Cameo (Medien)
Ein Cameo-Auftritt, auch genannt Cameo [], englisch für Gemme (geschnittener (Halb-) Edelstein, der mit einem erhabenen Reliefbild oder Kamee verziert ist) bezeichnet das überraschende und zeitlich begrenzte Auftreten einer bekannten Person in einem Film oder einer Serie. In der Regel wird die betreffende Person in der Werbung zum Film und im Vorspann nicht erwähnt, gelegentlich jedoch im Abspann. Die Bezeichnung soll andeuten, dass der überraschende Auftritt aus dem Film herausragt wie das Bild einer Kamee (engl. „Cameo“).
Bei einem typischen Cameo-Auftritt mischt sich ein Prominenter unter die Statisten. Er legt es nicht darauf an, erkannt zu werden, und spielt keine individuelle Rolle. Meist sind es Regisseure, Autoren oder Produzenten, die diesen kurzen und unauffälligen Auftritt in „ihrem“ Film wählen. Gelegentlich bekleidet der Prominente eine kleine, aber vollwertige Sprechrolle. Er soll die Szene oder den Film mit seinem Auftritt aufwerten. In manchen Fällen tritt er als „er selbst“ auf, wenn auch gelegentlich in Verkleidung. Wird der Prominente in den Credits nicht genannt, so kann dies verschiedene Gründe haben: Er sieht sich nicht als Schauspieler (Regisseure und Autoren beispielsweise) oder die Anwesenheit des Prominenten soll eine besondere Überraschung darstellen.
Bekannt für seine Cameo-Auftritte ist vor allem Alfred Hitchcock. Heute sind vor allem Quentin Tarantino, Peter Jackson und Stephen King für kurze Gastauftritte, meist in ihren eigenen Filmen, bekannt. Auch Erich Kästner war häufig in den Verfilmungen seiner Kinderbücher kurz zu sehen, etwa in Emil und die Detektive als genervter Anwohner oder in Das fliegende Klassenzimmer als Erzähler. Außerdem trat Stan Lee, Begründer der Marvel-Comics, in vielen Comic-Verfilmungen in Statistenrollen auf, meist jedoch auch im Abspann benannt. Der Kurzauftritt des Produzenten bzw. Regisseurs ist nicht auf reine Unterhaltungsfilme beschränkt. Im deutschen Autorenkino zeigte sich insbesondere Rainer Werner Fassbinder in seinen Filmen als Komparse oder Statist, so in Die Ehe der Maria Braun in einer Szene als Schwarzmarkthändler.
Erste Verwendung des Begriffs
Der Begriff Cameo-Auftritt wurde geprägt vom Produzenten Michael Todd während seiner Produktion des Jules-Verne-Klassikers In 80 Tagen um die Welt (1956, mit David Niven als Phileas Fogg und Cantinflas als Passepartout in den Hauptrollen. Als weitere Hauptrolle spielt außerdem Shirley MacLaine die indische Prinzessin Aouda.)
In diesem Film, für den ein zu seiner Zeit außerordentlicher Produktionsaufwand betrieben wurde, treten 80 bekannte Stars in Cameo-Rollen auf, darunter Frank Sinatra als Barpianist, Marlene Dietrich als Bar-Hostess, Trevor Howard als Reformclubmitglied Denis Fallentin, John Gielgud als Foggs ehemaliger Diener Foster, Fernandel als begriffsstutziger Droschkenkutscher, Buster Keaton als Eisenbahnschaffner, Peter Lorre als Steward auf der „Carnetic“ und John Carradine als Colonel Proctor. Alle diese Auftritte wurden im animierten Original-Abspann „Who was seen in what scene...“ erwähnt.
Hitchcocks Cameos
Vater aller Cameo-Auftritte ist zweifelsohne Alfred Hitchcock, dessen erster bekannter Cameo-Auftritt im Film Der Mieter 1927 stattfand. Der ursprüngliche Grund für Hitchcocks Auftritte war zweckmäßiger Natur: Da in einigen Szenen seiner ersten Filme Statisten fehlten, mischte er sich mit Teilen der Filmcrew unter die fehlende Menge. Aus der Not am Anfang wurde jedoch sehr bald eine Tradition und ein Mittel der Selbstvermarktung. In späteren Jahren war es eher eine lästige Pflicht. Da das Publikum immer weniger auf die Handlung achtete als vielmehr auf Hitchcock lauerte, wurde sein Auftritt möglichst früh im Film inszeniert.
Einige der bekanntesten Beispiele:
- In Der Fremde im Zug besteigt er mit einem Cello einen Zug.
- In Über den Dächern von Nizza sitzt er neben John Robie alias Cary Grant im Bus.
- Im Film Der unsichtbare Dritte verpasst er unmittelbar nach dem Vorspann einen Bus.
- In Die Vögel verlässt er eine Tierhandlung, gezogen von zwei kleinen angeleinten Hunden (seinen eigenen).
- In Familiengrab, seinem letzten Film, sieht man seine Silhouette hinter der Milchglasscheibe einer Türe mit der Aufschrift: „Registrar of Births and Deaths“ (auf Deutsch: Registratur für Geburten und Sterbefälle).
Literaturnachweise
- Michael Töteberg, Rainer Werner Fassbinder (Reihe Rowohlt Biographie), Reinbek 2002, ISBN 3-499-50458-8.