Zum Inhalt springen

Die Meistersinger von Nürnberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 24. März 2008 um 10:12 Uhr durch JosefLehmkuhl (Diskussion | Beiträge). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.
Werkdaten
Titel: Die Meistersinger von Nürnberg
Originalsprache: deutsch
Musik: Richard Wagner
Libretto: Richard Wagner
Uraufführung: 21. Juni 1868
Ort der Uraufführung: München
Spieldauer: ca. 5 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Nürnberg, Mitte des 16.Jhd.
Personen
  • Meistersinger
    • Hans Sachs, Schuster (Bass, Bariton)
    • Veit Pogner, Goldschmied (Bass)
    • Kunz Vogelgesang, Kürschner (Tenor)
    • Konrad Nachtigall, Spengler (Bass)
    • Sixtus Beckmesser, Stadtschreiber (Bass, Bariton)
    • Fritz Kothner, Bäcker (Bass)
    • Balthasar Zorn, Zinngießer (Tenor)
    • Ulrich Eißlinger, Würzkrämer (Tenor)
    • Augustin Moser, Schneider (Tenor)
    • Hermann Ortel, Seifensieder (Bass)
    • Hans Schwarz, Strumpwirker (Bass)
    • Hans Foltz, Kupferschmied (Bass)
  • weitere Rollen
    • Walther von Stolzing, ein junger Ritter aus Franken (Tenor)
    • David, Lehrbube Hans Sachs' (Tenor)
    • Eva, Pogners Tochter (Sopran)
    • Magdalene, Evas Erzieherin (Mezzosopran)
    • Ein Nachtwächter (Bass, Bariton)
    • Lehrbuben (Alt, Tenor)

Die Meistersinger von Nürnberg ist eine von 13 Opern des Komponisten Richard Wagner in drei Akten. Die Uraufführung fand am 21. Juni 1868 in München statt. Die Spieldauer beträgt ca. 5 Stunden.


Intention Wagners

Wagner wollte mit seiner Kunst die „dekadenten“ Theater reformieren. Anstelle von seichter Unterhaltung, die er insgesondere während seines Aufenhaltes in Paris ausgemacht hatte, sprach er sich für anspruchsvollere Kunsterziehung aus und entwickelte daraus schließlich seine Festspielidee. Er stellte sich vor allem eine vom Volke getragene „Deutsche Kunst“ vor („... daß Volk und Kunst gleich blüh' und wachs'“) und lässt den Meistersinger Pogner vortragen:

Was wert die Kunst und was sie gilt,
das ward ich der Welt zu zeigen gewillt.

Wie sich Wagner „seine Kunst“ vorstellte, das dokumentierte er in seiner Schrift: Das Kunstwerk der Zukunft. Seine revolutionären Kunst-Ideen stießen allerdings zu seiner Zeit auf eine starke Ablehnung der konservativen „Kunstlobby“.

In den „Meistersingern“ nimmt Wagner mit viel Humor und Originalität Menschen und Strukturen der etablierten Gesellschaft und des Kunst-Establishment aufs Korn. Er lässt den Kunst-toleranten Schusterpoeten Hans Sachs und den „Kunst-innovativen“ Ritter Walther von Stolzing für seine Kunstideale kämpfen, für die künstlerische Freiheit ansich und für die Bewahrung deutscher Kunst. In Sachs sieht Wagner (nicht nur sich selbst) die letzte Erscheinung des künstlerisch produktiven Volksgeistes und konfrontiert ihn mit der meistersingerlichen Spießbürgerschaft. Stolzing ist der „Erneuerer“ (Kunst-Revolutionär), so wie Wagner sich selber sah.


Historischer Hintergrund

Das Werk hat im Gegensatz zu anderen Musikdramen Wagners keinen erkennbaren mythologischen Hintergrund. Die Oberfläche des Werks stützt sich ganz auf Historisches. Wagner lässt wirkliche Personen aus der Zeit Nürnbergs im Zeitalter der Reformation, im 16. Jahrhundert auftreten, darunter den Dichter Hans Sachs. Dieser in Nürnberg und ganz Süddeutschland geliebte und verehrte Dichter und Schustermeister (1494–1576) war mit über 6.000 Werken (ca. 4.000 Meisterlieder, ca. 1800 Spruchgedichte, ca. 200 Dramen, Fabeln und Schwänke) einer der produktivsten deutschen Dichter. Er war nicht nur der bekannteste Vertreter der Meistersänger, sondern auch ein sehr toleranter Mensch. So schlug er z. B. vor, die Beurteilung von Meisterliedern seiner Nürnberger Zunft nicht nur den vier Merkern zu überlassen, sondern dies mehrmals im Jahr der Zuhörerschaft zu übertragen.

Richard Wagner entnahm sein Wissen um die Regeln der Meistersinger (die „Tabulatur“) vor allem der 1697 erschienenen Nürnberg-Chronik mit einem Anhang „Von der Meister-Singer holdseligen Kunst“ Johann Christoph Wagenseils (1633–1705), der im übrigen dieses pedantische Regelwerk auf die strengen Regeln und Vorschriften des jüdischen Talmud zurückführt. Die angeblich bereits im 14. Jahrhundert schriftlich fixierte Tabulatur, welche die Musik der höfischen Minnesänger dem Bedarf ihrer bürgerlichen Nachfolger adaptieren sollte, gibt zugleich einen detaillierten Einblick in das damalige Leben der Handwerkermeister.

Wagner hat allerdings nur die Namen, Regeln und Meistersinger-Bräuche von Wagenseil übernommen. Die Handlung und die Berufe der Meister entspringen zum größten Teil Wagners Phantasie. Er benutzte auch eigene Erfahrungen, wie das Erlebnis eines nächtlichen Sängerstreits mit Prügelei, an der er selbst in jungen Jahren (1835 in Nürnberg) beteiligt war und literarische Vorlagen wie E.T.A. Hoffmanns „Meister Martin, der Küfner, und seine Gesellen“ aus der Novellensammlung "Die Serapionsbrüder". Außerdem dürfte er Albert Lortzings Oper „Hans Sachs“ (UA 1840) gekannt haben.

Das Wort Meister-Singer besitzt eine doppelte Bedeutung. Einerseits waren alle Mitglieder der damaligen Gilden Meister in ihrem jeweiligen Beruf, andererseits bildeten die Meistersinger in vielen deutschen Städten eine eigene, angesehene Zunft, in deren fünfstufigem Rangsystem der Meistertitel analog zum Handwerkerberuf nur durch ein wirkliches Meisterstück errungen werden konnte. Wagner karikiert freilich einige Auswüchse - vor allem in der Person des strengen Stadtschreibers Beckmesser, dessen Name zum Synonym für engstirnige Pedanterie wurde.

Handlung

1. Akt: Katharinenkirche in Nürnberg

Im Nürnberg der Reformationszeit hat der reiche Goldschmied Veit Pogner seine einzige Tochter Eva demjenigen zur Ehe versprochen, der bei einem Wettsingen am bevorstehenden Johannistag den Preis gewinnen würde. Bei einem Kirchgang verliebt sich Eva jedoch auf den ersten Blick in einen jungen Ritter, Walther von Stolzing, der nach Nürnberg gezogen ist und sich ebenfalls für Eva interessiert. Walther erringt in der Kirche zunächst nur Evas Aussage, dass sie zwar zu freien sei aber ihr Herz schon längst an ihn verschenkt habe, gäbe es da nicht die Bedingung des Vaters: "ein Meistersinger muss es sein". Walther von Stolzing wagt sich also daran und bewirbt sich, zuvor noch instruiert vom Lehrbuben des Hans Sachs, David, während der abendlichen Sitzung der Meister in der Katharinenkirche mit einem Probegesang, um die Meistersingerwürde und damit Evas Hand zu gewinnen.

Sixtus Beckmesser, Stadtschreiber in Nürnberg, gehört der Zunft der Meistersinger an, in der er das Amt des „Merkers“ bekleidet. Er wähnte sich schon als sicherer Sieger des Wettstreits, weil er annehmen durfte, der einzige Teilnehmer zu sein. Bedenklich stimmte ihn nur die Regelung, dass Eva der Wahl zustimmen müsse. Seine Versuche, Pogner zu einer Änderung dieser Einschränkung zu bewegen, scheitern. Bedenken und Argwohn Beckmessers verstärken sich noch, als mit Walther von Stolzing ein neuer Bewerber und Konkurrent um den Meisterpreis auftritt. Die Regeln der Meistersinger erfordern, dass als erster Schritt zur Aufnahme in die Zunft ein Probegesang bestanden werden müsse. Als Merker hat Beckmesser ihn zu prüfen, und mit offenkundiger Parteilichkeit gelingt es ihm mühelos, die anwesenden Meister – ausgenommen Hans Sachs – zu überzeugen, dass der Bewerber wegen zahlreich begangener Fehler „versungen“ habe und als Mitglied und Meistersinger nicht geeignet sei. Der erste Akt endet im allgemeinen Tumult der von Beckmesser im Beharren auf strengster Regeltreue aufgewiegelten Meistersinger, wobei Walthers Lied, das er noch weiter zu singen versucht, dabei völlig untergeht. Der nachdenkliche Sachs aber erkennt die Intentionen Stolzings und argumentiert gegen die Vorurteile der etablierten Meister:

Halt Meister! Nicht so geeilt!
Nicht jeder eure Meinung teilt. –
Des Ritters Lied und Weise,
sie fand ich neu, doch nicht verwirrt;
verließ er unsre Gleise,
schritt er doch fest und unbeirrt.
Wollt ihr nach Regeln messen,
was nicht nach eurer Regel Lauf,
der eignen Spur vergessen,
sucht davon erst die Regel auf!

2. Akt: Straße in Nürnberg

Zu Beginn des zweiten Aktes, es ist Abend, genießt Sachs die laue Johannisnacht und poetisiert zu einer der schönsten, stimmungsvollsten Wagner-Kompositionen: Wie duftet doch der Flieder, so mild, so stark und voll! Mir löst er weich die Glieder, will, dass ich was sagen soll. –

Sachs macht sich Gedanken über den Liedvortrag des Junkers, konnte das, was er hörte, einerseits nicht behalten, andererseits auch nicht vergessen und auch nicht messen, denn keine Regel wollte da passen... „und war doch kein Fehler drin. – Es klang so alt und war doch so neu!“ Er erkennt nicht nur neues der Liedkunst, sondern auch die Liebe zwischen Stolzing und Eva und verzichtet auf seine Ambitionen. Er findet sich zu alt, um sich mit der jungen Eva zu vermählen. Weiterhin auf „Freiers Füßen“ ist Beckmesser; er meldet seine Ambitionen auf Eva an und bringt ein putziges Ständchen auf seiner Laute. Aber der minnige Stadtschreiber wird vom schusternden Sachs gestört. Sachs spielt nun den strengen „Merker“ und kommentiert die Verse des Laute-spielenden Werbers auf seine Weise, nämlich indem er mit dem Hammer auf die Schuhsohlen schlägt - eine Parallele zur Merkerszene des ersten Akts, bei der Beckmesser lautstark die Fehler Walthers auf einer Tafel mit Kreide anschrieb. Lautengezupfe, Minnegesang und Schustergeklopfe wecken die schlafenden Nachbarn und es kommt zu einer der originellsten und turbulentesten Chorszenen der Operngeschichte, die Prügelszene als große Chorfuge, einem musikalischen "Fugato" von äußerster Raffinesse. Als arg zerzaustes Opfer verlässt der geprügelte Beckmesser am Ende des Aktes die Bühne. Im allgemeinen Tumult verhindert Sachs die Flucht Stolzings und Evas. Als der Nachtwächter auftaucht, ins Horn bläst und die Glocken „Elfe“ schlagen lässt – kehrt in Nürnberg wieder Ruhe ein.

3. Akt: Sachsens Schreibstube

Hans Sachs grübelt frühmorgens in seinem Lehnstuhl über den "Wahn" der Welt (Wahnmonolog) und über die merkwürdigen Ereignisse der vergangenen Nacht. Im nächtlichen Tumult hat Hans Sachs Walther von Stolzing in sein Haus gerettet. Sachs ist von dem außergewöhnlichen Talent des jungen Ritters überzeugt, und so bringt er ihn am Morgen dazu, aus der Schilderung eines Traumes ein wahres "Meisterlied", das auch den Regeln der Zunft standhalten würde, zu verfassen. Stolzing ist zuerst skeptisch: Wie soll aus meinem Traum ein Lied entstehen?

Eugen Gura als Hans Sachs
Mein Freund, das grad’ ist Dichters Werk,
dass er sein Träumen deut’ und merk’.
Glaubt mir, des Menschen wahrster Wahn
wird ihm im Traume aufgetan:
all Dichtkunst und Poeterei
ist nichts als Wahrtraum-Deuterei.

So antwortet Sachs, und Walther singt seinen Morgentraum. Sachs ist beeindruckt, weil hier einer eine neue Idee hat und selber dazu Regeln aufstellt und hat alles notiert.

Beckmesser, der Sachs kurz darauf besucht, in Not wegen seines durchgefallenen Lieds und arg lädiert von der nächtlichen Prügelei, findet das Lied und wirft dem Witwer Sachs vor, heimlich selbst um Eva werben zu wollen, obwohl er das stets bestritten habe. Sachs versichert erneut, nicht als Werber auftreten zu wollen und schenkt Beckmesser das Lied, das dieser hocherfreut einsteckt. Mit einem Lied von Sachs könne nun nichts mehr schiefgehen, meint er. Inzwischen ist Eva, ebenfalls Rat suchend, bei Sachs eingetreten. Sachs, der selbst, obwohl er nicht um sie werben wollte, für Eva eine tiefe, an Liebe grenzende Sympathie empfindet, erkennt aber rechtzeitig, dass Walther von Stolzing der einzig Richtige und Eva für diesen die rechte Braut sei und entsagt selbst. Walther singt vor Sachs und Eva sein neu gedichtetes Meisterlied, Sachs spricht einen symbolischen Taufspruch für die neue „Morgentraumdeut-Weise“, zu der Wagner eines der schönsten Gesangs-Quintette geschrieben hat: Sachs, Eva, Walther, David und seine junge Braut Magdalena preisen jeweils aus ihrer Sicht das Glück der Stunde und singen: „Selig, wie die Sonne meines Glückes lacht“.

3. Akt: Festwiese in Nürnberg

Eine musikalische Verwandlung führt von der Schusterstube zur Festwiese, auf der das Volk schon versammelt ist und den feierlichen Einzug der Meistersinger erwartet. Sachs wird hymnisch mit einem Choral begrüßt, dem berühmten: Wach auf, es nahet gen den Tag...

Darauf beginnt der Wettgesang des Johannisfests. Beckmesser stimmt das ihm von Sachs geschenkte Lied an, scheitert indes kläglich beim Vortrag, weil er den Text fehlerhaft entstellt und zu seiner eigenen unpassenden Melodie zu singen versucht. Wütend wirft er das Blatt zu Boden, erklärt der verwunderten Menge, das Lied sei gar nicht von ihm, Sachs habe ihm absichtsvoll ein schlechtes Lied aufgedrängt, und verlässt verlacht und gedemütigt die Bühne. Sachs erklärt, das Lied sei nicht von ihm und ruft Walther von Stolzing als Zeugen heraus, der durch richtigen Vortrag beweisen soll, dass er der Dichter des Liedes sei. Stolzing trägt sein Lied vor (Morgendlich leuchtend im rosigen Schein...), und überzeugt vollständig, auch alle anwesenden Meister, die ihn am Vorabend noch kritisiert hatten. Die Meister erklären feierlich seine Aufnahme in die Meistersingergilde, Walther aber lehnt dies zunächst ab – "will ohne Meister selig sein!". Sachs ist wieder gefordert und belehrt den Freigedank: „Verachtet mir die Meister nicht und ehrt mir ihre Kunst!“ Er klärt alle Zuhörer über die Vorzüge der Tradition auf und beschließt seine Ansprache mit einer eindringlichen Warnung:

Was deutsch und echt, wüsst’ keiner mehr,
lebt’s nicht in deutscher Meister Ehr’.
Drum sag’ ich euch:
ehrt eure deutschen Meister,
dann bannt ihr gute Geister!
Und gebt ihr ihrem Wirken Gunst,
zerging’ in Dunst das Heil’ge Röm’sche Reich,
uns bliebe gleich die heil’ge deutsche Kunst!

Alle Mitwirkenden auf der Bühne: das Volk, die Meister und auch Stolzing, der nun die Meisterehre annimmt, stimmen Sachs euphorisch zu: „Heil, Sachs! Nürnbergs teurem Sachs!“.

Entstehung

Die erste Skizze zur Oper verfasste Wagner 1845 bei einem Kuraufenthalt in Marienbad. Seine Absicht war, damit ein heiteres Gegenstück im Sinne eines Satyrspiels zu Tannhäuser zu schaffen. Der Entwurf blieb jedoch zunächst unrealisiert. Erst 1861 erinnerte Wagner sich wieder daran, als er einen neuen Opernstoff für ein schnell zu realisierendes Erfolgsstück suchte, um sich aus akuter Geldnot zu retten. Bei einem kurzen Aufenthalt in Venedig soll ihn der Anblick eines Marienbilds von Tizian so bewegt haben, dass er spontan beschloss, die „Meistersinger von Nürnberg“ nun auszuführen. Eine Inspirationslegende, die stark anzuzweifeln ist.

Richard Wagner um 1862 (Portrait von Cäsar Willich)

Wagner begann jedoch gleich anschließend tatsächlich mit der Vorbereitung und fertigte einen neuen Entwurf, als er in Wien vergeblich auf die Realisierung der Erstaufführung von Tristan und Isolde wartete. Seinen Entwurf bot er dem Mainzer Verleger Franz Schott an, der ihn dann kurzfristig mit der Fertigstellung beauftragte und einen ansehnlichen Vorschuss an Wagner zahlte. Dieser begab sich sofort nach Paris und schrieb dort in völliger Zurückgezogenheit in nur 30 Tagen die Dichtung. Anfang Februar 1862 reiste er nach Mainz und las im Schott-Verlagshaus am Weihergarten Nr. 5(Meistersingersaal) den Text vor.[1] Um in Ruhe komponieren zu können, zog er in ein am Rheinufer gelegenes Landhaus nach Wiesbaden-Biebrich.

Die Ouvertüre zu „Die Meistersinger" entstand, abgesehen von einigen losen musikalischen Gedankenskizzen, in wenigen Wochen nach Fertigstellung des Textes zwischen Palmsonntag und Ostern (13. bis 20. April) 1862. Diese als „Vorspiel" bezeichnete Orchestereinleitung wurde schon im Jahr der Entstehung, und bevor die ganze Oper fertig war, bei einem Konzert unter Wagners Leitung in Leipzig dem Publikum vorgestellt. Erst nachdem Wagner in König Ludwig II. von Bayern einen Förderer gefunden hatte, konnte er die Komposition seiner „Meistersinger“ beenden, die schließlich am 21. Juni 1868 in München zur Uraufführung kamen.

Außer seinem frühen, nur selten aufgeführten Werk „Das Liebesverbot“ ist „Die Meistersinger von Nürnberg“ die einzige komische Oper, die Wagner schrieb - er hat sie jedoch selbst nicht als solche bezeichnet, enthält sie doch durchaus auch dunkle, melancholische Zwischentöne. Nach der ekstatischen musikalischen Handlung von „Tristan und Isolde“, in welcher Wagner die bis zum Schluss vergebliche Sehnsucht nach Liebe formulierte, schuf er hier eine Atmosphäre, die von der festlich-feierlichen Tonart C-Dur und zahlreichen Chorälen und Fugen dominiert wird. „Die Meistersinger“ feiern die Kunst selbst und ihre religiöse Überhöhung. Wagner zitiert in diesem Werk auch alterümliche musikalische Formen und bezeichnete sein Werk selbst als „angewandten Bach“.

Mit „Die Meistersinger von Nürnberg“ wurde am 21. August 1901 das Prinzregententheater in München eingeweiht. Auch als das neue Nürnberger Opernhaus im Jahre 1905 eröffnet wurde, spielte man – wohl nicht zuletzt aufgrund des lokalen Bezuges – „Die Meistersinger“. Ebenso in München 1963 zur Wiedereröffnung des im Krieg zerstörten, wiederaufgebauten Nationaltheaters und 1988 in Essen zur Eröffnung des Aalto-Theaters

Zur Figur des Beckmesser

Die Figur des Beckmesser gilt als Parodie auf den Wiener Musikschriftsteller Eduard Hanslick, der ein heftiger Kritiker der Musik Wagners war und folgerichtig auch später an den Meistersingern keinen Gefallen fand. Im zweiten Entwurf der Oper hatte Beckmesser noch den vielsagenden Namen Veit Hanslich. Dieser Auffassung widerspricht allerdings die Tatsache, dass Wagner die Figur in allen ihren späteren Zügen bereits in seiner ersten Skizze von 1845 angelegt hatte, als er Eduard Hanslick noch gar nicht kannte.

Dagegen wurde und wird Beckmesser verschiedentlich als antisemitische Karikatur gesehen: Wagner habe versucht, in Beckmessers missglückten Liedern jüdischen Synagogengesang zu parodieren. Der Vorwurf des Antisemitismus, der u. a. von Theodor W. Adorno erhoben wurde, ist wiederholt Thema wissenschaftlichen Symposien auch in Bayreuth gewesen. In neuerer Zeit hat vor allem Walter Jens versucht, die Figur des Beckmesser zu rehabilitieren, der ein notwendiges Gegengewicht zu Sachs und Stolzing verkörpere: „Der Stadtschreiber hat auf der Bühne zu bleiben, er wird noch gebraucht!“ Diese Forderung ist verschiedentlich aufgegriffen worden und hat in einigen Regiearbeiten ihren Niederschlag gefunden.

Davon abgesehen ist die Figur des Beckmesser deutlich verwandt mit Shakespeares Malvolio in der Komödie Was ihr wollt. Beckmesser gleicht in vielem bis in Handlungsdetails Malvolio, hier wie dort wird einem Außenseiter und Sonderling übel mitgespielt.

Wagner hat Beckmesser als streng regelkonformen, akademisch konservativen und an den Buchstaben der Vorschriften klebenden Charakter gezeichnet, der zu eigener künstlerischer Leistung und Kreativität nicht fähig ist. Er versucht unverändert seine einmal gefundene Melodie beizubehalten und zwingt ihr später auch den von ihm entwendeten Text seines Konkurrenten Walther von Stolzing auf, den er nicht versteht und fehlerhaft entstellt übernimmt.

Einspielungen (Auswahl)

Historische Dokumente

Spätere Aufnahmen

Ehrungen

Briefmarke 1968

1968 gab die Deutsche Bundespost eine Briefmarke zum einhundertsten Jahrestag der Uraufführung heraus.

  1. http://www.schott-musik.de/about/history/wagner_years/index.html