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Millstatt am See

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Vorlage:Infobox Ort in Österreich Millstatt ist eine Marktgemeinde im Bezirk Spittal an der Drau in Kärnten. Die Geschichte der Gemeinde war über Jahrhunderte an die des Stifts Millstatt geknüpft, das vom ausgehenden 11. Jahrhundert an bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1773 über große Besitzungen in der Region verfügte und deren Entwicklung maßgeblich prägte. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wandelte sich Millstatt innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem ausgeprägten Fremdenverkehrsort, der Sommertourismus ist bis heute der wichtigste Wirtschaftsfaktor der rund 3.350 Einwohner zählenden Gemeinde am Millstätter See.

Geografie

Millstatt (Ostansicht)
Millstatt von der Steinschicht um 1900
Millstatt, Ansicht vom Südufer des Millstätter Sees

Geografische Lage

Millstatt liegt am Nordufer des Millstätter Sees im Südwesten der Nockberge, die zu den Gurktaler Alpen gehören. Während die Ortschaften Lechnerschaft, Millstatt, Pesenthein und Dellach entlang der Millstätter Straße (B 98) direkt am Seeufer in etwa 600 m Seehöhe gelegen sind, befindet sich der Großteil der anderen Ortschaften auf einer etwa 260 m höher gelegenen Hochebene, dem Millstätter Berg, die am Fuße der Millstätter Alpe liegt.

Gemeindegliederung

Die Marktgemeinde ist in die vier Katastralgemeinden Laubendorf, Matzelsdorf, Millstatt und Obermillstatt gegliedert. Die 1889 getrennten Gemeinden Millstatt und Obermillstatt wurden 1973 unter Abtrennung der Katastralgemeinde Großegg und der Ortschaft Starfach am 1. Jänner 1973 wieder zu einer Gemeinde mit 18 Ortschaften vereint. Gegenwärtig zählen folgende Ortschaften zur Gemeinde:[1]

KG Laubendorf KG Matzelsdorf KG Millstatt KG Obermillstatt
Gössering (57) Dellach (175) Großdombra (185) Görtschach (105)
Hohengaß (43) Matzelsdorf (188) Kleindombra (92) Grantsch (80)
Laubendorf (233) Pesenthein (87) Lechnerschaft (59) Lammersdorf (163)
Öttern (19) Sappl (269) Millstatt (840) Obermillstatt (492)
Schwaigerschaft (115)      
Tschierweg (149)      

Nachbargemeinden

Krems in Kärnten
Seeboden Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Radenthein
Spittal an der Drau Ferndorf

Geschichte

Erste Ansiedlungen

Millstätter Berg bei Sappl gegen Westen, der Schanzkogel ist der dritte Waldhügel im Hintergrund

Die ältesten bisher gefundenen Besiedlungsspuren auf dem heutigen Gemeindegebiet wurden am Millstätter Berg bei Lammersdorf (Schanzkogel) und Sappl gefunden, sie weisen auf eine jungsteinzeitliche Siedlung (um 2.000 v. Chr.) hin. Um 500 v. Chr. besiedelten keltische Stämme die Region und von den Römern, die ab 15 v. Chr. das Land besetzten, konnte eine Siedlungstätigkeit am Ufer des Millstätter Sees durch Ausgrabungen nachgewiesen werden.[2]

Auf dem Gebiet von Laubendorf konnte das Fundament einer altchristlichen Kirche freigelegt werden, die um 600 n. Chr. zerstört wurde. In dieser Zeit besiedelten Slawen das Drautal und weitere Regionen des heutigen Kärntens und ließen sich wohl auch am Millstätter See nieder. Nachdem das bis dahin slawische Fürstentum Karantanien Mitte des 8. Jahrhunderts unter baierische und später fränkische Oberheit kam, wurde vor allem vom neu gegründeten Bistum Salzburg aus mit der Christianisierung des Landes begonnen. Mit den Missionaren kamen auch baierische Siedler in die Region und wurden sesshaft. Für die Ortschaft Millstatt ist eine erste Kirche um das Jahr 800 nachweisbar. Der Sage nach soll der Karantanen-Herzog Domitian um 800 Millstatt gegründet haben, der nach seiner Bekehrung zum christlichen Glauben tausend heidnische Götzenstatuen (lat. mille statuae) in den See werfen ließ. Um 950 übetrug Kaiser Otto I. das Seetal den Aribonen, einem bairischen Adelsgeschlecht, das die Gegend um den See roden und besiedeln ließ.

Die Ableitung des Ortsnamens aus mille statuae gilt als überholt. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort zwischen 1065 und 1075 als Milistat später (1122) als Milstat, wobei Milsstatt als Bezeichnung für die Stätte an der Mils am wahrscheinlichsten ist. Der Bachname Mils leitet sich aus einem vorslawischen „Melissa“ ab, das „Bergbach“ oder „Hügelbach“ bedeutet. Bei diesem „Milsbach“ handelt es sich vermutlich um den Riegenbach, der in Millstatt in den See mündet.[3]

Stift Millstatt

Hauptartikel: Stift Millstatt

Stift Millstatt im Jahre 1913. Der Verbindungsgang zwischen den Türmen besteht noch.
Stiftskirche 2007
Stitskirche (Apsis mit barockem Hochaltar)

In der Zeit um 1070 wurde das Benediktinerkloster Millstatt gegründet und die zugehörige Stiftskirche im romanischen Stil erbaut. Der Stifter, der bayrische Pfalzgraf Aribo II., schenkte dem neu gegründeten Kloster ein großes Gebiet, das von Seeboden bis zur Turracher Höhe reichte. Die Mönche betrieben nicht nur Landwirtschaft, Brauerei und Weinbau inbegriffen, sondern richteten auch eine Bildhauer-, Maler- und Schreibschule ein. Sie waren auch für die Rodung einiger damals noch dicht bewaldeten Seitentäler verantwortlich, wo sich weitere Siedlungen bildeten. Das Kloster war für vier Jahrhunderte nicht nur geistlicher Mittelpunkt, sondern übte auch die Gerichtsbarkeit aus.

In der Zeit zwischen 1070 und 1469 übten nacheinander vier Adelsgeschlechter die Vogteirechte über das Kloster aus: Die Grafen von Görz, Ortenburg, Cilli sowie schließlich die Habsburger. Letztere hoben die Benediktinerabtei nach einer Phase der Misswirtschaft 1469 auf. An ihrer Stelle bekam der Orden der St. Georgsritter, den Kaiser Friedrich III. gestiftet hatte, um der Gefahr der einfallenden Türken zu begegnen, das Kloster sowie dessen Besitzungen überantwortet. Die Georgsritter bauten neben dem alten, halb verfallenen Klostergebäude eine neue, wehrhafte Ordensburg, um gegen die Überfälle der Türken gewappnet zu sein. Aus dieser Zeit stammen die heute noch erhaltenen vier Türme, das Georgsritter- und Hochmeisterschloss (letzteres heute "Lindenhof") sowie Reste der Wehrmauern. Der Orden verlor nach dem Tod von Kaiser Maximilian I. sukzessive an Einfluss und löste sich schließlich auf. 1541 starb der letzte Hochmeister des Ordens. Der Orden überdauerte jedoch in Italien und ist seit einigen Jahren wieder nominal in Millstatt ansässig.

Im Zuge der Reformationsbewegung waren im 16. Jahrhundert große Teile der Bevölkerung in den zum Kloster gehörenden Gebieten wie auch im übrigen Kärnten protestantisch geworden. Um dem zu entgegnen, übergab der Herrscher Innerösterreichs, zu dem Kärnten zu dieser Zeit zählte, und spätere Kaiser Ferdinand II. im Jahr 1598 das Kloster mit allen Besitzungen den Jesuiten. Diese hatten die Aufgabe, die Gegenreformation in der Region durchzusetzen, was diese in den darauf folgenden Jahrzehnten auch mit voller Härte unter Androhung von hohen Strafen bis hin zur Enteignung und Ausweisung ausführten. Da der Orden der Bevölkerung darüber hinaus hohe Abgaben (Zehnt und Robot) abverlangte, kam es 1737 zu einem bewaffneten Aufstand der Bauern, der aber niedergeschlagen wurde. Infolge des Jesuitenverbots vom 21. Juli 1773 von Papst Klemens XIV. wurde die Millstätter Jesuitenherrschaft beendet.

Die Besitzungen des Stifts wurden nach der Aufhebung des Ordens vom Staat eingezogen, einer staatlichen Studienfondsgesellschaft unterstellt und durch einen Kameralpfleger verwaltet, Pfarre und Kirche wurden am 12. April 1775 dem Bistum Gurk eingegliedert.[4]

Der Markt Millstatt

Die alljährlich gefeierte Weihe der Stiftskirche brachte schon im Hochmittelalter einen großen Zustrom auswärtiger Besucher und Händler nach Millstatt mit sich. Durch einen Erlass vom 14. April 1310 ließ der Salzburger Erzbischof Konrad IV. die Kirchweihfeste der einzelnen Kapellen auf das der Stiftskirche am Tag des Heiligen Lukas (18. Oktober) zusammenlegen; das Lukasfest war fortan bis zum Jahr 1561 der einzige Millstätter Markt. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich die Millstätter Kirchweihmärkte schon rund 250 Jahre vor der Zusammenlegung zum Lukasmarkt großer Beliebtheit erfreuten. Die Bezeichnung Millstatts als „Markt“ jedoch ist vor dem 15. Jahrhundert nicht nachweisbar, aus mehreren Urkunden geht aber hervor, dass der Ort nicht mehr als bloßes Dorf galt und vor 1500, offenbar noch vor dem Einzug der Georgsritter, eine märktische Verfassung mit Bürgermeister, Rat und Marktrichter besessen haben muss.[5]

Anlässlich der Übernahme der Stiftsherrschaft durch die Jesuiten erreichten die Bürger, dass diese sich bei Erzherzog Ferdinand um die Verleihung eines Wochenmarktes für Millstadt verwendeten, welche dieser mit Privileg vom 20. Jänner 1601 schließlich auch zugestand.[6] Die Bauern mussten sich aber im Gegenzug gegenüber den Jesuiten verpflichten, diesen Markt ohne jeden Nachteil für den Stift durchzuführen, insbesondere nicht zur Minderung des Getreidepreises auszunutzen. Während sich anhand von Bürgermeisterrechnungen beweisen lässt, dass der Wochenmarkt sowohl 1671/72 wie auch 1681 in Betrieb war, geht aus der nächsten erhaltenen Bürgermeisterrechnung für 1747 hervor, dass in diesem Jahr kein Wochenmarkt abgehalten wurde. Nicht nur die Wochen-, sondern auch die Jahrmärkte gerieten zu dieser Zeit in Abnahme, weil das Stift in seiner Herrschaft neben den privilegierten Märkten gegen Entrichtung einer Handelstaxe auch den sogenannten Gäuhandel auf dem Land zuließ.

Durch die Auflösung des Stifts und der Übernahme der Herrschaft Millstatt durch den Staat änderte sich für die Bevölkerung wirtschaftlich nur wenig. Versuche, den Wochenmarkt wieder aufzunehmen, schlugen offenbar fehl. Für die Jahre 1794/96 ist lediglich belegt, dass zu den drei herkömmlichen Jahrmärkten am Dienstag nach Mittfasten, an Georgi und Lukas noch ein Quatembermarkt und ein Dreikönigsmarkt hinzukamen; für diese fünf Märkte liegt für das Jahr 1841 eine Bestätigungsurkunde vor.

Auch eine Erhöhung der Selbständigkeit des Marktes ist in dieser Periode nicht feststellbar. Bürgermeisterwahlen wurden nicht direkt, sondern über Wahlmännerlisten durchgefürt, die vom Kreisamt genehmigt werden mussten; der Gewählte wurde schließlich der Landeshauptmannschaft zur Bestätigung vorgeschlagen. Die Aufnahme von Neubürgern musste von der Kameralverwaltung genehmigt werden.

Villa Streintz (erbaut um 1892) am Schillerstrand

Politisch wurde Oberkärnten nach den Napoleonischen Kriegen mit dem Frieden von Schönbrunn 1809 als Département Caranthie den Illyrischen Provinzen Frankreichs zugeteilt, kam aber schon 1814 mit dem Ende der Herrschaft Napoleons I. wieder in den Besitz der Habsburger, die es Königreich Illyrien zuordneten. Nach der Franzosenherrschaft stand kein Bürgermeister mehr an der Spitze der Gemeinde, sondern ein von einem staatlichen Bezirkskommissär bestimmter Marktrichter.

Mit der Revolution von 1848/49 und der damit einhergehenden Bauernbefreiung war die Kameralherrschaft zu Ende. Die 1850 gebildete Ortsgemeinde Millstatt umfasste neben dem Markt Millstatt mit seinen 647 Einwohnern noch die bäuerlichen Katastralgemeinden Großegg, Laubendorf, Obermillstatt und Matzelsdorf mit zusammen 1088 Einwohnern.[7] 1889 wurden Obermillstatt, Laubendorf und Matzelsdorf wieder abgetrennt und zur Gemeinde Obermillstatt zusammengeschlossen; erst 1973 wurden diese Ortschaften wieder in die Marktgemeinde Millstatt eingemeindet.

Wandlung zum Fremdenverkehrsort

Sprungturm im Millstätter Strandbad

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann sich Millstatt dem Fremdenverkehr zu öffnen, was durch den Bau der Südbahn MarburgVillachFranzensfeste im Jahr 1873 begünstigt wurde.[8] Erste Seebäder (Trebsche) und Gasthöfe (u. a. Burgstaller) wurden in dieser Zeit gebaut, Adlige und reiche Bürger bauten sich Villen am Seeufer, und ein Wiener Advokat namens Alexander Pupovac ließ den Südtrakt des ehemaligen Ordensschlosses zu einem Hotel umbauen, der „Lindenhof“ wurde am 15. Juni 1901 feierlich eröffnet.[9]

Mit dem Bau der Tauernbahn Anfang des 20. Jahrhunderts war Millstatt auch für deutsche Urlauber leichter erreichbar.

1921 wurde Millstatt offiziell zum Kurort. Um den Gästen das Flair eines Kurortes zu bieten, engagierte man von 1929 bis 1933 während der Hauptsaison eine 25 Mann starke Kurkapelle, die täglich im Musikpavillon auf der Strandpromenade konzertierte. Ab 1929 begann man unter der Leitung von Bürgermeister Arthur Ritter von Przyborski mit der Verbesserung der Straßen, mit der Errichtung von Tennisplätzen, der Erweiterung des Strandbades um 42 Kabinen und den Bau eines Sprungturmes (1931 eröffnet).

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung

Vorlage:Zeitleiste Bevölkerungsentwicklung der Marktgemeinde Millstat

Nachdem die Einwohnerzahl in den ersten Jahrzehnten des Tourismus seit 1860 stetig auf etwa 2000 angestiegen war, blieb sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stabil. Die letzten Kriegsjahre sowie die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die Bevölkerung vor allem durch Zuzug von Flüchtlingen und heimatvertriebenen Menschen aus den Ostgebieten des zusammengebrochenen Deutschen Reichs bis 1951 auf 2813 ansteigen. In den darauf folgenden zwei Jahrzehnten stieg die Anzahl der Nächtigungen auf das Zehnfache an, was auf die Einwohnerentwicklung aber einen vergleichsweise geringen Einfluss hatte: In den fünfzig Jahren zwischen 1951 und 2001 wuchs die Bevölkerung lediglich um 19 % an.

Nationalitäten

Laut Volkszählung 2001 haben 94,7 % der Einwohner Millstatts die österreichische Staatsbürgerschaft. Den größten Anteil der ausländischen Bevölkerung stellen deutsche (2,4 %) und kroatische (1,0 %) Staatsangehörige, andere Nationalitäten knapp 2 %. Als Umgangssprache wird deutsch von 96,4 % der Bevölkerung genannt, 1,4 % spricht kroatisch und 2,2 % andere Sprachen.

Religionen

In Millstatt bekennen sich 75,1 % der Einwohner zur römisch-katholischen und 16,6 % zur evangelischen Kirche. 0,6 % sind islamischen Glaubens und 5,5 % ohne religiöses Bekenntnis.

Regelmäßige katholische Gottesdienste werden in den Pfarrkirchen beim Stift Millstatt und in Obermillstatt abgehalten. Zur Wallfahrtskirche Matzelsdorf findet an jedem 13. des Monats von Mai bis Oktober eine Fatima-Wallfahrt statt. Jedes Jahr zu Fronleichnam findet eine besonders malerische Seeprozession auf Schiffen und Booten entlang dem Nordöstlichen Seeufer statt, an der auch traditionell die Georgsritter teilnehmen.

Evangelische Gläubige feiern ihren Gottesdienst in den Sommermonaten in der Maria-Loretto-Kapelle bei der Stiftskirche, sonst in der Evangelischen Kirche in Unterhaus (Gemeinde Seeboden).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • Stift Millstatt mit der ehemaligen Stifts- und heutigen Pfarrkirche St. Salvator und Allerheiligen
  • Die Pfarrkirche „Hl. Johannes der Täufer“ in Obermillstatt, wurde im Zeitraum der Stiftsgründung erstmals urkundlich erwähnt. Ihre heutige Gestalt erhielt sie bei einem Umbau im Jahr 1614
  • Die über der Ortschaft Millstatt gelegenen Kalvarienbergkapelle ist ein um 1700 im barocken Stil errichteter, nach vorne geöffneter Bau. An der Altarwand befindet sich vor einer gemalten Landschaft eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe mit den beiden Schächern und Maria und Josef.
  • Zwischen 1879 und 1920 ließen sich in Millstatt Adelige aus dem Kaiserreich Österreich zahlreiche Villen im Stil der Gründerzeit als Sommersitz erbauen. Diese prägen bis heute das Ortsbild. 20 sehenswerte Häuser entlang eines „Villenwanderwegs“ sind speziell gekennzeichnet.[10] Besonders markant sind die Villa Verdin (früher Hubertusschlössel), die Seevilla oder die Villa Streintz.[11]
  • Das Domitian-Dekmal ist eine 4,20 m hohe Plasitik des Italieners Giorgio Igne. Sie steht einer Plattform im See vor dem Schillerpark. Zwei weitere Domitian-Darstellungen befinden sich in einer Nische des Hauses Burgstaller am Marktplatz in Millstatt sowie am Depot der Freiwilligen Feuerwehr Millstatt
  • „Mille Statuae“: In Anlehnung an die Legende zur Namensgebung Millstatts sind an vielen Plätzen und Anlagen des Orts Skulpturen von bekannten nationalen und internationalen Künstlern augestellt und frei zu besichtigen

Museen

Das Stiftsmuseum Millstatt dokumentiert die Geschichte Millstatts anhand von Kunstwerken aus der römischen und der frühchristlichen Zeit sowie aus Romanik, Gotik, Renaissance und Barock. Als Besonderheit ist ein Kerker aus dem 16. Jahrhundert mit noch erhaltenen Wandkritzeleien von Gefangenen zu sehen. Das Rosenkranz-Museum, das sich ebenfalls im Stiftsgebäude befindet, zeigt Rosenkränze und andere Gebetsketten aus aller Welt, sowie Gebetsbücher, Statuen und Ikonen.

Ein Heimat- und Fremdenverkehrsmuseum im ehemaligen Volksschulgebäude von Obermillstatt führt dem Besucher die jüngere Entwicklung der Region in den Bereichen Handwerk, Landwirtschaft und Fremdenverkehr vor Augen. Die rund 500 Exponate, zu denen auch Gegenstände der Alltagskultur wie Küchen- und andere Haushaltsgeräte gehören, stammen zum größten Teil aus den letzten 150 Jahren.

Musik

In Millstatt gibt es mehrere Chöre (u. a. Carinthia Chor Millstatt, Chorus Anónymus, Gemischter Chor Obermillstatt) und Gesangsvereine, die bei Veranstaltungen in der Region auftreten. Die jährlich stattfindenden Musikwochen Millstatt sind ein auch überregional bekanntes Festival für geistliche und weltliche Chor- und Orchesterwerke sowie Kammermusik.

Naturdenkmale

  • „1000-jährige Linde“: Ehemaliger Gerichtsbaum im Stift Millstatt, etwa 350 Jahre alt. Die Linde ist im Eigentum der Österreichischen Bundesforste und seit 1933 unter Schutz.
  • Die Hansbauer Linde südlich der Straße von Obermillstatt nach Lammersdorf ist etwa 130 Jahre alt. Der Baum steht seit 1953 unter Schutz.
  • Die Linde in Kleindombra steht seit 1977 unter Schutz.[12]

Sport

Der 1969 gegründete Sportverein Obermillstatt hat die Sektionen Fußball, Stocksport und Zimmergewehr. Der Sportclub Millstättersee ist hingegen ein reiner Tennisverein, daneben gibt es mehrere Eisschützenrunden sowie den Schützenverein Pulverhorn Millstatt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Durch Millstatt führt die Millstätter Straße (B 98) entlang des Seeufers in Richtung Westen nach Seebach (Gemeinde Seeboden, wo sie auf die Katschberg Straße (B 99) trifft, bzw. über Döbriach und Radenthein nach Treffen (Kärnten) im Osten. Eine in nördliche Richtung verlaufende Verkehrsverbindung gibt es nicht. Der nächste Autobahnanschluss ist der Zubringer zum Knoten Spittal/Millstättersee der Tauernautobahn (A 10) bei Seebach in etwa 6 km Entfernung.

Millstatt besitzt keinen Anschluss an das Schienennetz, der nächstgelegene Bahnhof Spittal/Millstättersee in Spittal ist etwa 12 km entfernt. Tagsüber verkehrt regelmäßig ein Postbus der ÖBB nach Spittal und Radenthein.

Tourismus

Datei:Millstätter Berg AK 1914.jpg
Panoramakarte um 1910
  • Die Fremdenverkehrsstatistik vom März 2004 weist für die Gemeinde Millstatt 4443 Betten und zwei Campingplätze mit insgesamt ca. 375 Stellplätzen aus, wobei über das ganze Jahr 361.986 Nächtigungen zu verzeichnen waren.
  • Als neuer touristischer Impuls ist ab Herbst 2008 der Bau einer Schifffahrts-Erlebniswelt im Strandbad Millstatt geplant. Im architektonisch anspruchsvoll gestalteten „Pier One“ soll die Welt des Schiffbaus gezeigt und das einzige Süßwasser-U-Boot des deutschsprachigen Raums stationiert werden.[13]

Bildung

Die Ortschaften Millstatt und Obermillstatt haben jeweils eine Volksschule. Zahlreiche weiterführende und berufsbildende Schulen sowie Fachhochschulen gibt es in den Schulzentren im 10 Kilometer entfernten Spittal an der Drau.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat besteht aus 23 Mitgliedern und setzt sich seit der letzten Gemeinderatswahl 2003 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen:

Die ÖVP stellt mit Josef Pleikner den Bürgermeister sowie mit Mag. Erwin Theuermann und Heribert Dertnig die beiden Vizebürgermeister.

Wappen

Zu den ersten Anzeichen der allmählichen Loslösung vom Stift und einer ansatzweisen Selbstverwaltung gehörte ein Marktsiegel, dessen Verwendung an einem Dokument vom 27. Oktober 1737 nachgewiesen werden kann und die Jahreszahl 1656 trägt.[14] Dabei wurde das Motiv der der Säulen mit den Tierköpfen vom Stift Millstatt übernommen, welches schon auf die Zeit der Benediktiner zurückgeht: Der älteste Nachweis aus dem Jahr 1464 findet sich am Türflügel des Westportals, wenn auch noch ohne Köpfe. Unter Johann Geumann (1508 – 1553), dem zweiten Hochmeister des Georgsritterordens, wurde das Wappen häufig verwendet und auch auf dessem Grabmal angebracht. Die Säulen spielen auf die Domitian-Legende an, wonach dieser anlässlich der Christianisierung der Millstätter Gegend 1000 heidnische Bildsäulen in den See werfen ließ.

Das heutige Wappen beruht auf einer Grafik von Alexander Exax und wurde der Marktgemeinde am 16. Februar 1970 durch die Kärntner Landesregierung verliehen. Die amtliche Blasonierung lautet:

„In einem blauen Schild auf grünem Dreiberg drei goldene Säulen, deren Kapitelle mit silbernen Tierköpfen besetzt sind: 1. Ziege, 2. herschauender Löwe, 3. Esel; die Köpfe von 1 und 3 sind dem Löwen zugewandt.“[15]

Die Fahne ist Blau-Gelb mit eingearbeitetem Wappen.

Städtepartnerschaften

Gedenkstein am Millstätter Weg auf Helgoland

Söhne und Töchter des Ortes

Literatur

  • Matthias Maierbrugger: Die Geschichte von Millstatt. Mit einem Beitrag von Dr. Karl Dinklage: Die Geschichte des Marktes Millstatt. Herausgegeben von der Marktgemeinde Millstatt im Verlag Ferd. Kleinmayr, Klagenfurt. 1964,Neuauflage 1989 [Überblickswerk ohne Fußnoten].
  • Matthias Maierbrugger: Urlaub am Millstätter See. Ein Führer. Klagenfurt. 1978 [208 Seiten / Überblickswerk ohne Fußnoten / nicht ganz akutell aber gute Einführung in die Regionalgeschichte des Millstätter Sees mit den Orten Millstatt, Seeboden, Radenthein, Ferndorf und Spittal an der Drau].
  • Friedrich Koller: Vom ersten Gast zum Massentourismus. Der Einfluß des Fremdenverkehrs auf die Veränderung der Menschen, des Ortsbildes und der Ökologie in einer Gemeinde am Beispiel Millstatts. Diplomarbeit, Universität Klagenfurt, 2005.
  • Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Beiträgen zur Geschichte von Millstatt wird in den Tagungsberichten des „Symposiums zur Geschichte von Millstatt und Kärnten“, das seit 1981 jährlich veranstaltet wird, veröffentlicht.

Quellen und Anmerkungen

  1. Einwohnerzahlen laut Volkszählung 2001
  2. Einige Fundstücke sind im Stiftsmuseum Millstatt ausgestellt.
  3. Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. II. Teil, 1958, S.156 f.
  4. Maierbrugger 1989, S. 210
  5. vgl. Maierbrugger 1989, S. 255-258
  6. Verleihungsurkunde im Kärntner Landesarchiv
  7. Maierbrugger 1989, S. 312
  8. vgl. hierzu Koller 2005.
  9. Maierbrugger 1989, S. 330
  10. Gratisführer im Tourismusbüro Millstatt erhältlich.
  11. Umfassend dokumentiert ist etwa die Geschichte der Villa Waldheim - ursprünglich Lizzlhof von Gerhard v. Stawa (1999).
  12. Helmut Hartl, Hans Sampl, Ralf Unkart: Kleinode Kärntens. Nationalparks, Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmale. Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft, Klagenfurt 1993, 2. Auflage, S. 206, ISBN 3-85391-092-0
  13. ORF Kärnten: Schifffahrts-Erlebniswelt entsteht in Millstatt unter http://kaernten.orf.at/stories/268497/ aufgerufen am 05.04.08.
  14. Kärntner Landesarchiv, Sammelarchiv Geschichtsverein, F. 125, f. 565
  15. zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen, S. 194. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1
Commons: Millstatt (Gebäude / Kultur / Landschaft) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien