vorräte verlangt wird, auch von den USA produziert. Die ehemalige Sowjetunion verfügte über eine chemisch sehr nahe verwandte Substanz ("russisches" VX).

Formel

H3C - CH2 - O                       CH(CH3)2                                          O
             \                     /                                                  ||
              P - O - CH2 - CH2 - N                     +     S   ----------->  H3C - P - S
             /                     \                                                  |    \___     CH3
          H3C                       CH(CH3)2                                          O        \   /
                                                                                      |         N -
                                                                                     /    H3C__/   \
                                                                                  H3C          \    CH3
                                                                                             CH3

CAS: 57856-11-8 
                                                           Schwefel                         VX

Diese Reaktion eignet sich auch für die Verwendung als Binärkampfstoff. Dabei werden die beiden Ausgangsstoffe der Reaktion getrennt in einen Behälter mit zwei Kammern gefüllt und sind harmlos. Erst auf dem Weg ins Ziel - nach dem Ausklinken der Bombe oder dem Abschuß der Granate - werden die beiden Chemikalien vermengt und reagieren zu dem Kampfstoff.

http://www.mitretek.org/home.nsf/homelandsecurity/VX

http://fas.org/nuke/intro/cw/index.html