Zum Inhalt springen

Ulrich von Jungingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 8. Oktober 2008 um 11:44 Uhr durch MAGISTER (Diskussion | Beiträge) (BKL). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

Ulrich von Jungingen (* um 1360 in Jungingen bei Hechingen; † 15. Juli 1410 bei Tannenberg) entstammte dem schwäbischen Adel und war in den Jahren 1407 bis 1410 der 26. Hochmeister des Deutschen Ordens. Er erklärte im Jahre 1409 dem in Personalunion mit dem Großfürstentum Litauen verbundenen Königreich Polen den Krieg und führte das Ordensheer in der Folge zur Niederlage in der Schlacht bei Tannenberg. Ulrich von Jungingens Tod auf dem Schlachtfeld, die schweren personellen Verluste des Ordens in Verbindung mit eklatanten finanziellen Belastungen aufgrund des späteren Friedensschlusses markieren den entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des Ordensstaates.

Leben

Aufstieg in der Ordenshierarchie

Wappenschild des Deutschen Ordens

Geboren um 1360 wurde Ulrich, ebenso wie sein älterer Bruder Konrad von Jungingen nicht erbberechtigt, Mitglied der geistlichen Korporation des Deutschen Ordens. Ob sein Profess bereits im Reich erfolgte oder erst zu einem späteren Zeitpunkt im Ordensland lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Es kann als sicher gelten, dass Ulrich in Preußen die Protektion seines älteren Bruders Konrad erfuhr, der in der Hierarchie des Ordens bereits verantwortliche Positionen bekleidete. So übernahm Ulrich in den Jahren 1391 bis 1392 den Posten eines Kompans des Hochmeisters Konrad von Wallenrode. Damit etablierte er sich früh auf der Marienburg, dem Machtzentrum des Ordensstaates. Die bedeutende Funktion eines hochmeisterlichen Kompans prädestinierte Ulrich für weitere einflussreiche Ämter. Insbesondere die Wahl seines Bruders Konrad zum 25. Hochmeister im Jahre 1393 wirkte sich vorteilhaft auf die Aufstiegschancen Ulrichs von Jungingen aus.

Im Jahr 1396 wurde Ulrich Komtur von Balga, einer der wichtigsten Komtureien im Ordensstaat. Dieses Amt galt im Orden seit jeher als Grundlage für höhere Weihen. In den Jahren nach 1398 führte er in seiner Eigenschaft als Komtur von Balga die komplizierten diplomatischen Verhandlungen mit der dänischen Königin Margarethe I. um den Besitz Gotlands. Weiterhin nahm der Komtur an diplomatischen Missionen in Litauen teil[1]. Ab Ende 1404 führte er nach der krankheitsbedingten Abberufung Werners von Tettlingen als Ordensmarschall das Ordensheer zur Unterdrückung lokaler Aufstände nach Žemaitien. Damit zählte Ulrich zu den fünf Großgebietigern und hatte somit eines der höchsten Ämter innerhalb des Ordens inne. In Žemaitien, es wurde laut des Vertrages von Salinwerder von 1398 vom litauischen Großfürsten Vytautas dem Orden übereignet, zeichnete sich Ulrich durch besonnenes sowie pragmatisches Handeln aus[2], was die verbreitete Ansicht späterer Chronisten[3] hinsichtlich der Unbeherrschtheit und Arroganz dieses Mannes widerlegt.

Nach dem unerwarteten Tode seines Bruders, des Hochmeisters Konrad von Jungingen, am 30. März 1407 musste, aufgrund der wachsenden Spannungen mit dem Königreich Polen infolge des Erwerbs der Neumark im Jahre 1402, eilig ein neuer Hochmeister bestimmt werden. Der amtierende Statthalter des Hochmeisters, Werner von Tettlingen, schlug als Nachfolger den Ordensmarschall Ulrich von Jungingen vor[4] . Dieser soll sich gegen den Vorschlag mit dem Argument gewehrt haben, er sei des hohen Amtes nicht würdig[5] . Dennoch wählte das aufgrund des Zeitdruckes nicht vollständige Ordenskapitel (es fehlten die Repräsentanten aus dem Reich, wie der Deutschmeister Konrad von Egloffstein, sowie einige Vertreter des Livländischen Ordenszweiges) Ulrich von Jungingen zum 26. Hochmeister des Deutschen Ordens. Ulrich von Jungingen wurde 1407 einstimmig bestimmt.

Hochmeister

Hochmeisterwappen der Brüder Konrad und Ulrich von Jungingen
Hochmeisterwappen der Brüder Konrad und Ulrich von Jungingen

Der Herrschaftsantritt sowie die gesamte Amtszeit des neuen Hochmeisters wurde durch die Verschärfung des Widerspruchs mit dem Königreich Polen und insbesondere dem Großfürstentum Litauen überschattet. Während der polnische Adel aufgrund der Annektierung von Pommerellen im Jahre 1308 und dem Erwerb der Neumark zu einer kriegerischen Entscheidung drängte, unterstützte der litauische Großfürst Vytautas Unabhängigkeitsbestrebungen im dem Orden 1398 verpfändeten Žemaitien.

Jungingen sowie seine Berater unterschätzten die wiederholt vom Ordensvogt in Žemaitien, Michael Küchmeister von Sternberg, übermittelten Warnungen vor gärender Unzufriedenheit in seinem Verwaltungsbereich. Bereits ab 1402 gab es hier einen Kleinkrieg zwischen den aufbegehrenden Žemaiten und Streitkräften des Ordens. Obwohl Vytautas offiziell zu seinen im Vertrag von Sallinwerder eingegangenen Verpflichtungen stand, unterstützte er inoffiziell den unzufriedenen Adel Žemaitiens.

Jungingen erkannte diesen Sachverhalt, musste aber auch in Betracht ziehen, dass massives Eingreifen in Žemaitien und folglich gegen das Großfürstentum Litauen einen Krieg mit dem durch König Wladyslaw II. Jagiello, einem Verwandten des Großfürsten, verbundenen Königreich Polen nach sich ziehen könnte. Es ergäbe sich eine Situation, die aufgrund der langen Grenzlinie und des immensen personellen Potentials der Kontrahenten auch die beträchtlichen militärischen Ressourcen des Ordenstaates übersteigen würde. Innerhalb des Führungszirkels des Ordens gab es schon ab 1403 konträre Ansichten, wobei einige maßgebliche Würdenträger einen Präventivkrieg gegen Polen befürworteten, wobei andere sich strikt gegen solch aggressive Maßnahmen aussprachen. Der verstorbene Hochmeister Konrad zählte zu den Letzteren[6]. Ulrich von Jungingens Rolle in diesen Kontroversen ist unbekannt, sein Handeln als Hochmeister zeigt hingegen, dass er einen kriegerischen Konflikt bis zum Sommer des Jahres 1409 zu vermeiden suchte.

Ein im Frühjahr 1409 ausbrechender allgemeiner Aufstand in Žemaitien ließ den Konflikt jedoch eskalieren. Die Führungsriege des Ordens vermutete in Vytautas von Litauen die treibende Kraft der Rebellion. Diesbetreffende Anfragen an den Großfürsten blieben unbeantwortet[7]. Stattdessen verschärfte sich der Konflikt mit dem Königreich Polen. Wladyslaw II. Jagiello ließ durch seinen Gesandten, den Erzbischof Mikolaj I. Kurowski von Gnesen, dem Hochmeister ausrichten, dass im Falle eines Krieges mit dem Großfürstentum Litauen die Streitmacht des Königreiches Polen unverzüglich das Ordensland selbst angreifen werde[8]. Ulrich von Jungingen, er betrachtete seine Souveränität als Landesfürst durch die offenkundige Einmischung in innere Angelegenheiten seiner Landesherrschaft (Man betrachtete Žemaitien als zum Ordensstaat gehörig) verletzt, soll dem königlichen Gesandten mit folgendem Wortlaut geantwortet haben:

„So will ich lieber das Haupt als die Glieder fassen, lieber bewohntes als ein wüstes und ödes Land aufsuchen!“[9]

Diese Worte des Hochmeisters markieren den Schlußstrich unter jegliche Bemühungen, den schwelenden Konflikt mit friedlichen Mitteln zu lösen. Am 6. August des Jahres 1409 ließ Ulrich von Jungingen dem König von Polen durch den offiziellen Herold des Meisters seinen und des Ordens Fehdebrief überbringen. Diese Maßnahme markiert den Anfang vom Grossen Streythe, dem in der Ordensterminologie so bezeichneten Krieg gegen das Königreich Polen und das Großfürstentum Litauen.

Krieg gegen Litauen und Polen

Siehe auch Hauptartikel: Schlacht bei Tannenberg (1410)

Nach der offiziell erfolgten Erklärung der „Fehde“ machte Jungingen umgehend von der vorteilhaften strategischen Lage Gebrauch. Trotz des sich verschärfenden Konfliktes zeigten sich sowohl das Königreich Polen, als auch das Großfürstentum Litauen nur ungenügend auf eine sofortige kriegerische Auseinandersetzung vorbereitet. Kontingente des Ordensheeres eroberten das Dobriner Land, besetzten Kujawien und belagerten Bromberg. Gegen einen unbedingten Kriegswillen des Hochmeisters trotz der vorteilhaften Position spricht, dass er einer Vermittlung des böhmischen Königs Wenzel IV. zustimmte. Es wurde ein befristeter Waffenstillstand bis zum Johannestag (21.Juni 1410) vereinbart. Der Schiedspruch des Königs wurde hingegen von Polen und Litauen nicht akzeptiert. In der Folge zeigte sich Ulrich von Jungingen durchaus als Stratege. Nachdem die Frist des Waffenstillstandes ablief, verblieb er auf der Marienburg, da der Hochmeister über keine eindeutigen Informationen bezüglich des Standortes der gegnerischen Heere verfügte. Eindeutig wurde die Lage Anfang Juli mit dem Eingang der Entsagungsbriefe ehemals verbündeter Fürsten, abgefasst in Biezun. Vermutlich in Absprache mit dem erfahrenen Ordensmarschall Friedrich von Wallenrod sowie den anderen Großgebietigern beließ Jungingen den kriegserprobten Komtur Heinrich von Plauen mit einigen Ordensrittern, sowie ungefähr 2000 Söldner zum Schutz der von polnischen Streifscharen gefährdeten Neumark in Schwetz zurück. Am 2. Juli 1410 verließ Ulrich von Jungingen in voller Rüstung an der Spitze des Rennbanners, einer Elite der Ordensritterschaft, die Marienburg mit den angeblichen Worten:

„Ich begrüße dich, hehre Feste, als Sieger, oder nimmermehr!“

Johann von Posilge, Ordenschronist[10]

Ulrich von Jungingens Tod in der Schlacht bei Tannenberg

Siehe Hauptartikel: Schlacht bei Tannenberg (1410)
Darstellung der Schlacht bei Tannenberg in der Berner Chronik von Diebold Schilling dem Älteren um 1483

Jungingen führte das Heer des Ordens sowie die Aufgebote der preußischen Stände bis nach Kauernick unweit Soldaus, wo man am Ufer des Flusslaufes der Drewenz ein befestigtes Lager bezog. Eine sich bereits hier andeutende Auseinandersetzung mit dem polnisch-litauischen Heer wurde durch das Zurückweichen der letzteren Streitmacht vermieden. Nachdem jedoch am 13. Juli Gilgenburg durch Litauer und Tataren gestürmt worden war, wurde eine Konfrontation unvermeidlich. Ulrich von Jungingen führte unverzüglich das Ordensheer nach Nordosten, wo er am Abend des 14. Juli bei Frögenau einen weiteren Lagerplatz beziehen ließ. Kundschafter meldeten noch am Abend, dass die gesamte Macht des polnisch-litauischen Heeres am Ufer des Flusses Marense lagerte. Jungingen und sein Kriegsrat beschlossen, das Heer des Deutschen Ordens am folgenden Tag auf der weitgehend unbewaldeten Heidelandschaft zwischen den Dörfern Grünfelde und Tannenberg sowie Ludwigsdorf und Faulen zur entscheidenden Schlacht zu stellen. Das seit dem Morgen des 15. Juli in Schlachtordnung formierte Ordensheer befand nun in taktisch ungünstiger Position, da es die Initiative dem am sumpfigen Ufer der Marense bzw. in den Wäldern östlich der Tannenberger Heide verharrenden Gegner überlassen musste. In Anbetracht der sommerlichen Mittagshitze auf dem Schlachtfeld wurde das untätige Warten für die schwer gewappneten Krieger des Ordensheeres sowie insbesondere für die mit Kuvertüre (einem sogenannten Rossmantel) und (bei den höchsten Würdenträgern) Rossharnischen ausgestattenen Schlachtrosse zusehends unhaltbarer. Die höchsten Würdenträger berieten sich und kamen zur Einigung: Mit folgenden Worten soll Hochmeister Ulrich von Jungingen als höchster Repräsentant des Ordens durch zwei Herolde den polnischen König und den litauischen Großfürsten schließlich unter Überbringung von zwei blanken Schwertern zum unverzüglichen Kampf herausgefordert haben:

„Es ist Brauch kriegerischer Streiter, wenn ein Kriegsheer zum Kampfe bereit des andern wartet, so sendet es diesem zwei Schwerter zu, um es zum gerechten Streit auf dem Kampfplatz zu fordern. Sehet, so reichen auch wir euch jetzt zwei Schwerter entgegen, das eine für Euch, den König, das andere für Euch, Herzog Witold (gebräuchlicher deutscher Name für Vytautas), im Namen des Meisters, des Marschalls und der Ritter des Ordens, auf dass ihr den Kampfplatz erwählet, wo ihr ihn wollt. Nehmet sie euch zur Hilfe, diese Schwerter, zum Beginne des Streites. Aber zaudert nicht ferner und versäumet nicht die Zeit. Wozu verbleibt ihr in den Wäldern und verberget euch, um dem Kampfe zu entfliehen, dem ihr für wahr doch nicht mehr entgehen könnt?“

Jan Długosz, polnischer Chronist[3]

Dieses Verfahren entsprach zwar der ritterlichen Tradition, wurde hingegen von den Kontrahenten (zumindest) offiziell als Beleidigung und Beweiß für den Hochmut des Hochmeisters verstanden.

Dennoch wurde das Treffen durch den Angriff der litauischen Banner des Großfürsten Vytautas auf den linken Flügel des Heeres eröffnet. Ulrich von Jungingen leitete den Einsatz seiner Banner vorerst von einem Hügel hinter den Schlachtlinien. So befahl er den zunächst erfolgreichen Gegenangriff gegen den litauischen Heerbann unter dem Ordensmarschall (welcher sich in der Folge in Verfolgungskämpfe verzettelte) und beobachtete den für das Ordensheer zunächst erfolgreichen Kampf auf dem linken Flügel unter dem Großkomtur Kuno von Lichtenstein gegen die polnischen Streitkräfte. Unter dem sogenannten Krakauer Banner kämpfte hier auch die Elite des polnischen Adels. Nachdem das polnische Königsbanner infolge glücklicher Umstände in die Hände des Ordens fiel, soll Ulrich selbst, nunmehr des Sieges gewiss, den Siegeschoral des Ritterordens: Christ ist erstanden angestimmt haben. Das Heer stimmte nach und nach in die Laudatio ein[3][11].

Mit dem Einsatz polnischer Reserven änderte sich jedoch die Lage: Der linke Flügel geriet nach dem Verlust des zuvor eroberten Banners zusehends in Bedrängnis.

Letzte Phase des Treffens am späten Nachmittag; Hellgrau ist der vorangegangene Flankenangriff unter Ulrich von Jungingen verzeichnet

Für den bisher überlegt agierenden Ulrich von Jungingen ergaben sich nun zwei Alternativen: Zum Einen nach ritterlicher Tradition selbst seine Reserve von 15 Bannern, darunter das Rennbanner, zum Angriff zu führen; Zum Anderen, die Reiter unter einem subalternen Komtur die entscheidende Attacke reiten zu lassen und die taktische Führung des Heeres selbst in der Hand zu behalten. Eine gewisse Rolle scheint in der Entscheidungsfindung des Hochmeisters der Aspekt gespielt haben, dass sich unter der Reserve die Banner des Eidechsenbundes (eines profanen Ritterbundes aus dem Kulmer Umland) befanden, dessen Loyalität zum Deutschen Ordens sich Ulrich nicht sicher war. Ohne eingehende Beratung mit einem seiner Großgebietiger (Sie weilten nicht in seiner Entourage, waren auf die einzelnen Flügel verteilt) entschied der Hochmeister am frühen Nachmittag: Unverzüglicher Angriff auf den noch immer von den litauischen Alliierten entblößten rechten Flügel des polnischen Heeres. Unter Jungingens Führung beschrieben die Banner einen weiten Bogen nach Nordosten, um dem vorgerückten polnischen Heer nach langem Anlauf in die Flanke zu fallen.

Schon während des Anrittes kam es mehrfach zu Unregelmäßigkeiten. So fielen einige Ordensritter des Rennbanners, darunter der vom Chronisten Jan Długosz namentlich erwähnte Leopold von Kötteritz[3], nach links ab, um ein abseits des Schlachtgeschehens stehendes polnisches Banner zu attackieren[12]. Unmittelbar darauf senkte der Bannerträger des Eidechsenbundes Nicolaus von Redys die Fahne. Diese Handlung stellte ein vorab beredetes Zeichen dar, das Schlachtfeld zu verlassen. Teile des Bundes schwenkten ab. Welche dieser Handlungen der Hochmeister mit seinen, vom Chronisten verzeichneten Worten zu verhindern suchte, indem er befahl:

„Herum! Herum!“

Jan Długosz, polnischer Chronist[3]

bleibt ungeklärt. Unmittelbar darauf darauf sah sich Ulrich von Jungingen, an der Spitze der Formation reitend, einer entschlossenen Abwehrfront der polnischen Reiterei unter dem Ritter Dobieslaw von Olesnica[3] gegenüber. In diesem Kampf fiel Jungingen. Inwieweit unmittelbar auf die massive Attacke der 15 Banner des Hochmeisters alarmiertes Fußvolk am Tod des Hochmeisters beteiligt war, ist nicht mehr zu klären. Ohne Führung wurde die Schlacht bei Tannenberg zum Desaster für das Ordensheer.

Ulrich von Jungingens Leichnam ließ der polnische König Wladyslaw Jagiello würdig in die Marienburg überführen, bevor er die Belagerung der Marienburg begann. Jungingen fand seine ewige Ruhe in der Gruft der traditionellen Gruft der Hochmeister unter der Sankt Annen-Kapelle der Ordensburg.

Rezeption

Darstellung des Todes Ulrichs von Jungingen in der Bitwa pod Grunwaldem/Schlacht bei Tannenberg, Historiengemälde von Jan Matejko, Öl auf Leinwand, Nationalmuseum Warschau

Eine Bewertung den Hochmeister Ulrich von Jungingen betreffend ist heute nur noch unter dem Gesichtspunkt seines Todes auf dem Schlachtfeld und der Niederlage bei Tannenberg möglich. Schilderungen, die Persönlichkeit Ulrichs von Jungingen betreffend, gehen im Grunde auf Chronisten der Schlacht bei Tannenberg wie Jan Długosz sowie fragmentiert auf das Werk des Johann von Posilge zurück. Beide Geschichtswerke wurden erst Jahre nach den historischen Geschehnissen (Długosz' Chronik Banderia Prutenorum entstand erst dreißig Jahre später aufgrund den Berichten eines Teilnehmers der Schlacht bei Tannenberg) erstellt. In diesen Geschichtswerken werden unter dem Aspekt der Niederlage dem gefallenen Hochmeister Eigenschaften unterstellt, die er nachweislich nicht besaß: So beschreibt Jan Długosz Ulrich als jung und heißblütig. Gerade dieser Sachverhalt wurde von der Nachwelt, sowohl von Historikern[13] als auch in der Belletristik[14], immer wieder zitiert. Jungingen war zum Zeitpunkt seines Todes allerdings bereits fünfzig Jahre alt, nach mittelalterlichem Verständnis demnach recht betagt.

Ulrich von Jungingen wird einerseits als tugendhaft und tüchtig beschrieben, ein klassischer Ritter des Mittelalters. So verzichtet er zu Beginn der Schlacht bewusst darauf, das Überraschungsmoment zu nutzen und die Feinde anzugreifen, bevor sie sich zur Schlacht formieren konnten. Stattdessen lässt er den gegnerischen Heerführern, so dem polnisch-litauischen König Wladyslaw II. Jagiello sowie dem litauischen Großfürsten Vytautas durch zwei Herolde jeweils ein Schwert überbringen, was traditionell unter Rittern als Aufforderung zur Schlacht galt[15]. Eine Darstellung, die unter den Aspekten neuerer Erkenntnisse über den Hergang des Treffens bei Tannenberg nicht haltbar ist[16]. Andererseits stellt das vorgeblich spontane Vorpreschen an der Spitze seiner Banner, je nach Perspektive, einen vermeintlich eindeutigen Beweiß seines Mutes oder fatale Unbeherrschtheit dar.

Unbestritten ist laut jüngsten Forschungsergebnissen, dass Jungingen den Anforderungen an einen umsichtigen Feldherrn bei Tannenberg nicht gerecht wurde. Durch die persönliche Beteiligung an der Attacke des Rennbanners ohne klare Übergabe der Führungskompetenzen an einen potenziellen Stellvertreter ging das Heer des Ordens der einheitlichen Führung verlustig. Die Folge war eine weitgehende Aufsplitterung der Kräfte und einhergehend die totale Niederlage.

Herausragendes Beispiel der Darstellung Jungingens in der Bildenden Kunst ist das Gemälde des polnischen Malers Jan Matejko. Matejko fasste auf dieser monumentalen Darstellung der Schlacht bei Tannenberg von 4,26 x 9,87 Metern drei verschiedene Szenen der Schlacht zusammen: Zum einen in der rechten oberen Ecke den gescheiterten Angriff von Ordensrittern auf König Władysław II. Jagiełło, links oben die Eroberung des Lagers der Ordensritter am Ende der Schlacht und groß in der Mitte den Schlachtentod Ulrichs von Jungingen. Matejko lädt den Tod Ulrichs von Jungingen mit künstlerischen Mitteln stark symbolisch auf, indem er den einen der beiden Fußknechte, die ihn attackieren, als Henker mit roter Kapuze und Henkersbeil, den anderen halbnackt als Heiden darstellt, der aber die Heilige Lanze zum Stoß ansetzt. Auch in der Zeit des Sozialismus wurde das Gemälde in Ehren gehalten, da der Mythos, der Hochmeister des Deutschen Ordens sei von einfachen Bauern erschlagen worden, die Deutung des historischen Geschehens als Klassenkampf zuließ.

Der Jungingenstein auf einer Postkarte vor 1945

In den Jahren nach der Schlacht wurde auf Weisung des neuen Hochmeisters Heinrich von Plauen am vermeintlichen Todesort Ulrichs eine Kapelle errichtet, welche die Gefallenen des Grossen Streythes, insbesondere aber den ritterlich gefallenen Ulrich von Jungingen ehren sollte. Auf preußisch-deutscher Seite erfolgte im 19. Jahrhundert bezüglich der Schlacht bei Tannenberg eine Revision des Geschichtsbildes von relativ neutraler Bewertung hin zur Darstellung einer tragischen Niederlage und damit der Sicht auf den Hochmeister. Diese Aspekte spiegeln sich eindrucksvoll im Roman Heinrich von Plauen von Ernst Wichert wider. Hier wird vom heldenhaft-schönen Ulrich von Jungingen als Antagonisten seines listig-hässlichen Gegenspielers Wladyslaw II. Jagiello gesprochen. Mit der Errichtung des Jungingensteins im Jahre 1901 wurde Ulrich von Jungingen nahe der neuzeitlich vermuteten Lokalisation seines Todes ein Denkmal in Form eines Findlings mitsamt einer Inschrift gesetzt. Die mit dem damaligen nationalistischen Zeitgeist korrespondierende Inschrift lautete: „Im Kampf für deutsches Wesen, deutsches Recht starb hier der Hochmeister Ulrich von Jungingen am 15. Juli 1410 den Heldentod“. Heute ist der Stein noch vorhanden, allerdings wurde er nach 1945 mit der Vorderseite nach unten gestürzt, die deutsche Inschrift ist daher nicht mehr lesbar. Ein Stein mit „neutralisierter“ Inschrift, auf dem nur noch der name „Jungingen“ lesbar ist, befindet sich auf dem Areal der heutigen Tannenberg-Gedenkstätte[17]. Ob es sich dabei um die Reste des Jungingenstein handelt, ist umstritten.

In ihrer schwäbischen Heimat, der Gemeinde Jungingen, wird an die beiden Hochmeister Konrad und Ulrich noch heute erinnert.

Literatur

Zeitgenössische Chroniken

  • Johannes Longinus (Jan Długosz): Banderia Prutenorum [18]
  • Jan Długosz: Annales seu Cronicae incliti Regni Poloniae (Chronik Polens, um 1445-1480).
  • Johann von Posilge: Chronik des Landes Preussen, um 1430
  • Unbekannter Verfasser: Cronica conflictus Wladislai, regis Poloniae, cum cruciferis anno Christi 1410

Quelleneditionen

  • Theodor Hirsch, Max Toeppen, Ernst Strehlke: Scriptores rerum Prussicarum. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergang der Ordensherrschaft; Band 3-5, Leipzig 1861–1874.

Monographien

  • Walter Markov und Heinz Helmert: Schlachten der Weltgeschichte; Leipzig. Edition, 1983.
  • Erich Maschke: Domus Hospitalis Theutonicorum; Europäische Verbindungslinien der Deutschordensgeschichte. Gesammelte Aufsätze aus den Jahren 1931-1963. (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, 10).
  • Stephen Turnbull: Tannenberg 1410, Osprey Publishing, Campaign 122, Oxford 2003, ISBN 1-84176-561-9
  • Wolfgang Sonthofen: Der Deutsche Orden; Weltbild, Augsburg 1995, ISBN 3-89350-713-2
  • Dieter Zimmerling: Der Deutsche Ritterorden; Econ, München 1998, ISBN 3430-19959-X

Belletristik

Anmerkungen

  1. Urkunde des Hochmeisters Konrad von Jungingen über die Passage des Komturs von Balga, Ulrich von Jungingen, nach Litauen
  2. Urkunde von 1406
  3. a b c d e f Johannes Longinus (Jan Długosz): Banderia Prutenorum
  4. Theodor Hirsch, Max Toeppen, Ernst Strehlke: Scriptores rerum Prussicarum. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergang der Ordensherrschaft. Band 3, S. 287.
  5. Theodor Hirsch, Max Toeppen, Ernst Strehlke: Scriptores rerum Prussicarum. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergang der Ordensherrschaft. Band 3, S. 287.
  6. Konrad von Jungingen wird mit den Worten zitiert: „Ein Krieg ist bald angefangen, aber schwer beendet...“ in: Wolfgang Sonthofen: Der Deutsche Orden; Weltbild, Augsburg 1995, S.136
  7. Dieter Zimmerling: Der Deutsche Ritterorden; Econ, München 1998, S.245
  8. Dieter Zimmerling: Der Deutsche Ritterorden; Econ, München 1998, S.245
  9. Dieter Zimmerling: Der Deutsche Ritterorden; Econ, München 1998, S.245
  10. Johann von Posilge Chronik des Landes Preußen Referenzfehler: Ungültiger Parameter „um“ in <ref>. Die unterstützten Parameter sind: details, dir, follow, group, name.
  11. Dieter Zimmerling: Der Deutsche Ritterorden, S.254
  12. Bei dieser Reitergruppe befand sich laut Jan Długosz der polnische König Wladyslaw II. Jagiello; Wie sich ein Angriff der gesamten Banner des Hochmeisters auf das Schlachtgeschehen ausgewirkt hätte, bleibt Spekulation
  13. Walter Markov und Heinz Helmert: Schlachten der Weltgeschichte; S.230
  14. Henryk Sienkiewicz: Krzyżacy; [Die Kreuzritter] sowie Ernst Wichert: Heinrich von Plauen
  15. Wolfgang Sonthofen: Der Deutsche Orden; Weltbild, Augsburg 1995, S.137
  16. Stephen Turnbull: Tannenberg 1410, S. 49
  17. Aktuelle Bilder; u.a. die Ruinen der Kapelle von 1411 und das Fragment des vorgeblichen Jungingensteins
  18. Beschreibung der Flaggen und auch der Kriegsereignisse von 1410/11, um 1448. Eine bedingt zeitnahe Darstellung der Ereignisse; die Niederschrift entstand erst 38 Jahren später nach mündlicher Überlieferung eines Schlachtteilnehmers. Trotz verschiedener heraldischer Fehler in den Beschreibungen der einzelnen Banner (Fahne) ist es doch gerade das Verdienst dieses Werkes, eine Beschreibung in der Schlacht verwendeten Banner in Bildform bis in unsere Zeit überliefert zu haben


VorgängerAmtNachfolger
Konrad von JungingenHochmeister des Deutschen Orden
14071410
Heinrich von Plauen