Zum Inhalt springen

Birmenstorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 20. Februar 2005 um 14:39 Uhr durch Tschubby (Diskussion | Beiträge). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.

Vorlage:Ort Schweiz Birmenstorf ist eine Gemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt an der Reuss, rund vier Kilometer westsüdwestlich von Baden.

Geographie

Die Gemeinde liegt auf einer Schotterebene auf der rechten Seite der Reuss, wenige Kilometer vor der Mündung in die Aare. Der Stettberg, der Bollrain und der Stutz, drei kleinere Ausläufer des Gebenstorfer Horns, ragen in diese Ebene hinein. Der Dorfkern liegt dabei an einer Engstelle zwischen dem Stutz und der Limmat. Die ansonsten flache Ebene fällt unmittelbar am Flussufer steil ab.

Das Gemeindegebiet ist 780 Hektaren gross, davon sind 285 bewaldet und 10 sind mit Reben bepflanzt. Die höchste Stelle befindet sich auf dem Stutz auf 573 Metern, die tiefste auf 340 Metern an der Reuss.

Nachbargemeinden sind Gebenstorf im Norden, Baden im Osten, Fislisbach und die Badener Exklave Rütihof im Südosten, Wohlenschwil im Süden, Birrhard im Südwesten sowie Mülligen und Windisch im Westen.

Geschichte

Spuren einer Besiedlung lassen sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen. Während der Römerzeit befand sich hier, in unmittelbarer Nähe des Legionslagers Vindonissa, ein Gutshof. Den Grundstein für das heutige Dorf legten alemannische Siedler im 6. Jahrhundert. 1146 übernachtete Bernhard von Clairvaux im Dorf; damals erfolgte die erste schriftliche Erwähnung.

Landesherren waren ab 1172 die Grafen von Lenzburg, nach deren Aussterben die Kyburger und schliesslich die Herren von Liebegg (bei Gränichen). 1363 gelangte das Dorf in den Besitz von Königin Agnes von Ungarn, die die Neuerwerbung sogleich an das Kloster Königsfelden in Windisch vergab.

Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 wurde Birmenstorf Teil der gemeinen Herrschaft der Grafschaft Baden und kam damit unter die Hoheit der acht alten Orte.

Die Reformation von 1528 hatte grosse Auswirkungen auf das Dorf. Ein Drittel der Bevölkerung hatte sich dem neuen Glauben zugewandt, was das Dorfleben bis weit ins 20. Jahrhundert hinein prägte. Die reformierte Stadt Bern übernahm die Grundherrschaft vom aufgelösten Kloster Königsfelden, was oft zu Spannungen mit der katholischen Bevölkerungsmehrheit führte. Die alte Dorfkirche wurde paritätisch von beiden Konfessionen benutzt, bis 1935 die Katholiken neben der alten Kirche eine neue bauten, die Reformierten 1936 eine auf einem nahe liegenden Rebberg. Von der alten Kirche blieb der Chor mit alten Fresken von 1440 erhalten.

1743 zerstörte eine Feuersbrunst 15 Häuser. Kaum waren diese wieder aufgebaut worden, brannten sie 1757 erneut ab. 1798 wurde von den Franzosen die Helvetische Republik ausgerufen und Birmenstorf kam zum kurzlebigen Kanton Baden. Seit 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau. Einen weiteren Grossbrand, allerdings an einer anderen Stelle, gab es im Jahr 1843.

Im 18. Jahrhundert gab es einen markanten Bevölkerungszuwachs. Da neue Erwerbsmöglichkeiten fehlten, verarmten die Dorfbewohner. Viele wanderten nach Übersee aus und gleichzeitig wurde der Zuzug erschwert; dadurch stagnierte die Bevölkerungszahl während des gesamten 19. Jahrhunderts bei rund 900. Erst als die Maschinenindustrie Fuss fasste, begann sie wieder leicht zu steigen. Nach der Eröffnung der Autobahn im Jahr 1970 setzte eine rege Bautätigkeit ein, die Einwohnerzahl stieg um mehr als zwei Drittel.

Bevölkerung

Am 31. Dezember 2003 lebten 2355 Menschen in Birmenstorf, der Ausländeranteil betrug 15,8%. Bei der Volkszählung 2000 waren 47,9% römisch-katholisch und 33,1% reformiert. 5,7 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.

Entwicklung der Einwohnerzahl:

Behörden

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Die 5 Gemeinderäte sind:

  • Edith Saner, Gemeindeammann
  • Hans Gerber, Vize-Gemeindeammann
  • Andrée Rahm
  • André Siegrist
  • Daniel Surber

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Birmenstorf gehört zum Friedensrichterkreis Mellingen.

Wirtschaft

Heute gibt es noch ein Dutzend Landwirtschaftsbetriebe in Birmenstorf. Seit mehr als 600 Jahren wird Weinbau betrieben; die zehn Hektaren Rebland werden heute von Hobbywinzern nach den Regeln des biologischen Landbaus betreut.

Rund 60 Unternehmen bieten etwa 700 Arbeitsplätze an. Neben einigen Industriebetrieben gibt es zahlreiche kleine und mittelgrosse Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Vor allem das Baugewerbe ist gut vertreten. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten hauptsächlich in den Agglomerationen von Baden und Brugg.

Verkehr

Birmenstorf liegt an der Hauptstrasse, die vom Autobahnanschluss Baden-West bei Dättwil nach Baden führt. Das Dorf wird durch drei Buslinien erschlossen. Eine Linie der RVBW führt nach Baden und weiter nach Würenlos. Zwei Postautolinien führen nach Brugg bzw. zum Bahnhof Mellingen-Heitersberg (Anschluss an die Linie S3 der Zürcher S-Bahn).

Bildung

In Birmenstorf gibt es drei Kindergärten und zwei Schulhäuser, in denen die Primarschule und die Realschule untergebracht sind. Die Sekundarschule und die Bezirksschule können in Baden oder Windisch besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.